Deutsches Kolleg
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Das Deutsche Kolleg ist eine rechtsextreme Vereinigung mit etwa 50 festen Mitgliedern, die von Reinhold Oberlercher und Uwe Meenen geleitet wird. Als dritter Kopf agierte langjährig Horst Mahler, der sich aber 2003 nach Differenzen mit Oberlercher vom Deutschen Kolleg trennte und sich forthin der „Reichsbürgerbewegung“ widmete. Seinen Sitz hat das im Jahre 1994 gegründete Deutsche Kolleg in Würzburg, als postalische Adresse wird ein Postfach im „Deutschen Reich” angegeben.
[bearbeiten] Konstitution und Geschichte
Das Deutsche Kolleg versteht sich selbst als intellektuelle Kaderschmiede für Nationalisten, und verfügte auch kurzzeitig über eigene Räume zur ideologischen und sprachlichen Schulung, als Meenen im traditionellen Würzburger Arbeiterstadtteil Zellerau Anfang 2006 ein Buchantiquariat leitete. In seiner Funktion als „Souverän“ des Deutschen Volkes und „Schild und Schwert“ des Deutschen Reiches sieht sich das Deutsche Kolleg legitimiert, „Urteile“ gegen „Reichsfeinde ... körperlich zu vollstrecken“ und diese „militärisch unter Beschluss und Beschuss zu nehmen“. Wegen seines „geistigen Charakters“ erklärt das Kolleg jedoch den Verzicht auf Ausübung dieses „materiellen Teils der Staatsgewalt“.
Dem im Jahre 1999 veröffentlichten „Reichsverfassungsentwurf” des Deutschen Kollegs zur Errichtung eines „Vierten Reiches” läßt sich entnehmen, daß eine Revision des Geschichtsbildes zu Gunsten Deutschlands vorgenommen und die „verlorenen Ostgebiete ... heim ins Reich” geholt werden sollen.
Deutsche Kolleg fordert des Weiteren offen die Vertreibung „der nichtweißen Rassen aus der gemäßigten Klimazone”.[1] Die Ideen und Forderungen des Deutschen Kollegs stoßen ob ihrer Deutlichkeit und ihres Umfangs auch bei verschiedenen NPD-Kräften auf Widerstand.
Trotz des vorhandenen intellektuellen Potentials und ihres Anspruchs als Vordenker werden Oberlercher und Mahler selbst in der rechten Szene eher kritisch betrachtet. Mahler verliere sich zu häufig in „verschwörungstheoretische Absurditäten“ und Oberlercher mangele es an der Fähigkeit, seine Gedanken in allgemein verständlicher Form darzulegen, während bei beiden herkunftsbedingte Anlehnungen an linke Formulierungsmuster festzustellen sind, die beim angesprochenen Klientel kaum begrüßt würden.
Neben seinem Engagement für das Deutsche Kolleg gründete Mahler gegen Ende 2003 den „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Dies war Anlasß zu Auseinandersetzungen mit Oberlercher, der auf den Weltnetzseiten des Deutschen Kollegs keine „Tagespolitik“ und keine weiteren Diskussionen über die Faktizität des Holocaust mehr akzeptieren wollte. Seither gehen die beiden Köpfe des Deutschen Kollegs teilweise getrennte Wege, haben aber weiterhin Kontakt und verweisen im Weltnetz gegenseitig auf ihre Schriften.
2004 wurden Mahler, Meenen und Oberlercher in Berlin wegen Volksverhetzung angeklagt. Grund war ein im Oktober 2000 gemeinsam publizierter Aufruf zum „Aufstand der Anständigen”, in dem unter anderem das Verbot aller jüdischen Gemeinden in Deutschland, die Ausweisung aller Asylbewerber, „aller arbeitslos gewordenen Ausländer” sowie eine Reihe von weitergehenden Maßnahmen gefordert wurden. Mahler wurde schlußendlich zu neun Monaten Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt.
[bearbeiten] Quellen
- ^ Deutsches Kolleg, „Karikaturen des Rassenkampfes”, 6. April 2006, S.3 Online einsehbar
