Payr, Erwin

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Prof. Dr. Dr. h. c. Erwin Payr

Erwin Payr (Lebensrune.png 17. Februar 1871 in Innsbruck; Todesrune.png 6. April 1946 in Leipzig) war ein deutscher Chirurg, Hochschullehrer und Sanitätsoffizier, zuletzt Generalarzt der Reserve z. V. der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

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Von links: Generalarzt der Reserve z. V. Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. med. Dr. med. vet. h. c. Erwin Payr, Generalarzt der Reserve sowie SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Prof. Dr. med. Karl Brandt, Generalkommissar des Führers (später Reichskommissar) für das Sanitäts- und Gesundheitswesen, und Geheimer Hofrat Generalarzt der Reserve Prof. Dr. med. Ferdinand Sauerbruch beim 65. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie am 6. Oktober 1943; Brandt hatte kurz zuvor im Namen des Führers im Rahmen der Verleihungszeremonie Sauerbruch das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes überreicht.
Das Grab Erwin Payrs auf dem Südfriedhof in Leipzig; „An einer ruhigen Stätte unter hohen Bäumen und einem prächtigen Rhododendronbusch des Leipziger Südfriedhofs hat Erwin Payr – ein Gigant der Chirurgie und überragend edler Mensch – seinen ewigen Frieden gefunden.“ — Prof. Dr. med. habil. Christian Schwokowski

Erwin Payr wurde am 17. Februar 1871, nach vorangegangener Geburt von drei Mädchen, als ersehnter Sohn geboren. Sein Vater war zu dieser Zeit Sekretär der Handelskammer, und später Professor für Staatsrechnungswissenschaft an der Universität Innsbruck. Zu seiner Mutter, die aus einer Botaniker- und Dichterfamilie stammte, bestand stets ein sehr tiefes liebevolles Verhältnis. So war es schon sehr frühzeitig möglich ihre umfassenden und soliden Kenntnisse auf dem Gebiete der Naturwissenschaften dem Sohn zu vermitteln, wobei sie den sehnsuchtsvollen Wunsch hatte, daß er einmal Arzt und Chirurg werden möge.

Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums seiner Vaterstadt, wo er auf vorzügliche Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer traf, wurde er hier 1889 zum Studium der Medizin immatrikuliert. Enorm angezogen und nachhaltig beeindruckt war er von dem aus Jena stammenden und gerade nach Innsbruck berufenen Anatomen Wilhelm Roux:

„[...] vor allem empfand ich eine tiefe Bewunderung für das bei jeder neu auftauchenden Frage sich zeigende Bestreben nach einer ursächlichen Begründung [...] ich habe von diesem gedankenreichen Mann viele und wertvolle Anregungen für mein ganzes späteres fachliches Arbeiten mitgenommen.“

Bedeutender Chirurg

Payr war einer der bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit, er entwickelte neben zahlreichen chirurgischen Instrumenten auch neue Operationsverfahren, sein wissenschaftliches Wirken erstreckte sich auf verschiedene Bereiche der Chirurgie mit einem Schwerpunkt auf Gelenkerkrankungen, Nerven- und Gefäßchirurgie. Es gibt kaum ein Teilgebiet der Chirurgie, zu dem Payr nicht wesentliche Beiträge leistete. Als Payr’sche Krankheit oder Payr’sches Doppelflintensyndrom wird eine chronische Darmstenose durch spitzwinkelige Knickung des Darmes an der Flexura coli sinistra, bedingt durch Verwachsungen oder eine Coloptose, bezeichnet, die zu anfallsweisen Gas- und Kotstauungen führt. Payr gab ein Darmkompressorium, eine weich fassende Klemme bei der Darmnaht, an. Für die Eröffnung des Kniegelenks empfahl er einen S-förmigen, medial von der Kniescheibe gelegenen Schnitt, der eine gute Übersicht über das vordere Gelenk erlaubt. Als Payr’scher Spritzversuch wurde die Prüfung der Durchgängigkeit der Gallenwege durch Einspritzung von Kochsalzlösung in den Stumpf des Ductus cysticus benannt.

Chronologie

  • bis 1889 humanistisches Gymnasium in Innsbruck bis zur Matura
  • 1889 bis 1891 Medizinstudium in Innsbruck
  • 1892 Fortsetzung des Medizinstudiums in Wien
  • 1894 Beendigung des Medizinstudiums (2 Semester) in Wien
  • 19. Dezember 1894 Promotion zum „Doktor der gesamten Heilkunde“ an der Universität Innsbruck; Titel der Arbeit: „Pathologie und Therapie des Hallux valgus“
  • 1895 „Volontär“ unter Hofrat Prof. Edmund von Neusser an der II. Medizinischen Universitätsklinik Wien, anschließend Operationszögling an der I. Chirurgischen Universitätsklinik unter Prof. Eduard Albert
  • 1897 Assistent der pathologischen Anatomie an der Universität Wien unter Prof. Anton Weichselbaum
  • 1897 Assistent an der Chirurgischen Klinik der Universität Graz unter Hofrat Prof. Carl Nicoladoni
  • 1899 Habilitation für Chirurgie in Graz
    • Neben reichlichen wissenschaftlichen Publikationen zu vielfältigen Bereichen der Chirurgie hat er sich am 26. April 1899 mit der Monographie „Beiträge zum feineren Bau und zur Entstehung der carpalen Ganglien" habilitiert und wurde zum Privatdozenten für Chirurgie an der Alma Mater Graezensis berufen
  • 1902 außerordentlicher Professor für Chirurgie; Primararzt am städtischen Krankenhaus Graz in der chirurgisch-gynäkologischen Abteilung
    • ca. 6 Monate kommissarischer Leiter der Chirurgischen Klinik der Universität Graz (nach dem Tode Nicoladonis am 4. Dezember 1902). Zu seiner großen Enttäuschung wurde Payr nicht als Nachfolger Nicoladonis berufen
  • Sommer 1907 Berufungen als Ordinarius nach Marburg und nach Greifswald erhalten
    • Übernahme des chirurgischen Lehrstuhls an der Universität Greifswald als Nachfolger von Paul Leopold Friedrich
  • 1910 Berufungen als Ordinarius nach Tübingen und Zürich. Der Ruf als Nachfolger von Erich Lexer in Königsberg wird angenommen
    • Ordinarius für Chirurgie in Königsberg/Preußen
  • 1911–1937 Ordinarius für Chirurgie in Leipzig (Chefarzt und Direktor der Chirurgischen Klinik im Krankenhaus St. Jakob in Leipzig; seinerzeit die größte chirurgische Abteilung im Deutschen Reich)
  • 2. August 1914 bis Dezember 1916 Generalarzt à la suite des Sanitätskorps des Deutschen Heeres (im Dienste sächsischer Verbände) in Kriegsfrontnähe als Leiter der Chirurgischen Abteilung des Kriegs-Lazaretts des VI. Armee-Korps, dann als Beratender Chirurg des XII. Reserve-Korps
  • 1917–1918 Tätigkeit in Heimatlazaretten
  • 22. November 1919 mit dem Charakter als Obergeneralarzt aus dem Dienst der Vorläufigen Reichswehr entlassen
  • 1929 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
  • 1937 Emeritierung
    • Nach 25 jähriger Tätigkeit als Ordinarius für Chirurgie an der Universität Leipzig wurde Erwin Payr zum 1. April 1936 emeritiert und mit der Wahrnehmung des Amtes als Klinikdirektor bis zum Februar 1937 beauftragt. Nach der endgültigen Demission hat der vitale Payr noch weitere sechs Jahre in der von seinem früheren Assistenten Hans Buchbinder, später Joachim Thiess geleiteten Privatklinik aktiv weiter gearbeitet. Inzwischen war auch Payrs früherer Oberarzt Prof. Hohlbaum hier tätig geworden.
  • 1939: Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges stand er als Generalarzt der Reserve zur Verfügung des Sanitätskorps der Wehrmacht, das in Lazaretten, welche in allen Krankenhäusern der Stadt Leipzig eingerichtet wurden, tätig war.
  • 27. Februar 1945 total ausgebombt, Umzug nach nach Markranstädt (11 km südwestlich von Leipzig), um dort in beschränktem Maße eine Privatpraxis zu führen
  • 1. November 1945 Rückkehr nach Leipzig; im Dezember in beschränktem Maße Aufnahme von Sprechstunden

Bombenterror und Nachkriegsleiden

Christian Schwokowski schrieb in „Erwin Payr – Generalist und Gigant der Chirurgie“:

„Ärztliche Tätigkeit, wissenschaftliche Arbeit, zwischenmenschliche Zuwendung, Anteilnahme und Geselligkeit nahmen für den Unermüdlichen ein jähes Ende, als sein Wohnhaus in der Mozartstraße durch wiederholte Bombenangriffe Ende Februar 1944 schwer beschädigt und letztlich zerstört wurde. Seine kostbare Bibliothek mit wertvollen Werken zur Medizin, Philosophie und Naturwissenschaften, alle wissenschaftlichen Manuskripte, einschließlich des zweiten Teiles von ‚Gelenksteifen und Gelenkplastik‘ wurden Opfer der Flammen. Payrs Ehefrau Helene bekennt über die schrecklichen Ereignisse: ‚Mein Mann hat nie über den Verlust alles dessen, was sein Lebensinhalt war, geklagt, aber zutiefst empfunden.‘ Im Hause eines ehemaligen Patienten, dem Tierarzt Dr. Schwarz, fand die Familie zunächst Unterkunft, und hier konnte Payr auch zeitweilig ärztlich tätig werden. Dankbar für die begehrte Unterstützung durch die Universität wurde es der Familie möglich, in eine Wohnung in Leipzig-Gohlis zurück zu kehren. Bei einem unglücklichen Sturz am 20. Januar 1946 im jetzigen Heim hatte sich Erwin Payr eine laterale Schenkelhalsfraktur zugezogen und wurde liebevoll von seinem Schüler Bernhard Maske im Diakonissenkrankenhaus zu Leipzig behandelt. Die langwierige Behandlung ging mit mehreren Komplikationen einher, wobei die immer wieder aufflackernde Lungenentzündung die größte Sorge bereitete. Die Röntgenkontrollen ergaben zwar eine tadellos konsolidierte Fraktur, aber das lange Krankenlager und die persistierende Pneumonie forderten einen zunehmenden Kräfteverlust.“

Tod

Dr. Erwin Payr verstarb am Vormittag des 6. April 1946, er ruht in einem Gemeinschaftsgrab mit seiner Gemahlin Helene, die ihm 1952 folgte. Mit ergreifenden Worten gedachte der einzigartige Schüler und treueste Freund Ernst Heller am Jahrestag des Todes seiner besonnen und weise und gibt wieder, wovon nur Wenige Kenntnis haben:

„[..] trotz klarer Voraussicht des Endes ist nie ein Wort der Klage über seine Lippen gekommen. Nur Worte der Dankbarkeit und Herzensgüte hörten die, die um ihn herum waren. So ist er in philosophischer Ruhe gestorben, größer noch im Tode als im Leben, und zum letzten Male denen, die ihm nahe gestanden haben, ein unvergeßliches Beispiel.“

Familie

Erwin Payr war der Sohn von Karl Payr (Lebensrune.png 21. Juli 1835 in Brisenegg/Tirol), später außerordentlicher Professor des Staatsrechts in Innsbruck und dessen Gemahlin Anna, geb. Sauter (Botaniker- und Dichterfamilie). Am 13. Juli 1901 heiratete er seine Verlobte Helene Steiner.

Akademische Karriere

  • 1899–1902 PD für Chirurgie an der Universität Graz
  • 1902–1907 a.o. Prof für Chirurgie an der Universität Graz
  • 1. Oktober 1907–1910 o. Prof für Chirurgie an der Universität Greifswald (Nachfolge von Paul Leopold Friedrich)
  • 1. Oktober 1910–1911 o. Prof für Chirurgie an der Albertus-Universität Königsberg
„Payr erhielt zunächst den Ruf nach Tübingen, dann nach Zürich und schließlich auf das Ordinariat in Königsberg als Nachfolger von Erich Lexer, der einem Ruf nach Jena folgte. Nach drei Jahren überaus liebenswerten Lebens eines Sohnes der Alpenwelt an der Küste, freundschaftlichem Umgang in der Fakultät und angesehener Forschungstätigkeit ist der Abschied aus Greifswald außerordentlich schwer gefallen. Am 1. Oktober 1910 wurde Erwin Payr Lehrstuhlinhaber an der Albertus-Universität in Königsberg. Hier waren als Mitarbeiter noch die späteren Ordinarien Paul Frangenheim und Anton Jurasz tätig, die zu den Payr begleitenden Assistenten Heller und Kirschner rasch ein zuverlässiges, freundschaftliches Verhältnis entwickelten. Zu dem Mitarbeiterkreis kollegialer Harmonie kamen etwas später Erich Sonntag und Otto Kleinschmidt hinzu.“
  • 1. Oktober 1911–1937 o. Prof für Chirurgie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den Professor an der Universität Königsberg Dr. Erwin Payr an Stelle des in den Ruhestand tretenden Geheimen Medizinalrates Dr. Trendelenburg vom 1. Oktober 1911 ab zum ordentlichen Professor der Chirurgie in der Medizinischen Fakultät und zum Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Leipzig unter gleichzeitiger Verleihung des Titels und Ranges als Geheimer Medizinalrat in der 3. Klasse der Hofrangordnung zu ernennen. Auch hat der dortige Stadtrat dem Genannten die Stelle des leitenden Arztes an der chirurgischen Abteilung seines Stadtkrankenhauses zu St. Jakob übertragen [...]“ — Ministerielle Bestätigung vom 15. Juli 1911

Mitgliedschaften

  • Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
  • Mitglied im Fliegersturm des DLV bzw. des NSFK
  • Mitglied im Opferring „Freiheitsbund“ der NSDAP (1924-29 Bezeichnung für die Gruppe von NSDAP-Mitgliedern, die mehr als den geforderten Monatsbeitrag zahlten)
  • Mitglied im RLB
  • Mitglied im NSLB seit 1933
  • Mitglied der NSV seit 1934
  • Mitglied im NSDStB seit 1934

Ehrenmitgliedschaften (Auswahl)

  • 1926 Ehrenmitglied der Zahnärztlichen Gesellschaft
  • 1926 Ehrenmitglied der Innsbrucker Ludwig-Franzens-Universität
  • 1930 Ehrenmitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle (Saale)
  • 1940 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Werke (Auswahl)

  • Pathologie und Therapie des Hallux valgus, Diss. med., Beitr. z. klin. Med. u. Chir., Wien 1894
  • Beiträge zur Technik der der Blutgefäß- und Nervennaht nebst Mitteilungen über die Verwendung eines resorbierbaren Metalles in der Chirurgie, in: Archiv für klinische Chirurgie 62 (1900), 64 (1901), 72 (1904)
  • Transplantation von Schilddrüsengewebe in die Milz, Arch Klin Chir 80 (1906), 106 (1915)
  • Die Erkrankungen der Knochen und Gelenke. In: Wilms/Wullstein (Hg.): Lehrbuch der Chirurgie, Bd. 3, 1912/1918
  • Chirurgische Behandlung der Verletzungen und Erkrankungen des Halses, in: Pentzoldt/Stintzing (Hrsg.): „Handbuch d. gesamten Therapie“, Bd. 6, 5. Aufl., Jena 1914
  • Lehrbuch der speziellen Chirurgie (m. J. Hochenegg), Berlin 1918/1927
  • Geschwülste des Magens als Gegenstand chirurgischer Behandlung (mit J. A. Hohlbaum), in: Kraus/Brugsch (Hrsg.): Spezielle Pathologie u. Therapie innerer Krankheiten, Bd. 5/1, 1921
  • Klinik der bösartigen Geschwülste (m. P. Zweifel), Leipzig 1924/1925/1927
  • Allgemeine chirurgische Pathologie des Schädels und seines Inhaltes (mit E. Sonntag), 1926
  • Gelenksteifen und Gelenkplastik, Berlin 1934

Verweise

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