Berengar I.

Aus Metapedia
(Weitergeleitet von Berengar)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berengar I.; Bildquelle: Kupferstich in „Aquila Saxonica, sub qua Imperatores Saxones ab Henrico Aucupe, usque ad Henricum Sanctum Occidentis Imperatorem XV.“, Teile 2 und 3 der achtteiligen Reihe „Monarchia occidentalis“ zur Geschichte der sächsischen und bayerischen Herrscher.

Berengar von Friaul (Lebensrune.png um 840; Todesrune.png 7. April 924 in Verona), ein fränkischer Edeling, war König von Italien (888–889, 896–901, 905–924) und germanisch-römischer Kaiser (915 bis 924).

Leben

Berengar I. von Friaul.png
Berengar I., Markgraf von Friaul, König von Italien und römischer Kaiser, † 924, aus fränkischem Adel, Sohn des Markgrafen Eberhard von Friaul und der Tochter Kaiser Ludwigs des Frommen, Gisela. In Italien aufgewachsen, aber auch in anderen Theilen des Frankenreiches, zumal in Schwaben begütert, folgte er seinem älteren Bruder Unruoch (zwischen 871 und 875) in der Verwaltung der Mark Friaul nach, deren Hauptort das heutige Cividale war, und that sich in den Kämpfen um den Besitz der italienischen Königskrone als ein Parteigänger der deutschen Karolinger hervor. Für Karl III. zog er namentlich gegen den aufsässigen Markgrafen Wido von Spoleto im J. 883 zu Felde. Nach der gewaltsamen Absetzung jenes schwachen und unfähigen Kaisers trat B. selbst als Bewerber um die Krone Italiens auf, die er durch die Wahl der Großen im Anfang Januar 888 zu Pavia erlangte. Alsbald aber fand er einen Nebenbuhler an seinem früheren Gegner Wido, der durch Zuzug aus dem westfränkischen Reiche, besonders aus Burgund unterstützt, seit dem Anfange des Sommers etwa ihm den Besitz der Herrschaft streitig machte. Eine blutige Schlacht bei Brescia im Herbste blieb unentschieden und führte nur zu einem Waffenstillstande; den drohenden Angriff des deutschen Königs Arnolf wandte B. dadurch ab, daß er ihm die Huldigung leistete; in einem zweiten heftigeren Zusammenstoße mit Wido aber, der inzwischen stärker gerüstet hatte, an der Trebbia unterlag er vollständig und mußte sich, während sein Widersacher die Königs- und sodann die Kaiserwürde antrat, damit begnügen, in den nordöstlichen Theilen der Lombardei den leeren königlichen Titel fortzuführen. Eine günstigere Wendung der Dinge konnte, nachdem Wido sogar schon seinen Sohn Lambert im J. 892 zum Kaiser hatte krönen lassen, nur durch das Eingreifen Arnolf's herbeigeführt werden, der zuerst seinen Sohn Zwentibald vorausschickte, dann im J. 894 selbst die Lombardei in Besitz nahm, auf halbem Wege nach dem Süden aber endlich wieder umkehrte. So blieb es wesentlich beim Alten, bis während der Romfahrt Arnolfs B. sich seinem Gegner Lambert, dem Erben Wido's, näherte und nach dem Abzuge der Deutschen, deren Macht sogleich zusammenstürzte, durch einen Vertrag zu Pavia im J. 896 den Nordosten Italiens bis zur Adda zu friedlichem Besitze von ihm empfing. Der frühzeitige Tod Lamberts, im October 898, brachte ihn ohne Kampf und Mühe an das Ziel seiner Wünsche, jedoch nur auf kürzeste Zeit. Im August 899 brach als ein neues und unbekanntes Schreckniß das wilde Reitervolk der Magyaren herein und verbreitete sich sengend und brennend durch die lombardische Ebene. Schon auf dem Rückzuge begriffen und von B. mit ganzer Macht verfolgt, stellten sie sich nothgedrungen an der Brenta am 24. Sept. zur Schlacht und trugen vorzüglich durch den innern Zwiespalt im Christenheere einen vollständigen Sieg davon, der ihnen zu noch ärgeren Verheerungen die Bahn öffnete und der Anfang einer langen Reihe von Unfällen wurde. Städte und Klöster eilten seitdem, sich durch Mauern gegen die ungarischen Angriffe zu decken. Den geschwächten Zustand des Landes benutzte der junge König Ludwig von Burgund, der Sohn Boso's und durch seine Mutter ein Enkel Kaiser Ludwigs II., um mit dem Beistande des reichen Markgrafen Adalbert von Tuscien im October 900 die italienische Königswürde, im Februar 902 sogar die römische Kaiserwürde zu erwerben. Nachdem er sich nur bis in den Sommer 902 behauptet hatte, kehrte er 905 wieder und entriß seinem Gegner sogar das feste Verona, seinen sichersten Stützpunkt. Gerade hier aber wurde er von ihm überfallen, zum Gefangenen gemacht und grausam des Augenlichts beraubt, weil er durch seine Rückkehr einen früheren Eidschwur gebrochen hatte. Auf diesen jähen Sturz des burgundischen Kaisers folgten für B. die besten und friedlichsten Zeiten der eigenen Herrschaft, die ihre höhere Weihe und ihren Abschluß dadurch erhielt, daß endlich im J. 915 um den Anfang December Papst Johann X. ihn in Rom selbst mit der Kaiserkrone schmückte. An mancherlei Auflehnungen der unbotmäßigen Großen fehlte es aber auch fürder nicht und zumal dadurch wurde die Unsicherheit der Zustände genährt und gesteigert, daß dem Kaiser aus seinen beiden Ehen, mit Berthila und Anna, kein Sohn als Nachfolger erwuchs, vielmehr aus der ersteren zwei Töchter, von denen die eine, Bertha, sich dem geistlichen Stande widmete, die andere, Gisela, durch ihre Hand den Markgrafen Adalbert von Ivrea aus dem Lager Lamberts in das Berengars hinüberführte. Gerade dieser Schwiegersohn aber zeigte sich als eine der unzuverlässigsten Stützen, indem er im Bunde mit dem Pfalzgrafen Odalrich und andern hochgestellten Männern auf die Entthronung des Königs hinarbeitete. Gegen die Ungetreuen scheute sich dieser nicht, den Beistand des heidnischen Feindes, der Ungarn, zu erkaufen, die er schon im J. 900 für ihren Abzug bezahlt hatte, und durch diese die Empörung niederzuwerfen. Die Milde aber, mit welcher B. die Aufrührer schließlich begnadigte, trug ihm schlechte Früchte, denn dieselben riefen nunmehr den König Rudolf II. von Hochburgund aus dem welfischen Hause herbei, der zu Anfang des J. 922 allgemein anerkannt dem Kaiser fast nur noch Verona mit seiner Nachbarschaft übrig ließ. Bei dem Wankelmuthe der Italiener gelang es bald auch B. sich von seinem Falle wieder aufzuraffen: gestützt namentlich auf den Bischof Wido von Piacenza lieferte er am 17. Juli 923 dem Gegner eine Schlacht bei Fiorenzuola, in der 1500 Mann, eine für jene Zeit hohe Zahl, auf der Wahlstatt fielen. B. anfangs siegreich, erlitt durch einen Hinterhalt, den die Grafen Gariard und Bonifacius ihm gelegt hatten, eine völlige Niederlage und rettete verwundet kaum das nackte Leben nach Verona. Abermals nahm er, während sein Nebenbuhler herrschte, seine Zuflucht zu den Ungarn und trug daher eine Mitschuld, daß sie am 12. März 924 das reiche und blühende Pavia, die Hauptstadt des Reiches, mit Feuer und Schwert verwüsteten. Gleich darauf endete er selbst, durch eine bewaffnete Rotte der Veroneser unter der Führung seines Taufpathen Flambert niedergestoßen, das Leben am 7. April 924. Seine Erbschaft hinterließ er zunächst den Burgundern, bis später sein Enkel Berengar II., der Sohn seiner Tochter Gisela, dieselbe übernahm. — Die Machtstellung Berengars, welche sich niemals über das obere und mittlere Italien hinauserstreckte und auch in diesem an den Markgrafen von Tuscien eine Schranke fand, war eine wenig eingreifende und stützte sich vorzugsweise auf die Bischöfe, die er reich beschenkte, hie und da nach dem Beispiele Wido's sogar auch schon mit Hoheitsrechten begabte. Zu den von ihnen später fast durchweg geübten gräflichen Rechten wurde daher gerade in der Zeit dieser Thronstreitigkeiten der Grund gelegt. Ueber die persönlichen Eigenschaften Berengars wissen wir wenig oder nichts: seine kirchliche Frömmigkeit und seine Milde werden gerühmt, doch konnte er in einzelnen Fällen auch grausam auftreten. Mit großer Zähigkeit hielt er durch lange Jahre und unter den widrigsten Verhältnissen sein angemaßtes Recht auf die Krone fest, ohne jemals bei seinen Großen ausharrende Treue zu finden, aber auch er scheute sich nicht um seines Ehrgeizes willen selbst die ärgste Landplage seiner Unterthanen, die Ungarn, herbeizurufen und zu fördern. Daß das damalige Italien nicht unter einem selbstgewählten Herrscher auf eigenen Füßen zu stehen vermochte, sondern, um zum friedlichen Gedeihen zu gelangen, der Anlehnung an eine stärkere Macht bedurfte, dafür gibt gerade Berengars vielbestrittene Regierung die glänzendsten Beweise. Trotz seiner sehr zweifelhaften Verdienste fand er in seinen letzten Lebensjahren einen Sänger, der die Kämpfe um den Thron und die Kaiserkrönung in heroischem Versmaße der Nachwelt überlieferte.[1]

Fußnoten



Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig der Blinde Römischer Kaiser Otto der Große