Reparationsverschleppte

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Der Begriff Reparationsverschleppte besagt, daß die Siegermächte Reparationen aus Deutschland in Form von Arbeitsleistungen forderten. Die Frage wurde auf der Jalta-Konferenz (4.–11. Februar 1945) erörtert und die Entscheidung in einem von Churchill, Roosevelt und Stalin unterzeichneten Protokoll vom 11. Februar 1945 festgehalten.[1] Diese Deportationen wurden als reparations in kind bezeichnet.[2] Der Begriff „Reparationsverschleppte“ ist eine Wortschöpfung von Herbert Mitzka. Formal sollten nur „kleine Kriegsverbrecher“ und „aktive Nazis“ herangezogen werden, aber derlei Delinquenten waren in den deutschen Ostgebieten nur mit Aufwand aufzutreiben. Also holten sich die Sowjets ganz gewöhnliche Deutsche aus ihren Häusern oder willkürlich von der Straße. Eine politische oder militärische Vergangenheit oder gar der Nachweis von Kriegsverbrechen waren dabei völlig nebensächlich, der Anschein der Arbeitstauglichkeit genügte. Auch wurden die Verschleppten nicht, wie in Jalta festgelegt, zum „Wiederaufbau der von den Deutschen zerstörten Gebiete der Sowjetunion“ eingesetzt, sondern fanden sich in Sibirien, in Bergwerken des Ural oder beim Eisenbahnbau im hohen Norden der UdSSR wieder, wo gar kein Krieg gewesen war.[3] Ungefähr die Hälfte der rund 250.000 Gefangenen starb aufgrund von Hunger, Entkräftung, Infektionen, Mißhandlung oder auf dem Transport.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung

Neben den Zivilisten wurden auch deutsche Kriegsgefangene bis in die Fünfziger Jahre zur Zwangsarbeit verschleppt. Andere Zivilisten wurden jahrelang in sogenannten Speziallagern in der sowjetisch besetzten Zone interniert. Während des Krieges wurden in Rußland bereits die Wolgadeutschen gefangengehalten.

Menschen, die das von Deutschen erlittene Leid zu thematisieren suchen, werden noch heute schnell in die Ecke der Verharmloser des Nationalsozialismus gestellt. Auch der Diktaturvergleich mißhagt insbesondere den linken Ideologen, die die Vergangenheitsbewältigung zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele instrumentalisieren wollen.

Forschungsprojekt „Deportierte deutsche Zivilisten in der Sowjetunion, 1945 bis 1955”

Im Vergleich zur Geschichte von Flucht, Vertreibung und Kriegsgefangenschaft ist das Schicksal von Zivilisten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in sowjetische Lager kamen, kaum erforscht. Die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Ute Schmidt, Projektleiterin des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin, versucht eine zeithistorische Lücke zu schließen. Gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern arbeitet sie am Forschungsprojekt „Deportierte deutsche Zivilisten in der Sowjetunion, 1945 bis 1955”. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und soll die erste große Gesamtdokumentation zu diesem Thema werden. Viele Fragen sind noch offen. Unklar ist noch, wie viele Menschen tatsächlich betroffen waren, gegenwärtig gibt es noch widersprüchliche Zahlen. Die Wahrheit liegt zwischen 270.000 und 750.000 Verschleppten – darunter viele Kinder, Frauen und alte Menschen.

Nach dem Bericht des Bundesarchivs vom 28. Mai 1974 „Vertreibung und Vertreibungsverbrechen 1945–1948“, herausgegeben von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, 1989, dürfte die „Anzahl der in die Sowjetunion als ,Reparationsverschleppte‘ sowie ,Vertragsumsiedler‘ verbrachten Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße […] mehr als 400.000 Menschen betragen haben.“ Nach Erhebungen des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes dürfte die Anzahl der in die Sowjetunion als „Reparationsverschleppte“ sowie „Vertragsumsiedler“ verbrachten Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße mehr als 500.000 Menschen betragen haben, wovon nur ca. 55 % überlebten. Demnach wären in den Lagern der Sowjetunion und auf den Transporten fast 250.000 verstorben. Die Schätzung des Deutschen Roten Kreuzes findes im Berichtsmaterial dadurch eine Bestätigung, daß es in Berichten einzelner Gemeinden heißt, die gesamte arbeitsfähige Bevölkerung im Alter von 18 bis 50 oder sogar bis 60 Jahren sei nach Rußland verschleppt worden. Auch ist in einzelnen Berichten überliefert, daß sogar weniger als 50 % der gemeinsam mit den Berichtenden Verschleppten die Deportationen überlebt haben.

Über ihr Projekt sagt Ute Schmidt:

„Wenn man diese Fragen behandelt, mit der Deportation und Zwangsarbeit von Deutschen in der UdSSR, geht es nicht darum, Schuld gegen Schuld oder Verbrechen gegen Verbrechen aufzurechnen – sondern, es geht einfach darum, festzustellen, was überhaupt passiert ist, welche Menschen betroffen waren. Und es ist dann Sache der Deutschen festzustellen, dass diejenigen, die die Rache am meisten zu spüren bekamen, nicht die Hauptschuldigen am Nazitum waren. Die wirklich Schuldigen wurden von diesen Deportationen nicht erfasst, das kann man ganz klar sagen.“

Ute Schmidt will so genau wie möglich rekonstruieren, wie groß die Lager waren, wie sie organisiert wurden und wie viele von ihnen es tatsächlich gab. Sie seien sehr unterschiedlich gewesen, manchmal mit ein paar hundert Leuten belegt, manchmal mit Tausenden.

Die Verschleppungsaktionen begannen Ende 1944 in Südosteuropa in den Gebieten der deutschen Minderheiten im späteren Jugoslawien, in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Rumänien.

„Dort hatte man schon im Herbst begonnen, Listen fertig zu stellen, auf denen die deutsche Bevölkerung registriert war, und auch die Altersgruppen, so dass man die arbeitsfähige Bevölkerung schon im Visier hatte. Die dritte Gruppe waren Flüchtlinge, die auf der Flucht von der Roten Armee überrollt worden sind.“ – Ute Schmidt

Lager bestanden in Tscheljabinsk, Karabasch, Kopejsk, Korkino, Platino, Potanino, Krivoy Rog, Yenakievo, Makeyevka, Gorki, Konstantinowka, Petrovka, Almasnjia, Kadijewka, Antrazit, Proletarsk und Kraznodon.

„Wenn man die Schätzzahlen nimmt, aus der frühen Nachkriegszeit, vom Deutschen Roten Kreuz und von der Bundesregierung, dann waren damals 130.000 in diesen Lagern nur in der Ukraine.“ – Ute Schmidt

In der Regel wurden die verschleppten Zwangsarbeiter in Arbeitsbataillone von 750 bis 1.200 Menschen eingeteilt. Einsatzort waren Bergwerke, die Schwerindustrie, Baustellen, Kolchosen und die Forstwirtschaft. Viele Transporte gingen in die Ukraine, ins Donezkgebiet, mit großen Lagerbezirken wie Dnjepropetrowsk oder Stalino. Allein dort hat es über 150 Lager gegeben. Die Gefangenen aus den deutschen Ostprovinzen fuhren meist über Moskau in den Ural, in große Lagerbezirke wie Tscheljabinsk oder Swerdlowsk. Nach einer ersten Schätzung befanden sich in diesen Gebieten rund 160.000 Deutsche.

Aus heute zugänglichen Statistiken des russischen Geheimdienstes NKWD vom März 1946 geht hervor, daß ein Drittel der Gefangenen Frauen waren. Das Arbeitspapier des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin um Ute Schmidt resümiert die Erfahrungsberichte von 134 betroffenen Frauen:

„Da gibt es auch russische Zahlen, die belegen, daß in manchen Lagern die Hälfte weggestorben ist. Das hat sich dann später etwas gebessert, so daß der spätere Mittelwert 30 Prozent rauskommt. Wir hoffen auf Statistiken aus russischen Archiven, so daß wir auf präzisere Angaben kommen können.“

Seit Anfang der 90er Jahre sind russische Quellen – zumindest in Teilen – auch für westliche Forscher zugänglich. Zum Beispiel das Staatsarchiv der Russischen Föderation in Moskau, das dortige Staatliche Militär- und sozialpolitische Archiv sowie Archive aus den Regionen, in denen sich die Lager befanden. Ute Schmidt schätzt besonders die Zusammenarbeit mit dem Historiker Pawel Poljan vom Geographischen Institut der Akademie der Wissenschaften in Moskau und mit der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“, die die Erforschung der innersowjetischen Deportationen der Stalinzeit vorantreibt und dabei auf die Tatsache gestoßen ist, daß deportierte Sowjetbürger und verschleppte Deutsche – etwa in Kasachstan – im selben Lager saßen. Wertvolle Quellen in Deutschland sind nach wie vor die Suchdienstarchive des Roten Kreuzes und das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes. Aus vielen Bausteinen setzt sich nach und nach ein klareres Bild zusammen. Zeitzeugen werden erst heute systematisch von Wissenschaftlern befragt.

Die letzten gefangenen Zivilisten kamen 1956 frei – kurz nach dem ersten Moskaubesuch des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Viele hatten zehn oder 15 Jahre Zwangsarbeit hinter sich.

„Diese gesamte Deportation war eine lange geplante und zentral gesteuerte Aktion der sowjetischen Führung. Es ging nicht um Bestrafung von Schuldigen, es ging in erster Linie um die Rekrutierung von billigen, disponiblen und rechtlosen Arbeitskräften.“ – Ute Schmidt

Nach Auffassung von Ute Schmidt sind die deutschen Zivilisten als „lebende Reparationen” abkommandiert worden. Die ausgeblutete Sowjetunion brauchte schlicht Arbeitskräfte. Die Deutschen sollten die Verwüstungen beseitigen, die sie angerichtet hatten. Mit dem zwangsweisen Einsatz deutscher Zivilisten verhielten sich die Sowjets ebenso völkerrechtswidrig. Gemäß der Haager Landkriegsordnung von 1907 sind Kollektivstrafen verboten.

  • Artikel 50: „Keine Strafe in Geld oder anderer Art darf über eine ganze Bevölkerung wegen der Handlung einzelner verhängt werden.“
  • Artikel 46: „Die Ehre und Rechte der Familie, das Leben der Bürger und das Privateigentum … sollen geachtet werden.“[4]

Filmbeitrag

Leben ohne Jugend - deportierte deutsche Frauen nach dem Weltkrieg

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Alfred de Zayas: Die große Flucht aus dem Osten
  2. Daniela Hendel: Zivildeportationen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45 in die Sowjetunion, Berlin 2005
  3. Moderne Sklaverei für Deutsche, Junge Freiheit
  4. Deutschlandfunk: „Für uns war der Krieg noch längst nicht vorbei.“ Deutsche Zivilisten in sowjetischen Lagern, Ein Feature von Agnes Steinbauer, Sendung: Freitag, der 20. Juni 2008, 19.15–20.00 Uhr


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