Alpenfestung
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Mit dem Begriff Alpenfestung verbinden sich militärische Pläne der deutschen Alpenländer Deutsches Reich, Österreich und Schweiz militärische Kräfte in den schwer zugänglichen Region der Alpen zu konzentrieren.
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[bearbeiten] Schweiz und Österreich
Der Schweizer Plan zum Widerstand gegen die Nachbarländer, welcher vorsah, das Militär in eine Alpenfestung zurückzuziehen, wird unter dem Stichwort Schweizer Reduit erläutert.
Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in der Schweiz, aber auch in Österreich intensive Maßnahmen zum Aufbau einer Art Alpenfestung im Kalten Krieg unternommen. In der Schweiz wurden zahlreiche Festungen mit Artilleriegeschützen ausgegebaut. Das Österreichische Bundesheer setzte vor allem mit dem Raumverteidigungskonzept auf den Hauptkampf im bzw. den Erhalt des „Alpinen Basisraums“, der durch zahlreiche Sperren und Bunker (Feste Anlagen) abgesichert wurde.
[bearbeiten] Deutsches Reich
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte auch die nationalsozialistische Regierung unter den vom Gauleiter Franz Hofer entwickelten, und maßgeblich von Heinrich Himmler und Joseph Goebbels getragenen Alpenfestungsplan, sich angesichts der unmittelbar bevorstehenden militärischen Niederlage in den letzten Wochen des Kriegs in befestigte Anlagen in den Bergen der bayerischen, österreichischen und italienischen Alpen zurückzuziehen.
Von dort aus sollte das Reich die unausweichliche militärische Konfrontation zwischen der bolschewistischen Sowjetunion und dem kapitalistischen Amerika widerstehen und ermöglichen, der Siegerseite als Verhandlungspartner zur Verfügung zu stehen, um die absehbare totale militärische Niederlage doch noch zumindest in einen Teilsieg umzuwandeln.
Verhandlungen in diesem Sinne mit den Amerikanern hatte vor allem auch Ernst Kaltenbrunner geführt. Vom Widerstand wurde aber laufend an die Amerikaner über die Baufortschritte berichtet. Unter ihnen war auch Fritz Molden.
Obwohl Adolf Hitler am 24. April 1945 in einem Führerbefehl sämtlichen noch verfügbaren Kräften den Rückzug in die Alpenfestung anordnete, hat er doch immer klargestellt, dass er bis zur endgültigen Niederlage in Berlin bleiben wolle, und die Pläne nie voll mitgetragen.
Die Alpenfestung umfasste nach den Planungen mehrere Teile:
- Deutsche Wehrmachts- und Waffen-SS-Einheiten
- Waffenproduktionen
- Falschgeldproduktionen
- Das Festhalten von sogenannten Sonderhäftlingen
Große Stützpunkte dieser geplanten Alpenfestung waren in Ebensee in Oberösterreich, wo die Produktion der V2 von Peenemünde hin unter Codenamen Zement verlagert werden sollte. Im Ötztal sollte ein großer Windkanal errichtet werden. In Steyr wurde ein großes unterirdisches Motorenwerk und Handwaffenwerk errichtet. Bei Zipf wurde in den Kellern der Brauerei eine Raffinerie für Raketentreibstoff errichtet. Errichtet wurden diese Werke von Häftlingen hauptsächlich aus dem KZ Mauthausen-Gusen. Einzelne Werke, wie die Produktionsstätten der He 162 in der Seegrotte in der Hinterbrühl, funktionierten bereits, die meisten wurden aber nicht mehr bis zum Kriegsende fertig. Die wohl am weitesten entwickelten Elemente dieser Festungsbauten sind aber wohl die in unmittelbarer Nähe der Konzentrationslager Gusen errichten unterirdischen Fabriken B8 Bergkristall für die Fliessbandproduktion von Messerschmitt Me 262 Düsenjagdflugzeugen und „Kellerbau“ für die bombensichere Fertigung von Karabinern, Maschinenpistolen und Panzerfäusten für die Steyr-Daimler-Puch AG. Eine nicht unerhebliche Rolle spielte dabei auch der damalige Generaldirektor der Steyr-Daimler-Puch AG, SS-Brigadeführer Georg Meindl, dessen Bemühungen als Rüstungsexperte des Wehrkreises XVII (Wien) selbst durch den Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), Dr. Ernst Kaltenbrunner, noch am 1. Mai 1945 in einem (letzten) Telegramm an Adolf Hitler betont wurden. Meindl betrieb z.B. in Erweiterung seiner bereits bestehenden unterirdischen Fertigungskapazitäten in Gusen auch die Errichtung einer weiteren Grossbunkeranlage bei Melk, welche aber nicht mehr fertiggestellt wurde.
Die Sonderhäftlinge sollten als Faustpfand gegenüber den Amerikanern bei den Verhandlungen dienen. Unter ihnen war Kurt Schuschnigg, Mitglieder der Familie Stauffenberg, Thyssen und andere auch jüdische Ex-Politiker aus besetzten Ländern. Sie wurden aus dem KZ Dachau zuerst nach Innsbruck und dann nach Südtirol in die Pension Pragser Wildsee gebracht, wo sie das Kriegsende erlebt haben. Bis heute ist unter Historikern umstritten, ob die Alpenfestung jemals über das Stadium eines verzweifelten Plans hinausgekommen ist, oder ob es sich von Anfang an nur um ein Täuschungsmanöver der Propaganda in der Schlussphase des Krieges handelte.
[bearbeiten] Folgen
Nachrichtendienstliche Erkenntnisse der alliierten Streitkräfte über die Alpenfestung beeinflussten den Beschluss General Eisenhowers, nach dem Überschreiten des Rheins seine Armee in Richtung Süden statt nach Berlin zu lenken – eine Entscheidung, die letztlich dazu führte, dass die russischen Truppen Berlin einnehmen konnten, wiederum eine der Vorbedingungen für die spätere Teilung Deutschlands in Ost und West.
Letzendlich hat die Alpenfestung massiv Truppen der Westalliierten gebunden, die zur Eroberung bereitgestellt worden waren und an anderen Frontabschnittten fehlten.
[bearbeiten] Bauten
Hochfinstermünz im Tiroler Oberinntal ist ein Teil der Alpenfestung. Ein gut erhaltener Teil ist auch an der alten Brennerpass-Straße bei Brixen zu sehen.
[bearbeiten] Film
- „Die Alpenfestung“, Hessischer Rundfunk, 9. Juni 2004, Dokumentation, 45 Min.
[bearbeiten] Literatur
- Roland Kaltenegger: Operation „Alpenfestung“: das letzte Geheimnis des „Dritten Reiches“. Herbig, München 2005, ISBN 3-7766-2431-0.
- Hans-Günter Richardi: SS-Geiseln in der Alpenfestung – Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol. Edition Raetia, ISBN 88-7283-229-2.
- Franz W. Seidler: Phantom Alpenfestung? – die geheimen Baupläne der Organisation Todt. Plenk, Berchtesgaden 2004, ISBN 3-927957-24-0.
- Christian Hallig: Festung Alpen, Hitlers letzter Wahn: Wie es wirklich war – ein Erlebnisbericht. Herder, Freiburg im Breisgau 1989, ISBN 3-451-08686-7.
- Rodney G. Minott: Top secret: Hitlers Alpenfestung; Tatsachenbericht über einen Mythos. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1967.
