Fernsehen

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Fernsehen (auch: TV von Television von „aus der Ferne schauen“) ist der audiovisuelle Teil des Rundfunks und ein Massenmedium zur Vermittlung von Information und Unterhaltung mit Ton und bewegten Bildern an ein breites Publikum über weite Strecken. Die Geschichte des Fernsehens hat ihren Ursprung in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Fernsehens in Deutschland

Einführung

Modell: FE VI
Hersteller: Telefunken
Herstellungsjahr: 1937
Fernsehempfänger mit Paralleltonverfahren, 25 Röhren. 441 Zeilen, Bildgröße 21 x 26 cm, Empfangsbereich 40-60 MHz, 110/220 Volt Wechselstrom
Röhren: 5 x RV 12 P 2000, RL 12 T 1, 2 x EL 1, EZ 1, 4 x AF 7, AL 5 spez., 2 x AL 4, AF 3, AC 2, AB 2, CY 1 spez., 2 x RFG 3, AZ 1, RGN 4004, Braunsche Röhre 35 cm Durchmesser
„Das öffentliche Fernsehen in Deutschland begann mit dem Ersten Programm der ARD im Jahre 1953.“

So lernen es die Schulkinder und die Fernsehzuschauer. Wenn es eine Erinnerungssendung an die Frühzeiten des deutschen Fernsehens gibt, so beginnt diese regelmäßig im Jahr 1953.

Diese Geschichtsklitterung ist nur eine unter vielen, die dem heutigen Deutschen, vor allem den jüngeren Jahrgängen, klarmachen soll, daß die deutsche Geschichte quasi erst 1945 begann und daß das Dritte Reich nichts Positives zu bieten hatte, da es ja damals nichts außer KZs, Vergasungseinrichtungen, Kriegsmaschinen und Folterinstrumente gegeben habe und daß neben dem Kino und der Wochenschau als einziges Massenmedium der Rundfunk mit dem ominösen Volksempfänger lediglich der Verbreitung der stereotypen Goebbels-Propaganda gedient habe.

Tatsache, wenn auch eine gründlich verdrängte, ist aber, daß der öffentliche Fernsehbetrieb in Deutschland nicht erst im Jahre 1953, sondern schon 18 Jahre früher, während des Dritten Reiches, eröffnet wurde.

Anfänge

Am 22. März 1935 eröffnete Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky das deutsche Fernsehen: „[...] in dieser Stunde wird der Rundfunk berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutschen Herzen zu pflanzen [...]“. Der erste deutsche Fernsehsender, benannt nach Paul Nipkow, in Berlin Witzleben begann seinen regelmäßigen Fernsehbetrieb an drei Tagen der Woche für zwei Stunden am Abend. Die Reichweite des Senders war noch auf Berlin und Umgebung beschränkt. Allerdings war es nun nicht so, daß in vielen Haushalten ein sogenannter Volksfernseher (FE 1) stand. Dahin war noch ein weiter Weg. Das Deutsche Fernsehen „RPZ“ startete 1935 sozusagen noch für die „Blindenanstalt“. Im ganzen Reich gab es im ersten Fernsehjahr nicht mehr als 50 Empfangsgeräte, und die standen in Öffentlichen Fernsehräumen und in den Wohnstuben einiger Parteigenossen, das waren etwa:

Technische Daten

Gesendet wurde schwarz-weiß mit 180 Zeilen pro Sekunde (heute: 625 Zeilen), was zu einer geringen Bildauflösung führte. Kinofilme konnten zwar übertragen werden, aber das Filmmaterial mußte nach seiner Übertragbarkeit gesichtet und entsprechend einfache Bilddarstellungen ausgesucht werden, da sonst nicht recht etwas zu erkennen gewesen wäre.

Mit Hilfe des Zwischenfilmverfahrens waren bereits Direktübertragungen – etwa von Sportereignissen – mit einem Zeitunterschied von ca. einer Minute möglich. Die Geschehnisse wurden vor Ort auf Film aufgenommen, in Sendewagen in rasender Eile an Ort und Stelle entwickelt und kurz darauf über ein Filmabtastgerät weitergegeben. Für den Empfang dieser Bilder galt allerdings auch die 180-Zeilen-Begrenzung.

Erste Mobilstudios

Dieses Verfahren wurde unter anderem neben der ersten elektronischen „Ikonoskop”-Kamera verwendet, um die Olympischen Sommerspiele 1936 zu übertragen. Vor dem Olympiastadion in Berlin hatte die Reichspost einen Übertragungswagen, in dem die zu übertragenden Aufnahmen der Sportereignisse vor Ort entwickelt, und dann in die Fernsehstuben in Berlin übertragen wurden; in Fernsehstuben deshalb, weil das technische Verfahren noch zu teuer und zu kompliziert war, um eine breite Streuung von privaten Empfangsgeräten zu ermöglichen.

Zuschauerin in einer Fernsehstube

Dann gab es noch die Möglichkeit, sich direkt aus einem Studio ins Bild setzen zu lassen. Man konnte das Abbild einer Person in der sogenannten Dunkelzelle durch die Nipkowscheibe zerlegen lassen. Durch ein Abtastgerät war es möglich, eine Person, die sich in der Dunkelzelle befand, zu übertragen. Diese Dunkelzelle war allerdings technisch bedingt winzig klein und hatte eine Grundfläche von 2,25 Quadratmetern. Darin saß dann etwa Ursula Patzschke, die erste Fernsehansagerin der Geschichte.

Durch dieses Verfahren war es aber nicht möglich, Menschen in voller Lebensgröße aufzunehmen. Das Abtastgerät erfaßte meist nur den Kopf, im besten Fall konnte man ein Brustbild abtasten. Als Komplikation kam noch hinzu, daß das Abtasten in völliger Dunkelheit geschehen mußte, woraus sich der Name „Dunkelzelle“ erklärt. Damit man die Kontraste auf einem Gesicht besser erkennen konnte, wurden die Personen stark geschminkt und kontrastreich gekleidet.

Im Sommer 1936 vergrößerten sich diese winzigen Dunkelzellen und ermöglichten es, daß auch Personen in voller Lebensgröße zu sehen waren. Später war es sogar möglich, daß sich sechs Personen im Bild bewegten. Die „Bühne“, wie jetzt die Dunkelzelle bezeichnet wurde, war trotzdem so winzig, daß jeder größere Schritt bereits aus dem Bild herausführte, was natürlich auch extrem schwierig war, da die Bühne in völliger Dunkelheit lag. Man behalf sich damit, weiße Striche als Markierung auf den Boden aufzuzeichnen. Eine Person war dafür zuständig, zu überprüfen, daß diese Striche nicht übertreten wurden, denn dies bedeutete, daß man sich außerhalb der Aufnahme befand. Es ist nicht bekannt, daß sich Dr. Goebbels und der Führer jemals in einer Dunkelzelle abtasten ließen.

Zwei Jahre nach der Eröffnung des deutschen Fernsehens 1935 gab es schätzungsweise erst etwa 75 Heimempfänger. Im Vergleich mit dem Hörfunk steckte das Fernsehen noch in den Kinderschuhen. Die Hörerzahl des deutschen Rundfunks schätzte man dagegen mit 8.167.957 Hörern zu der größten in Europa.

Fernsehstube

Einer der Gründe hierfür war, daß das Signal nur in Berlin und Umgebung empfangen werden konnte. Des weiteren waren die Fernsehgeräte so teuer, daß sie nicht für jedermann erschwinglich waren. 1935 kostete ein Fernsehempfänger bis zu 2.500 Reichsmark, so daß die Geräte nicht auf dem Markt angeboten wurden. Auch durch die schlechte Bildqualität aufgrund der niedrigen Zeilenzahl von 180 Zeilen bei einer Größe des Bildschirms von 23 x 26 Zentimetern ging die Entwicklung nur schleppend voran.

Um das Volk für die Idee des Fernsehens zu gewinnen, wurden ab 1935 von der Reichspost sogenannte öffentliche Fernsehstuben in Postämtern eingerichtet. Die erste Fernsehstelle, die schon zwei Wochen nach Aufnahme des Sendebetriebes am 9. April 1935 im Berliner Reichspostmuseum Ecke Leipziger/Mauerstraße eröffnet wurde, hatte nur 30 Plätze. Fernsehen konnte man auf zwei Geräten, deren Bildschirmgröße 18 x 22 Zentimeter betrug.

Den Tag über liefen in solchen Fernsehstuben Fernsehversuchssendungen und Musik, abends wurde ein zweistündiges Informations- und Abendprogramm geboten. Auch gab es Fernsehstuben außerhalb Groß-Berlins. So wurden am 13. Mai 1935 in Potsdam und Leipzig Fernsehstuben eingerichtet, ein Kabel führte auch nach Hamburg.

Kontinuierlich wurden neue Fernsehstellen eingerichtet. Diese Fernsehstuben wurden aber oft nicht aus Interesse für das Programm aufgesucht, sondern weil man sich für die technische Erneuerung interessierte oder weil es schlichtweg gut geheizt war.

Viele Fernsehstuben, zu denen der Eintritt meist kostenlos war, standen in „einfacheren“ Wohngegenden. Die Bewohner konnten sich eine Kinokarte oft nicht leisten. Die Post bemühte sich, immer neue Fernsehstellen einzurichten, insbesondere vor größeren politischen Ereignissen, z. B. Funkausstellungen oder Reichsparteitagen. Am Ende dieser Entwicklung waren 150.000 Zuseher zu verzeichnen. (Alle diese haben es anscheinend aber versäumt, ihren Nachkommen beizubringen, daß das deutsche Fernsehen nicht erst nach dem Kriege – durch die Güte der Amerikaner und Briten – eingerichtet wurde.)

Bis zu den Olympischen Sommerspielen 1936 wurden im Großraum Berlin fünfzehn Fernsehstuben eröffnet, andere Quellen nennen sogar 25 Fernsehstellen. Außerdem waren über Kabel Potsdam und Leipzig, 1941 auch Hamburg angeschlossen.

Im Herbst 1935 folgte die erste „Fernseh-Großbildstelle“ für 294 Zuschauer, im Jahr 1936 eine Zweite mit 120 Plätzen; 1941 wurde der denkmalgeschützte Bechstein-Saal in der Berliner Linkstraße mit 200 Plätzen in ein Fernsehkino umgewandelt. Die Programme wurden dabei in einem Zwischenfilmverfahren auf Zelluloid gespeichert und anschließend wie herkömmlicher Film auf eine Leinwand projiziert.

Man griff also gezielt auf das Kino zurück. Diese Vorführungen waren erste Beispiele einer Kooperation von elektronischen und fotografischen Produktionsverfahren. Es blieben lokale Pilotprojekte.

Ende 1943 mußten die Hamburger Fernsehstellen ihren Betrieb einstellen; die Berliner Fernsehstuben und Großbildstellen arbeiteten ungefähr bis Herbst 1944. Trotz fehlender Reichweite entwickelte sich nach Inbetriebnahme ein Kompetenzstreit zwischen Propagandaminister Josef Goebbels, Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge und dem Reichsminister für Luftfahrt, Hermann Göring, über die Fernsehzuständigkeit. Als Initiatorin und Veranstalterin langjähriger Fernsehexperimente wollte die Post beim Fernsehen nicht so schnell ausmanövriert werden, wie sie sich dies im März und Juni 1933 durch das Propagandaministerium beim Rundfunk hatte gefallen lassen. Göring verbündete sich mit dem Reichspostminister; gemeinsam mit diesem setzte er bei Adolf Hitler den „Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Zuständigkeit auf dem Gebiet des Fernsehens“ vom 12. Juli 1935 durch. Darin hieß es:

„Mit Rücksicht auf die besondere Bedeutung des Fernsehwesens für die Flugsicherung und den nationalen Luftschutz ordne ich daher an: Die Zuständigkeiten auf dem Gebiet des Fernsehwesens gehen auf den Reichsminister der Luftfahrt über, der sie im Benehmen mit dem Reichspostminister ausübt.“

Welche Bedeutung das Fernsehen für die Rüstung hatte, unterstrich ein Patent, das am 15. Juli 1935, also drei Tage nach dem Fernseh-Erlaß, von Postrat Dr. Weiß von der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost eingereicht wurde. Es war ein System, um „mit Hilfe des Fernsehens die Lenkung unbemannter Fahrzeuge oder Torpedos durchzuführen“. Wichtig erschien den Monopolvertretern im Reichspostministerium vor allem eine Anwendung dieses Gedankens auf den oder die Berichterstattung vom Nürnberger Parteitag 1937 gewesen zu sein, obwohl dafür speziell ein Breitbandkabel von Berlin nach Nürnberg gelegt wurde.

Technisch hatte sich das Fernsehen bis zum Zweiten Weltkrieg dahingehend weiterentwickelt, daß ab 1935 ein Zellensprungverfahren eingeführt worden war, das das Flimmern des Bildes verdeckte, indem ein Bild in zwei Halbbildern abgetastet wurde (erst die geraden, dann die ungeraden Zeilen). Damit erzielte man eine scheinbare Bildwechselzahl von 50 anstatt der eigentlichen 25 Bilder pro Sekunde.

Am 15. Juli 1937 erklärte der Reichspostminister 441 Zeilen bei 50 Halbrastern zur endgültigen deutschen Fernsehnorm. Diese Obergrenze wurde durch die Übertragungstechnik gesetzt. Zwar gab es erste Versuche für hochauflösendes Fernsehen mit 729 und 1.029 Zeilen, was allerdings nur militärisch für die Luftaufklärung genutzt wurde. Auf dieses Ziel hin wurde das Fernsehen schnell modifiziert.

Zweiter Weltkrieg

In Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt der Reichspost wurde ab 1940 auf der Hakeburg in Kleinmachnow an einer Fernseh-Lenkeinrichtung für Bomben gearbeitet. Die Technik wurde zwar verbessert, doch trotzdem wurden bei 60 bis 80 Probewürfen in Peenemünde und Jesau auf der Kurischen Nehrung nur etwa 2 % Volltreffer erzielt, zum einen weil die Fernseh-Lenkeinrichtung nur beim Fehlen jeglicher elektrischer Störstrahlung und bei klarer Sicht befriedigend arbeitete, zum anderen aber auch deshalb, weil bei dem ungewohnten Bildlenkverfahren der Bombenschütze der Gleitbombe leicht zu starke Ruderausschläge erteilte, die dann bei der hohen Endgeschwindigkeit nicht mehr korrigierbar waren.[1]

TV-Spiel.jpg

In den VSA ging die Forschung in eine ähnliche Richtung. Bei RCA hatte Vladimir Zworykin, der die elektronische Kameraröhre entwickelt hatte, mit einer Gruppe schon 1935 Arbeiten abgeschlossen „for the implantation of a miniature vidicon camera in the nose of a flying missile“. Während des Zweiten Weltkrieges wurden ähnliche Techniken in der Praxis eingesetzt:

„Kinescope recording received its first practical use during WW II when it was used by the Air Force to record images transmitted from TV cameras on board experimental missiles and rockets“.

Ein spezieller Einsatz war die Beobachtung von V2-Raketenstarts in Peenemünde. Trotz aller Kritik am System schwingt bei Bruch immer der Stolz über die Technik mit – bis zum Ende:

„Als 1945 die Russen in Berlin einmarschierten, stand eine der modernsten Fernsehanlagen ihrer Zeit, vollautomatisiert, von meinen Mitarbeitern für Peenemünde entwickelt, versandfertig bereit. Peenemünde war längst zerstört, und die eigentlichen Auftraggeber für diese Anlagen waren vielleicht tot?! Das Fernsehen schien für uns zu Ende.“

Ein Beispiel für die militärische Nutzung des Fernsehens gibt Lertes. Die bereits im Ersten Weltkrieg genutzte Bildtelegrafie sei ausbaufähig.

„Sie wird jedoch für die Kriegsführung geradezu katastrophal, wenn das Fernsehen gelingt, denn dann könnte einem aufklärenden Flugzeug überhaupt nichts mehr verborgen bleiben“

In der Regel wurde das Fernsehprogramm vom Sender Nipkow in Berlin 1935 an drei Tagen (montags, mittwochs und sonnabends) von 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr und sonntags von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr gesendet. Ausnahmen waren durchaus möglich. Nach der Hälfte der Sendezeit wurde eine Pause eingelegt und das Publikum im Sendesaal ausgetauscht.

Natürlich führte dies zu Mißstimmungen auf seiten der Fernsehzuseher. Daher stieg man ab Januar 1936 auf einen Schichtbetrieb um. Das hatte zur Folge, daß der Programmablauf auf eine Stunde gekürzt und dann im Anschluß komplett wiederholt wurde.

Die Arbeitsbedingungen für die Sendungen „Wir senden Frohsinn – wir spenden Freude“ erschwerten sich, weil man mit Bombenangriffen rechnen mußte. Einige Übertragungen fielen daher aus, ganz eingestellt wurden sie wahrscheinlich im Sommer 1944.

Da an den übrigen Tagen „Konserven“ über den Sender liefen, waren nicht mehr so viele Mitarbeiter notwendig. Diese zogen die Arbeit der Truppenbetreuung der in den Rüstungsbetrieben vor, deshalb mußte eine Alternative gefunden werden. Begleitend zum Fernsehprogramm bildete sich aus dem Paul-Nipkow-Ensemble eine Art Wanderbühne, die ihr Programm direkt in den Lazaretten aufführte.

Im September 1944 verbot Goebbels das Kulturleben, infolgedessen kamen das Fernsehprogramm und die Wandertruppe zum Erliegen. Viele Bühnenkünstler mußten nun doch an die Front. Der „letzte Atemzug“ vor dem endgültigen Ende war ein Wanderkino. Zwei Einheiten führten in Lazaretten und Flakstellungen Filmbeiträge aus dem Archiv des Paul-Nipkow-Senders vor. Im Frühjahr 1945 wurden die Vorführungen eingestellt.

Zeitgenössische Zeitungsberichte

Das Fernsehkino

Bericht von 1934
Ein Zeitdokument. Ausschnitt aus dem ersten mit dem Fernsehwagen der RRG aufgenommenen Fernsehfilm: Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet die Große Deutsche Funkausstellung 1934.
„Mehr als 300.000 Besucher, mehr als jemals in den vergangenen Jahren haben in der Zeit vom 17. bis zum 29. August die Hallen unter dem Funkturm in Berlin durchwandert, um sich über die hervorragenden Leistungen der deutschen Radioindustrie zu unterrichten, den Bau des Volksempfängers aus eigener Anschauung kennen zu lernen und sich von der unerhörten Tatkraft und dem unbezwingbaren Willen des nationalsozialistischen Rundfunks zu überzeugen. Über 100 Sonderzüge aus allen Teilen des Reiches brachten die begeisterten Freunde des Rundfunks nach Berlin, um sie mit dem Bewußtsein wieder in die Heimat zurückzuführen, bei dieser Gelegenheit zugleich den Start des Fernsehens miterlebt zu haben. Denn die letzte Funkausstellung hat bewiesen, daß das Fernsehen einwandfrei funktioniert, daß sich Filme mit überraschender Präzision übertragen lassen und daß der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern sein wird, wo jeder in seinem Heim an den Ereignissen der Zeit nicht nur akustisch, sondern auch bildlich teilhaben kann.
Gewiß, heute handelt es sich noch immer mehr oder weniger um Versuche, die notwendig sind, wenn man Erfahrungen sammeln und der Öffentlichkeit etwas Vollkommenes bieten will. Aber Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky hat mit Recht darauf hingewiesen, daß die deutschen Volksgenossen auch diese Versuche kennen lernen wollen und müssen, um über den Erfolg unterrichtet zu sein. Schon in allerkürzester Zeit soll der auf der Ausstellung erstmalig gezeigte Fernsehwagen eingesetzt und für einen regelmäßigen Betrieb nutzbar gemacht werden.
Vielleicht ist es zum Verständnis der Fernsehtechnik angebracht, hier noch einmal in großen Zügen den Vorgang des Fernsehens klarzustellen. Beim Filmen arbeitet man bekanntlich so, daß in der Sekunde 16 bis 24 Bilder fotografisch aufgenommen und mit derselben Geschwindigkeit bei der Vorführung wieder projiziert werden. Infolge der Trägheit des Auges verschmelzen die Einzelbildchen zu einer ununterbrochenen Bewegung. Diese grundsätzliche Technik wird auch beim Fernsehen angewendet. Allerdings mit einer wesentlichen Verfeinerung. Denn zunächst einmal jedes Einzelbildchen innerhalb einer fünfundzwanzigstel Sekunde gesendet werden wen. Dazu ist eine Aufteilung in ‚Bildpunkte‘ erforderlich. Das Bild wird mit Hilfe einer sogenannten Nipkow- oder Kreislochscheibe zeilenförmig abgetastet und dabei in 180 Zeilen und 40.000 Bildpunkte zerlegt. Diese Bildpunkte sind etwa mit dem Korn der fotografischen Schicht oder mit dem Raster eines Zeitungsdruckes zu vergleichen. Da in der Sekunde 25 Bilder mit je 40.000 Bildpunkten abgetastet werden müssen, kann man sich leicht ausrechnen, daß für jeden Bildpunkt nur ein Millionstel Sekunde zur Verfügung steht. So empfindlich ist weder die fotografische Emulsion noch – unter den normalen Belichtungsverhältnissen – die Fotozelle. Einzelne Köpfe lassen sich zur Not auf diese Weise noch abtasten, Szenenbilder sind aber dafür absolut ungeeignet. Um trotzdem Szenen senden zu können, hat man mit dem Film engste Freundschaft geschlossen: Man tastet die zu übertragenden Szenen nicht direkt, sondern von einem Film ab, den man natürlich sofort nach der Aufnahme entwickeln, fixieren, trockenen und senden kann. Dabei hat man den Vorteil, die Abtastung in der Durchsicht vornehmen zu können, wobei sich außerordentlich starke Lichtquellen verwenden lassen.
Dieses leider nicht ganz leicht verständliche Verfahren, das aber immerhin erkennen läßt, mit welch ungeheuren Schwierigkeiten die Ferntechnik zu kämpfen hat, wird auch bei dem Fernsehwagen der Reichsrundfunk-Gesellschaft angewendet. Mit einer auf dem Dach stehenden Tonfilmkamera wird ein Tonfilm aufgenommen, dessen Bild in der beschriebenen Weise zerlegt und über einen Ultrakurzwellensender in den Äther ausgestrahlt wird, während der Ton über einen zweiten Ultrakurzwellensender geht. Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung durch Reichsminister Dr. Goebbels ist der Wagen zum ersten Male in Betrieb genommen worden. Von dem Ergebnis können wir unseren Lesern sogar ein Stückchen Film, das als Zeitdokument zu werten ist, im Bilde vorführen.
Und was wird aus den Sendungen? Dafür interessiert sich natürlich die Öffentlichkeit in erster Linie.
Wer über das erforderliche Kapital verfügt, kann sich schon jetzt einen Fernsehempfänger für etwa 600 Mark anschaffen, mit dem man Bild und Ton empfangen kann. Und zwar, wie auf der Ausstellung gezeigt wurde, sogar recht brauchbar. Für die unendlich große Zahl der Volksgenossen, die den erforderlichen Betrag nicht aufwenden können, wird vielleicht das Fernsehkino, das auf der Ausstellung ebenfalls gezeigt wurde, die erhoffte Befriedigung bringen. Man kann nämlich auf der Empfangsseite den Sendeprozeß wieder umkehren, indem man die ankommenden Bildpunktimpulse auf einen lichtempfindlichen Normalfilm wirft, dort das Bild wieder zusammensetzt, entwickelt, fixiert, wässert und trocknet und dann sofort in einem Lichtspieltheater vorführt. Die nach einem solchen Zwischenfilmverfahren vorgeführten Bilder hatten zwar nicht die Qualität der Kleinempfänger, ließen sich auch mit einem normalen Kinobild nicht vergleichen, überzeugten aber doch von der grundsätzlichen Brauchbarkeit des Verfahrens.
Vielleicht, vielleicht wird also die Zeit nicht mehr allzu fern sein, da man irgendwo in einem Lichtspieltheater sitzen kann, um mit einer geringen Verzögerung von nur 2 bis 3 Minuten Reportagen von großen politischen Veranstaltungen, wichtigen Zeitereignissen oder unterhaltenden Sendungen im Ton und Bild zu erleben. Vielleicht wird man dann sogar auch Reportagen von der Entstehung großer Filmwerke sehen können, wer weiß?
Das ist die Sensation der Funkausstellung 1934 gewesen: Der Funk hat nach der Schallplatte und dem Theater auch den Film zum Freund gewonnen, der Nationalsozialismus hat erneut bewiesen, daß ein starker Wille schier unüberwindlich erscheinende Schwierigkeiten erfolgreich überwinden und im Interesse der Weltgeltung der deutschen Technik allen Volksgenossen dienstbar machen kann. Wer die gewaltige Schau der Funkausstellung 1934 mit Bewußtsein besucht hat, der hat den Start des Fernsehfunks erlebt.“

Der erste Fernsehkongreß in Berlin

Feierliche Ehrung des Fernseherfinders Nipkow – Taufe eines neuen Fernsehsenders

Bericht vom 9. Juni 1935

„Nach der am 1. Mai erfolgten Gründung der Fernsehgemeinschaft der Reichsrundfunkkammer fand am 29. Mai in Berlin der erste deutsche Fernsehkongreß statt. Träger des Kongresses waren die Fernsehgemeinschaft und der Verwaltungsbeirat der Reichsrundfunkkammer und die Rundfunkarbeitsgemeinschaft, die sich aus Vertretern der politischen Rundfunkführung, der Rundfunkindustrie und des Rundfunkhandels zusammensetzt. Die Kongreßveranstaltungen wurden am Vormittag im Hause des Rundfunks mit der Enthüllung einer Gedächtnistafel zu Ehren des deutschen Fernseherfinders Paul Nipkow und der Taufe eines neuen Fernsehabtastsenders der Reichsrundfunkgesellschaft eröffnet, der den Namen des Fernseherfinders trägt.
Zu der denkwürdigen Feierlichkeit hatten sich im großen Sendesaal des Funkhauses die führenden Persönlichkeiten des deutschen Rundfunks, der Rundfunkwirtschaft, die Intendanten der Reichssender, die Mitglieder des Kongresses, Vertreter der Funkwissenschaft, der Technischen Hochschulen und Angehörige der Parteigliederungen eingefunden. Als der greise Fernseherfinder Paul Nipkow in Begleitung seiner Familie und des Reichssendeleiters Hadamovsky erschien, erhoben sich die Anwesenden ihm zu Ehren von ihren Plätzen.
Reichssendeleiter Hadamovsky führte aus, es sei ihm eine große Freude, die Ehrenstunde des greisen Erfinders leiten zu können, der vor mehr ah einem halben Jahrhundert als junger Mensch ohne Titel und Würden, ohne Geld und Unterstützung, ohne Hab und Gut und ohne einen anderen Beruf als den eines Studenten, die Grundlagen und die grundlegende Erfindung des heutigen Fernsehens schuf. Wir Jungen von heute, so sagte er weiter, sind unendlich stolz darauf, diesem ehrwürdigen Erfinder unsere Hochachtung bezeugen zu können. Wir sind unendlich stolz darauf, daß dieser Mann ein Deutscher ist und daß damit so, wie vor einem halben Jahrtausend ein Deutscher die grundlegende Erfindung für eine neue Kulturepoche schuf, nämlich den Buchdruck, nun wiederum ein Deutscher, der heute noch in unseren Reihen steht, die grundlegende Erfindung einer neuen Kulturepoche geschaffen hat. Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky bezeichnete abschließend die Erfindung des Fernsehens als die Krönung der bisherigen elektrorundfunktechnischen Entwicklung.
Dr. Hubmann, der technische Direktor der Reichssendeleitung, sprach darauf über den Erfinder Paul Nipkow und seine Arbeit. Er ging auf die technischen Einzelheiten seiner Erfindung ein und schilderte die Widerstände, mit denen der Erfinder zu kämpfen hatte, da man ihm jede Unterstützung versagte und die technischen Mittel sowie die praktische Durchführung seiner Erfindung noch nicht weit genug vorgeschritten schienen. Erst mehr als vierzig Jahre später kam die Erfüllung des Fernsehtraumes der Menschheit. Wir wollen dessen gedenken, so fuhr der Redner fort, daß wir unsere Taten auf die Verdienste unserer Väter aufbauen, und so taufen wir unseren neuen Fernsehabtastsender auf den Namen ‚Paul-Nipkow-Sender‘.
Die Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen, die Blitzlichter der Fotografen flammten auf, und unter den Klängen des Siegesmarsches von Cornelius fiel die Hülle von dem Sendeapparat.“

Fernsehen durch den Film

Bericht vom 7. Juli 1935
„In dem wöchentlichen Fernsehprogramm des Berliner Senders finden wir immer einen Tonfilm, dessen Uraufführung mindestens zwei Jahre zurückliegt. Um durch das Fernsehen die Kinotheater nicht zu schädigen, wenn später viele zehntausend Teilnehmer am fernsehen sein werden, hat man diese starke zeitliche Verschiebung eingeführt, der eine Durchschnittslaufdauer von zwei Jahren für den Film zugrunde liegt.
Auch die aktuelle Sendung läuft über den Film. Der rote Echowagen der Reichsrundfunk-Gesellschaft, der den ‚Spiegel des Tages‘ aufnimmt – die natürliche Ergänzung vom ‚Echo des Tages‘ – ist genau so ausgerüstet wie der Tonfilmwagen für die aktuelle Wochenschau im Kino. Ton und Bild werden getrennt aufgenommen, entwickelt, geschnitten und zusammenkopiert. Anstatt daß der Film nun als Wochenschau durch den Projektionsapparat ‚unseres‘ Kinos läuft, läuft er im Fernsehsender an der Abtasteinrichtung vorbei und als Modulation einer sogenannten ‚Ultrakurzwelle‘ in den Äther hinaus.
Der Film als Hilfsmittel zum Fernsehen dürfte noch viele Jahre lang die Grundlagen der Sendung darstellen. Später, wenn das Fernsehen einmal wirklich fertig ist, wird dann allerdings der Film auf die Bedeutung der Schallplatte im Rundfunk zurückgeführt werden. Aber diese ist ja so groß, daß der Anteil des Films am Fernsehen auch dann noch von eminenter Bedeutung bleibt. Denn ein moderner Sender schneidet ja alle seine großen Aufführungen auf Schallplatten – und eine Monatsproduktion von 20.000 Originalplatten ist ganz normal. Daß allerdings von allen diesen Originalen nur etwa ein Drittel ausgepreßt und so gleichsam für die Ewigkeit festgehalten wird, liegt daran, daß eben doch viele Platten nur aktuellen, aber keinen Archivwert besitzen. Dagegen ist es selbstverständlich, daß der Rundfunk beispielsweise von der IX. Sinfonie von Beethoven eine ganze Anzahl kompletter Plattenserien von verschiedenen Dirigenten aus seinen eigenen Aufführungen besitzt.
Ganz ähnlich wird das Fernsehprogramm später auch zu einem erheblichen Teil aus Filmen eigener Herstellung der Fernsehsendegesellschaften bestehen, die nichts weiter sind als gleichsam ausgepreßte Schallplatten früherer Aufführungen vor dem Sender selbst. Die Berührungspunkte zwischen Film und Fernseher sind also praktisch die gleichen wie zwischen Schallplatte und Rundfunk. Darum darf der Leser, der sich an den ungeheuren Fortschritt der Schallplattenaufnahme und -wiedergabe in den letzten zehn Jahren durch die Mitarbeit des Rundfunks erinnert, mit Recht fragen:
Wird auch der Film ähnlich bedeutende Fortschritte – zunächst technischer Art – durch den Fernseher erleben? Prophezeien ist eine heikle Sache; aber mir scheint in dieser Fragestellung eine der wichigsten Zukunftsentwicklungen zu stecken, die wir überhaupt vom Fernsehen erwarten dürfen.
Da der Fernseher in den nächsten Jahren zur allgemeinen Anwendung kommt, wird seine Technik mit rasenden Schritten vorwärts eilen, genau wie die Schallplattentechnik dies durch den Rundfunk getan hat.
Daraus könnte man nun schließen, daß es höchstwahrscheinlich sein wird, daß der Tonfilm, der sich zum Fernsehen im gleichen Verhältnis befindet wie die Schallplatte zum Rundfunk, durch das wachsende Fernsehen tatsächlich in ungeheuerstem Maße beeindruckt und gefördert werden kann. Das Fernsehen könnte vielleicht dem Film jenen künstlerischen Auftrieb von gewaltiger Kraft geben, der ihm bei der Ergänzung durch den Ton noch nicht zuteil geworden ist.
Aber wie gesagt, Prophezeien ist hier nicht leicht. Der Leser, der ja sicher ein ganz besonders eifriger Filmbesucher ist und auf der anderen Seite vom Fernsehen viel gehört, ja vielleicht auch schon gesehen hat, wird zu dieser Frage selbst auf Grund seiner Erfahrungen manchen interessanten Beitrag liefern können.
Man kann heute das Fernsehen in den Gemeinschaftsempfangsstuben Berlins und Potsdams kostenlos anschauen. Im Herbst wird man auch Fernsehempfänger für das Heim kaufen können, wobei die billigste Ausführung etwa 900,- RM. und die teuerste 2.500,- RM. kosten wird.
Aber man darf mit diesem Anfang noch nicht ein endgültiges Urteil über das Fernsehen fällen; denn vorläufig kann ja die Industrie aus Risikogründen nur winzig kleine Serien von Fernsehempfängern auflegen, die selbstverständlich entsprechend teuer sind. Jede nachfolgende Auflage wird dafür auch gegenüber der vorhergehenden wesentlich verbessert sein. Wer sich einen Fernsehempfänger kauft, muß dies wissen; denn er darf sich nicht betrogen fühlen, wenn sein Nachbar ein halbes Jahr später einen Fernsehempfänger kauft, der besser ist – und dabei auch noch um die Hälfte billiger. Das Risiko liegt beim Käufer, wie dies bei jeder neuen Sache ist. Man darf auch nicht erwarten, daß schon in zwei Jahren der Fernsehempfänger so fertig sein wird, wie ein moderner Radioapparat heute ist. Nein, davon kann überhaupt keine Rede sein. Gute Fachleute schätzen die Entwicklung des Fernsehempfängers auf zehn Jahre. Dabei zeigen sie auf den Rundfunkempfänger und sagen: Sieh mal, wie der 1924 ausschaute – und wie er heute ist! Und dabei ist der Rundfunkapparat nicht nur hundert, sondern tausendmal so einfach wie ein Fernsehempfänger!
So sieht es also mit dem Kauf fertiger Fernsehempfänger die nächsten Jahre noch recht bescheiden aus. Was man aber heute schon als Anfang mit gutem Erfolg und wirtschaftlicher Berechtigung als reiner Privatmann beim Fernsehen mitmachen kann, ist die Fernsehbastelei.
Gute Bastelteile kommen zur Funkausstellung auf den Markt. Wer geschickt ist und Liebe zum Basteln hat, kann sich daraus tatsächlich einen erstklassig funktionierenden Fernsehempfänger bauen. Gewiß wird auch so die Sache noch etwa 700 Mark kosten. Aber der große Vorteil der selbstgebauten Anordnung besteht eben darin, daß sie von vornherein so gebaut wird, daß sie einer höheren Zeilenzahl oder anderen Veränderungen am Sender ohne weiteres folgen kann. Sie veraltet gleichsam nie. Das Risiko, welches der Bastler hierbei eingeht, ist klein, während das Risiko des Käufers eines fertigen Apparates groß ist; denn wenn man auch die fertigen Empfänger so bauen würde, daß sie kommenden Veränderungen am Fernsehsender gerecht werden, dann würden sie ja noch viel mehr kosten. Daher wird der Fernsehempfang sich ähnlich entwickeln wie der Radioempfang, in dem für die nächsten zwei Jahre hauptsächlich die Bastler den Vortrupp für die kommenden Millionen deutscher Fernsehteilnehmer bilden werden.“

Heitere Kunst im Fernsehen für unsere Soldaten

Bericht vom 4. April 1941
„Der Kuppelsaal des Reichssportfeldes, jahrelang Schauplatz heißen Ringens um die Palme in friedlichen Wettkämpfen, ist nun an mehreren Tagen der Woche auch eine Stätte der Kunst und der leichten Muse geworden. Der Reichssportführer hat ihn für das Truppenbetreuungswerk zur Verfügung gestellt; 2.000 Verwundete und Soldaten können mit Anteilnahme, Spannung und Freude den Darbietungen folgen, die in buntem Wechsel vor ihnen abrollen.
Es ist selbstverständlich, daß sich die besten Künstler für diese schöne und große Aufgabe zur Verfügung gestellt haben.
Seit Mitte März wird aber die Zahl der Zuschauer noch beträchtlich vermehrt. Der Fernsehsender hat mit seinen Kameras in den Kuppelsaal Einzug gehalten und überträgt die Programme in Berliner Lazarette, in denen die Deutsche Reichspost Fernsehempfänger auf gestellt hat. Die Verwundeten, die das Bett und Haus noch nicht verlassen können, sollen regelmäßig an diesen Bunten Nachmittagen auch in der Ferne zu Gast sein und die gleiche Entspannung, das gleiche Vergnügen genießen wie ihre Kameraden.
Der Rundfunk steht ja seit dem ersten Tage des Krieges im Dienste der Soldaten. Er bildet die stets bereite Brücke zwischen Heimat und Front, wir brauchen nur an das Wunschkonzert für die Wehrmacht zu erinnern, das die Soldaten und die daheim Schaffenden allsonntäglich zu einer Hör- und Erlebnisgemeinschaft vereinigt. Auf anderem Gebiete sind es wieder die Frontberichte, durch die alle Hörer im Reich ständig mit dem gewaltigen Geschehen an den verschiedenen Kriegsschauplätzen aufs engste verbunden sind.
Es war also zu erwarten, daß sich der Fernsehsender gleichfalls in den Dienst dieser Aufgabe stellte. Er kann es nur in Deutschland, denn in England und Frankreich wurde mit Kriegsbeginn der Fernsehbetrieb eingestellt und ist bis heute noch nicht wieder eröffnet worden. Deutschland hat die unzähligen Schwierigkeiten, die sich einer Fortführung der Fernsehsendungen entgegenstellen wollten, überwunden und seine täglichen Programme regelmäßig weiter ausgestrahlt.
Auftakt der 50. Fernsehsendung für Verwundete: Das Musikkorps des Wachbatoilions Großdeutschland spielt unter der Leitung von Stabsmusikmeister Guido Grosch.
Vor einigen Wochen bereits begann nun der Fernsehsender, aus seinen Räumen am Adolf-Hitler-Platz besondere Sendungen für die Verwundeten und Soldaten zu verbreiten, an deren Gestaltung vor allen Dingen Soldaten beteiligt waren. Nunmehr hat er seine Kameras aus den Senderäumen hinausgeschickt; er konnte die Kabelanschlüsse benutzen, die noch von den Olympischen Spielen her bis zum Kuppelsaal führten. Die Versuchsübertragungen zeigten gute Ergebnisse – der Sender konnte die Gemeinde der Zuschauer also mit seinen Übertragungen beträchtlich vermehren. Er selbst hatte eine nicht leichte Aufgabe zu lösen. Im Studio kennt er den Raum, der ihm zur Verfügung steht. Er weiß, wie er die Beleuchtung einsetzen muß, die ‚Bühnen‘ sind nicht sehr groß, so daß die Kameras die wechselnden Bilder leicht einfangen können. Anders liegen die Verhältnisse im Kuppelraum. Die Bühne steht breit und großräumig vor den Kameras, es bieten sich weite Flächen, die erfaßt werden müssen und gute Bildausschnitte geben sollen. Die Ausleuchtung ist ein schweres Problem, das nur durch immer neue Erfahrungen und Versuche gelöst werden kann. Die Kameras selbst, im Studio die Herrscher, sind in eine dienende Rolle zurückgedrängt, denn sie dürfen weder den Ablauf des Programms auf der Bühne behindern noch den Zuschauern im Kuppelsaal im Blickfeld stehen. Keine leichte Aufgabe! Wir haben aber bereits die Übertragungen im Empfänger gesehen, und wir konnten feststellen, daß die Bilder recht gut kamen. Die Kameras sind gewissermaßen die Augen für alle diejenigen geworden, die nicht unmittelbar an den Veranstaltungen teilnehmen können, nicht anders als die Mikrophone des Rundfunks, die das Ohr der Nation darstellen.
Die Ultrakurzwellen, auf denen die Fernsehprogramme verbreitet werden, nähern sich in ihren Eigenschaften bekanntlich sehr stark den Lichtwellen; ihre Reichweite ähnelt also der Sichtweite eines Leuchtturmstrahles, etwa 50–70 km. So ist denn das Gebiet, das der Fernsehsender mit seinen Darbietungen erfaßt, verschwindend klein gegenüber den Bereichen der Rundfunkwellen. Der Krieg hat hier allerdings eine Entwicklung zunächst stillgelegt, die Deutschland als einziges Land der Welt bereits stark gefördert hatte: die Weiterleitung der Fernsehsendungen über Kabel zu anderen Orten und damit die Ausdehnung ihres Wirkungskreises. Die Fortführung des Programmbetriebs in Berlin ermöglicht es jedoch, für die Zukunft bereits so viele Erfahrungen zu sammeln, daß der Ausfall der einen Entwicklung reichlich durch die Arbeiten am Programm wettgemacht wird.
Die Sendungen im Rahmen der Truppenbetreuung sind nun bereits ein ständiger Bestandteil des Fernsehprogramms geworden. Die Zuschauer im Kuppelsaal und vor den Empfängern in den Lazarettes haben sie begeistert aufgenommen. Nicht nur die Künstler, sondern auch das Fernsehen wird viele neue Freunde gewonnen haben.“

Frohe Stunden beim Fernsehen

Bericht vom 7. Januar 1942
„Der Fernsehsender, dieses jüngste Kind unserer technischen Zeit, konnte letzthin ein Jubiläum feiern. Eine der Kameras, die lautlos an dicken Kabeln durch den scheinwerferstrahlenden Kuppelsaal des Reichssportfeldes glitten, richtete ihr Fernsehauge auf eine goldene Fünfzig, die in einem Blumenbeet prangte, wie es sich, für solchen Anlaß gehört. Und die Glückwünsche und Begrüßungsworte, die Reichskulturwalter Hans Hinkel zu Beginn der 50. Fernsehsendung für Verwundete sprach, waren voll Dank und Anerkennung für das, was hier seit Monaten im Dienst der Soldaten geschieht.
Auch Intendant Dr. Engler als Vater dieser großen Fernsehaktion richtete an die sichtbaren Zuschauer und Zuhörer vor ihm und an die unsichtbaren draußen in den Berliner Lazaretten einige warmherzige Worte.
Und dann das Programm! Pausenlos wurden drei Stunden lang die Musen heraufbeschworen. Es wurde in allen Tonarten gespielt und gesungen, es wurde Auftakt der 50. Fernsehsendung für Verwundete: Das Musikkorps des Wachbataillons Großdeutschland spielt unter der Leitung von Stabsmusikmeister Guido Grosch getanzt, gestept, parodiert, rezitiert, es war seriös und exzentrisch, zum Totlachen und zum Nachdenken. Die drei Ansagerinnen Elga Brink, Helga Marold und Annemarie Korff konnten immer wieder neue klangvolle Namen ankündigen. So Heinrich George und Hans Brausewetter, Ilse Werner und Evelyn Künnecke, Rose Droigk, die Scalagiris und die Rivels, Eduard Kandl, Irma Beilcke, Gisela Schlüter, die Rad fahrenden Brüder Lange, Kurt Engel, Shatty, das Musikkorps des Wachbataillons Großdeutschland unter seinem Stabsmusikmeister Guido Grosch und Egon Kaiser mit seiner Kapelle. Und das, was Kurt Pratsch-Kaufmann, der ironisierende Parodist, immer wieder unter dem Jubel der Soldaten d-zug-geschwind hervorhaspelte, nämlich ‚Jubel, Trubel, Heiterkeit, Fröhlichkeit, alles lacht ...‘, stand als Motto über den drei Frohsinn und Freude spendenden Stunden.
Im Kuppelsaal des Reichssportfeldes und vor den Fernsehgeräten in den Lazaretten erdröhnte der Beifall unserer Soldaten!“

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. BRD-Dokumentation: Geheimnisvolle Orte – Die Hakeburg
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