Deutsche Zivilisten in Lagern der Alliierten

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Während des Zweiten Weltkrieges und danach waren deutsche Zivilisten in Lagern der Alliierten gefangen.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Während des Krieges

[bearbeiten] USA

Karte mit bekannten Internierungslagern
Karte mit bekannten Internierungslagern

Während des Krieges wurden Deutsche und Deutschstämmige, Italiener und Japaner als feindliche Ausländer (enemy alien) in den USA interniert.

Die US-amerikanische Internierung von japanischen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg ist noch relativ bekannt. Diese haben bereits in den 80er Jahren vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan eine offizielle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen für erlittenes Unrecht erhalten. Auch die internierten Italiener haben eine offizielle Entschuldigung erhalten. Die Deutschen als zweitgrößte Gruppe der Internierten mit rund 11.000 Betroffenen warten jedoch noch heute auf eine Erklärung, die das Unrecht als Unrecht anerkennt. Fälschlicherweise werden die internierten Deutschen immer wieder als Kriegsgefangene oder Nazi-Schergen dargestellt. Kriegsgefangene wären jedoch in offizielle “Prisoner of War Camps” gekommen und Nazi-Spione oder Saboteure bis zu ihrer Hinrichtung in Gefängnisse. Jene Deutsche, die in den Camps, wie “Crystal City” (Texas) oder “Fort Lincoln” (North Dakota), endeten waren Auswanderer, die zum Teil schon lange Jahre in den USA lebten oder sogar vor Hitler flüchteten. Nachgewiesenermassen internierten die Amerikaner sogar deutsche Juden, die in den späten 30er Jahren noch Deutschland verlassen konnten. Familien, Geschäfte, ganze Lebensläufe wurden zerstört. Deutschstämmige Amerikaner wurden zur Rückkehr nach Deutschland genötigt, wer dies nicht wollte, saß noch Jahre nach Kriegsende in Gefangenschaft.[1] Das letzte Lager wurde erst 1947 aufgelassen.

Als die Japaner am 7. Dezember 1941 Pearl angriffen war das Verfahren zur Internierung "feindlicher Ausländer" schon lange ausgearbeitet. Präsident Roosevelt erließ sofort mehrere Presiential Proclamations, die den Verhaltenskodex festlegten, der für alle Enemy Aliens gelten sollte. Seit 1939 rühmte sich das FBI damit, alle verdächtigen Ausländer zu überwachen. Es reichte schon eine Anschuldigung einer Person, um diese Person zu überwachen, was durch übereifrige Mitbürger oftmals vorkam. Schon nach der Kriegserklärung der USA an Japan, und nicht erst nach der vier Tage später erfolgten Kriegserklärung an Deutschland wurden die ersten Deutschen vernommen. Bei den ersten Internierungslagern handelte es sich noch um gewöhnliche Gefängnisse oder andere abgeschirmte Stellen, wie z.B. Armeekasernen oder Wanderarbeiterlager. Zu Anfang gab es noch eine Anhörungskammer, die über den einzelnen Fall entschied, führte ab Mitte 1943 eine Verhaftung gleichsam automatisch zur Internierung. Aufgrund der Fülle von verhafteten Personen ging man nun daran, eigene Lager für die Zivilinternierten zu errichten. Die Regierung ließ über 46 dieser Lager im ganzen Land errichten, wovon Crystal City das größte war. Die Ausstattung und Versorgungslage der Lager in den USA war naturgemäß wesentlich besser, da der Krieg nicht in den USA selbst, sondern in Europa herrschte. Die USA internierten allerdings nicht nur in Amerika ansässige Deutsche, sondern auch Deutschsprachige aus südamerikanischen Ländern, um, wie sie meinten, die Gefahr von außen für die USA zu reduzieren.

[bearbeiten] Sowjetunion

In der Sowjetunion wurden die Wolgadeutschen in Lager gebracht.

[bearbeiten] Australien

In Australien gab es während dem 1. Weltkrieg als gesetzliche Grundlage den War Precautions Act 1914, der auf die Kriegsgegnerschaft mit England und die mögliche Gefährdung australischer Interessen abhob. 7.000 Personen wurden danach innterniert, von denen 4.500 als Enemy aliens oder Briten mit deutscher Herkunft galten.[2] Viele zunächst eröffnete kleinere Lager wurden 1915 zugunsten einer Unterbringung in größeren geschlossen. Das größte war in Holsworthy in New South Wales.[3] Ähnlich galt im 2. Weltkrieg der National Security Act of 1939. Etwa 7.000 Einwohner wurden zwischen 1939 und 1946 interniert.[4] [5] Außerdem wurden in Australien ca. 8.000 weitere internierte Personen aus den Niederlanden und England und dessen Kolonialgebieten im pazifischen Raum gefangen gehalten (vgl. z. B. die Geschichte des Truppentransporters SS Dunera).

[bearbeiten] Nach dem Krieg

Im Zuge der Entnazifizierung und der Umerziehung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg viele Angehörige nationalsozialistischer Organisationen und mutmaßliche Kriegsverbrecher in Internierungslagern unter Arrest gestellt, darunter aber auch sehr viele Unschuldige [6]. Die Alliierten beabsichtigten, führende Nationalsozialisten und Angehörige von SS, Waffen-SS, Gestapo und SD mit dieser Internierung zu neutralisieren und ihre eigenen Truppen vor einem vermeintlichen Guerillakrieg zu bewahren. Im Vordergrund stand die politische Säuberung; die nationalsozialistische Elite wurde vor dem Nürnberger Militärgericht zur Verantwortung gezogen, die mittlere Ebene der NS-Funktionäre in anderen Verfahren. Bis zum Beginn dieser Verfahren wurden sie interniert [7].

Es gab sowjetische Lager, US-amerikanische, französische und britische Lager. Die Amerikaner unterhielten z.B. das Internierungslager Dachau. Im Internierungslager Bad Nenndorf saßen vor allem Personen ein, die von den Briten als höchste Sicherheitsgefahr angesehen wurden, Offiziere der deutschen Abwehr, höchste Wehrmachtsfunktionäre und Diplomaten. Bis Internierte vor die Spruchgerichte gestellt wurden, vergingen viele Monate, teilweise sogar bis zu drei Jahre. Mit Lagerhaft von dieser Dauer wurde die Strafe teilweise schon vorweggenommen.

Die Sowjets deportierten zudem deutsche Zivilisten willkürlich zur Zwangsarbeit (siehe: Deutsche Zivilisten in sowjetischen Lagern).

[bearbeiten] Siehe auch

[bearbeiten] Einzelbelege

  1. ^ ARTE: "Zum Nazi verdammt", Mittwoch, 16. Juli 2008 21.50 Uhr
  2. ^ Wolf Klaphake: Uncommon Lives
  3. ^ Germans interned in Australia
  4. ^ ENEMY ALIENS: The Internment of Italian Migrants in Australia
  5. ^ Eine von POW-Camps in Australien während WKII
    *Tatura WK2 Camps & Irrigation Museum
  6. ^ Peter Reif-Spirek/Bodo Ritscher (Hg.): Speziallager in der SBZ, Berlin, Ch. Links Verlag 1999, ISBN 3-86153-193-3
  7. ^ Heiner Wember: Umerziehung im Lager. Internierung und Bestrafung von Nationalsozialisten in der britischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 1991, ISBN 3-88474-152-7 (Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte Nordrhein-Westfalens; Bd.30), S.7f.

[bearbeiten] Literatur

  • Arnold Krammer: Feinde ohne Uniform. Deutsche Zivilinternierte während des Zweiten Weltkrieges, in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (1996) S.581-605

[bearbeiten] Verweise

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