Bubis, Ignatz
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Ignatz Bubis (* 12. Januar 1927 in Breslau; † 13. August 1999 in Frankfurt am Main) war ein jüdischer Händler, Politiker (FDP) und von 1992 bis 1999 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland.
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[bearbeiten] Leben
[bearbeiten] Jugend
Ignatz Bubis wurde am 12. Januar 1927 als siebtes Kind des Schiffahrtsbeamten Jehoshua Josef Bubis und seiner Frau Hannah, geb. Bronspiegel, im schlesischen Breslau (derzeit von Polen besetztes Gebiet) geboren. 1935 siedelt die Familie in die polnische Kleinstadt Deblin an der Weichsel über. Im Juni 1944 kommt Bubis in das Arbeitslager in Tschenstochau (heute Czestochowa). Am 16. Januar 1945 wird das Lager von der Roten Armee erobert.
[bearbeiten] Ab 1945
Nach Kriegsende ging Bubis nach Deutschland. Zuerst machte er Geschäfte in der Sowjetischen Besatzungszone und musste 1949 wegen der Verfolgung durch die sowjetische Geheimpolizei in den Westen flüchten, da er des Schwarzmarkthandels mit großen Mengen Kaffees beschuldigt wurde. In Berlin und in Pforzheim betätigte er sich im Schmuck- und Goldhandel. 1956 kam Bubis mit seiner Frau Ida nach Frankfurt, wo er sich mit dem Immobilienhandel befasste. 1966 wurde er Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, 1969 trat er in die FDP ein.
[bearbeiten] Bubis als Bauunternehmer
Ende der sechziger Jahre plante die Stadt Frankfurt, durch den Abriss alter Gründerzeitvillen im Frankfurter Westend Platz für Bürohäuser zu schaffen. Abriss- und Baugenehmigungen wurden freizügig gehandhabt. Eine „Aktionsgemeinschaft Westend“ wollte den Stadtteil aber als Wohngebiet erhalten und widersetzte sich der geplanten Umwandlung. Im Frankfurter Häuserkampf wurden Wohnhäuser besetzt, die Bubis erworben hatte und leerstehen ließ, um sie abreißen zu lassen. Ignatz Bubis wurde wie auch andere Frankfurter Juden in der Öffentlichkeit als Investor stark kritisiert. 1979 kandidierte Bubis als Beisitzer für den Frankfurter Kreisvorstand der FDP. Durch die Bauskandale war auch diese Kandidatur stark umstritten.
In dem Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder „Der Müll, die Stadt und der Tod“ wurde angeblich auf die Person Bubis' angespielt. Er selbst bezeichnete die Frankfurter Inszenierung als subventionierten Antisemitismus und protestierte öffentlich gegen die Aufführung.
[bearbeiten] Zentralratsvorsitzender
1978 kam Bubis erstmals in das Direktorium des Zentralrates der Juden; 1985 wurde er in dessen Verwaltungsrat gewählt.
1989 wurde er zweiter Vorsitzender und nach dem Tod des Vorsitzenden Heinz Galinski zum Vorsitzenden gewählt. „Als Missionar eines toleranten Zusammenlebens von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen, von türkischen und kurdischen, albanischen und serbischen Mitbürgern, übte er seine Funktion als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und seine Präsidentschaft im jüdischen Zentralrat aus.“
Bubis war im Jahr 1993 als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Er lehnte eine Kandidatur jedoch mit der Begründung ab, für ein jüdisches Staatsoberhaupt sei die Zeit in Deutschland noch nicht reif.
1997 wurde er im Amt als Vorsitzender des Zentralrats bestätigt, sagte jedoch einen Monat vor seinem Tod, daß er in seiner Amtszeit fast nichts habe bewegen können.
1998 kam es zur „Walser-Bubis-Kontroverse“, als Ignatz Bubis eine Rede des Schriftstellers Martin Walser kritisierte und ihm latenten Antisemitismus vorwarf.
Die Amtszeit von Ignatz Bubis als Zentralratspräsident dauerte von 1992 bis zu seinem Tod im Jahre 1999.
Ignatz Bubis war seit 1969 Mitglied der FDP, in deren Bundesvorstand er lange Jahre saß. Ein FDP-Parteitag applaudierte ihm laut ob seiner Einsprüche gegen die Einschränkung des Asylrechts, ließ aber keinen seiner Anträge passieren. Bubis gehörte zu den entschiedensten Unterstützern von Migranten in der FDP. 1992/1993 unterstützte er die Gründung der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung, LTD und trat als Redner auf zahlreichen Veranstaltungen dieser Organisation auf. Im Mai 1999 schlug er den Bundesvorsitzenden der LTD, Mehmet Gürcan Daimagüler, auf dem Bremer Parteitag für den Bundesvorstand der FDP vor. Bis zu seinem Tode vertrat er seine Partei auch im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt er 1992, den Theodor-Heuss-Preis und das Große Bundesverdienstkreuz 1996; am 3. Oktober 1999 verlieh ihm die Stadt Darmstadt postum den Ricarda-Huch-Preis. Mit dieser Auszeichnung werden Persönlichkeiten geehrt, „deren Wirken in hohem Maße bestimmt ist durch unabhängiges Denken und mutiges Handeln“, und die die „Ideale der Humanität und Völkerverständigung als Werte der historisch-kulturellen Identität der europäischen Gesellschaft fördern“.
Im Dezember 2000 wurde in Frankfurt am Main die Obermainbrücke in Ignatz-Bubis-Brücke umbenannt.
Bubis wurde auf eigenen Wunsch in Israel beerdigt, nicht weil er sich Deutschland nicht verbunden gefühlt hätte, sondern weil er fürchtete, daß auf sein Grab neonazistische Anschläge verübt werden könnten, so wie es mit dem Grab von Galinski geschehen war.
Ignatz Bubis war verheiratet mit Ida Bubis geb. Rosenmann und Vater einer Tochter namens Naomi Bubis.
