Aichinger, Ilse

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Ilse Aichinger (* 1. November 1921 in Wien) ist eine jüdische Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Ilse Aichinger wurde am 1. November 1921 (zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Helga Michie) als Tochter einer jüdischen Ärztin und eines nichtjüdischen Lehrers in Wien geboren. Aichinger wurde katholisch getauft. Sie wuchs in Linz und nach der Scheidung der Eltern (1926) bei ihrer Mutter in Wien auf. Aichingers Mutter verlor 1938 ihre Stellung als städtische Ärztin. Ihre Zwillingsschwester wanderte im Juli 1939 mit einem der letzten Jugendtransporte nach England aus. Aichinger besuchte in Wien ein Gymnasium, bekam aber nach der Matura als Halbjüdin keinen Studienplatz.[1] Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie dienstverpflichtet.[2] Nach Kriegsende begann sie ein Medizinstudium, das sie nach fünf Semestern abbrach, um ihren ersten Roman, „Die größere Hoffnung“, fertig zu schreiben.[3]

Wirken

Seit 1945 wartet sie mit zahlreichen Stücken zur „Bewältigung“ des toten Hitler und seiner untergegangenen Diktatur auf. Dafür hat sie zuhauf staatliche Auszeichnungen der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs erhalten.[2] Sie schloß sich der linken Umerziehungs-„Gruppe 47“ an, wo sie ihren Ehemann, Günter Eich, kennenlernte. Der betreibt ebenfalls NS-„Bewältigung“.[2] Im Dritten Reich hatte er fleißig publiziert; für den nationalsozialistischen „Deutschlandsender“ der Reichshauptstadt Berlin beispielsweise hatte er das Hörspiel „Das fröhliche Lumpenpack“ verfaßt.[2] Der 1948 erschienene Roman „Die größere Hoffnung“ wird als bedeutendstes Aichinger-Werk bezeichnet;[4] es ist die Schilderung des Schicksals eines rassisch verfolgten Mädchens. Laut Kritik hat die Literatin in ihrem Hörspiel „Knöpfe“ das Thema Entfremdung genial verarbeitet: Frauen, die immerfort Knöpfe fabrizieren, verwandeln sich schließlich selber in Knöpfe.[2]

1949 wurde Ilse Aichinger als Lektorin beim jüdischen S. Fischer Verlag in Wien.

Auszeichnungen

  • 1952: Preis der Umerziehungs-„Gruppe 47“ für ihre „Spiegelgeschichte“
  • 1983: Franz-Kafka-Preis
  • 1996: Österreichischer Literaturpreis

Mitgliedschaften

Aichinger ist seit 1956 Mitglied der Berliner Akademie der Künste, seit 1957 Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und seit 1977 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Familie

Von 1953 bis zu dessen Tod 1972 war Aichinger mit dem Schriftsteller Günter Eich verheiratet. Sie hat zwei Kinder. Ihr Sohn Clemens (* 1954; † 1998) war Schauspieler und Schriftsteller von Beruf, ihre Tochter Mirjam (* 1957) ist Bühnenbildnerin. Aichinger lebte nach der Eheschließung in Bayern, ab 1963 in Groß Gmain bei Salzburg. 1984 übersiedelte sie nach Frankfurt/M. und 1989 nach Wien.

Fußnoten

  1. Sie konnte sie nach Absolvierung der Mittelschule das Abitur machen, bekam aber keinen Studienplatz.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 David Korn: Wer ist wer im Judentum? - FZ-Verlag ISBN 3-924309-63-9
  3. Internationales Biographisches Archiv 03/2003
  4. Mit ihrer Schrift »Die größere Hoffnung« (Thema Judenverfolgung), die in viele Sprachen übersetzt wurde, gelang ihr der literarische Durchbruch schon im Jahre 1948.
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