Darmstadt
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| Basisdaten | ||
|---|---|---|
| Wappen | ||
| Staat: | BRD | |
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Darmstadt | |
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | |
| Einwohner: | 142.191 Ew. (2008) | |
| Fläche: | 122,24 km² | |
| Kfz-Kennzeichen: | DA | |
Darmstadt ist eine kreisfreie Stadt im Süden von Hessen, Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Die Stadt gehört zum Rhein-Main-Gebiet und bildet eines der neun Oberzentren des Landes Hessen. Darmstadt ist nach Frankfurt am Main, Wiesbaden und Kassel die viertgrößte Stadt des Landes Hessen. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Frankfurt am Main, etwa 30 km nördlich, Wiesbaden und Mainz, etwa 40 km nordwestlich, sowie Mannheim, etwa 45 km südlich.
Ihre Bedeutung als Wissenschaftsstadt – dieser Titel wurde ihr 1997 vom Hessischen Innenministerium verliehen – verdankt sie der 1877 gegründeten Technischen Universität und den drei Fachhochschulen mit insgesamt mehr als 30.000 Studenten sowie vielen Forschungseinrichtungen und Instituten. Darmstadts Ruf als Zentrum des Jugendstils geht auf die 1899 von Großherzog [[Ernst Ludwig (Hessen-Damrstadt]Ernst Ludwig]] eingerichtete Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe zurück.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Bevölkerung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1885 | 43.146 |
| 1939 | 115.196 |
| 1945 | 69.539 |
[bearbeiten] Geschichte
Darmstadt war früher die Hauptstadt des Großherzogtums Hessen und Redisenz des Großherzogs, in der Provinz Starkenburg.
Darmstadt wird zuerst in Urkunden des 11. Jahrhundert erwähnt; der Ursprung des Namens ist unsicher. Schwerlich hat das kleine Bächlein, heutzutage Darm genannt, von dem es durchfloßen wird, Veranlassung zu dem Namen gegeben; wahrscheinlich bedeutet der Name Stadt des Darmund, der auch bei der ersten Nennung Darmundstadt lautet.
Darmstadt war aber zu Anfang des 14. Jahrhundert noch ein Dorf im Besitze der Grafen von Katzenallnbogen, die 1330 für dasselbe Stadt- und Festungsrecht vom Kaiser erlangten. Nach dem Erlöschen der männlichen Linie der Katzenellnbogener (1479) kam Darmstadt durch die an den Landgrafen Heinrich III. vermählte Katzenellnbogener Erbtochter an Hessen.
Im Schmalkaldischen Krieg wurde Darmstadt durch das kaiserliche Heer eingenommen und das alte Schloß in die Luft gesprengt. Nach Philipps des Großmütigen Tode (1567) fiel Darmstadt bei der Teilung des Landes an dessen jüngsten Sohn Georg, der es zu seiner Residenz wählte und Stifter der Darmstädtischen Linie wurde. Mehr noch als Georg taten für die Erweiterung der Stadt die Landgrafen Ludwig V., Ludwig VI. sowie Ernst Ludwig; doch eine größere Bedeutung gewann die Stadt durch den ersten Großherzog Ludwig I. und durch Ludwig III., unter deren Regierung eigentlich das neue Darmstadt entstand.
[bearbeiten] Luftangriff auf Darmstadt
Beim Luftangriff auf Darmstadt wurde die Stadt Darmstadt in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 in der sogenannten „Brandnacht“ durch gezieltes Bombardement der britischen Royal Air Force im Rahmen der Moral-bombing-Strategie mit anschließendem Feuersturm weitgehend zerstört.
Durchgeführt wurde der Angriff durch die Bombergroup Nr. 5 auf Befehl von Luftmarschall Arthur Harris. Die britische Bombergroup Nr. 5 war eine auf das systematische Abbrennen ziviler Flächenziele spezialisierte Einheit des britischen Bomber Command, die unter anderem für die Flächenbombardements auf Dresden, Kassel, Braunschweig, Pforzheim, Hamburg und Stuttgart verantwortlich war. Die Einheit wandte eine Kombination von Spreng- und Brandbomben an. Diese Kombination führte im militärischen Optimalfall zu einem Feuersturm. Das Feuer vervielfachte dabei die Schäden der als Verursacher eingesetzten Spreng- und Brandbomben.
[bearbeiten] Die Vorbereitung
Die genaue Auswahl der zu bombardierenden Stadtteile wurde anhand von Luftbildern, Bevölkerungsdichtekarten und Brandversicherungskatasterkarten getroffen. Die Katasterkarten waren durch deutsche Feuerversicherungen bei britischen Rückversicherungsgesellschaften vor dem Kriege hinterlegt worden. Die Darmstädter Altstadt wurde als Kerngebiet des Angriffs ausgewählt, da hier der Holzanteil an der Gesamtbaumasse am Höchsten war. Damit stellte sie zum Entzünden eines Feuersturms in Darmstadt das optimale Kernzielgebiet dar.
Vor dem Bombardement wurde das fächerförmige Zielgebiet von Mosquito Schnellbombern durch rote und grüne Markierungskörper (sogenannte Christbäume) abgegrenzt. Dies wurde überwacht durch einen in großer Höhe fliegenden Masterbomber, der über Funk mit den Markierungsfliegern verbunden war. Der Angriff begann um 22:35 Uhr mit dem Setzen eines weißen Markierungskörpers auf dem „Exerzierplatz“ (ein zu dieser Zeit unbebautes markantes Gelände im Westen der Stadt zwischen Rheinstraße und Holzhofallee südöstlich des Hauptbahnhofs, wo sich heute etwa die Hochschule Darmstadt befindet). Von diesem wurden eine grüne Markierungskette bis zum alten Darmstädter Schlachthof und eine rote Markierungskette – im 45-Grad-Winkel vom Zielpunkt zur ersten – zum Böllenfalltorstadion geworfen. Zunächst wurden einige grüne Markierungen durch den Wind in Richtung Darmstädter Hauptbahnhof abgetrieben, der nicht im geplanten Zielgebiet lag. Der Masterbomber ließ diese durch gelbe Markierungen annullieren und einen Teil der grünen Markierungskette neu werfen. Dann überprüfte der Masterbomber auf einer tieferen Flugbahn nochmals das Darmstädter Zielgebiet, legte die exakten Anflughöhen fest und gab den Angriff frei.
[bearbeiten] Das Bombardement
Das Zielgebiet des Angriff auf Darmstadt stellten im wesentlichen das dichtbesiedelte Stadtzentrum insbesondere die mittelalterliche Altstadt dar. Das Bombardement begann um 23:55 Uhr. Es dauerte weniger als eine halbe Stunde. 234 Bomber setzte die Royal Air Force dabei ein.
In Darmstadt erprobte die britische RAF erstmals die Taktik des Fächerangriffs. Zuerst wurden tausende Sprengbomben in der Form eines Viertelkreises sowie mehrere hundert Luftminen abgeworfen. Durch die Druckwellen der Explosionen wurden die Dächer aufgerissen. Danach wurden mehr als 250.000 Elektron-Thermitstäbe über dem Stadtgebiet abgeworfen, die nun in die aufgerissen Dachstühle der Häuser fielen und diese innerhalb kürzester Zeit in Vollbrand versetzten.
Als Anflugszielpunkt diente der Excerzierplatz (heute Berliner Allee). Zunächst warfen drei Staffeln ihre Bomben entlang der grünen Markierung (Zielpunkt Schlachthof), dann drei weitere Staffeln entlang der roten Markierungen (Zielpunkt Böllenfalltor). Nachdem dies abgeschlossen war, warf eine Welle – bestehend aus vier Staffeln – Bomben auf das Gebiet innerhalb der beiden Markierungsschenkel. Binnen einer Stunde breiteten sich tausende kleinere Gebäudebrände zu einem Feuersturm aus.
[bearbeiten] Brandbekämpfung
Zunächst löschte die Darmstädter Feuerwehr ihre eigene, in der Innenstadt gelegene, Feuerwache, um weiter die Ausrüstung zur Bekämpfung der Brände zur Verfügung zu haben. Im gesamten Rhein-Main-Gebiet wurde für alle Feuerwehren Großalarm gegeben und alle verfügbaren Feuerwehrkräfte wurden in Darmstadt zusammengezogen. Bis sechs Uhr morgens waren bereits über 3000 Feuerwehrleute mit 220 Motorspritzen vor Darmstadt eingetroffen. Diese konnten den Feuersturm jedoch nicht unter Kontrolle bringen und auch nicht zu den Tausenden in Kellern der Altstadt Verschütteten vordringen. Die enorme Hitzentwicklung von weit über 1000 Grad und stark beschädigte Straßen behinderten die Lösch- und Rettungsarbeiten entscheidend. Der Feuersturm konnte nur an seinen Rändern eingedämmt werden.
[bearbeiten] Schäden
Es wurden 99 Prozent der Alt- und Innenstadt, des eigentlichen Stadtkerns, zerstört, insgesamt 78 Prozent der Bausubstanz Darmstadts. Der Sachschaden des Angriffs wurde damals auf 1,5 Milliarden Reichsmark geschätzt. Potenzielle Ziele von militärischer oder rüstungswirtschaftlicher Bedeutung – wie das Industriegebiet im Westen der Stadt, Bahnanlagen und Militäranlagen zum Beispiel am Kavalleriesand oder im Süden von Bessungen – wurden bei dem Angriff so gut wie nicht beschädigt, da sie nicht im eigentlichen Zielgebiet lagen.
[bearbeiten] Die Opfer
Die Mehrheit der in den Kellern Zuflucht suchenden Menschen – soweit sie nicht während des Angriffs durch Trümmer erschlagen wurden – erstickten oder verbrannten in den Kellern. Eine Flucht aus den Kellern über die Straßen war nur selten möglich, da die Hitzeentwicklung zu groß war und sich teilweise auch der Teer des Straßenbelages entzündet hatte. Dem Angriff auf die dichtbesiedelte Innenstadt fielen 11.500 Menschen zum Opfer. Rund 66.000 von damals rund 110.000 Einwohnern wurden obdachlos. Rund 20 Prozent der Opfer waren Kinder unter 16 Jahren. Auf 100 tote Männer kamen 181 tote Frauen. Durch alle alliierten Luftangriffe (es folgten noch einige kleinere) wurden insgesamt nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 12.500 und 13.500 Menschen bis zum Kriegsende 1945 in Darmstadt getötet. Die meisten Opfer wurden in einem Massengrab auf dem Darmstädter Waldfriedhof beigesetzt. Jährlich findet am Jahrestag des Angriffs eine Gedenkveranstaltung organisiert durch die Stadt Darmstadt am Denkmal in der Innenstadt statt.
[bearbeiten] Liste der Persönlichkeiten der Stadt Darmstadt (Auswahl)
- Werner Best (1903-1989), Jurist, Polizeichef und Nationalsozialist
- Albert Filbert (1905-1990), SS-Obersturmbannführer
- Karl Wilhelm Ludwig von Hessen (1809-1877), Prinz von Hessen-Darmstadt und Bruder des Regenten Ludwig III. (Hessen-Darmstadt)
- Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt (1652-1712), Herzogin von Württemberg, Gattin von Herzog Wilhelm Ludwig von Württemberg
- Carl Krauch (1887-1968), Chemiker, Großindustrieller, Funktionär des NS-Regimes
- Ludwig II. (1777-1848), Großherzog von Hessen 1830–48
- Ludwig III. (1806-1877), Großherzog von Hessen 1848–77
- Ludwig IV. (1837-1892), Großherzog von Hessen 1877–92
- Ernst Ludwig (1868-1937), von 1892–1918 Großherzog von Hessen und bei Rhein
- Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz (1868-1934), deutscher Offizier und Forschungsreisender in Kamerun
- Karl Wolff (1900-1984), SS-Obergruppenführer
[bearbeiten] Literatur
- Klaus Schmidt: Die Brandnacht. Dokumente von der Zerstörung Darmstadts am 11. September 1944 ISBN 3-92982-912-6
