Der Baader Meinhof Komplex (Film)
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|---|---|
| Filmdaten | |
| Deutscher Titel: | Der Baader Meinhof Komplex |
| Produktionsland: | BRD |
| Erscheinungsjahr: | 2007/2008 |
| Stab | |
| Regie: | Uli Edel |
| Drehbuch: | Bernd Eichinger |
| Produktion: | Constantin Film Produktion GmbH |
| Musik: | |
| Kamera: | Rainer Klausmann |
| Schnitt: | Alexander Berner |
| Besetzung | |
| Rollen | Darsteller |
| Ulrike Meinhoff | Martina Gedeck |
| Andreas Baader | Moritz Bleibtreu |
| Gudrun Ensslin | Johanna Wokalek |
| Horst Herold | Bruno Ganz |
| Peter Homann | Jan Josef Liefers |
| Petra Schelm | Alexandra Maria Lara |
Der Baader Meinhof Komplex ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2008. Regie führte Uli Edel, produziert wurde der Film von Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch schrieb. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Sachbuchbestseller von Stefan Aust und kam am 25. September 2008 in die deutschen Kinos. Kritiker sehen in dem Film eine Ästhetisierung von Gewalt und Verherrlichung des Terrorismus.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Finanzierung
Der Film wurde in einer Gemeinschaftsproduktion von Constantin Film mit NDR, BR, WDR und Degeto finanziert; die Hälfte des 20-Millionen-Euro-Etats stellten die TV-Anstalten bereit. Gefördert wurde die Verfilmung mit rund 6,5 Millionen Euro aus verschiedenen Filmförderungsprogrammen.
Bettina Röhl schreibt dazu: "Die Bundesrepublik bezahlt eine filmindustrielle Beschädigung ihrer selbst, die de facto zu nichts anderem nützlich ist, als den alten Generalverdacht unter den die RAF die Bundesrepublik Deutschland äußerst erfolgreich gestellt hat, wieder auf Betriebstemperatur anzuheizen."[1]
[bearbeiten] Handlung und Buchvorlage
Es wird nicht die Realität der RAF verfilmt, sondern das, was Stefan Aust in seiner Buchvorlage als seine Realität der RAF seit zwanzig Jahren in den Markt presst. Das Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ ist nicht, wie permanent behauptet, das Standardwerk zur RAF - ein solches gibt es noch nicht - sondern der Baader-Meinhof-Komplex von Stefan Aust ist das Standardwerk zum Mythos RAF.
Rainer Christ, der das Ermittlungsverfahren nach den Selbstmorden von inhaftierten Mitgliedern der Roten-Armee-Fraktion führte, sagt: "Wenn man unbedingt ein bestimmtes Ergebnis will, muss man sich eben die Indizien zurechtbiegen. Das ist der Stil von Aust."
Der Film zeigt die schön gefärbte Geschichte der Rote Armee Fraktion von den Wurzeln in der Studentenbewegung und dem Tod Benno Ohnesorgs im Sommer 1967 bis zum Tod von Ensslin, Baader und Raspe in Stammheim und der Ermordung Schleyers im Herbst 1977.
[bearbeiten] Kritik
Michael Buback kritisierte den RAF-Film: Die Terroristen werden ausgiebig dargestellt - ihre Gegner bleiben dagegen vage und unpersönlich. Das ist Michael Bubacks Eindruck von Bernd Eichingers Film "Baader Meinhof Komplex". Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback bezeichnete den Streifen als "Täterfilm". Die Geschichte seines Vaters werde nicht erzählt, sagte Buback dem Magazin "Focus". So erwecke der Film den irreführenden Anschein, sein Vater habe die Terroristen vernichten wollen.[2]
Auch Schauspielerin Martina Gedeck (in der Rolle der Ulrike Meinhof) findet den Film abstoßend. Der RAF werde mit dem Film ein Denkmal gesetzt, weil er die Gefühle der Terroristen zeige, nicht aber jene der Opfer.[3]
Bettina Röhl schreibt zum RAF-Film:
- "Bernd Eichinger behauptet, dass sein Film den Mythos des RAF zerstören würde. Zutreffend ist das Gegenteil. Der Baader-Meinhof-Film ist der GAU: mehr Heldenverehrung geht nicht!"[4]
- "Das linke Juste Milieu verherrlicht die RAF bis auf den heutigen Tag, manchmal offen, manchmal subkutan, aber immer spürbar!"[5] "Aust gab jetzt zu Protokoll, dass er mit dem Begriff “Mythos” in Bezug auf die RAF nichts anfangen kann. Das ist ganz offenkundig 100-prozentig richtig. Wie soll einer, der im Mythos abgesoffen ist, diesen Mythos reflektieren können?"
- "Aust ist in Wahrheit der Generalsekretär der RAF, in der er Feinde hat, aber auch von ihm ausgehaltene Lieblinge, die er seine Zeugen nennt. Aust ist in vielerlei Hinsicht einer der vielen legalen Arme der RAF und nun brauchte die RAF - doch etwas gebeutelt durch die RAF-Diskussionen der letzten Jahre und auch gebeutelt durch die Tatsache, dass die Hauptfiguren nicht mehr jung und frisch sind - die Energiespritze eines Top-Werbespielfilmes."
- "Die RAF und die Massenbewegung der 68er haben es vor vierzig Jahren fertig gebracht ihren Zerstörungskampf gegen die Bundesrepublik Deutschland als „Widerstandskampf“ in die Gesellschaft zu tragen, was eine lächerliche und makabere Verdrehung der Realität in deren Gegenteil ist. [...] Das überwältigende Massenspektakel, das sich jetzt anbahnt, bringt die Bundesrepublik in Sachen RAF um vierzig Jahre auf LOS zurück. Und verkauft sich auch noch als „Aufklärungsfilm“. Das ist derselbe Wahnsinn, mit der die RAF sich „Widerstandskampf“ nannte. Das ist der letzte Kampf der 68er, die sich freuen ihren Enkeln und Urenkeln, den sie bisher einen vom Pferd erzählt haben, jetzt auch noch den Propagandafilm dieser Generation vorführen zu können."[6]
Baron von Mirbach, dessen Vater von der RAF-Mörderbande in der Stockholmer Botschaft kaltblütig erschossen worden ist, als auch auch der frühere Justizminister Hans-Jochen Vogel kritisierten, daß im Film der Staat und seine damaligen Repräsentanten inhuman und karikaturenhaft erscheinen und die Mörder als Menschen.
Auch der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, hat den Film kritisiert. Uhrlau sagte, der Film vermittele ein falsches Bild der Terrororganisation RAF. "Der jüngeren Generation wird das Phänomen RAF nicht so vermittelt, wie ich es erlebt habe", sagte Uhrlau im Rahmen der Leserakademie der Berliner Morgenpost. "Die Terroristen der Rote Armee Fraktion sind weicher gezeichnet, als ich sie in Erinnerung habe. Das ist nicht die Wirklichkeit von damals." Der BND-Chef sagte weiter, der Film von Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel habe viele Erinnerungen an die damalige Zeit in ihm wachgerufen. Zwar sei es nachvollziehbar, dass die historischen Vorgänge stark verkürzt wiedergegeben werden müssten. Dabei würden aber zu viele Zusammenhänge nicht klar. Auch störe es ihn, dass die Terroristen in einigen Szenen „klamaukig“ dargestellt würden, unter anderem in jenem Abschnitt, der das Waffentraining der deutschen Terroristen in einem palästinensischen Ausbildungslager zeigt. An solchen Stellen, so Uhrlau, könne man fragen: "Warum werden sie so präsentiert?" Dem Film gelinge es jedenfalls nicht, den Mythos der RAF zu entlarven. "Das ist nicht das Herunterreißen der Maske der RAF. Das ist nur Kino."[7]
Die Witwe des 1977 von der linksterroristischen RAF ermordeten Bankiers Jürgen Ponto hat die Auszeichnung an Bundespräsident Köhler zurückgeschickt und dies mit dem Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" begründet. Die Ponto-Tochter Corinna sagte, ihre Mutter habe die filmische Hinrichtung Jürgen Pontos in Trailern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unvorbereitet mit ansehen müssen. Hier würden ihre Menschenwürde im Kern getroffen und das Andenken an einen Toten in geschmacklosester Weise verletzt. Corinna Ponto fügte hinzu, es sei für die Familie bislang immer ein gewisser Trost gewesen, dass keine Bilder von der Hinrichtung existierten.[8][9]
[bearbeiten] Vorführung
[bearbeiten] 30 Chaoten terrorisieren Kinobesucher in Prenzlauer Berg
Menschen pöbeln, schubsen und stoßen sich herum – doch diese Bilder zeigen kein wildes Punkkonzert, sondern eine Vorstellung des Films „Baader-Meinhof-Komplex“ im Kino Colosseum in Prenzlauer Berg.
Dienstag, Kinotag, um 20.15 Uhr waren fast alle der 436 Plätze im Saal 10 belegt. Schon während der Werbung erste Pöbeleien und Gegröle. „Das waren 20 bis 30 Chaoten, die auf Stress aus waren“, schildert ein Kinogast die bedrohliche Situation. Die Männer sollen sich Baader-Bärte angeklebt haben. Einige trugen T-Hemden mit dem Symbol der terroristischen RAF-Organisation.
Als dann der Film losging, spielten sich unfassbare Szenen ab. Jubel, Klatschen, Gejohle, wann immer die Terroristen im Film jemanden erschossen, eine Bombe explodierte oder deren Anführer sprach. „Nie, nie, nie wieder Deutschland“, schrien die Linksextremisten. Kinogäste, die sich beschwerten, wurden bedroht, viele verließen den Saal, ließen sich ihr Geld zurückgeben. Schließlich eskalierte die Situation. Es kam zum Handgemenge.
Doch erst als der Film vorbei war, wurde die Polizei gerufen. Die Chaoten kamen unbehelligt davon.[10]
[bearbeiten] Einzelnachweise
- ^ http://debatte.welt.de/weblogs/238/sex+macht+und+politik+mainstream+report+von+bettina+roehl/90166/warum+der+neue+raffilm+der+gau+ist
- ^ http://www.dradio.de/kulturnachrichten/20080920140000/4/
- ^ http://www.dradio.de/kulturnachrichten/20080919180000/5/
- ^ http://debatte.welt.de/weblogs/238/sex+macht+und+politik+mainstream+report+von+bettina+roehl/90166/warum+der+neue+raffilm+der+gau+ist
- ^ http://fact-fiction.net/?p=1136
- ^ http://debatte.welt.de/weblogs/238/sex+macht+und+politik+mainstream+report+von+bettina+roehl/90166/warum+der+neue+raffilm+der+gau+ist
- ^ http://www.morgenpost.de/berlin/article893731/BND_Chef_Ernst_Uhrlau_kritisiert_RAF_Film.html
- ^ Deutschlandradio Kultur - Ponto-Witwe gibt wegen RAF-Film Bundesverdienstkreuz zurück, 07. Oktober 2008
- ^ 3sat / Kulturzeit - Ponto-Witwe gibt Bundesverdienstkreuz zurück, 07. Oktober 2008
- ^ Die Baader-Meinhof-Keilerei
