Bormann, Martin
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Martin Bormann (* 17. Juni 1900 in Wegeleben bei Halberstadt; † 2. Mai 1945 in Berlin) war in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus Leiter der Parteikanzlei der NSDAP im Rang eines Reichsministers. Bormann gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen und wurde in Abwesenheit am 1. Oktober 1946 in zwei von drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt.
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[bearbeiten] Familie
Verheiratet war er mit Gerda Buch, der Tochter eines Majors und frühen Hitler-Gefährten. Aus der Ehe gingen seit 1930 insgesamt neun Kinder hervor.
[bearbeiten] Leben
Martin Bormann, geboren am 16.07.1900 in Halberstadt als Sohn eines Postbeamten und Oberfeldwebels der Reserve, war gelernter Landwirt. Er gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zu Kreisen radikaler Nationalisten und wurde für seine Beteiligung an einem politischen Feme-Mord 1924 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Martin Bormann war Freikorps-Mann und trat 1927 Mitglied (Nr. 60.508) in die NSDAP ein, er war kurzzeitig Fahrer von Gauleiter Fritz Sauckel in Weimar und stieg bereits ein Jahr später in die Führungsriege der NSDAP auf. 1928 übernahm er die SA-Versicherung und baute sie später weiter zur Hilfskasse der NSDAP aus. 1933 wurde er Stabsleiter bei Rudolf Heß, dem Stellvertreter des Führers, und wurde unentbehrlich.
[bearbeiten] Zentrale Machtstellung als Vertrauter Hitlers
Adolf Hitler ernannte Bormann zum Verwalter seines Vermögens und betraute ihn mit dem Bau und der Aufsicht seines Berghofes Obersalzberg. Bormann trug Mitverantwortung dafür, daß der bisherige persönliche Adjutant Hitlers, SA-Obergruppenführer Wilhelm Brückner, aus seinem Amt und somit dem unmittelbaren Umfeld des Führers verdrängt wurde. Nachdem Rudolf Heß 1941 nach Großbritannien geflogen war, ernannte Hitler keinen neuen Stellvertreter, machte aber Bormann zum Chef der Parteikanzlei mit den Befugnissen eines Reichsministers. Bormann war inoffiziell der mächtigste Mann nach Hitler. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr Einfluss konnte er auch darauf nehmen, wer direkten Zugang zu Hitler bekam um seine Anliegen vorzutragen. Seit dem 29. Mai 1941 Leiter der NS-Parteikanzlei im Rang eines Reichsministers erhielt er am 12. April 1943 dann den Titel „Sekretär des Führers“. Zuletzt bekleidete er zugleich den Rang eines SS-Gruppenführers (General).
Durch die ständige Nähe zu Hitler und dessen immer ausschließlichere Konzentration auf die Kriegsführung, erlangte Bormann eine Machtstellung, die auch einflussreichen Männern wie Hermann Göring, Heinrich Himmler oder Albert Speer Schranken setzte. In seinem Testament bezeichnete Hitler Bormann als den „Treuesten seiner Parteigenossen“. Bormann war, kurz vor deren gemeinsamem Selbstmord, Trauzeuge Hitlers bei dessen Vermählung mit Eva Braun im Führerbunker am 29. April 1945. Hitler 1929 Trauzeuge bei Bormann gewesen.
Bormann wußte sich durch unauffällige Nützlichkeit bei Hitler unentbehrlich zu machen (Schirach: "das Gedächtnis Hitlers"), daher seine Vertrauensstellung, seine Ämter und hohen Ränge. Von Hitler sind Zitate überliefert der Art "Um den Krieg zu gewinnen, brauche ich Bormann / Wer gegen Bormann ist, ist gegen mich". Bormann sammelte zum Beispiel Meinungen und Aussprüche Hitlers, aus denen er später im Schriftverkehr fertige Antworten und Befehle vorformulierte, die Hitler oft nur noch abzeichnete. Es heißt, Bormann habe für seinen Entwurf jeweils die schärfere Fassung unterschiedlicher Varianten vorheriger Hitler-Äußerungen gewählt. Da Bormann allmählich alle organisatorischen Obliegenheiten der Führung übernehmen konnte, ging schließlich die Befehlsgebung des Reiches hauptsächlich durch seine Hände. Er galt daher mit seiner unauffälligen aber zentralen Stellung hinter den Kulissen als zweitmächtigster Mann im NS-Staat, noch vor Himmler, Göring und anderen. Als Mensch war er unbeliebt, auch Hitler sagte: "Ich weiß, daß Bormann brutal ist. Aber was er anfaßt hat Hand und Fuß, und ich kann mich unbedingt und absolut darauf verlassen, daß meine Befehle sofort und über alle Hindernisse hinweg zur Ausführung kommen ..."
[bearbeiten] Flucht und Tod
Bormann war bei der Verbrennung von Hitlers Leiche anwesend. Nach Hitlers Tod erhielt sein Nachfolger als Staatschef, Karl Dönitz im norddeutschen Mürwik bei Flensburg, am 1. Mai 1945 aus Berlin einen Funkspruch von Reichsminister Bormann: "Testament in Kraft. Ich werde so schnell als möglich zu ihnen kommen." Bormann war in Hitlers Testament vom 29. April 1945 als Testamentsvollstrecker und künftiger NS-Parteiminister bestimmt worden. Bei Dönitz ist er aber nie angekommen. Die zuverlässigste Zeugenaussage über sein Schicksal stützt sich auf die Angaben des Reichsjugendführers Arthur Axmann, der mit zu jener Gruppe gehörte, die kurz nach Hitlers Tod aus dem Führerbunker in Berlin zu fliehen versuchte. Bormanns Sekretärin im Bunker wußte später zu berichten, daß er sich von ihr verabschiedete mit den Worten: "Also denn auf Wiedersehen! Viel Sinn hat es doch nicht mehr. Ich werde es mal versuchen, aber durchkommen werde ich wohl nicht."
Axmann hatte sich von Bormann getrennt, um sich mit seinem Adjutanten in Richtung Moabit durchzuschlagen. Bormann ging mit dem SS-General Dr. Ludwig Stumpfegger in einer Wehrmachtsuniform gekleidet und im Schutz eines deutschen Tigerpanzers in andere Richtung weiter. Der Panzer wurde nach Axmanns Beobachtung jedoch von gegnerischer Artillerie abgeschossen. Axmann seinerseits traf bei seiner Flucht auf sowjetische Panzer und mußte umkehren. Beim Rückweg über die Invalidenbrücke habe er Bormann und Stumpfegger mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem Rücken liegend auf dem Gehsteig gesehen. Er fand keine Verwundungen, aber auch keine Lebenszeichen und flüchtete weiter. Die Leichen sollen tagelang auf der Eisenbahnbrücke am Lehrter Bahnhof gelegen haben, bis sie von deutschen Postarbeitern unter russischem Kommando im nächsten Sprengtrichter verscharrt wurden.
[bearbeiten] Nürnberger Tribunal
Nach Kriegsende wurde er von den Verfolgern des Nürnberger Tribunals vier Wochen lang in Rundfunksendungen aufgefordert, sich dieser Justiz zu stellen. Auf 200.000 Plakaten in allen Besatzungszonen Deutschlands wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Dies mag entsprechende Phantasie in der Bevölkerung geschaffen haben und eine Grundlage der späteren Legenden. Das Tribunal verurteilte Bormann in Abwesenheit zum Tode durch Erhängen wegen "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Zur Zeit des Prozesses war noch keineswegs sichergestellt, dass Bormann bereits tot war, obgleich der frühere Reichsjugendführer Arthur Axmann, der als Zeuge vor das Tribunal geladen worden war, dort aussagte, dass er die Leiche Martin Bormanns in Berlin gesehen hatte.
[bearbeiten] Legenden um den Verbleib und später Fund der Leiche
Da Bormann seit Kriegsende sowohl tot wie lebend verschwunden blieb und abwegige Gerüchte umgingen, hohen NS-Spitzenfunktionären sei die unerkannte Flucht ins Ausland gelungen, verstummten auch nie Geschichten über Begegnungen mit Bormann. Er wurde in den 1970er Jahren angeblich als Mönch in Südamerika wiedererkannt, als Nachbar von KZ-Arzt Dr. Mengele in Paraguay, er wurde als russischer Spion wiedergefunden, als Frater Martini in einem Franziskanerkloster in Rom, als Bauer in Spanien, er wurde in Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und in Tirol wiedergefunden und auf viele andere Weisen, stets eine Schlagzeile der Boulevard-Presse. Sein Tod war aber bereits früh standesamtlich erklärt worden (Standesamt Berlin I, Az. I/1483 Nr. 29223 vom 24. Juli 1954).
Aufgrund der Berichte über sein letztes Auftreten behielten die deutschen Behörden diese Stelle in Berlin weiter im Auge. 1965 war das Gebiet erstmals systematisch aber vergeblich nach den Leichen abgesucht worden. Im Jahr 1972 begannen dort Ausschachtungen für Krankenhausneubauten entlang der Bahnstrecke. Der für den Fall Bormann zuständige Staatsanwalt in Frankfurt bat Polizei und Bauleitung darum, auf Knochenfunde zu achten. Tatsächlich stieß ein Arbeiter am 7. Dezember 1972 mit einem Greifbagger dann auch auf einen Schädel. Die Polizei konnte zwei Skelette freilegen. Eines davon war sehr groß, SS-Arzt Stumpfegger war in der Tat 1,90 m groß gewesen, das andere hingegen klein und Bormann war 1,68 groß gewesen.
Zur Feststellung der Identität der Leichen wurden die Unterlagen und Angaben hinzugezogen, die der Zahnarzt Dr. Hugo Blaschke nach Kriegsende über seine prominenten Patienten in der NS-Staatsführung gemacht hatte, darunter auch Hitler. Zwar hatte Blaschke im Falle Bormanns nur von einer Brücke im Unterkiefer gesprochen, doch hatte der Schädel mit der größten Ähnlichkeit zu Bormann zwei Zahnlücken. Die Blaschke bekannte Zahnbrücke fehlte zunächst, wurde wenige Tage später jedoch von einem Bauarbeiter an der Fundstelle entdeckt. Weitere Nachforschungen ergaben, daß Bormann wirklich zwei Zahnlücken im Unterkiefer gehabt hatte. Zahntechniker Echtmann aus Bensheim, der Bormanns Brücke einmal angefertigt hatte, erkannte seine eigene Arbeit an der gefundenen Brücke auch sogleich wieder. Die rechte Augenhöhle des betreffenden Schädels zeigte eine leichte Verformung, Bormann hatte tatsächlich einen Auto-Unfall und eine Schädelfraktur am rechten Augenknochen erlitten. Beide Schädel hatten Glassplitter zwischen den Zähnen. Dies konnten also Reste der Zyankali-Kapseln sein, welche hohe NS-Funktionäre bei sich führten für den Fall, daß sie keinen Ausweg mehr sehen.
[bearbeiten] Nachfahren
Martin Bormann hatte zehn Kinder:
- Adolf Martin Bormann (* 14. April 1930, genannt „Krönzi“; benannt nach seinem Paten Adolf Hitler)
- Ilse Bormann (* 9. Juli 1931, die Zwillingsschwester Ehrengard starb kurz nach der Geburt; 1941 umbenannt in Eike)
- Irmgard Bormann (* 25. Juli 1933)
- Rudolf Gerhard Bormann (* 31. August 1934, 1941 umbenannt in Helmut)
- Heinrich Hugo Bormann (* 13. Juni 1936; „Heiner“, benannt nach seinem Paten Heinrich Himmler)
- Eva Ute Bormann (* 4. August 1938)
- Gerda Bormann (* 23. Oktober 1940)
- Fred Hartmut Bormann (* 4. März 1942)
- Volker Bormann (* 18. September 1943)
[bearbeiten] Auszeichnungen
- Blutorden
- Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
- Dienstauszeichnung der NSDAP in Bronze und Silber
- SS-Dienstauszeichnung
- Ehrendegen des Reichsführer-SS
- Totenkopfring der SS
[bearbeiten] Verweise
[bearbeiten] Weltnetz
SeppDepp - Geschichtslügen über Martin Bormann
