Antorf

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Antorf

Wappen von Antorf
Staat: Belgien
Provinz: Provinz Antorf
Einwohner (9. Mai 2015): 510.000
Bevölkerungsdichte: 2.493 Ew. p. km²
Fläche: 204,51 km²
Postleitzahl: 2000, 2018, 2020, 2030, 2050, 2060
Telefon-Vorwahl: 03

Antorf (auch Antorff, ndl. Antwerpen) ist eine niederdeutsche Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die germanische Stadt kam nach Teilung des Frankenreichs, die 843 begann, zum Ostfrankenreich und gehörte bis 1806 zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, als sie zum Opfer der Tyrannei Napoleons und der Franzosenzeit wurde.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Stadt liegt im Norden Belgiens in Flandern und ist mit etwa 510.000 Einwohnern (Stand 2015)[1] die größte Stadtgemeinde des Landes. Das Stadtgebiet Antorfs ist nach der Brüsseler Gegend die größte Belgiens.

Geschichte

Auf dem Boden der Stadt läßt sich bereits eine galloromanische Siedlung nachweisen. Das belegen Funde von Ton- und Glasscherben aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. d. Z., die 19521961 bei Grabungen nahe der Schelde ans Licht kamen.

Im 7. Jahrhundert begann die Christianisierung. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals im Jahre 726. Im Jahre 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. Ende des 11. Jahrhunderts kam Antorf zum Herzogtum Brabant im Ostfrankenreich bzw. dem daraus erwachsenen Heiligen Römischen Reiche. Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. Antorf fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg.

Domenico Quaglio (1787–1837): Die Kathedrale zu Antorf

Antorf war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas, eng verbunden mit dem Namen Erasmus Schetz, und als bedeutende geistige Mitte Wirkungsstätte von Künstlern wie Rubens. Antorf war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1920 und Kulturhauptstadt Europas 1993. Das Druckereimuseum Plantin-Moretus und der Turm der Liebfrauenkathedrale gehören zum UNESCO-Welterbe.

Spanisch-Niederländischer Krieg

Bis zum Ende des Spanisch-Niederdeutschen Krieges gehörten die Niederlande – die damals sowohl die heutigen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg als den flämischen Teil[2] des Westfrankenreichs umfaßten – zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und wurden vom spanischen Zweig der Habsburger beherrscht. Sie bestanden aus 17 Provinzen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich in den Niederlanden im Zuge der Reformation der Calvinismus. Die Niederlande stellten zur damaligen Zeit eine bedeutende wirtschaftliche Macht dar. Antorf war ein Zentrum des europäischen Kapitalmarktes. Antorf und Amsterdam waren durch ihre Häfen außerdem bedeutende Umschlagplätze für den Handel mit Waren aus Übersee und den neuen Kolonien in Südamerika und Asien. Wegen dieser geballten wirtschaftlichen Macht und wegen der wichtigen strategischen Lage waren die spanischen Habsburger nicht gewillt, die Niederlande aus ihrem Besitz zu entlassen.

König Philipp II. übernahm die Herrschaft über die Niederlande 1555 von seinem Vater, dem römisch-deutschen Kaiser Karl V. Er setzte die bereits unter seinem Vater begonnenen Ketzerverfolgungen (Inquisition), die schon Unruhen in den Niederlanden hervorgerufen hatten, noch konsequenter fort. Im Jahre 1559 ernannte er im Zuge einer kirchlichen Reorganisation neue Bischöfe, die auch in den Generalständen der Provinzen, den sogenannten Generalstaaten, vertreten sein sollten, und verkleinerte die Bistümer. Mit dieser Maßnahme wollte Philipp einerseits die Gegenreformation verschärfen, andererseits aber auch die ständischen Freiheiten (→ Ständische Libertät), die den Provinzen im Großen Privileg des Jahres 1477 zugestanden worden waren, wieder rückgängig machen. Als Statthalterin in den Niederlanden setzte er seine Halbschwester Margarethe von Parma ein und stellte ihr als ersten Minister den Bischof von Mechelen, Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle, zur Seite. Philipp selbst ging 1560 wieder nach Spanien zurück, 1561 zog er dann auch seine Truppen aus den Niederlanden ab.

Stadtplan von Antorf (1888)

Spanische Furie

Hauptartikel: Spanische Furie (Antorf)

Belagerung von Antorf (1584–1585)

Zweiter Weltkrieg

Am 18. Mai 1940 konnten deutsche Truppen im Rahmen des Westfeldzuges die Stadt sichern. Das bedeutete allerdings nicht, daß Ruhe einkehrte. In den nächsten Jahren wurde Antorf wiederholt von alliierten Bomberverbänden angegriffen. Bei dem Großangriff vom 5. April 1943 auf das Industriegebiet kamen 2.000 Einwohner ums Leben. Nach der „Befreiung“ der Stadt von seiten der Alliierten im September 1944 wurde sie zum Ziel der Ardennenoffensive. Von deutscher Seite wurden V1-Raketen abgeschossen, um die jetzt den feindlichen Mächten zur Verfügung stehenden Industriegebiete zu treffen. Infolge angeblich von Kriegsgefangenen verübten Sabotageakten bei der Herstellung der Raketen verfehlte eine Vielzahl ihr Ziel, und so kam es zu Einschlägen in dichtbesiedelten Antorfer Stadtbezirken. Im Gegensatz zu den alliierten Bombenangriffen, bei denen eine große Zahl ziviler Toter angestrebt wurde, waren die Todesopfer infolge der V1-Angriffe von der deutschen Heeresführung nicht beabsichtigt. Nichtdestotrotz wurden zur Nachkriegszeit von den VS-amerikanischen und britischen Siegerstaaten die Opfer der deutschen Angriffe zur antideutschen Propaganda benutzt. Über die alliierten Angriffe wurde nicht mehr geredet.

Unter anderem wurden V1-Raketen von Abschußrampen in der niederdeutschen Region Twenteland bzw. in der Nähe der Orte Almelo, Wierden und Rijssen abgeschossen. Die Sockel der V1-Abschußrampe in Wierden waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch leicht im Boden eines örtlichen Waldstücks aufzufinden.

Name der Stadt

Der Name Andauerpa verweist auf die aufgeworfenen Ufer an der Bucht (Scheldebucht). Er entstammt wahrscheinlich einem „an de warp“ (an der Warft). Die ersten Siedler lebten auf Warften, später hat man mangels Platzes auf höhergelegenen Flächen „an der Warft“ gesiedelt.

Daß der Name Antwerpen sinngemäß „Hand werfen“ bedeutet und auf die „Brabo-Legende“ zurückgehe, ist eine später im 15. Jahrhundert erfundene Geschichte. Eine örtliche Spezialität, kleine Schokoladenhände namens Antwerpse Handjes, erinnert an diese Legende.

In der Stadtmundart ergab das alte Andauerpa Antwerpen, im Hochdeutschen Antorf.

Überfremdung

Überblick

Die Bewohnerschaft Antorfs setzt sich folgendermaßen zusammen: 54,2 % der Einwohner sind autochthone Niederdeutsche bzw. Belgier, 20 % verfügen über einen ausländischen Paß, 25 % wurde ein belgische Paß zugeteilt, obwohl sie eine keine Belgier sind, sondern Zugereiste. Die größte Fremdländergruppe stellen die Marokkaner mit 13 % und die mit Türken 7 %.[1]

Europas Hauptstadt der Juden

Antorf hat mit rund 20.000[1] Juden die größte Dichte dieser Personengruppe in Europa. Auch absolut wohnen dort u. a. die meisten Juden in einer europäischen Stadt. In einigen Stadtvierteln beherrschen sie den Alltag. Dort sind orthodoxe Juden sichtbar in der Mehrheit. Beginnend am Hauptbahnhof erstrecken sich drei jüdische Gemeinden mit 22 Synagogen in das Stadtzentrum.

Wirtschaftliche Bedeutung

Von großer weltweiter Bedeutung ist Antorf durch seinen Seehafen, den drittgrößten Europas, sowie als wichtigstes Zentrum der Erde für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten.

Die Juden und der Diamantenhandel

Mehr als die Hälfte aller weltweit gehandelten Diamanten werden von den Antorfener Juden umgesetzt. Damit ist Antorf der wichtigste Handelsplatz von Diamanten auf der Welt. Der Diamantenhandel konzentriert sich vor allem im jüdischen Viertel am Hauptbahnhof. Das Zentrum des Diamantengroßhandels ist in der Hovenierstraat zu finden. In diesem Viertel befinden sich vier Diamantenbörsen. Die größte und älteste ist die „Beurs voor Diamanthandel“.

Die Diamantenschleifereien, die Schmuckindustrie und der Einzelhandel von Diamanten befindet sich auch in jüdischem Eigentum. So sind in Antorf 1.600 Betriebe mit 27.000 Beschäftigten ansässig. Auch gibt es dort ein Diamantenmuseum.

Der weltweite Handel lag etwa 500 Jahre lang in jüdischer Hand. Das Diamantenviertel am Hauptbahnhof ist eine Hochsicherheitszone. Selbstverständlich sind dort eine Unzahl von Überwachungskameras installiert. Zusätzlich gibt es u. a. auch ausfahrbare Straßenbarrieren. Der Handel von Diamanten unterliegt in Belgien der Steuererhebung. Dieses nutzen Inder aus und handeln mit Diamanten in steuerfreien Staaten wie z. B. Dubai. Dadurch findet zur Zeit die Ablösung von Antorf als weltweit führender Handelsplatz statt. Daraus folgt auch eine Abwanderung der Diamentenindustrie aus Antorf. Die belgische Regierung erwägt, die Steuer auf Diamanten zu streichen.

Staatliche Zugehörigkeit

Bekannte, in Antorf geborene Personen

  • Hendrik Conscience (1812–1883), flämischer Schriftsteller und Mitbegründer der flämischen Literatur
  • Leon Daeschner (1894–?), Treuhänder für das Wirtschaftsgebiet Berlin-Brandenburg
  • Karel Dillen (1925–2007), flämischer Nationalist und belgischer Politiker
  • Wilhelm Fulda (1909–1977), Hauptmann und Ritterkreuzträger
  • Jacob Heremans (1825–1884), Literaturwissenschaftler, Sprachforscher und Hochschullehrer
  • Hendrik de Man (1885–1953), belgischer Politiker
  • Josef Neuberger (1902–1977), jüdischer Rechtsanwalt und Politiker (SPD)
  • Max Oboussier (1888–1935), deutscher Reeder und Vorsitzender des Vorstandes der Hamburg-Amerika-Linie
  • Helmut Otto (1892–1974), deutscher Diplom-Landwirt, Mediziner, Jurist und Oberbürgermeister
  • Marc Rich (1934–2013), jüdischer Unternehmer
  • Kurt Rieth (1881–nach 1953), deutscher Jurist und Diplomat
  • Marcel Wittrisch (1903–1955), populärer Tenor des zwanzigsten Jahrhunderts

Siehe auch

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Die Spaltung der Diamantenstadt, FAZ (faz.net vom 9. Mai 2015)
  2. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts die französische Region Nord-Pas-de-Calais.
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