Deutscher Orden

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Deutschordensritter, Farbholzstich aus einem Münchener Bilderbogen (1875)
Deutschordensritter, Farbholzstich aus einem Münchener Bilderbogen (1875)

Der Deutsche Orden (auch Deutscher Ritterorden, Deutschorden) ist ein 1198 entstandener geistlicher Ritterorden; er ging aus einer Hospitalgenossenschaft hervor, die norddeutsche Kaufleute während des 3. Kreuzzuges 1190 bei der Belagerung von Akko gründeten.

Nach dem Untergang der Templer ist er neben dem Johanniter- bzw. Malteserorden der zweite große Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge, der noch heute besteht.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Entstehung und Wirken

Wie andere große geistliche Ritterorden entstand auch der Deutsche Orden während der Kreuzzüge im Heiligen Land. Bald lag aber der Schwerpunkt seines Wirkens im Ostseeraum, wo er besonders im Baltikum und im heutigen Polen größere Gebiete mit »Kreuz und Schwert« unter seine Herrschaft brachte. Das von ihm kultivierte und mit Deutschen besiedelte Ordensland wurde seit Ende des 14. Jahrhunderts zum Zankapfel mit dem damals erstarkenden litauisch-polnischen Reich. Im Laufe einer wechselvollen Geschichte und eines nicht anerkannten Säkularisierungsversuches wurden die Territorien des Ordensstaates im 16. Jahrhundert von Polen okkupiert. Nach diesen Macht- und Territorialeinbußen beschränkte sich der Einfluß des Ordens hauptsächlich auf seine Balleien und Besitzungen im Heiligen Römischen Reich, innerhalb dessen er sich konsolidierte und erneuerte. Ein weiterer Einschnitt war die 1809 von Napoleon vorgenommene Auflösung des Ordens in den Rheinbundstaaten, er bestand danach nur noch unter dem Schutz Habsburgs fort. Seit 1929 offiziell geistlicher Orden, erlebte er unter nationalsozialistischer Herrschaft erneut eine schwere Zeit; nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich wiederhergestellt, nahm er auch in der BRDeutschland und anderen Ländern seine Tätigkeit wieder auf.

[bearbeiten] Zeichen, Kleidung, Wahlspruch

Das Ordenszeichen ist ein schwarzes Tatzenkreuz auf weißem Grund.

Die Kleidung der Mitglieder des Ordens entsprach der jeweiligen Zeit, seit der Gründung des Ordens ist der Weiße Mantel mit dem schwarzen Kreuz auf der rechten Seite jedoch immer ein Wahrzeichen des Ordens. Zur typischen Ordenskleidung heute gehört für die Geistlichen, welche Soutane, Halskreuz und Brustkreuz tragen, bei feierlichen Anlässen immer noch dieser Mantel.

Der Wahlspruch des Ordens lautet „Helfen, Wehren, Heilen“.

[bearbeiten] Gliederung

Oberhaupt des Deutschen Ordens war der auf Lebenszeit gewählte Hochmeister (kein Reichsfürst, aber reichszugehörig); ihm zur Seite standen beratend fünf Großgebietiger. Daneben gab es in untergeordneter Stellung den Landmeister für Livland, den Deutschmeister für die zwölf binnendeutschen Ordensballeien und die Landkomture der außerdeutschen Ordensgebiete (Apulien, Sizilien, Achaia u. a.). Zum Orden gehörten gleichberechtigt Ritter- und Priesterbrüder, beide auf mönchische Gelübde verpflichtet, sowie dienende, nicht adlige Halbbrüder.

[bearbeiten] Geschichte

[bearbeiten] 13. und 14. Jahrhundert

Bereits im 13. Jahrhundert verlagerte der Deutsche Orden, dessen Hochmeister bis 1291 seinen Sitz in Akko hatte, den Schwerpunkt seines Wirkens nach Osteuropa. Unter dem Hochmeister Hermann von Salza (1210‒39) besaß er 1211‒25 als ungarisches Lehen das siebenbürgische Burzenland und erhielt 1226, von Herzog Konrad von Masowien gegen die heidnischen Prußen zu Hilfe gerufen, das Culmer Land. Von hier aus unterwarf der Deutsche Orden bis 1283 das ganze Land der Prußen, das er mit deutschen Bauern besiedelte und durch die Errichtung von Ordensburgen sowie die Gründung von Städten (u. a. Elbing, Königsberg) strategisch sicherte und kultivierte. Durch Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden (1237) fasste der Deutsche Orden auch in Livland und Kurland Fuß. 1242 wehrte Nowgorod einen Angriff des Ordens in der Schlacht auf dem Eis des Peipussees ab. Nachdem 1291 Akko an die Muslime verloren gegangen war, wurde der Sitz des Hochmeisters nach Venedig, 1309 nach der Marienburg, 1457 nach Königsberg verlegt. Immer neue Grenzkriege führte der Orden gegen die heidnischen Litauer, die 1370 in der Schlacht bei Rudau besiegt wurden und 1398 Samogitien abtreten mussten. Ferner gewann er 1308 Pommerellen mit Danzig, 1346 das bisher dänische Estland, 1398 Gotland, 1402 die Neumark. Damit hatte der Deutsche Orden seine größte Ausdehnung erreicht.

Unter dem Hochmeister Winrich von Kniprode (1351‒82) erlebte der Ordensstaat den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung; seine Städte (z. B. Danzig, Thorn, Königsberg) gehörten der Hanse an.

[bearbeiten] 15. Jahrhundert bis Auflösung

Bereits im 14. Jahrhundert bildete sich aber auch im Innern des Ordensstaates eine wachsende Opposition des Landadels und der Städte heraus. Gegen das seit 1385 vereinigte Polen-Litauen verlor der Deutsche Orden am 15. 7. 1410 die Schlacht bei Tannenberg und trat im 1. Thorner Frieden von 1411 Samogitien ab. Ein durchgreifender Reformversuch des Hochmeisters Heinrich von Plauen (1410‒13) scheiterte. 1440 schlossen sich die Stände zum Preußischen Bund zusammen, der mit Unterstützung Polens gegen den Deutschen Orden den »Dreizehnjährigen Krieg« führte; dieser endete mit dem 2. Thorner Frieden (1466), in dem der Orden Pommerellen, das Culmer Land und Ermland sowie die Städte Danzig, Elbing und Marienburg dem polnischen König überlassen und dessen Oberhoheit über das übrige preußische Ordensland anerkennen mußte. Schließlich verwandelte der letzte Hochmeister Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach 1525 den preußischen Ordensstaat in ein protestantisches Herzogtum, für das er die polnische Lehnshoheit anerkannte.

In Livland suchte der Landmeister Wolter von Plettenberg (1494‒1535) die Ordensherrschaft zu behaupten, drohte aber den russischen Angriffen zu erliegen; daher unterwarf sich 1561 Estland der schwedischen und Livland der polnischen Herrschaft, während Kurland 1561 als polnisches Lehen ein protestantisches Herzogtum des letzten livländischen Ordensmeisters Gotthard Kettler wurde. ‒ Der Deutsche Orden selbst war seitdem auf seine zerstreuten süd- und westdeutschen Besitzungen beschränkt; der Hauptsitz wurde Mergentheim, und dem Deutschmeister, der katholisch blieb, verlieh 1530 Kaiser Karl V. die Würde des Hochmeisters. 1809 ließ Napoleon I. den Deutschen Orden in den Rheinbundstaaten unterdrücken, was seine faktische Auflösung bedeutete, sodaß er in der Folge nur noch im Kaiserreich Österreich weiter bestand.

[bearbeiten] Gegenwart

Heute ist der Deutsche Orden mit dem offiziellen Titel „Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“ ein geistlicher Orden. Aktuell hat er etwa 1.000 Mitglieder, davon rund 100 Priester, 200 Schwestern und 700 Familiaren.

[bearbeiten] Zweige

Den ersten Zweig des Ordens bilden die Priester (Abkürzung hinter dem Name „OT“). Sie legen ein feierliches ewiges Gelübde (Profess) ab, sind als Nachfolger der Ordensritter allein zur Leitung des Ordens berechtigt und vornehmlich in der Pfarrseelsorge tätig. Zu diesem Zweig gehören auch Laienbrüder, die ein einfaches ewiges Gelübde ablegen. Die Konvente sind in fünf Provinzen organisiert

An der Spitze steht jeweils ein Provinzial, der den Titel „Prior“ oder „Landkomtur“ führt.

Den zweiten Zweig bildet die Kongregation der Ordensschwestern. Sie legen die einfachen ewigen Gelübde ab. Innerhalb des Ordens regeln sie ihre Angelegenheiten selbständig und widmen sich der Kranken- und Altenpflege. Sie sind in ebenfalls in fünf Provinzen organisiert

  • Deutschland mit Sitz in Passau
  • Österreich mit Sitz in Friesach
  • Italien mit Sitz in Lana
  • Tschechien (Milosrdné sestry Panny Marie Jeruzalémské Province sester) und Slowakei (Milosrdné sestry Panny Márie Jeruzalemskej Provincia sestier) mit Sitz in Opava
  • Slowenien (SESTRE KRIŽNIŠKEGA REDA (SKR) mit Sitz in Ljutomer.

In die Provinzen der Brüder und der Schwestern werden auch Oblaten und Oblatinnen aufgenommen, die nach eigenem Statut leben. Diese Statuten wurden 1985 und 2001 vom Heiligen Stuhl approbiert.

Den dritten Zweig bildet das Institut der Familiaren (Abkürzung hinter dem Name „FamOT“). Diese legen ein Versprechen (kein Gelübde) auf den Orden ab und regeln innerhalb des Ordens ebenfalls ihre Angelegenheiten selbständig. Bei feierlichen Anlässen tragen sie einen schwarzen Umhang mit dem Wappen des Deutschen Ordens an der linken Seite. Sie gliedern sich in die Balleien

  • Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main und den Komtureien „An Isar, Lech und Donau“, „An der Donau“, „Franken“, „Am Oberrhein“, „An Tauber, Neckar und Bodensee“, „An Rhein und Main“, „An Rhein und Ruhr“, „An Weser und Ems“ und „An Elbe und Ostsee“,
  • Österreich mit den Komtureien „Am Inn und Hohen Rhein“ und „An Der Drau“,
  • Ad Tiberim (Italien),
  • An der Etsch und im Gebirge (Südtirol),
  • Ballivia in Bohemia, Moravia et Silesia (Tschechien)
  • und die selbständige Komturei „Alden Biesen“ in Belgien.

Daneben gibt es noch Familiaren verstreut in anderen Ländern. Die Familiaren Deutschlands bilden den eingetragenen Verein „Deutschherrenbund e.V.“.

[bearbeiten] Tätigkeiten

Entsprechend seinem ursprünglichen Ideal, „den hilfsbedürftigen Menschen um Christi willen in selbstloser Liebe zu dienen“, betätigt sich der Orden heute im karitativen und im Bildungsbereich. Daneben unterhält er Gästehäuser in Wien, Rom und Gumpoldskirchen. Darüber hinaus sind Ordenspriester als Pfarrer in verschiedenen Pfarreien eingesetzt.

[bearbeiten] Siehe auch

Persönliche Werkzeuge