Ahnen

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Die Ahnen (als Einzelperson Ahn) ist ein Sammelbegriff für alle Personen männlichen und weiblichen Geschlechts, von denen ein Mensch (der Proband) abstammt. Ein anderes Wort für Ahnen ist Vorfahren. Für Ahnen jenseits der lebendigen Erinnerung (d. h. normalerweise Ururgroßeltern und ältere) kann auch der Begriff Urahn verwendet werden. Eine Sippe oder ein Stamm ist eine Gruppe, die sich von gemeinsamen Ahnen herleitet. Kultische Ahnenverehrung ist ein weltweit verbreiteter Brauch, im katholischen Kulturraum als Relikt noch in der Feier von Allerseelen erhalten.

Die Darstellung der namentlich bekannten Ahnen erfolgt in der Genealogie (Ahnenforschung) in einer Ahnenliste oder Ahnentafel. Eine diagrammatisch angeordnete Ahnentafel nennt man auch Stammbaum. In genealogischer Terminologie nennt man die Gesamtheit der Ahnen eines Probanden auch Aszendenz.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsherkunft

Das Wort Ahn (von ahd. ano) bedeutet ursprünglich „Großvater“, neben einem abgeleiteten Wort für „Großmutter“ (ahd. ana, ene oder eni). Frühneuhochdeutsch wurde dann Ahnherr und Ahnfrau in derselben Bedeutung gebräuchlich. Die Ausdrücke Großvater und Großmutter stammen aus der frühmodernen Schriftsprache (erstmals belegt im 14. Jh.), die den Ahn zunehmend in der erweiterten Bedeutung „Vorfahr“ verwendet, aber in verschiedenen deutschen Dialekten behält das Wort seinen ursprünglichen Sinn.[1] Der Älterahn bezeichnete den Urgroßvater. Die Anichen sind im Mittelhochdeutschen die Urururgroßeltern: es ist von den „32 Anichen“ adliger Personen die Rede. Dagegen konnte Urahn bereits im althochdeutschen (urano) eine beliebige Generationenstufe bezeichnen. Im mhd. Gebrauch findet man etwa [Rahab] ist unsers herrn Jesu ureni gewesen, hier also (laut Matthäus) 47 Generationen. Vorfahr ist erst mittelhochdeutsch belegt, das Fehlen von ahd. *forfaro kann aber Zufall sein. Die Altvorderen dagegen sind bereits ahd. (altfordoron).

Ahnenschwund

Die Anzahl der Ahnen eines Probanden steigt mit jeder in betracht gezogenen Generation. Naiv gerechnet findet mit jedem Generationsschritt eine Verdoppelung statt (zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern usw.), die tatsächliche Anzahl der Ahnen liegt aber schon nach wenigen Generationen deutich unter diesem theoretischen Höchstwert. Dieser Effekt wird Ahnenschwund, Ahnenverlust oder Ahnenimplex genannt.

Jeder Mensch hat zwei Eltern, die allermeisten haben vier Großeltern (Menschen mit drei Großeltern stammen aus einer Verbindung von Halbgeschwistern, was in den meisten Kulturen unter das Inzest-Tabu fällt[2]). Die Mehrheit der Menschen hat auch acht Urgroßeltern (bei sieben oder weniger Urgroßeltern liegt Cousinen-Ehe vor, die in vielen Kulturen nicht als inzestuös gilt). Geht man weiter als vier oder fünf Generationen zurück, wird die durchschnittiche Anzahl Ahnen aber rapide vor dem theoretischen Maximum zurückweichen. Bei Vernachlässigung des Ahnenschwundes übersteigt die theoretische Anzahl der Ahnen eines heutigen Probanden auf 30 Generationen zurückgerechnet (d. h., je nach Generationendauer, im Hoch- oder Spätmittelalter) die damalige Weltbevölkerung.[3]

Der Ahnenverlustkoeffizient (AVK) mißt den Ahnenschwund als Anteil der tatsächlichen an der maximalen Ahnenzahl in Prozent. Der durchschnittliche AVK einer Population (d. h. einer endogamen Gruppe) wird wesentlich von der Gruppengröße und von den Heirats- bzw. sexuellen Sitten abhängen. Ein konkreter Durchschnittswert ist aufgrund der Datenlage schwer ermittelbar, aber für den europäischen Hochadel (für welchen die Genealogie über Jahrhunderte gut belegt ist) liegt der AVK über 10 Generationen bei etwa 70 %–80 %.

Jüngster gemeinsame Vorfahre

Der jüngste gemeinsame Vorfahre (MRCA, most recent common ancestor) ist das letzte Individuum, das im Stammbaum aller lebenden Mitglieder einer bestimmten Population erscheint. Der MRCA der heute lebenden Menschheit ist zu unterscheiden vom matrilinearen oder patrilinearen MRCA („Mitochondriale Eva“ bzw. „Y-chromosomaler Adam“). Während letztere im mittleren Paläolithikum lebten (vor etwa 150.000 bzw. 90.000 Jahren), lebte der MCRA (egal, ob über mütterliche oder väterliche Linie) wesentlich später, vermutlich in der Bronzezeit.

Das Alter des MRCA zweier Populationen ist kein Maß für deren Verwandschaftsgrad, weil ein einziges Individuum, das von einer Population zur anderen migriert innerhalb einiger Generationen zum MRCA werden kann, auch wenn sein Anteil am Erbgut der Zielpopulation minim bleibt. Nur bei absolut hermetischer Trennung zweier Populationen, etwa durch eine Speziesbarriere, entspricht das Alter des MRCA dem Datum der Trennung. So schätzt man den MRCA von Mensch und Schimpanse auf etwa 7 Millionen Jahre, den MRCA von Neanderthaler und modernem Menschen auf etwa 700.000 Jahre. Die menschliche Migration von Afrika aus nach Eurasien und Australien fand vor etwa 70.000 Jahren statt, und wenn die Australier total isoliert geblieben wären, müßte der afrikanisch-australische MRCA dieses Alter haben. Aber mindestens seit der Entdeckung Australiens durch die Europäer im 18. Jh. ist diese totale Isolation natürlich nicht mehr gegeben, und der tatsächliche MRCA der heutigen Menschheit ist entsprechend jünger.

Ahnenkult

Ahnenkult, auch Ahnenverehrung genannt, ist ein ritueller Kult, bei dem die Ahnen (entweder bestimmte mythische oder historische Vorfahren, oder die Vorfahren insgesamt als Gruppe) verehrt werden.

Fast immer wird der Ahnenkult in Verbindung mit einem Opfer praktiziert, z. B. Trank-, Speise-, Brand- oder Kleidungsopfer (in manchen Kulturen auch Menschenopfer). Je nach Epoche und kulturgeschichtlichem Zusammenhang lassen sich mehr oder weniger unmittelbare Praktiken des Ahnenkults feststellen.

Die Verwandtschaftsgruppe umfaßt sowohl die Mitglieder im Diesseits als auch im Jenseits. Zeremonien sollen das Gefühl verstärken, daß der Ahn mit und bei seinen Nachkommen lebt. Fast jedes Volk kennt eine oder mehrere Möglichkeiten, den Ahn symbolisch sichtbar zu machen (z. B. Ahnenfigur, Ahnenmasken, Öndvegissulur usw.), oder auch die Wiedergeburt – auch durch Namensgebung – in alternierenden Generationen (Großvater im Enkel). Der Ahnenkult ist zwar ein weltweites Phänomen, er ist jedoch vor allem bei seßhaften, agrarischen Völkern anzutreffen; bei Wildbeutern wurde er nicht festgestellt. Jede Verwandtschafts- und Kultgemeinde verehrt Ahnen, die sie ausschließlich sich zurechnet.

In Abgrenzung zum Totenkult werden beim Ahnenkult auch Vorfahren verehrt, die schon lange tot sind, sowie mythische Ahnen, die als Gründer eines Stammes oder einer Sippe gelten. Das Opfer für die Ahnen ist eine regelmäßige Verpflichtung. Die kultischen Zeremonien dem Ahn gegenüber projizieren meist das diesseitige soziale Verhalten gegenüber dem lebenden Ältesten. Der Ahnenkult ist oftmals kombiniert mit Vorstellungen, die das Jenseits als Fortsetzung oder Spiegelung des Diesseits begreifen.

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Grimm: „Ahn“
  2. In der griechischen Antike war die Halbgeschwister-Ehe nicht verboten, war aber selten genug, daß uns kein Fall einer vollzogenen Halbgeschwister-Ehe bekannt ist.[1] Kinder aus einer Geschwister-Ehe haben nur zwei Großeltern. Das fällt universell unter Inzest. Nach modernem Deutschem Recht sind Geschwisterehe, Eltern-Kinderehe und die Halbgeschwisterehe verboten.
  3. 230=1.07 Milliarden. Die Weltbevölkerung durchbrach die Milliardengrenze erstmals um 1800.
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