Oberländer, Theodor

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Theodor Oberländer als Offizier der Abwehr

Theodor Oberländer (Lebensrune.png 1. Mai 1905 in Meiningen; Todesrune.png 4. Mai 1998 in Bonn) war ein promovierter Akademiker, Offizier der Wehrmacht sowie der militärischen Abwehr, bundesdeutscher Politiker (GB/BHE, CDU) und Sachautor.

Er war Mitglied der NSDAP (seit Mai 1933), betrieb Ostforschung und war zeitweise Referent des Oberkommandos der Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Prof. Oberländer CDU-Minister in der Bundesregierung unter Konrad Adenauer. Er war von 1953 bis 1960 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte und von 1953 bis 1961 sowie von 1963 bis 1965 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Professor Dr. agr. Dr. rer. pol. Theodor Oberländer

Nach dem Ersten Weltkrieg war Oberländer Mitglied der Gilde Greif, einer aus der Jugendbewegung hervorgegangenen Studentenverbindung. Im Rahmen einer Wehrsportübung in Forstenried nahmen er und weitere Mitglieder der Gilde am 9. November 1923 am Hitlerputsch in München teil. Für die Teilnahme am Hitlerputsch saß er vier Tage in Haft. Oberländer wurde danach zeitweise Mitglied der patriotischen Vereinigung Bund Oberland und des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes.

Am 1. Mai 1933 trat Oberländer in die NSDAP (Mitgliedsnr. 2.331.552) ein. Ebenfalls 1933 wurde er im Range eines Obersturmführers Mitglied der SA. Vom 1. Juli 1933 bis zum 1. Juni 1937 war er in leitender Position (Gauamtsleiter des Gau-Grenzlandamtes) Mitglied der NS-Gauleitung von Ostpreußen.

Am 26. Mai 1933 wurde Oberländer Leiter der Landesgruppe Ostpreußen des neu gegründeten Bundes Deutscher Osten, auf persönlichen Vorschlag von Rudolf Heß wurde er am 8. Oktober 1934 dann zum Leiter dieser Organisation. Oberländer trat für eine Verbreitung und eine Homogenität der germanischen Rasse im Osten ein.

Am 1. März 1933 wurde Oberländer zum Direktor des Instituts für Osteuropäische Wirtschaft. Am 17. Dezember 1933 folgte die Habilitation, am 1. April 1937 erhielt er die Professur für osteuropäische Wirtschaft in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in Königsberg. 1933/34 hielt er auch agrarwissenschaftliche Vorlesungen an der Technischen Hochschule Danzig und war aktiv, gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Laubert u. v. w., in der „Nordostdeutschen Forschungsgemeinschaft" (NOFG).

Durch Ministererlaß vom 12. November 1937 wechselte Oberländer bis 1940 an die Universität Greifswald, wo er Mitdirektor des Staatswissenschaftlichen Seminars wurde.

Zum 1. Oktober 1940 wechselte Oberländer an die Deutsche Karls-Universität Prag, wo er als Ordentlicher Universitäts-Professor an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät ging, zu deren Dekan er am 15. Januar 1941 ernannt wurde. Am 29. Mai 1941 übernahm er zusätzlich als Kommissar die Juristische Fakultät der von den Deutschen geschlossenen tschechischen Universität, wo er dafür zu sorgen hatte, daß von den tschechischen Angestellten „die Wiederaufnahme der Arbeiten nicht zur Durchführung eines versteckten Lehrbetriebes mißbraucht wird.“ Diese Kommissarstätigkeit endete mit dem 8. Juni 1943.

Im Herbst 1943 wurde Oberländer Direktor des Instituts für Wirtschaftswissenschaften und Vorsitzender des Prüfungsamtes für Volkswirte, Kaufleute und Handelslehrer der Deutschen Karls-Universität Prag. Mit Kriegsende 1945 endete auch die akademische Tätigkeit Oberländers.

Militär- und Kriegsdienst

Von 1933 bis 1937 war Oberländer als Leiter des Gaugrenzlandamtes für die Überwachung der nationalen Minderheiten in Ostpreußen zuständig und organisierte durch den Bund Deutscher Osten und den Verein für das Deutschtum im Ausland im angrenzenden Ausland ein Netzwerk aus Informanten (Bund heimattreuer Posener, Bund heimattreuer Ost- und Westpreußen und andere), das allein in Polen aus 300 Personen bestanden haben soll.

Oberländer wurde 1937 von der Abwehr angeworben, später schrieb er dazu: „Zwischen Abwehr II und den volksdeutschen Verbänden kam es zu einer engeren Zusammenarbeit. Es gab keine Tagung, an der nicht Offiziere von Abwehr II teilnahmen.“ Bis 1943 war er für die Abteilung II (Sabotage und Sonderaufgaben) tätig.

Der Professor machte im Dritten Reich eine militärische und Hochschulkarriere und unterstützte Sonderverbände wie „Nachtigall“ und diente gar als Kommandeur des Sonderverbandes „Bergmann“, einer Truppe, die ebenfalls unter Führung des Bau-Lehr-Bataillons z. b. V. 800 „Brandenburg“ stand (Sonderverband Bergmann wurde aus sowjetischen und französischen Kriegsgefangenen kaukasischer Herkunft rekrutiert). Oberländer soll ebenfalls die Bildung der Sabotageeinheit „Tamara II“ betreut haben.

Am 8. Mai 1941 trat Theodor Oberländer seinen Dienst beim Bataillon „Nachtigall“ an, einer Einheit der „Legion Ukrainischer Nationalisten“ aus polnischen und französischen Kriegsgefangenen ukrainischer Nationalität, die der Abwehrabteilung II unterstand (der Name rührt anscheinend von den besonderen Sangeskünsten der ukrainischen Mannschaften her, die ihre Lieder so gut trällerten „wie Nachtigallen“). Oberländer fungierte als Ausbilder, Dolmetscher und „Sachverständiger für die Behandlung fremden Volkstums“ und stand dem Befehlshaber der Einheit, Oberleutnant Dr. Hans-Albrecht Herzner, als Verbindungsoffizier zur Seite. Am 18. Juni 1941 wurde Nachtigall in Richtung sowjetischer Grenze in Marsch gesetzt und erhielt am 29. Juni den Befehl, bei der Besetzung von Lemberg mitzuwirken. Die Einheit drang noch vor der Wehrmacht nachts in die Stadt ein und besetzte unter anderem den Radiosender, über den am 30. Juni 1941 die Unabhängigkeit der Westukraine verkündet wurde.

Am 4. August 1943 wurde Hauptmann der Reserve Prof. Oberländer ins Führerhauptquartier befohlen, wo ihm das Kommando über seine Einheit entzogen wurde. Der Sonderverband Bergmann wurde aufgelöst und in drei separate Bataillone aufgeteilt. Zurück auf der Krim verabschiedete sich Oberländer am 22. August 1943 von seiner Einheit und kehrte nach Prag zurück. Von Prag aus wurde er zu einem Lehrgang an die Bataillonsführerschule Antwerpen geschickt und dann am 11. November 1943 ohne offizielle Angabe von Gründen aus der Wehrmacht entlassen.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg und der kurzen VS-amerikanischen Kriegsgefangenschaft (bis 1946) blieb Oberländer leidenschaftlicher Antikommunist und war sehr aktiv in der Kameradschaft „Bergmann“ sowie als Altherr in seiner Studentenverbindung. 1948 wurde er zunächst Mitglied der FDP.

Bei der Bundestagswahl 1961 verfehlte Oberländer als Kandidat auf der niedersächsischen Landesliste der CDU den Wiedereinzug in den Bundestag, rückte jedoch am 9. Mai 1963 für die verstorbene Abgeordnete Elisabeth Vietje nach und gehörte dem Parlament bis zum Ende der Wahlperiode 1965 an.

In den 1970er Jahren engagierte sich Oberländer in der Gesellschaft für freie Publizistik und im Verein für das Deutschtum im Ausland. 1981 trat er als Mitunterzeichner des Heidelberger Manifestes in Erscheinung, das sich gegen eine weitere Zuwanderung nach Deutschland aussprach.

Am 29. April 1960 wurde Oberländer in der DDR in einem Schauprozeß in Abwesenheit wegen der Erschießung von mehreren tausend Juden und Polen in Lemberg zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Akten des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen belegen, daß dabei Zeugenaussagen gefälscht und Verteidigerrechte beschnitten wurden. Nach der Wiedervereinigung hob das Landgericht Berlin am 28. November 1993 das 1960 ergangene DDR-Schandurteil gegen Oberländer uneingeschränkt auf.

Familie und Ehrenrettung

1989 starb seine Frau Erika. Aus der Ehe sind drei Söhne hervorgegangen.

Theodor Oberländer ist der Vater des Historikers Erwin Oberländer. Sein Enkel ist der Japanologe Christian Oberländer.

Bis zuletzt widmete sich der erblindete Greis politischen Fragen, beschäftigte sich mit dem weltweiten Problem der Vertreibung. Prof. Dr. Dr. Oberländer starb unerwartet und erlebte so den Ausgang des letzten laufenden Verfahrens bezüglich Lemberg nicht mehr mit – er wurde vom Landgericht Berlin 1998 und vom CDU-Ehrengericht posthum vollständig entlastet.

Auszeichnungen (Auszug)

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die agrarische Überbevölkerung Polens. Volk und Reich, Berlin 1935.
  • Die agrarische Überbevölkerung Ostmitteleuropas. In: Hermann Aubin u. a.: Deutsche Ostforschung. Ergebnisse und Aufgaben seit dem ersten Weltkrieg, Bd. 2 (Deutschland und der Osten. Quellen und Forschungen zur Geschichte ihrer Beziehungen, Bd. 21), Leipzig 1943, S. 416–427
  • Bayern und sein Flüchtlingsproblem. Bayerisches Staatsministerium des Innern, der Staatssekretär für Angelegenheiten der Heimatvertriebenen, München 1953
  • Die Überwindung der deutschen Not. (= Lebendige Wirtschaft Bd. 5.) Leske, 1954
  • Das Weltflüchtlingsproblem. Vortrag, gehalten vor dem Rhein-Ruhr-Club am 8. Mai 1959. Sonderausg. des Arbeits- u. Sozialministers des Landes Nordrhein-Westfalen. Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1959
  • Der Osten und die deutsche Wehrmacht. Sechs Denkschriften aus den Jahren 1941–43 gegen die NS-Kolonialthese. Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt, Mut-Verlag, Asendorf 1987, ISBN 3-89182-026-7

Literatur

  • Ausschuß für Deutsche Einheit (Hg., von Albert Norden geleitetes DDR-Agitationsorgan): Die Wahrheit über Oberländer. Berlin (DDR) 1960
  • Ausschuß für Deutsche Einheit (Hg.): Der Oberländer-Prozeß. Berlin (DDR) 1960
  • Victor Silling: Die Hintergründe des Falles Oberländer. Grenzland-Verlag Rock & Co., Groß Denkte/Wolfenbüttel 1960
  • Kurt Ziesel: Der rote Rufmord – Eine Dokumentation zum Kalten Krieg. Verlag Fritz Schlichtenmayer, Tübingen 1961 (in Zusammenarbeit mit Oberländer verfaßt)
  • Albert Jeloschek / Friedrich Richter / Ehrenfried Schütte / Johannes Semler: Freiwillige am Kaukasus. Leopold Stocker Verlag, 2003
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