Baeck, Leo

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Leo Baeck

Leo Baeck (* 23. Mai 1873 in Lissa, Preußische Provinz Posen; † 2. November 1956 in London) war ein Rabbiner und einer der bedeutendsten Repräsentanten des Judentums in Deutschland im 20. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Herkunft

Leo Baeck entstammte einem alten Rabbinergeschlecht. Er wurde am 23. Mai 1873 als Sohn des Rabbiners Dr. Samuel Baeck (1834–1912) und seiner Ehefrau Eva geb. Placzek (1840–1926) geboren, und wuchs in Lissa in der ehemals preußischen Provinz Posen mit vier Schwestern auf.

Ausbildung

Wie sein Vater wandte Leo Baeck sich der Theologie zu. Er besuchte das Johann-Amos-Comenius-Gymnasium seiner Geburtsstadt und begann ein Studium am jüdischtheologischen Seminar und an der Universität in Breslau. 1894 wechselte er an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums nach Berlin und an die dortige Universität, um bei Steinthal, Schreiber, Maybaum und nicht zuletzt bei Dilthey und Cohen seine Studien zu vervollständigen. An dieser Lehranstalt, die bis ins Kriegsjahr 1942 bestand, war er auch Dozent. Er promovierte mit einer Arbeit über Spinozas Einfluß auf Deutschland.

Wirken

Ab 1897 war Baeck als Rabbi aktiv. Um die Jahrhundertwende bot die jüdische Gemeinde in Oppeln Leo Baeck die Gelegenheit, seine Forschungen fortzusetzen und zugleich als Rabbiner die Möglichkeit, sich mit der Verantwortung geistlicher Führung vertraut zu machen. 1905 erschien sein Buch „Wesen des Judentums“, das den Gegensatz zwischen der mosaischen und der christlichen Religion behandelt. 1907 folgte er dem Ruf an die Düsseldorfer jüdische Gemeinde, wo er 5 Jahre blieb. 1912 wurde Leo Baeck als Rabbiner in die jüdische Gemeinde und als Dozent für Midrasforschung und Homiletik an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums nach Berlin berufen. Damals zählte die Berliner Gemeinde ungefähr 150.000 Mitglieder. Leo Baeck betreute sie von 1912 bis zu ihrem Untergang in den 1940er Jahren. Lange Jahre hindurch war er hier auch Sachverständiger für jüdische Angelegenheiten im preußischen Kultusministerium.

Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost (1957) zum ersten Todestag Leo Baecks.

Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem Leo Baeck als Feldrabbiner teilgenommen hatte, übernahm er den Vorsitz im Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband. Dieser umfaßte Rabbiner aller Richtungen - Traditionalisten ebenso wie Progressive. Leo Baeck nahm in diesem Verband eine Mittlerstellung ein. Außerdem wurde Leo Baeck Mitglied im Exekutivausschuß des „Zentralverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, welcher das Assimilationsjudentum repräsentierte. Gleichzeitig wurde er Mitglied des Präsidiums der „Jewish Agency for Palestine“, des „Keren Hajessod“, die die Siedler in Palästina unterstützten.[1] Ab 1924 war er Chef der jüdischen B'nai B'rith-Logenvereinigung im Deutschen Reich.

Bald nach Machtergreifung der Nationalsozialisten ließ sich Leo Baeck 1933 zum Präsidenten der „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ (ab 1939: „Reichsvereinigung“) wählen. Die erste Sitzung dieses Gremiums eröffnete er mit den Worten: „Die tausendjährige Geschichte des deutschen Judentums ist zu Ende“. Trotzdem hat sich Leo Baeck geweigert, außer Landes zu gehen, obwohl ihm allseits Hilfe angeboten wurde. Er sah seine Aufgabe darin, überall helfend einzugreifen, wo er nur konnte. Seine Bemühungen, jüdisches Gemeindeleben auch unter dem nationalsozialistischen Reich zu bewahren, trug ihm den Vorwurf der „Kollaboration mit den Nazis“ ein. Im März 1933 erklärte er öffentlich, daß „der Kampf zur Überwindung des Bolschewismus und die Erneuerung Deutschlands“ durchaus begrüßenswert seien und darin auch „eine Sehnsucht innerhalb der deutschen Juden“ zum Ausdruck komme.

Bis 1943 war er als jüdischer Funktionsträger, Lehrer und Geistlicher in Berlin tätig; u.a. dozierte er an der dortigen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, bis sie 1942 ihre Pforten schließen mußte. Dann mußte er nach Theresienstadt, „wo er Vorlesungen über Kant hielt“.[2] Laut Dr. Simon (Centrum Judaicum, Berlin) arbeitete er 1942 für das SS-Reichssicherheitshauptamt die 1600-Seiten-Studie „Die Entwicklung der Rechtsstellung der Juden in Europa“ aus. Nach der Befreiung im Mai 1945 lehnte Leo Baeck einen Transport mit einem Sonderflugzeug nach London zunächst ab und verließ das Lager erst, als er sich überzeugt hatte, daß Hilfe in ausreichender Weise auch für die anderen Leidensgenossen bereitstand. „Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft hat Baeck sich vor die Wachmannschaften gestellt, um sie vor Racheakten zu schützen. Er nahm gegen Kollektivbezichtigungen der Deutschen Stellung“[3], glaubte aber nicht mehr an eine Zukunft des Judentums in Deutschland. Er lebte nach 1945 vorwiegend in England. 1947 gründete er das später nach ihm benannte „Institut zur Erforschung des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung“ — Institute in London, Neu York und Jerusalem tragen seinen Namen. 1948 bis 1953 übernahm er zudem eine Professur am Hebrew Union College in Cincinnati.

Anläßlich seines 80. Geburtstages wurden ihm mannigfaltige Ehrungen zuteil, darunter die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern, das ihm Bundespräsident Heuss verlieh, sowie die Promotion zum Dr. phil.h.c. durch die Philosophische Fakultät der Freien Universität Berlin.

Am 2. November 1956 starb Leo Baeck im Alter von 83 Jahren in London, wo er zuletzt gelebt hat. Er ist in Golders Green begraben.

Namensverwendung

Der Name Leo Baeck wird heute von einer Vielzahl von Institutionen als Erinnerung an ihn im Namen verwendet: Schulen, Logen, Synagogen und Gemeindezentren auf der ganzen Welt. Hier sind einige wichtige Einrichtungen genannt.

  • 1938 gründete Rabbiner Dr. Meir Elk in Haifa das Leo-Baeck-Erziehungszentrum.
  • Das Leo Baeck Institut hat Standorte in New York, Jerusalem und London sowie eine Arbeitsgemeinschaft in Berlin, seit 1978 vergibt es in unregelmäßigen Abständen die Leo-Baeck-Medaille.
  • Seit 1956 vergibt der Zentralrat der Juden in Deutschland den Leo-Baeck-Preis an Personen, die sich für die Ideale von Baeck einsetzen („um Religiosität, Achtung vor Geisteswissenschaft, Wohltätigkeit und Humanität fortzupflanzen“). Auch das Gebäude des Zentralrats der Juden in Berlin, der frühere Sitz der von Baeck zuletzt geleiteten Hochschule (Lehranstalt) für die Wissenschaft des Judentums, wurde nach ihm benannt.
  • Das Leo Baeck College in London ist ein Rabbinerseminar für das progressive Judentum in Großbritannien, das 1956 gegründet wurde. Seit 2005 gibt es das am Jüdischen Museum in Frankfurt a. M. ansässige Leo Baeck Programm "Jüdisches Leben in Deutschland - Schule und Fortbildung". Das Programm fördert schulische und außerschulische Projekte, die einen integrativen Ansatz deutsch-jüdischer Geschichte verfolgen.
  • Das ehemalige Gebäude der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der Berliner Tucholskystraße 9 ist seit 1999 Sitz des Zentralrates der Juden in Deutschland und heißt seit dem Leo-Baeck-Haus.[4]
  • Die Leo Baeck Foundation in Potsdam wurde aus Anlass des 50. Todestages Leo Baecks mit Billigung seiner Familie zur Jahreswende 2005/06 errichtet. Sie widmet sich der Förderung des Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam und damit der Ausbildung von Rabbinern und Gemeindepersonal für Kontinentaleuropa sowie dem Dialog zwischen den Religionen.

Zitate

  • Leo Baeck, einer der bedeutendsten Repräsentanten des Judentums in Deutschland im 20. Jahrhundert, sagte nach den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges gegen Deutschland:
Für uns Juden in Deutschland ist eine Geschichtsepoche zu Ende gegangen. Eine solche geht zu Ende, wenn immer eine Hoffnung, ein Glaube, eine Zuversicht endgültig zu Grabe getragen werden muß. Unser Glaube war es, daß deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden könnten. Dies war eine Illusion – die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei.[5]

Siehe auch

Fußnoten

  1. Internationales Biographisches Archiv 05/1974
  2. Walter Tetzlaff, ed. „2000 Kurzbiographien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts“ - Lindhorst: Askania, 1982
  3. David Korn: Wer ist wer im Judentum? - FZ-Verlag ISBN 3-924309-63-9
  4. Artikel in der Berliner Zeitung vom 9. März 1999.
  5. Leo Baeck nach seiner Entlassung aus dem Lager Theresienstadt, New York 1945; zitiert in Nachum T. Gidal: Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik. S. 426.
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