Aussig

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Aussig

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Sudetenland
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Provinz: Sudetenland
Einwohner (1939): 66.975
Koordinaten: 50° 40′ N, 14° 3′ O
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Aussig befindet sich seit 1945 unter Fremdherrschaft. Das Gebiet ist von Tschechen vorübergehend besetzt, die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben oder ermordet und deren Eigentum gestohlen.

Aussig ist eine kreisfreie Stadt mit Magdeburger Recht in Deutschböhmen im Sudetenland (Bezirk Aussig), links an der Elbe, in welche hier die Biela mündet. Am 31. Juli 1945 kam es dort zum Massaker von Aussig. Die Stadt befindet sich seit 1945 unter tschechischer Fremdherrschaft. Die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben oder ermordet.

Inhaltsverzeichnis

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1840 ca. 2.000
1860 7.950
1930 71.256
1939 67.063
1947 56.326
1978 88.000
2015 93.409

Geschichte

Die Stadt, seit Ottokar II. königliche Stadt, 1282 an Brandenburg verpfändet, aber bald zurückerworben, in der Hussitenepoche an Meißen verpfändet, früher stark befestigt, wurde 1426 von den Hussiten zerstört, welche am 18. Januar dieses Jahres die Meißener bei dem nahen Dorf Predlitz und am 15. Juni bei dem eine Stunde entfernten, 213 m hohen Hügel Bihana[1]schlugen. Am 16. Juni kam es dann in der Schlacht bei Aussig zur Eroberung der Stadt mit nachfolgendem, erstem Massaker an die deutsche Bevölkerung.

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Und wurde auch noch selbige Nacht, von den Böhmen diese Stadt Aussig gewonnen, alles ermordet, deß Kindes in der Wiegen nicht verschonet, und die Stadt endlich in den Grund abgebrant.
– Matthäus Merian, Martin Zeiller, Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae, Seite 9

1538 von einem verheerenden Brand heimgesucht, erhielt Aussig als „allzeit getreue Stadt1547 Sitz und Stimme in den Landtagen. 1639 wurde Aussig von den Schweden unter Baner erobert. Im Jahre 1813 fand nur wenige Kilometer nach Nordwesten die Schlacht bei Kulm statt. Am Ende des 19. Jahrhunderts dominierten zwei Fabrikanlagen, die Chemische Fabrik, und die Schichtwerke die Stadt. Die Herausgabe des Sudetendeutschen Heimatatlasses zeigt auf Grund statistischer Angaben der ersten „Tschechoslowakischen Republik“ von 1930, daß Aussig zur Zeit der ersten tschechischen Annektierung (von 1919 bis 1938) zu ungefähr 80 Prozent von Sudetendeutschen bewohnt wurde. Die Mundart war als Obersächsich einzustufen. Die Stadt hatte zwei Gymnasien, eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine deutsche wissenschaftliche Bibliothek und drei deutsche wissenschaftlich-kulturelle Gesellschaften inne.

Großindustrielle

Mehrere tausend Arbeiter waren in der Metallindustrie tätig, die somit wichtigster Zweig der berufsmäßigen Beschäftigung gewesen sein soll. Jüdische Großindustrielle wie die Familie Weinmann, sowie Franz Petschek, und sein Bruder, der Kohlen-Großhandler Ignaz Petschek, ließen ihre Palastvillen an mehreren Stellen in der Stadt errichten, diese Bauten überstanden bisher die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Heinrich Schicht, Inhaber der Schichtwerke, ließ für seine Familie in Wannow eine Villa mit Blick auf die Burg Schreckenstein errichten. Der Aufbau dieser neubarocken Villa wurde nach Plänen des Aussiger Architekten Paul Brockhardt im Jahre 1931 abgeschlossen. 1935 hielt Konrad Henlein in Aussig an der Elbe eine Rede. Am 9. Oktober 1938 erfolgte der Einmarsch reichsdeutscher Einheiten in die Stadt.

Die zweite tschechische Annektierung

Am 17. und 19. April 1945 wurde die Stadt von alliierten Bomberverbänden angegriffen[2]. Dabei starben mehr als 900 Einwohner und wurde ein Fünftel der Stadt zerstört. Am 31. Juli ereignete sich, ausgelöst durch eine Explosion in einem Munitionslager, ein Pogrom (das zweite Massaker von Aussig) gegen die mit weißen Armbinden gekennzeichneten Deutschen durch Tschechen. Die Schätzungen über die Opferzahlen betragen 700 bis 2000 ermordete deutsche Bewohner, selbst Frauen und Kinder wurden erschlagen oder in die Elbe geworfen. Die Hintergründe des Massenmords sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt worden. Etwa 53.000 weitere sudetendeutsche Einwohner wurden im Jahr 1946 vertrieben. An deren Stelle wurden seitens des tschechischen Benes-Regimes Tschechen, Slowaken und Zigeuner, bzw. Roma, aus Rumänien angesiedelt. Das Aussehen der Stadt wurde durch das Errichten von Hochbauten des sozialistischen und des kapitalistischen Zeitalters eingreifend geändert. Die Antonius-von-Padua-Säule von 1708 mußte der Neubauten wegen vom unteren zum oberen Ende des Marktplatzes umgesetzt werden.

Die gotische Mariahimmelfahrtkirche in Aussig an der Elbe

Historische Gebäude

Bahnhöfe und Haltestellen in Aussig 1936

  • Bahnhof Schönpriesen
  • Aussig Stadtbahnhof
  • Aussig Hauptbahnhof
  • Bahnhof Türmitz
  • Haltestelle Aussig
  • Haltestelle Schichtwerke
  • Bahnhof Schreckenstein
  • Haltestelle Schreckenstein-Bad

Bereits 1848 wurden die im Jahre 1839 angefangenen und zur Zeit umfangreichen Arbeiten an der Bahnstrecke von Wien nach Oderberg, an der preußischen Grenze, seitens der KFNB, der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, abgeschlossen. Die an der Strecke befindlichen Bahnhöfe Lundenburg und Prerau dienten der Reihe nach als Anschluß-Stellen für die Bahnanbindungen nach Brünn und Olmütz, die 1839 und 1841 fertiggestellt werden konnten. Im Jahr 1845 wurde mit dem Bau einer Bahnstrecke von Olmütz nach Prag über Böhmisch Trübau, 1849 mit einer Strecke von Brünn nach Böhmisch Trübau angefangen. Von Prag aus verlängerten sich die Gleise im Sommer 1850 in Richtung Lobositz. Aussig an der Elbe wurde am 1. Oktober 1850 erreicht und am wachsenden Eisenbahnnetz angeschlossen. Von Aussig über Tetschen-Bodenbach bis zur sächsischen Grenze bei Niedergrund dauerte es dann noch ein halbes Jahr.

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War das Elbetal in seinem landschaftlich schönsten Teil, zwischen Lobositz und Aussig, verhältnismäßig wenig industrialisiert, so reihte sich zwischen Aussig und Bodenbach, Schreckenstein und Tetschen Fabrik an Fabrik, beginnend mit den großen Schichtwerken in Schreckenstein (Seife, Margarine und Pflanzenfette, Kerzen, Toilettenartikel und Waschmittel) bis zu den Schokolade- und Margarinefabriken um Bodenbach. Dazwischen gab es die großen, "Chemische" Kupferwerke, Brauereien, Likörbrennereien u.a.m. An beiden Ufern wurde die Elbe zwischen Leitmeritz und Tetschen-Bodenbach von Schnellzugstrecken begleitet. Die Züge von Berlin über Dresden nach Prag und Wien zogen diese Strasen.
– Emil Franzl, die Vertreibung, Seite 221

Die Bahnhöfe bekamen während der Vertreibung von Aussig jeweils eine tragende Rolle. Der Bahnhof Schreckenstein diente als Sammelstelle während der ersten, wilden Vertreibungen und zur Überstellung ins Vernichtungslager Aussig-Lerchenfeld. Beim Hauptbahnhof sollen die Leichen der im Brunnen auf dem Marktplatz während des Massakers vom 31. Juli erstickten Sudetendeutschen gestapelt worden sein, bevor auch sie von der Neuen Brücke in die Elbe geworfen wurden.

Im neuesten Jahrhundert stellt der Aussiger Hauptbahnhof ein Eisenbahnknotenpunkt dar, mit Anschlüssen in Richtung Komotau, Brüx und Eger auf westlicher Seite, dazu Reichenberg und Böhmisch Leipa auf östlicher Seite. Schnellzüge aus Berlin und Dresden über Tetschen-Bodenbach verbinden die Stadt immer noch mit Lobositz und Prag, jedoch verkehren diese Züge nicht mehr in Richtung Wien, sondern über Brünn und Preßburg in Richtung Budapest.

Karte von Aussig an der Elbe 1936

(Die auf einer Karte Aussigs aus dem Jahre 1936 gedruckten tschechischen Namen belegen die Maßnahmen während der Ersten tschechischen Annektierung in den Jahren 1919-1938.)

Bilder aus der Zeit der Rückgliederung (1938-1945)

Erhaltene historische Giebel zur Zeit der Zweiten Annektierung

Bekannte, in Aussig geborene Personen

In Aussig 1938-1945 tätige NS-Funktionäre

Literatur

  • Matthäus Merian, Martin Zeiller, „Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae“, Frankfurt am Main 1650
  • Emil Franzl, „Die Vertreibung, Sudetenland 1945–1946“, Aufstieg Verlag, Landshut 1967, ISBN 3-7612-0149-4
  • Roland Pietsch, Heinrich Pleticha, „Sudetendeutscher Heimatatlas“, Weltbild Verlag Augsburg 2012, ISBN 978-3-8289-0911-3
  • Eisenbahn-Kurier, Sonderausgabe 108 „Die Eisenbahn im Sudetenland“, EK-Verlag GmbH Freiburg, ISBN 978-3-8446-1858-7

Verweise

Fußnoten

  1. Zwischen Karbitz und Türmitz.
  2. Am 6. März soll bereits ein Angriff, wahrscheinlich auf die Chemische Fabrik, stattgefunden haben, weist doch eine Totenliste der Aussiger Heimatfreunde zu diesem Datum einen Toten namens Ernst Broschik aus der Dr. Weisstraße auf.
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