Balser, Ewald

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Ewald Balser (1898–1978)
Ewald Balsers Grab
Wien, Friedhof Neustift am Walde

Ewald Balser (Lebensrune.png 5. Oktober 1898 in Elberfeld, heute zu Wuppertal gehörig; Todesrune.png 17. April 1978 in Wien) war ein deutscher Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend

Ewald Balser wurde am 5. Oktober 1898 als elftes und letztes Kind eines Maurerpoliers in Wuppertal-Elberfeld geboren, erlernte als junger Mann an einer Kunstgewerbeschule die Goldschmiedekunst.
Schon früh interessierte er sich für das Theater, nahm erste Unterrichtsstunden bei dem Hofschauspieler Ludwig Lange am Herzoglichen Theater in Coburg-Gotha, mußte dann aber seine Ausbildung wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. 1916 wurde er zum Kriegsdienst einberufen.

Weimarer Republik

1918 übernahm er nach seiner Entlassung aus der Armee zunächst ein Geschäft, konnte dieses jedoch in den schweren Nachkriegszeiten nicht halten und kehrte nach Wuppertal zurück, wo er erneut den Weg zum Theater fand. 1919 meldete er sich beim Direktor des Elberfelder Stadttheaters und wurde dann auch für die sogenannte „Schauspielhilfe“ verpflichtet, d. h., er mußte in der Statisterie mitwirken, konnte aber, „bei genügender Begabung“, wie es in dem Vertrag hieß, auch zu kleineren Rollen herangezogen werden. Der junge Anfänger hatte Glück: Die kleineren Rollen ließen nicht lange auf sich warten – und ihnen folgten viel schneller, als er es je zu hoffen wagte, die größeren, ja die ganz großen.

Schon im zweiten Jahr seiner Elberfelder Bühnentätigkeit spielte er das „erste Fach“: Rollen wie den Tellheim in „Minna von Barnhelm“, den Karl Moor in den „Räubern“, den Pastor Manders in Ibsens „Gespenstern“. Die Gage allerdings hielt mit dieser schönen Entwicklung nicht Schritt – Balser spielte zwar das erste Fach, bezog aber immer noch sein sehr bescheiden-dürftiges Anfängergehalt. Und da außerdem die Inflation in der Zeit in Deutschland ihren bösen und verheerenden Beutezug begann, war die Situation für den jungen Schauspieler alles andere als rosig, und er mußte deshalb einen Fingerzeig des Schicksals darin sehen, als ihm eines Tages unversehens ein Brief aus Basel erreichte mit der Anfrage, ob er gegebenenfalls zu einem Engagement an das dortige Theater bereit sei und sich zu diesem Zweck vorstellen wolle. Und so machte er denn die weite Reise nach Basel, ein wenig zögernd und beklommenen Herzens allerdings – es wäre ihm lieber gewesen, wenn die Vorstellung und Prüfung in Elberfeld, in der ihm vertrauten Umgebung und Atmosphäre „seines“ Theaters stattgefunden hätte, aber diesen kühnen Vorschlag hatte man in Basel leider abgelehnt.

Er kam aus dem armen, elenden, verschütteten Deutschland, das damals, 1923, im Taumel der Inflation dahintorkelte und dahinsiechte, in dieses saubere, behütete, behaglich-freundliche Nachbarland, wo fröhliche, gutgekleidete, gutgenährte Menschen friedlich ihrer Beschäftigung nachgingen.

Wie eine seltsame Märchenwelt dünkte es den jungen Deutschen, der in seinem kümmerlichen „besten“ Anzug durch die Straßen schlenderte, und als man ihm dann sogar im Theater zehn blinkende Frankenstücke in die Hand zählte, als Zehrpfennig gewissermaBen, weil die Besprechungen mit der Theaterdeputation erst einige Stunden später als vorgesehen beginnen konnten, und weil er inzwischen in Ruhe essen und sich die Zeit so angenehm wie möglich vertreiben sollte, da war die Verzauberung vollkommen. Das Engagement in Basel kam dann auch wirklich zustande, aber als man ihm die Summe nannte, die er erhalten sollte – es waren sechshundert Franken monatlich! –, da fiel es ihm schwer, die notwendige Haltung zu bewahren. Alles tanzte und drehte sich vor seinen Augen. Er hatte das Gefühl, zu träumen wie jemand, der plötzlich die Nachricht erhält, daß er das große Los gewonnen habe.

Ein Jahr blieb Ewald Balser in Basel, dann zog es ihn wieder zurück ins Reich. Er wurde nach Düsseldorf verpflichtet, war dort zwei Jahre Mitglied des Stadttheaters und ein weiteres des Schauspielhauses; 1927 tat er von dort den Sprung ans Wiener Burgtheater, bei dem er 1948 sogar Direktor wurde.

Seine Antrittsrolle in Wien war der Faust – und es bedeutete sozusagen einen Bruch mit der ehrwürdigen Burgtheatertradition, daß ein noch so junger Darsteller gerade diese Rolle spielte. Aber im ganzen betrachtet war es ein großer Erfolg, und wenn auch Balser zwei Jahre später Wien noch einmal verließ, weil ihn die allzu feste Tradition des berühmten Bühnenhauses bedrängte, und für zwei Spielzeiten nach München, an Falckenbergs Kammerspiele ging, so kehrte er dann doch wieder gern dorthin zurück. Ewald Balser bekannte Jahre später:

„Ich möchte auch gar nichts gegen die Tradition sagen, sie ist etwas Großes und Wunderbares – aber man muß sich auch über ihre Gefahren klar sein. Nichts hemmt die künstlerische Entwicklung so sehr als dies, daß man ganz in der Tradition einer Bühne festwächst. Von der ,Beliebtheit‘ zur inneren Verfettung ist es meist nur ein einziger Schritt, und darum bin ich auch froh, daß ich nicht nur in Wien spiele, sondern daß ich auch in jedem Jahr bei den Salzburger Festspielen mitwirke und außerdem auch in jeder Spielzeit mehrere Monate am Berliner Deutschen Theater tätig sein kann.“[1]

Drittes Reich

Er trat ab 1933 auch in Berlin als Gast an der Volksbühne auf, ab 1935 am Deutschen Theater und teilte seitdem seine Tätigkeit zwischen Berlin und Wien auf. Das Bühnenrepertoire Balsers war breit gefächert, er brillierte als „Hamlet“ ebenso wie als Junker Tobias in Shakespeares „Was ihr wollt“, nur selten gab er jugendliche Liebhaber, glänzte vielmehr mit Rollen gewichtiger Männer und tragischer Helden: so beispielsweise als alternder „Galotti“, als „Egmont“, „Jedermann“, „Tellheim“, „Orest“, „Karl Moor“, „Macbeth“, „Wallenstein“, „König Lear“, „Othello“ oder „Marquis Posa“, um nur einige seiner herausragenden Titelrollen zu nennen; der „Große Kurfürst“ in Kleists „Der Prinz von Homburg“ soll eine seiner Lieblingsfiguren gewesen sein.

Zu seinem großen Arbeitsfeld kam für Balser Mitte der 30er Jahre auch der Film hinzu. In dem Film „Jana, das Mädchen aus dem Böhmerwald“ von 1935, der in Prag gedreht wurde, vertraute man ihm eine Hauptrolle an. Der erste Filmauftritt war Balsers deprimierendstes Erlebnis, das er je erlebt hatte, wie er später eingestand. Es lag wohl daran, daß er sich in dieser Zeit über die grundverschiedenen Gesetze und Daseinsbedingungen von Bühne und Film nicht klar war und so spielte, wie er es vom Theater her gewohnt war.

Wie Balser später meinte, hatte auch der Regisseur ihn nicht daran gehindert, aber er und viele andere Darsteller hatten daraus gelernt, daß gerade der Filmdarsteller, der ja immer nur „Ausschnitte“ und nie in der „Totale“ spielt, die feste und sichere Führung des Regisseurs braucht.

Balser wollte nach dem entmutigenden Anfang seiner Filmtätigkeit diesem Fachgebiet den Rücken kehren, aber da sah ihn eines Tages Thea von Harbou, die das Drehbuch zu dem Film „Die Frau am Scheidewege“ geschrieben hatte, im Deutschen Theater, und so kam es dann, daß Balser für diesen Film, der unter Josef von Bakys Regie in Budapest gedreht wurde, verpflichtet wurde. Balser empfand diese Verpflichtung selber als ein rechtes Wagnis, aber Baky und alle Mitarbeiter des Films kamen ihm gleich mit so viel Vertrauen und Verstehen entgegen, daß er seine Hemmungen bald überwand.

Damit hatte er sich auch auf der Leinwand als charismatischer Darsteller etabliert und war seitdem vermehrt im Kino zu sehen. Er wurde zum Interpreten einer gehobenen Gesellschaftsklasse, ohne durch Pathos zu übertreiben, und wirkte vor allem dadurch, daß er auch deren menschliche Schwäche zeigte.

Bis Mitte der 40er Jahre drehte Balser sporadisch Filme wie beispielsweise unter der Regie von Hans Schweikart die Liebesromanze „Befreite Hände“ (1939), gab erneut mit Schweikart hinter der Kamera einen grandiosen Major von Telheim neben Käthe Gold in der Titelrolle in „Das Fräulein von Barnhelm“ (1940). Zu seinen herausragenden Leistungen jener Zeit gehört die Darstellung des niederländischen Malers in „Rembrandt“ (1942) in Hans Steinhoffs gleichnamiger Filmbiographie. Diese Filme wurden nicht zuletzt aufgrund Balsers eindringlich-sensiblen Spiels zu großen Erfolgen.

Seit 1944 spielte Balser ausschließlich in Wien Theater und lebte auch dort.

Nachkriegszeit

Auch im deutschen Nachkriegsfilm gehörte Balser zu den beliebten Darstellern, die facettenreich Leinwandhelden zu gestalten wußten. So war er beispielsweise 1946 neben Rudolf Prack und Marte Harell der Professor Franz Wiesinger in Géza von Cziffras Melodram „Glaube an mich“. Ab Anfang der 60er Jahre erlebte man den großen Mimen auch vereinzelt auf dem Bildschirm, wo er vornehmlich in Fernsehadaptionen sowohl klassischer als auch moderner Bühnenstücke mitwirkte. Letztmalig trat er als Leonarto in dem von Otto Schenk inszenierten Shakespeare-Schauspiel „Viel Lärmen um nichts“ (1975) im Fernsehen auf.
Ewald Balser ging noch auf Tourneen, als er schon über 70 Jahre alt war; sein Leidensweg begann jedoch im 77. Lebensjahr, als er seinen Text nicht mehr behalten konnte und ihn schließlich sein Krebsleiden die letzten Monate seines Lebens an den Rollstuhl fesselte. Der große Ewald Balser, einer der letzten Repräsentanten einer legendären Theaterepoche, verstarb am 17. April 1978 in Wien und wurde in Neustift bei Wien beigesetzt.
Sein privates Glück hatte Balser in seiner zweiten Ehe mit der Schauspielerin Erni Bauer gefunden, 1950 hatte das Paar geheiratet; aus der Verbindung stammt Tochter Evelyn, die ebenfalls Schauspielerin wurde.

Auszeichnungen

Filmographie

Theatrographie (Auswahl) 

Fußnoten

Meine Werkzeuge