Albach-Retty, Rosa

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Rosa Albach-Retty (1874–1980)
Grab der Familie Albach-Retty
Wien, Zentralfriedhof
Inschrift des Grabsteins

Rosa Albach-Retty (Lebensrune.png 26. Dezember 1874 in Hanau; Todesrune.png 26. August 1980 in Baden, Niederösterreich; geb. Rosa Retty) war eine deutsche Schauspielerin aus Österreich.

Leben

Jugend

Rosa Albach-Retty wurde am 26. Dezember 1874 als Rosa Clara Franziska Helene Retty im hessischen Hanau am Main geboren; aus ihrer Ehe mit dem k.u.k Offizier Karl Albach stammt der der UFA-Star Wolf Albach-Retty (1906–1967), die international gefeierte Schauspielerin Romy Schneider (1938–1982) war ihre Enkelin.

In ihren frühen Jahren glänzte Rosa Albach-Retty meist als Naive oder jugendlich unbekümmerte Schönheit, so beispielsweise 1908 als „Rahel“ in Grillparzers Trauerspiel „Die Jüdin von Toledo“ an der Seite von Josef Kainz, dessen bevorzugte Partnerin sie wurde und mit dem sie auch auf einige Gastspielreisen ging.

Rosa Albach-Rettys Elternhaus war musisch geprägt, schon früh wurde die junge Rosa mit der Musik und darstellenden Kunst vertraut gemacht. Sie debütierte – vom legendären Josef Kainz empfohlen – bereits mit 17 Jahren an dem von Adolph L'Arronge geleiteten Deutschen Theater in Berlin. Über das Berliner Lessing-Theater und das Deutsche Volkstheater in Wien, wo sie unter anderem mit der Titelrolle in Kleists „Käthchen von Heilbronn“ brillierte, kam sie 1903 an das Wiener Burgtheater, das bis zuletzt ihre künstlerische Heimat blieb.

Weimarer Republik

Sie beeindruckte unter anderem als „Delfine“ in Hermann Bahrs Komödie „Das Konzert“ (1919), als „Leonore Sanvitale“ in Goethes Drama „Torquato Tasso“, als Zofe „Nerissa“ in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, als „Roxane“ in Edmond Rostands romantischer Liebesgeschichte „Cyrano de Bergerac“ oder mit den Titelrollen in Strindbergs „Fräulein Julie“ und Arthur Schnitzlers „Komtesse Mizzi“.

Anfang der 30er Jahre wechselte die Schauspielerin das Rollenfach, verlieh nun Figuren wie der „Marthe Schwerdtlein“ in GoethesFaust“ oder der „Marthe“ in Kleists „Der zerbrochene Krug“ eindrucksvolle Konturen, bewies in vielen klassischen und modernen Werken ihre schauspielerische Dominanz und facettenreiche Ausdruckskraft, brillierte in Dramen, aber vor allem im charakterkomischen Fach, in dem sie die ganze Bandbreite ihrer darstellerischen Größe unter Beweis stellte.

Vereinzelt trat die Schauspielerin auch im Film auf: Erstmals sah man sie 1930 in Georg Jacobys „Geld auf der Straße“ auf der Leinwand.

Drittes Reich

Zu ihren Glanzleistungen zählen unter anderem die Mutter in Ibsens „Peer Gynt“ – eine Rolle, die Rosa Albach-Retty zwischen 1935 und 1952 vielfach verkörperte – weiterhin die Herzogin in Eugène Scribe's Komödie „Das Glas Wasser“, die Frau des „Michael Kramer“ in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück, die „Miss Prism“ in Oscar Wildes „Bunbury“ oder die Amme in Shakespeares „Romeo und Julia“.

Im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte spielte sie sporadisch einprägsame Nebenrollen in Filmen wie „Hotel Sacher“ (1939), „Dreimal Hochzeit“ (1941) oder zusammen mit ihrem Sohn Wolf Albach-Retty in „Die Heimliche Gräfin“ (1942).

In Karl Hartls Mozart-Biographie „Wen die Götter lieben“ (1942), mit Hans Holt in der Titelrolle, spielte sie die Mutter des Komponisten.

Nachkriegszeit

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges sah man sie beispielsweise als Frau Andrew in George Bernard Shaws Lustspiel „Major Barbara“, als Julia in T. S. Eliots Ehekomödie „Cocktail Party“, als Tante in Garcia Lorcas Farce „Dona Rosita“, als Garderobiere in Anouilhs „Colombe“ oder als Madame Desmermortes in „Einladung ins Schloß“, ebenfalls von Jean Anouilh.

In den 50er Jahrenn sah man sie im Film beispielsweise an der Seite von Paul Hörbiger in „Der Alte Sünder“ (1951) oder als Gräfin Fuchs in „Maria Theresia“ (1951) neben Paula Wessely in der Titelrolle. Zu ihren weiteren Ausflügen auf die Leinwand zählen Emil E. Reinerts Literaturverfilmung „Abenteuer in Wien“ (1952) mit Gustav Fröhlich, das Ferdinand-Raimund-Stück „Der Verschwender“ (1953) mit Attila Hörbiger, Maria Andergast und Josef Meinrad sowie Franz Antels Neuverfilmung „Der Kongreß tanzt“ (1956) mit Johanna Matz und Rudolf Prack.

Im Alter von 74 Jahren nahm die Burgschauspielerin 1958 mit der Rolle der reichen Witwe Mrs. Edna Savage in John Patricks Komödie „Eine etwas sonderbare Dame“ Abschied vom Theater, blieb dem Burgtheater jedoch als „Ehrenmitglied“ weiterhin verbunden.

Im März 1973 feierte Rosa Albach-Retty dann das einmalige Fest der 70jährigen Zugehörigkeit zum Wiener Burgtheater, ein Ereignis, das vorher noch nie einem Künstler beim Burgtheater vergönnt gewesen war. Neben ihrem Titel „Hofschauspielerin“, den sie als letzte Schauspielerin trug, erhielt Rosa Albach-Retty während ihrer langen Karriere zahlreiche weitere Auszeichnungen: So war sie seit Oktober 1958 erste Trägerin der Kainz-Medaille der Stadt Wien und wurde für ihre Darstellung in „Eine etwas sonderbare Dame“ gewürdigt, ihr zu Ehren wurde der Rosa-Albach-Retty-Ring gestiftet, den jeweils die Doyenne des Burgtheaters trägt, und auch der Professorentitel gehört zu den Anerkennungen ihrer Lebensleistung.

Rosa Albach-Retty starb am 26. August 1980 im gesegneten Alter von 105 Jahren in Baden bei Wien. Die Erinnerungen an ihr langes, ereignisreiches Leben hatte sie zwei Jahre zuvor unter dem Titel „So kurz sind hundert Jahre“ veröffentlicht. Im Klappentext zu diesem Buch, das auch als bedeutendes Dokument zur Theatergeschichte gewertet werden kann, steht unter anderem:

„Rosa Albach-Retty wurde im selben Jahr wie Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus geboren. Ein Dreiviertel-Jahrhundert war sie als Schauspielerin aktiv und absolvierte ungezählte Gastspiele in Deutschland, Russland, Dänemark, der Schweiz und vor dem Ersten Weltkrieg in den Ländern der Habsburger Monarchie. Kaum eine Auszeichnung, die sie nicht erhalten hat, kaum ein Kritiker, der ihr nicht Hymnen gewidmet hätte. Das lange Leben der Schauspielertochter war und ist nicht das aufwendige Dasein einer Grande Dame, sondern – trotz ihres Erfolges, der ihr aufgrund ihrer großen Begabung, ihres Temperamentes und ihrer bezwingenden Natürlichkeit schon früh zuteil wurde – das einer bescheidenen Frau, die immer auf dem Boden der Tatsachen blieb. Nach allen Höhen und Tiefen, die auch ihr nicht erspart blieben, sagt sie heute: ‚Ich bin ein fröhlicher und glücklicher Mensch‘“.

Filmographie