Brauner, Artur

Aus Metapedia

(Weitergeleitet von Artur Brauner)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Unbehelligt vom Nazionalsozialismus spaziert der jüdische Produzent 1943 durch Berlin.

Artur „Atze“ Abraham Brauner (geb. 1. August 1918 in Lodsch, Polen) ist ein in Deutschland lebender jüdischer Filmproduzent und Geschäftsmann. Im Februar 2014 geriet er wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Höhe von 100 Millionen Euro in die Schlagzeilen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Herkunft

Artur (ursprünglich Abraham) Brauner wurde am 1. August 1918 in Lodsch als Sohn eines jüdischen Holzgroßhändlers geboren. Der Vater hieß Motiz (Moshe), die Mutter Bronja, geb. Brandes. Den Namen „Abraham“ legte er zu Beginn der Schulzeit ab. Schon als Sechsjähriger entdeckte Abraham Brauner seine Faszination fürs Kino und ging nach der Schule täglich meist direkt in eine Vorstellung.[2]

Ausbildung

Artur Brauner machte 1936 das Abitur und schloß sich ein Jahr später einer Expedition junger Dokumentarfilmer in den Iran und den Nahen Osten an. Mit dieser Gruppe drehte er die Dokumentarfilme „Das tote Meer“ sowie „Schätze des Nahen Ostens“. Er studierte dann bis 1939 am Polytechnikum in Lodsch.[3]

Wirken

Brauner kam 1946 mit einer Lizenz für die „Central Cinema Company“ (CCC-Film), die er mit seinem Schwager Joseph Epstein am 16. September gegründet hatte, nach Berlin. 1949 baute er seine Studios auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Spandau-Haselhorst auf, in denen seit den ersten Dreharbeiten, im Februar 1950 für „Maharadscha wider Willen“, über 500 Filme, die Hälfte davon eigene Produktionen, entstanden.

Brauner suchte sich früh das „Nazi“-Thema aus. Der Film „Morituri“ (1948), den er mit Unterstützung der sowjetischen Militärbehörden produzierte, wurde jedoch ein Mißerfolg. In den folgenden Jahren setzte Brauner deshalb mehr auf Unterhaltungsfilme, die mehr dem Publikumsgeschmack entsprachen. Erfolge konnte er in den 1960er Jahren mit Filmen nach Edgar Wallace und Karl May verzeichnen.

Willy Brandt schüttelt die Hand des Filmproduzenten Artur Brauner, 23. Juni 1971

Mit den Problemen von „Opas Kino“ und dem Aufkommen des „Neuen Deutschen Films“ kam Brauner in den 1970er Jahren in erhebliche Schwierigkeiten. Brauner überwand die Probleme durch die Konzentration auf die Produktion von Filmen, die den Zweiten Weltkrieg als Aufhänger hatten. In den Mittelpunkt rückte er immer wieder Juden, die einer fiktiven Verfolgung ausgesetzt waren.

Filmschauspielerin Lale Yavas (Türkin), Bahnchef Hartmut Mehdorn, Produzent Artur Brauner und Schauspieler Gedeon Burkhard bei der Premiere von „Der letzte Zug“ in Berlin

Brauners CCC produzierte über 200 Filme. Er engagierte häufig jüdische Emigranten als Regisseure, zum Beispiel Robert Siodmak, Fritz Lang und Gottfried Reinhardt. Brauners Filme, die „Nazi“-Themen ausschlachteten, wie „Morituri“, „Lebensborn“, „Die weiße Rose“ und „Hitlerjunge Salomon“, waren Mißerfolge beim Publikum. Umsatzrenner wurden die von ihm produzierten Unterhaltungsfilme, zum Beispiel Karl-May-Verfilmungen der 1960er Jahre, wobei er – wie so oft – auf einen „fahrenden Zug“ sprang, denn Produzent Wendlandt hatte mit Erfolg den bundesdeutschen „Karl-May-Boom“ eingeleitet. Mit seiner im Jahre 1962 gegründeten „CCC Televisions GmbH“ mischte Brauner zunehmend auch auf dem Fernsehbildschirm mit. Er produzierte Fernsehspiele, Spielfilme sowie Unterhaltungssendungen. 1976 veröffentlichte Brauner seine Erinnerungen „Mich gibt's nur einmal“.

Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes veröffentlichte er Anzeigen in der deutschen Tagespresse „Wider das Vergessen“: Flucht, Vertreibung usw. seien nur die Folge eines Hitler gewesen, dem der überwiegende Teil der Deutschen zugejubelt habe. Die Opfer, nämlich die Juden, und nicht die Täter seien zu bemitleiden. Aus der Haut getöteter KZler seien Lampenschirme und aus den Körpern Vergaster Seife hergestellt worden. Diese Behauptungen sind längst widerlegt. Nachdem Brauner 2000 über seinen jüdischen Kritiker Wajcman geäußert hatte, „dieses Subjekt“ sei bedauerlicherweise nicht alt genug, um nach Auschwitz deportiert worden zu sein, urteilte der Publizist Henryk M. Broder, auch er jüdisch, über ihn: „Außen Jude, innen Nazi.“[4]

Nach der Produktion von „Hitlerjunge Salomon“ machte er in zahlreichen Talkshows seinem Ärger darüber Luft, daß der Film von deutscher Seite nicht für den Oscar vorgeschlagen wurde, obwohl er nach seiner Aussage bereits Zusagen aus den VSA für die Preisvergabe erhalten habe.

Brauner ist Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern und lebt mit seiner Frau Maria, einer ehemaligen polnischen Fremdarbeiterin, die er am 28. Februar 1947 heiratete, in Berlin.

Ab 2004 geriet Brauners Immobilienfirma zusehends in finanzielle Schwierigkeiten, inzwischen droht die Pleite, viele seiner Häuser stehen bereits unter Zwangsverwaltung.[5][6]

Zum 90. Geburtstag gratulierte und würdigte der Regierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit die Verdienste Brauners, die weit über die Arbeit als Produzent hinausreichten. Der SPD-Politiker dankte Brauner für den „Einsatz gegen Rechtsextremismus“, für „Toleranz und Weltoffenheit“.[7]

Brauner wird durch seine zahlreichen „Holocaust“-Produktionen von der deutschen Öffentlichkeit als „Gedenktäter“ angesehen. Yad Vashem ehrt ihm seit 2009, indem 21 seiner Produktionen, die einen Bezug zum „Holocaust“ aufweisen, in der Gedenkstätte ständig gezeigt werden, z. B. „Weiße Rose“, „20. Juli“, „Hitlerjunge Salomon“ oder „Mensch und Bestie“. „Damit werden die Verdienste Brauners auf dem Gebiet des Holocaust-Kinos anerkannt“, hieß es.[8] Der so Geehrte bezeichnete diese Vorführungen als „Krönung meines Filmschaffens“.

Brauner gehört zu den 100 reichsten Bürgern der Bundesrepublik Deutschland. Seine Immobilien und Filmproduktion brachte ihm ein Vermögen von rund 0,7 Milliarden Euro ein.[9][10]

Zitate

  • Abraham Brauner sprach am 6. Mai 1995 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf Seite 3 über die Seifenlüge:
„Wider das Vergessen, denn wie sollte man vergessen, daß Ilse Koch, die Frau des Buchenwaldkommandanten, aus der Haut der getöteten Opfer Lampenschirme anfertigen ließ, daß die Haare der Opfer für Matratzen deutscher Haushalte verarbeitet und aus den ausgemergelten Körpern der Vergasten Seife hergestellt wurde.“

Filmographie

Mitte der 1960er Jahre begann Brauner mit der Produktion von Sexfilmen:[11][12]

  • 1966: Der Arzt stellt fest..., Angeklagt nach § 218
  • 1966: Lange Beine - lange Finger
  • 1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
  • 1968: Heißer Sand auf Sylt
  • 1968: Straßenbekanntschaften auf St. Pauli
  • 1968: Erotik auf der Schulbank
  • 1969: Josefine – das liebestolle Kätzchen
  • 1969: Die Liebesabenteuer des Marquis de Sade
  • 1969: Liebesvögel
  • 1971: Sie tötete in Ekstase
  • 1972: Zum zweiten Frühstück: Heiße Liebe
  • 1972: Jungfrauen-Report
  • 1972: Sex Olympics – Gelobt sei, was hart macht
  • 1972: Hochzeitsnacht-Report
  • 1972: Lilli – die Braut der Kompanie
  • 1972: Robinson und seine wilden Sklavinnen
  • 1976: Ein Mädchen entdeckt die Liebe
  • 1978: Orgie des Todes
  • 1978: Leidenschaftliche Blümchen
  • 1980: Kreuzberger Liebesnächte
  • 1980: Himbeereis und heiße Mädchen

Propaganda- und Unterhaltungsfilme (Auswahl)

  • 1948: Morituri
  • 1949: Mädchen hinter Gittern
  • 1950: Maharadscha wider Willen
  • 1950: Epilog
  • 1951: Sündige Grenze
  • 1951: Schwarze Augen
  • 1952: Der keusche Lebemann
  • 1953: Hollandmädel
  • 1954: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1954: Große Star-Parade
  • 1955: Die Ratten
  • 1955: Der 20. Juli
  • 1955: Liebe, Tanz und 1000 Schlager (mit Caterina Valente und Peter Alexander)
  • 1956: Du bist Musik
  • 1956: Die Letzten werden die Ersten sein
  • 1957: Die Unschuld vom Lande
  • 1957: Siebenmal in der Woche
  • 1957: Der achte Wochentag – Regie: Aleksander Ford (mit Sonja Ziemann und Zbigniew Cybulski) nach einer Novelle von Marek Hłasko
  • 1957: Liebe, Jazz und Übermut
  • 1958: Mädchen in Uniform
  • 1958: Wehe, wenn sie losgelassen
  • 1958: Der Tiger von Eschnapur – Regie: Fritz Lang
  • 1958: Das indische Grabmal – Regie: Fritz Lang
  • 1958: Münchhausen in Afrika
  • 1959: Du bist wunderbar – Regie: Paul Martin
  • 1959: Peter schießt den Vogel ab
  • 1959: Ein Engel auf Erden
  • 1959: Am Tag, als der Regen kam
  • 1960: Die tausend Augen des Dr. Mabuse – Regie: Fritz Lang (mit Gert Fröbe)
  • 1960: Der brave Soldat Schwejk – Regie: Axel von Ambesser (mit Heinz Rühmann)
  • 1961: Via Mala (mit Gert Fröbe und Edith Schultze-Westrum)
  • 1961: Es muss nicht immer Kaviar sein (mit O. W. Fischer und Senta Berger)
  • 1961: Diesmal muss es Kaviar sein (mit O. W. Fischer und Senta Berger)
  • 1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse – Regie: Harald Reinl (mit Lex Barker)
  • 1961: Das Geheimnis der schwarzen Koffer
  • 1962: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (mit Lex Barker und Karin Dor)
  • 1962: Ein Toter sucht seinen Mörder
  • 1962: Das Testament des Dr. Mabuse
  • 1962: Endstation 13 Sahara
  • 1962: Sherlock Holmes und das Halsband des Todes – Regie: Terence Fisher
  • 1963: Der Fluch der gelben Schlange
  • 1963: Mensch und Bestie
  • 1963: Der Würger von Schloß Blackmoor – Regie: Harald Reinl
  • 1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse
  • 1963: Der Henker von London
  • 1963: Old Shatterhand
  • 1964: Das Phantom von Soho
  • 1964: Das Ungeheuer von London-City
  • 1964: Fanny Hill – Regie: Russ Meyer
  • 1964: Der Schut
  • 1964: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse
  • 1964: Das 7. Opfer
  • 1965: Der Schatz der Azteken
  • 1965: Die Pyramide des Sonnengottes
  • 1965: Durchs wilde Kurdistan
  • 1965: Im Reiche des silbernen Löwen
  • 1966: Die Nibelungen 1 – Siegfried – Regie: Harald Reinl (mit Uwe Beyer)
  • 1966: Die Nibelungen 2 – Kriemhilds Rache – Regie: Harald Reinl
  • 1967: Lucky M. füllt alle Särge – Regie: Jess Franco
  • 1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
  • 1968: Kampf um Rom 1 – Regie: Robert Siodmak (mit Orson Welles)
  • 1968: Kampf um Rom 2
  • 1968: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
  • 1969: Die Hochzeitsreise
  • 1969: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
  • 1970: Der Garten der Finzi Contini
  • 1970: Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula – Regie: Jess Franco
  • 1970: Sie tötete in Ekstase – Regie: Jess Franco
  • 1970: Der Teufel kam aus Akasava – Regie: Jess Franco
  • 1970: Black Beauty
  • 1971: X 312 – Flug zur Hölle – Regie: Jess Franco
  • 1971: Dr. M schlägt zu – Regie: Jess Franco
  • 1971: Der Todesrächer von Soho – Regie: Jess Franco
  • 1971: Das Geheimnis des gelben Grabes
  • 1972: Die Schatzinsel – Regie: John Hough und Andrea Bianchi (mit Orson Welles, Rik Battaglia, Walter Slezak, Lionel Stander)
  • 1972: Ruf der Wildnis (mit Charlton Heston)
  • 1976: Die verrückten Reichen – Regie: Claude Chabrol
  • 1978: Orgie des Todes
  • 1981: Die Spaziergängerin von Sans-Souci – Regie: Jacques Rouffio (mit Romy Schneider, Michel Piccoli)
  • 1982: S. A. S. Malko – Im Auftrag des Pentagon
  • 1983: Eine Liebe in Deutschland
  • 1983: Blutiger Schnee
  • 1984: Bittere Ernte
  • 1987: Hanussen – Regie: István Szabó (mit Klaus Maria Brandauer und Erland Josephson)
  • 1989: Hitlerjunge Salomon – Regie: Agnieszka Holland (mit Marco Hofschneider und Julie Delpy)
  • 1996: Von Hölle zu Hölle
  • 2002: Babij Jar – Das vergessene Verbrechen (mit Michael Degen und Axel Milberg)
  • 2006: Der letzte Zug – Regie: Joseph Vilsmaier (mit Lena Beyerling und Sibel Kekilli)
  • 2011: Wunderkinder – Holocaust-Drama, produziert mit seiner Tochter Alice Brauner

Filmbeiträge

1. Artur Brauner: Wie lebt es sich in Deutschland? - 2. Artur Brauner: Mein Wunsch - 3. ŁWD - Artur Brauner w Łodzi (in Polen)

Galerie

Artur Brauner 2005 bis 2008

Auszeichnungen

  • 1961: Bambi für Die Ratten
  • 1963: Zürcher Filmpreis für Die Ehe des Herrn Mississippi
  • 1965: Goldene Leinwand für Old Shatterhand
  • 1965: Goldene Leinwand für Der Schut
  • 1967: Goldene Leinwand für Die Nibelungen
  • 1970: Goldener Bär für Der Garten der Finzi Contini
  • 1972: Oscar (Bester nicht englischer Film) für Der Garten der Finzi Contini
  • 1983: IFF Gijon: 3. Preis für Nach Mitternacht
  • 1983: Deutscher Filmpreis: Filmband in Silber für Die weiße Rose
  • 1985: Oscar-Nominierung für Bittere Ernte
  • 1990: Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
  • 1992: Golden Globe für Hitlerjunge Salomon
  • 1993: Bundesverdienstkreuz I. Klasse
  • 1996: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis)
  • 1996: DIVA-Award (gemeinsam mit Franz Seitz)
  • 1996: Scharlih-Preis, die bekannteste Auszeichnung, die mit dem Namen Karl May verbunden ist
  • 2000: Goldene Kamera
  • 2002: Deutscher Kritikerpreis (Ehrenpreis)
  • 2008: Askania Award / Berlinale-Uhr für sein Lebenswerk
  • 2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin (Walk of Fame)

Verweise

Fußnoten

  1. „Steuer-Ärger: Justiz durchleuchtet das System Brauner“, Berliner Kurier (berliner-kurier.de), 2. Februar 2014
  2. vgl. Frankfurter Rundschau, 9. November 2006
  3. Internationales Biographisches Archiv 11/2007
  4. David Korn: Wer ist wer im Judentum? - FZ-Verlag ISBN 3-924309-63-9
  5. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/1102/lokales/0155/index.html Artur Brauner in Schwierigkeiten, in Berliner Zeitung vom 2. November 2005
  6. Artur Brauner: Sein letztes Kapitel, im Tagesspiegel vom 20. April 2008
  7. rbb-TV, 1. August 2008
  8. Deutschlandradio Kultur, 19. März 2010: Yad Vashem widmet Artur Brauner eine Mediathek
  9. IG Metall Verwaltungsstelle Bremerhaven, 2.igmetall.de, 14. September 2006
  10. Milliardäre alt, flegel-g.de, 2009
  11. Internet movie database
  12. Filmportal.de
Meine Werkzeuge