Konzentrationslager Dachau

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Das Konzentrationslager Dachau lag rund 20 Kilometer nördlich von München. Aufgrund einer Anordnung Heinrich Himmlers, des damaligen Münchener Polizeipräsidenten, wurde es als erstes dauerhaftes Konzentrationslager im Deutschen Reich auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik östlich der Stadt Dachau errichtet.

Luftaufnahme des Lagers Dachau

Inhaltsverzeichnis

Vorwurf: Vergasungen

Das Lager während der Errichtung

Nach Kriegsende galt es als erwiesen, daß Juden im KL Dachau in eigens dafür gebauten Gaskammern umgebracht wurden. So heißt es bspw. in einem am 15. Mai 1945 dem VS-Kongreß von VS-Senator Alben W. Barkley vorgetragenen Bericht eines vom späteren VS-Präsidenten General Dwight Eisenhower eingesetzten Untersuchungsausschusses:[1]

„Ein besonderes Merkmal des Lagers Dachau war die Gaskammer zur Hinrichtung von Gefangenen und den eher komplizierten Einrichtungen zur Exekution durch Erschießen.
Die Gaskammer lag in der Mitte eines großen Raumes im Krematoriumsgebäudes. Sie war aus Beton gebaut. Ihre Maße waren etwa 6 mal 6 Meter und die Decke war etwa 3 Meter hoch. In zwei sich gegenüberliegenden Wände der Kammer waren luftdichten Türen, durch die die verurteilten Gefangenen in die Kammer für die Exekution gebracht und nach der Exekution entfernt werden konnten. Die Einspeisung des Gases in die Kammer wurde mit Hilfe von zwei Ventilen auf einer der Außenwände gesteuert und unterhalb der Ventilen war ein kleines, verglastes Guckloch, durch das der Bediener die Opfer sterben sehen konnte. Das Gas wurde in die Kammer durch Leitungen gelassen, die in perforierten Messing-Armaturen in der Decke endeten. Die Kammer war von einer Größe, die ausreichte, um wahrscheinlich hundert Menschen auf einmal zu exekutieren.
Der Raum, in dem die Gaskammer stand, wurde an beiden Enden durch Lagerräume flankiert, in denen die Leichen nach der Exekution platziert wurden, um auf die Einäscherung zu warten. Die Größe der einzelnen Zimmer war etwa 9 mal 15 Meter. Zu der Zeit, als wir das Lager besuchten, waren diese Lagerräumen gefüllt mit hoch gestapelten Leichen. In einem der Räume waren die Leichen auf einen unregelmäßigen Haufen geworfen. In dem anderen Zimmer waren sie fein säuberlich wie Klafterholz gestapelt. Der unregelmäßige Leichenberg war vielleicht 3 Meter hoch und bedeckte den größten Teil der Nutzfläche. Alle Leichen waren nackt.
Es war ziemlich offensichtlich, daß die tägliche Todesrate in Dachau, durch Exekution und auf andere Weise, weit über der täglichen Kapazität des Krematoriums, die Leichen zu entsorgen, lag. Der Gestank wies darauf hin, daß einige von ihnen schon seit mehreren Tagen dort waren.“

Doch 1960 revidierte der langjährige Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) Martin Broszat die bis dahin „offenkundige“ Version der Geschichte. In einem Leserbrief an „Die Zeit“ stellte er lapidar fest:[2]

„Weder in Dachau noch in Bergen-Belsen noch in Buchenwald sind Juden oder andere Häftlinge vergast worden. Die Gaskammer in Dachau wurde nie ganz fertiggestellt und „in Betrieb“ genommen. Hunderttausende von Häftlingen, die in Dachau oder anderen Konzentrationslagern im Altreich umkamen, waren Opfer vor allem der katastrophalen hygienischen und Versorgungszustände.“

Damit räumte Broszat ein, daß Historiker, Journalisten und ehemalige KL-Insassen 15 Jahre lang nichts anderes taten, als kritiklos die Greuelmärchen der Siegermächte nachzuplappern. Beim Nürnberger Prozeß gegen die deutschen „Hauptkriegsverbrecher“ ist jedoch im Dokument 3249-PS eine eidesstattliche Versicherung des „Augenzeugen“ Franz Blaha niedergeschrieben, dieser Blaha schwor vor dem IMT, er habe im Konzentrationslager Dachau „Massenvergasungen“ selbst „miterlebt“. Später gilt die eidesstattliche Aussage Blahas nicht mehr, denn: „In Dachau wurde niemand vergast“, verkündete die Dachauer Museumsdirektion, und eine entsprechende Tafel verkündet in mehreren Sprachen: „Gaskammer, war nie in Betrieb“.

Der SS-Richter Konrad Morgen sagte bereits vor dem Nürnberger Tribunal dazu:[3]

RA. PELCKMANN: „Das Lager Dachau ist hier als reines Vernichtungslager geschildert worden von seiten der Anklage, teilweise auch von Zeugen. Stimmt das?“
MORGEN: „Ich glaube, das KZ-Lager Dachau aus meinen Ermittlungen von Mai bis Juli 1944 näher zu kennen. Ich muß sagen, daß ich den gegenteiligen Eindruck hatte. Das KZ-Lager Dachau galt von jeher als ausgesprochen gutes Lager, als Erholungslager bei den Häftlingen, und diesen Eindruck habe ich tatsächlich gewonnen.“
RA. PELCKMANN: „Haben Sie die Inneneinrichtung gesehen, den Krankenbau und so weiter?“
MORGEN: „Ich habe alle diese Einrichtungen genauestens besichtigt und muß sagen, der Krankenbau war tadellos in Ordnung. Ich bin durch sämtliche Säle gegangen, es war nichts von einer Überbelegung zu merken und erstaunlich war die Fülle der medizinischen Instrumente auch größerer Art, die hier den Häftlingen dienten. Es gab besondere Fachkapazitäten aus den Häftlingen selbst.“
RA. PELCKMANN: „Gut, gut, Sie wollen also schildern, es war gut. Aber damit befinden Sie sich zum Beispiel im Widerspruch mit den Aussagen des Dr. Blaha, die hier zum Gegenstand der Verhandlung gemacht worden sind. Kennen Sie diese Aussagen?“
MORGEN: „Ich habe die Aussagen des Dr. Blaha in der Presse gelesen und hier Gelegenheit gehabt, die Prozeßakten einzusehen. Ich muß sagen, diese Bekundungen haben mich maßlos erstaunt. Ich bin der Auffassung, daß Blaha aus eigener Wissenschaft derartige Behauptungen nicht aufstellen kann, denn es ist nicht so, daß ein Häftling in einem Konzentrationslager sich frei bewegen kann und insbesondere Zugang zu den verschiedenen Einrichtungen hat.“

Bildergalerie (Nachkriegszeit)

Geschichte

Bis 1945

Die Staatsanwaltschaft München erhob am 31. Mai 1933 gegen den Kommandanten des KL Dachau, Hilmar Wäckerle, und Mitglieder der Wachmannschaft Anklage wegen Mordbegünstigung. SS-Oberführer Theodor Eicke löste Wäckerle als Kommandanten ab.

Stunde des Rächers

„Dachau – Die Stunde des Rächers“, so lautet in deutscher Übersetzung der Titel eines Buches, das 1986 in den VSA erschien.[4] Der Verfasser ist Colonel Howard A. Buechner, ein pensionierter VS-amerikanischer Offizier.

Im Jahr 1945 marschierte er als junger Arzt im Rang eines Leutnants mit Teilen der 45. VS-amerikanischen Infanterie-Division „Thunderbird“ (Donnervogel) in das Konzentrationslager Dachau ein, um die dort befindlichen Häftlinge zu einer neuen Welt der Liebe, des Friedens, der Menschenwürde und der Demokratie zu befreien.

Wie die „Befreiung“ allerdings vor sich ging, entsprach allerdings nicht diesen hohen Idealen. Die Amerikaner richteten unter den anwesenden 560 SS-Wachsoldaten, nachdem sich diese ergeben hatten, ein Blutbad an, das eher an Dschingis Khan und seine Horden denn an zivilisierte Soldaten des mächtigsten Kontinents der Erde erinnert.

Colonel Howard A. Buechner wurde von seinem christlich geprägten Gewissen getrieben, einen Augenzeugenbericht darüber zu veröffentlichen. Er möchte seine Arbeit als leidenschaftlichen Appell gegen den grenzenlosen Jammer und die gnadenlose Unsinnigkeit eines jeden Krieges verstanden wissen – auch und besonders der Kriege, die zur Zeit die Erde verwüsten und unermeßliches Leid über Hunderttausende Menschen bringen. In einem Brief betonte er ausdrücklich diesen Aspekt und bat darum, das hervorzuheben.

Nach einleitenden kurzen Abschnitten, die jeweils besonders verdienstvollen Angehörigen der 45. US-Inf. Division gewidmet sind, stellt Buechner seinen Lesern das KL Dachau als „Mutter des Todes“ vor. Die Ansichten, die er in diesem ersten Kapitel seines Buches über Sinn und Bedeutung der deutschen Konzentrationslager, ihre Anzahl und Lage, über Vernichtungslager, Gaskammern usw. entwickelt, sind allerdings weder historisch noch sachlich begründet.

Damit soll nicht die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Buechners in Frage gestellt werden, aber es ist offensichtlich, daß er sich mit diesem ganzen Komplex im Laufe der letzten vierzig Jahre nicht weiter beschäftigt hat. Für ihn war nicht nur das Kapitel „Dachau“, sondern auch das Kapitel „Deutschland“ abgeschlossen, als er im Dezember 1945 aus dem Militärdienst entlassen wurde und wieder in sein ziviles Leben zurückkehrte (S. 126/127). Seine unhaltbaren Behauptungen in bezug auf Konzentrationslager, Gaskammern usw. beruhen offensichtlich auf den damals umlaufenden Gerüchten, denen auch die ersten Reporter, die Dachau besuchten, aufgesessen sind.

So ist er auch der Meinung, im KL Dachau habe es eine Gaskammer gegeben – obzwar er nicht sicher ist, ob sie nicht lediglich zur Kleiderdesinfektion benutzt wurde (S. 3, 87, 89). Möglicherweise spricht er also von den noch heute vorhandenen Desinfektionsräumen und nicht von dem Duschraum, der heute als „Gaskammer – nicht benutzt“ bezeichnet wird. Die Frage, welchen Raum er als „Gaskammer“ ansah, hat er in der bisherigen Korrespondenz nicht beantwortet und statt dessen vage erklärt, er interessiere sich nicht sonderlich für „Gaskammern“.

Dachau am 29. April 1945

Die Mehrzahl der eigentlichen Bewachungsmannschaft des Konzentrationslagers Dachau hatte dieses bereits einige Tage vorher verlassen. So wurde kurzfristig eine Ersatzkompanie der Waffen-SS-Division „Wiking“ aus Augsburg, 200 Mann stark, in das KL Dachau verlegt. Zusammen mit den Restbeständen der alten Mannschaft waren jetzt insgesamt 560 Angehörige der Waffen-SS in Dachau. Keiner von ihnen überlebte das Massaker.[5]

Am Morgen des 29. April 1945 näherten sich Teile der 7. US-Armee München.

Auf dem Vormarsch dorthin bekam der Kommandeur des 3. Bataillons, 157. Inf. Reg., 45. Inf. Division („Thunderbird“), Lt. Col. Felix Sparks, den Befehl, umgehend das Konzentrationslager Dachau einzunehmen. Befehlsgemäß machten die Amerikaner einen Schwenk nach links und hielten auf Dachau zu.

Noch bevor sie einen Fuß in das Lager setzen konnten, erreichten sie mehrere Eisenbahnwaggons, angefüllt mit Hunderten von ausgemergelten und in Lumpen gekleideten Leichen. Für die VS-Soldaten war es klar, daß sie es hier mit Opfern einer grausamen Mordaktion der Deutschen zu tun hatten. Tatsächlich ist die Herkunft dieser erbarmungswürdigen Menschenfracht bis heute nicht hundertprozentig geklärt. Am meisten spricht wohl dafür, daß es kranke Häftlinge aus Buchenwald waren, die man bei der Evakuierung des Lagers Buchenwald nach Dachau geschickt hatte.

Nach ihrer Ankunft waren die meisten von ihnen so schwach, daß sie die Waggons nicht verlassen konnten. Die Dachauer Häftlinge weigerten sich jedoch, die befohlene Ausladung vorzunehmen.[6] Die Kranken blieben hilflos in den Waggons liegen und starben dort. Möglicherweise wurden einige sogar Opfer Tieffliegerangriffe der USAAF, die besonders in diesen Tagen den Raum um München heimsuchten.

Der Anblick dieser gespenstischen Fracht wurde noch übertroffen, als die Soldaten das Konzentrationslager betraten. In Dachau hatte seit Januar 1945 eine Fleckfieber- und Typhus-Epidemie gewütet, die über 10.000 Opfer forderte. Das Krematorium des Lagers kam mit dem Verbrennen der Leichen nicht nach. Noch an die 2.000 ausgemergelte Körper lagen an der Außenmauer des Krematoriums und in den Innenräumen. Teilweise waren sie bereits im Zustand der Verwesung. Die Toten der letzten Tage lagen außerhalb und innerhalb der Krankenbaracken.

Die einrückenden VS-Soldaten, denen die Ursache der Leichenberge unbekannt war, müssen tatsächlich den Eindruck bekommen haben, eine Horror-Vision zu erleben, für die sie die deutschen Bewacher verantwortlich machten. Vielleicht ist das eine Erklärung für die folgenden Ereignisse.

Das Massaker

Dachau: Ermordung deutscher Soldaten durch VS-amerikanische Befreier (29. April 1945)
Der Wachturm, davor die Leichen der wehrlos durch die „Befreier“ erschossenen deutschen Soldaten
Historische Tatsachen

Die Wachtürme des Lagers hatten weiße Fahnen gehißt. Die Amerikaner schossen trotzdem auf die Türme, worauf das Feuer von den Deutschen erwidert wurde. Nach kurzem Schußwechsel stürmten die Amerikaner die Türme und warfen die Leichen von etwa 10 SS-Wachen hinunter. Am Turm B lagen die Leichen noch Tage hinterher, zum Teil in dem das Lager umgebenden Wassergraben. Ein kurzes Gefecht innerhalb des Lagers forderte rund 20 Tote auf Seiten der SS. Diese dreißig Toten sind die einzigen, die man als während der Kampfhandlungen gefallen bezeichnen kann, schreibt Buechner (S. 97).

Fast gleichzeitig mit der 45. Inf. Division hatten auch Teile der 42. US-Inf. Division („Rainbow“) das Lager erreicht, darunter Brig. General Linden. General Linden sah einen am Boden liegenden verwundeten SS-Mann und befahl dem ihn begleitenden jüdischen Armeearzt, den Verwundeten zu versorgen. Der Arzt weigerte sich jedoch, mit der Begründung, er würde keinen Deutschen anfassen. Der General drohte mit dem Kriegsgericht, aber der jüdische Arzt blieb unbeeindruckt. Inzwischen hatte Lt. Col. Sparks veranlaßt, daß die Angehörigen der 42. Inf. Division das Lager wieder verließen und General Linden wurde mit Gewalt hinausbegleitet (S. 65–66).

Auf deutscher Seite hatte der Kommandeur der SS-Truppen, Leutnant Heinrich Skodzensky, in Begleitung eines Vertreters des Schweizer Roten Kreuzes, versucht, das Lager ordnungsgemäß an die Amerikaner zu übergeben.

Buechner führt das nicht weiter aus. Die Schilderung dieser Szene finden wir jedoch in der englischen Zeitschrift „After the Battle“ (Nr. 27, 1980, S. 13). Dort beschreibt ein belgischer Insasse aus Dachau, Albert Guerisse (alias Patrick O’Leary) den Hergang wie folgt:

„Ich versichere mich, daß die Amerikaner jetzt Herren der Lage sind. Ich gehe auf einen Amerikaner zu, der eben von einem Panzer klettert, stelle mich vor, und er umarmt mich. Es ist ein Major. Seine Uniform ist staubig, sein Hemd, bis zum Nabel offen, starrt vor Schweiß und Dreck, er ist unrasiert, ein verbeulter Helm auf dem Kopf, eine Zigarette im Mundwinkel.
In diesem Augenblick nähert sich von den Wachposten her der junge deutsche Leutnant Heinrich Skodzensky und macht Meldung vor dem Amerikaner.
Der Deutsche ist blond, gutaussehend, gepflegt, seine Schuhe sind geputzt, seine Uniform gut geschnitten. Er schlägt die Hacken zusammen, als wäre er auf einer Übung, bei einer Parade Unter den Linden, hebt ordnungsgemäß den Arm und grüßt respektvoll: ‚Heil Hitler! Ich übergebe Ihnen hiermit das Konzentrationslager Dachau mit 30.000 Insassen, davon 2.340 krank, 27.000 auf Außenposten, 560 Garnisontruppen.‘ […]
Der amerikanische Major hat den Gruß nicht erwidert. Er zögert einen Moment, als müsse er sich erst auf die richtigen Worte besinnen.
Dann spuckt er dem Deutschen ins Gesicht. ‚Du Schweinehund!‘
Dann: ‚Setz dich dahin!‘ Er zeigt auf den hinteren Sitz eines der Jeeps, die inzwischen herbeigekommen sind.
Der Major wendet sich zu mir und gibt mir eine Maschinenpistole. ‚Kommen Sie mit!‘
Aber ich habe keine Kraft mehr, mich zu bewegen. ‚Nein, ich bleibe hier.‘
Der Major gibt einen Befehl, der Jeep mit dem jungen deutschen Offizier fährt aus dem Lager hinaus. Ein paar Minuten vergehen.
Meine Kameraden haben es noch nicht gewagt, ihre Baracken zu verlassen. aus der Entfernung konnten sie nicht erkennen, wie die Verhandlungen zwischen dem Amerikaner und dem SS-Mann laufen. Dann höre ich mehrere Schüsse.
‚Der Schweinehund ist tot‘, sagt der amerikanische Major zu mir.“

So begann die „Befreiung“ des Konzentrationslagers Dachau. Der unbekannte Major gab nur das Startsignal. Die Amerikaner stürzten sich auf alle Soldaten, die sie im Lager antrafen, und erschossen sie auf der Stelle. Buechner nennt die Zahl von 122 Opfern (S. 98).

Auch die Insassen tobten sich aus und ermordeten auf bestialische Weise etwa 40 Soldaten. Eine Schlagzeile der „New York Herald Tribune“ vom 2. Mai lautet: „Dachauer Häftlinge rächen sich an Nazi-Peinigern - SS-Leute erschlagen aufgefunden, zu Brei geschlagen, ihre Mittelfinger abgeschnitten.“[7]

Erst nach einer halben Stunde konnte Lt. Col. Sparks Disziplin und Ordnung wieder herstellen und ließ die noch lebenden SS-Männer, 358 an der Zahl, abführen und bewachen. Doch kaum hatte er den Rücken gekehrt, als der zur Bewachung eingesetzte Maschinengewehrschütze, mit Spitznamen „Birdeye“, losballerte und auf die Gruppe der Gefangenen schoß. Sparks stürzte sich auf ihn und riß ihn vom Maschinengewehr weg. Zwölf Opfer blieben leblos liegen (S. 98/99).

Buechner war am Morgen des 29. April mit der Sanitätsabteilung des 157. Inf. Regiments auf dem Weg nach München, als die Nachricht von der Einnahme des Lagers Dachau zu ihm drang. Am frühen Nachmittag hielt er es nicht mehr aus, er wollte selbst sehen, was in Dachau los war und machte sich auf den Weg dorthin. Beim Lager angekommen, wurde ihm der Zutritt verwehrt, da Lt. Col. Sparks das Gebiet gesperrt hatte. Die Lage schien jedoch ruhig zu sein, es waren keinerlei Schüsse zu hören. Buechner fragte, ob er den äußeren Komplex, das SS-Lager, betreten dürfe. Vielleicht gäbe es Verwundete, denen er helfen könne. Das wurde ihm gestattet.

Er war erst ein kurzes Stück in das SS-Lager hineingefahren, als plötzlich Maschinengewehrfeuer ganz nahe zu seiner Linken zu hören war. Es schien aus einer Gegend zu kommen, wo mehrere Gebäude standen, die das Zeichen des Roten Kreuzes auf dem Dach trugen. Buechner wunderte sich, daß ausgerechnet in der Nähe des Lazaretts gekämpft werden sollte. Seine Neugierde war jedoch geweckt, er stieg aus dem Jeep und ging auf die Gebäude zu.

„Ich spähte um die Ecke einer Mauer in die Richtung, aus der die Schüsse kamen und wurde Zeuge einer unvorstellbaren Szene.
Lt. Bushyhead stand auf dem Dach eines niedrigen Gebäudes, vielleicht ein Fahrradschuppen. Neben ihm bedienten ein oder mehrere Soldaten ein 30-Kaliber Maschinengewehr. Gegenüber von diesem Gebäude war eine lange, hohe Mauer aus Zement und Backsteinen. Am Fuß dieser Mauer lagen reihenweise deutsche Soldaten, einige tot, einige sterbend, einige möglicherweise sich totstellend. Drei oder vier Lagerinsassen in gestreifter Kleidung, jeder mit einer 45-Kaliber Pistole bewaffnet, gingen die Reihen der ca. 350 gefallenen Soldaten ab.
Dabei feuerten sie automatisch eine Ladung in den Kopf jedes Soldaten, der noch zu leben schien. …
Hinter den Häftlingen, die zu Henkern geworden waren, stand eine Reihe Infanteristen, die Gewehre im Anschlag und ein weiterer Soldat bediente ein zweites Maschinengewehr, das auf dem Boden stand. […]
Am Ende der Reihe der toten oder sterbenden Soldaten ereignete sich ein kleines Wunder. Die Häftlinge, die den Gnadenschuß abgaben, waren noch nicht bis dahin gekommen, und einige wenige der nur verwundeten Soldaten wurden vom deutschen Sanitätspersonal auf Tragen gelegt und gemäß der Weisung eines deutschen Arztes in das nahegelegene Hospital getragen.“ (S. 86, 87).

Buechner hat zu dieser schauerlichen Szene eine Skizze angefertigt (S. 94). Auf dieser Skizze sind u. a. zwei Häftlinge vermerkt, die dabei sind, mit Schaufeln einen am Boden liegenden, Buechner meint ins Bein geschossenen, deutschen Soldaten zu erschlagen.
Die Aufnahme dieser Szene, bekannt aus dem Buch von Nerin Gun, „Die Stunde der Amerikaner“, findet sich ebenfalls bei Buechner (S. 114).

Die Opfer

Laut einer Tabelle (S. 99) setzen sich die Opfer dieses Tages wie folgt zusammen:

  • Auf der Stelle erschossen: 122
  • durch Lagerinsassen ermordet: 40
  • erschossen durch „Birdeye“: 12
  • erschossen durch Lt. Bushyhead: 346
  • insgesamt ermordet: 520
  • gefallen während der Kämpfe: 10
  • zunächst entkommen: 560

Von denjenigen SS-Wachen, die zunächst entkommen waren, schreibt Buechner, sie hätten versucht, sich unter die Lagerinsassen zu mischen. Sie seien aber bald entdeckt worden und entweder von den Lagerinsassen totgeschlagen oder erschossen worden (S. 97). Sie sind also ebenfalls zu den Ermordeten zu rechnen.

Zur Unterstützung seiner Schilderung bringt Buechner eine Reihe von Zeugen bei, die Einzelheiten der Geschehnisse beobachtet haben. Er nennt ihre Namen und veröffentlicht ihre Aussagen und Fotos. Weitere Fotos bei Buechner zeigen die Gefangennahme der deutschen Wachmannschaft, die gesamte von ihm geschilderte Mordszene und Details einzelner oder kleiner Gruppen der ermordeten Soldaten. An der Richtigkeit seiner Schilderung kann nicht der geringste Zweifel bestehen.

In einer Fußnote auf S. 87 schreibt Buechner:

„Wie ich erst später erfuhr, hatten die ersten Angehörigen der Kompanie 1 das deutsche Lazarett (im SS-Lager) gestürmt und alle Patienten mit Tritten hinausbefördert. Nur ein deutscher Arzt und eine kleine Gruppe Sanitäter durften zurückbleiben.“

Das paßt zu einer anderen Schilderung, wonach einige der SS-Männer offensichtlich kampfunfähig waren, denn sie gingen auf Krücken. Das waren wahrscheinlich Patienten, die man aus dem Lazarett geworfen hatte.

Zu dieser Bemerkung Buechners gibt es einen deutschen Augenzeugenbericht, der zum ersten Mal 1960 von Erich Kern in seiner Broschüre „Das große Kesseltreiben“ veröffentlicht und später in seinem Band „Meineid gegen Deutschland“ (Pr. Oldendorf 1971, S. 224–247, 313–315) abgedruckt wurde.

„Hans Linberger wurde in den Brückenkopfkämpfen ostwärts Kiew […] schwer verwundet. Sein linker Oberarm wurde abgerissen, sein Körper mit Splittern übersät.
[…] Er wurde nach langem Lazarettaufenthalt als Oberscharführer der Waffen-SS am 9. März 1945 zur Ersatzkompanie nach Dachau entlassen.
Am 29. April 1945 legten die durchweg schwerversehrten und nicht frontverwendungsfähigen Ersatzleute ihre Waffen nieder, meldeten sich beim leitenden Arzt des Standortlazarettes, Dr. Dr. Schöder, und wurden in eine Baracke eingewiesen. Das Sanitätspersonal richtete sich auf die Kapitulation ein.
Ärzte waren durch weiße Kittel, Apotheker und das Sanitätspersonal durch die internationale Rote-Kreuz-Armbinden gekennzeichnet.
Linberger nahm nun eine Rote-Kreuz-Handflagge und ging zum Eingang des Lazarettes. Er war durch seinen leeren linken Ärmel weithin als Schwerversehrter gekennzeichnet. Den stoßtruppartig einrückenden Amerikanern erklärte er sofort, daß es sich hier um ein Lazarett handle, das selbstverständlich waffenlos übergeben werde. Ein Amerikaner setzte ihm die Maschinenpistole an die Brust und schlug ihm ins Gesicht. … Trotzdem ließen sie von Linberger ab und stürmten nun das Lazarett. Der Linberger zuerst bedrohende Amerikaner schoß im Flur einer Lazarettbaracke einen unbekannten Versehrten zusammen, der regungslos liegenblieb. Alle Ärzte wurden aus den Behandlungsräumen gejagt, ebenso die Apotheker und das Sanitätspersonal.
Dr. Dr. Schröder, der als leitender Arzt das Lazarett den Amerikanern formgerecht übergeben wollte, wurde von ihnen so zusammengeschlagen, daß er einen Schädelbasisbruch erlitt.
Die Amerikaner trieben alle Gehfähigen mit den Frauen und Kindern im Lazarettgebäude zusammen und dann auf die Straße vor dem Heizwerk.
Dort sortierten sie alles aus, was nach Waffen-SS aussah, plünderten die Gefangenen zuerst mit vorgehaltenen Pistolen aus und nahmen ihnen Uhren, Ringe, Drehbleistifte, Füllfedern und Geld ab.
Dann wurden die Gefangenen in den hufeisenförmig abgemauerten Hof des Heizwerkes gejagt.[8]
Die Amerikaner stellten ein Maschinengewehr vor der Masse auf.
Dann kamen amerikanische Kriegsberichter, fotografierten und filmten die Gruppe. Mitten darin eröffnete ein MG-Schütze das Feuer.
Mit einem Feuerstoß von links nach rechts und zur Mitte zurück legte er die Masse der etwa vierzig Männer, die an der Wand standen, um.“[9]

Hans Linberger gab für das Deutsche Rote Kreuz an Eides statt nachstehende Schilderung dieses Massenmordes:

„Der unmittelbar hinter mir stehende Kamerad fiel mit dem letzten Aufschrei – Au, die Schweine schießen auf den Bauch – über mich, da ich mich aus unerklärlichen Gründen einfach hatte fallen lassen. Es war mir gleichgültig, ob es mich im Stehen oder Liegen erwischte.
So bekam ich nur das Blut des Toten, der aus der Brust stark blutete, über Kopf und Gesicht, daß ich schwer angeschlagen aussah.
In der Feuerpause, die eingetreten war und für mich nur durch die angetrunkenen Häftlinge erklärt wird, die sich mit Schaufeln bewaffnet hatten, um einen Mann mit Namen Weiß zu erschlagen, war es mir und den anderen Kameraden möglich, die Situation zu überblicken.
Verschiedene krochen auf die Amerikaner zu und wollten sich als Ausländer ausweisen - wieder andere versuchten zu erklären, daß sie mit KZ nie etwas zu tun hatten. Dieser Weiß sagte jedoch: ‚Beruhigt euch, wir sterben für Deutschland!‘
Oberscharführer Jäger fragte mich im Liegen, ob es mich erwischt habe, das mußte ich verneinen. Er hatte am rechten Unterarm einen Durchschuß abbekommen.
Ich teilte rasch eine letzte Rippe Schokolade mit ihm, da wir auf den Genickschuß warteten.[10] Ein Mann mit Rote-Kreuz-Armbinde warf uns Rasierklingen zu und sagte: ‚Da, macht euch fertig!‘ Jäger schnitt sich den angeschossenen Arm in der Pulsgegend auf, den linken schnitt ich, und wie er mir als Amputierter die Klinge ansetzen will, da kommt ein Offizier der Amerikaner mit dem zusammengeschlagenen Dr. Dr. Schröder, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, und hat die Aktion der Erschießung eingestellt. So konnten wir unsere frischverwundeten Kameraden mit herausschleppen.“

Buechner schildert, daß er auf den deutschen Arzt zutrat, um ihm seine Hilfe anzubieten. Der Arzt habe aber nur: „Nein, nein, nein“ gesagt. Möglicherweise war es also Buechner, den Linberger bei Dr. Schröder stehen sah.

Lt. Bushyhead hatte inzwischen das Feuer einstellen lassen. Die Toten lagen noch am nächsten Tag am Fuß der Mauer. Buechner verließ das Lager noch am selben Tag und zog mit seiner Einheit nach München weiter.

Das verhinderte Kriegsgerichtsverfahren

Am selben Nachmittag, dem 29. April 1945, besuchten mehrere hohe amerikanische Offiziere das Lager Dachau. Sie entdeckten die Leichen der deutschen Mannschaft und waren entsetzt. Jemand schlug vor, die Körper über die ganze Fläche zu verteilen, dann Aufnahmen zu machen und zu behaupten, die Deutschen hätten der Festnahme Widerstand geleistet oder versucht zu fliehen; dabei seien sie erschossen worden. Aber für diese Version war es zu spät, da bereits Fotos von dem grausigen Geschehen existierten. Es blieb nichts anderes übrig, als eine offizielle Untersuchung einzuleiten.

Nach intensiven Befragungen hatte man für das Kriegsgericht eine Anklage gegen vier Offiziere und fünf Soldaten vorbereitet. Zweifellos waren wesentlich mehr Leute an dem Geschehen beteiligt, aber es war schwierig, sie aufzuspüren. Sie waren inzwischen zu anderen Einheiten versetzt worden und dadurch „aus dem Verkehr gezogen“. Die Anklage lautete auf: Ungehorsam, Nichtverhinderung der Erschießungen, Verweigerung medizinischer Hilfeleistung und Verletzung der Genfer Konvention.

Buechner wurde noch während seines Aufenthaltes in München ins Hauptquartier der 45. Inf. Division bestellt, wo man ihm eröffnete, daß gegen ihn, Lt. Col. Sparks, Lt. Bushyhead und weiteren Angehörigen der VS-Armee ein Kriegsgerichtsverfahren vorbereitet würde. Als man ihn fragte, warum er persönlich nichts getan habe, um das Morden zu beenden, und warum er sich nicht um die Verwundeten gekümmert habe, antwortete er, als er auf der Szene erschienen sei, wären fast alle Deutschen schon tot gewesen oder die wenigen noch Lebenden wären so schwer verletzt gewesen, daß jede Hilfe zu spät gekommen wäre. Im übrigen sei ein deutscher Arzt aufgetaucht, und die drei oder vier Verwundeten, die man ins Lazarett getragen hätte, hätten daher seiner Hilfe nicht mehr bedurft. Im Lager, bei dem Wüten der Häftlinge, hätte er auch nichts unternehmen können, da er als Angehöriger des Medizinischen Korps unbewaffnet gewesen sei und daher keine Chancen gehabt hätte, die haßerfüllten Häftlinge von ihrem Morden abzuhalten.

Diese Darstellung entsprach jedoch nicht der Wahrheit, wie Buechner in seinem Buch jetzt zugibt. Er war weder als Angehöriger des Medizinischen Korps gekennzeichnet noch unbewaffnet. Sowohl er als auch einer seiner Sanitäter hatten Pistolen und außerdem eine Maschinenpistole bei sich.

Der vernehmende Offizier war jedenfalls damals mit Buechners Antwort zufrieden und strich seinen Namen aus der Liste der Beschuldigten. Auch die übrigen Offiziere konnten sich ähnlich herausreden.

Übrig blieb die Anklage gegen Bushyhead. Er wurde zu General Patton, dem Kommandeur der 3. US-Armee befohlen. Patton hörte seinen Bericht und ordnete an, daß alle Offiziere, die in die Sache verstrickt seien, vor ihm zu erscheinen hätten. Sie sollten sämtliche Dokumente, Fotografien und sonstige Unterlagen, die mit der Sache zu tun hatten, mitbringen. Als alle bei General Patton versammelt waren, versicherte er sich noch einmal, daß ihm sämtliche Fotos und Dokumente übergeben worden seien. Dann warf er alles in einen großen metallenen Papierkorb, zog sein Feuerzeug heraus und zündete den Papierstoß an.
Damit waren die Anklagen erledigt und die Beschuldigten frei.

Das Kriegsgerichtsverfahren fand nicht statt. Alle schriftlichen Zeugnisse waren vernichtet.
In keiner Geschichtsschreibung tauchten die Tatsachen jemals auf. Die offizielle Version lautete, daß ein Teil der SS-Wachen bei der Übernahme des Lagers Dachau in einem kurzen Gefecht getötet, die anderen gefangengenommen wurden.

Die Wahrheit wird bekannt

Buechner ist der Meinung, daß bis zur Veröffentlichung seines Berichtes niemand irgendeine Kenntnis vom wahren Geschehen am 29. April hatte. Das stimmt jedoch nicht. Die Wahrheit läßt sich niemals völlig unterdrücken. Zudem waren einige Fotografien der Vernichtung entgangen.

Die Nachrichten über das Massaker drangen bald nach draußen. Aber wir hatten den Krieg verloren, wir waren rechtlos und hilflos den Siegermächten ausgeliefert. Die Nachrichten blieben zunächst unbestätigte Gerüchte. Aber schon 1946 erschien ein erster Hinweis auf die Ermordung der SS-Männer in den Wachtürmen in der Veröffentlichung eines ehemaligen Häftlings.[11]

Ein weiterer Augenzeugenbericht aus dem Jahr 1957 erwähnt ebenfalls die Erschießung der SS-Männer.[12] Drei Jahre später brachte Erich Kern in seiner Broschüre „Das große Kesseltreiben“ die eidesstattliche Erklärung von Hans Linberger der Öffentlichkeit zur Kenntnis.

1966 erschien von Nerin E. Gun „The Day of the Americans“ – deutsche Ausgabe „Die Stunde der Amerikaner“, 1968 – in dem unter anderem der Augenzeugenbericht von Patrick O’Leary über die Erschießung des Kommandanten der SS-Truppe Heinrich Skodzensky, allerdings ohne volle Namensnennung, sowie eine Reihe grausiger Fotos von dem Geschehen veröffentlicht wurden.
Gun berichtet auch, daß sich die Amerikaner mit der Rache an den SS-Männern nicht genug sein ließen, sondern auch alle Wachhunde töteten.

Ein weiterer Augenzeugenbericht eines ehemaligen Häftlings über die Erschießung der SS-Wachen erschien im Januar 1985 in der „Deutschen National-Zeitung“.[13]

Aber nicht nur in Deutschland, auch im Ausland war man inzwischen auf die Vorfälle in Dachau am 29. April 1945 aufmerksam geworden. So widmete das britische Magazin „After the Battle“ die Nummer 27 im Jahr 1980 ganz dem Thema: „Dachau“. Die Erschießung von Leutnant Skodzensky und der SS-Wachen wird erwähnt.

In diesem Magazin wird eine weitere Mordaktion der Amerikaner aufgedeckt. Am Morgen des 29. April 1945, noch bevor Dachau eingenommen war, erreichten Angehörige der 42. US-Division („Rainbow“) den kleinen Ort Webling, etwa 2 km nordwestlich Dachau, der fast nur aus einer Kirche und ein paar Gehöften bestand. Der Ort wurde von 30 bis 50 Angehörigen der SS-Division „Wiking“ zunächst verteidigt.

Die Deutschen sahen bald ein, daß sie der amerikanischen Einheit unterlegen waren und ergaben sich der Übermacht. Keiner von ihnen überlebte. Der leitende SS-Offizier wurde von einem Amerikaner erschlagen, die anderen SS-Männer erschossen. Auch ein Hofbesitzer, ein waffenloser Zivilist, wurde bei der Gelegenheit von den Amerikanern erschossen.

Nach einem Augenzeugenbericht hinterließen die Amerikaner, als sie Webling verließen, einen toten Amerikaner und 43 tote SS-Männer, darunter zwei Offiziere. Gefangene wurden nicht gemacht.
Am nächsten Morgen wurden die Leichen dieses Massakers dann von einem ansässigen Bauern in Webling begraben.[14]

Durch Buechners Buch haben jetzt die bisher von verschiedenen Seiten vielleicht als nicht glaubwürdig eingestuften Augenzeugenberichte eine unbezweifelbare Bestätigung gefunden. So ist dieser Band des Amerikaners, trotz der zahlreichen Irrtümer in den allgemeinen Angaben über Dachau und das System der deutschen Konzentrationslager, in bezug auf die geschilderten und von Buechner selbst miterlebten Ereignisse ein wichtiges historisches Dokument.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurden die Baracken mit verarmten Menschen vorrangig aus München belegt, die durch den anglo-amerikanischen Bombenterror obdachlos geworden waren. Erst 1965 wurde das Lager dann in ein Museum umgebaut.

Lagerkommandanten

Das Lager in einer Aufnahme nach 1945
  • Hilmar Wäckerle erster Kommandant, März 1933 bis Juni 1933, zuvor Gutsverwalter und SS-Mitglied, danach SS-Stabsführer. Abgesetzt nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München über die drei Mordfälle vom 12. April 1933.
  • Theodor Eicke ab Ende Juni 1933 bis 7. Juli 1934, war zuvor SS-Oberführer
  • Berthold Maack, 22. Oktober 1934 bis 4. Dezember 1934
    • strittig ob Kommandant, ggf. mit der Führung beauftragt (Truppenteil: KL Dachau), nach anderen Quellen nur zur Ausbildungszwecke als „Führer im KL Dachau“ (Stammkarteneintrag unter Dienststellung)
  • Alexander Reiner am 6. Dezember 1934 von Himmler ernannt, SS-Oberführer und Zahnarzt zum neuen Kommandanten, trat die Kommandantur nie an
  • Heinrich Deubel ab 10. Dezember 1934, war zuvor SS-Oberführer
  • Hans Loritz ab 1. April 1936, war zuvor SS-Oberführer, wurde seines Amts enthoben, war später Kommandant im KL Sachsenhausen
  • Alexander Piorkowski vom 19. Februar 1940 bis September 1942
  • Martin Weiß vom 1. September 1942 bis 31. Oktober 1943, danach Kommandant im KL Majdanek
  • Eduard Weiter vom 1. Oktober 1943 bis 26. April 1945, war letzter regulärer Kommandant

Endkampf, Auflösung und wechselnde Führer

  • Martin Weiß vom 26. April bis 28 April 1945
  • Johannes Otto am 28. April 1945
  • Heinrich Wicker am 28. April 1945 und 29 April 1945, 23jähriger SS-Untersturmführer, Übergabe des KL an die VS-amerikanischen Invasoren

Zitate

  • „Ich war (7 Jahre) in den großen deutschen KZs. Ich muß der Wahrheit gemäß sagen, daß ich in keinem Lager jemals eine Einrichtung wie eine Vergasungseinrichtung angetroffen habe.“[15]Benedikt Kautsky, jüdischer Häftling in Dachau, Buchenwald und Auschwitz

Siehe auch

Literatur

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Verweis

Fußnoten

  1. 96-book.png PDF Committee on Foreign Relations (Hg.): Atrocities and Other Conditions in Concentration Camps in Germany. Report of the Committee Requested by Gen. Dwight D. Eisenhower Through The Chief of Staff, Gen. George C. Marshall to the Congress of the United States Relative to Atrocities and Other Conditions in Concentration Camps in Germany. 79th Congress 1st Session, Document No.47, United States Government Printing Office, Washington 1945, S. 13
    A distinguishing feature of the Dachau Camp was the gas chamber for the execution of prisoners and the somewhat elaborate facilities for execution by shooting.

    The gas chamber was located in the center of a large room in the crematory building. It was built of concrete. Its dimensions were about 20 by 20 feet, and the ceiling was some 10 feet in height. In two opposite walls of the chamber were airtight doors through which condemned prisoners could be taken into the chamber for execution and removed after execution. The supply of gas into the chamber was controlled by means of two valves on one of the outer walls, and beneath the valves was a small glass-covered peephole through which the operator could watch the victims die. The gas was let into the chamber through pipes terminating in perforated brass fixtures set into the ceiling. The chamber was of size sufficient to execute probably a hundred men at one time.
    The room in which the gas chamber stood was flanked on both ends by warerooms in which the bodies were placed after exeution to await cremation. The size of each room was approximately 30 by 50 feet. At the time we visited the camp these warerooms were piled high with dead bodies. In one of the rooms the bodies were thrown in an irregular heap. In one of the rooms the bodies were thrown in an irregular heap. In the other room they were neatly stacked like cordwood. The irregular pile of bodies was perhaps 10 feet high, covering most of the floor space. All of them were naked.

    It was quite evident that the daily death rate at Dachau, by execution and otherwise, far exceeded the daily capacity of the crematory to dispose of the bodies. The stench indicated that some of them had been there for several days.
  2. Die Zeit, Hamburg, 19. August 1960, Seite 16, Martin Broszat, Keine Vergasung in Dachau
  3. Nürnberger Tribunal, Einhundertachtundneunzigster Tag Donnerstag, 8. August 1946, Vormittags
  4. Howard A. Buechner: Dachau. The Hour of the Avenger. An Eyewitness Account, Metairie, Louisiana, Thunderbird Press, 1986
  5. Die Anwesenheit von Angehörigen der Waffen-SS in Dachau wird von ehemaligen Angehörigen dieser Kampfgruppe energisch bestritten. In einem Zeugenbericht eines ehemaligen Angehörigen der 42. US-Inf. Division, der das Lager Dachau am 30. April 1945 besuchte und bei der Gelegenheit mit zwei überlebenden deutschen Soldaten sprach, heißt es, daß diese Soldaten wohl SS-Uniformen trugen, sich aber durch ihre Soldbücher als Angehörige der Wehrmacht ausweisen konnten. In Gesprächen mit diesen und anderen deutschen Soldaten hatte der Amerikaner erfahren, daß in jenen Apriltagen die Feldpolizei versprengte Wehrmachtsangehörige der verschiedensten Waffengattungen aufgegriffen, zu neuen provisorischen Einheiten zusammengestellt und je nach Notlage zum Einsatz gebracht hatte. Danach wäre es theoretisch möglich, daß auch die 200 Soldaten, die am 28. April nach Dachau kamen und dort Wachdienst versahen, einer solchen neu zusammengestellten Einheit angehörten. – Nach so langer Zeit wird sich wohl kaum noch endgültig klären lassen, wer die Ermordeten von Dachau tatsächlich waren.
  6. Vgl dazu den Bericht von Marguerite Higgins in der „New York Herald Tribune“ vom 1. Mai 1945. Deutsche Übersetzung in: Weiß: Dachau und die internationale Öffentlichkeit, S. 27
  7. Zitiert nach: Weiß: Dachau und die internationale Öffentlichkeit, S. 28
  8. Der Beschreibung nach handelt es sich um denselben Hof, den Buechner beschrieben und skizziert hat.
  9. Nach der von Buechner skizzierten Aufstellung stand tatsächlich ganz rechts auf dem Hof, nahe dem Eingang zum Lazarett, eine Gruppe von etwa 40 Mann. Zu der scheint Linberger gehört zu haben.
  10. Diese Bemerkung bezieht sich offensichtlich auf die von Buechner erwähnten Häftlinge, die die Reihen abgingen und die nur verwundeten Soldaten mit Pistolenschüssen töteten.
  11. K.A. Gross: Fünf Minuten vor Zwölf, München 1946
  12. Edgar Kupfer-Koberwitz: Die Mächtigen und die Hilflosen, 1957
  13. Deutsche National-Zeitung Nr. 4, 18. Januar 1985: „Was geschah im KZ Dachau? Wie viele kamen wirklich ums Leben?“ von Dr. 0. Müller. Bezugnahme auf Augenzeugenbericht von P. Thaddeus Pelczar SJ. Dieser Bericht erschien zuerst in dem US-Magazin: „National Catholic Register“, 8. April 1979.
  14. „After the Battle“, Nr. 27, 1980, S. 30–33
  15. Benedikt Kautsky: Teufel und Verdammte. Erfahrungen und Erkenntnisse aus sieben Jahren in deutschen Konzentrationslagern. Büchergilde Gutenberg, Zürich 1946
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