Deutsche Geschichte

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Zeittafel der Deutschen Geschichte (Quelle: wintersonnenwende.com)
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

In der Mitte des Kontinents gelegen, ist die Deutsche Geschichte seit jeher vielfach mit der Geschichte Europas verflochten.

Inhaltsverzeichnis

Germanische Frühzeit (von der Vorzeit bis 933)

Hauptartikel: Germanen

Tiefverwurzeltes Fundament der deutschen Geschichte ist die Geschichte Germaniens und der völkische sowie kulturelle Ursprung der germanischen Stämme von der Ära der Urgermanen über die Eroberung Roms bis zum Zeitalter des visionären, wenn auch machtgierigen Karl des Großen, dem ersten germanischen Kaiser Europas.

Das Erste Reich (933–1806)

Das Deutsche Reich (Regnum) formierte sich während eines längeren Entwicklungsprozesses. In der Auseinandersetzung mit der römischen Reichskultur im Zuge der Völkerwanderung entwickelten sich seit dem 3. Jahrhundert germanische Völker (z. B. Franken, Alemannen), die im 5. und 6. Jahrhundert Rom eroberten und ihre Reiche auf dem Boden des Imperium Romanum errichteten. Diese Völker (Stämme) übernahmen teilweise Grundelemente der lateinischen Kultur sowie Reste der spätantiken Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen. Sie schufen sich im 3. bis 6. Jahrhundert politische Strukturen (Herzogtum, Königtum), blieben aber immer Verbände, die eher durch gemeinsame Traditionen zusammengehalten wurden, als daß sie sich zu ethnischen Einheiten entwickelten. Noch im 8. Jahrhundert mit anderen Volksgruppen im Reichsverband Karls des Großen vereinigt, lösten sie sich aus diesem Verband mit den Verträgen über die Teilung des Fränkischen Reiches. Dies waren der von Verden (843), der von Meersen (870) und derjenige von Ribemont (880). Ludwig der Deutsche erhielt 843 das Ostfränkische Reich, 880 war mit dem Erwerb der Westhälfte Lothringens im wesentlichen die (bis 1648 gültige) Grenze zwischen Frankreich und Deutschland festgelegt. Im Lauf des 10. Jahrhunderts löste sich die alte Einheit des Frankenreichs auf und wich neuen Identitäten im ostfränkischen und westfränkischen Reich. Ein genaues Datum, wann dieses „ostfränkische“ Reich im Bewußtsein der Zeitgenossen zu einem „deutschen“ Reich wurde, kann nicht angegeben werden.

Der gestreckte Prozeß der ostfränkisch-deutschen Reichsbildung (→ Reichsherrlichkeit) vollzog sich mit einzelnen Höhepunkten über viele Jahrzehnte. Wenn auch bereits mit der Eingliederung Lothringens (925) die territoriale Ausbildung des neuen Reiches im wesentlichen abgeschlossen war, so wird doch seitens der Forschung inzwischen darauf verwiesen, daß erst seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts neben die fränkischen Traditionen ein zunehmend „deutsches“ Bewußtsein trat. Der neue Name „Reich der Deutschen“, Beleg für die Wahrnehmung eines abgeschlossenen Wandlungsprozesses, kam erst im ausgehenden 11. und 12. Jahrhundert dazu. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts (belegt unter Heinrich IV.) wurde es üblich, das Reich nördlich der Alpen als „Reich der Deutschen“ („Regnum Teutonic[or]um“ beziehungsweise „deutsches Regnum“) und seine Bewohner als „Deutsche“ zu bezeichnen. Die Reichsbezeichnung konkurrierte im gesamten Mittelalter mit dem römischen Reichs- und Herrschertitel, der die besondere Stellung der ostfränkisch-deutschen Könige vor allen anderen europäischen Herrschern unterstrich. Das Bewußtsein von der Fortführung römischer Kaiserherrschaft überlagerte seit dem 10. Jahrhundert die Ausbildung nationaler Identitäten. Seit dem 11. Jahrhundert, spätestens mit Heinrich V., wurde der noch nicht zum römisch-deutschen Kaiser gekrönte Herrscher Rex Romanorum (Römischer König) genannt; der römische Reichsname erhielt in staufischer Zeit den Zusatz „heilig“.

Innerhalb dieses Sacrum Romanum Imperium (deutsch: „Heiliges Römisches Reich“; Begriff erstmals erwähnt in der Mitte des 11. Jahrhunderts) stand das deutsche Regnum neben den Königreichen Italien und Burgund. Zur Unterscheidung bildete sich in mittelhochdeutscher Zeit der Name „deutsche Lande“ (erstmals um 1080 im Annolied belegt) und endgültig seit dem 16. Jahrhundert die Bezeichnung „Teutsche Nation“ oder „Deutschland“ heraus.

Zeit der Ottonen und Salier (919–1137)

Ottonen

Ab dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert erstarkten im Abwehrkampf gegen Ungarn und Heiden die ostfränkischen Völker (Stämme), welche sich in Anlehnung an ältere ethnische Verbände im zerfallenden Karolingerreich wieder neu formiert hatten: Franken, Schwaben, Bayern und Sachsen. Hier setzten sich führende Adelsfamilien als Herzöge durch. Heinrich I. (919‒936), nur von Sachsen und Franken zum König erhoben, erlangte allmählich dank seiner Erfolge nach außen (Sieg über die Ungarn bei Riade 933) seine Anerkennung auch bei den Schwaben und Bayern. Otto I., der Große (936–973), führte das Werk seines Vaters in der Sicherung des Reiches nach außen und innen fort: An der Ostgrenze wurden 936/937 Marken gegen die heidnischen germanischen Stämme (unter Hermann Billung und Gero) und ab 948/968 Bistümer zur Heidenmission (neben Merseburg, Zeitz, Brandenburg, Havelberg v. a. das Bistum Meißen und das Erzbistum Magdeburg) errichtet, beide gesichert durch ein Burgensystem im Grenzgebiet. Ab 950 wurde Böhmen besiedelt und 963 mußten auch die Polen die Oberhoheit des Reiches anerkennen. Gegen die Ungarn gelang 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg ein entscheidender Sieg, im selben Jahr auch gegen die Heiden; in der Folge wurde die bayerische Ostmark (Österreich) wiederhergestellt. Stütze des Königs im Innern war der Episkopat (Reichskirchensystem). 951/952 zog Otto erstmals nach Italien und nannte sich ohne Krönung Rex Francorum et Langobardorum; auf einem 2. Italienzug 961–965 wurde er 962 in Rom zum Römischen Kaiser gekrönt (Imperator Romanorum; Erneuerung der Reichsidee [Karls des Großen]). Das Regnum Italiae umfaßte Ober- und Mittelitalien mit Ausnahme des päpstlichen Herrschaftsgebietes. Otto II. (973–983) war um die Sicherung des vom Vater Erreichten bemüht, doch beim großen Heidenaufstand 983 gingen alle Gebiete östlich der Elbe (die billungische Mark und die Ostmark) verloren; die „Nordmark“ beschränkte sich nunmehr auf die ab dem 14. Jahrhundert so genannte Altmark. Otto III. (983–1002) vermochte sein Ziel einer Erneuerung (Renovatio) des Römischen Reiches, mit Regierung Deutschlands und Italiens von Rom aus, nicht zu verwirklichen; mit ihm erlosch die ottonische Hauptlinie. Heinrich II. (1002–1024), einer bayerischen Nebenlinie der Ottonen entstammend, führte die universale Reichsidee Ottos II. nicht ungebrochen weiter. Gestützt auf die Reichskirche, suchte er die Königsherrschaft vor allem im Reich nördlich der Alpen zu konsolidieren. Mit der Gründung der Bistümer Gnesen (1000) und Gran (1001) wurde der Herrschaftsanspruch und der Vorrang des Kaisers über die Könige im Osten bekräftigt.

Salier

Konrad II. (1024‒1039), erster Angehöriger des salischen Herrscherhauses, erwarb durch Erbvertrag das Königreich Burgund (Arelat) für das Reich (1033). Unter den ersten Saliern erreichte das Reich die höchste Stufe seiner Macht. Konrads Sohn, Heinrich III., der schon 1026 gewählt, 1028 gekrönt worden war und 1039‒1056 regierte, war von der kluniazensischen Erneuerungsbewegung stark geprägt und nahm Einfluß auf die Reform von Kirche und Papsttum, das er aus der Abhängigkeit römischer Adelsfamilien befreite. Böhmen (erneut 1041) und (vorübergehend) Ungarn wurden nach ihrer Besiedlung und Unterwerfung zu Reichslehen erklärt.

In der Zeit Heinrichs IV. (1056‒1106) verstärkte sich die Gegnerschaft des Papsttums gegen jede Art des Einflusses von Laien auf kirchliche Angelegenheiten, schließlich auch gegen die königliche Kirchenherrschaft. Im Innern, wo er sich auf Ministerialen und das Bürgertum der aufstrebenden Städte stützte, geriet Heinrich in Gegensatz zu den Fürsten. Diese Entwicklung führte zum Investiturstreit (1075 Verbot der Laieninvestitur, 1076 Kirchenbann über Heinrich, 1077 sein Gang nach Canossa).

Erst Heinrich V. (1106‒1125) erreichte im Wormser Konkordat 1122 die Beendigung des Investiturstreits mit unterschiedlicher Regelung in Deutschland und in Italien, wo der König praktisch jeden Einfluß auf die Besetzung kirchlicher Ämter verlor. Der sich im 12. Jahrhundert vollziehende Übergang von der Grundherrschaft mit der ihr eigentümlichen Naturalwirtschaft zu einem System der Zinsgutbewirtschaftung mit der Möglichkeit, die Frondienste abzulösen, verbesserte die Rechtsstellung der Bauern: An die Stelle einer weitgehenden Bindung an die Scholle trat relative Freizügigkeit.

Neben die altadlige Reichsaristokratie traten seit dem 11. Jahrhundert zunehmend Ministerialen; die Reichsministerialen wurden zur Hauptstütze des salischen und (später) staufischen Königtums bei der Verwaltung des Reichsgutes. Das seit dem 10./11. Jahrhundert aufkommende Städtewesen ließ seit dem 12. Jahrhundert die Städte zu einer wichtigen Stütze des Königtums und einem Instrument der Territorialherren beim Aufbau der Landesherrschaft werden; das Bürgertum wurde Träger der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. ‒ Erstmals in freier Wahl, in Abkehr von Geblütsrecht und Designation, wurde Lothar II. von Süpplingenburg (1125‒1137) nach dem Aussterben der Salier zum König erhoben.

Zeit der Staufer (1138‒1254)

Mit der Königswahl des Staufers Konrad III. (1138‒1152) gegen den von Lothar designierten Welfen Heinrich den Stolzen wurde der staufisch-welfische Gegensatz begründet. Friedrich I. Barbarossa (1152‒1190) hatte die alte Größe des römischen Kaisertums (1155 Kaiserkrönung in Rom) zum Ziel, einschließlich der Beherrschung Italiens. In Deutschland wurde der mächtige Heinrich (X.) der Löwe von Friedrich 1178‒1181 seiner Lehen (die Herzogtümer Sachsen und Bayern) enthoben und unterworfen. Seine größte territoriale Ausdehnung fand das Reich unter Heinrich VI. (1190‒1197), als diesem 1194 das unteritalienische Königreich Sizilien als Erbe seiner normannischen Gattin Konstanze zufiel. Doch stürzten das Mißlingen seines Erbreichsplans und sein früher Tod 1197 das Reich in die Doppelwahl 1198 von zwei deutschen Königen: dem jüngsten Sohn Friedrich Barbarossas, Philipp von Schwaben, und Otto IV. von Braunschweig, dem Sohn Heinrichs des Löwen. Als Philipp, mit Frankreich verbündet, sich gegen den von England gestützten Otto durchzusetzen begann, wurde er 1208 ermordet. Als Otto IV., 1209 zum Kaiser gekrönt, die staufische Politik, v. a. in Italien, wieder aufzunehmen suchte, erhob Papst Innozenz III. 1212 Friedrich II., den Sohn Heinrichs VI., zum Gegenkönig. Der englisch-französische Gegensatz v. a. war ausschlaggebend für die Entscheidung des deutschen Thronstreits zugunsten Friedrichs II. (1212‒1250). Obwohl Friedrich nur 1212‒1220, 1235/36 und 1237 in Deutschland war, nahm er starken Einfluß auf die deutsche Politik. Seine Bemühungen um Wiederherstellung und Ausbau des Reichsgutes wurden durch die Fürstenprivilegien (1220, 1231/32) zwar eingeschränkt, aber auch der Territorialpolitik der Reichsfürsten wurden damit Grenzen gesetzt. Die Wiederaufnahme der staufischen Politik in Oberitalien führte zur Entstehung der Parteien von Guelfen und Ghibellinen, die erneute Auseinandersetzung mit dem Papsttum zur Wahl der Gegenkönige Heinrich Raspe (1246) und Wilhelm von Holland (1247). Der Sohn Friedrichs, Konrad IV. (1250‒1254), starb im Kampf um das unteritalienische Erbe; der letzte Staufer, Konradin, wurde 1268 in Neapel hingerichtet.

Herrschaft und Kultur

Inzwischen hatte sich die deutsche Herrschaft und Kultur durch die deutsche Ostsiedlung gewaltig ausgedehnt. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts begann die endgültige Unterwerfung der heidnischen germanischen Stämme an Havel, Elbe und Oder, v. a. durch Albrecht den Bären und Heinrich den Löwen. Nach dessen Sturz wurden diese Fürsten in Mecklenburg und Pommern selbst reichsunmittelbare Herzöge. Der Deutsche Orden setzte sich 1226 in Preußen fest und gründete hier einen eigenen deutschen Staat, dem noch Kurland, Livland und Estland angegliedert wurden. Auch im geistigen Leben war das Zeitalter der Staufer eine Blütezeit: Die ritterliche Kultur mit Minnesang und höfischer Epik (Hartmann von Aue, Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach), die bildende Kunst mit Spätromanik („staufische Kunst“) und den Anfängen der Gotik; die Berührungen mit Byzanz und dem Orient in den Kreuzzügen brachten mannigfache kulturelle Anregungen.

Spätmittelalter (1254‒1517)

Mitte 13. bis 14. Jahrhundert

Nach einer Doppelwahl (1257 Richard von Cornwall und Alfons X. von Kastilien und León) vermochte erst Rudolf I. von Habsburg (1273‒1291), der gegen Ottokar II. von Böhmen gewählt wurde und diesen 1278 besiegen konnte, die Königsmacht nach dem „Interregnum“ (1254‒1273) wiederherzustellen. Er legte mit dem Erwerb der Herzogtümer Österreich, Steiermark und Krain im Osten den Grund für die habsburgische Hausmacht. Heinrich VII. von Luxemburg (1308‒1313) konnte 1311 Böhmen für seinen Sohn Johann erwerben; der Versuch, 1310‒1313 die Reichsmacht in Italien wiederherzustellen, brachte ihm die Kaiserkrone (1312), scheiterte jedoch durch seinen frühen Tod. In einer Doppelwahl 1314 wurden der Wittelsbacher Ludwig IV., der Bayer (1314‒1347), und der Sohn Albrechts I., Friedrich III., der Schöne, von Österreich (1314‒1330) gewählt, den Ludwig 1322 bei Mühldorf am Inn bezwingen konnte. Ludwigs Ausgreifen nach Italien (1323) führte zur letzten großen Auseinandersetzung zwischen Kaisertum und Papsttum (Johannes XXII.). Die Ansprüche auf päpstliche Bestätigung ihrer Königswahl wiesen die Kurfürsten im Kurverein von Rhense 1338 zurück. Der Luxemburger Karl IV. (1346‒1378), gegen die rigorose Hausmachtpolitik Ludwigs gewählt, machte Böhmen zum Kernland des Reiches. Durch Gewinnung Schlesiens (1348) und Brandenburgs (1373) u. a. Gebiete stärkte er seine Hausmacht. Obwohl er sich 1356 in Arles zum König von Burgund hatte wählen lassen, überließ er dieses bald dem französischen Einfluß. 1355 wurde er zum Kaiser gekrönt. Die Goldene Bulle (1356), das wichtigste Reichsgrundgesetz des Mittelalters, gewährleistete unzweifelhafte Königswahlen und schuf mit der Sicherung der Vorzugsstellung der sieben Kurfürsten eine starke Klammer des Reichsverbandes. Der Ritterstand verlor mit dem Ende der Kreuzzüge, der Festigung der Landesherrschaft und dem Aufblühen der Städte (13./14. Jahrhundert) seine ständische und kulturelle Bedeutung. Doch waren ritterliche Ideale, Literatur und Lebensstil Leitbilder auch für das aufstrebende Bürgertum. Spätmittelalterliche Religiosität und religiöse Literatur erlangten ihren Höhepunkt in der deutschen Mystik. Die Wissenschaften fanden in den unter landesherrlicher Patronage errichteten Universitäten (Prag 1348, Wien 1365, Heidelberg 1386, Köln 1388, Erfurt 1392) Eingang.

15. Jahrhundert

Unter König Wenzel (1378‒1400), Sohn Karls IV., verlagerte sich der Schwerpunkt der Reichspolitik vom königlichen Hof auf die Reichstage; unter seinem Nachfolger Ruprecht von der Pfalz (1400‒1410) erfolgte eine weitere Schwächung der Königsmacht. Nach der Doppelwahl der beiden Luxemburger Jobst von Mähren und Brandenburg und Sigismund von Ungarn verhalf nur Jobsts jäher Tod Sigismund (1410‒1437) zur allgemeinen Anerkennung als Römischer König. Die auch durch persönlichen Einsatz Sigismunds erreichte Überwindung des Abendländischen Schismas, die Berufung des Konstanzer und des Basler Konzils, schließlich die Kaiserkrönung 1433 führten jedoch nicht zur Stärkung der Königsgewalt. Die in Konstanz erfolgte Verurteilung des Prager Magisters Jan Hus als Ketzer und seine Verbrennung lösten den bewaffneten Aufstand der Hussiten gegen Sigismund aus (Hussitenkriege 1419 bis 1436). Wegen der benötigten Hilfe des Reiches, insbesondere der Kurfürsten, für seine Politik mußte er Reichsbefugnisse preisgeben. Aufgrund der Bestrebungen der Kurfürsten, ihren Machtanstieg im Reich zu behaupten, wurde das Königtum auf den Reichstagen 1434, 1435 und 1437 erstmals mit Vorstellungen einer Reichsreform (Reformatio Sigismundi) konfrontiert. Kaiser Friedrich III. (1440‒1493) war untätig im Reich, sperrte sich aber gegen jede Minderung der kaiserlichen Gewalt und damit gegen eine Reichsreform.

Schwäche der Reichsgewalt

Der Schwerpunkt der Macht im Reich hatte sich, beginnend mit dem „Interregnum“, dem Übergang zur freien Königswahl und dem Erstarken der Landesfürsten seit 1254, zunehmend vom Reich in die landesherrlichen Territorien verlagert (Landesherrschaft); im Unterschied zum Ausbau frühmoderner Flächenherrschaftsstaaten in den Nachbarmonarchien Westeuropas blieb das Erste Reich bis zu seinem Ende 1806 den Formen des mittelalterlichen „Personenverbandsstaates“ verhaftet. Die führenden Geschlechter unter den Landesfürsten waren neben den Habsburgern die Wittelsbacher, seit 1180 Herzöge von Bayern (Altbayern), seit 1214 auch im Besitz der Rheinpfalz (Kurpfalz); die Askanier, 1134‒1319 Markgrafen von Brandenburg und 1180‒1422 Herzöge von Sachsen-Wittenberg; die Wettiner, Markgrafen von Meißen, seit 1247/64 auch Landgrafen von Thüringen und seit 1423 Herzöge (Kurfürsten) von Sachsen; die Welfen, seit 1235 Herzöge von Braunschweig-Lüneburg; die Hohenzollern, seit 1191 Burggrafen von Nürnberg, seit 1415/17 Markgrafen (Kurfürsten) von Brandenburg. Ein inneres Gegengewicht zur fürstlichen Macht entwickelte sich allerdings in den Landständen. Neben dem Kaiser kam auch der Reichstag zu wachsender Bedeutung, in dem neben den Kurfürsten, Fürsten und Reichsgrafen allmählich auch die Reichsstädte eine Vertretung erlangten. Die Reichsreformbewegung, geführt vom Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Berthold von Henneberg, erreichte während der Regierung Maximilians I. (1493‒1519), der wegen der erforderlichen Hilfen gegen die Türken (Türkensteuer) und Ungarn sowie seiner Italienpolitik zu direkten Verhandlungen mit den Reichsständen gezwungen war, ein allgemeines Fehdeverbot (Ewiger Landfriede 1495), die Einteilung des Reichs in zehn Reichskreise und die Einsetzung eines Reichskammergerichtes. Maximilian nahm als Erster ohne päpstliche Krönung, aber mit päpstlicher Zustimmung, den Kaisertitel an. Karl V. wurde 1530 als letzter Kaiser vom Papst (in Bologna) gekrönt. Die folgenden Herrscher nannten sich gleich nach der Wahl „Erwählter Römischer Kaiser“, während die Thronerben seitdem den Titel eines „Römischen Königs“ führten.

Habsburger und Städtebünde

Trotz der Schwäche der Reichsgewalt breitete sich die deutsche Siedlung auch nach dem Untergang der Staufer zunächst noch weiter nach Nordosten aus. Die Hanse als Zusammenschluß der norddeutschen Städte erlangte die Vormachtstellung in Nordeuropa. Erst im 15. Jahrhundert erlag der Deutsche Orden dem polnisch-litauischen Reich. Das 16. Jahrhundert brachte den Niedergang der Hanse. Im Westen hatte sich ein neues burgundisches Reich gebildet, das unter der Herrschaft einer Nebenlinie des französischen Königshauses seit 1390 auf die deutschen Niederlande (Brabant, Hennegau, Holland, Luxemburg) übergriff und sie dem Reich entfremdete. Erst die Ehe (1477) Maximilians mit der Tochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, brachte die Habsburger wieder in den Besitz Burgunds (1482). Im Osten sicherte Maximilian durch Eheverbindungen seiner Enkel den Anspruch auf den künftigen Erwerb Böhmens und Ungarns für sein Haus (1526 durch Ferdinand I. realisiert). Die Ehe seines Sohnes Philipp des Schönen mit Johanna der Wahnsinnigen begründete die Vereinigung der Reiche Aragonien, Kastilien und Neapel-Sizilien mit den habsburgischen und burgundischen Ländern in der Hand seines ältesten Enkels Karl (1516). Im Südwesten trennte sich die schweizerische Eidgenossenschaft, die im Kampf gegen die habsburgische Herrschaft entstanden war, vom Reich (Schwabenkrieg); sie versagte seit 1495 den Reichsgesetzen die Anerkennung. Der Verfall des Reiches beeinträchtigte weder die wirtschaftliche noch die kulturelle Entwicklung. Die Städte, die bis zum Ende der Stauferzeit häufig in meist heftigen Kämpfen ihre Freiheit gegen den jeweiligen Stadtherrn errungen hatten (Freie Städte), versuchten im Spätmittelalter, sich in Städtebünden (z. B. im Rheinischen Städtebund von 1254 und 1381) zusammenzuschließen; sie erblühten teils als Reichsstädte, teils unterlagen sie dem Landesfürstentum, errangen jedoch wirtschaftlich die Führung. Wie Lübeck und Köln unter den Hansestädten, so traten Augsburg (Fugger), Ulm, Straßburg und Nürnberg unter den süddeutschen Städten hervor. Als herausragender Vertreter des deutschen Frühkapitalismus gewann dessen berühmtester Vertreter, Jakob Fugger, der Reiche, als Finanzier der Habsburger auch politischen Einfluß. Zugleich kündigte sich immer stärker die soziale Unruhe der Bauernschaft an, die seit der Bundschuhbewegung in den 1490er Jahren eine ernstzunehmende soziale Kraft darstellte. In den Bergbau- und Hüttenzentren wuchs ein nicht bodenständiges, von Löhnen abhängiges (Vor-)Proletariat heran, das ein neues Element sozialer Unruhe war und im Bauernkrieg 1524/25 eine beträchtliche Rolle spielte. ‒ Der Einfluß der italienischen Renaissance und des Humanismus bewirkte in Deutschland eine Blüte von Kunst und Wissenschaft und eine Ausbreitung des römischen Rechtes, was nicht zuletzt auch durch das sich entwickelnde Universitätswesen gefördert wurde.

Reformation und Gegenreformation, das konfessionelle Zeitalter (1517‒1648)

Reformation

Den Ausgangspunkt der Reformation bildeten Martin Luthers 95 Thesen von 1517, zu deren rascher Verbreitung inbesondere die Luther anfangs fast durchgängig zustimmenden Humanisten beitrugen. Infolge Luthers Kritik an kirchlichen Mißständen erfuhr die bisher geltende europäische Sakralordnung grundlegende Veränderungen; so schwand die Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche als bis dahin alleinige Vertreterin des Christentums. Indirekt setzte Luthers Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, durch, daß Luther vor dem Reichstag in Worms 1521 begründen konnte, weshalb er den Widerruf seiner Lehren verweigerte. Er wurde im Wormser Edikt zum Ketzer erklärt und es wurde ihm die Reichsacht verhängt. Jedoch wurde er von seinem Landesherrn auf der Wartburg in Sicherheit gebracht.

Kaiser Karl V. (1519‒1556) wurde durch seine vier Kriege gegen Franz I. von Frankreich (1521‒1526, 1527‒1529, 1534‒1536 und 1542‒1544) und die Abwehr der Türken gehindert, der Reformation machtvoll entgegenzutreten. Aus dem Bauernkrieg 1524/25 gingen die Landesfürsten gestärkt hervor. Zur Durchführung des Wormser Edikts schlossen sich die katholischen Stände im Bündnis von Regensburg (1524) und demjenigen von Dessau (1525) zusammen gegen die evangelischen Verbündeten, welche sich im Torgauer Bündnis (1526) organisiert hatten. Gegen den Beschluß der Durchführung des Wormser Edikts auf dem Reichstag zu Speyer 1529 unterzeichneten die evangelischen Reichsstände unter Führung Philipps I. von Hessen eine Protestation, nach welcher die neuen Anhänger der evangelischen Lehre Martin Luthers fortan Protestanten genannt wurden.

Neben der Lehre Luthers breitete sich vor allem im oberdeutschen Raum das Gedankengut des Reformators Ulrich Zwingli aus. Nach der Rückkehr des 1530 in Bologna vom Papst zum Kaiser gekrönten Karl V. nach Deutschland wurde 1530 der Reichstag in Augsburg abgehalten (Augsburgische Konfession), dessen Ausgang den letzten Ausschlag zum Zusammenschluß der protestantischen Stände zum Schmalkaldischen Bund (1531) gab; dieses protestantische Verteidigungsbündnis richtete sich gegen die Religionspolitik Karls V. Die sich verfestigenden lutherischen Landeskirchen grenzten sich scharf gegen radikale Strömungen, wie z. B. das seit 1527 aufkommende Täufertum, ab.

Karl V. entschloß sich 1546 zum militärischen Vorgehen gegen die im Schmalkaldischen Bund geeinten lutherischen Reichsstände. Obwohl der Schmalkaldische Krieg für ihn unter maßgeblicher Mitwirkung von Herzog Moritz von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg (24. April 1547) siegreich verlaufen war, vermochte er diesen Erfolg politisch nicht zu nutzen. Einer monarchischen Reichsreform widersetzten sich auch die katholischen Reichsstände. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte die endgültige konfessionelle Spaltung in Deutschland, Karl V. zog sich 1556 resigniert zurück; die Kaiserwürde ging an seinen Bruder Ferdinand I. (1556‒1564) über.

Gegenreformation

Gegen den in Lutheraner und Calvinisten geteilten Protestantismus erfolgte die Ausbildung der Gegenreformation, als deren politisches Zentrum Österreich und Bayern einen geschlossenen Block im Süden des Reiches bildeten. Unter führender Beteiligung der Jesuiten (seit 1555/56 u. a. an der Universität Ingolstadt) wurde sie politisch nur allmählich wirksam, da Ferdinand I. durch die Abwehr der Türken außenpolitisch zum Taktieren gezwungen war und Maximilian II. (1564‒1576) dem Protestantismus zuneigte. Erst in der Regierungszeit Rudolfs II. (1576‒1612) verschärfte der Katholizismus seine Maßnahmen. Im Anschluß an den Reichstag von 1608 bildete sich unter kurpfälzischer Leitung die protestantische Union, der 1609 ‒ unter bayrischer Führung ‒ die katholische Liga gegenübertrat. Auch Kaiser Matthias (1612‒1619) konnte die konfessionellen Gegensätze nicht abbauen. Die entschieden katholische Haltung seines Nachfolgers Ferdinands II. (1619‒1637), seit 1617 König von Böhmen, führte mittelbar zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (→2. Prager Fenstersturz), der sich vom Glaubenskrieg zum europäischen Machtkampf auf deutschem Boden wandelte. Beendet wurde er mit dem 1648 unter Garantie Frankreichs und Schwedens geschlossenen Westfälischen Frieden, dessen Bedeutung inbesondere darin bestand, daß die Territorialisierung des Reiches in fast 300 landeshoheitliche Einzelstaaten legalisiert wurde. Die Gewalt des Kaisers blieb fortan auf die formelle Lehnshoheit sowie einzelne Regierungs- und Privatrechte beschränkt. Das Kurfürstenkollegium wurde erweitert (Pfalz/Bayern 1648, Kurbraunschweig/Hannover 1692).

Zeitalter des Absolutismus (1648‒1789)

Preußisch-österreichischer Dualismus

Der Überwindung der sozialen und wirtschaftlichen Katastrophe, insbesondere der Bevölkerungsverluste des Dreißigjährigen Krieges, dienten u. a. staatlich gelenkte Bevölkerungspolitik, landwirtschaftliche Förderungsprogramme, Wiederbelebung des Handwerks in den Städten und verbesserte Möglichkeiten für den Handel; der Wiederaufbau leitete unmittelbar in kameralistische und merkantilistische Wirtschaftsformen über. Parallel dazu war in den deutschen Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation die Tendenz zur Ausbildung des absolutistischen und dynastischen Fürstenstaates zu beobachten, die allerdings nicht einheitlich verlief. Der moderne, zentral regierte, antiständische Staat fand in Brandenburg seit Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten (1640‒1688), seine Verwirklichung.

Die Ordnung des sozialen und politischen Lebens in Brandenburg-Preußen ermöglichte den Aufstieg dieses Staates zunächst zu führender Stellung in Norddeutschland und schließlich zur deutschen und europäischen Großmacht. Es kam dadurch zu einem preußisch-österreichischen Dualismus im Reich der Deutschen, der bis 1871 bestimmend blieb. Der Frieden von Oliva (1660) garantierte die Souveränität des Kurfürsten von Brandenburg im Herzogtum Preußen. 1701 erhob sich Friedrich III. von Brandenburg als Friedrich I. zum König in Preußen (bis 1713). Gleichzeitig stieg das Erzherzogtum Österreich nach dem Sieg über die Türken am Kahlenberg (1683) und dem Frieden von Karlowitz (1699) zur europäischen Großmacht auf.

Kriegerische Auseinandersetzungen im 18. Jahrhundert

In der Zeit Kaiser Leopolds I. (1658‒1705) wurde das Reich durch die Wechselwirkung zwischen der Türkengefahr und der Expansionspolitik König Ludwigs XIV. von Frankreich (Rheinbund [1658‒1668]) bedroht. Durch einen französischen Angriff von deutschem Boden aus wurde 1672 der niederländisch-französische Krieg eingeleitet, der sich 1674 zum Reichskrieg ausweitete. Danach mußten sich Kaiser und Reich 1679 dem Frieden von Nimwegen anschließen; die Augsburger Allianz (1686) konnte die Ausbreitung Frankreichs (Reunionen, 1681 Wegnahme Straßburgs) nicht wieder zurückdrängen (1688/89 Verwüstung der Pfalz als Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges). Der sächsische Kurfürst Friedrich August I. (August der Starke) war 1697 zum polnischen König gewählt worden (Personalunion bis 1763), Kurfürst Georg Ludwig von Hannover hatte 1714 die Nachfolge der britischen Könige angetreten (Personalunion bis 1837). Der säkulare Gegensatz Bourbon‒Habsburg erreichte im Spanischen Erbfolgekrieg (1701‒1713/14) und im Polnischen Thronfolgekrieg (1733‒1735) gesamteuropäisches Ausmaß und mündete nach dem Erlöschen des habsburgischen Mannesstamms (Pragmatische Sanktion) in den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740‒1748). Behielt schließlich das habsburgische Erbhaus durch die Kaiserwahl des Gemahls der Maria Theresia, Franz I. Stephan (1745‒1765), auch die vornehmste Stellung im Reich, so verfestigte sich der Deutsche Dualismus im Siebenjährigen Krieg (1756‒1763) und brach im Fürstenbund von 1785 und in den Polnischen Teilungen erneut aus. Im Preußen König Friedrichs II., des Großen, im Österreich Kaiser Josephs II. (1765‒1790), im Bayern des Kurfürsten Maximilian III. Joseph, in der Kurpfalz und in Bayern unter Kurfürst Karl Theodor sowie im Baden des Markgrafen Karl Friedrich, aber auch in zahlreichen anderen Territorialstaaten prägte sich die Verbindung von Absolutismus und Aufklärung aus; Letztere führte zu vielseitiger innerer Reformpolitik. Das Bürgertum gelangte zu neuer Bedeutung. Das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts brachte eine geistige Blütezeit der klassischen Literatur, den Beginn der Romantik und der (idealistischen) Philosophie in Deutschland.

Das Ende des Reiches und die Befreiungskriege (1789‒1813/14)

Angesichts der Bedrohung durch die Französische Revolution trat der preußisch-österreichische Gegensatz vorübergehend zurück. Kaiser Leopold II. (1790‒1792) und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1786‒1797) vereinbarten 1791 die Pillnitzer Konvention, die zur Intervention in Frankreich aufrief und am 20. April 1792 zur französischen Kriegserklärung führte. Unter dem Druck der Koalitionskriege (das linke Rheinufer fiel 1801 im Frieden von Lunéville an Frankreich) wurde die Vernichtung des Reiches eingeleitet, dessen politische und rechtliche Grundlagen, schon 1795 von Preußen im Basler Frieden preisgegeben, der Reichsdeputationshauptschluß 1803 weitgehend zerstörte: Durch Säkularisation und Mediatisierung wurden fast alle geistlichen Territorien beseitigt, so auch die Kurfürstentümer Köln und Trier. Als neue Kurfürstentümer entstanden Hessen(-Kassel), Baden, Württemberg und Salzburg. Die auf die österreichische Niederlage von 1805 folgende Aushöhlung der Reichsidee mit der Erhebung Bayerns und Württembergs zu Königreichen, Badens und Hessen-Darmstadts zu Großherzogtümern, alle eng verbunden mit Frankreich, gipfelte in der Gründung des Rheinbundes (1806). Das französische Ultimatum, das Franz II. (1792‒1806) zur Niederlegung der Kaiserkrone zwang (6. August 1806), bedeutete das Ende des Heiligen Römischen Reiches. Nach dem verlorenen 4. Koalitionskrieg von 1806/07 (Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt, 1806; Friede von Tilsit, 1807) sah sich der Großteil Deutschlands der europäischen Hegemonie Frankreichs unterworfen. In Österreich erlebte die Reformpolitik der Erzherzöge Karl und Johann und des Ministers J. P. von Stadion nur eine kurze Phase der Erfüllung bis zur militärischen Niederlage (1809) gegen Frankreich und dem Aufstieg K. W. Fürst Metternichs. In den von K. Freiherr vom Stein, K. A. Fürst von Hardenberg und G. von Scharnhorst durchgesetzten preußischen Reformen (Bauernbefreiung, Städteordnung [Selbstverwaltung], Gewerbefreiheit, Steuer-, Heeres- [allgemeine Wehrpflicht] und Bildungsreform) wurde ein Umbau von Staat und Gesellschaft eingeleitet. Auf die militärisch erfolgreichen Befreiungskriege 1813/14 (v. a. Völkerschlacht bei Leipzig, 16. bis 19. September 1813) folgte im Wiener Kongreß (1815) neben der staatlichen Neuordnung Mitteleuropas auch die Regelung der territorialen Gliederung und verfassungsmäßigen Ordnung Deutschlands im Deutschen Bund, einem losen Staatenbund auf der Grundlage der Deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815 (1820 ergänzt durch die Wiener Schlußakte). An Mehrheitsentscheidungen des Deutschen Bundes waren die 37 souveränen Fürsten und vier freien Städte gebunden; drei fremde Souveräne (die Könige Großbritanniens, der Niederlande und Dänemarks) waren für ihre deutschen Besitzungen Mitglieder des Deutschen Bundes.

Deutscher Bund und Gründung des Deutschen Reiches (1815‒1871)

Deutscher Bund

Der Deutsche Bund konnte die erwachende nationale Einheitsbewegung nicht befriedigen. Der unter österreichischer Präsidentschaft stehende Bundestag in Frankfurt am Main bestand aus den Gesandten der Einzelstaaten, während eine gemeinsame Volksvertretung fehlte. Der leitende österreichische Minister Metternich gewann die Führung der Bundespolitik; im Kampf gegen die nationalen und liberalen Bestrebungen, die zuerst besonders in der Studentenschaft (Burschenschaft) hervortraten, veranlaßte er die Karlsbader Beschlüsse von 1819 und die gefürchteten „Demagogenverfolgungen“. Die Teilnahme des liberalen Bürgertums am politischen Prozeß war damit zunächst unterbunden („Restauration“). Zwar wurden in Süddeutschland bereits 1818/19 Volksvertretungen geschaffen und der Liberalismus bedeutsam, doch hielt Preußen am Absolutismus fest und unterstützte die Politik Metternichs. 1832 kam es zur Massenkundgebung in der Pfalz, dem Hambacher Fest, was mit weiteren Repressionsmaßnahmen beantwortet wurde. Unter preußischer Führung kam 1834 der Deutsche Zollverein zustande, der dem größten Teil Deutschlands (ohne Österreich) die wirtschaftliche Einheit gab. Gefördert auch durch den Bau der ersten Eisenbahnen (1835 Nürnberg‒Fürth, 1839 Leipzig‒Dresden) setzte nun das Industriezeitalter ein.

Der Gedanke der nationalen Einheit und der Ruf nach Verwirklichung des Rechts- und Verfassungsstaates erhielten durch die französische Julirevolution (1830) neue Impulse. Das Bürgertum neigte immer mehr liberalen und nationalen Ideen zu; in dieser Unruhe des „Vormärz“ bildeten sich die ersten Ansätze deutscher Parteien heraus. Das Übergreifen der mit der französischen Februarrevolution 1848 einsetzenden Bewegung auf Deutschland in Gestalt der v. a. vom bürgerlichen Mittelstand getragenen Märzrevolution ließ das metternichsche System zusammenbrechen und mündete in die Frankfurter Nationalversammlung. Nachdem Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, die ihm angebotene Kaiserkrone (am 28. März 1849 zum „Kaiser der Deutschen“ gewählt) abgelehnt hatte und nur die kleineren deutschen Staaten zur Annahme der Reichsverfassung bereit waren, war die bürgerliche Revolution gescheitert; die Aufstände in Sachsen, Baden und der Pfalz wurden niedergeworfen.

Nach 1850 wurden die alten verfassungsrechtlichen Zustände des Deutschen Bundes nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung und dem preußischen Rückzug vor dem österreichischen Ultimatum (Olmützer Punktation, 29. November 1850) wiederhergestellt. Während v. a. in den süddeutschen Staaten die Reaktion nur zögernd einsetzte, wurde in der Monarchie der Habsburger der Scheinkonstitutionalismus von 1849 annulliert und ein Neoabsolutismus errichtet. In dieser Situation verfassungspolitischen Rückschritts gingen entscheidende Änderungsimpulse von der Wirtschaftsentwicklung und dem zwischen Preußen und Österreich erneut aufbrechenden Dualismus aus.

Gründung des Deutschen Reiches (Zweites Reich) (1871–1918)

Vor der politischen Einigung von 1871 vollzog sich die wirtschaftliche Einigung der deutschen Länder. Ende der 1850er Jahre war Deutschland schon von einem mehr als 6.000 km langen Eisenbahnnetz durchzogen und wurde zu einem einheitlichen Verkehrsgebiet, das einen einheitlichen Markt erschloß. Es entstanden die ersten wirklichen Großbetriebe. Die Führung in der deutschen Frage beanspruchte aufgrund seines wirtschaftlichen und militärischen Potentials Preußen, wo das Erstarken des Liberalismus im Kampf um die Reorganisation und Kontrolle der preußischen Armee zum preußischen Verfassungskonflikt zwischen Krone und Abgeordnetenhaus führte. Auf dem Höhepunkt der Krise wurde 1862 Otto von Bismarck als Kandidat der Militärpartei zum Ministerpräsidenten berufen. Er zielte auf den Bruch des Deutschen Bundes und eine Neugründung durch Preußen. Den von Österreich einberufenen Frankfurter Fürstentag 1863 (zur Beratung des österreichischen Bundesreformplans) brachte er zum Scheitern. Die schleswig-holsteinische Frage und der Deutsch-Dänische Krieg 1864 führten die beiden deutschen Vormächte noch einmal zusammen. Preußens Vorgehen im Konflikt um Schleswig-Holstein (Besetzung Holsteins) und das von Bismarck dem Bundestag vorgelegte Reformprogramm (Neubildung des Bundes ohne Österreich, kleindeutsche Lösung) führten zum Deutschen Krieg 1866, zu dessen wichtigsten innerdeutschen Folgen die Ausschließung Österreichs aus dem deutschen Staatenverband und die Bildung des Norddeutschen Bundes gehörten. Die Bundesverfassung stellte den Reichstag mit allgemeinem, gleichem und unmittelbarem Wahlrecht gleichberechtigt neben den Bundesrat (Vertretung der einzelstaatlichen Regierungen), Bundespräsident war der König von Preußen. Die spanische Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen gab im Juli 1870 Anlaß zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (Emser Depesche), der die kleindeutsche Reichsbildung durch Beitritt der süddeutschen Staaten (Novemberverträge von Versailles, Kaiserproklamation des preußischen Königs als Wilhelm I. am 18. Januar 1871 in Versailles) als einen Bund der deutschen Fürsten und Hansestädte vollendete. Durch die Friedensschlüsse von Versailles (26. Februar, davor am 18. Januar, dem Jahrestag der Krönung des ersten preußischen Königs von 1701, Ausrufung zum Deutschen Kaiser) und Frankfurt am Main (10. Mai 1871) gewann das Reich das deutsche Elsaß-Lothringen zurück und war damit von Anfang an mit der Feindschaft Frankreichs belastet.

Nach der Reichsverfassung (16. April 1871), gegenüber derjenigen des Norddeutschen Bundes stärker föderal ausgerichtet, war das Deutsche Reich eine konstitutionelle Monarchie, ein „ewiger Bund der Fürsten“; der Reichskanzler (zuvor Bundeskanzler) wurde vom Bundespräsidium, dem Kaiser, ernannt und nicht vom Reichstag gewählt, er blieb bis 1918 der einzige verantwortliche Reichsminister. Als Parlamentarisierungsbremse wirkte der Föderalismus (Bundesrat), während der Parlamentarismus für die Partikularismusprävention sorgte.

In der wirtschaftlichen Entwicklung prägten neue Technologien und Organisationsformen die Hochindustrialisierung. Die Elektrizität brachte einen Produktivitätsgewinn gegenüber der Dampfmaschine; der Elektromotor erschloß Handwerk und Kleinbetrieben neue Möglichkeiten. Deutschland wurde durch die Industrialisierung eine der führenden Wirtschaftsmächte (u. a. im Welthandel bis um 1900 an die 2. Stelle gerückt, nach den VSA). Industrialisierung und Urbanisierung beschleunigten sich; der Markt bestimmte zunehmend die sozialen Beziehungen, aber gleichzeitig erhielten sich kulturelle Prägungen durch Region, Konfession und Herkunft. Dem Spekulationsfieber der Gründerzeit folgte 1873 bis etwa 1900/05 ein verlangsamtes und schwankendes Wirtschaftswachstum; das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft und der Fortschrittsglauben waren erschüttert.

Bismarck

Die Wirtschafts- und Innenpolitik nach 1871 setzte den Weg der liberalen Kompromisse fort. Otto von Bismarck regierte mit den liberal-konservativen Mehrheiten im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus, ohne von ihnen abhängig zu werden. Der Kulturkampf gegen den politischen Katholizismus sollte die Liberalen ideologisch auf das System Bismarcks festlegen; er prägte die Parteienlandschaft bis in das 20. Jahrhundert. Die den instabilen „Gründerjahren“ (1871‒1873) folgende „große Depression“ seit 1873 brachte die organisierten Interessen des Großgrundbesitzes und der Schwerindustrie auf Bismarcks Kurs der Orientierung auf das konservative Preußen, der Abwehr von Liberalismus und Parlamentarismus; es entstand das deutsche Vierparteiensystem aus Liberalismus, Konservatismus, politischem Katholizismus und Sozialismus, das zwischen 1871 und 1928 weitgehend stabil blieb. Der Preis für diese Lösung des deutschen Verfassungsproblems war eine strukturelle Schwächung von Parlament und Parteien und die Entfremdung der Arbeiterbewegung vom preußisch-deutschen Obrigkeitsstaat. Mit seiner Sozialpolitik versuchte Bismarck ‒ gegen wirtschaftsliberalen Protest ‒ die Arbeiterschaft stärker an den Staat zu binden. Es war Bismarck, der die Sozialversicherung und 1883 bis 1889 die Kranken-, Unfall- sowie Alters- und Invalidenversicherung einführte. Nach einem Attentat auf Kaiser Wilhelm I. wurden die Sozialistengesetze (1878) erlassen. Gleichzeitig ging Deutschland 1879 vom Freihandel zu Schutzzollpolitik (Einführung eines gemäßigten, bis 1890 rasch steigenden Schutzzolls zugunsten von Landwirtschaft und Industrie) und Protektionismus über, was sich nach 1890 noch verstärkte. Die zunehmende Industrialisierung genügte nicht zur Beschäftigung der sich rasch vermehrenden Bevölkerung; bei der Massenauswanderung nach Amerika verließen Millionen Menschen Deutschland. Dem Tod Kaiser Wilhelms I. folgten die Regierung der 99 Tage Friedrichs III. und die Thronbesteigung Wilhelms II. (1888). Der Sturz Bismarcks (1890) markierte v. a. außenpolitisch das Ende einer Epoche. Grundlage seiner Außenpolitik waren die Ideen des Gleichgewichts der europäischen Mächte, wechselseitiger Sicherheit und des Interessenausgleichs. Auf dieser Basis ist sein Bündnissystem zu verstehen (Dreikaiserabkommen 1873, Dreikaiservertrag 1881, Zweibund 1879, Dreibund 1882, Mittelmeerabkommen und Rückversicherungsvertrag 1887) als ein Schwebezustand offener diplomatischer Allianzen zur Vermeidung des Kriegsfalles (Höhe- und Wendepunkt: Berliner Kongreß 1878). 1884/85 hatte Bismarck Schutzgebiete in Afrika (Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika) und der Südsee (u. a. Deutsch-Neuguinea) erworben. Großbritannien tauschte 1890 die Insel Helgoland und den Caprivi-Zipfel gegen bisher deutsche Gebiete in Ostafrika (sog. Helgoland-Sansibar-Vertrag). Dennoch verschlechterte sich das deutsch-britische Verhältnis zunehmend.

Wilhelm II.

Die 1890er Jahre, gekennzeichnet durch die Diskussion um das „persönliche Regiment“ Wilhelms II., zeigten einen unbewältigten gesellschaftlichen Wandlungsprozeß auf. Ein konstruktiver Ansatz zu innerer Entspannung lag anfangs in dem „Neuen Kurs“ der Innenpolitik, den Wilhelm II. und Kanzler Leo von Caprivi einschlugen (Fortsetzung staatlicher Sozialpolitik zur Lösung der Arbeiterfrage, sozialpolitischer Versöhnungskurs). Nach dem Sturz Caprivis (1894) fehlte dieser Innenpolitik des „Neuen Kurses“ die klare Grundlinie. Die Folgen des Zurückbleibens der politisch-demokratischen gegenüber der wirtschaftlich-technischen Entwicklung gewannen an Intensität. Das „persönliche Regiment“ Wilhelms II. wurde mehr und mehr eingeschränkt, ohne daß Parlament und Parteien in das Machtvakuum nachstießen. Der Reichstagsauflösung 1906 folgte das Experiment des Bülow-Blocks, das aber an dem ungelösten Problem einer Reform des preußischen Wahlrechts und an dem der Reichsfinanzreform scheiterte (1909). Theobald von Bethmann Hollwegs Innenpolitik als Reichskanzler 1909‒1917 war gekennzeichnet von Reformansätzen, die jedoch entweder zu spät kamen oder nur Teilreformen waren. Dem Scheitern der preußischen Wahlrechtsreform (1910) stand der Aufstieg der Sozialdemokratie zur stärksten Reichstagsfraktion 1912 gegenüber. Die Innenpolitik der wilhelminischen Zeit wurde so einerseits bestimmt von der politischen Reformunfähigkeit im Reich und in Preußen und andererseits von der rasanten Modernisierung in Wirtschaft und Kultur; dieses Ungleichgewicht löste Spannungen und Verwerfungen aus, die u. a. zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges beitrugen.

Deutsche Außenpolitik

Spätestens seit der Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages geriet das Land immer stärker unter Druck. Zudem wurden dem Deutsche Reich immer anspruchsvollere geopolitische Aufgaben auferlegt, für die es dann zu Recht auch eine Entschädigung forderte; der Ruf nach dem „Platz an der Sonne“ (Bernhard Graf von Bülow) wurde zum Ausdruck des Anspruchs auf Gleichberechtigung als überseeische Weltmacht. Die europäischen Machtblöcke waren seit der Jahrhundertwende durch die zunehmende Einflußnahme Großbritanniens in ein gefährliches Ungleichgewicht geraten.

Der Aufbau einer deutschen Kriegsflotte unter Alfred von Tirpitz ab 1898 sollte den Rüstungsvorsprung der anderen Weltmächte aufhalten. Die feindliche Propaganda deutete dies ins Gegenteil um und beschwor eine angebliche Gefahr, die dadurch von Deutschland ausginge. Die sogenannte Krüger-Depesche von 1896 lieferte der Thematisierung angeblich negativer deutscher Absichten weiteren Vorschub.

So bildeten sich im Vorfeld des Krieges im wesentlichen zwei gegensätzliche Lager heraus. Auf der einen Seite war dies die Entente zwischen Großbritannien und Frankreich, aus welcher später die Triple Entente) hervorging. Auf der anderen Seite gab es den Zweibund, bestehend aus dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, aus welchem durch den Beitritt Italiens der Dreibund wurde.

In den Marokkokrisen 1905/06 und 1911 zeigte sich eine zunehmende deutsche Isolation in Europa. Seit 1911 sah das Deutsche Reich seinen Entwicklungsspielraum auf den Südosten eingeschränkt, wo die Annexion Bosniens durch Österreich-Ungarn (1908/09) das Überlappen der Einflußsphären der europäischen Großmächte zeigte und über die Balkankriege (1912/13) zu der Krisensituation führte, aus der nach dem Mord von Sarajevo an dem österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Gemahlin der Erste Weltkrieg (1914‒1918) ausgelöst wurde.

Erster Weltkrieg

Hauptartikel: Erster Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges schuf zunächst eine innere Einheit des Volkes und den „Burgfrieden“ der Parteien. Nach dem Scheitern (1915/16) der zunächst erfolgreichen Strategien der Mittelmächte und der Alliierten führte auch in Deutschland die wachsende Kluft zwischen Kriegsbelastung und Friedenschancen seit dem Frühjahr 1916 zum Ende des Burgfriedens. Während die parlamentarische Linke die Beendigung des Krieges und die Einlösung des Versprechens verfassungspolitischer „Neuorientierung“ forderte, sahen die Gruppierungen der Rechten bis in das Zentrum hinein im Anschluß v. a. an die innenpolitisch höchst aktive, halbdiktatorische 3. Oberste Heeresleitung (Paul von Hindenburg, Erich Ludendorff) die Alternative zum Kurs innerer Reform. Erst die Verschlechterung der Kriegslage 1918 veränderte die innere Kräfteverteilung in Deutschland. Schließlich führte die Ausweglosigkeit der militärischen Lage, verbunden mit den von dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson formulierten Grundsätzen für eine Friedensordnung (Vierzehn Punkte), Ende September 1918 zur Bildung einer erstmals aus Parlamentariern bestehenden Regierung unter Prinz Max von Baden, deren Hauptaufgabe die Beendigung des Krieges wurde. Die Novemberrevolution 1918 stürzte die Dynastien, die Republik wurde ausgerufen. Entscheidend für die weitere politische Entwicklung war, daß die Mehrheitssozialisten konsequent auf Errichtung des bürgerlich-parlamentarischen Verfassungsstaates abzielten. In den Wahlen zur Nationalversammlung (19. Januar 1919) erhielten die Partner der Weimarer Koalition, die die Regierung übernahm, eine ¾-Mehrheit und konnten weitgehend die Kompromißstruktur der Weimarer Reichsverfassung (11. August 1919) festlegen; die am 6. Februar 1919 zusammengetretene Weimarer Nationalversammlung wählte am 11. Februar 1919 Friedrich Ebert (SPD) zum Reichspräsidenten.

Weimarer Republik (1918–1933)

Hauptartikel: Weimarer Republik
Gebietsverluste des Deutschen Reiches

Nach dem Muster in Rußland bildeten sich auch überall im Reich Arbeiter- und Soldatenräte. Am 10. November 1918 bildete sich mit dem sozialdemokratischen Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Die von Friedrich Ebert geführten Mehrheitssozialisten strebten die Einrichtung einer parlamentarischen Demokratie an, die Spartakisten und ähnliche Vereinigungen zielten auf eine kommunistische Räterepublik ab. Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin der sogenannte Reichsrätekongreß statt.

Das Frauenwahlrecht und der Achtstundentag wurden eingeführt. Der Spartakusaufstand im Januar 1919 wurde von Freikorps in Berlin beendet; infolgedessen wurden die kommunistischen jüdischen Anführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Bis Mitte 1919 wurden auch alle weiteren Versuche, sozialistische Räterepubliken in Deutschland zu etablieren, von Reichswehr- und Freikorpsverbänden gewaltsam beendet; zuletzt am 2. Mai 1919 die Münchner Räterepublik.

Am 19. Januar wurde die Nationalversammlung gewählt. Sie trat nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen. Die Nationalversammlung wählte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Auf Grundlage der „Weimarer Koalition“, bestehend aus Mehrheitssozialisten, Demokraten und Zentrum, wurde ein parlamentarisches Reichsministerium gebildet.

Aus den Beratungen in Weimar ging die von dem jüdischen Politiker Hugo Preuß entworfene sogenannte Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 hervor, wonach das Deutsche Reich nun eine parlamentarische Demokratie wurde. Sie sah einen starken Reichspräsidenten als Ersatzkaiser vor und konnte durch eine qualifizierte Mehrheit vollständig geändert werden.

Unter dem rücksichtslosen Druck der Feindmächte (→Hungerblockade) mußte Deutschland am 28. Juni den sogenannten Versailler Vertrag unterzeichnen, zahlreiche Gebiete abtreten sowie seine Kolonien dem Völkerbund unterstellen; dabei gerieten Millionen Deutsche unter fremde Herrschaft. Eine Vereinigung Deutschlands mit Österreich wurde untersagt. Deutschland und seinen Verbündeten wurde die alleinige Kriegsschuld gegeben und es wurden Reparationsforderungen gestellt. Das Saarland wurde dem Völkerbund unterstellt und das Rheinland entmilitarisierte Zone. Außerdem gab es massive Beschränkungen für die deutsche Armee.

Das Ausbleiben von demokratischen Reformen in Militär, Justiz und Verwaltung, der als Schanddiktat empfundene Versailler Vertrag und die Dolchstoßlegende waren ein schweres Erbe für den neuen deutschen Staat, der als Republik ohne Republikaner bezeichnet wurde.

1920 kam es zum Kapp-Putsch und zu mehreren politischen Morden. Bei den Reichstagswahlen gab es große Stimmengewinne für systemfeindliche Parteien. Gemäß Versailler Vertrag fanden in einigen Grenzgebieten Volksabstimmungen über die zukünftige Gebietszugehörigkeit statt. Schleswig wurde nach zwei Volksabstimmungen zwischen Dänemark und Deutschland in Nordschleswig und Südschleswig aufgeteilt. Nach einer Volksabstimmung vom 11. Juli blieben die Bezirke Allenstein und Marienwerder bei Preußen. Am 20. September kamen Eupen und Malmedy (bei Aachen) zu Belgien, nachdem eine Eintragung der Bewohner in öffentliche Listen eine entsprechende Mehrheit ergeben hatte.

1921 wurde die Reichswehr geschaffen. Oberschlesien wurde nach einer zum Teil von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägten Volksabstimmung zwischen Deutschland und Polen geteilt. 1922 begannen Deutschland und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen im Vertrag von Rapallo.

Im Januar 1923 besetzten französische Truppen das Ruhrgebiet, um ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung unterstützte den ausbrechenden Ruhrkampf. In den folgenden Monaten kam es zu einer galoppierenden Inflation, die erst im November durch eine Währungsreform beendet wurde.

Bayern wurde zum Sammelbecken rechter, konservativer Kräfte. In diesen Klima vollzog sich der Hitler-Putsch. Adolf Hitler wurde festgenommen und verurteilt, jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder freigelassen.

Ab 1924 erlebte die Weimarer Republik eine verhältnismäßig stabile Phase. Die Neuordnung der Währung und die im Gefolge des Dawes-Plans gewährten Kredite leiteten die „Goldenen 20er Jahre“ ein.

Im Februar 1925 starb Friedrich Ebert, als Nachfolger wurde Paul von Hindenburg gewählt. Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann strebte gemeinsam mit Aristide Briand eine Annäherung an Frankreich und eine Revision der Versailler Vertrages an, was sich im Locarnovertrag 1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926 widerspiegelte.

Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 leitete den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein. Im Sommer 1932 erreichte die Arbeitslosenzahl die Höhe von sechs Millionen. Ab 1930 wurde Deutschland von Präsidialkabinetten ohne Rückhalt im Parlament regiert.

Es kam zu einer politischen Radikalisierung und zu Straßenschlachten zwischen der NSDAP und der KPD. 1931 schlossen sich rechte Kräfte in der Harzburger Front zusammen, die NSDAP wurde bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 stärkste Kraft. Am 28. Januar 1933 erklärte der Reichskanzler Kurt von Schleicher seinen Rücktritt. Hindenburg ernannte am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Drittes Reich (1933–1945)

Hauptartikel: Drittes Reich
Das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches ab dem 5. November 1935
Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl 1933

Im Zuge der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 und der Machtübertragung auf den neuen Reichskanzler Adolf Hitler kam es zur nationalen Erhebung, welche in die eigentliche, unblutig vollzogene, nationalsozialistische Revolution überging. Die feierliche Eröffnung des neuen Reichstages in der Garnisonskirche zu Potsdam am 21. März war die Geburtsstunde des Dritten Reiches. Die neue deutsche Reichsregierung wurde unter Führung der NSDAP mit Beteiligung der nationalen Oppositionen gebildet.

Im März 1933 erließ Reichspräsident Hindenburg nach dem Reichstagsbrand die Reichstagsbrandverordnung, eine Notverordnung; im selben Monat ratifizierte der Reichstag das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich. Fortan konnte die Reichsregierung verfassungsändernde Gesetze ohne Zustimmung des Reichstages erlassen, wodurch die Weimarer Reichsverfassung weitgehend außer Kraft gesetzt wurde. Infolgedessen wurde der pseudodemokratische Mehrparteienparlamentarismus beseitigt. Zur Überwindung des Klassenkampfes trat an die Stelle der Gewerkschaften die Deutsche Arbeitsfront. Der neue nationalsozialistische Staatsaufbau gemäß Führergrundsatz wurde durch die Gleichschaltungsgesetze vom 31. März und 7. April verwirklicht. In der Folgezeit wurden in den Ländern die Reichsstatthalter eingesetzt. Die Auflösung der Volksvertretungen der Länder und die Übertragung der Hoheitsrechte auf die neue Reichsführung erfolgte am 30. Januar 1934. Dem Ziel der Vereinheitlichung von Partei und Staat diente auch die Auflösung aller bürgerlichen, marxistischen und kommunistischen Parteien, insbesondere der KPD, im Deutschen Reich. Am 1. Dezember 1933 wurde die NSDAP Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Die Zahl der Arbeitslosen sank von 6 Millionen (Anfang 1933) auf 1,17 Millionen (Mitte 1936).[1] Das Reichserbhofgesetz vom 29. Septemebr 1933 brachte die Einheit und Sicherung des deutschen Bauerntums. Gemäß Rassegedanken wurde der bisherige große Einfluß des Judentums auf Politik und Kultur weitgehend beseitigt und Juden wurden zunehmend aus öffentlichen Ämtern gedrängt. Die erste grundlegende Maßnahme war die Reformierung des Berufsbeamtengesetzes vom 7. April 1933 mit der Einführung des „Arierparagraphen“. Den Abschluß bildeten die – auch von Zionistenführern begrüßten – Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935.

Außenpolitisch hatte das Dritte Reich mit einem bis dahin nie gekannten Mißtrauen sämtlicher Nationen zu kämpfen. Der bei der Genfer Abrüstungskonferenz erstmals erhobene deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung konnte nicht durchgesetzt werden und stieß insbesondere auf hartnäckigen Widerstand Frankreichs. Daraufhin erklärte Deutschland am 14. September 1933 seinen Austritt aus dem 1919 gegründeten Völkerbund. Die Volksabstimmung zum 12. November bestätigte diesen Schritt mit knapp 95 % der Stimmen. Das nach dem 30. Januar 1933 einsetzende gute Verhältnis zum faschistischen Italien wich einer starken Entfremdung, als Benito Mussolini die Regierung in Österreich bei ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus unterstützte. Ein außenpolitischer Erfolg wurde mit dem Schließen des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes am 26. Januar 1934 erzielt.

Spekulationen nach drohte dem Deutschen Reich ein Umsturzversuch durch Ernst Röhm, Stabschef der SA und linker Flügel der NSDAP. Die Röhm-Revolte wurde am 30. Juni 1934 beendet. Frankreich arbeitete weiter an einer deutschfeindlichen Einkreisungspolitik und zog dazu sogar die Sowjetunion hinzu. Als im August 1934 Reichspräsident Paul von Hindenburg starb, übernahm Adolf Hitler sein Amt und führte fortan die Dienstbezeichnung „Führer und Reichskanzler“; die Volksabstimmung vom 19. August bestätigte diese Regelung mit 89 % Ja-Stimmen.

Anfang 1935 kam das Saarland zurück zum Reich, nachdem es infolge des Versailler Vertrages abgetrennt worden war. Die saarländische Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 brachte eine überwältigende Mehrheit. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht stellte die Reichsregierung die nach dem Versailler Vertrag beseitigte Wehrhoheit wieder her. Es folgte der Abschluß des Flottenabkommens mit England am 18. Juni 1935 und die Verlegung deutscher Truppen ins Rheinland am 7. März, was als Antwort auf das französisch-sowjetische Bündnis angesehen werden kann. Somit wurde die Wehrlosigkeit der „entmilitarisierten Zone“ beseitigt. In der Volksabstimmung vom 29. März stellte sich das Volk mit 99 % der Stimmen fast geschlossen hinter den Führer.

Im August 1936 fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt. Im selben Jahr unterstützte das Deutsche Reich zusammen mit Italien den faschistischen General Franco militärisch im Spanischen Bürgerkrieg gegen die dortige marxistische Regierung.

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen friedlich in Österreich ein. Es kam zum Anschluß Österreichs. Sodann beschlossen am 13. März die deutsche und österreichische Regierung das Anschlußgesetz, welches nur wenige Tage später in Kraft trat; es wurde am 10. April durch eine Volksabstimmung bestätigt. Im Deutschen Reich sprachen sich 99 % der Bevölkerung, in Österreich 99,7 % für die Vereinigung der beiden deutschen Staaten aus. Die Westmächte beließen es bei diplomatischen Protesten und akzeptierten die Vereinigung vorerst als vollendete Tatsache. Im Münchner Abkommen vom selben Jahr wurde der Anschluß des Sudetenlandes an Deutschland beschlossen. Am 9. November 1938 ereignete sich die sogenannte „Reichspogromnacht“. Im August 1939 kam es zur Ratifizierung des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes.

Deutschland um 1939

Im März 1939 marschierte die Wehrmacht in die sogenannte Rest-Tschechei ein, da im Falle eines militärischen Kofliktes mit den Westmächten die Tschechei als potentieller Feind Deutschlands angesehen werden mußte. Das Memelland, ebenfalls im Zuge des Versailler Vertrages vom Reich abgetrennt, kam nach vertraglicher Vereinbarung an Deutschland zurück.

Zweiter Weltkrieg

Hauptartikel: Zweiter Weltkrieg

Am 1. September 1939 begann der aus Notwehr geborene Polenfeldzug; infolgedessen erklärten am 3. September zunächst Großbritannien und dann Frankreich Deutschland den Krieg und entfesselten damit den Zweiten Weltkrieg in Europa. Nach dem Sieg der Wehrmacht und der Roten Armee über Polen wurde dessen Westteil zum deutschen Generalgouvernement erklärt, während die Sowjetunion den Ostteil des Landes besetzte.

Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939, verübte der Einzeltäter Johann Georg Elser ein Bombenattentat auf Hitler während einer Veranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller; es scheiterte jedoch, weil Hitler unmittelbar nach seiner Rede wenige Minuten vor der Explosion den Saal verlassen hatte.

Im „Blitzkrieg“ folgten schnelle deutsche Besetzungen von Dänemark, Norwegen, den Beneluxstaaten und Frankreich 1940, u. a. um britischen Invasionen ebendort zuvorzukommen. Die geplante Niederwerfung Großbritanniens mit dem Unternehmen Seelöwe mißlang jedoch, weil die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz intensiver Bombardierung strategischer Ziele (Flugplätze, Radarstationen, Luftrüstungsindustrie) nicht die völlige Lufthoheit über Großbritannien erringen konnte, was wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Invasion der britischen Inseln gewesen wäre.

1940/41 eroberte die Wehrmacht mit den Streitkräften Italiens, Ungarns und Bulgariens gemeinsam Jugoslawien und Griechenland. Es entstanden die Staaten Kroatien, Serbien und Montenegro. Die restlichen Gebiete wurden den Ländern zugeteilt, die diese Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg verloren hatten. Es folgte ab 1943 ein zermürbender Partisanenkrieg. Mit zur Unterstützung Italiens entsandte Deutschland im Januar 1941 das Afrikakorps in die damalige italienische Kolonie Libyen.

Am 22. Juni begann das als Blitzkrieg geplante „Unternehmen Barbarossa“ gegen die Sowjetunion. Dabei drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis vor Moskau und Leningrad vor. Im Winter 1941/42 geriet die Offensive ins Stocken.

Am 11. Dezember 1941 mußte Deutschland den VSA, welche seit Kriegsbeginn Großbritannien und seit Juli 1941 auch die UdSSR ausgiebig mit Gütern versorgten, den Krieg erklären.

Aufbau des Großdeutschen Reiches um 1943

Im Verlauf einer neuen Offensive im Osten im Sommer 1942 drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis an den Don und in den Kaukasus vor. Die Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/43 war einer der Wendepunkte des Krieges. Bis Ende 1943 hatte die Sowjetunion weite Gebiete zurückerobert. Am 13. Mai 1943 mußten die Achsenmächte (Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.

Ab 1939 (Angriff auf Krefeld) begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche Städte. Ab Ende 1944 flohen viele Deutsche aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches vor der anrückenden Roten Armee. 1944 konnte diese weite Teile von Südosteuropa erobern. Am 6. Juni begann die Invasion der westlichen Alliierten in der Normandie, nachdem sie nach der Landung auf Sizilien von Süden her Italien erobert hatten und gegen Deutschland im Vormarsch waren. Am 20. Juli scheiterte ein Attentat und ein Putschversuch von Wehrmachtsangehörigen und Mitgliedern des Kreisauer Kreises gegen Adolf Hitler und die Reichsregierung.

Ende 1944 und Anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung Deutschland nach dem Krieg. Nach Beginn ihrer Winteroffensive am 12. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Ostpreußen, Pommern und Schlesien und holte vielfach die fliehende Zivilbevölkerung ein. Im April erreichten die sowjetischen Truppen die Reichshauptstadt und es kam zur Schlacht um Berlin. Hitler beging am 30. April im Bunker der Reichskanzlei mutmaßlich Suizid, nachdem er testamentarisch Admiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmt hatte. Am 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete Generaloberst Jodl – von Dönitz hierzu autorisiert – die bedingungslose Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht, die, durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde ratifiziert, am Tag darauf in Kraft trat. Damit war der Kampf um Deutschland beendet.

In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluß an die Besetzung wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen im Rahmen der widernatürlichen sogenannten „Westexpansion Polens“ aus Ost- und Ostmitteleuropa vertrieben, insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen. Infolge der Vertreibungen wurden über 2,1 Millionen Deutsche ermordet.

Besatzungszeit – Interregnum (seit 1945)

Die durch die Siegermächte festgelegten Grenzen des Deutschen Reiches
Besatzungszonen

Die Zeit seit dem Ende des Dritten Reiches ist bis heute ein Interregnum. (Siehe auch: Nachruf auf das Dritte Reich). Es galt, nach der völkerrechtswidrigen Besetzung Deutschlands bis zur Wiedererrichtung des Reiches Zwischenlösungen zu gestalten. Das bis heute „gültige“ Grundgesesetz für die BRD stellt eine solche vorübergehende Ordnung dar.

Der Sieg der Alliierten über Deutschland wird am 8./9. Mai als angeblicher Tag der Befreiung „gefeiert“. In der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung jener Zeit wurde dies jedoch als Besatzung gesehen. Je nach politischem Standort allerdings fühlten sich einige auch befreit: Für die KZ-Häftlinge, Emigranten und politisch Verfolgten war es nach zwölf Jahren Unterdrückung eine Befreiung im buchstäblichen Sinn des Wortes. Für die Alliierten, zumal in Deutschland, war die Befreiung Deutschlands zunächst eher ein Nebeneffekt. In der Direktive JCS 1067 vom April 1945 stellten sie fest: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat.[2]

Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurden Millionen deutscher Frauen und Mädchen Opfer von Vergewaltigungen. In der DDR war das Thema „Massenvergewaltigungen durch die Rote Armee“ und die Vertreibungen ein Tabu.

Die Siegermächte VSA, Großbritannien und UdSSR trafen sich im Juli/August 1945 zur Potsdamer Konferenz. Dort einigten sie sich auf die Grundsätze Demokratisierung, Entnazifizierung, Entmilitarisierung und Dezentralisierung. Das Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie wurden unter polnische Verwaltung gestellt. Das Elsaß fiel wieder an Frankreich. Österreich wurde wieder vom Deutschen Reich abgekoppelt, und für sich ebenfalls in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Für Deutschland wurde ein gemeinsames Verwaltungsorgan, der Alliierte Kontrollrat, gebildet, die Viersektorenstadt Berlin bekam eine gemeinsame Stadtverwaltung aller vier Mächte, die Alliierte Kommandantur. Der Wiederaufbau und die Bildung von Bundesländern und demokratischen Parteien begannen. Im Oktober 1945 wurden die „Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse“ eingeleitet. Die Besatzungsmächte gingen in ihren Zonen jeweils eigene Wege, wobei die westlichen Mächte Großbritannien, Frankreich und VSA im Zuge des aufkommenden Ost-West-Konfliktes tendenziell zunehmend gegen die UdSSR zusammenarbeiteten. 1947 fanden einige Versuche einer Einigung über die Zukunft Gesamtdeutschlands statt, die allerdings scheiterten. Fortan waren die Westmächte bestrebt, einen eigenen westdeutschen Staat in ihren Zonen aufzubauen.

In der sowjetischen Besatzungszone Mitteldeutschlands (SBZ) wurden sehr bald die Weichen für den Sozialismus sowjet-bolschewistischer Prägung gestellt. SPD und KPD wurden zur SED zwangsvereinigt und Schlüsselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur Steuerung der Wirtschaft erhielt.

Die britische und die VS-amerikanische Zone schlossen sich Anfang 1947 zur Bizone zusammen (die formelle Erweiterung dieser mit der französischen zur Trizone sollte dann erst im April 1949 erfolgen). Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der Wiederaufbau, die SBZ mußte diese Hilfen auf sowjetischen Druck jedoch ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ geschaffen.

Am 20. Juni 1948 fand in den Westzonen auf Betreiben der westlichen Alliierten eine Währungsreform statt. Sie bildete die Grundlage für das spätere Wirtschaftswunder. In der SBZ wurde im Gegenzug eine eigene Währung eingeführt. Am 24. Juni führten die Westmächte die Westmark auch in West-Berlin ein, die Sowjets antworteten darauf mit der Berliner Blockade. Der Westteil der Stadt wurde fast ein Jahr lang von den VSA und Großbritannien über die Berliner Luftbrücke mit den notwendigsten Gütern versorgt. Die Sowjets hoben im Mai 1949 die Blockade wieder auf. Berlin blieb aber im Mittelpunkt der Politik der Siegermächte.

Am 20. März 1948 verließen die Sowjets aus Protest gegen die Londoner Sechsmächtekonferenz den Alliierten Kontrollrat. Am 1. Juli 1948 übergaben die Westmächte den Ministerpräsidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung. Auf der Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die Gründung einer Bundesrepublik Deutschland beschlossen.

Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein Sachverständigenausschuß für Verfassungsfragen die Grundlage für die Textarbeiten des von den Alliierten eingesetzten, also in keiner Weise demokratisch legitimierten, „Parlamentarischen Rates“. Die damals elf Länder der Westzonen entsandten jeweils einen Sachverständigen für Verfassungsfragen zum Verfassungskonvent. Zum Gremium gehörten Demokraten wie die USPD-/SPD-Kommunisten Hermann Brill (1895–1959), 1939 wegen Hochverratshandlungen zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, der 1944 im KL Buchenwald ein illegales Volksfrontkomitee gründen und leiten konnte, und Fritz Baade (1893–1974), während der Novemberrevolte Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrats und Stadtverordneter in Essen; 1935 in die Türkei emigriert.

Der Parlamentarische Rat trat am 1. September in Bonn zusammen und erarbeitete dort das „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“. Nachdem dieses von allen Ländern außer Bayern angenommen und von den westlichen Besatzungsmächten genehmigt worden war, wurde es am 23. Mai 1949 verkündet. Damit war das Besatzungskonstrukt „Bundesrepublik Deutschland“ gegründet.

Ende Mai 1949 fand in der SBZ der „3. Deutsche Volkskongreß“ statt. Die Mitglieder wählten den „2. Deutschen Volksrat“ als ständiges Organ. Der „Volkskongreß“ nahm die Verfassung für eine Deutsche Demokratische Republik einstimmig an. Am 7. Oktober wurde die DDR gegründet. Die Teilung Restdeutschlands war ein Faktum.

Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)

In der neu geschaffenen Volkskammer wurde Wilhelm Pieck zum Staatspräsidenten und Otto Grotewohl zum Ministerpräsidenten gewählt. Bis 1971 übte der Generalsekretär der SED, Walter Ulbricht, die entscheidende Macht in der DDR aus. Die Hauptstadt war Ost-Berlin.

Im Februar 1950 wurde das Ministerium für Staatssicherheit gegründet. Im Juli vereinbarte man vertraglich die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze. Am 15. Oktober fanden die ersten Volkskammerwahlen statt. Es wurde über eine Einheitsliste gewählt, die nach offiziellen Angaben 99,3 % der Stimmen erhielt. Die Wahlpraxis der Einheitsliste bestand bis 1989.

Am 1. Januar 1951 begann der erste Fünfjahresplan. Im Frühjahr 1952 wurde in Deutschland über die Stalin-Note debattiert, der Westen lehnte sie schließlich ab. Ende April wurden die ersten Volkseigenen Betriebe (VEB) gebildet und Anfang Juni die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG).

Im Mai 1953 beschloß die SED eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Es regte sich Widerstand. Das Politbüro der SED übte Selbstkritik und verkündete einen Neuen Kurs. Am 17. Juni kam es zum Volksaufstand, der mit Hilfe sowjetischer Truppen niedergeschlagen wurde.

In den Jahren von 1949 bis 1961 hatten etwa drei Millionen Menschen Republikflucht. Um ein weiteres Ausbluten zu verhindern, riegelte die DDR am 13. August 1961 die Grenze zu Westberlin durch die Errichtung der Berliner Mauer ab.

Anfang der 1970er Jahre kam es zu einer Annäherung zwischen DDR und BRD, maßgeblich vorangetrieben durch Zugeständnisse der BRD, überbracht von BRD-Kanzler Willy Brandt. Die Gespräche zwischen beiden Staaten führten zum Grundlagenvertrag im Jahr 1973. Im Mai 1971 wurde Walter Ulbricht entmachtet, sein Nachfolger als Erster Sekretär der SED wurde Erich Honecker.

Die DDR und die BRD wurden 1973 Mitglied der von den ehemaligen Alliierten kontrollierten und als antideutsche Organisation gegründeten „Vereinten Nationen“ (VN).[3] Im Mai 1974 wurden die Ständigen Vertretungen der beiden deutschen Verwaltungseinheiten in Bonn und Ost-Berlin errichtet. Im Ergebnis der KSZE wurde am 1. August 1975 auch von beiden Einheiten die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet. Die Ausbürgerung des kommunistischen Sängers Wolf Biermann im November 1976 führte zu Protesten, vor allem von Künstlern, in der DDR.

1983 erhielt die DDR durch Vermittlung des bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß einen Milliarden„kredit“ aus der Bundesrepublik, der ihre kommunistische Herrschaft stabilisieren sollte. Im September 1987 kam es zum ersten „Staatsbesuch“ Erich Honeckers in der BRD.

Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bewohner der DDR über Ungarn, das am 2. Mai seine Grenze zu Österreich öffnete. Ab dem 11. September konnten DDR-Bewohner auch über Botschaften der BRD in osteuropäischen Staaten ausreisen.

Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten zu Protestdemonstrationen, die sich, vor allem in Leipzig, sehr schnell zu friedlichen Großdemonstrationen ausweiteten. Das Sowjetregime war diesmal nicht bereit, den Aufstand mit seinen Panzern niederzuwalzen und so konnte der Satrap Moskaus, Honecker, der Lage nicht mehr Herr werden.

Am 18. Oktober trat Honecker zurück. Wenige Tage später folgte ihm die gesamte DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die friedlichen Proteste in Form der Montagsdemonstrationen durch die DDR-Bewohner führten schließlich zum Sturz des SED-Regimes.

Am 3. Oktober 1990 wurde, gemäß Einigungsvertrag, der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes vollzogen, nachdem sich die deutschfeindlichen Mächte der weiterhin praktizierten absoluten Unterwürfigkeit auch der vergrößerten BRD vergewissert hatten.

Bundesrepublik Deutschland (1949 bis 1990)

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23.Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als Provisorium für eine Verfassung auf Veranlassung der Alliierten ohne Volksabstimmung in Kraft gesetzt. Als die „Wiege der Bundesrepublik Deutschland“ gilt bezeichnenderweise eine Villa der Familie Rothschild.[4]

Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag statt, die CDU/CSU wurde stärkste Fraktion. Konrad Adenauer wurde Mitte September zum Bundeskanzler, Theodor Heuss zum Bundespräsidenten ernannt. Im November wurde das Petersberger Abkommen geschlossen. Am 16. Januar 1950 wurde die Lebensmittelrationierung abgeschafft.

Die Regierung Adenauers erzwang die Westintegration, die Wiederbewaffnung und schuf, begünstigt durch den Marshall-Plan der VSA, die politischen Rahmenbedingungen für das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik. Sie erhob den Alleinvertretungsanspruch für Deutschland, und brach die Beziehungen mit Ländern ab, die die DDR anerkannten. Trotzdem unterzeichnete sie 1955 einen Vertrag mit der Sowjetunion, damit die letzten deutschen Kriegsgefangenen heimkehren konnten. Ebenfalls 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft. Die BRD trat der NATO bei und die Bundeswehr wurde gegen den Widerstand einer aufkeimenden breiten Friedensbewegung, der „Ohne Mich-Bewegung“, gegründet.

Infolge des Kalten Krieges wurden die in Westdeutschland und Mitteldeutschland siedelnden Deutschen immer mehr voneinander getrennt. Diese Entwicklung war von den West-Alliierten, später auch von der Sowjetunion vorangetrieben worden. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte insbesondere Westdeutschland von Mitteldeutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde in der unter alliierter Vier-Mächte-Herrschaft befindlichen Stadt Berlin der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.

Während in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik für die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“. Das einsetzende Wirtschaftswunder führte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, Vollbeschäftigung und Wohlstand.

Die Bundesrepublik war 1952 Mitbegründerin der Montanunion, der Vorläuferin der EG. 1951 wurde gegen die nationale Sozialistische Reichspartei und 1956 der kommunistischen KPD, die als kleine Fraktion noch bis 1953 im Bundestag vertreten gewesen war, vom Bundesverfassungsgericht Parteiverbote ausgesprochen.

1955 trat die BRD der NATO bei.

1957 wurde das Saarland wieder Teil der BRD. Im März begründeten die Römischen Verträge die EWG. Im November 1959 wandte sich die SPD mit dem Godesberger Programm endgültig vom Marxismus ab. 1959 wurde Heinrich Lübke Nachfolger von Theodor Heuss als Bundespräsident.

In den 1960er Jahren führten einige politische Affären und das Aufkommen kritischer Ideen (Frankfurter Schule) insbesondere der Studenten (68er-Bewegung) zum angeblichen Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, dessen Folgen heute in der BRD allgegenwärtig sind. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die Studentenunruhen 1968 und die Wahlerfolge der NPD verstärkten den Eindruck einer politischen Krise für die regierenden Parteien.

Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen Hunderttausende Flüchtlinge aus der DDR in die BRD. Im Zuge des Aufbaus und der Vollbeschäftigung während des sogenannten Wirtschaftswunders wurden zunehmend Gastarbeiter, vor allem aus Südeuropa, angeworben.

Im Oktober 1962 mußte infolge der Spiegel-Affäre Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zurücktreten. Im Januar 1963 wurde der Elysée-Vertrag zwischen der BRD und Frankreich unterzeichnet, mit dem eine grundlegende Aussöhnungspolitik mit dem ehemals als historischem „Erzfeind“ Deutschlands bezeichneten Staat betrieben wurde. Am 15. Oktober trat Adenauer als Bundeskanzler zurück.

Nachfolger wurde der sogenannte „Vater des Wirtschaftswunders“ Ludwig Erhard. Er trat bereits Ende 1966 zurück. Nun bildete Kurt Georg Kiesinger (CDU) eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Diese wurde nur als Überganglösung verstanden, jedoch erzielte sie Erfolge in der Wirtschafts-und Innenpolitik. So verabschiedete die Koalition eine Reihe grundlegender Gesetzesänderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mit Hilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen.

1968 wurden die Notstandsgesetze beschlossen. Die unzureichende Verarbeitung der NS-Vergangenheit, der Bildungsnotstand, der Protest gegen den Vietnamkrieg, die Hippiebewegung und die als veraltet empfundene Gesellschaftsordnung hatten den Widerstand der studentischen Jugend mit sich gebracht. Infolgedessen veränderten sich Alltagkultur und politisches Leben erheblich.

Im März 1969 wurde Gustav Heinemann Bundespräsident. Im September kam es nach der Bundestagswahl zu einem Machtwechsel. SPD und FDP bildeten die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt. Diese Regierung setzte eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Reformen um und betrieb eine „neue Ostpolitik“. Diese sah eine Politik der Annäherung an die Ostblockstaaten vor, welche anläßlich des Kniefalls von Warschau am 7. Dezember 1970 einen international beachteten symbolischen Ausdruck fand. Einerseits brachte Brandts Verständigungs- und Annäherungspolitik mit dem Ostblock ihm selbst 1972 den Friedensnobelpreis und bewirkte auch außenpolitische Entspannung; andererseits erntete er mit seiner Ostpolitik innenpolitisch teilweise heftige Kritik vor allem aus konservativen Kreisen. Die Kritik gipfelte 1972 in einem von der CDU initiierten konstruktiven Mißtrauensvotum. Brandt überstand im April 1972 das konstruktive Mißtrauensvotum, worauf sich die SPD erfolgreich mit Neuwahlen rettete.

Brandts zweite Amtszeit als Bundeskanzler (1972–1974) war überschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ölkrise 1973 sowie inflationäre Tendenzen aufgrund hoher Tarifabschlüsse geführt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer Spionageaffäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume zurück.

Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kämpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschätzt, verlor er jedoch den Rückhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.

Die Innenpolitik der 70er Jahre waren geprägt von einer Liberalisierung des Rechtssystems, einem Ausbau des sozialen Netzes und Reformen des Bildungswesens. Im Herbst 1973 wurde auch die BRD von der Ölkrise getroffen, das Wirtschaftswunder war endgültig vorbei. Am 6. Mai 1974 tat Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre zurück. Sodann wurde Helmut Schmidt Bundeskanzler, Walter Scheel Bundespräsident. Die Ostpolitik wurde fortgesetzt, schließlich kam es 1975 durch die KSZE zu einem Fortschreiten der Entspannungspolitik.

Innenpolitisch mußte sich der BRD-Pseudostaat mit dem Problem des Linksterrorismus der RAF auseinandersetzen. Dieser erreichte im „Deutschen Herbst1977 seinen Höhepunkt. Aber auch die wachsende Umwelt- und Friedensbewegung waren Schwerpunkte dieser Zeit (vgl. auch Neue soziale Bewegungen). 1979 wurde Karl Carstens Bundespräsident.

Aufgrund wachsender Spannungen kam es im September 1982 zum Bruch der SPD/FDP-Koalition. Infolgedessen wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Mißtrauensvotum am 1. Oktober 1982 zum Kanzler gewählt. Die neue CDU/CSU-FDP-Regierung wurde durch die Bundestagswahlen 1983 bestätigt. Die Grünen zogen bei dieser Wahl als Vertreter der neuen sozialen Bewegungen erstmals in den Bundestag ein und erlangten parlamentarisches Gewicht, nachdem deren Anhänger als außerparlametarische Opposition viele Jahre lang in unterschiedlichen Zusammenhängen aktiv gewesen waren (vgl. Frauenbewegung, Neue Linke, Atomkraftgegner, K-Gruppen, Friedensbewegung u. a.).

Helmut Kohl regierte länger als alle seine Vorgänger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die Veränderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maßgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9. November 1989 mußte die DDR-Führung die Mauer öffnen, nachdem Günter Schabowski während einer Pressekonferenz am selben Abend durch ein Versehen einen Massenansturm auf die Grenzübergangsstellen ausgelöst hatte.

1984 wurde Richard von Weizsäcker Bundespräsident. Anfang 1984 startete das Privatfernsehen in Deutschland, ebenfalls 1984 kam es zur Flick-Affäre und der Frage, ob die Republik käuflich sei. 1986 erschütterte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Europa. Im selben Jahr wurde die Einheitliche Europäische Akte unterzeichnet, die eine erste größere Reform der EG mit sich brachte und ein wichtiger Schritt zur Europäischen Union war. Im September 1987 besuchte mit Erich Honecker erstmals ein DDR-Staats- und Parteichef die BRD.

Bundesrepublik Deutschland (ab 1990)

Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Zustimmung der Siegermächte und beider deutscher Parlamente kam es am 3. Oktober 1990 zum Beitritt Mitteldeutschlands zur BRD. Diese sogenannte Wiedervereinigung bedeutete auch das Ende des Kalten Krieges. In den Folgejahren reduzierten die alliierten Siegermächte ihre auf dem Gebiete des von der BRD verwalteten Besatzungskonstruktes stationierten Truppen erheblich.

Obwohl die Bundesrepublik Deutschland seit dem Inkrafttreten des Zwei-plus-Vier-Vertrages am 15. März 1991 de facto wie ein souveräner Staat agiert, sind heutzutage die entscheidenden Besatzungsrechte der alliierten Siegermächte weiterhin in Kraft. Zudem ist die BRD kein Staat und auch nicht Rechtsnachfolger des Staates Deutsches Reich: Artikel 53 und 107 der UNO-Charta (die sogenannte „UN-Feindstaatenklausel“)[5] erlauben ohne Beschlüsse des Sicherheitsrates Zwangsmaßnahmen gegen solche Staaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen einen der Unterzeichnerstaaten der Charta Krieg führten und erneut den Frieden bedrohen.

Helmut Kohl blieb Bundeskanzler und wurde auch 1994 wiedergewählt. Das Zusammenwachsen der beiden Landesteile, das Umsetzen fälliger Reformen in zahlreichen Bereichen und das Zusammenwachsen der europäischen Staaten sind Hauptthemen im heutigen Deutschland.

In Mitteldeutschland wurde seit der Wende die Infrastruktur enorm verbessert, und einige Regionen haben sich gut entwickelt. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit hoch. Dies hat auch zur Folge, daß gerade viele junge Menschen in den Westen ziehen. Es gibt verstärkt „rechtsradikale“ und „systemfeindliche“ Tendenzen. Auch die Nachfolgepartei der SED, Die Linke, erhält viele Stimmen.

1991 wurde der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin beschlossen, der bis 1999 weitgehend abgeschlossen war. 1994 wurde Roman Herzog Nachfolger von Richard von Weizsäcker als Bundespräsident. Er wurde 1999 von Johannes Rau und dieser 2004 von Horst Köhler abgelöst.

Mit der Unterzeichnung des Vertrages über die Europäische Union 1992 wurde die EG in die EU überführt, die deutlich größere Kompetenzen hat. Der Vertrag sah auch die Einführung des Euro vor und führte zu einer Änderung des Grundgesetzes, wobei auch das Ziel eines Vereinten Europas festgeschrieben wurde.

In den letzten Jahren wurde immer wieder der Ruf nach einem ständigen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat laut, was im Ausland kritisch betrachtet wird, da Deutschland sich weiter im Kriegszustand mit den Gegnern des Zweiten Weltkrieges befindet. Die Bundeswehr führt erstmals „Out-of-area“-Einsätze durch.

Bei der Bundestagswahl 1998 wurde die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Kohl vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder abgelöst. Ursache war auch der Reformstau. Dies war die erste echte Abwahl einer deutschen Bundesregierung, vorangegangene Machtwechsel waren immer ein Wechsel des Koalitionspartners.

Die neue Regierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen ging Reformvorhaben an, diese wurden jedoch zumeist so weit entschärft, daß ihre Wirkung sehr umstritten ist. Nachdem 2000 mit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen viel Geld in die Staatskasse gespült worden war, stieg die Verschuldung in den folgenden Jahren aufgrund einer Wirtschaftskrise wieder.

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro zum offiziellen Zahlungsmittel in Deutschland, entgegen dem Wunsch des deutschen Volkes. Durch die Bundestagswahl 2002 wurde die Koalition bestätigt, wenn auch nur denkbar knapp. Im August 2002 verursachte die Jahrhundertflut an Elbe und Donau erhebliche Schäden. Im Herbst 2004 wurde der Vertrag über eine Verfassung für Europa unterzeichnet und es gab gegen das parteiübergreifend verabschiedete Hartz-Konzept, das zum 1. Januar 2005 umgesetzt wurde, große Proteste. Durch die damit verbundene Neuordnung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und die Einbeziehung der Sozialhilfeempfänger in die Arbeitslosenstatistik stieg Anfang des Jahres die Zahl der offiziell Arbeitslosen auf über fünf Millionen.

Nach dem Krieg der VSA gegen Afghanistan 2002 sind Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan stationiert. Der Krieg der VSA gegen den Irak 2003 wurde von der Regierung Gerhard Schröder als nicht gerechtfertigt abgelehnt.

Unmittelbar nach der für die Sozialdemokraten verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 – der auch zu einem Regierungswechsel im Düsseldorfer Landtag und einer Machtverschiebung im Bundesrat zugunsten der konservativ-liberalen Opposition führte – kündigten der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering und Bundeskanzler Gerhard Schröder überraschend Neuwahlen für den Herbst 2005 an. Die von Schröder zur Herbeiführung von Neuwahlen genutzte Vertrauensfrage war heftig umstritten, wurde jedoch nachträglich in einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes gebilligt. Bei der folgenden Bundestagswahl erreichte die Regierungskoalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen keine eigene parlamentarische Mehrheit mehr, es kam nach wochenlangen Koalitionsverhandlungen zur Bildung der zweiten Großen Koalition in der bundesdeutschen Geschichte aus CDU/CSU und SPD unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Regierungskoalition sah sich angesichts schleppenden Wirtschaftswachstums und hoher Arbeitslosigkeit einem enormen politischen Erwartungsdruck insbesondere ausgesetzt. Das Kalkül der Koalitionäre lag in der Hoffnung, eine breite parlamentarische Regierungsmehrheit im Deutschen Bundestag und Bundesrat könne bedeutende Reformvorhaben wie die Gesundheitsreform und die Föderalismusreform, die am 17. Dezember 2004 an Meinungsverschiedenheiten über bildungspolitische Kompetenzen gescheitert war, leichter realisieren.

Siehe auch

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Teilaspekte deutscher Geschichte

Kriege

Weitere eigenständige Beiträge zu den Kriegen, die mit Beteiligung deutscher Staatengebilde geführt wurden, sind hier aufgelistet:

Revolutionen

Eigenständige Beiträge zu Revolutionen und revolutionsähnlichen Entwicklungen, die in Deutschland bzw. auf dessen heutigem Gebiet stattfanden, und die zu teilweise grundlegenden Zäsuren in der deutschen Geschichte führten:

Geschichte deutscher Länder

Deutschland seit Germanien

Literatur

Verweise


Fußnoten

  1. „...Im Zuge eines Programms, für dessen Durchführung wir vier Jahre errechneten, sind in knapp acht Monaten von 6 Millionen Arbeitslosen über 2 1/4 Millionen wieder einer nützlichen Produktion zugeführt worden.“ Rede vom 14. Oktober 1933 (Adolf Hitler)
  2. in: Wolfgang Popp: „Wehe den Besiegten! Versuch einer Bilanz der Folgen des Zweiten Weltkrieges für das deutsche Volk“, Grabert-Verlag 2001, S. 13
  3. „Vereinte Nationen“ war eine Begriffsprägung des VS-Präsidenten Franklin D. Roosevelt für die von ihm zusammengeführte Staatenkoalition, die den Zweiten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich sowie gegen Mussolinis Italien und Japan führte. Zur Entstehung und Geschichte des Begriffs siehe Vereinte Nationen, Abschnitt Geschichte und ausführlich Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg 1937–1945 und das Rätsel von Pearl Harbor, darin das Kapitel Errichtung der ‚einen Welt‘, Herbig, 1993, ISBN 3776618205, S. 254–273
  4. Welt.de, 20. März 2009: Elian Ehrenreich, Villa Rothschild – die Wiege der Bundesrepublik
  5. vgl. Georg Ress, Artikel 53 und Artikel 107. In: Bruno Simma (Hrsg.), Charta der Vereinten Nationen. Kommentar, München 1991, S. 679, 1104f.
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