Buch, Walter

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Walter Buch (1883-1949)
Walter Buch (1883-1949)

Walter Buch (* 24. Oktober 1883 in Bruchsal; † 12. September 1949 in Schondorf am Ammersee) war oberster Parteirichter der NSDAP.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Leben

[bearbeiten] Jugend

Walter Buch, geboren am 24. Oktober 1883 zu Bruchsal war der Sohn des Senatspräsidenten Hermann Buch am badischen Oberlandsgericht. Walter Buch besuchte von 1890 bis 1902 die Volksschule und das Gymnasium in Bruchsal und Konstanz. Nach dem Abitur trat er 1902 als Fahnenjunker in das 6. Badische Infanterie-Regiment in Konstanz ein. 1904 wurde er zum Leutnant und 1913 zum Oberleutnant befördert.

[bearbeiten] Erster Weltkrieg

Bei Kriegsbeginn des ersten Weltkrieges zog er als Regimentsadjutant aus, wurde später Führer einer MG- Scharfschützenabteilung. Im März 1918 kam er als Major zu einem Lehrkurs nach Berlin und führte später das Offiziersanwärterbataillon in Döberitz.

[bearbeiten] Weimarer Republik

Ab September 1918 war Buch im Preußischen Kriegsministerium in Berlin tätig. Nach Kriegsende wurde Buch am 20. November 1918 als Major a.D. verabschiedet.

Für Walter Buch war es selbstverständlich, daß er sich nach dem Zusammenbruch der deutschen Armee sofort der nationalen Bewegung anschloß.

Von 1919 bis 1922 war er Mitglied der nationalkonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Für den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund war er bis zu dessen Verbot Gaugeschäftsführer in Baden. Ostern 1920 lernte er Adolf Hitler kennen, als er im Auftrag seines Vaters Hitler ein Buch überbrachte. Am 9. Dezember 1922 trat er in die NSDAP (Mitglieds-Nr. 13.726) und am 1. Januar 1923 auch in die SA ein. Von August 1923 bis 1924 war er in Nürnberg SA-Führer. Nach dem gescheiterten Hitlerputsch im November 1923 arbeitete Buch vorübergehend als Vertreter für Wein und Spirituosen in München. Nach der Neugründung der NSDAP trat Buch 1925 der Partei (Mitglieds-Nr. 7.733) und auch der SA wieder bei. Bis zum 1. Januar 1928 führte und organisierte er die SA in Oberbayern-Schwaben. Am 27. November 1927 übernahm Buch die Leitung des Untersuchungs- und Schlichtungsausschusses (UschlA), der Vorläufer des späteren Obersten Parteigerichtes der NSDAP in München. 20. Mai 1928 zog er mit den ersten 12 Abgeordneten in den Reichstag. Mitglied des Reichstags blieb er bis 1945. Auch hier bewährte sich Walter Buch als unermüdlicher Arbeiter, der zwar äußerlich wenig hervortrat umso energischer, gewissenhafter und treuer aber im stillen arbeitete. Von Juni 1930 bis Oktober 1931 war Buch der Leiter des Jugendamtes in der Reichsleitung der NSDAP und zudem bis 1933 Schriftleiter beim Völkischen Beobachter. Buchs älteste Tochter Gerda heiratete am 2. September 1929 Martin Bormann, der 1941 Leiter der Parteikanzlei der NSDAP wurde.

[bearbeiten] Drittes Reich

Nach der Machternennung der Nationalsozialisten wurde Buch am 1. Juli 1933 Mitglied der SS (Mitglieds-Nr. 81.353) im Range eines SS-Gruppenführers. Am 9. November 1934 wurde er zum SS-Obergruppenführer befördert. Vom 3. Oktober 1933 bis 1944 war er ordentliches Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, zudem Mitglied im Sachverständigenbeirat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik im Reichsinnenministerium.

Am 1. Januar 1934 wurde der Untersuchungs- und Schlichtungsausschuss (UschlA) in Oberstes Parteigericht der NSDAP (OPG) umbenannt. Walter Buch wurde Leiter des OPG und Vorsitzender der Ersten Kammer. Schon seit dem 2. Juni 1933 war er einer der Hitler direkt unterstellten Reichsleiter der NSDAP.

Ab 1942 verlor Buch an Einfluss und Bedeutung, denn ab diesem Jahr musste er alle Beschlüsse des Obersten Parteigerichts seinem Schwiegersohn Martin Bormann zur Gegenzeichnung vorlegen. Anlass hierfür war der Fall des Gauleiters von Schlesien und Westfalen-Süd, Josef Wagner: Wagner war von Hitler am 9. November 1941 seiner Ämter enthoben worden, nachdem sich seine Frau gegen den Kirchenaustritt und die Heirat der gemeinsamen Tochter mit einem SS-Mann ausgesprochen hatte. Ein aus mehreren Gauleitern zusammengesetzter Parteigerichtsausschuss unter Leitung von Walter Buch hatte am 6. Februar 1942 entschieden, dass bei Wagner kein „parteischädigendes Verhalten“ vorlag und den ehemaligen Gauleiter in der Partei belassen. Hitler hob am 12. Oktober 1942 das Urteil des Parteigerichts auf und stieß Wagner aus der NSDAP aus.

[bearbeiten] Nachkriegszeit

Am 30. April 1945 wurde Walter Buch von US-Truppen gefangen genommen. In der Folgezeit wurde er in Konzentrationslagern festgehalten, zahlreichen Verhören durch den amerikanischen Geheimdienst unterzogen und auch bei den Nürnberger Prozessen als Zeuge vernommen. In der Entnazifizierung wurde Buch im August 1948 von einer Lager-Spruchkammer in Garmisch zu 5 Jahren Arbeitslager und dem Einzug seines Vermögens verurteilt. Im Revisionsverfahren am 29. Juli 1949 in München wurde Buch als „Hauptschuldiger“ (Kategorie I) eingestuft. Der Einzug seines gesamten Vermögens wurde bekräftigt, die Freiheitsstrafe jedoch auf dreieinhalb Jahre reduziert. Da die Internierung auf die Freiheitsstrafe angerechnet wurde, kam Buch frei.

Buch war ein physisch und psychisch völlig gebrochener, verbitterter, finanziell ruinierter kranker Mann von knapp 66 Jahren ohne jede weitere Zukunftsperspektive. Seine Ehefrau und seine Tochter Gerda , die zwei Menschen, die ihm in privater Sphäre am meisten bedeuteten, waren im Oktober 1944 bzw. Sommer 1946 verstorben; und mit dem Ende des Dritten Reichs brach für ihn eine „lebenswerte“ Welt zusammen. Buchs Überlebenswille war von dem Tag an erloschen, als er wieder ein freier Mann war. Diese „Freiheit“ nach seiner Haftentlassung überlebte Walter Buch in seiner zerstörten und von Siegermächten besetzten Heimat nur 6 Wochen: Bereits im September 1949 öffnete er sich die Pulsadern, stürzte sich in den Ammersee und ertrank im Alter von kaum 66 Jahren.

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