Gerlach, Ernst Ludwig von

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Ernst Ludwig von Gerlach

Ernst Ludwig von Gerlach (Lebensrune.png 7. März 1795 in Berlin; Todesrune.png 18. Februar 1877 ebenda) war zusammen mit Friedrich Julius Stahl längere Zeit Führer der streng Konservativen in Preußen und gehörte wie sein Bruder Leopold von Gerlach zum Kreis um die „Kreuzzeitung“. Der Politiker war er Mitglied des Preußischen Landtages (1852, erneut 1873) und des Reichstages (seit 1877).

Werdegang

Ernst Ludwig von Gerlach hatte denselben Bildungsweg wie seine älteren Brüder. Mit 15 Jahren 1810 in Berlin immatrikuliert, ging er 1811 nach Göttingen und 1812 nach Heidelberg, um Jura zu studieren neben klassischer und neuerer Literatur.

Er kämpfte 1813 als freiwilliger Jäger in den Befreiungskriegen im Yorck'schen I. preußische Armee-Korps, im Siebten Koalitionskrieg wurde er dem Blücher'schen Hauptquartier zugeteilt und hatte täglichen Umgang mit von Blücher, von Gneisenau, von Müffling, von Pfuel und so weiter. Er wurde insgesamt dreimal verwundet. Weitere Stationen seines Lebens sind „Maikäferei“ (einem konservativromantischen Kreis um Clemens Brentano (1778–1842), der nach dem Wirt Mai, bei dem die Treffen stattfanden, so genannt wurde), Jahns Turner (Ernst Ludwig ließ es sich auch nicht nehmen, an den Turnübungen Friedrich Ludwig Jahns in der Hasenheide teilzunehmen), dann unter Einfluß Adolf von Thadden-Trieglaffs, seines späteren Schwagers, die neupietistische Erweckungsbewegung.

Anschließend trat in den Justizdienst ein, wurde 1820 Assessor beim Oberlandesgericht zu Naumburg, 1823 Oberlandesgerichtsrat in Naumburg (Saale), 1829 Land- und Stadtgerichtsdirektor in Halle, 1835 Vizepräsident des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Oder), später Oberlandesgerichts-Präsident.

„Während Leopold in Berlin Stabsoffizier blieb, wurde Ernst Ludwig 1829 an das Landgericht nach Halle versetzt. Kurz vorher hatte er Louise von Blankenburg (1805–1858), eine Cousine seiner ersten Frau [Auguste von Oertzen (1802–1826)] und Schwester der zukünftigen Frau seines Bruders Otto, geheiratet. In Halle wurde das Haus der Gerlachs bald ein Zentrum der Erweckungsbewegung, und der von Ernst Ludwig 1830 angestiftete ‚Hallische Kirchenstreit‘ gegen die rationalistische Bibelauslegung machte ihn weit über Halle hinaus bekannt. Der von seinen Gegnern als Mystiker Geschmähte sah sich tätlichen Angriffen ausgesetzt und stand kurz davor, seinen Abschied aus dem Staatsdienst zu nehmen, hätten ihm nicht der Kronprinz und Leopold davon abgeraten. Dem ‚Berliner Politischen Wochenblatt‘, 1830 als konservative Reaktion auf die französische Julirevolution gegründet, gehörten Wilhelm und Leopold als Gründungsredakteure an.“[1]

Er war Mitglied des ‚Klubs in der Wilhelmstraße‘, der sich die Rekonstruierung des christlich-germanischen Staats als Aufgabe gesetzt hatte, und Mitarbeiter des „Politischen Wochenblattes“. 1842 wurde er Geheimer Oberjustizrat, bald darauf Mitglied des Staatsrats und der Savigny'sche Gesetzgebungskommission (wo er außer Abgabe von Gutachten über das geplante Pressegericht Referent für die Reform des Ehescheidungsrechtes wurde) und 1844 Oberpräsidenten des Oberlandes- und Appellationsgerichts in Magdeburg, wo er zusammen mit seinem Bruder Leopold (der im selben Jahr zum Generalmajor befördert wurde und in Berlin stets im Zentrum der Macht blieb), dem Konsistorialpräsidenten Göschel und anderen die „Lichtfreunde“ bekämpfte. Er war Gegner der Deutschen Revolution von 1848/1849.

1849 gründete er mit anderen die „Neue Preußische Zeitung“ (wegen des Kreuzes auf dem Titelblatt auch „Kreuzzeitung“ genannt), deren Redaktion Herrmann Wagener, ein Vertrauter Gerlachs, übernahm. Gerlach schrieb für das Blatt die monatliche oder vierteljährliche „Rundschau“ im Sinn der ultrakonservativen, aristokratischen Richtung. 1851 setzten sich die Gerlach-Brüder mit Nachdruck für die Berufung von Bismarcks zum preußischen Bundestagsgesandten ein. Ernst Ludwig blieb Oberpräsident des Oberlandes- und Appellationsgerichts in Magdeburg und wurde 1852 in den Preußischen Landtag gewählt, wo er sich zum Fraktionsführer profilierte. Als Mitglied der ersten Kammer, des späteren Herrenhauses, (1849 Erste Kammer, 1850 Unionsparlament, 1851-58 Abgeordnetenhaus) führte er als Führer der Konservativen Partei einen beharrlichen Kampf gegen den Konstitutionalismus und für die Herstellung der angestammten Adelsvorrechte. Ebenso in der zweiten preußischen Kammer, welcher er von 1851–58 als Abgeordneter für den 3. Wahlkreis des Regierungsbezirks Köslin (Neustettin-Belgard-Schievelbein-Dramburg) als einer der Führer der äußersten Rechten oder des nach Graf Leo von Schlieffen (1802–1874), und seit 1855 nach ihm selbst genannten, 41 Mitglieder zählenden Teiles der Kreuzzeitungspartei angehörte.

Mit dem Beginn der Regentschaft Wilhelms I. (1858 für seinen geistig erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV.) trat er von der Führung der Konservativen Partei zurück, suchte aber als Verfasser der „Rundschau“ in der „Kreuzzeitung“ weiter seine politischen Anschauungen geltend zu machen.

Den Bruderkrieg von 1866 lehnte er aus Gründen der Solidarität mit den herrschenden Fürsten ebenso ab wie die Annexionen in Norddeutschland und das Herausdrängen Kaisertums Österreichs aus dem Deutschen Reich, so in der Broschüre „Die Annexionen und der Norddeutsche Bund“ (1866). 1871 wurde er Ehrenmitglied der (katholischen) Zentrumspartei und verwirklichte so das Ideal „evangelischer Katholizität“ seiner Jugend.

Er war ein großer Befürworter des Deutsch-Französischen Krieges, dennoch befand er, daß die Reichsgründung erkauft worden sei mit dem Ausschluß Österreichs aus Deutschland nach erfolgtem Bruderkampf. Mehr als ein Viertel deutschen Ländergebiets sei für das übrige Deutschland nunmehr staats- und völkerrechtlich Ausland geworden. Österreich werde zwangsläufig slawisiert und magyarisiert werden. Der Deutsche Bund sei durch widerrechtliche Sprengung geheiligter Vertragsverhältnisse zertrümmert worden. Die Krone habe durch die widerrechtliche Annexion fremden Besitztums ihre eigene Rechtsgrundlage untergraben.

Erneut im Preußischen Landtag seit 1873, nach 15 Jahren, zeigte er sich als einer der heftigsten Gegner der Kirchengesetze des Bismarckschen Kulturkampfs und trat der Zentrumspartei bei. Damit zog er sich die persönliche Feindschaft des Reichskanzlers von Bismarck zu, den er direkt und persönlich angriff. 1874 wurde er wegen einer Flugschrift gegen die Regierung als Präsident in Magdeburg entlassen. Das Abgeordnetenmandat behielt der jetzt 80jährige, und wie ein Denkmal erschien er den übrigen Abgeordneten, wenn er auf den Wiener Kongreß Bezug nahm.

1877 wurde er zum Reichstagsabgeordneten des Zentrums gewählt, starb aber bald darauf, als er beim Überqueren der Schöneberger Brücke unter die Räder einer vorbeifahrenden Kutsche kam.

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten

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