Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Carl Eduard

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Carl Eduard (1884-1954)
Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, um 1900
Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha mit Familie, 1918
Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha im Jahre 1933
Kikugoroi Onouye vom Tokioter Kabukiza-Theater, der berühmteste Mime im klassischen Schauspiel Japans, beim Zusammentreffen mit dem nationalsozialistischen Herzog von Sachsen-Coburg-Cotha (1934).
Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha spricht 1936 auf einer Großkundgebung des Reichsfrauenbundes in der Deutschlandhalle

Carl (Karl) Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (* 19. Juli 1884 in Claremont House, Esher/Surrey (England); † 6. März 1954 in Coburg) war letzter regierender Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha und war Präsident des Roten-Kreuzes.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Jugend

Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha wurde 1884 in England geboren. Charles Edward übersiedelte im Alter von 15 Jahren von England nach Deutschland, wo er sich Carl Eduard nannte und zuerst unter der Obhut seines Cousins Kaiser Wilhelm II. eine Ausbildung und Erziehung an der Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde erhielt und mit dem Abitur abschloss. Ab 1903 studierte er drei Semester Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bonn, dort war er auch Mitglied in der Studentenverbindung Corps Borussia. An seinem 21. Geburtstag 1905 übernahm er die Herrschaft über das Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, die bis dahin durch Ernst zu Hohenlohe-Langenburg als Regent erfolgt war. Am 11. Oktober 1905 heiratete er in Schloss Glücksburg Prinzessin Viktoria Adelheid von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, eine Verwandte der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria. Der neue Herzog wandte sich frühzeitig dem Automobilwesen und der Luftfahrt zu, förderte in Gotha die in der Gothaer Waggonfabrik im Entstehen begriffene Luftfahrtindustrie und den Bau der Flugplätze in Gotha und Coburg.

[Bearbeiten] Erster Weltkrieg

Am Ersten Weltkrieg nahm er zuerst als sächsischer General der Kavallerie beim Stab der 38. Infanteriedivision teil und wurde 1914 zum General der Infanterie ernannt und nahm an der Ost- und Westfront teil, er hatte diesen Glauben an sein Volk und Vaterland nie verloren. 1915 schon zog er sich aus gesundheitlichen Gründen vom aktiven Dienst zurück, war jedoch noch oft bei seinem 6. Thüringischen Infanterie-Regiment 95 an der Front. 1917 wurden dem Herzog seine britischen Auszeichnungen sowie sein Titel Duke of Albany und damit Sitz im englischen Oberhaus aberkannt. Seine Stellung als Prinz von Großbritannien und Irland und Königliche Hoheit blieb davon aber unberührt. Umgekehrt wurde in den Herzogtümern Coburg und Gotha das Thronfolgerecht dahin geändert, dass kein britischer Prinz mehr erbberechtigt war.

[Bearbeiten] Weimarer Republik

Am 9. November 1918 erklärte der Gothaer Arbeiter- und Soldatenrat Herzog Carl Eduard für abgesetzt. Am 13. November 1918, später als die meisten Bundesfürsten, verkündete er seinen Rücktritt, der auch in Coburg wirksam wurde und den Thronverzicht auf beide Herzogtümer bedeutete. Damit zerbrach das Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha in die beiden Freistaaten Coburg und Gotha. Diese gingen getrennte Wege, als sich Gotha 1920 dem neu geschaffenen Land Thüringen anschloss, während Coburg dem Freistaat Bayern beitrat. Da Carl Eduard im ersten Weltkrieg auf Seiten Deutschlands gekämpft hatte, erkannte ihm sein Vetter, der britische König Georg V., am 28. März 1919 offiziell seine Titel als Duke of Albany, Earl of Clarence und Baron of Arklow sowie seine Ansprüche auf das Dukedom ab.

Sofort nach der Revolution reihte er sich in die Reihen der Bayrischen Einwohnerwehr ein und kämpfte dann mit der Brigade Ehrhardt und schloß sich schließlich dem Stahlhelm an. In Bayern lernte er auch die nationalsozialistische Bewegung kennen und lernte am 14. Oktober 1922 auf dem dritten Deutschen Tag in Coburg bzw. beim sogenannten „Zug nach Coburg“ Adolf Hitler kennen und trat von diesem Tage an für die Sammlung aller nationalen Kräfte ein. 1928 baute er in Berlin einen eigenen politischen Dienst auf, dem die grundsätzliche Bearbeitung aller von ihm geführten oder beeinflußten Organisationen, wie des Nationalen Klubs von 1919, der Gesellschaft zum Studium des Faschismus, des Kuratoriums zur Förderung des Zusammenwirkens der nationalen Front und andere oblag. Als Freund und Förderer des Kraftsports gelang es ihm 1929, den „Ring der nationalen Motorfahrt“, eine Einheitsfront zwischen SA, Stahlhelm und dem nationalen deutschen Automobil-Klub, zu schaffen, der bald in ein paar Jahren mehr als 100.000 Anhänger verfügte. Dank seiner weitreichenden Verbindungen konnte er wesentliche Vorarbeiten für die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte leisten. Auf dieses Ziel war die ganze Arbeit der von ihm geführten Organisationen gerichtet; immer wieder wußte der Herzog das Hauptziel in den Vordergrund zurücken. Die gleichen Gedankengänge leiteten ihn auch auf dem Gebiet des Kraftfahrwesens, dem er von jeher ein besonderer Förderer war. Auch hier galt ein großer Teil seiner Arbeit der Entwicklung der heimischen Erzeugung und es war auch sein Verdienst, wenn auf dem deutschen Markt die ausländischen Kraftfahrzeuge zu Gunsten dem deutschen Erzeugnisse in den Hintergrund treten mußte. 1932 unterstützte er bei der Reichspräsidentenwahl mit einem öffentlichen Aufruf Adolf Hitler gegen den konservativen Amtsinhaber Hindenburg.

[Bearbeiten] Drittes Reich

Am 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein, im selben Jahr in die SA, zuerst als SA-Gruppenführer im Stabe des Obersten SA-Führers, 1936 dann von Hitler zum SA-Obergruppenführer befördert. Eduard war Ehrenführer und Obergruppenführer des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK), Fliegerkommodore, Ehrenführer der Deutschen Luftfahrt und NSFK-Obergruppenführer. All diese Stellungen in SA, NSKK und NSKF waren Ehrenstellungen ohne Führungsbefugnisse. Weitere Ämter waren 1933 Reichsbeauftragter für das Kraftfahrwesen und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, 1934 Reichskommissar für die Freiwillige Krankenpflege, 1936 Reichstagsabgeordneter der NSDAP, Präsident der Vereinigung des Deutschen Frontkämpferbundes, Leiter der deutschen Parallelorganisation zur Anglo-German-Fellowship sowie 1938 Präsident des Ständigen Internationalen Ausschusses ehemaliger Frontkämpfer. Ferner war er in der Wirtschaft u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der Europäischen Güter- und Reisegepäckversicherung AG und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank AG.

[Bearbeiten] Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er verhaftet und bis 1946 interniert. Anfangs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, wurde Carl Eduard, dem mehrere Persilscheine ausgestellt worden waren und der sich keiner Schuld bewusst war, 1950 im Spruchkammerverfahren nach mehreren Berufungsverfahren als Mitläufer und Minderbelasteter zu einer Sühneleistung von 5.000 DM verurteilt.

An einer Krebserkrankung verstarb Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha 1954 als vorletzter deutscher Bundesfürst im Alter von 70 Jahren. Bestattet wurde er im Forst von Schloss Callenberg.

[Bearbeiten] Nachfahren

Sein erster Sohn, Erbprinz Johann Leopold (* 2. August 1906 in Coburg; † 4. Mai 1972 in Grein, Österreich), heiratete in erster Ehe 1932 nicht standesgemäß die geschiedene Feodora Freiin von der Horst. Deshalb musste er gemäß Hausgesetz für sich, seine Familie und seine Nachkommen auf seine erbprinzlichen Rechte und die Zugehörigkeit zum Gesamthaus Sachsen-Coburg und Gotha verzichten. Aus dieser Ehe waren drei Kinder hervorgegangen, unter ihnen Ernst Leopold, der anderenfalls Oberhaupt des Gesamthauses geworden wäre. Der zweite Sohn Prinz Hubertus (* 24. August 1909 in Gotha; † 26. November 1943 bei Mosty, Polen) war kinderlos, als er im Zweiten Weltkrieg fiel. Daher wurde der jüngste Sohn Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (1918–1998) Chef des Gesamthauses Sachsen-Coburg und Gotha. Dessen ältester Sohn Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (* 1943), übernahm 1998 diese Aufgabe.

Die älteste Tochter Carl Eduards, Prinzessin Sibylla, ehelichte 1932 in Coburg Prinz Gustav Adolf von Schweden. Der gemeinsame Sohn Carl XVI. Gustaf ist seit 1973 König von Schweden.

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