Architektur im Nationalsozialismus

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Der Artikel Architektur im Nationalsozialismus beschreibt Bauvorhaben, Architektur und Stadtplanung in der Zeit des Nationalsozialismus als deutsche Ausgestaltung des in dieser Zeit verbreiteten Stils des Neoklassizismus. Dieser Artikel zeigt Bauten aus jener Zeit.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Einführung

„Wenn Völker große Zeiten innerlich erleben, so gestalten sie diese Zeiten auch äußerlich.
Ihr Wort ist dann überzeugender als das gesprochene: Es ist das Wort aus Stein!"

Dieses Zitat wurde in allen Jahrhunderten berücksichtigt. Somit hat jedes System ihre Anschauungen in Stein für die Ewigkeit gesetzt. Sei es bei den Griechen/Römern, sei es die DDR oder BRD oder das Dritte Reich.

Überall in Deutschland erhoben sich schon ein halbes Jahrzehnt nach der Machtübernahme die überwältigendsten Bauten der Gemeinschaft. Als die Deutsche Architekturausstellung im Haus der Deutschen Kunst zum erstenmal ein geschlossenes Bild des Bauschaffens des Führers gab, haben Tausende und Abertausende das kommende Antlitz der nationalsozialistischen Kulturlandschaft in seiner ganzen Größe, seinem ganzen Reichtum der Formensprache und in seinem tiefen Sinn erschaut. Die Bauten des Führers, so wurden viele Bauten genannt, waren die Zeugen der weltanschaulichen Wende. Adolf Hitler gab ihnen den Stil jenes Heroismus, der den politischen Entscheidungskampf gegen Zersetzung und Niederbruch zum Siege führte.

Neben diesen überragenden Bauten sind in ganz Deutschland zahllose Gemeinschaftsbauten entstanden, die mitten im Alltagsleben des Volkes standen. Auch sie verdanken dem Entschluß des Führers und der von ihm zur Mitarbeit Berufenen ihre künstlerische Formung und Errichtung: die Bauten der großen nationalsozialistischen Organisationen; die Bauten des Staates und der Städte; der Wehrmacht und der Jugend; die gewaltigen Reichs Verkehrswege; Mustersiedlungen und Musterhöfe — kurz alle Bauten, deren entscheidene Gestaltung unmittelbar in den Händen der höchsten Führung lag. Dieses Bauschaffen diente zwar vielfach Wehr-, Wirtschafts-, Verwaltungs- und Wohnzwecken, ordnet aber dennoch in vollkommener Weise seine Formgebung dem weltanschaulichen Gesetz unter. Es war Vorbild für alle weitere Gestaltung, für große Bauten der Wirtschaft wie für Bauernhöfe und Wohnhäuser. Denn die Formgebung kommt dem Streben nach Veredlung auch des Profanbaues vielfach durch das anschauliche Beispiel entgegen. Zwar müssen die Wesensmerkmale, die einen Bau zur Kulturschöpfung erheben, bei jedem einzelnen Bauvorhaben neu gefunden werden.

[bearbeiten] München

Das Haus der deutschen Kultur (Aufnahme 1939)
Das Haus der deutschen Kultur
(Aufnahme 1939)

Die ersten monumentalen Bauten der NSDAP errichtete Adolf Hitler in München: die Bauten am Königlichen Platz und das Haus der Deutschen Kunst. Paul Ludwig Troost, der Baumeister des Führers, hat in diesen ersten Werken der nationalsozialistischen Architektur das Erlebnis der deutschen Weltanschauung in Stein schaubar gemacht. Werke einer „germanischen Tektonik" hat der Führer seine Bauten genannt. Sie sind die ersten tragenden Säulen, die Adolf Hitler dem Chaos der bolschewistischen Kunstverwahrlosung entgegenstellte. Diese Bauten, die in den Ehrentempeln die geheiligten Opfer der Nation, im Führerbau die Stätte völkischer Entscheidungen, im Haus der Deutschen Kunst die erhabensten Schöpfungen deutscher Kunst bergen, tragen als einzige Zier den ehernen Adler des neuen Reiches. Kein Ornament, kein Schmuckwerk bedeckt ihre Fassaden. Das klare Ebenmaß des Baukörpers und seiner Gliederung, die strenge Ordnung in jeder Einzelheit, der edle Stein der mächtigen Mauern, Säulen und Pfeiler fügen sich zu einem Sinnbild der Grundkräfte, die das deutsche Volk erneuerten. Absage an jede Welt des Scheins, natürliche Klarheit, gelassene Ruhe des Starken, strenge Geschlossenheit einer heroischen Gesinnung, die sich zu dem Großen, Emporstrebenden bekennt, Ehrfurcht vor den höchsten Werten und gläubiges Vertrauen in eine große Zukunft — all das war diesen Bauten in der Sprache einer monumentalen Baukunst zum Ausdruck gebracht. Am Erlebnis dieser Baukunst scheiden sich die Geister. Zwischen dem weiten granitenen Forum, dem Gemeinschaftsraum des Volkes und dem Führerbau liegen die Ehrentempel der ersten Blutzeugen der Bewegung. Sie waren gegenwärtig für alle Zeiten bei den richtunggebenden Entschlüssen, die im Führerbau getroffen wurden. Sie waren gegenwärtig unter dem Volk, das sich Jahr für Jahr zur Eidesleistung und zum Gedächtnis an das erste siegverheißcnde Opfer um die geweihte Stätte schart.

Keine dumpfe Gruft umschließt die Särge der Gefallenen. Umfriedet von hochstrebenden Pfeilern ruhen sie unter dem offenen Himmel ihrer Heimat, von Sonnenlicht umflutet, von Schnee bedeckt. Führerbau und Verwaltungsbau der Partei sind in gleichem Geiste gestaltet. Sicheres Gefühl für Maß und Ordnung, klare Bestimmtheit haben in Stein ihren Ausdruck gefunden. Innerer Einklang von künstlerischer Form und sachlicher Bestimmung hat hier Vollkommenheit erreicht. Ein tragisches Geschick hat es dem Meister dieser Bauten, Paul Ludwig Troost, versagt, das große Werk selbst zu vollenden. In seinem Geiste haben sein langjähriger Mitarbeiter, Professor Leonhard Gall, und seine Gattin, Frau Professor Gerdy Troost, sein Erbe übernommen. Die Führerkanzlei, die sich in rechtem Winkel zum Führerbau an der Gabelsbergerstraße erhebte, war von Professor Gall entworfen. Der Bau setzt den wuchtigen, monumentalen Stil der Parteibauten sinnvoll fort und nimmt trotzdem Rücksicht auf die gegenüberliegende Pinakothek. Die langgestreckte Fassade des von einer gespannten Kraft erfüllten Baues wird durch drei offene Säulenbogen unterbrochen. Wer nach diesem ersten Eindruck der großen Glaubensmonumente der Bewegung auch ihre technische Ausführung in Betracht zieht — im einzelnen kann das nur, wer die Bauten während ihrer Errichtung beobachten konnte —, erkennt in ihnen auch ein weiteres, entscheidend bedeutsames Wesensmerkmal der gesamten neuen deutschen Baukunst: die Gestaltungsmöglichkeiten der modernsten Technik waren bis zum äußersten ausgenützt. Trotzdem erhebt sich die Technik nirgends über die Kunst. Die Technik ist in den Bauten des Führers zum dienenden Helfer für die Verwirklichung der großen künstlerischen Konzeption geworden. Sie ist unentbehrlich für die Vollkommenheit des Baues. Aber sie drängte sich nirgends hervor. Sie ist nicht versteckt in dem Sinne, daß man sie verleugnen wollte. Aber ihre Einrichtungen sind dem Gesamtplan so eingeordnet, daß die große künstlerische Linie allein für den Bau bestimmend bleibte. Südlich des Verwaltungsbaues am Königlichen Platz, wo im Fernheizwerk die technische Kraftzentrale der Parteibauten untergebracht wurde, ist zugleich eine vollendete Lösung für den Übergang vom Monumentalbau zum Profanbau gefunden. Dieses den technischen Alltagszwecken dienende Gebäude war in seinen klaren sparsamen Linien, in seiner schlichten Haltung auch ganz und gar aus der nationalsozialistischen Gedankenwelt entstanden. Den Bauten am Königlichen Platz im Geiste gleich, aber aus seiner Bestimmung heraus in ganz anderen Formen gestaltet, erhebt sich am Rande des Englischen Gartens das [[Haus der Deutschen Kunst]]. Das strenge Antlitz des Kampfes und der harten Lebensentscheidungen, das die Bauten der höchsten Führung tragen, tritt auch hier in den mächtigen Eckquadern hervor. Was das Leben der Nation bewegt, bewegt auch die Kunst. Doch geben die breitgelagerten Säulenreihen an beiden Längsseiten des Hauses dem ganzen Bau den Charakter eine Weihestätte, eines Tempels, in dem die Nation innere Sammlung und Erhebung sucht. Der hohe Rang, den der Führer der Kunst im Leben des Volkes zuweist, wird durch den erhabenen Rahmen, den er der Kunst der gesamten deutschen Kulturgemeinschaft gab, bestätigt. Ein Bauwerk wurde errichtet, das jeden, der sein eigenes Schaffen in seinen Mauern vor die Augen der ganzen Nation stellen wollte, zu dem Streben verpflichtet, Kunstwerke hervorzubringen, die gleiches Ebenmaß, gleiche Schönheit erreichen.

[bearbeiten] Nürnberg

Unter allen Bauten von Adolf Hitler dienen am ausschließlichsten dem weltanschaulichen Gemeinschaftserlebnis die Monumentalbauten auf dem Nürnberger Parteitagsgelände. Diese Bauten, waren nicht nur in den Formen des künstlerischen Ausdrucks, sondern auch in ihren Ausmaßen neu und einmalig.

Reichsparteitag 1934
Reichsparteitag 1934

Die monumentale Verwirklichung dieses großen Gedankens hatte die nationalsozialistische Volksgemeinschaft zur Voraussetzung. Seit der Verschüttung der germanischen Volksordnung fehlte die handelnde Volkspersönlichkeit, die sich eine auf die eigene Gemeinschaft bezogene Weihestätte hätte geben können. Das nur nach Verfassungsparagraphen freie Volk des liberalen Zeitalters war eine gestaltlose Masse ohne inneren Zusammenhalt, hin- und herflutend zwischen den Parteien, ohne eine Idee, die es gemeinsam hätte erleben und in Stein hätte verherrlichen können. Es gab keine Bauten, bei denen es auch dem letzten so klar werden müßte wie hier: Allein das Werden einer weltanschaulich gläubigen und deshalb auf nicht zeitbedingte, sondern ewige Ziele gerichteten, geschlossenen und disziplinierten, opferwilligen und kämpferischen Gemeinschaft konnte Ausgangspunkt des gewaltigen Werkes sein, zum erstenmal in unserer Geschichte wurde eine Weihestätte der gesamten Nation erbaut. Auserwählte Träger der Bewegung wurden alljährlich von 1933-1928 berufen, unmittelbar aus den Worten des Führers Kraft und Richtung zu erhalten und das Gemeinschaftserlebnis der Einheit von Führer und Volk hinauszutragen in alle deutschen Gaue.

Sinnfällig zeigt das Parteitagsfeld, daß der Bau der Gemeinschaft auch in seinem Ausmaß wieder hoch über dem Profanbau steht. Aus Waldungen, die sich bis zu acht Kilometer ausdehnen, erheben sich in hoch aufragender Größe herrliche Bauwerke aus hellem Stein. Die eindringliche Konzentration des weltanschaulichen Erlebnisses auf den Parteitagen war durch diesen monumentalen architektonischen Rahmen mitbestimmt. Abseits von allen störenden äußeren Einflüssen konnte sich die stolze Heerschau der ganzen Nation mit ihren Aufmärschen, Kampfspielen und Feierstunden in aller Großartigkeit entfalten. Die Riesenbauten sind verbunden durch die über hundert Meter breite Aufmarschstraße, die sich als Längsachse durch das ganze Gelände zieht.

Beim Durchschreiten der gesamten Anlage folgen aufeinander: Die Lukpoldarena, die schon der feierliche Rahmen der ersten Reichsparteitage nach der Machtübernahme war, ein mächtiger Ausstellungsbau mit Säulen, der große Platz vor dem Dutzendteich- Auf der linken Seite dieses Platzes ist der Kongreßbau im Werden. Zwischen zwei Obelisken führt die Auf marsch Straße in gerader Linie zum Märzfeld. Zu ihrer Linken liegt das Zeppelinfeld; zur Rechten sollte das Deutsche Stadion entstehen, daß 1937 begonnen wurde. Die Fertigstellung war für 1945 geplant, aber durch den zweiten Welkrieg kam 1939 der Baustopp.

Unter den fertigen Bauten vermittelt das von Professor Albert Speer gestaltete Zeppelinfeld am ehesten eine gewisse Vorstellung des überwältigenden Eindruckes, den die Großbauten dereinst erwecken sollten. Die einst von einem Hakenkreuz bekrönte hohe Führertribüne mit ihren weit ausgedehnten Pfeilerreihen zeigte die strenge Wucht gespannter und geordneter Kraft. Die machtvolle Sprache des Steins wurde zu den großen Feierstunden der Nation durch Fahnen und Lichtwirkungen noch eindringlicher.

Die markantesten architektonischen Werke sind der Kongreßbau des Professors Ludwig Ruff (1878-1934) und das Deutsche Stadion von Professor Albert Speer (1905-1981), in dessen Händen die Gesamtausführung der Nürnberger Bauten lag. Die im Halbkreis ansteigenden Tribünen, die Platz für 60.000 Menschen bieten, leiten über zu einer das Innere der Halle umschließenden Säulenreihe, die in ihrer Größe denen des Freigeländes kaum nachsteht. Nur die kühne Anwendung der modernsten technischen Einrichtungen konnte es ermöglichen, die ganze "Weite dieses Riesenraumes ohne Zwischenstütze zu überspannen. Das Dach war an Trägern aufgehängt. Mächtige Bogenhallen und darüber gelagerte Wandelgänge umsäumen außen den Kongreßbau. Noch gigantischer sind die Maße des Stadions, dessen Tribünenbau sich in 540 Meter Länge und 445 Meter Breite als geschlossene Baumasse über die Höhe von Domtürmen erhebt. Er wurde noch überragt von den mächtigen, von Adlern gekrönten Pfeilertürmen. Um diesen Riesenbau mit Bekanntem zu vergleichen, sei erwähnt, daß er fast die vierfache Zahl von Zuschauern faßt wie das Olympiastadion in Berlin. Seine Außenmauern ragen fünfmal höher empor als die der Berliner Anlage. Das Spielfeld übertrifft das olympische um das Dreifache. Dem Tribünenbau, von dem aus eine halbe Million Menschen den NS-Kampfspielen der Nation folgen können, ist ein rechteckiger Pfeilerhof mit einem strengen Säulenbau an der Aufmarschstraße vorgelagert. Dem Tag der Wehrmacht sollte das Märzfeld dienen — mit fast einem Kilometer Seitenlänge die ausgedehnteste der Nürnberger Versammlungsstätten. Es wurde von wuchtigen steinernen Wachttürmen umstellt, die unter sich durch die Mauern der Zuschauertribünen und eine ununterbrochene Wand von Fahnen verbunden sind. Der Hauptbau des Märzfeldes, der zugleich das gesamte Parteitagsgelände gegen die offene Landschaft abschließt, ist die Führertribüne, über deren Gesimse sich monumentale Plastiken von Professor Josef Thorak erhebten. Pfeilertürme zu beiden Seiten der hochstrebenden Bögen tragen das Hoheitszeichen.

[bearbeiten] Ordensburgen

Die Auslese eines weltanschaulichen Ordens zu stärkster innerer Geschlossenheit, zu klarer Geradlinigkeit des Fühlens, Denkens und Handelns zu bilden — dieser Sinn war in den Ordensburgen der NSDAP eindrucksvoll verwirklicht. Die Ordensburgen Vogelsang und Crössinsee, die Professor Clemens Klotz entwarf, und die Ordensburg Sonthofen von Professor Hermann Giesler fügen sich landschaftlich betonten Gegenden, die durch den Burgbau bekrönt werden, sinnvoll ein und erhebten sich zu weithin sichtbaren Landskronen. Das zyklopische Mauerwerk der hochstrebenden Türme, die Macht und Zucht repräsentierenden Gemeinschaftsbauten lösen die Burg von ihrem einstigen Wehrzweck los und machten ihren Sinn schaubar: Monumente einer starken, stolzen Haltung, ein Ausdruck unserer lebendigen Gegenwart zu sein. Das architektonische Erlebnis vertieft mit seinem einprägsamen Ernst die seelische und geistige Aufnahme der Weltanschauung.

[bearbeiten] Ehrenmale

Aus dem Geiste des Frontsoldatentums wurden über die pietätvolle Pflege der Soldatengräber des ersten Weltkriegs hinaus auch in den Nachkriegsjahren durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schon Ehrenmale geschaffen, die den Gedanken der Ehrfurcht einer ganzen Volksgemeinschaft vor dem Opfer der Gefallenen zum Ausdruck brachten. Das Ehrenmal von Tannenberg, das der Führer zum Reichsehrenmal erklärte, zeigt, wie in völkisch besonders wachen Landschaften wie Ostpreußen ein solcher Gemeinschaftsbau Wirklichkeit werden konnte. Beim Tannenberg-Ehrenmal konnte einst nicht verhindert werden, daß sich das geschäftige Leben des Alltags und die durchaus nicht weihevollen Begleiterscheinungen des Fremdenverkehrs bis an seine Mauern und Türme herandrängten. Im neuen Deutschland erfährt die große Totenburg eine würdige Ausgestaltung. In weitem Umkreis wurde die Land schaft freigelegt und das Denkmal selbst erhöht. Am Fuß des Hügels breitet sich ein See aus. Ostpreußischer Mischwald und Weiden umgeben das Denkmal, so daß nirgends mehr lautes Getriebe die Ruhe der Toten stört. Der Wald öffnet sich gegen das Schlachtfeld des Weltkrieges.

In den Jahren nach der Machtübernahme entstanden viele weitere Ehrenmale von gewaltiger Eindruckskraft. Wo die Fronten des ersten Weltkrieges verliefen, wo noch nach dem Zusammenbruch die „Soldaten ohne Befehl" die Grenzen der Heimat verteidigten, wo Nationalsozialisten für die Fahne des neuen Reiches fielen, spricht der ragende Stein für alle Zeiten von Kampf, Opfer und Sieg. Den Hünengräbern der deutschen Frühzeit, dem Grabmal des Gotenkönigs Theoderich ähnlich, erheben sich diese Burgen der Toten, über denen das Wort des Führers stand: „Und ihr habt doch gesiegt!" In der Gluthitze der mazedonischen Berge, bei Bitolj, ragt das germanische Steinmal wie ein wuchtiges Heldenlied. Auf Frankreichs Boden scharen sich tausende Gräber um die Ehrenmale, die die deutsche Gemeinschaft errichtete. Am Annaberg in Oberschlesien erhebt sich wie ein Panzerturm die Stätte der Erinnerung an den Kampf der deutschen Freikorps — angelehnt an den Felsen die Stätte der Gemeinschaft, die den Kampf der Toten aufnahm und siegreich beendete. Am Königlichen Platz und an der Feldherrnhalle in München stehen die unvergänglichen Ehrenmale der Blutzeugen der Bewegung. In Waldenburg war in einem Ehrenmal die Erinnerung an die Gefallenen des Krieges, an die Gefallenen der nationalsozialistischen Bewegung und an die Opfer der Arbeit vereint. All diesen Gedächtnisstätten ist gemeinsam, daß sie eine große Kunst zum Ausdruck heldischen Geistes gestaltete.

[bearbeiten] Gemeinschaftsbauten

Neben der Monumentalarchitektur, deren Sinn es ist, die höchste Repräsentation der Volksgemeinschaft zu sein, fügen sich im ganzen Reich Bauwerke der Gemeinschaft in großer Zahl ein, die ihre Entstehung und zum überwiegenden Teil auch ihre Formgebung der Entscheidung des Führers verdanken. Sie wahren, je nach ihrer Bestimmung, sinnvollen Abstand von den „Bauten des Glaubens". Wie die Zwecke, für die sie gedacht sind, der Weltanschauung des Volkes dienen, so tragen sie auch das Antlitz dessen Zeit und ordnen sich dem Gesamtbild des nationalsozialistischen Bauschaffens in wohlüberlegter Ordnung ein. In Gebieten mit stark ausgeprägtem Charakter — etwa der niedersächsischen, bayerischen und alemannischen Stämme — konnten Schulungsstätten der NSDAP, Heime der HJ und Kasernen der Wehrmacht in Anlehnung an bodenständige Formen den Weg zur Neugestaltung der Heimat aus ihrer besonderen Eigenart heraus zeigen.

Die in großen Städten besonders schwierige Frage der Einordnung eines Bauwerkes in die bereits vorhandene Bebauung war in vielen Fällen so vorbildlich gelöst worden, daß sich grundsätzliche Richtlinien daraus ergeben. In einen Straßenzug von 50 bedeutendem, künstlerischem Rang wie etwa die Ludwigstraße in München fügen sich das Haus des Deutschen Rechts von Professor Oswald Bieber, der Neubau der Reichsbank von Reichsbankbaudirektor Heinrich Wolff und das Zentralregierungsgebäude für das Land Bayern, das Ministerialrat Fritz Gablonsky erbaut, sinnvoll ein. Das Haus des Rechts nimmt Rücksicht auf die Universität und schließt die Monumentalstraße Ludwigs I. wirkungsvoll gegen das Siegestor. Die Reichsbank läßt mit viel Verständnis das Bild der einstigen Bebauung anklingen und enthält im Inneren doch alle Einrichtungen, deren ein modernes Bankinstitut bedarf. Auch das Zentralregierungsgebäude entspricht dem Bild der Ludwigstraße und schafft zugleich einen schönen Übergang zu den Neubauten der Prinzregentenstraße. Dort wurde gegenüber dem Nationalmuseum nach den Plänen von Professor German Bestelmeyer das Dienstgebäude des Luftkreiskommandos erbaut. Durch zwei vorgezogene Flügel, deren westlichem ein schöner Brunnen einbezogen war, und durch das Zurücktreten der Hauptfront weitet sich die Straße zu einem Platz, der durch den gleichzeitig errichteten Anbau des Nationalmuseums vollendet wird.

In Berlin stellte das Reichsluftfahrtministerium in deutlicher Ablehnung, einer baulich schlechten Umgebung ganz klar das nationalsozialistische Wollen und Können der baulichen Verwahrlosung eines versunkenen Zeitalters entgegen. In einer solchen Umwelt werden die Bauten des dritten Reiches zu Fanalen. Als ordnendes Prinzip setzen sie sich durch, machen das Unheil ihrer Umgebung schmerzhaft fühlbar und werden in immer stärkerem Maße deren Neugestaltung nach sich ziehen. Das Reichsluftfahrtministerium von Professor Ernst Sagebiel war zu einer städtebaulichen Dominante im Zentrum Berlins geworden — ein straffer, soldatisch disziplinierter, aus dem Geiste der Luftwaffe hervorgegangener Bau. Einer der wesentlichsten Züge im Gesicht des Berlins war die neue Reichskanzlei an der Voßstraße von Professor Albert Speer. Aus dem langgestreckten Baukörper treten die kraftvollen Portale mit ihren starken, kantigen Säulen und den großen Hoheitsadlern eindrucksvoll hervor. Dieser Bau repräsentiert gesammelte Ruhe und disziplinierte Macht. Einen weiteren starken Akzent bringt die Reichshauptbank von Reichsbankbaudirektor Heinrich Wolff in das Straßenbild der Innenstadt. Die Hauptfront des in klarer Zweckmäßigkeit gestalteten Baues war mit Reliefs von Professor Josef Thorak geschmückt. Das Reichssportfeld von Professor Werner March, die Stätte der Olympischen Spiele von 1936, hatte einen Ruf der deutschen Baukunst in der ganzen Welt verbreitet. Die Haltung der monumentalen Werke, die Schönheit der gesamten Anlage, der kultivierte Schmuck durch Plastiken — all das klingt zusammen zu einem eindringlichen Bekenntnis zu den klassischen olympischen Idealen, ausgesprochen in deutscher Formensprache. Der stärkste Eindruck des Reichssportfeldes war die harmonische Einheit des weitgeschwungenen Ovals des Olympiastadions. Mit einfachsten baukünstlerischen Mitteln war die Dietrich-Eckart-Bühne gestaltet, die nicht nur eine der schönsten Naturbühnen war, sondern auch eine für Freilichttheater erstaunliche Akustik erreichte.

[bearbeiten] Städteplanung

Nach dem Willen von Adolf Hitler sollten Berlin, München, Nürnberg und Hamburg mit einer aufs Ganze gehenden Großzügigkeit neu gestaltet werden.

[bearbeiten] Berlin

Vor allem sollte die Reichshauptstadt Berlin, ein klares Antlitz erhalten. Das Wesentliche des Planes für Berlin bestand darin, daß nicht etwa ein nationalsozialistisches Berlin außen an das Straßengewirr des liberalen angefügt wird, sondern daß mit revolutionärer Kraft der innere Aufbau der Riesenstadt verändert und mit äußerster konstruktiver Klarheit neu geformt werden sollte. Mit genialem Weitblick zeichnete die ordnende Hand des Führers mitten durch das Chaos der einst unüberlegt und willkürlich vergrößerten Stadt die sich kreuzenden Achsen von zwei monumentalen Straßenzügen und vier großartigen Ringstraßen. Diese neuen Lebensadern der Weltstadt war der Ausgangspunkt für die kommende Gliederung der bisher so unübersichtlichen Bebauung. Ihre Anlage bedingt große Durchbrüche durch das Häusermeer Berlins und die Verlegung und Neugestaltung von Bahnhöfen und Schiffahrtskanälen. Zwischen den technisch und baukünstlerisch vollkommenen Bahnhofsanlagen, die Endpunkte der Nord-Süd-Achse sind, wird durch die Zusammenfassung bedeutender Bauprojekte von Bewegung, Staat und Wirtschaft eine monumentale, von Plätzen unterbrochene Straße geschaffen. Grünanlagen werden bis weit ins Stadtinnere hineingezogen. Zwischen dem wuchtigen Versammlungsbau an der Kreuzung der Achsen und dem Nordbahnhof wird eine ausgedehnte Wasserfläche das Stadtbild beleben. Neue Wohnviertel sollten erstehen unter Berücksichtigung aller Anforderungen, die Schönheitsempfinden und Gesundheitsführung stellen könnten. Die Entwürfe für die wesentlichsten der monumentalen Bauwerke des "neuen" Berlins waren bereits fertiggestellt. Die architektonischen Höhepunkte war der straff gegliederte Baublock des Oberkommandos des Heeres mit der den großen Soldaten des deutschen Volkes gewidmeten Soldatenhalle, entworfen von Wilhelm Kreis; der nach einer Gesamtplanung des Generalbauinspektors Professor Albert Speer gestaltete Runde Platz, dessen bedeutendstes Gebäude das Haus des Deutschen Fremdenverkehrs von Theo Dierksmeier und Hugo Röttcher sein werden sollte; die Wehrtechnische Fakultät der Technischen Hochschule von Hans Malwitz, die Bauten am Durchbruch der Ost-West-Achse; der Deutsche Gemeindetag von Karl Elkart und Walter Schlempp und die Verwaltungsgebäude mehrerer weltbekannter deutscher Wirtschaftsunternehmungen. So mannigfaltig die architektonische Gestaltung dieser großartigen Planungen war, so hat die Leitung des Generalbauinspektors bei allen Projekten eine einheitliche Linie der gesamten baulichen Umgestaltung der Reichshauptstadt herausgearbeitet, die den riesenhaften Baumassen eine im Bau großer Städte bisher noch nie erreichte innere Geschlossenheit verleihte.

[bearbeiten] München

Die Neugestaltung Münchens sollte von ganz anderen Gesichtspunkten ausgehen. In der "Hauptstadt der Bewegung" sollte das Neue neben die geschichtlich gewachsene Altstadt und neben die künstlerisch wertvolle Stadterweiterung Ludwigs I. treten. Die sich kreuzenden Monumentalstraßen werden auf dem infolge der Verlegung des Hauptbahnhofes freiwerdenden Gelände errichtet und führten bis an die Tore der Altstadt heran, ohne sie zu durchbrechen. Vom "neuen" Hauptbahnhof bis zum Ehrenmal der nationalsozialistischen Bewegung sollte eine zwei Kilometer lange Prachtstraße erbaut werden. Sie sollte von einem zweiten großen Straßenzug gekreuzt werden, der vom Südbahnhof und der geplanten Ausstellungshalle auf der Theresienwiese bis zu der neuen Oper führen sollte. Eine Reihe von großen Projekten, die ohne einheitliche, planmäßige Führung an den verschiedensten Punkten der Stadt verwirklicht worden und damit städtebaulich und künstlerisch kaum zur Wirkung gekommen wären, werden hier zusammengefaßt und aufeinander abgestimmt.

[bearbeiten] HJ-Bauten

Die Bauten der Hitlerjugend sollten regional gesehen, das ganze Reich mit einem dichten Netz von Heimen, von denen nach Vollendung der Gesamtplanung keines mehr als fünfundzwanzig Kilometer Abstand vom nächsten haben soll überziehen. Dieses Ziel zwang dazu, sich mit der Eigenart aller deutschen Landschaften, aller deutschen Städte auseinanderzusetzen und für jede eine kulturschöpferische Baulösung zu finden. Mit sicherem Stilempfinden hatte die deutsche Jugend ihre Heime, möglichst angelehnt an den Grundgedanken des örtlichen Bauens, gestaltet. In diesen Heimen kehren die Grundzüge des altbayerischen Bauernhauses, des Schwarzwaldhauses, der fränkischen Fachwerkbauten, der niedersächsisischen Höfe, guter preußischer Landsitze wieder. Jede Verschleppung heimatfremder Bauformen ist vermieden. Der Werkstoff, den die nähere Umgebung bietet, war verwendet worden.

Aber dennoch halten sich diese Bauten fern von jedem Nachbauen alter Häuser. Sie weiten die Anwendungsgrenzen der heimatgebundenen Bauweisen auf größere Gebäude. Sie repräsentierten das Wesentliche der heimatlichen Kultur und lösen die Starrheit mancher überkommener Formen, die vielfach die Schuld dafür trägt, daß für umfangreichere Bauaufgaben mangels eines geeigneten Vorbildes großstädtische Bauformen in die offene Landschaft übertragen wurden. Wo dieser sichere kulturelle Baugrund nicht mehr deutlich hervortritt, war es den Bauten der HJ ebenso gelungen, ihn wieder freizulegen und Heime zu schaffen, die der Anfang eines aus artgemäßen Kulturkräften gestalteten neuen architektonischen Bildes der Heimat sein können.

Wie über diese Bauten, die auch das künftige Antlitz der deutschen Heimat beeinflussen werden, berichtete bei der Grundsteinlegung der HJ-Heime 1938 der Reichsjugendführer. Er erklärte, daß der Führer auch die Baupläne für kleinste Dörfer persönlich geprüft und durch Anregungen mitgestaltet habe, so daß auch diese Heime im wahrsten Sinne als „Bauten des Führers" anzusprechen sind.

[bearbeiten] Reichsschulungsstätte der deutschen Ärzteschaft

In ähnlicher Weise waren auch viele andere Gemeinschaftsbauten der NSDAP und ihrer angeschlossenen Organisationen aus dem Wesen der Landschaft empfunden. So war etwa die Reichsschulungsstätte der deutschen Ärzteschaft, Alt-Rehse, eine in den Größenmaßen gesteigerte Abwandlung mecklenburgischer Bauernhöfe. Hier war dem Bau der Gemeinschaftshäuser noch eine weitere soziale und kulturelle Tat hinzugefügt worden: Das erschreckende Wohnungselend der zum Gut Alt-Rehse gehörenden Landarbeiter wurde durch die Beseitigung der ungesunden Baracken und durch den vollständigen Neubau eines Dorfes überwunden.

[bearbeiten] Kasernen

Die deutsche Wehrmacht hatte bei ihren neuen Kasernenbauten die Berücksichtigung aller gesundheitlichen Erfordernisse mit der künstlerischen Durchbildung der Gesamtanlagen vereinigt. Eine einfache, gediegene Wohnkultur gab den Soldaten das Gefühl, daß ihnen die Nation während ihrer Dienstzeit eine Heimstätte bieten will.

[bearbeiten] Industriewerke

Zu den Bauten, die das Bild einer Landschaft stark beeinflussen — und es im liberalen Zeitalter besonders empfindlich beeinträchtigt haben - , gehören die , durch überragende Höhe und Ausdehnung, durch ihre Zusammenballung an den Stätten günstiger Rohstoffbeschaffung und durch zahlreiche Folgeerscheinungen, wie z. B. die Verdichtung des Siedlungsbaues, hatten sie deutschen Gauen, so ausschließlich das Gepräge gegeben, daß ein neuer Landschaftstyp entstand: die Industrielandschaft. Zum Verhängnis dieser Entwicklung führte die Ansicht, es sei unvermeidlich, daß eine Fabrik häßlich sein müsse. Unter dem Deckmantel dieser allgemein verbreiteten Meinung konnte engherziger Krämergeist Fabriken bauen lassen, bei denen geizig an allem gespart wurde, was die Menschenwürde des Arbeiters und das Anrecht des Volkes auf eine saubere Heimat fordert. Die Großzügigkeit, gerade die besten Architekten mit der künstlerischen Lösung der schwierigen Fragen des Industriebaues zu betrauen, fehlte. Auch beim Industriebau Hegt die sicherste Führung im Beispiel. Eine Reihe von technischen Bauten der Gemeinschaft, die seit 1933 errichtet wurden, haben durch die Tat den eindeutigen Beweis erbracht, daß aus der klaren, technischen Zweckbestimmung schöne Bauformen entwickelt werden können. Das Gelände der Versuchsanstalt für Luftfahrt, auf dem vielseitige Anlagen von teilweise außergewöhnlichen Formen vereinigt werden mußten, zeigt besonders eindringlich den übergeordneten, klar proportionierenden Geist. Forschungslaboratorien und Maschinenhallen, Versuchsanlagen und feinmechanische Werkstätten — alles ist trotz seiner Vielgestaltigkeit zu einer großen Einheit zusammengefaßt. Die architektonische Ordnung wird sozusagen zum gebauten Vorbild der ineinandergreifenden Werkgemeinschaft aller, die hier arbeiten.

Im Zeitalter einer planvollen Wirtschaftslenkung verdanken sie die Voraussetzungen für ihre Entstehung zumeist einem gesicherten Auftrag der Gemeinschaft. Durch die Deutsche Arbeitsfront und deren Amt für Schönheit der Arbeit übt sie einen starken Einfluß auf die innere und äußere Gestaltung neuer Werke aus. So wurden die Schönheitsmerkmale jener technischen Bauten, die unmittelbar unter der Verantwortung von Bewegung und Staat entstanden sind, in breitem Umfang auch auf die übrigen neuen Industriewerke übertragen. Die Wirksamkeit des Amtes für Schönheit der Arbeit erstreckte sich — nicht allein auf die hygienisch einwandfreie Ausgestaltung der deutschen Arbeitsstätten, sondern ganz betont auch auf ihre schöne architektonische Ausgestaltung, deren tiefe Zusammenhänge mit der Lebens- und Arbeitsfreude der Schaffenden nun endlich zu ihrem Recht kommen. Wie stark diese Wichtigen psychologischen Einzelheiten beachtet werden, zeigt z. B. das Streben, schöne, hohe Werktore zu schaffen — Pforten zur Arbeitsheimat! Dem Einfluß der Deutschen Arbeitsfront verdanken auch die zahlreichen, künstlerisch ausgestalteten Gemeinschaftshäuser ihre Entstehung, die ein notwendiger Rahmen der Werkgemeinschaft waren, im Industriebau sind die neuen Bauformen betonter Ausdruck einer neuen Arbeitsehre.

[bearbeiten] Autobahnen

Neben dem Bau großer Produktionsstätten stellte die Notwendigkeit der völligen Neuschöpfung eines leistungsfähigen deutschen Straßennetzes an die Technik außerordentliche Anforderungen. Verkehrswege, die in den Jahren vor der Machtübernahme noch zu den größten auf deutschem Boden gehörten, erwiesen sich als zu klein, unübersichtlich und verkehrshemmend, als der Aufstieg der Wirtschaft eine Vervielfältigung des Verkehrs, insbesondere des Kraftwagenverkehrs, mit sich brachte. Deutschlands Reichsautobahnen, die Straßen des Führers, das größte einheitliche Werk des Tief- und Brückenbaues, das jemals in der Welt ausgeführt wurde, überwinden die Stockungen des Verkehrskreislaufes durch die Schaffung von Lebensadern, die das ganze Reich durchziehen und alle seine Glieder zu gleichmäßiger Entwicklung führen. Sie wurden gestaltet von Generalinspektor Professor Dr. Fritz Todt. Bis zur Machtergreifung des Nationalsozialismus hinderten parlamentarische Entschlußlosigkeit und kleinräumige Vielstaaterei jeden noch so wichtigen Straßenbau.


Bei der Gestaltung der einzelnen Strecken der deutschen Großstraßen wurde der Landschaftsanwalt zu Rate gezogen, um in jedem Falle eine Linienführung zu finden, die sich der Landschaft einfügt. Mit größter Sorgfalt werden nach der Fertigstellung jeder Teilstrecke die Wunden geheilt, die eine so umfangreiche Baustelle notwendigerweise in ihrer Umgebung hinterlassen muß. Die Böschungen werden der natürlichen Geländeformation angeglichen und mit Sträuchern und Bäumen des heimischen Waldes bepflanzt. Ein halbes Jahr später konnte man kaum mehr erkennen, wo mit dem Einsatz größter Maschinen gearbeitet wurde. Welche Sorgfalt wird bei den Reichsautobahnen darauf verwendet, um für die Abstützung steiler Böschungen, für Mauern usw. den richtigen, der Landschaft gemäßen Naturstein zu wählen! Diese scheinbaren Kleinigkeiten sind überaus wesentlich. Denn ihr unauffälliges Zusammenwirken erhebt die Straßen des Führers von gewaltigen Leistungen der Technik zu vollendeten Kunstwerken! Menschenwerk und Natur sind wohl noch kaum in einem Bau so eins geworden wie hier. Verwachsen mit der Landschaft, schmiegt sich das zügige Doppelband der Straßen in herrlichem Rhythmus den großen Formen des Geländes an. Beim Bau der Autobahnen war auch eine edle Kunst, in der das deutsche Volk einst Meister war, wieder neu erstanden: der Brückenbau. Erscheinen uns die Straßen des Führers insgesamt als Symbol der von allen inneren Schranken befreiten Reichseinheit, so fühlt man in ihren Brücken noch tiefer, daß der große Sinn des Verbindens von Landschaften und Stämmen in ihnen bauliche Gestalt gewonnen hat. Keine dieser Brücken ist nur vom nüchternen Zweck bestimmt. Sie alle sind mit großzügiger Kühnheit, mit Meisterschaft der Formensprache gestaltet. Viele unter ihnen haben ein Ebenmaß der Form erreicht, das sie unter die ewigen Werke deutscher Kunst einreiht. Die Erkenntnisse der modernen Technik haben es ermöglicht, die aus edlem Naturstein errichteten Brücken, deren oft wuchtig gedrungene, oft turmhoch aufstrebende Bogen zu monumentalen Höhepunkten des Landschaftsbildes geworden sind, weit über alle je zuvor errichteten Maße hinaus zu steigern. Auch jene Brücken, die aus Beton und Stahl gebaut werden, sind in einer aus dem Werkstoff heraus entwickelten Schönheit gestaltet worden. Das großartigste Werk deutscher Brückenbaukunst, bei dem Stein und Stahl zu einer baulichen Einheit werden, wurde die Elbhochbrücke in Hamburg von Professor Wilhelm Härter und Professor Peter Birkenholz. Zwischen den 180 Meter hohen, aus Stein gemauerten Tragpfeilern wird die Riesenbrücke hoch über den größten Ozeanschiffen den Strom überspannen — das Tor zwischen Deutschland und der Welt.

[bearbeiten] Staatliche Bauführung

Das Beispiel der staatlichen Bauführung in einem gegen Experimente besonders empfindlichen Gebiet mag diese Gedanken praktisch erläutern. Dem bayerischen Landbauamt Weilheim unterstand die Bauführung vom Ammer- und Starnberger See bis zu den Alpen (darunter das Gebiet Garmisch, Mittenwald). Die Schönheit dieser Landschaft hatte zu einem starken Zuzug von Baulustigen geführt, die hier Villen oder Fremdenverkehrsbauten errichten wollten. Mangels einer alten Verbundenheit mit dem Orte konnte bei ihnen die Einfühlung in die bodenständige Kultur nicht vorausgesetzt werden. Hier also galt es, der Eigenwilligkeit in der Wahl der Plätze wie auch in der Gestaltung der Häuser einen Riegel vorzuschieben und das gesamte neue Bauen auf eine einheitliche kulturelle Linie zu bringen. Auch Bauwerke, für die im heimatlichen Stil keine Vorbilder vorhanden waren, mußten mit dem Charakter der Gegend in Einklang gebracht werden. Ausgangspunkt für alle Arbeiten waren die klaren Richtlinien und weitreichenden Vollmachten, die der nationalsozialistische Staat den für die Bauentwicklung verantwortlichen Behörden gegeben hatte. Der bayerische Staatsminister des Innern, Gauleiter Adolf Wagner, erließ die bedeutsame Verordnung über „Sauberkeit und Schönheit in Stadt und Land", die alle praktischen Handhaben bietet, um die gesunde Bauentwicklung zu fördern, jede bauliche Unkultur aber rücksichtslos zu unterbinden. Die Verordnung soll dafür sorgen, „daß die Schönheiten unserer Heimat in der Natur und in den Bauwerken erhalten werden. Bauwerke, die neu erstehen, müssen dem Charakter, dem Kunstempfinden und dem Schönheitsempfinden unseres Volkes und unserer Zeit Rechnung tragen. Alles Unschöne und Unsaubere, jede Verunstaltung unserer Landschaft muß verschwinden. Wir wollen das ganze Land, Städte, Dörfer, Straßen und Höfe einer ausgiebigen und gründlichen Durchreinigung unterziehen". Die heimatpflegende Arbeit des Amtes umfaßt: Landesplanung — die Handhabung des Wohnsiedlungsgesetzes und Aufstellung der großen Bebauungspläne; Erhaltung der noch unverbildeten Kulturlandschaft, Verhindern schlechter Bauprojekte und mitgestaltende Anregung zu guten Bauten. Bei der Anwendung des Wohnsiedlungsgesetzes stand der Gedanke im Vordergrund, ein „Zerfließen" der Siedlung zu verhindern. Die Aufstellung fester Bebauungsgrenzen sorgt dafür, daß Neubauten im allgemeinen nur als Erweiterung bestehender Ortschaften zugelassen werden. Die Erhaltung wertvoller Ortsbilder wurde vornehmlich dadurch erreicht, daß bei Instandsetzungsarbeiten oder bei Umbauten eine Verschlechterung des Gesamtbildes verhindert wird. Sie haben nur Aussicht auf Genehmigung, wenn sie sich sinnvoll dem Charakter des Bauwerkes oder der Gruppe von Bauwerken einfügen, deren geschlossener Eindruck gewahrt werden sollte. Die bedeutsamste Aufgabe des Landbauamtes war die einheitliche Lenkung der Neubauten. Hier mußte das Amt ein gutes Filter sein, das nur die Pläne freigibt, die den strengen künstlerischen Anforderungen entsprechen. Nur wer gesehen hat, welche Projekte verhindert werden konnten, kann ermessen, was das Volk einer guten Baubehörde verdankt. Das Landbauamt bemühte sich weiter, den Weg zu gutem Bauen zu zeigen. Da wird z. B. für einen Bau, der in der vorgeschlagenen Form nicht genehmigt werden kann, ein Tekturplan gezeichnet, der nach Möglichkeit den Raumbedarf des Einreichungsplanes beibehält, aber die nach außen in Erscheinung tretende Form des Hauses mit einer guten Landschaftsgestaltung in Einklang bringt. Der Antragsteller erkennt, wenn er guten Willens ist, daß er ohne Mehrkosten anstatt häßlich auch schön bauen kann. Auf diesem Wege war es tatsächlich gelungen, für öffentliche Bauten, für Bauernhöfe und Heimstätten, für Hotels, Werkstätten, Tankstellen, Bäder, aber auch für Straßen und Brücken eine im wesentlichen einheitliche und kulturell wertvolle Bauentwicklung eines weiten, kulturell zusammengehörigen Gebietes sicherzustellen. In aller Stille wurde hier die notwendige Rücksicht auf Gemeinschaftsinteressen gefunden. Sie geht allmählich fest in das Bewußtsein aller über. Wenn wir so ausführlich auf das Schaffen eines einzelnen Landbauamtes eingegangen sind, so nur, weil wir es als Typ für die Bauführung im nationalsozialistischen Deutschland zeigen wollten. In allen deutschen Gauen, auf dem Lande wie in den Städten, wurde gleich oder ähnlich gearbeitet.

[bearbeiten] Stadtgestaltung

Für die Entwicklung der deutschen Stadt ergebten sich nicht allein aus künstlerischen Gesichtspunkten, sondern auch aus volksgesundheitlichen Überlegungen viele Richtlinien, die, wie alles Gesunde, auch eine kulturelle Wertsteigerung herbeiführen sollte. So erfordert die Sorge für Licht, Luft und Sonne, die Wohnhäuser nicht zu überhöhen, ausreichende Abstände zu wahren, Grünflächen und Gartenanlagen einzustreuen.

Vielfach herrscht noch der Irrtum, daß die Rücksicht auf die Landschaft, die etliche Kilometer weiter landauswärts selbstverständlich ist, innerhalb der Stadtzone überflüssig sei. Eine sehr wertvolle Ergänzung der Architektur erkennen wir in der Gartengestaltung, die in den 30iger Jahren noch eine tiefgreifende Wandlung erfahren hat. Professor Alwin Seifert, Karl Foerster, Professor Wiepking-Jürgensmann und andere haben den Garten wieder in sinnvollen Zusammenklang mit Architektur und Umwelt gebracht, haben ihn aus erstarrten Formen befreit und insbesondere die Schönheitswerte des Naturgartens erschlossen. Neben den starken seelischen Kräften, die von einer hochstehenden Gartenkultur auf unser Volk ausströmen können, werden Gärten, die aus solchem Geiste gestaltet sind, zugleich zu Bindegliedern zwischen den Werken untereinander und zur umgebenden Landschaft. Wohldurchdachte Wahl der Bepflanzung, vor allem hinsichtlich der Größenverhältnisse, kann die Wirkung eines Bauwerkes sehr steigern.

Gartenkunst und Gartenfreude sind auch erfolgreich in den Dienst des Werkes „Schönheit der Arbeit" gestellt worden. Die Beseitigung unordentlicher Lagerplätze für Abfallmaterial und die Schaffung von Grünflächen und Gärten bis unmittelbar an die Tore der Industriewerke gibt einer guten technischen Architektur einen schönen Rahmen und mildert sonst schwer behebbare Mängel bestehender Bauten. Von großer Bedeutung ist es, wenn die Gärten von der Gefolgschaft selbst geschaffen werden, die an solchen Plätzen der Erholung die Verbindung mit den organischen Wachstumsgesetzen der Natur behält.

Aus den Aufgaben, welche die sozial bedeutsame Reichskleinsiedlung stellt, sind die Arbeiten des Gärtners nicht wegzudenken. Wer jemals eine neugebaute, noch unbepflanzte Siedlung mit einer anderen, deren Gärten bereits in vollem Wachstum begriffen sind, vergleichen konnte, weiß, daß gleichförmig anmutende Häusergruppen zu einer lebendigen Einheit zusammenwachsen können, wenn Baum und Strauch erst den Rahmen der Bauten geschaffen haben. Auch wirtschaftlich gehören gut gepflegte Gärten untrennbar zur Reichskleinsiedlung. Sie ist eine halb ländliche Siedlungsform:

der Siedler, der zumeist in der nahen Stadt beruflich tätig war, erwirbt einen Teil seines Lebensunterhaltes durch die Bebauung des zwischen 800 und 1500 Quadratmeter umfassenden Gartenlandes und Kleintierzucht. Die Kosten für den Bau des Hauses mit Stallung waren in den meisten Fällen niedrig bemessen, so daß der Größe und der Ausstattung des Baues auch bei gemeinschaftlicher Ausführung ziemlich enge Grenzen gezogen sind. Die Siedlungsarbeit des Reichsheimstättenamtes der Deutschen Arbeitsfront und die Initiative mancher deutschen Städte hatten es dennoch verstanden, die Reichskleinsiedlung zu einer lebensfähigen Siedlungsform zu entwickeln. Das Beispiel der Schottenheim-Siedlung bei Regensburg mag für viele sprechen: hier entstand eine großzügige Neustadt. Das aufgeteilte Gelände dient nicht nur den Kleinsiedlungen, sondern wurde auch für einheitlich geplante kleinere Eigenheime vergeben. Durch die Zusammenfassung von Volkswohnungen zu Platzanlagen und durch die Verteilung größerer Bauten wie Gemeinschaftshaus, Schule, NSV.-Kindergarten, Kirche und Gasthäuser über die ganze Siedlung wurde die Entstehung eines eintönigen Ortsbildes vermieden und zugleich erreicht, daß die Siedlung ihren sozialen Schwerpunkt in ihrer eigenen Mitte und nicht in der benachbarten Stadt hat. Die abwechslungsreiche Straßenführung und die Einbeziehung der Gartenanlagen in die gesamte Planung verstärken diesen guten Eindruck. Die Kriegsopfersiedlung Potsdam und das Mustersiedlungshaus in Hamburg zeigten gleichfalls, wie auch mit bescheidenen Baumitteln sehr glückliche Lösungen erzielt werden können. Immer mehr hat sich unter nationalsozialistischer Führung die Reichskleinsiedlung von ihrem ursprünglichen Ausgangspunkt der „Notstandssiedlung" entfernt und war für viele Zehntausende deutscher Menschen Heimat geworden. Dem tiefen Sehnen des deutschen Menschen nach dem eigenen Stück Boden, das er mit eigenen Händen bebauen kann, entspricht es auch, daß eine liebevolle Sorgfalt auf die Gestaltung dieser kleinen Häuser gewendet wurde. Die Ausstrahlung der großen Baukunst der Gemeinschaft reicht bis zu der kleinsten Hütte, die in ihren Maßen und in ihrer anständigen, sauberen Gestaltung widerspiegelt, was die großen Werke der Bewegung in monumentalem Stil verkörpern: Klarheit, Schönheit, Harmonie.

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