Die Waffen-SS zu Unrecht am Pranger

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Die Waffen-SS zu Unrecht am Pranger ist ein offener Brief von Vincent Reynouard über die Verbrechen, die an Deutschen in Oradour-sur-Glane im Zweiten Weltkrieg begangen wurden.

Inhaltsverzeichnis


Quelle
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Oktober 2004


Oradour 10. Juni 1944: Die Waffen-SS zu Unrecht am Pranger

Der französische Publizist Vincent Reynouard über seine Kriminalisierung wegen seiner Oradour-Nachforschungen

Am 9. Juni 2004 hat mich das Berufungsgericht in Limoges wegen „Billigung eines Kriegsverbrechens“ zu zwei Jahren Haft (davon 18 Monate auf Bewährung) und einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt. Es hat auch die Konfiszierung eines Teiles meines Archivs, das im Mai 2001 beschlagnahmt wurde, als rechtmäßig anerkannt. Grund sind meine Forschungsergebnisse zum SS-„Massaker“ im französischen Oradour vor 60 Jahren.

Alles hat im Jahr 1989 angefangen, als ich mit einem Freund über die Waffen-SS sprach und er mir mitteilte, daß die offizielle These über das „Massaker von Oradour“ von einigen Leuten in Frage gestellt wird. Damals glaubte ich noch – so wie fast alle Franzosen – an die offizielle Geschichtsversion. Ich glaubte, daß Angehörige der Waffen-SS am 10. Juni 1944 das Dorf Oradour zerstört und die Einwohner ausgelöscht hätten. Auch glaubte ich, daß sie mehrere hundert Frauen und Kinder lebend in der Kirche des Ortes verbrannt hatten.

Bei der Affäre von Oradour geht es nicht nur um einfachen Diebstahl,sondern um 642 kaltblütig begangene Morde, wobei ungefähr 500 an wehrlosen Frauen, Kindern und Säuglingen begangen worden sind. Angesichts einer solch schweren Anklage ist es absolut verständlich, sich bei aufkommenden Zweifeln an den Ort des Verbrechens zu begeben, um das, was man für Fakten hält, selbst zu überprüfen.

Ich bin kein Historiker. Ich habe eine Ausbildung als Chemieingenieur und als Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer genossen. Daher habe ich das Problem von Oradour nicht so betrachtet, wie es üblicherweise betrachtet wird. Tatsächlich ist es oft so, daß Buchautoren zunächst von der Waffen-SS sprechen, dann deutsche Theorien über den totalen Krieg erörtern und schließlich die „Kriegsverbrechen der SS“ in Rußland, der Tschechoslowakei und anderswo, die deutsche Besetzung Frankreichs und die allgemeinen Aktivitäten der Waffen-SS bei der Bekämpfung der Résistance abhandeln. Das Massaker von Oradour selbst folgt erst danach. Für diese tendenziösen Autoren ist klar, daß die Waffen-SS schuldig ist. So kommt es, daß immer nur die seit 1945 verbreitete offizielle Version wiederholt wird.

Ich meinerseits habe die traditionelle Arbeitsmethode von Kriminalpolizisten angewendet, bei der man vorurteilsfrei die Sachbeweise untersucht. Ich vergaß alles, was ich gehört hatte, und begab mich an den Ort der Tragödie mit den verbliebenen Ruinen. Darüber hinaus studierte ich alle historischen Aufnahmen (speziell der Leichen), die ich auftreiben konnte. Erst danach interessierte ich mich für die Zeugenaussagen.

Bei den Leichen ist festzustellen, daß es erhebliche Unterschiede gibt zwischen denen der Männer und denen der Frauen und Kinder. Die Leichen der Männer waren (mit einigen Ausnahmen) als Ganzes erhalten, aber verkohlt, wobei auch die Kleidung verbrannt war. Die Gesichtszüge waren nicht mehr erkennbar. Sie sahen aus wie typische Opfer eines Brandes. Die Leichen der Frauen und Kinder dagegen waren zerfetzt, so daß man schon eher von Leichenteilen sprechen muß: hier ein Torso, ein Becken mit Beinen, ein Arm, dort eine Hand, ein Kopf. Manche Leichenteile waren mit nicht verbrannten Kleidungsstücken bedeckt. Die Gesichtszüge waren erkennbar, sofern der Kopf aufzufinden war. Sie sahen aus wie die typischen Opfer einer Explosion.

Die Ruine der Kirche bestätigte meine ersten Annahmen. Sie ähnelt anderen Kirchenruinen, die Opfer einer Bombardierung geworden sind. Typisch sind die durch die Explosion abgedeckten Dächer, wobei die vielen Öffnungen (Fenster und Türen) keine Brandspuren aufweisen. Bei einem starken Brand wird man dagegen immer Rußspuren finden.

Im Inneren der Kirche fanden sich noch mehr Hinweise gegen die offizielle Brandtheorie: Eine dünnwandige Messingkugel, die sich vormals auf dem Dach des Turmes befand, war nicht geschmolzen. Nach der offiziellen Theorie hat aber ein starker Brand im Inneren des Turmes den Zusammenbruch des Daches bewirkt. Wie konnte die Messingkugel den Flammen widerstehen? Die Messingkugel war intakt, aber zerbeult, so daß darauf zu schließen ist, daß sie weggeschleudert wurde. Die zwei Glocken waren nur stellenweise und oberflächlich angeschmolzen. Teilweise waren die eingravierten Inschriften noch lesbar. Wenn es aber einen langandauernden und schweren Brand im Kirchturm gegeben hätte, dann wären die Glocken zu einer unförmigen Masse Bronze geworden. In Wirklichkeit muß das zerstörerische Ereignis also von kurzer Dauer gewesen sein, so daß die Hitze nicht in das Innere des Metalls vordringen konnte.

Im Erdgeschoß der Kirche befinden sich Gegenstände aus Holz, z. B. ein Beichtstuhl. Wenn ein starkes Feuer angeblich 500 Frauen und Kinder verbrannt hat, warum konnten dann Gegenstände aus Holz den Flammen widerstehen? Man findet heute noch die Stoffblumen am Altar, die Pierre Poitevin in seiner Schilderung beschrieb, wenige Stunden nach dem Drama von Oradour. Wie konnten leichte Objekte aus Stoff den Flammen eines langandauernden Brandes widerstehen?

Die Sachbeweise lassen also auf ein kurzes, zerstörerisches Ereignis in der Kirche schließen, und nicht auf einen langandauernden Brand. Die These einer Explosion oder einer Serie von Explosionen schien sich zu bestätigen.

Bestätigung durch Zeugenaussagen

Nach dieser Arbeit begann ich mit dem Studium der Zeugenaussagen. Zuerst fiel meine Aufmerksamkeit auf Frau Rouffanche, die uns als die einzige Überlebende des Dramas in der Kirche beschrieben wird. Sie hat mehrere Zeugenaussagen zwischen 1944 und 1947 getätigt und ist dann noch einmal beim Kriegsverbrecherprozeß im Jahr 1953 in Bordeaux als Zeugin aufgetreten. Der Vergleich der Zeugenaussagen brachte mich sehr bald zum Schluß, daß Frau Rouffanche eine Falschzeugin war, die unsinnige Aussagen machte. So sprach sie von einer ominösen „Kiste“, die ohne Flammen gebrannt und ohne Explosion in die Luft geflogen sei. Als sie im Juni 1944 zum ersten Mal von dem Angehörigen der Résistance Pierre Poitevin befragt wurde, sprach sie von einer »raucherzeugenden Kiste«, welche die Waffen-SS in die Kirche gebracht habe und präzisierte: „Keiner traute sich an die Kiste heran, aber sie explodierte nicht.“ Andererseits gab sie am 30. November 1944 an, daß „das Gerät in Brand gesetzt wurde und im Inneren desselben ereignete sich eine starke Explosion“.[1] 1947 erklärte sie dem Militärgericht in Bordeaux: „Die Kiste, die in die Kirche transportiert wurde, verströmte einen dichten und erstickenden Rauch, ohne sichtbare Flammen.“

So muß man also glauben, daß die mysteriöse Kiste ohne Flammen brannte, und daß in ihr eine starke Explosion stattfand, ohne daß sie selbst explodierte.

Frau Rouffanche gab ebenfalls an, daß sie den Flammen entkommen war, indem sie durch das Kirchenfenster sprang. Danach hätte sie vier Meter in die Tiefe springen müssen auf einen 4,5 m langen steilen Abhang, an dessen Ende eine schmale Mauer von ca. einem Meter Breite ist. Dieser schmale Mauerabsatz hätte sie davor bewahrt, weitere 2,5 m in die Tiefe vor die wartenden Angehörigen der Waffen-SS zu fallen. Dies alles, ohne sich zu verletzen, obwohl sie damals 47 Jahre alt war. Nachdem sie sich aufgerappelt habe, sei ihr die Flucht gelungen, obwohl ein unten postierter SS-Mann auf sie geschossen und sie fünf Kugeln ins Bein abbekommen habe. Diese widersprüchlichen und phantastischen Ausführungen genügten für meine Überzeugung, daß Frau Rouffanche log.

Danach befaßte ich mich mit anderen Zeugenaussagen, die in der offiziellen Literatur immer wieder auftauchen und nach denen die Waffen-SS einen Brand gelegt habe. Es handelt sich hier in erster Linie um die Überlebenden des Dramas, so z. B. die sechs Männer, die der Schießerei in der Scheune des Bauern Laudy entkamen. Die Zeugenaussage einer Frau Lang, die sich an jenem tragischen 10. Juni in ihrem Haus versteckt hatte, war besonders interessant. Sie gab bei der Vernehmung an: „Ein entsetzlicher Lärm kommt aus der Richtung der Kirche, die einige Dutzend Meter von uns entfernt ist. Eine Explosion folgt auf die nächste, und danach sind schreckliche Schreie zu vernehmen. Die Maschinengewehre schießen.“ Herr Palier, ein Ingenieur der französischen staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF, betrat die Kirche einen Tag nach dem Drama und schrieb: „Es scheint, als hätten die Frauen und Kinder ein anderes Schicksal erlitten als die Männer, denn man hat in der Kirche Leichen von Menschen gefunden, die der Tod in ‚einer normalen Verfassung‘ ereilt hat.“

Diese Aussagen bestätigten meine ersten Schlußfolgerungen, die ich aufgrund der Sachbeweise gezogen hatte. Die Kirche war wohl durch plötzliche Explosionen zerstört worden, welche die Frauen und Kinder töteten.

In der Folge erhärteten Überlebende und nicht-öffentliche Dokumente diese Analyse. Ich traf im August 1990 Herrn Renaud. Er erzählte mir, daß er gesehen habe, wie der Kirchturm durch eine starke Explosion zerstört wurde. Die Explosion war so stark, daß das Dach abgedeckt wurde und Herr Renaud die Schockwelle spürte. Herr Beaubreuil seinerseits bestätigte, daß das Maschinengewehrfeuer im Dorf einsetzte, nachdem eine starke Explosion auf dem Platz vor der Kirche zu vernehmen gewesen war. Seine Zeugenaussage ist um so interessanter, als er sich am besagten Tag bei seiner Tante versteckt hielt, die in einem Haus am Platz der Kirche wohnte.

Heute leugnen diese beiden Zeugen, mich jemals kennengelernt zu haben. Damit lügen sie. Ich habe sie beide getroffen und die Zusammenfassung unserer Gespräche in ein kleines rotes Notizbuch geschrieben, zusammen mit dem Datum und mit Einzelheiten, die ich nicht habe erfinden können. Das Notizbuch wurde von der französischen Justiz konfisziert, sie möge es freigeben, dann wird man sehen, wer gelogen hat!

Mit Hilfe eines Rechtsanwaltes konnte ich die stenographierten Aufzeichnungen studieren, die während des Kriegsverbrecherprozesses in Bordeaux gemacht wurden. Ich konnte feststellen, daß nicht nur die Angeklagten (Fernand Giedinger, Henri Weber, usw.), sondern auch die Zeugen der Anklage (mit anderen Worten die Überlebenden) bestätigten, daß die Kirche explodierte. Frau Renaud zum Beispiel gab an: „Es gab eine große Explosion in der Kirche.“ Ihr Mann, den ich im Jahr 90 kennenlernte, sagte: „Das einzige Wehklagen, das ich hörte, setzte ein, als die Kirche explodierte.“ Herr Petit war einer derjenigen, die die Kirche kurz nach der Tragödie betraten. Er sagte in Bordeaux: „Es war ein schreckliches Bild. Es gab keinen unversehrten Körper. Einige waren in zwei Stücke gerissen.“

Diese ganzen Zeugenaussagen bestätigten, daß die Kirche von einer Serie von starken Explosionen erschüttert wurde, von denen zumindest eine im Kirchturm stattfand. Außer den sichtbaren Schäden am Gebäude verursachten die Explosionen den Tod von vielen Frauen und Kindern in der Kirche und den Beginn der Schießerei im Dorf.

Hat die Waffen-SS die Kirche hochgejagt?

Kann die Waffen-SS für die Explosionen verantwortlich gemacht werden? Mit den kolportierten Versionen des Geschehens soll genau dies versucht werden. Doch die Vertreter der offiziellen Darstellungen wissen, daß die geheimnisvolle Kiste, die Frau Rouffanche erwähnte, die Explosion im Kirchturm nicht erklären kann, da sie ja weit weg im Kirchenschiff plaziert gewesen sein soll. Man behauptete, daß die Waffen-SS mit einer Explosion in der Kirche alle Frauen und Kinder mit einem Schlag habe töten wollen. Aber dieser Versuch führte angeblich nicht zum Erfolg, sondern habe mehr Lärm als Schäden verursacht; nur ein SS-Mann mit Namen Gnug sei durch einen herabfallenden Stein des Kirchturmes verletzt worden. Dann hätten sie improvisiert und eine erstickend wirkende Kiste herbeigeschafft, die sie in der Kirche in Brand gesetzt hätten. Aber auch hierbei sei ihnen kein Erfolg beschieden gewesen, da die Explosion die Fenster zerstört habe, so daß der Rauch entweichen konnte. Vollkommen verzweifelt seien die Angehörigen der Waffen-SS schließlich in die Kirche eingedrungen, um alle Leute mit Maschinengewehren zu erschießen.[2]

Diese Darstellung ist, man erkennt es sofort, völlig absurd. Wenn man wirklich Frauen und Kinder töten möchte, schließt man sie nicht in eine Kirche mit dicken Mauern ein. Man wird eher nacheinander kleine Gruppen von ihnen mit Maschinengewehren erschießen. Aber es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt: Wenn die offizielle Darstellung wahr wäre, dann hätten die Frauen und Kinder vor dem Eintreffen der „Kiste“ eine Explosion hören müssen, da man ja versucht habe, die Kirche mit allen Eingeschlossenen zu sprengen. Die Hauptzeugin Frau Rouffanche hat aber in keiner ihrer Aussagen des Jahres 1944 von einer Explosion gesprochen. Im Jahr 1947 hat sie sogar folgendes angegeben: „In der gesamten Zeit, während ich in der Kirche war, habe ich keine Explosion gesehen oder gehört.“ Auch hier widerspricht sich die offizielle Geschichtsschreibung. Die Maxime scheint zu lauten: Eine Explosion, die der Waffen-SS zugerechnet werden kann, ist also gut. Wenn die Geschichte aber zu absurd wird, dann hat es besser gar keine Explosion gegeben!

Für mich gab es daher nur eine Schlußfolgerung: die mysteriösen Explosionen, von denen sich eine im Kirchturm ereignete, waren nicht das Werk der Waffen-SS! Sie hatten einen anderen Ursprung. Diesen Ursprung wollten die Verfechter der offiziellen Darstellung schon 1944 verheimlichen.

Oradour, ein Partisanenstützpunkt

Die wahrscheinlichste Vermutung ist diejenige, wonach es im Gebäude der Kirche ein Munitionsdepot der Partisanen gab, das an jenem tragischen 10. Juni explodierte, wobei die genauen Gründe noch zu klären wären. Natürlich widerspricht dies der offiziellen Version, die Oradour als friedliebendes Dorf inmitten einer vollkommen partisanenfreien Gegend darstellt. Die Verfechter der offiziellen These wollen nicht, daß man ernsthaft über die tatsächlichen Ursachen der Kirchenzerstörung nachdenkt. Warum sollten die Partisanen der Résistance ein großes Dorf abseits der Hauptverkehrsstraßen nicht für ihre Zwecke genutzt haben? Schließlich gab es in Frankreich und Belgien viele Fälle, in denen Kirchen als Partisanenversteck für große Mengen von Munition genutzt wurden.

Ich fing in den 90er Jahren an, die Partisanentätigkeit näher zu beleuchten und kam alsbald zu dem Ergebnis, daß einige Einwohner von Oradour Verbindungen zur Résistance hatten: Maurice Beaubreuil war Mitglied einer Partisanengruppe, sein Freund Mathieu Borie gehörte zur FTP, zum kommunistischen Widerstand. Paul Doutre war ein Anhänger der Partisanen; M. Dupic gehörte der »geheimen Armee« (rechtsgerichtete Partisanen) an. Paul Doire versorgte die örtlichen Partisanen mit Brot.

Aber es gab noch mehr Hinweise: durch das Studium der Archive des Départments Haute-Vienne erfuhr ich, daß die Partisanen regelmäßig in Oradour tätig waren, wobei sie z. B. Zigaretten und Benzin stahlen.[3] Außerdem war in Oradour die 643. Abteilung von Fremdarbeitern untergebracht, in der Hauptsache Spanier, die vor Franco geflohen waren. Für die Partisanen bildeten diese Antifaschisten ein gewisses Rekrutierungspotential. Dies ist sicherlich der Grund, warum die Anwesenheit der Fremdarbeiter offiziell nicht erörtert wird.

Im Jahr 1996 habe ich erfahren, daß ein ehemaliger Flieger der R.A.F mit dem Namen Len Cotton Ende 1942 in der Nähe von Confolens abgeschossen wurde. Er bestätigte mir schriftlich, daß die Besatzung seines Flugzeuges von der Résistance in Gewahrsam genommen wurde, damit sie nicht in deutsche Gefangenschaft geriet. Sie wurde drei Tage lang in Oradour-sur-Glane versteckt, und zwar in der Sakristei der Kirche, denn der örtliche Geistliche war auch informiert. Die Verpflegung übernahm die Tochter der vorher erwähnten Frau Rouffanche, die unter dem Decknamen »Danielle« zur Résistance gehörte. Am Telefon erklärte mir Len Cotton, daß Oradour ein großer Stützpunkt der Résistance gewesen war. Diese Zeugenaussage habe ich schon vor sieben Jahren veröffentlicht. Es gab dazu bisher noch keine Stellungnahme der Vertreter der offiziellen Version.

So wäre es zu erklären, warum Frau Rouffanche ohne Zögern eine Falschzeugin der Résistance geworden war. Mit ihrer unglaubwürdigen Geschichte der „Kiste“ und ihrem an Wunder grenzenden Rettungssprung aus der Kirche versuchte sie die gesamte Verantwortung auf die Waffen-SS zu schieben und die Résistance von jeglicher Verantwortung reinzuwaschen. Frau Rouffanche führte so den Kampf ihrer Tochter weiter.

Wie dem auch sei, die zwei Hauptthesen der offiziellen Version fielen in sich zusammen. Oradour war kein vollkommen friedliches Dorf ohne Partisanentätigkeit, sondern vielmehr ein Aktionszentrum der Résistance. Die Kirche wurde nicht durch einen von der Waffen-SS gelegten Brand zerstört, sondern sehr wahrscheinlich durch mehrere Explosionen dort gelagerter Munition.

Diese Schlußfolgerungen waren um so wichtiger, da die Waffen-SS schon 1944 abstritt, sich nach Oradour begeben zu haben, um die dortige Bevölkerung zu terrorisieren und das Dorf auszulöschen. Am 10. Juni 1944 hätten sich 120 bis 150 Angehörige der Waffen-SS Division „Das Reich“ nach Oradour begeben, um dort und im näheren Umkreis nach dem deutschen Soldaten H. Kämpfe zu suchen, der am Vorabend in der Gegend durch Partisanen unter Leitung von Jean Canou entführt worden war. Der erste Eindruck habe ergeben, daß der Entführte sich noch in Oradour befand. Die Männer im Ort seien dann von den Frauen und Kindern getrennt und die letzteren zu ihrer Sicherheit in die Kirche gebracht worden. Daraufhin wurden die Männer in kleinen Gruppen in Scheunen gebracht, damit sie von wenigen Soldaten leichter bewacht werden konnten. Die Waffen-SS machte sich an die Durchsuchung der Häuser, wobei sie viele Waffen und Munition fand. Dann gab es eine große Explosion in der Kirche, die die Frauen und Kinder, die sich in ihr befanden, zerriß. Die SS-Wachen hätten gedacht, daß sie angegriffen werden, und deshalb das Feuer auf die Männer in den Scheunen eröffnet.

Widersprüche der französischen Version

Die Franzosen haben mit ihrer These des friedlichen Dörfchens diese deutsche Version immer zurückgewiesen. Das ist der armselige Versuch, sich als unschuldig darzustellen oder sich zumindest zu rechtfertigen. Aber gehen wir in Gedanken einfach einmal davon aus, daß die Waffen-SS einmal mehr so gehandelt habe, wie es ihr angeblich zur „bösen Gewohnheit“ geworden sei. Wenn sie die Bevölkerung terrorisieren und demoralisieren wollte, hätte die Waffen-SS kaum nach einer wie auch immer gearteten Entschuldigung gesucht. Sie hätte doch vielmehr dämonisch-stolz erklären können, daß man mit ihr nicht spaßen kann, oder? In Frankreich hätte es in diesem Fall nicht nur ein Oradour-Drama gegeben, sondern zehn, zwanzig oder fünfzig davon.

Letzten Endes bestreitet keiner, daß die Waffen-SS in Oradour die Männer von den Frauen und Kindern getrennt hat, und daß sie vom Bürgermeister Geiseln gefordert hat, um sie in Verhandlungen mit den Widerstandsgruppen gegen eigene Leute auszutauschen. Unbestritten ist auch, daß die Waffen-SS danach die Häuser durchsuchte. Warum aber hätte sie diese ganze Zeit vergeuden sollen, wenn sie nur in das Dorf gekommen wäre, um die Bevölkerung zu massakrieren? Schließlich war doch sie unter Zeitdruck auf dem Weg in das Kampfgebiet Normandie.

Ein Tag vorher in Tulle

Es sollte nicht vergessen werden,daß die Waffen-SS einen Tag vorher in Tulle einen perfekten Anlaß gehabt hätte, um mit einer soliden Rechtfertigung mit blutigen Repressalien auf Aktionen der Partisanen zu antworten und „sinnlosen Terror“ zu säen. Dort hatte man ungefähr 40 von der Résistance getötete deutsche Soldaten gefunden, deren Leichen schrecklich verstümmelt waren. Die Deutschen hätten die Leichen ihrer Kameraden zur Schau stellen können, bevor sie ihrerseits die Männer, Frauen und Kinder von Oradour massakrieren. Das ist nicht geschehen. Die Waffen-SS hat in Tulle, gemäß ihrer tatsächlichen Gepflogenheiten, die Frauen und Kinder ungeschoren gelassen, und von 1.200 gefangenen Männern 99 aufgehängt. Die Tatsache, daß die Waffen-SS in Oradour die Männer von den Frauen und Kindern trennte, ist der klare Beweis dafür, daß sie nicht die Absicht hatte, das ganze Dorf auszulöschen.

Aufgrund des Genannten gehe ich davon aus, daß in Oradour eine Polizeimaßnahme stattfand, die ungewollt tragisch endete. Die Waffen-SS hatte die Aufgabe,das Dorf zu durchsuchen, um den deutschen Soldaten H. Kämpfe zu finden und den Stützpunkt der Partisanen zu zerstören. Die Frauen und die Kinder wurden während der Aktion in die Kirche geschickt. Der Fehler des deutschen Kommandanten war es, den „heiligen Ort“ nicht gründlich durchsucht zu haben.

Warum ereignete sich im Munitionslager dann die Explosion, die so viele Tote forderte? Solange man keinen Zugang zu den Prozeßarchiven bekommt (sie sind erst im Jahr 2053 einsehbar!), wird man auf Vermutungen angewiesen sein. Die wahrscheinlichste scheint mir die folgende zu sein: Als die Waffen-SS den Ort durchsuchte, versteckten sich einige Partisanen in der Kirche, dort, wo die Waffen und die Munition versteckt waren. Nachdem die Frauen und Kinder in die Kirche geschickt worden waren, kam es zur Entdeckung der Partisanen. Die deutschen Soldaten wollten der Partisanen habhaft werden. Es kam zu Handgreiflichkeiten und eventuell zu Schüssen. Die Schüsse könnten in der Folge zu Explosionen der Munition geführt haben. Sind alle Frauen und Kinder in der Kirche als Folge der Katastrophe gestorben? Das ist eher unwahrscheinlich, da ja Teile der Kirche unzerstört sind und es Objekte aus Holz und Stoff gibt, die unversehrt blieben. So müßten also die Leute, die in der Nähe dieser Gegenstände waren, das Drama überlebt haben, und nicht nur unsere schon bekannte Falschzeugin Frau Rouffange.

Im Jahre 1963 hat ein deutscher Soldat namens Eberhard Matthes Oradour in »Uniform« besucht. Er sagte später unter Eid aus, daß er zwei Frauen kennengelernt habe, die sich als Überlebende der Kirche vorgestellt hätten. Sie erzählten ihm, daß die Waffen-SS „mehrere Frauen und Kinder aus der Hölle“ gerettet hätte.

Brutale Zensur

Alles dies habe ich detailliert in einem fast 450 Seiten starken Buch beschrieben, das 1997 in Belgien erschien. Es trägt den Titel: „Le Massacre d’Oradour“, und wurde auf deutsch unter dem Titel „Die Wahrheit über Oradour“ im Druffel-Verlag veröffentlicht. Im Vorwort schrieb ich damals: „Wenn uns Kritiker zu einem ehrlichen Gespräch einladen, werden wir gerne dazu bereit sein.“ Ich war demnach schon damals bereit, meine These zur Diskussion zu stellen.

Wenn sich die Vertreter der offiziellen Geschichtsversion so sicher wären, dann hätten sie mich in einer öffentlichen Auseinandersetzung demontieren können. Das wäre doch für sie die beste Art und Weise gewesen, um auf mein Buch zu antworten. Diese Chance haben meine Gegner aber nie wahrgenommen. Anstatt mit mir zu diskutieren, hat man die brutale Zensur vorgezogen. Mein Buch erschien im Juni 1997, zu einem Zeitpunkt, als man mich wegen „Revisionismus“ aus der französischen Lehrerschaft entfernt hatte. Sofort setzte im Limousin eine intensive Medienkampagne gegen mich ein. Ich wurde massiv beschimpft, in den Schmutz gezogen und als Lügner und Fälscher bezeichnet. Natürlich wurde ich nie von einem Journalisten interviewt und meine Antworten auf die Anschuldigungen nie veröffentlicht. Nur meine Gegner kamen zu Wort.

Das Buchverbot in Frankreich

Parallel dazu setzten behördliche Aktivitäten im Limousin ein, um mein Buch so schnell wie möglich zu verbieten. Erwartungsgemäß führten diese schnell zum Erfolg, denn schon im September 1997 wurden der Verkauf und die Verbreitung des Buches in ganz Frankreich durch einen Erlaß des damaligen Innenministers Jean-Pierre Chevènement verboten.

Von 1998 bis 1999 arbeitete eine kleine Gruppe von Aktivisten an einer Videokassette, welche die Kernaussagen meines Buchs zusammenfaßte. Der Film erschien Ende des Jahres 2000 und der Verkauf begann im Januar 2001. Auch hier ließ die Antwort der offiziellen Stellen nicht lange auf sich warten. Am 8. Februar 2001 veröffentlichte der Präfekt des Départments Haute-Vienne einen Erlaß, wonach meine Kassette im gesamten Gebiet des Départments verboten sei. Die Hüter der offiziellen Deutung bemühten sich, mich wegen „Leugnung eines Kriegsverbrechens“ anzuklagen. In Frankreich gibt es aber kein entsprechendes Gesetz, so daß die Behörden eine Kehrtwendung machten und mich wegen „Billigung eines Kriegsverbrechens“ anklagten. Als wenn ich etwas billigen könnte, dessen Existenz ich in Abrede stelle!

Die Justiz eröffnete ein Strafverfahren. Am 16. Mai 2001 wurde meine Brüsseler Wohnung in meiner Abwesenheit von belgischen Polizisten, die auf Anweisung französischer Stellen handelten, durchsucht. Sie beschlagnahmten ungefähr 60 Kartons mit Büchern, diversen Papieren, Aufzeichnungen und Kopien. Gleichzeitig durchsuchte man in Antwerpen die Wohnung und die Geschäftsräume meines Verlegers. Bestellscheine für meine Videokassette waren anonym an Leute im Limousin geschickt worden. Die Justiz machte sich an eine Analyse der Handschrift auf den Briefumschlägen und eine DNA-Analyse der Speichelreste, die sich an den Briefmarken fanden. Der Absender der Bestellscheine wurde auch gefunden, es handelte sich um einen meiner Freunde aus dem Limousin, der glaubte, der Sache so dienlich zu sein.

Im Juni 2001 sorgte die Richterin Christine Fourel dafür, daß mein Paß eingezogen wurde. Der Aufenthalt im Department Haute-Vienne wurde mir verboten, und man verpflichtete mich, die Justiz zu informieren, wenn ich mich mehr als drei Tage von meiner Wohnung entfernen wolle. Am 27. September 2001, also vier Jahre nach dem Verbot meines Buches in Frankreich, unterschrieb der französische Innenminister einen Erlaß, wonach auch meine Videokassette in ganz Frankreich verboten sei. Dafür wurde auf ein Gesetz vom 17. Juni 1998 zurückgegriffen, das „dem Schutz Minderjähriger und der Bekämpfung sexueller Delikte“ dient!

In der Zwischenzeit gingen die Ermittlungen weiter. Sie dauerten zwei Jahre, und am Ende wurde mein Fall vor der Strafkammer des Gerichtes von Limoges wegen „Billigung eines Kriegsverbrechens“ verhandelt. Der Prozeß fand in erster Instanz am 18. November 2003 statt. Sein Ablauf war skandalös. Der Vorsitzende Richter weigerte sich, meine Kassette zeigen zu lassen und sorgte dafür, daß ich mich nicht verteidigen konnte, indem er mich dauernd unterbrach. Am 12. Dezember verkündete man das Urteil, und ich wurde wegen „Billigung“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, davon neun Monate auf Bewährung. Zusätzlich sollten 10.000 Euro Strafe gezahlt werden. Die Konfiszierung meiner Unterlagen wurde als rechtmäßig bestätigt.

Der Berufungsprozeß fand am 14. April 2004 statt. Diesmal verhielt sich das Gericht etwas korrekter. Aber obwohl ich mich verteidigen konnte, wurde meinen Argumenten auch nicht mehr Aufmerksamkeit als vorher geschenkt. Das Urteil wurde am 9. Juni 2004 verkündet, also am Vorabend des 60. Jahrestages der Tragödie, und das Gericht übernahm in großen Teilen wörtlich das Urteil der ersten Instanz, wobei die Strafen insgesamt härter ausfielen. Über die Forderung des Staatsanwaltes hinausgehend, verurteilten mich die Richter zu zwei Jahren Haft, davon 18 Monate auf Bewährung. Allerdings wurde die Geldstrafe auf 3.000 Euro verringert, die an die drei Zivilparteien des Prozesses zu zahlen sind (an Marcel Darthout, einen Überlebenden der Tragödie, die „Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus“ und die „Freunde des Vereins des Gedenkens an die Deportation“). Die Konfiszierung meiner Unterlagen wurde ebenfalls als rechtmäßig bestätigt. Ich habe mit geringen Erfolgsaussichten eine Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt.

Zusammenfassung

Jetzt, da ich diesen Text schreibe, warte ich also darauf, für sechs Monate ins Gefängnis zu gehen. Meine Feinde haben, juristisch gesehen, gewonnen. Aber intellektuell haben sie verloren, denn sie haben es in sieben Jahren nicht geschafft, auf meine Argumente zu reagieren, geschweige denn offen mit mir zu diskutieren. Sie haben es vorgezogen, sich von der Justiz schützen zu lassen. Sie haben ohne Unterlaß das brutale Verbot meiner Arbeiten und meine Verurteilung gefordert. Diese Kreise möchten mich zum Schweigen bringen, egal zu welchem Preis. Ungewollt haben sie dadurch aber die Verbreitung meiner Argumente gefördert.


Fußnoten

  1. Aus: „Archive der Kommission zur Untersuchung feindlicher Verbrechen in Frankreich“
  2. Albert Hyvernaud: Petite histoire d’Oradour-sur-Glane de la préhistoire à nos jours, 1989
  3. Siehe Bericht des Unterpräfekten Guy Pauchou, den ich in meinem Buch zitiere. Allerdings behauptete derselbe Pauchou im Jahr 1945, daß Oradour ein vollkommen friedliches Dorf gewesen sei.
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