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Nolte, Ernst

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Ernst Nolte

Ernst Nolte (* 11. Januar 1923 in Witten) ist ein deutscher Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Nolte studierte Philosophie, Germanistik und altgriechische Philologie an den Universitäten Münster, Berlin und Freiburg/Br. Nach dem Studienabschluss 1945 ging er in den Schuldienst an Gymnasien, wo er die Fächer Deutsch und Griechisch unterrichtete. Daneben setzte er seine wissenschaftlichen Arbeiten fort und promovierte 1952 in Freiburg/Br. mit der Arbeit Selbstentfremdung und Dialektik im deutschen Idealismus und bei Marx. Nach weiteren ausgedehnten zeithistorischen Forschungen trat Nolte 1963 mit seinem Buch Der Faschismus in seiner Epoche an die Öffentlichkeit. Dieses Werk, das bald in mehrere Sprachen übersetzt wurde, machte Nolte international bekannt. Es wurde 1964 als Habilitationsschrift angenommen, und bereits 1965 wurde Nolte an die Universität Marburg als ordentlicher Professor für Neuere Geschichte berufen. 1973 folgte er einem Ruf an die FU Berlin, wo er am Friedrich-Meinecke-Institut bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 weiterhin als Professor für Neuere Geschichte wirkte.

Kontroverse Positionen

Mit einem Artikel für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) vom 6. Juni 1986 löste Nolte den so genannten Historikerstreit aus. Dem Text lagen Gedanken zu Grunde, die er bereits am 24. Juli 1980 in einem Artikel der FAZ geäußert hatte. Der Wissenschaftler behauptete darin, der Archipel Gulag habe "das logische und faktische Prius" vor Auschwitz, das heißt, der "Rassenmord" der Nationalsozialisten sei nur aus Furcht vor dem älteren "Klassenmord" der Bolschewiki entstanden. Die Judenverfolgung, die schon in seinen älteren Thesen nicht zum Wesenskern des Faschismus gerechnet wurde, sei lediglich eine "überschießende Reaktion" auf die Greuel der Oktoberrevolution und habe damit einen "rationalen Kern". Weiterhin sprach er von einem "europäischen Bürgerkrieg", der von 1917 bis 1945 getobt habe. (Zweiter Dreißigjähriger Krieg)

In einem Spiegel-Interview antwortete Nolte auf die Frage, ob er Zweifel an der gezielten Massenvernichtung der Juden durch Gas hege:

„Das ist ein besonders heikler Punkt. Ich kann nicht ausschließen, daß die meisten Opfer nicht in Gaskammern gestorben sind, sondern daß die Zahl derer vergleichsweise größer ist, die durch Seuchen zu Grunde gingen oder durch schlechte Behandlung und Massenerschießungen. Ich kann nicht ausschließen, daß die Untersuchung der Gaskammern auf Blausäurespuren, die der amerikanische Ingenieur Fred Leuchter als erster vorgenommen hat, wichtig ist.“[1]

Nolte lehnte die Verschärfung des § 130 StGB (Strafbarkeit des Revisionismus als Volksverhetzung) in einem Zeitungsartikel als „Gefahr für die geistige Freiheit“ Deutschlands ab. Sein 1998 veröffentlichtes Buch Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?, das er selber in einem Vortrag als sein Hauptwerk verstanden wissen wollte, intensivierte seine Thesen aus dem Historikerstreit noch einmal. Er führte aus, daß auch die Tätigkeit sowjetischer Partisanen hinter der Front als Reaktion eine mögliche verschärfte Verfolgung der Juden provoziert hätte.

Hitler habe zudem „schwerwiegende Gründe“ gehabt, die Juden seit 1939 als feindlich gesinnt zu betrachten „und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“. Der gestartete Boykott deutscher Waren im Ausland und die Bekanntgabe einer "jüdischen Kriegserklärung" für einen Finanz- und Wirtschaftskrieg im Daily Express vom 24. März 1933, sowie der Brief von Chaim Weizmann, dem damaligen Vorsitzenden der Jewish Agency, an den britischen Premierminister Arthur Neville Chamberlain vom 29. August 1939, wird von Nolte als Jüdische Kriegserklärung an das Deutsche Reich angesehen, die eine Internierung der Juden bei Beginn des Zweiten Weltkrieges rechtfertige.

Nachdem 2003/04 der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann wegen einer angeblichen antisemitischen Rede zum Tag der Deutschen Einheit aus Partei und Fraktion ausgeschlossen worden war, erklärte Nolte Hohmann zum tapferen und respektablen Streiter für Meinungs- und Gewissensfreiheit.

Auszeichnungen

Werke

  • Der Faschismus in seiner Epoche. Action francaise - Italienischer Faschismus - Nationalsozialismus. München 1963 [zuletzt Neuausg. 2000], ISBN 3-7610-7248-1
  • Die faschistischen Bewegungen, dtv München 1966
  • Die Krise des liberalen Systems und die faschistischen Bewegungen, Piper Verlag München 1968
  • Sinn und Widersinn der Demokratisierung in der Universität, Rombach Verlag Freiburg 1968
  • Was ist bürgerlich? und andere Artikel, Abhandlungen, Auseinandersetzungen. Stuttgart 1979
  • (Hrsg.): Theorien über den Faschismus. 6. Auflage. München 1984, ISBN 3-492-10365-0
  • Marxismus und industrielle Revolution, Stuttgart 1983
  • Deutschland und der Kalte Krieg, 2. Aufl. Stuttgart 1985
  • Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus, 4. Aufl. Frankfurt/M. 1989
  • Das Vergehen der Vergangenheit. Antwort an meine Kritiker im sogenannten Historikerstreit, Berlin 1988.
  • Nietzsche und der Nietzscheanismus, Frankfurt 1990.
  • Geschichtsdenken im 20. Jahrhundert; von Max Weber bis Hans Jonas, Propyläen Frankfurt/Main 1991, ISBN 3-549-05379-7
  • Streitpunkte. Heutige und künftige Kontroversen um den Nationalsozialismus, Propyläen Berlin Frankfurt/Main 1993, ISBN 3-549-05234-0
  • Die Deutschen und ihre Vergangenheiten. Erinnerung und Vergessen von der Reichsgründung Bismarcks bis heute, Herbig Verlag München 1995, ISBN 3-7766-9004-6
  • (zusammen mit François Furet) „Feindliche Nähe": Kommunismus und Faschismus im 20. Jahrhundert. Ein Briefwechsel, Herbig Verlag München 1998, ISBN 3-7766-2029-3
  • Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte? Herbig Verlag München 1998
  • Der kausale Nexus. Über Revisionen und Revisionismen in der Geschichtswissenschaft; Studien, Artikel und Vorträge 1990–2000, Herbig Verlag München 2002, ISBN 3-7766-2279-2
  • L'eredità del nazionalsocialismo, Di Renzo Editore, Roma 2003
  • Siegfried Gerlich im Gespräch mit Ernst Nolte: Einblick in ein Gesamtwerk, Edition Antaios, Dresden 2005, ISBN 3-9350-6361-X
  • Die Weimarer Republik. Demokratie zwischen Lenin und Hitler, Herbig Verlag München 2006, ISBN 3-7766-2491-4

Verweise

Fußnoten

  1. Der Spiegel vom 3.10.1994: „Ein historisches Recht Hitlers“?
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