1930

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Inhaltsverzeichnis

Januar 1930

  • 3. Januar (bis 20. Januar): Zweite Haager (Abschluß) Konferenz. Führer der deutschen Delegation ist der neue Außenminister Curtius. Die erste Haager Konferenz (6.-31. August 1929) hatte den Übergang vom Dawes- zum Youngplan sowie verschiedene andere Fragen (Schiedsgericht, Ausgestaltung der Internationalen Bank usw.) noch nicht endgültig festgesetzt. Dies soll nunmehr geschehen. Erneut kommt es hierbei zu heftigen diplomatischen Kämpfen. Deutschland verlangt, daß unter der Herrschaft des neuen Planes für alle Zukunft. Jede Möglichkeit von „Sanktionen“ ausgeschaltet wird; die Franzosen hingegen bestehen auf ihren vertraglichen Rechten. Schließlich einigt man sich, eine neue Schiedsinstanz einzufügen: Entscheidet das Schiedsgericht gegen Deutschland, so behalten sich die Franzosen alle Rechte aus dem Versailler Vertrag vor. Ferner fordern sie im Hinblick auf die unhaltbare deutsche Kreditwirtschaft Befugnisse zu einer Kontrolle der deutschen Finanzen. Schon drohen sie mit Aufschub der Räumung der III. Zone. Wieder versucht man, die Deutschen einzuschüchtern. Der englische Delegierte Snowden ruft ihnen zu: „Wenn Sie die Fortsetzung des Dawesplanes haben wollen, so stehen wir Ihnen jeder- zeit zur Verfügung.“ Schließlich wird am 20. Januar das Schlußprotokoll und das gesamte Vertragswerk unterzeichnet

Der Youngplan

Deutschland soll endgültig zahlen:

Für die Zeit v. 1. Sept. 1929 bis 31. März 1930 (Übergang vom Dawes- zum Youngplan) 742,8 Millionen Goldmark
I. Abschnitt: 1. April 1930 bis 31. März 1966 im Durchschnitt jährlich 2187,2 Millionen Goldmark
II. Abschnitt: 1. April 1966 bis 31. März 1985 im Durchschnitt jährlich 1666,7 Millionen Goldmark
III. Abschnitt: 1. April 1985 bis 31. März 1988 im Durchschnitt jährlich 918,1 Millionen Goldmark
Diese Reparationsschulden von insgesamt rund 114 Milliarden innerhalb 59 Jahren haben den Charakter privater Verpflichtungen an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel erhalten. Hier soll Deutschland eine Schuldenurkunde niederlegen. Die Zahlungen des Reiches sollen in Devisen an die Bank in Basel erfolgen, die ihrerseits den Transfer übernimmt. Sachleistungen sind nur für die ersten 10 Jahre zugelassen.
Von der Gesamtsumme sollen jährlich 660 Millionen ungeschützt sein, d. h. sie sollen auf jeden Fall entrichtet werden. Diese ungeschützten Leistungen können in Wertpapieren verkörpert und an den Börsen gehandelt, also „kommerzialisiert" und _mobilisiert" werden. Bei Gefahr für Währung und Wirtschaftsleben war Aufschub des Transfers bis zu 2 Jahren möglich.
Für den Rest der Summe sollte je nach den Wirtschaftsverhältnissen — entgegen den Wünschen der Franzosen — die Beantragung eines Moratoriums möglich sein.
Man bezeichnete sie als die geschützten Leistungen.
Als Gegenleistung wurde vereinbart, daß fortan alle Sanktionen und Pfänder fallen sollten. Etwaige Streitigkeiten sollte künftig der Haager Schiedsgerichtshof entscheiden. Die Reparationskommission löst sich damit auf. Mutwillige Zerreißung des Youngplanes sollte den Gläubigermächten ihre Handlungsfreiheit zurückgeben.
  • 14. Januar: Horst Wessel wird in seiner Wohnung überfallen. Er hatte am 1. Mai 1929 in Berlin-Friedrichshain die Führung des SA- Trupps 34 übernommen und ihn in kurzer Zeit zum Sturm 5 musterhaft ausgebaut. Starke kommunistische Anfeindungen. Er schlief daher fast nur noch außerhalb seiner Behausung. Bei der Rückkehr vom Begräbnis seines Bruders, der im Riesengebirge beim Skilaufen erfroren war, brach er jedoch in seiner Wohnung zusammen. Da erfolgte der Überfall.
  • 20. Januar: Erneuter Konfliktausbruch zwischen Bolivien und Paraguay um das Gran-Chaco-Gebiet. Schon in früheren Jahren war es zwischen beiden Staaten wiederholt zu Streitigkeiten um dieses an Bodenschätzen reiche Urwaldgebiet gekommen. Erst Ende 1928 hatten blutige Zusammenstöße ihren Anfang genommen. Die vorübergehend im folgenden Jahre beigelegt worden waren. Jetzt brach der Konflikt erneut aus. Wurde jedoch im Mai 1930 durch ein gemeinsames Schreiben an den Völkerbund für beendet erklärt. Die Diplomaten beider Staaten konnten sieh aber nicht einigen. Im Sommer 1932 gingen die Kampfe zwischen den Grenztruppen in den offenen Krieg über und erreichten im Jahre 1934 ihren Höhepunkt.
  • 21. Januar (bis 22. April) Londoner Seeabrüstungskonferenz, sogenannter Fünf-Mächte-Vertrag: USA, England, Frankreich, Italien und Japan verzichten bis 1936 auf den Bau von Panzerschiffen. Dagegen dürfen Frankreich und Italien gewisse Ersatzbauten, die ihnen auf Grund der Washingtoner Konferenz (11. November 1921 bis 6. Februar 1922) erlaubt waren, zu Ende führen. USA sollte 3, England 5 und Japan 1 Panzerschiff abwracken. U-Boote dürfen —bis auf einige besonders vereinbarte Ausnahmen — nicht mehr als 2000 t Wasserverdrängung haben mit einem höchsten Geschützkaliber von 13 cm. Zwischen VSA, Japan und England wird außerdem ein besonderes Abkommen über Begrenzung von Kreuzern, Zerstörern und U-Booten geschaffen. Ferner enthält der Vertrag Regeln über die Behandlung von Handelsschiffen durch U-Boote in Kriegszeiten. Diesen Vertrag hat Japan Herbst 1934 aufgekündigt.
  • 23. Januar: Dr. Frick tritt in die thüringische Regierung ein und wird damit als erster Nationalsozialist Minister. Bei seinen Maßnahmen gerät er sehr bald mit dem Reichsminister des Inneren, Severing, in schwere Konflikte. Dieser läßt schließlich, der thüringerischen Polizei die Reichszuschüsse sperren. Als Severing zurücktritt, muß sein Nachfolger Wirth diese Anordnung wieder aufheben Es ist ein offenkundiger Erfolg der Hitlerbewegung.
  • 28. Januar: In Spanien tritt Primo de Rivera zurück. Unter der Regierung dieses Militärdiktators wurde der Marokkoaufstand der Rifkabylen beendet und mit Frankreich ein Ausgleich über die Verhältnisse in Nordafrika geschaffen. Auch im Inneren gelang es ihm zunächst, das durch Parteikämpfe zerrüttete Land zu beruhigen und eine Reihe wirtschaftlicher Reformen durchzuführen. Seit 1929 hatte er aber erneut mit vielfachen, bis zum offenen Aufruhr gehenden Offiziers- und Studentenaufständen zu kämpfen. Nach seinem Rücktritt übernahm General Berenguer die Leitung der Regierungsgeschäfte. Primo de Rivera starb 1931 in der Verbannung in Frankreich.

Februar 1930

Ruhestätte Wessels
Bei seinem Begräbnis am 1. März kommt es zu wüsten Tumultszenen.

März 1930

Tirpitz wurde am 19. März 1849 geboren. 1877-88 organisierte er die Torpedowaffe. Als Chef des Stabes des Oberkommandos der Kaiserlichen Marine führte er 1892 —95 wichtige Neuorganisationen der Geschwader sowie der Gefechtsausbildung der Seestreitkräfte durch.
1896/97 war er Chef des Kreuzergeschwaders in Ostasien und wurde dann Staatssekretär' des Reichsmarineamtes. Durch die großen Flottengesetze von 1898 und 1900 schuf Tirpitz die deutsche Hochseeflotte. Dank seiner Tätigkeit wurde das Reich die zweitstärkste Seemacht der Welt. 1911 wurde er zum Großadmiral ernannt, geriet aber während des Krieges durch seine Befürwortung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges sowie des Einsatzes der Hochseeflotte in Gegensatz zur Politik Bethmann Hollwegs und trat im März 1916 von seinen Ämtern zurück. :1924-28 War er deutschnationaler Abgeordneter im Reichstag.
  • 7. März: Dr. Schacht tritt als Reichsbankpräsident zurück. Sein Nachfolger wird Dr. Luther.
  • 12. März: Der Reichstag nimmt den Youngplan mit 265 gegen 192 Stimmen nach heftigen Kämpfen an. Das Zentrum (Brüning) stimmt der Vorlage nur unter der Bedingung zu, daß gleichzeitig auch die Finanzen des Reiches saniert werden. Insonderheit müssten unverzüglich sämtliche Ausgaben eingeschränkt und die Arbeitslosenversicherung reorganisiert werden. Die Linksparteien wollen diesem Verlangen nicht in dem notwendigen Umfange nachkommen. Jetzt aber greift der Reichspräsident ein. Er gibt Brüning sein Wort, daß er jedes verfassungsmäßige Mittel anwenden wird, um die Finanzierung durchzusetzen. Erst nach diesem Versprechen stimmt das Zentrum der Regierungsvorlage zu. Der Youngplan ist damit angenommen.
  • 13. März: Reichspräsident von Hindenburg vollzieht die Younggesetze und erläßt gleichzeitig eine Kundgebung: „Viele haben in wohlmeinender Absicht an mich persönlich die Bitte gerichtet, meinen, des früheren Heerführers, Namen nicht dadurch vor der Geschichte zu verdunkeln, daß ich mit ihm diese Gesetze decke. Ich habe mein Leben in der großen Schule der Pflichterfüllung, in der alten Armee, verbracht und hier gelernt, stets ohne Rücksicht auf die eigene Person meine Pflicht gegenüber dem Vaterland zu tun. Deshalb hatte bei meiner Entscheidung jeder Gedanke an mich vollständig zurückzutreten. Zu einer Ablehnung konnte ich mich im Gefühl meiner Verantwortung für Deutschland nicht entschließen."
Am gleichen Tage eröffnet Gandhi den Ungehorsamsfeldzug gegen England:
Großbritannien hatte seit dem Kriege Indien immer wieder neue Zugeständnisse in der Frage seiner Freiheit machen müssen, die gesetzmäßig in der Verfassung vom Jahre 1919 gipfelten. Die nationale Bewegung verschärfte sich aber in den folgenden Jahren immer mehr und führte zu blutigen Aufständen. Im Gegensatz zu solchen tätlichen Auseinandersetzungen steht Gandhi, der die Befreiung von der englischen Herrschaft durch passiven Widerstand, Boykott englischer Waren und Errichtung von entsprechenden Heimindustrrien Tuchweberei, Salzgewinnung aus dem Meer usw.) va erreichen sucht.
  • 17. März: Der deutsch-polnische Zollkrieg wird durch ein Wirtschaftsabkommen gemäßigt. Deutschland nimmt in Zukunft 320.000 Tonnen Kohle jährlich und eine bestimmte Menge Schweinefleisch von Polen ab.
  • 27. März: Rücktritt des sozialdemokratischen Kabinetts Hermann Müller.
Brüning wird am 30. März als Reichskanzler berufen.
Er bildet ein bürgerliches Konzentrationskabinett mit Männern ohne strenge Parteibindung. Hindenburg erteilt dem neuen Kanzler die Vollmacht zur Auflösung des Reichstages, falls dieser nicht in die ihm zur Vorlage gelangenden Sanierungsgesetze einwilligt.

Mai 1930

  • 17. Mai: Der Youngplan tritt in Kraft. Seine Lasten können in Deutschland jetzt nur noch durch die Nation selbst - nicht mehr durch Anleihen — aufgebracht werden: Durch neue Steuern, Gehalts- und Lohnkürzungen der Beamten und Arbeiter und schließlich durch Herabsetzung der Arbeitslosen-, Kriegs- und anderer Unterstützungen. Diese Mittel herbeizuschaffen, ist die wichtigste Aufgabe der neuen Regierung Brüning.

Juni 1930

Nach dem Niederholen der fremden Flaggen rücken die letzten Reste der Besatzung am Nachmittag aus Mainz und Kehl nach Frankreich ab. Die gesamten Kosten der Rheinlandbesetzung beliefen sich auf 9 Milliarden Reichsmark, die von Deutschland getragen werden mußten.
Befreiungsfeiern am Rhein unter Anwesenheit von Hindenburg. Die linksgerichtete Preußenregierung wollte hierzu das Verbot des rheinländischen Stahlhelms nicht aufheben. Erst das Eingreifen des Reichspräsidenten ermöglichte den Frontkämpfern die Teilnahme an der Feier.

Juli 1930

  • 7. Juli: Marsch der 12.000 Lappoanhänger auf Helsingfors. Es handelt sich um national eingestellte Finnen, die Maßnahmen zur energischen Unterdrückung des Kommunismus fordern und im Laufe des Jahres bei der Regierung auch durchsetzen.
  • 16. Juli: Aufhebung des Stahlhelmverbotes in Westdeutschland. Am gleichen Tage erläßt die Regierung Brüning auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung eine Notverordnung zur Deckung des Reichsetats. Das Defizit betrug damals etwa 800 Millionen Reichsmark.
  • 18. Juli: Der Reichstag hebt mit 236 gegen 221 Stimmen die am 16. Juli erlassene Notverordnung auf, worauf ihn Brüning auflöst. Die Notverordnung wird am 26. Juli vom Kabinett erneuert.
  • 21. Juli: Tschitscherin tritt als russischer Außenkommissar zurück, sein Nachfolger wird Litwinow.

Arbeiterfürsorge durch die NSDAP

Diese beginnt im Sommer 1930 eine Einrichtung zu schaffen, welche die Rechte des Arbeiters beim Abschluß von Arbeitsverträgen wahren soll. Außerdem soll sie die Arbeitsvermittlung, die Unterstützung, bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Rechts- und Todesfällen usw. in die Hand nehmen. Sie erhält den Namen „Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation (NSBO)" und hat ihren Zentralsitz in München.

September 1930

Sie bringen den größten und folgenschwersten Umschwung der deutschen Parlamentsgeschichte: Die Zahl von 12 nationalsozialistischen Abgeordneten ist auf 107 gestiegen.
Die Wahlbeteiligung war sehr rege: Der Wählerzuwachs beträgt 4,6 Millionen, die Zahl der Reichstagsabgeordneten schnellt damit von 491 auf 577 herauf. Im Reichstag müssen neue Sitze angebaut werden.
  • 25. September: Hitler schwört vor dem Reichsgericht im Prozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere den bekannten Eid, daß er seine Ziele nur auf legalem Wege zu erreichen strebt.

Oktober 1930

Auch in der NSDAP selbst kommt es in dieser Zeit zu unerquicklichen Auseinandersetzungen. Sie führen zum Ausscheiden Dr. Otto Straßers, des Bruders Gregor Straßers. und seiner Anhänger. Auch Hauptmann Stennes lehnt sich im Dezember gegen die Oberste SA-Führung auf und wird gleichfalls von der Partei ausgeschlossen.
Hitler organisiert nunmehr die SA um. Sie wird in 10 Gruppen von je etwa 30.000 Mann eingeteilt. Die Gruppen wiederum werden in Untergruppen, Standarten, Sturmbanne, Stürme, Trupps und Scharen gegliedert und in Obergruppen zusammengefaßt. An die Spitze der SA wird ein Stabschef gestellt.
  • 30. Oktober: Im ewigen Eis werden die Reste der Andrdèe Expedition, die Photos und Tagebücher, gefunden und in die Heimat nach Stockholm überführt.
Der schwedische Ballonfahrer und Polarforscher S. Andrdèe war am Juli 1897 mit seinen Begleitern Fränkel und Strindberg im Ballon aufgestiegen, um auf diese Weise den Versuch zu machen, den Nordpol zu erreichen. Seither blieb die Expedition verschollen, bis der heiße Sommer 1930 das Todeslager der drei auf der Insel Vitö freilegte.

November 1930

Dezember 1930

  • 1. Dezember: Deutsche Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen.
Inzwischen steigt die Zahl der Arbeitslosen unaufhaltsam und beträgt am Ende des Jahres über 4 Millionen.
  • Die Gesamtmitgliederzahl der NSDAP belief sich um diese Zeit auf 389.000.
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