Deutsch-Französischer Krieg

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Deutsch-Französischer Krieg
Datum 19. Juli 187010. Mai 1871
Ort Frankreich und Rheinpreußen
Ausgang Sieg des Norddeutschen Bundes und seiner Verbündeten
Territoriale Änderungen Zurückgewinnung eines Großteils des Elsaß und einen Teil von Lothringen
Folgen Der Norddeutsche Bund und drei süddeutsche Staaten schließen sich zum Deutschen Reich zusammen;
Ende des Zweiten Kaiserreiches in Frankreich,
Gründung der Dritten Republik
Friedensschluß Friede von Frankfurt
Konfliktparteien
Flagge Deutsches Reich.png Norddeutscher Bund

Flagge Bayerns.png Königreich Bayern
Flagge Königreich Württemberg.png Königreich Württemberg
Flagge Großherzogtum Baden (1891-1918).png Großherzogtum Baden

FrankreichFrankreich Frankreich
Befehlshaber
Flagge Deutsches Reich.png Wilhelm I. FrankreichFrankreich Napoleon III.
Truppenstärke
300.000 Mann bei Kriegsbeginn (insgesamt mobilisiert: 1.200.000 bis 1.400.000 Mann) 400.000 Mann bei Kriegsbeginn (insgesamt mobilisiert: 1.400.000 Mann bis 1.600.000)
Verluste
43.174 bis 44.781 Gefallene
89.732 Verwundete[1]
138.871 Gefallene[2]
143.000 Verwundete
474.414 Gefangene[3]

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870–1871 (umgangssprachlich auch Siebziger Krieg oder kurz 70/71) wurde zwischen dem am 19. Juli 1870 kriegserklärenden Kaiserreich Frankreich auf der einen und den deutschen Staaten unter der Führung Preußens auf der anderen Seite geführt. Der Krieg wird in Frankreich und im englischen Sprachraum auch – nach der Gewohnheit, den Angreifer zuerst, den Angegriffenen als zweiten zu nennen – Französisch-Deutscher Krieg (Guerre Franco-Allemande bzw. Franco-Prussian War) genannt, da Frankreich Deutschland überfallen hatte. Auslöser war ein Streit um die spanische Thronfolge, Antrieb war aber auch eine feindliche Haltung der Franzosen gegenüber dem preußisch geprägten Deutschland nach Napoleons Niederlage beim Siebten Koalitionskrieg.

Der Krieg ist der dritte und letzte der Deutschen Einigungskriege. In seiner Folge kam es zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches, dem „Zweiten Deutschen Reich“, und zum Ende des Zweiten Kaiserreichs Napoleons III.

Inhaltsverzeichnis

Kurze Zusammenfassung

Deutscher Generalstab im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71; „Kriegsrat in Versailles“, Gemälde von Anton Alexander von Werner (links sitzend: Wilhelm I., König von Preußen und später erster Kaiser des Deutschen Reiches; rechts vorne sitzend: Otto von Bismarck, Begründer des Deutschen Reiches und später erster Reichskanzler; Mitte unter dem Spiegel sitzend Chef des Großen Generalstabes Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke); im Hintergrund von links nach rechts die Flagge Preußens neben der Flagge des damals noch Norddeutschen Bundes.

Nach dem Ende der Franzosenzeit

Das im Sommer 1815 besiegte Frankreich blieb trotz des Endes der Napoleonischen Tyrannei und des Zerfalls der Franzosenzeit machtpolitisch aggressiv. Es widersetzte sich ständig dem Deutschen Bund, der stärksten Macht in Europa, und wartete auf jede Gelegenheit, die ersichtlichen Schwächen durch den Konkurrenzkampf infolge des Deutschen Dualismus zum eigenen Vorteil auszuschlachten. Als der Deutsche Krieg 1866 zu einer Schwächung der deutschen und vor allem preußischen Position führte, sah die einstige selbsternannte Grand Nation neue Möglichkeiten zur Selbstgeltung.

Hohenzollern in Spanien

Als Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1835–1905) von den Spaniern gebeten wurde, König des Landes zu werden, drohte der von Interventionspolitik besessene Napoleon III. mit Konsequenzen, da er seinen eigenen Kandidaten auf diesem Posten sehen wollte. Leopolds Kandidatur war nicht von Preußen angestoßen worden, sondern von dem abgedankten portugiesischen König Ferdinand, dem die spanische Krone zunächst angetragen worden war und der das Angebot unter Hinweis auf seinen Schwiegersohn Leopold abgelehnt hatte. Die französische Besorgnis einer „Umklammerung“ durch den einen Hohenzollern in Preußen und den anderen in Spanien, die stets öffentlichkeitswirksam betont wurde, war unsinnig und diente nur der Hetze gegen Preußen und dem Vorbereiten eines kriegerischen Konfliktes gegen den deutschen „Erbfeind“, der schon 1814 und erneut 1815 in Paris einmarschieren mußte, um die Schlachtengier der Franzosen zu zügeln.

Französische Provokation

Am 6. Juli 1870 verlas der germanophobe Außenminister Gramont eine von Napoleon gutgeheißene und von der Regierung einstimmig gebilligte „scharfe Erklärung“ (de facto ein herabwürdigendes Ultimatum) vor der Chambre législative, wonach Frankreich eine solche Entwicklung nicht hinnehme und, sollte es doch dazu kommen, ohne Zögern seine Pflicht tun werde; eine kaum verschleierte Kriegsdrohung:

„Frankreich würde nicht dulden, daß der Prinz von Hohenzollern oder sonst irgendein preußischer Prinz den spanischen Thron besteigt. Um diesen möglichen Fall zu verhindern, zählt die Regierung zugleich auf die Klugheit des deutschen Volkes und auf die Freundschaft des spanischen Volkes. Sollte es jedoch anders kommen, so wüßten wir kraft Ihrer (der Abgeordneten) Unterstützung und derjenigen der Nation ohne Zögern und ohne Schwäche unsere Pflicht zu tun.“

Es entstand so viel Druck, daß Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, Leopolds Vater, am 12. Juli im Namen seines Sohnes den Verzicht auf die spanische Königswürde erklärte, um einen Krieg zu vermeiden. Diese Demütigung aber reichte den Franzosen nicht, die den Schritt zurecht als politische Schwäche werteten. Das Kabinett Ollivier verlangte deshalb Wilhelm I. als Oberhaupt des Hauses Hohenzollern und König von Preußen ein eindeutiges Bekenntnis ab. Wilhelm I. hielt sich zur Kur in Bad Ems auf, und der französische Botschafter in Preußen, Vincent Benedetti, war ihm dahin nachgereist. Außenminister Gramont, der mit dem Botschafter in ständigem telegraphischen Kontakt stand, beauftragte ihn deshalb, von König Wilhelm I. zu verlangen, daß er die Rücknahme der Kandidatur ausdrücklich billige und daß er auch einschreiten würde, falls die Hohenzollern doch wieder auf die Kandidatur zurückkämen. Die nun von Benedetti vorgebrachte neue Forderung lehnte Wilhelm kategorisch ab. Der König von Preußen ließ dem aufdringlichen und impertinenten Benedetti durch seinen Generaladjutanten Fürst Radziwill mitteilen, daß die Nachricht offiziell bestätigt worden sei. Eine Bitte Benedettis um eine erneute Audienz ließ er zurückweisen mit der Begründung, daß er, soweit es das Garantieversprechen betreffe, sein letztes Wort gesprochen habe.

Französische Kriegserklärung

Darauf hatten die kriegerischen Franzosen nur gewartet: Am 16. Juli bewilligte die französische Legislative mit nur sechs Gegenstimmen Finanzmittel für einen Krieg. Am 19. Juli 1870 teilte der französische Außenminister dem preußischen Botschafter in Paris mit, daß Frankreich Preußen den Krieg erklärt. Der Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde von Frankreich ausgelöst. Preußen und der Norddeutsche Bund waren bereit, sich zu verteidigen. Und die eigentlich frankophilen Länder Süddeutschlands, vor allem Württemberg und Bayern, die im ständigen Wettstreit mit Preußen lagen, begriffen die Kriegserklärung aus dem Westen als das, was es war: ein Angriff auf ganz Deutschland und das Deutschtum schlechthin. In Scharen meldeten sich Deutsche trotz der Kleinstaaterei zu den Waffen gegen den französischen Aggressor, und Otto von Bismarck hielt seine berühmte Rede.

Deutscher Sieg

Frankreich wurde, obwohl zahlenmäßig überlegen, von den deutschen Truppen vernichtend auf eigenem Boden geschlagen. Das Heer unter dem Feldherrn Helmuth von Moltke glänzte mit Beweglichkeit und Kampfesmut. Schlacht für Schlacht entschieden die Deutschen für sich. Die Schlacht von Sedan am 1. September 1870 war entscheidend.

Napoleon III. wurde nach Deutschland in Gefangenschaft gebracht. Frankreich trat das Elsaß und einen Teil von Lothringen ab, und der Norddeutsche Bund und die weiteren deutschen Staaten (jedoch ohne die Donaumonarchie) schlossen sich zum Deutschen Reich zusammen. Otto von Bismarck ließ Wilhelm im Schloß Versailles zum Kaiser ausrufen und vereinte sich mit der französischen Regierung gegen die Revolution. Sie schlugen die kommunistische Arbeiterbewegung „Pariser Kommune“ nieder.

Geschichte

Erstürmung des Roten Berges von Spichern durch Generalmajor von François, 6. August 1870

Vorgeschichte

Nach dem deutschen Sieg in den Weinbergen bei Wörth an der Sauer im Unterelsaß wurden die überlebenden Schwarzen aus Nordafrika von der französischen Heeresleitung im Stich gelassen und den Deutschen überlassen, die sich nun um sie kümmerten; nicht wenige wurden dann als bezahlte Hilfskräfte eingestellt. Ein deutscher Landser schrieb am 7. August 1870 aus Frankreich seinen Lieben im Deutschen Reich: „Wir haben stets Turcos vor der Thür. Sie bummeln den ganzen Tag über mit Kindern an der Hand, die sie sehr zu lieben scheinen, in den Straßen herum, und haben ein sehr gutmüthiges oder, wenn man lieber will, stupides Aussehen. Sie ertragen wie alle Neger (es sind deren viele darunter), unser Klima schlecht, und die Spitäler sind von ihnen angefüllt.“

Der französische Kaiser Napoleon III. hatte bereits im Vorfeld des Deutschen Krieges (1866) versucht, Vorteile aus der Rivalität zwischen dem Kaisertum Österreich und den anderen süddeutschen Ländern gegenüber dem Königreich Preußen zu schlagen, indem er mit beiden Seiten über ein mögliches Eingreifen oder eine französische Neutralität verhandelte. In diesen Krieg konnte Frankreich aufgrund des schnellen Sieges von Preußen aber dann gar nicht eingreifen. Kaiser Napoleon sah dies indirekt als französische Niederlage an. Der Ruf nach Rache für Sadowa (Schlacht von Königgrätz) kam in Frankreich auf. (Für die französische Aussprache war Königgrätz zu schwer, statt dessen ordneten französische Militärhistoriker die österreichische Niederlage 1866 dem nahe Königgrätz gelegenen Ort Sadowa zu.)

Statt mit geschwächter Machtstruktur im deutschen Staaten-Konglomerat war Preußen 1866 gestärkt aus dem Konflikt mit Österreich hervorgegangen: Als Folge des sog. Deutschen Krieges wurde unmittelbar nach 1866 der Norddeutsche Bund gegründet, was in Frankreich als weitere Provokation angesehen wurde. Bismarck hatte Napoleon III. zwar zugesagt, das norddeutsche Bündnis nicht über den Main hinaus zu erweitern, es wurden jedoch ergänzend zu den Friedensverträgen mit den süddeutschen Staaten (außer Österreich) geheime Schutz- und Trutzbündnisse (gegenseitige Verteidigung im Falle eines Angriffskriegs) eingegangen.

Im weiteren Verlauf der 1860er Jahre wurden die französisch-preußischen Spannungen weiter verschärft, insbesondere durch Bündnisverhandlungen Frankreichs mit Österreich und Italien. 1867 kam es zur Luxemburgkrise. Vor dem Krieg 1866 hatte Napoleon mit Preußen über Gebietserwerbungen als Kompensation für seine Neutralität verhandelt. Dabei war auch Luxemburg erwähnt worden. Bismarck hatte keine Einwände offengelegt, aber angedeutet, daß Frankreich selbst aktiv werden müsse. Luxemburg war vormals Mitglied des Deutschen Bundes und hatte aus dieser Zeit noch eine preußische Garnison.

Die Lützelburger hatten im Mittelalter mehrere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gestellt und waren durch den Großherzog von Luxemburg, der auch König der Niederlande war, mit den Niederlanden in Personalunion verbunden. 1867 wollte Frankreich Luxemburg vom finanziell angeschlagenen König erwerben. Als dies ruchbar wurde, kam es in den deutschen Fürstentümern zu heftigen Protesten, u. a. zu einer von Bismarck bestellten Anfrage im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Napoleon mußte seine Pläne fallenlassen, und Luxemburg wurde im Zweiten Londoner Vertrag von 1867 für neutral erklärt.

Für Napoleon war dies eine Niederlage, die sein ohnehin schon angekratztes politisches Ansehen weiter minderte. Innenpolitisch mußte er sich gegen republikanische Bestrebungen wehren, ruhmreiche Schlachten in der Tradition seines Vorfahren hätten in dieser Situation hilfreich sein können.

Ursache und Anlaß

1868 hatten spanische Militärs die Königin Isabella II. abgesetzt. Seitdem suchten die Spanier in den europäischen Fürstenhäusern nach einem Kandidaten, den das Parlament zum König wählen könnte. Ein vielversprechender Kandidat war Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, Sproß einer süddeutschen Nebenlinie der Hohenzollern. Er war gemäßigt katholisch, wenig ehrgeizig und zudem mit Napoleon verwandt. Der Prinz selbst hatte wenig Ambitionen auf den spanischen Thron, lehnte ihn auch im April 1870 ein erstes Mal ab, ließ sich aber 1870 von Bismarck überreden, die Kandidatur doch anzunehmen. Auch König Wilhelm I. gab, wenn auch widerstrebend, seine Zustimmung.

Sowohl Fürst von Bismarck als auch Napoleon III. spielten mit der Kandidatur, um die jeweils andere Seite zu provozieren und ihr eine diplomatische Niederlage beizubringen. Napoleon war mehr als jeder andere Monarch in Europa von der Unterstützung des Volks abhängig, und es galt gleichzeitig, gravierende innenpolitische Mängel zu überdecken. Deshalb suchte Napoleon sein Heil in der Außenpolitik, von der er sich Erfolge erhoffte, um seine Popularität weiterhin sichern zu können.

Bismarck wiederum hoffte, nationale Begeisterung zu erzeugen. Exemplarisch kommt das entstehende deutsche Nationalgefühl in einer zeitgenössischen Liedersammlung zum Ausdruck:

Nach einem Gemälde (1872) von Ferdinand Graf von Harrach: „Aus den Weinbergen von Wörth“. Ein preußischer Jäger am 6. August 1870 im Verwundetennest, im Sterben liegend, überreicht seine Feldflasche einem ebenfalls verwundeten und durstigen Feind, einem schwarzafrikanischen Kolonialkrieger der Franzosen.
„Wir wollen sammeln wieder
Das ganze deutsche Land,
Die abgerissnen Glieder
Umschling’ ein starkes Band.
Das halte sie zusammen
In Ewigkeit fortan,
Daß keiner Zwietracht Flammen
Sie jemals trennen kann.“

Beide Seiten wußten natürlich auch, daß sie mit der Kriegsgefahr spielten. Als die Kandidatur offiziell bekannt wurde, reagierte man in Frankreich überrascht und bereitwillig empört über das angebliche Ansinnen, Frankreich mit einem deutschen König in Spanien „in den Rücken zu fallen“. Der Außenminister, Herzog von Gramont, hielt eine leidenschaftliche Rede im Parlament, in der er mit Krieg drohte.

Der König von Preußen Wilhelm I. und Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zogen daraufhin die Kandidatur zurück, zur Enttäuschung vieler Deutscher. Anstatt sich mit diesem diplomatischen Sieg zu begnügen, verlangte Gramont von König Wilhelm zusätzlich eine Entschuldigung und das Versprechen, nie wieder einer Hohenzollernschen Thronkandidatur in Spanien zuzustimmen. Die unverschämten Forderungen wurden nicht nur über normale diplomatische Kanäle gestellt, sondern auch direkt vom französischen Botschafter Vincent Graf Benedetti an Wilhelm selber, auf der Kurpromenade in Bad Ems.

Der König reagierte auf die an ihn herangetragenen Forderungen höflich und reserviert, er habe noch keine neuen Nachrichten bekommen, weitere Audienzen seien unnötig; Heinrich Abeken berichtete darüber nach Berlin an Otto von Bismarck, den preußischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes. Dieser kürzte die telegraphische Nachricht seines Mitarbeiters über die Unterredung, dadurch konnten sowohl das Auftreten Benedettis als auch die Ablehnung des Königs etwas schroffer aufgefaßt werden. Die Veröffentlichung dieser Emser Depesche am 13. Juli in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung nahm die nationalistische französische Öffentlichkeit, wie angesichts der gespannten Lage zu erwarten, als Provokation und Kriegsgrund auf.

Damit hatte Bismarck die französischen Drohungen, das ungeduldige Vorgehen Benedettis und die übersteigerten Empfindsamkeiten der Franzosen geschickt ausgenutzt, indem er auch selbst anstatt direkter diplomatischer Kanäle den Gang an die Öffentlichkeit vorzog. Am 19. Juli 1870, nachdem schon zuvor die Mobilisierung angelaufen war, beugte sich Napoleon III. dem Druck der Öffentlichkeit und nationaler Kreise und erklärte Preußen den Krieg. Frankreich betätigte sich als Aggressor, denn auch in den Augen der Weltöffentlichkeit war der Anlaß nichtig, die Franzosen hatten sich durch überhöhte Forderungen selbst in Zugzwang gebracht.

Bismarck hatte diese französische Antwort auf seine Veröffentlichung der geänderten Depesche richtig einkalkuliert, denn nur bei einem Angriff von außen konnte er die bestehenden militärischen Beistandsbündnisse der einzelnen süddeutschen Staaten einfordern und damit sein politisches Ziel erreichen: ein kleindeutsches Reich unter Preußens Führung.

Frankreich mobilisierte zusätzlich zu den 400.000 Soldaten, die bei Napoleons Kriegserklärung an Preußen zur Verfügung standen, bis zu 800.000 weitere Soldaten. Gleichzeitig mit den normalen Truppenverbänden wurden auch Reservisten mobilisiert und die Regimenter der (algerischen) Turkos und Zuaven aus den Kolonien zur Verstärkung herangezogen. Die Franzosen waren wohl ganz entzückt, daß nun fremdländische Stammeskrieger ihre mäßig motivierten Reihen auffüllten:

„Man sieht überall nur Turkos und Zuaven, deren dunkle Hautfarbe einen starken Kontrast zu den blonden Elsässern bietet. Diese von der Sonne Afrikas gebräunten Truppen sind hübsch anzuschauen; sie strotzen vor Kraft und Leben, und ihre Ausgelassenheit scheinen sie in einem frechen Trotz auf dem Schlachtfeld auszuleben. Es sind die Regimenter vom [Fluß] Alma und aus [dem algerischen] Inkermann, [dem lombardischen] Magenta und Solferino, aus China und Mexiko.“[4]

Vorfeld und Bündnisse

Angriff der Württemberger in der Schlacht bei Wörth
Gefecht bei Stürzelbronn: Chevauleger Hermann Weinacht rettet einen preußischen Husaren am 1. August 1870
General der Kavallerie Friedrich Karl Nikolaus Prinz von Preußen vor Metz, 27. Oktober 1870

Durch geschickte Diplomatie seitens Bismarcks und ebenso ungeschickte seitens Napoleons war Frankreich isoliert und als Aggressor enttarnt. Das 1866 geschlagene Österreich zog es u. a. wegen mangelnder Vorbereitung, drückender Schulden und Maßnahmen von seiten des propreußischen Rußlands vor, neutral zu bleiben – es forderte keine „Rache für Sadowa“. Die Beneluxländer hielt Bismarck aus dem Krieg, indem er ein Papier hervorholte, in welchem Frankreich im Vorfeld des Krieges 1866 Pläne zur Annexion des frankophonen Teils Belgiens niedergelegt hatte. Rußland war Frankreichs Gegner im Krimkrieg gewesen, der noch nicht vergessen war, und nahm nun eine drohende Haltung gegen Österreich ein, um dieses von einer Unterstützung für Frankreich abzuhalten. Die jüngst teilweise geeinten Italiener hatten zwar erduldet, daß Savoyen von Frankreich annektiert wurde, sie beanspruchten aber den Kirchenstaat um Rom herum. Frankreich trat allerdings als Schutzmacht des Papstes auf; aber durch den Krieg 1870/71 ging diese Position verloren, so daß Preußen indirekt den Papst schwächte (siehe Kulturkampf). Großbritannien war in der Frage gespalten: Trotz des Konfliktes mit Preußen um die Welfen-Enteignung und den Welfenfonds zeigte Königin Viktoria Sympathie für die deutsche Seite, die britische Regierung indessen für den Rivalen Frankreich, den ehemaligen Verbündeten im Krimkrieg und im Mexiko-Abenteuer. So blieb Großbritannien neutral und löste die profranzösische Welfenlegion auf, aber eben diese britische Neutralität hielt nun auch Dänemark davon ab, mit Frankreich eine zweite Front zu eröffnen. Ursprüngliche französische Pläne einer Landung in Norddeutschland wurden daher aufgegeben. Die französische Flotte blockierte statt dessen die deutsche Nordseeküste.

Frankreich, damals wohl stärkste Großmacht auf dem europäischen Kontinent, mit einer sich massiv überschätzenden Berufsarmee, hielt sich in dem nun folgenden Krieg auch ohne Verbündete für überlegen. Die militärische Kraft des Norddeutschen Bundes wurde unterschätzt. Einer kompletten Fehleinschätzung erlag man auch hinsichtlich der Tatsache, daß die süddeutschen Staaten mit Preußen (und nicht gegen Preußen) auftraten. Zumindest hatte Paris wohl auf eine Neutralität Bayerns, Badens und Württembergs gehofft und von deren geheimen Militärabkommen mit Preußen zu wenig erfahren. Zudem war Bayern durch die ultimativ verkündeten französischen Gebietsforderungen auf die Pfalz (einschließlich Rheinhessen mit Mainz) verärgert. Baden wiederum mußte durch französische Pläne zur Neuordnung Süddeutschlands ebenfalls beunruhigt sein.

Französische Minimalforderung aber waren (die 1815 verlorenen) Teile des preußischen Saarlandes, deren Eroberung sollte Napoleons Sohn militärischen Ruhm einbringen und dessen zukünftige Position als Thronfolger festigen. „Ohne diesen Krieg wird ihr Sohn nie herrschen“ soll der französische Marschall Mac-Mahon den Kaiser und die Kaiserin gedrängt haben.

Auch der Zeitvorteil der französischen stehenden Berufsarmee gegenüber den Wehrpflichtigen-Armeen in Deutschland war geringer als erhofft.

Am 16. Juli trat der Bundesrat zusammen und erklärte sich mit den Ausführungen Bismarcks einverstanden. Zum 19. Juli wurde der Reichstag des Norddeutschen Bundes einberufen und von König Wilhelm, dem Bundespräsidenten, mit einer verhältnismäßig gemäßigten Thronrede eröffnet. Unmittelbar nach der Feierlichkeit empfing Bismarck die französische Kriegserklärung, was auch in seiner Rede vom selben Tage Erwähnung fand. Die Mitteilung darüber wurde in der sogleich anschließenden Reichstagssitzung mit Jubel aufgenommen. Die süddeutschen Fürsten befahlen aufgrund dieser Kriegserklärung ebenfalls die Mobilmachung ihrer Truppen.

Verlauf

Der Aufmarsch der deutschen Truppenteile erfolgte in sehr hohem Tempo und traf die französische Armee zum Teil unvorbereitet. Das Vorgehen war vom Generalstab detailliert geplant worden und erfolgte vor allem über das sehr gut ausgebaute deutsche Schienennetz. Die Truppen wurden bereits in ihren Garnisonen auf volle Stärke gebracht und dann geschlossen mit der gesamten Ausrüstung in den Aufmarschraum verlegt.

Die Kampfhandlungen begannen mit einem französischen Vorstoß. Sechs Divisionen griffen am 2. August 1870 deutsches Territorium an. Doch nur Saarbrücken, strategisch eher isoliert und nur von wenigen preußischen Truppen geschützt, wurde von den Franzosen (bis zum Lulustein) eingenommen; später wurde es wieder aufgegeben. Schon am 3. August standen 320.000 Deutsche an der Grenze, weshalb eine von Napoleon III. erhoffte Großoffensive gescheitert wäre.

Drei Armeen marschierten schließlich, geführt von Karl Friedrich von Steinmetz, Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen und Kronprinz Friedrich Wilhelm, nach Frankreich ein. Die Franzosen wurden durch die beweglichere deutsche Führung, die vom preußischen Generalstab unter Helmuth von Moltke koordiniert wurde, ausmanövriert. Frankreich verlor in kurzer Folge die Schlachten von Weißenburg (4. August 1870), Wörth (6. August) und Spichern (6. August). Nach seiner Niederlage bei Wörth räumte das französische Feldheer das Elsaß und überließ das Rheintal der deutschen 3. Armee, die nach Süden vorrückte, das Elsaß besetzte und schließlich die Festung Belfort belagerte. Einzig die Zitadelle von Bitsch konnte von den Deutschen nicht eingenommen werden und ergab sich erst am 25. März 1871. Während die preußischen Hinterlader-Zündnadelgewehre gegen Österreich 1866 noch überlegen gewesen waren, hatten nun die Franzosen klare Vorteile bei Reichweite und Schußfolge mit dem neuen Chassepotgewehr und dem Mitrailleuse-Maschinengewehr. Dafür waren die deutschen stählernen Hinterlader-Geschütze von Alfred Krupp die ausschlaggebende Artillerie, die mit über vier Kilometer mehr als die doppelte Reichweite der französischen besaß. Das damals neueste dieser Geschütze hieß C/64/67; es hatte zahlreiche Vorteile. Speziell bei der Schlacht von Sedan zeigte sich, daß eine hohe Kadenz (bis zu zehn Schuß pro Minute) zusammen mit einer großen Reichweite bei guter Trefferleistung eine verheerende, schlachtentscheidende Wirkung erzeugte.

Die französischen Armeen wurden meist umfaßt und zu teils überstürzten Rückzügen oder zu Teilkapitulationen gezwungen. Durch den Sieg in der Schlacht von Mars-la-Tour verwehrte Preußen der französischen Rheinarmee den Rückzug nach Verdun und stellte sie in der Schlacht bei Gravelotte, die die Rheinarmee verlor. Nach dieser Niederlage zog Marschall Bazaine die französische Rheinarmee zurück nach Metz in den Schutz des starken Festungsgürtels. Dort wurden er und seine Truppen ab dem 20. August von der 2. Armee unter Führung von Prinz Friedrich Karl (linkes Moselufer) und der 1. Armee unter General der Kavallerie Freiherr von Manteuffel (rechtes Moselufer) eingeschlossen.

Durch die Kapitulation der ausweglos eingekreisten französischen Truppen am 2. September 1870 war eine der beiden französischen Hauptarmeen vernichtet worden. Auch Napoléon III. gab sich bei Sedan gefangen; er wurde in den folgenden Monaten im Schloß Wilhelmshöhe festgehalten und übersiedelte im Frühjahr 1871 nach London.

Mit dem Untergang der Armée de Chalons und der nicht mehr zu durchbrechenden Einschließung der Rheinarmee in Metz geriet die französische Kriegführung in eine schwere Krise. Die Feldarmee war bis auf das bei Sedan entwichene 13. Korps von den überlegenen deutschen Truppen des Königs von Preußen ausgeschaltet.

Kriegsende und Reichsgründung

Otto von Bismarck (rechts) und Napoleon III. nach dessen Gefangennahme vor dem Begegnungshaus bei Sedan (Weberhäuschen in Donchery), je nach Quelle am 1. oder 2. September 1870
Das Brandenburger Tor nach der
Schlacht von Sedan:
„Welch eine Wendung durch Gottes Führung!“

Nach dem erfolgreichen Kriegsverlauf konnte Bismarck die süddeutschen Staaten zum Eintritt in den Norddeutschen Bund und somit zur Reichsgründung bewegen. Am 18. Januar 1871 ließ sich Wilhelm I. auf Betreiben Bismarcks im Spiegelsaal des französischen Schlosses zu Versailles zum Kaiser proklamieren. Die Proklamation Wilhelms zum Kaiser (Kaiser galt als Kompromiß, da man sich im Vorfeld weder auf „Kaiser von Deutschland“ noch „Deutscher Kaiser“ einigen konnte), noch dazu an diesem Ort, wurde in Frankreich als Demütigung empfunden. Sie war eine Demonstration der absoluten Überlegenheit und somit eine nicht unerhebliche politische Entscheidung, die die deutsch-französische Feindschaft anheizte, allerdings waren die beschämende militärische Niederlage und die Wut, die geraubten Gebiete Elsaß und Lothringen zurückgeben zu müssen, dafür um vieles maßgeblicher. Am 10. Mai 1871 wurde im Frankfurter Hotel zum Schwan, nach langwierigen Verhandlungen in Brüssel und Frankfurt, ein Friedensvertrag mit Frankreich geschlossen. Diesem vorausgegangen war der Vorfrieden von Versailles, der am 26. Februar 1871 geschlossen worden war.

Der Tag der Schlacht bei Sedan wurde als Sedantag gefeiert. Bald wurde die Schlacht zum Symbol der Überlegenheit über den Erbfeind. Militärs und Zivilisten glaubten fest daran, diesen Sieg jederzeit wiederholen zu können. Die Feierlichkeiten zum Reichsgründungstag fanden stets am 18. Januar statt.

Der Aufstand der Pariser Kommune

Am 18. März 1871 versuchte der französische Premierminister Adolphe Thiers, die verteidigungsbereite Nationalgarde von Paris entwaffnen zu lassen. Dies führte zu einem Aufstand. Am 26. März 1871 übernahm in Paris eine Revolutionsregierung die Macht, die Commune de Paris. Die republikanische Übergangsregierung wurde als abgesetzt erklärt.

Die bewaffneten Milizen der Pariser Kommune wurden erst im Mai 1871 von der neugeordneten konterrevolutionären französischen Armee im Straßenkampf in Paris besiegt. In der Blutigen Woche vom 21. bis 28. Mai gab es 25.000 Tote. Es folgten 38.000 Verhaftungen und 7.500 Deportationen.

Kriegsfolgen

EK-Ordensverleihung durch Kaiser Wilhelm I. für die Heldentaten des Deutsch-Französischen Krieges
Preußische, bayerische und württembergische Orden und Ehrenzeichen für Kriegsteilnehmer, darunter die Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870–71; Damenorden an Damenschleifen.

Das besiegte Frankreich mußte im Frieden von Frankfurt die seit den frühmittelalterlichen Straßburger Eiden zum Ostfrankenreich („Königreich der Deutschen”) bzw. dem nachfolgenden Heiligen Römischen Reich gehörenden und überwiegend von Deutschen besiedelten Gebiete des Elsaß und einen Teil von Lothringen abtreten, die es beginnend mit dem Westfälischen Frieden Mitte des 17. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts annektiert hatte.

Frankreich mußte Kontributionszahlungen in Höhe von 5 Milliarden Francs an das Deutsche Reich leisten. Dieser Reichskriegsschatz wurde zu einem kleinen Teil (120 Mio.) im Juliusturm der Zitadelle Spandau eingelagert und nach Ende des Ersten Weltkrieges von Frankreich gestohlen.

Ein Teil der Kriegsentschädigungen wurde für Infrastrukturmaßnahmen im Deutschen Reich verwendet (Poststationen in Ostpreußen, Kirchen und Schulen in der Pfalz und im Elsaß). Das Deutsche Reich wurde nach dem gewonnen Krieg die größte Binnenvolkswirtschaft der Welt. Die Wirtschaftskraft ermöglichte dem Reich die Finanzierung einer hochmodernen und schlagkräftigen Hochseeflotte, die ebenso wie der Anspruch, neben Großbritannien und Frankreich als weitere Großmacht akzeptiert zu werden, die Mißgunst des sich vollkommene weltweite Seeherrschaft anmaßenden Großbritanniens erregte.

Bismarck zementierte mit der von ihm betriebenen Kaiserproklamation die Teilung des ehemaligen Territoriums des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in ein norddeutsches Deutsches Reich und die – mittlerweile durch den Ausgleich von 1867 geschaffene – Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die aufgrund ihrer weit über das alte Reichsgebiet des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation) hinausgehenden Territorien als Vielvölkerstaat unter der Herrschaft der deutschen Habsburger fortbestand. Die Reichsidee war gleichwohl ideelle Grundlage des späteren Beistandspaktes zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn (gemeinsam mit Italien als Dreibund vertraglich sanktioniert). Dieser Beistandspakt war es, der das Deutsche Reich 1914 ohne eigene, unmittelbare Bedrohung veranlaßte, in Nibelungentreue an der Seite Österreich-Ungarns den Ersten Weltkrieg zu führen.

Die Abtretung des deutschen Elsaß-Lothringens – und damit auch die Revision der französischen Expansionspolitik seit dem Dreißigjährigen Krieg am Rhein – manifestierte den politischen Gegensatz (Erbfeindschaft) zwischen Frankreich und dem neu gegründeten Deutschen Reich.

Nachwirkung

Wenngleich festgestellt werden kann, daß auf den 1870/71-Krieg eine der längsten Friedensphasen (bis 1914) in Westeuropa folgte, konnte und sollte ein politischer Ausgleich zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich nicht erreicht werden. Der Ausbruch des Krieges 1914 emotionalisierte daher Deutsche und Franzosen gleichermaßen: die Deutschen in der Erwartung, den Welschen nachhaltig alle Ambitionen auf Ostexpansion endgültig auszutreiben, die Franzosen in dem revanchistischen Ziel, die Deutschen weit hinter den Rhein zurückzudrängen und die Schmach von 1870/71 wettzumachen. Nachdem der Krieg von 1914 bis 1918 erfolgreich für die Franzosen, wenn auch nur der Masse ihrer Verbündeten wegen, endete, legte der völlig von Gier und Haß diktierte Versailler Vertrag die Grundlagen für die tiefgreifende Staatskrise der jungen deutschen Republik (Weimarer Republik).

Die brutale Besetzung und Plünderung des Rheinlandes vertiefte den Gegensatz weiter. Trotzdem war die neue nationalsozialistische Regierung, die Deutschland wieder wehrfähig gemacht hatte, nicht auf Revanche aus. Die französische Regierung brach nichtsdestotrotz 1940 einen neuerlichen Weltkrieg gegen Deutschland unter fadenscheinigen Vorwänden vom Zaun, weil ihr schon der Gedanke eines unabhängigen, wirtschaftlich starken deutschen Staates unerträglich war.

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Michael Clodfelter: Warfare and armed conflicts: a statistical reference to casualty and other figures, 1500–2000. Mc Farland, Jefferson NC, 2002, ISBN 0-7864-1204-6, S. 210.
  2. Frédérick Nolte: L'Europe militaire et diplomatique au dix-neuvième siècle, 1815–1884, E. Plon, Nourrit et ce. 1884, S. 527 f.
  3. Nolte (1884), S. 526–527.
  4. Lonlay, Dick de: Français et Allemands: Histoire anecdotique de la Guerre de 1870–1871; Band I. – Paris: Garnier, 1887, S. 2
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