Deutsche Kolonien

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(Zur Geschichte der niederländischen Kolonien siehe Niederländische Kolonien.)


Deutscher Kolonialbesitz zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches, die niederländischen Besitzungen sind auf der Karte nicht eingetragen
Deutscher Kolonialbesitz zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches, die niederländischen Besitzungen sind auf der Karte nicht eingetragen

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem die anderen großen Kolonialmächte bereits die wertvollsten Teile der Welt mit Beschlag belegt hatten, trat das volkreiche Deutsche Reich in den "Wettbewerb" um den Besitz überseeischer Siedlungs- und Rohstoffländer ein. Dieser sehr späte Beginn einer Kolonialmacht der deutschen Länder basiert auf verschiedenen Gründen (Ausnahme bilden die Niederlande).

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Geschichte

[bearbeiten] Erste Versuche

Deutsche Kaufleute und Landsknechte spielten bei der Entdeckung und Eroberung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle; damals besaß die Augsburger Kaufmannsfamilie der Welster einige Zeit sogar Venezuela, und ihre deutschen Statthalter unternahmen kühne Entdeckungszüge in die Urwälder im Inneren Südamerikas. Dann machte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm den großzügigen Versuch, sich ein eigenes brandenburgisches Kolonialreich zu schaffen. Er erwarb 1681 einen Streifen der Goldküste und ließ 1683 dort durch von der Groeben die Feste Großfriedrichsburg anlegen. Durch den Holländer Raule hatte er sich auch eine kleine Kriegsflotte aufstellen lassen. Doch der Hohenzollerstaat war noch nicht stark genug und schon 1717 ging er durch Verkauf in den Besitz der Holländer über. Dieses Unternehmen des Großen Kurfürsten blieb für lange Zeit die einzige Tat einer nicht niederländischen staatlichen Kolonisation.

[bearbeiten] Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreiches

[bearbeiten] Unter Reichskanzler Bismarck (1871–1890)

Nach der deutschen Reichsgründung von 1870/1871 spielte die Kolonialpolitik in Deutschland zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Insbesondere Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte territoriale Erwerbungen in Übersee ab, da er im Zusammenhang mit Kolonialerwerb nur geringe wirtschaftliche Vorteile, jedoch erhebliche politische Störungen erwartete. Schon 1864, nach dem Deutsch-Dänischen Krieg, boten die Dänen vergeblich den Deutschen Dänisch-Westindien an, um den vollständigen Verlust Schleswigs zu verhindern. Auch den Vorschlag, nach dem Deutsch-Französischen Krieg die französische Kolonie Cochinchina zu übernehmen, konnte den eisernen Kanzler und die Mehrheit der Abgeordneten des Reichstags des Norddeutschen Bundes 1870 nicht begeistern. Bismarck war der Ansicht, der Erwerb von Kolonien könnte seine konsequente Friedenspolitik gefährden.

Im Laufe der 1870er Jahre gewann die Kolonialpropaganda in Deutschland allerdings zunehmend an Öffentlichkeitswirksamkeit. 1873 wurde die „Afrikanische Gesellschaft in Deutschland“ gegründet, die ihre Hauptaufgabe in der geographischen Erkundung Afrikas sah. 1882 kam es zur Gründung des Deutschen Kolonialvereins, der sich als Interessenverein für die Kolonialpropaganda sah. 1884 entstand die konkurrierende Gesellschaft für Deutsche Kolonisation, die sich die praktische Kolonisation zum Ziel setzte. Beide Vereine fusionierten 1887 zur Deutschen Kolonialgesellschaft.

Das Jahr 1884 markiert den eigentlichen Beginn der deutschen Kolonialpolitik. Otto von Bismarck stellte nach englischem Vorbild mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Deutschen Reichs. Damit nutzte er eine Phase außenpolitischer Entspannung zum Beginn des „kolonialen Experiments“, dem er selbst allerdings weiterhin skeptisch gegenüberstand. Als wesentliches Motiv für Bismarcks Kehrtwende lässt sich vor allem das „Kolonialfieber“ in der deutschen Bevölkerung anführen: Bismarck hoffte, sowohl seine eigene Position zu stärken als auch die kolonialfreundliche Nationalliberale Partei vor der Reichstagswahl 1884 zu unterstützen. Außerdem hoffte man den Auswanderungsstrom nach Amerika in diese Kolonien umzulenken. Wirtschaftliche, soziale und nationale Motive dürften eher nachrangig gewesen sein.

Zunächst wurden die vom Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz erworbenen Besitzungen an der Bucht von Angara Pequena („Lüderitzbucht”) im April 1884 als Deutsch-Südwestafrika unter den Schutz des Deutschen Reichs gestellt. Im Juli folgten Togoland und die Besitzungen von Adolph Woermann in Kamerun, im Februar 1885 das von Carl Peters und dessen „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ erworbene ostafrikanische Gebiet und im April erwarben die Brüder Denhardt schließlich noch Wituland. Mit der Übernahme von pazifischen Gebieten, Nord-Neuguinea (Kaiser-Wilhelms-Land) und der davor gelegenen Inselgruppe (Bismarck-Archipel) im Mai 1885 war die erste Phase deutscher Kolonialpolitik abgeschlossen.

Bismarcks Politik sah vor, privaten Organisationen durch die staatlichen Schutzbriefe den Handel und die Verwaltung der jeweiligen Deutschen Schutzgebiete zu übertragen. Die staatliche Intervention sollte auf ein finanzielles und organisatorisches Mindestmaß reduziert werden. Diese Strategie scheiterte allerdings innerhalb weniger Jahre: Aufgrund der schlechten finanziellen Situation in fast allen „Schutzgebieten“ sowie der teilweise prekären Sicherheitslage waren Bismarck und seine Nachfolger gezwungen, alle Kolonien direkt und formell der staatlichen Verwaltung des Deutschen Reiches zu unterstellen.

Nach 1885 wandte sich Bismarck wieder vom Kolonialgedanken ab und setzte seine politischen Prioritäten bei der Beziehungspflege mit den Großmächten England und Frankreich fort. Die Kolonien dienten ihm in diesem Zusammenhang auch als Verhandlungsmasse. So wurde bei der Kongokonferenz 1884/85 in Berlin Afrika unter den Großmächten aufgeteilt und 1890 verzichtete das Deutsche Reich im von Bismarck maßgeblich vorbereiteten Helgoland-Sansibar-Vertrag auf Deutsch-Witu, um einen Ausgleich mit England zu erreichen.

[bearbeiten] Unter Kaiser Wilhelm II. bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs (1891–1914)

Kolonialstaaten in Afrika
Kolonialstaaten in Afrika

Unter Kaiser Wilhelm II. versuchte Deutschland durch Gründung weiterer Handelsvertretungen seinen Einfluss als Kolonialmacht auszubauen. Die wilhelminische Ära steht für eine schwärmerisch-expansionistische Politik und eine forcierte Aufrüstung, insbesondere der Kaiserlichen Marine, und strebte einen „Platz an der Sonne“ (Reichskanzler von Bülow, 1897) für die „zu spät gekommene Nation“ an, womit nicht zuletzt auch der Besitz von Kolonien gemeint war. Diese Politik des nationalen Prestiges befand sich in scharfem Kontrast zu Bismarcks eher pragmatisch begründeten Kolonialpolitik von 1884/1885.

In der Zeit Wilhelm II. gelang jedoch nur noch der Erwerb weniger Gebiete. 1888 beendete das Reich auf dem mittelpazifischen Nauru den Stammeskrieg und nahm die Insel unter seinen Schutz. 1898 kam die chinesische Stadt Kiautschou/Tsingtau, 1899 die mikronesischen Inseln der Karolinen, Marianen und Palau im Mittelpazifik sowie Samoa im Südpazifik hinzu. Eine von manchen Kolonialpropagandisten angestrebte koloniale Neuordnung Afrikas fand nicht statt. Die Ausnahme stellte hier der Erwerb eines Teils des französischen Kongogebiets für Kamerun im Zuge der Zweiten Marokkokrise von 1911 dar.

In Witzenhausen wurde 1898 die Deutsche Kolonialschule (Tropenschule) gegründet, um Menschen für eine Übersiedlung in die Kolonien landwirtschaftlich auszubilden. Die Nachfolgeeinrichtungen bilden heute einen Nebenstandort der Universität Kassel.

Nach einer Viehseuche im Jahr 1897 in Deutsch-Südwestafrika hatten die Herero ihre überlebenden Viehbestände weit über das deutsche Kolonialgebiet verteilt. Diese riesigen Weideflächen waren zuvor jedoch an Großgrundbesitzer verkauft worden, welche nun das Vieh der Herero für sich beanspruchten. So kam es immer wieder zu Schusswechseln zwischen den Weißen und den Einheimischen und 1904 eskalierte die Situation schließlich zu einem Aufstand. Die Herero töteten schon am ersten Tag des Aufstands 123 deutsche Siedler und Soldaten, darunter auch fünf Frauen. Die „Südwest-Truppe“ brauchte Verstärkung, da die Hereros gut organisiert und mit Gewehren bewaffnet waren, die sie von deutschen Händlern gekauft hatten. Am Waterberg kam es zu einer blutigen Schlacht, in der es den Deutschen gelang, den Aufstand niederzuschlagen. Aber erst Ende 1907 kehrte wieder vollständige Ruhe in Deutsch-Südwestafrika ein, da sich auch andere Stämme dem Aufstand angeschlossen und diesen somit verlängert hatten. Diesen Herero-Aufstand überlebten von ursprünglich 80.000 Herero nur 12.000, und von den 20.000 aufständischen Nama kam die Hälfte ums Leben.

Auch in Deutsch-Ostafrika kam es 1905/06 zum sogenannten Maji-Maji-Aufstand, in welchem geschätzte 100.000 Einheimische umkamen. In Deutschland fand daraufhin 1907 die „Hottentottenwahl“ statt, die über die Zukunft der Kolonien entscheiden sollte. Ab sofort erhielten die Einheimischen bessere medizinische Versorgung, und die Prügelstrafe wurde abgeschwächt.

Siehe auch: Herero- und Maji-Maji-Aufstand

[bearbeiten] Die Deutschen Kolonien im Ersten Weltkrieg (1914–1918)

Bei Kriegsausbruch 1914 hoffte man in den kriegsungerüsteten deutschen Kolonien die Einhaltung des Beschlusses der Kongo-Konferenz von 1885, der alle Kolonialstaaten zur Handelsfreiheit und friedlichen Lösung kolonialer Probleme in Afrika verpflichte. Doch nur wenige Tage nach dem deutschen Kriegseintritt begann ein hoffnungsloser Widerstand der deutschen Truppen. Bis Ende 1914 waren Togoland, Deutsch-Neuguinea, Samoa und Kiautschou in die Hände der Alliierten gefallen.

Die 5.000 Mann starke südwestafrikanische Schutztruppe ergab sich Juli 1915 gegen die zehnmal so starken südafrikanischen Unionstruppen. In die Kolonie Kamerun schickten die Briten und Franzosen insgesamt 19.000 Soldaten und 24 Kriegsschiffe. Trotzdem ergaben sich die letzten Kompanien erst im Februar 1916. Nur in Deutsch-Ostafrika blieben die 15.000 Soldaten, darunter 11.000 afrikanische Askaris, unter Führung von Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck bis zur deutschen Kapitulation 1918 unbesiegt. Als man in Deutschland noch an einen sicheren Sieg glaubte, wurden sogar Pläne für ein geschlossenes Deutsch-Mittelafrika geschmiedet. Es sollte sich vom Niger bis zur Kalahari-Wüste erstrecken und auch Angola, Mosambik, Belgisch-Kongo und weite Teile Französisch-Äquatorialafrikas miteinschließen. Nach der Niederlage 1918 verlor Deutschland durch den Versailler Vertrag offiziell alle Kolonien. Die Alliierten teilten die Kolonien unter sich auf:

  • Großbritannien: Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Teile Kameruns und Westtogo
  • Frankreich: Kamerun und Osttogo
  • Japan: Kiautschou (fiel 1922 wieder an China), die Marianen, Karolinen, Marshall-Inseln und Palau
  • Belgien: Ruanda und Burundi (ehemals Teil Deutsch-Ostafrikas)
  • Portugal: Kionga-Dreieck (ehemals Teil Deutsch-Ostafrikas)
  • Australien: Großteil Deutsch-Neuguineas
  • Neuseeland: Samoa (als Völkerbundmandat)

[bearbeiten] Verhältnis zwischen Einheimischen und Deutschen

Wie bei vielen anderen Kolonien wurden vor der Hissung der deutschen Flagge ein Schutzvertrag mit den Einheimischen abgeschlossen. Hierbei ist allerdings zu erwähnen, dass die Ureinwohner oft nicht wussten was sie unterschrieben bzw. welche Folgen daraus resultierten.

Die Deutschen führten in ihren Kolonien strenge Bürokratie und bestraften die Einheimischen bei Regelverstoßen relativ hart. Vor allem die Prügelstrafe führte dazu, dass die deutsche Kolonialzeit heute oft negativ in Erinnerung ist. In erster Linie fällt der „Eroberer“ und erste „Kaiserliche Kommissar“ Deutsch-Ostafrikas Carl Peters durch sein besonders brutales Vorgehen bei der afrikanischen Bevölkerung in der Geschichte Tansanias auf. Er wurde deshalb 1897 seines Amtes enthoben.

Das kleine Fischerdorf Tsingtao auf der Liautung-Halbinsel im deutschen Pachtgebiet an der Bucht von Kiautschou wurde als eine der modernsten Städte Chinas ausgebaut. Trotzdem galten auch hier die Deutschen als arrogant, und es entstand ihnen gegenüber die selbe Abneigung wie gegenüber allen anderen westlichen Kolonialherren in China. Der Geheimbund der „Boxer“ wendete sich gegen alles Fremde, besonders gegen christliche Missionare. Es kam zu blutigen Ausschreitungen, auch der deutsche Gesandte in Peking, Klemens von Ketteler, wurde ermordet. Um den darauf folgenden Boxeraufstand im Jahr 1900 niederzuschlagen, ließ, neben sieben weiteren Großmächten, auch Kaiser Wilhelm II. ein Expeditionskorps zusammenstellen.

[bearbeiten] Verwaltung der Kolonien

Die Verwaltung aller Schutzgebiete sollte zunächst in den Händen kaufmännischer Gesellschaften liegen. Doch nur in Ostafrika, Neuguinea und den Marshallinseln ist dieses System voll angewandt worden. Seit 1899 befanden sich alle „Schutzgebiete“, mit Ausnahme der Marshallinseln (seit 1906 auch diese), unter direkter Verwaltung des Deutschen Reiches. An ihrer Spitze standen Gouverneure, denen Kanzler (zur Vertretung und Rechtspflege), Sekretäre und sonstige Beamte beigegeben waren. Die Stationen wurden durch Bezirkshauptmänner verwaltet. Dazu kamen Schutztruppen (in Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika), militärisch organisierte Polizeitruppen und nach dem Vorbild der Konsulargerichte geschaffene Schutzgebietsgerichte. Die oberste Instanz war das Reichsgericht in Leipzig.

Kaiser-Wilhelms-Land, der Bismarck-Archipel, die deutschen Samoa-Inseln, die Karolinen, Palau-Inseln und die deutschen Ladronen (sowie seit 1906 die Marschallinseln einschließlich der Providence- und Brown-Inseln) wurden zu einem Gouvernement Deutsch-Neuguinea vereinigt.

Die oberste Leitung der Schutzgebiete lag zwischen 1890 und 1907 in den Händen der Kolonialabteilung, die dem Reichskanzler unterstand. 1907 wurde ein Reichskolonialamt geschaffen und Bernhard Dernburg zum Staatssekretär ernannt. An der Spitze der Kolonialabteilung standen nacheinander als Direktoren:

Der Kolonialabteilung wurde gemäß kaiserlichem Erlass vom 10. Oktober 1890 der Kolonialrat zur Seite gestellt, in dem Vertreter der Kolonialgesellschaften und vom Reichskanzler berufene Sachverständige vertreten waren.

[bearbeiten] Wirtschaftsgeschichte

Wirtschaftlich waren die deutschen Kolonien ein Verlustgeschäft, lediglich Togoland erwirtschaftete einen geringen Überschuss. Auch die Hoffnung, den Strom deutscher Auswanderer in die Kolonien lenken zu können, erfüllte sich nicht. 1914 lebten nicht mehr als 25.000 Deutsche in den Kolonien. Als die deutschen Kolonien nach dreißig Jahren Investitionen langsam wirtschaftlich rentabel wurden, begann der Erste Weltkrieg, der das Ende der deutschen Kolonialzeit mit sich brachte.

[bearbeiten] Kolonien des Deutschen Kaiserreiches

Deutsche Kolonien in Übersee (1914)
Deutsche Kolonien in Übersee (1914)
Deutsche Kolonien in Afrika (1914)
Deutsche Kolonien in Afrika (1914)
  1. Deutsch-Neuguinea 1885–1914, erworben durch Otto Finsch
    1. Kaiser-Wilhelms-Land (heute nördliches Papua-Neuguinea)
    2. Bismarck-Archipel (Papua-Neuguinea)
    3. Bougainville-Insel (Papua-Neuguinea)
    4. nördliche Salomon-Inseln 1885–1899 (Salomonen)
    5. Marianen 1899–1919
    6. Marshallinseln 1885–1919
    7. Palau 1899–1919
    8. Karolinen (Mikronesien) 1899–1919
    9. Nauru 1888–1919
  2. Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda, Burundi, Kionga-Dreieck in Mosambik) 1885–1919, erworben durch Carl Peters
  3. Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia, Botswana-Südrand des Caprivi-Zipfels) 1884–1918, erworben durch Franz Adolf Eduard Lüderitz
  4. Deutsch-Witu (heute südliches Kenia), 1885–1890, erworben durch die Gebrüder Denhardt und Zeitz
  5. Kiautschou 1898–1914 (China, für 99 Jahre gepachtet)
  6. Kamerun 1884–1919, (heute Kamerun, Nigeria-Ostteil, Tschad-Südwestteil, Zentralafrikanische Republik-Westteil, Republik Kongo-Nordostteil, Gabun-Nordteil) erworben durch Dr. Gustav Nachtigal
  7. Samoa 1899–1919, heute unabhängiger Staat Samoa
  8. Togoland 1884–1919, (heute Togo, Ghana-Westteil) erworben durch Dr. Gustav Nachtigal

[bearbeiten] Kolonialismus im Nationalsozialismus (1933 bis 1945)

Durch den soganannten Versailler Vertrag mussten alle Deutschen in den Kolonien das Land verlassen mit Ausnahme von Deutsch-Südwestafrika, in dem heute noch deutsche Siedler zu Hause sind (siehe auch Deutschnamibier). Schon in der Weimarer Republik wurden wieder Stimmen laut, die sich die Kolonien zurück wünschten, unter ihnen besonders der spätere erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Die meisten Deutschen fühlten sich keineswegs schuldig und viele sahen die Übernahme der Kolonien durch die Alliierten als Diebstahl („Koloniale Schuldlüge“) an, vor allem nachdem der südafrikanische Premierminister Louis Botha ausnahmslos alle Behauptungen, die von den Alliierten während des Krieges über die Deutschen als Kolonialherren aufgestellt wurden, als haltlos und erfunden bezeichnete. Mit dem Ende der Zwanziger sahen die meisten Deutschen die Kolonialfrage aber wieder nüchtern an.

Der Nationalsozialismus propagierte stehts den Anspruch auf die Kolonien und sah in der Rückgabe der alten deutschen Schutzgebiete eine Frage der nationalen Ehre.

Mit Kolonialschulen sollte die Bevölkerung für neue Kolonien vorbereitet werden. Als Großbritannien 1937 ein Bündnis mit Deutschland ablehnte, forderte Hitler offen die Kolonien für Deutschland.

1938 brach das Schiff „MS Schwabenland“ auf, um Gebietsansprüche auf der Antarktis geltend zu machen. Dabei wurden aus der Luft Hakenkreuz-Pfeile auf die Eiswüste abgeworfen (siehe auch Neuschwabenland).

Für Afrika wurde wieder die Idee von Deutsch-Mittelafrika aufgegriffen. Die Nationalsozialisten fassten zudem den in Polen enstandenen Plan auf, alle Juden nach Madagaskar zu deportieren. Der Madagaskar-Plan wurde jedoch nie umgesetzt.

In den Kolonien sollte eine strikte Trennung zwischen Ariern und Schwarzen eingeführt (siehe Rassenhygiene) werden. Zudem sollten große Schutzreservate für die Einheimischen forciert werden.

[bearbeiten] Sonstige Gebiete

Hauptartikel: Deutsche Siedlungsräume

[bearbeiten] Literatur

  • Ulrich van der Heyden: Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika, Selignow-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-933889-04-9.
  • Horst Gründer: Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn u. a. 1985 (und Nachdrucke), ISBN 3-8252-1332-3.
  • Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller (Hrsg.): „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft.“ Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast-Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-024-2.
  • Kum’a N’dumbe III.: „Was wollte Hitler in Afrika?“, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-88939-104-4.
  • Deutsche Kolonialgesellschaft: Kleiner Deutscher Kolonialatlas, Verlag Dietrich Reimer, Berlin 1899.
  • Karlheinz Graudenz, Hanns-Michael Schindler: Die deutschen Kolonien, Weltbildverlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-701-9.
  • Jürgen Petschull, Thomas Höpker: Der Wahn vom Weltreich. Die Geschichte der deutschen Kolonien. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching 1986, Lizenzausgabe, ISBN 3-88199-315-0. (mit zeitgenössischen Fotos und Abbildungen)
  • Henri Brunschwig: L’expansion allemande outre-mer du XV siècle à nos jours, Paris 1957.
  • Robert Cornevin: Histoire de la colonisation allemande, Que sais-je? PUF, 1969.

[bearbeiten] Verweise

[bearbeiten] Siehe auch

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