Aberglaube

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Aberglaube ist ein wahrscheinlich aus dem niederländischen overgeloof (das dem lat. superstitio „Überglaube“ nachgebildet ist[1] – daher gelegentlich auch: Superstition) abgeleitetes, ins Hochdeutsche übernommenes Wort und bedeutet soviel wie „falscher Glaube“ („aber“ steht hier im Sinne von „gegen, falsch, widersinnig“). Der Begriff wird in der Regel im abwertenden Sinne verwendet.

Definition und Geschichte

Da dasjenige, was den „wahren Glauben“ ausmacht, für verschiedene Völker und Zeiten sehr unterschiedlich ist, so erscheint dem einen als ein Aberglaube, was einem anderen hingegen bereits wahrer Glaube ist. Die den weniger gebildeten Menschen eigentümlichen Anschauungen stellen sich den höher Gebildeten, sofern sie mit ihren höher entwickelten Vorstellungen in Widerstreit geraten, als Aberglaube dar, also namentlich Überbleibsel früherer sinnlicher Vorstellungen, sofern sie als Verunreinigung des geistigen und sittlichen Glaubens erscheinen.[2]

Als Überrest der alten Naturreligionen bezieht sich der sogenannte Aberglaube deshalb meist auf das Walten geheimer Naturmächte; er sieht entweder rein passiv in Naturvorgängen Vorzeichen (omina) der eigenen Schicksale (siehe Alchemie und Astrologie), und deutet Dinge, die mit den menschlichen Verhältnissen keinen Zusammenhang haben, wie den Flug der Vögel, den Befund der Eingeweide geopferter Tiere, die Arcana (Arcanum), zu Anzeichen für Gelingen oder Mißlingen menschlicher Tätigkeiten um, spürt in gewissen Tatsachen der äußeren und innern Schöpfung (siehe Talisman, Wünschelrute) Parallelen zum eigenen Handeln und Ergeben auf, oder sucht mehr aktiv durch geheimnisvolle Handlungen, die ohne natürlichen Einfluß auf die Sache sind, dem Eintritt befürchteter Ereignisse vorzubeugen und den gewünschter Naturvorgänge herbeizuführen oder zu beschleunigen. Im letztern Falle nimmt der Aberglaube die Formen vermeintlicher Zauberei und Magie an, wie bei Besprechungen und Beschwörungen.[3]

Die verschiedenen Arten des antiken Aberglaubens lernt man besonders durch Lucian kennen, der sie in Einzelsatiren verspottete. Auf dem Standpunkt des Christentums wurde als Aberglaube namentlich die Reste aus dem Vorstellungskreise der heidnischen Zeit bezeichnet, die der Volksglaube vielfach erhalten hat[4]. In der Zeit Karls des Großen wurde ein offizieller „Indiculus superstitionum et paganarium“ zusammengestellt, der gegen den fortlebenden altheidnischen Glauben unter den Christen eiferte. Dasselbe taten zahlreiche Konzilbeschlüsse sowie weltliche und kirchliche Verordnungen. Aber auch innerhalb der christlichen Religion selbst werden durch die fortschreitende Läuterung und Vergeistigung des religiösen Bewußtseins die sinnlichen Vorstellungen der Vergangenheit als Aberglaube ausgeschieden, sobald sie von den Christen selbst als Hemmnis der reinen Gottesverehrung empfunden werden, so die in Luthers Katechismus aufgezählten Vorstellungen und Handlungen des Aberglaubens, die Totensagen mit der Nekromantie, der Exorzismus, der Glaube an Hexen u.s.w.

Etymologie

Das Wort leitet sich ab von althochdeutschen ubarfengida, „was über den wahren Glauben hinaus, daran neben vorbei geht“ [5]. Aber- bezeichnet ursprünglich nicht „gegen“, sondern „darüber hinaus“, „auf der anderen Seite liegend“. Diese etymologische Wurzel erhielt sich in aberwitzig (mit Witz: „verstandesgemäß“: „über den Verstand hinausgehend“, im ursprünglichen Sinne also „transzendent“). Aberglaube bezeichnete also „den Glauben an das Übersinnliche“ und wurde erst im Kontext der Aufklärung zum „Glauben an die falschen übersinnlichen Kräfte“, „Irrglauben“.

Die heutige Bedeutung stabilisierte sich erst im 19. Jahrhundert; im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird das Wort Aberglaube als Homonym zum damals häufigeren Oberglaube gestellt, daneben Formen wie „Überglaube, dem super in superstitio nachgebildet“, Beiglaube zum böhmischen powẽra [5].

Aberglaube in der Seefahrt

Sirene als Sinnbild des Bösen, um 1130, Kirchgemälde in St. Martin zu Zillis/Graubünden

Die vor allem früher recht gefährliche Seefahrt hat zu vielen noch heute bekannten abergläubischen Vorstellungen geführt.

  • Das Pfeifen an Bord war nicht erlaubt, „es könnte Sturm heran pfeifen“. (Wahrscheinlicher ist aber, daß das Pfeifen dem Bootsmann als Kommandosignal vorbehalten war; siehe Bootsmannpfeife).
  • Das Kratzen am Mast sollte in einer Flaute hingegen günstigen Wind bringen.
  • Bei Fahrtbeginn wurden Münzen über Bord geworfen, um eine gute Fahrt zu bekommen, als eine Art Tribut an den Herrn der Meere Davy Jones.
  • Das Annageln einer Haifischflosse am Klüverbaum oder Walflosse an Walfangbooten sollten Kraft und Schnelligkeit auf das Schiff übertragen.
  • Der Unglückstag ist der Freitag, da lief man nicht aus, Sonntag war immer der gute Tag.
  • Katzen an Bord brachten Glück, Frauen aber Krankheit und Seenot.
  • Die Seelen von toten Seeleuten wohnen in Albatrossen, Möwen und Sturmvögeln.
  • Elmsfeuer - Elektrische Entladung bei Gewitter, in der Form, daß an den Toppen der Masten, den Spieren usw. kleine Flämmchen entstehen. Diese von alters her bekannte Erscheinung fand, bevor man die wirklichen Zusammenhänge erklären konnte, bei den abergläubischen Seeleuten die unterschiedlichste Deutung. Sie reicht vom Feuerteufel über Vorzeichen für gutes oder schlechtes Wetter bis zur Vorankündigung des nahen Todes eines Besatzungsmitgliedes. Hier liegt ein besonderer Aberglaube vor, da er sich auf eine nachgewiesen existente Naturerscheinung bezieht, diese aber abergläubisch deutet.
  • Klabautermann - ein kleiner Kobold, der unsichtbar an Bord des Schiffes seinen Schabernack treibt und der im Schiff klopft und rumort und entweder durch sein Erscheinen dem Schiff den Untergang anzeigt oder der im Schiff auf Ordnung sieht und durch sein Verschwinden Unheil anzeigt. Solange er an Bord bleibt, macht das Schiff gute Fahrt. Der Klabautermann sorgt sich um das Schiff, seine Anwesenheit schützt das Schiff.

Aberglaube im Theater

Auch in der Welt der darstellenden Kunst gibt es zahlreiche abergläubische Vorstellungen, die sich oft auf die Premiere beziehen und von denen der Erfolg der Aufführung angeblich abhängig ist.

  • Eine der verbreitetsten Regeln ist es, daß man im Theater nicht pfeifen darf. Dafür kursieren zwei Erklärungen. Die eine besagt, Pfeifen deute auf einen Brand hin. Dieser Aberglaube kommt aus der Zeit, als es noch Gasleuchter im Theater gab; der pfeifende Ton wies darauf hin, daß Sauerstoffmangel herrschte. Eine andere Erklärung ist, daß sich früher die Bühnentechniker per Pfiff verständigten. Wenn aber nun ein Schauspieler pfiff, konnte es passieren, dass plötzlich ein anderes Bühnenbild eingestellt wurde.
  • Weiterhin darf man sich für die Glückwünsche („Toi Toi Toi“ – eigentlich „Teufel, Teufel, Teufel“) nicht bedanken.
  • Auf der Bühne darf man (außer wenn es das Stück verlangt) weder essen noch trinken.
  • Vor der Premiere ist es üblich, daß die Schauspieler untereinander ein dreimaliges Spucken über die Schulter andeuten, damit die Aufführung Erfolg hat.
  • Eine Generalprobe voller Pannen bedeutet, daß die Premiere gut gelingen wird. (Entbehrt nicht einer gewissen psychologischen Grundlage, da am Ende der Probenarbeit leicht Fehler durch unkonzentrierte Arbeit infolge sich einstellender Routine entstehen. Unter Anspannung bei der Premiere bessert sich dieses wieder, während die Routine bleibt)
  • Obwohl die Generalprobe nicht selten vor Publikum stattfindet, sollte man am Ende des Stückes nicht applaudieren, weil das Unheil bringt.
  • Ebenfalls verpönt ist es, in der Generalprobe die letzte Zeile vorzutragen.
  • Angeblich sollte ein Probenplan sieben Durchlaufproben und drei Hauptproben beinhalten.
  • Durch den noch zugezogenen Vorhang hinauszuspähen, soll unglückliche Folgen haben.
  • Was die Requisiten betrifft, sollte man darauf achten, daß kein echter Spiegel als Spiegel verwendet wird und daß Puppen, die zum Stück gehören, mit dem Gesicht nach unten auf dem Requisitentisch gelagert werden sollten, weil in ihnen poltergeistähnliche Kreaturen leben könnten, die sonst durch ihre Augen ins Freie schlüpfen könnten. Gewisse Requisiten, z.B. Stricknadeln sollte man auf der Bühne meiden, möglicherweise deswegen, weil sie sich in den Kostümen verfangen könnten.
  • In vielen Theatern glaubt man daran, daß das Haus einen „Theatergeist“ hat.
  • Auch wird es als schlechtes Omen für die bevorstehende Vorstellung gedeutet, wenn sich der erste Zuschauer, der den Theatersaal betritt, in die erste Reihe setzt, oder wenn es sich beim ersten Zuschauer um eine alte Frau handelt.
  • Angeblich durch eine Kette von Unglücksfällen begründet ist auch der Aberglaube, den Namen des Stücks Macbeth im Theatergebäude nicht auszusprechen. Im englischsprachigen Raum wird stattdessen nur von the Scottish play gesprochen.

Bewahrheiteter Aberglaube

Für bäuerlichen Aberglauben hielt man z.B. die Auffassung, daß dort, wo Berberitzen wachsen, die Getreide-Krankheit Schwarzrost auftritt, bis man wissenschaftlich nachweisen konnte, daß die Berberitze Zwischenwirt des Pilzes ist, der die Krankheit auslöst.

Daraus lässt sich die Einsicht gewinnen, daß „abergläubisch“ nicht bestimmte Arten von Aussagen sind, sondern Aberglauben darauf beruht, in welcher Weise die Menschen mit denselben Aussagen umgehen, d.h. auf Grundlage welcher Argumente oder Methoden sie diese glauben bzw. als wahr akzeptieren.

Zitate

  • Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen, verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum seine Macht nicht über uns. — Lessing, Nathan der Weise
  • Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens. — (Goethe, Maximen und Reflexionen)
  • Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit. — Friedrich der Große
  • Der Aberglaube macht die Gottheit zum Götzen, und der Götzendiener ist um so gefährlicher, weil er ein Schwärmer ist. — (J. G. Herder, Palmblätter)
  • Der Aberglaube traut den Sinnen bald zuviel, bald zu wenig. — Gotthold Ephraim Lessing, Theologische Streitschriften, Das Testament Johannis
  • Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen für den erträglicheren halten. — Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise
  • Ein jeder Aberglaube versetzt uns in das Heidentum. — J. v. Liebig, Chemische Briefe
  • Stets liegt, wo das Banner der Wahrheit wallt, der Aberglaube im Hinterhalt. — August von Platen, Die neuen Propheten
  • „Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.“ — Friedrich der Große
  • „Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens.“ — Goethe[6]
  • „Da nun Vernunft Allen, Urtheilskraft Wenigen zu Theil geworden ist, so ist die Folge, daß der Mensch dem Wahne offen steht, indem er allen nur erdenklichen Chimären Preis gegeben ist, wovon die superstitiösen Dogmen und Cultushandlungen der verschiedenen Religionen zahlreiche und auffallende Beispiele liefern.“ — Arthur Schopenhauer[7]

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Zacharias: Satanskult und Schwarze Messe. Ein Beitrag zur Phänomenologie der Religion. Limes-Verlag, Wiesbaden ²1970 [keine ISBN zugewiesen, Erstausgabe: 1964].
  • Hermann Frischbier: Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preussen (1870) (PDF-Datei)
  • Geoffrey Parrinder: Sexualität in den Religionen der Welt. Patmos-Verlag, Düsseldorf 2004, ISBN 3-491-69114-1 [englische Originalausgabe: London 1980]
  • H. L. Fischer: Das Buch vom Aberglauben (3 Bde. u. Anhang, 1790-94)
  • Schindler: Der Aberglaube des Mittelalters (Breslau 1858)
  • A. Wuttke: Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart (2. Aufl., Berlin 1869)
  • Pfleiderer: Die Theorie des Aberglaubens (Berlin 1872)
  • Simar: Der Aberglaube (3. Aufl., Köln 1894)
  • Mannhardt: Die praktischen Folgen des Aberglaubens (Berlin 1878)
  • Bignoli: Mythus und Wissenschaft (Leipzig 1880)
  • C. Meyer: Der Aberglaube des Mittelalters und der nächstfolgenden Jahrhunderte (Basel 1884)
  • L. Strümpell: Der Aberglaube (Leipzig 1890)
  • Henne am Rhyn: Eine Reise durch das Reich des Aberglaubens (Leipzig 1893)
  • Hanns Bächtold-Stäubli (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bände. De Gruyter, Berlin / Leipzig 1929-1942 (unveränderter Nachdruck 2000, ISBN 3-11-016860-X)

Verweise

Fußnoten

  1. Bei den alten Römern wurde der Begriff superstitio auf unkontrollierbare Anfälle von religiöser Ekstase angewendet. Im Gegensatz dazu stand religio, die Verehrung der Götter nach festen Regeln (→ Römische Mythologie).
  2. Vgl. Brunnhofer, Die Quelle des Aberglaubens, aus „Globus“, 1874, abgedruckt in Brunnhofers „Kulturwandel und Völkerverkehr“, 1891.
  3. Vgl. Perty: Die mystischen Erscheinungen der menschlichen Natur, 2. Aufl., Heidelberg 1873; und derselbe: Der jetzige Spiritualismus und verwandte Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1877.
  4. Lippert: Christentum, Volksglaube und Volksbrauch, Berlin 1882), z. B. das Gottesurteil
  5. 5,0 5,1 Eintrag Aberglaube. In: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Zitiert nach: Universität Trier (germazope.uni-trier.de)
  6. In: Maximen und Reflexionen
  7. Die Welt als Wille und Vorstellung, 73–75