Gent

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Gent

Wappen von Gent
Staat: Belgien
Provinz: Ostflandern
Einwohner: 247.500
Bevölkerungsdichte: 1.586 Ew. p. km²
Fläche: 156 km²

Gent ist eine dissimilierte deutsche Stadt in Flandern und Hauptstadt der Provinz Ostflandern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Über die Bedeutung des Wortes „Gent“ bestehen viele Mutmaßungen. Der lateinische Name war „Ganda“ bzw. „Gandavum“. Bestimmte Chroniken erwähnen den Namen „Wanda“, welcher angeblich von den Vandalen abstammen soll. Deutsche und Flamen nannten die Stadt von jeher „Gent“. Der Ort, an dem die zwei tiefen und schiffbaren Wasserläufe zusammenfließen, mußte wohl zu einer Niederlassung verlocken. War doch Wasser der beste Transportweg; Wasser war zudem ein Wehrmittel gegen plötzliche Überfälle; Wasser gab Ernährung durch Fische; Wasser machte Ufer und Umgebung fruchtbar. Man vermutet, so schrieb Arnold de Muynck in einer Abhandlung über Gents Entstehen und Entwicklung, daß bereits vor der Eroberung der Gegend durch die Römer eine Art aus Fischern und Schiffern bestehende Gemeinschaft am Zusammenfluß von Leie und Schelde lebte. Trotzdem kann man erst seit dem Beginn des 7. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung tatsächlich von der Entstehung Gents sprechen.

Kirchen und Kloster

Zu dieser Zeit ließ sich hier der Glaubensprediger Amandus nieder. Auf dem sandigen Hügel, der damals zwischen Leie und Schelde stand, und zwischen den feuchten Wiesen, wo die Leie in die Schelde strömt, erbaute Amandus zwei kleine Kirchen und zur selben Zeit zwei Klöster, beide St. Peter gewidmet. Während etwa zwei Jahrhunderten standen beide Klöster unter der Verwaltung eines gemeinsamen Abtes. Erst zu Anfang des 10. Jahrhunderts trennten sich beide Klöster voneinander und wählten jedes seinen eigenen Abt. Die Abtei auf dem Hügel behielt den Namen „Sankt-Petersabtei“; die Abtei in der Niederung erhielt den Namen „Sankt-Baafsabtei“, weil dort die Reliquien des heiligen Bavo aufbewahrt wurden.

Die Äbte beider Klöster hatten die hohe und niedrige Gerichtsgewalt über ihre Untergebenen; sie handhabten diese Gerichtsgewalt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Wie an vielen anderen Orten ließen Menschen, Leibeigene und Bauern, sich dort nieder, weil sie den Schutz und die Autorität der immer mächtiger werdenden Äbte für höher und sicherer wähnten – und zudem erträglicher als das, was die Burgherren ihnen gaben. Im Gegensatz zu anderen Städten wurde Gent also nicht um einen zentralen Kern herum errichtet. Die Stadt wuchs „zwischen“ den Grundstücken, die den beiden Abteien gehörten. Als der Handel sich allmählich entwickelte, wuchs demzufolge auf beiden Strömen auch der Verkehr; ebenso natürlich war es, daß die Stelle, an der die beiden Flüsse zusammenflossen, ein Zentrum des Handels und damit auch der Industrie werden mußte.

Beziehungen zu den flandrischen Grafen

Zwar waren die Grafen von Flandern strenggläubige Herren, aber die stets wachsende Macht der Abteien war ihnen dennoch ein Dorn im Auge. Die Ausdehnung von Gent und der Schutz, den Handel und Industrie gegen fremden Einbruch und einheimische Räubereien brauchten, waren dem damaligen Grafen Grund genug, auch dort einen dauerhaften Beweis seiner gräflichen Macht zu liefern. In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, und zwar ganz bestimmt noch vor 940, wurde die erste Festung an der Stelle, die man jetzt auf Niederdeutsch noch „Gravensteen“ (hochdt.: Grafenstein) nennt, erbaut. Es ist also wahrscheinlich, daß die ersten Verteidigungswerke Gents unter der Regierung des dritten Grafen von Flandern, Arnoud des Älteren, errichtet wurden. Das Schloß wurde unter der Regierung Philipps von Elsaß (1180) auf den alten Grundfesten umgebaut, und dieser Neubau wurde bis zum Jahre 1200 durchgeführt.

Rings um diesen „Steen“ ließen sich Händler und andere Menschen nieder; später erhielt ihr Wohnort den Namen „Oude Burg“ (hochdt.: Alte Burg) im Unterschied zu den neueren Grundstücken, welche die Stadt ihrer Entwicklung wegen immer weiter einbeziehen mußte. Im Jahre 942 weihte der Bischof von Doornik, Transmar, hier die Sankt-Johanneskapelle, aus der später die großartige, herrliche Kathedrale von Gent werden sollte. Durch die Gründung dieser Pfarrei und ihre kirchliche Trennung von den Abteien bestätigte der Graf von Flandern die Tatsache, daß die Einwohner von Burg und Oudburg den Abteien gegenüber vollkommen unabhängig waren.

Handel und Wachstum

Die niederen Lande an der See nahmen einen hohen Anteil am großen wirtschaftlichen Aufschwung in Westeuropa im 11. und 12. Jahrhundert. Für Gent, das am Zusammenfluß zweier Flüße lag, wirkte diese Bewegung sich als eine große Wohltat aus. Es wuchs hier immer schneller eine Bevölkerung von Kaufleuten und Handwerkern, die, frei von den Abteien und unter dem Schutz des „Gravensteen“, ihrem Handel und ihrer Industrie einen großen Aufschwung zu geben vermochten. Bis zu dieser Zeit war die Tuchweberei ein Handwerk, das außerhalb der Städte ausgeübt wurde. Reiche Kaufleute faßten den Entschluß, die Tuchgewebe in der Stadt selbst herstellen zu lassen, und seit dem Ende des 12. Jahrhunderts übertraf Gent in der Tuchweberei alle anderen flämischen Städte. Gent bewahrte bis zum Ende des Mittelalters diesen eigentümlichen Charakter – eine Weberstadt zu sein. Angesichts der wachsenden Macht und des wachsenden Reichtums von Gent verwundert es nicht, daß die Stadt sich beim Emporkommen der „Freien Gemeinden“ politisch einrichtete. So trat bald eine Versammlung von dreizehn Schöffen als Richter und Ratgeber für die Bürgerschaft auf.

Wegen der ständig wachsenden Einwohnerzahl wurde noch vor 1199 die Einverleibung des Sankt-Michel-Viertels am rechten Leieufer notwendig. Diese erste Gebietsvergrößerung reichte jedoch nicht lange aus. Bereits im Jahre 1213 mußten die Gelände der „Upstallen“ hinzukommen. Im Jahre 1254 wurden die Grundstücke des „Brabantsch Kwartier“ (hochdt.: Brabanter Viertel) oder „Overschelde“ (hochdt.: Überschelde), ggf. auch „Stadt“ hinzugenommen. „Torfbriel“ und „Ham“ (Schinken) vergrößerten im Jahre 1269 die Flächenausdehnung der Stadt, während im Jahre 1274 die „Oudburg“ wie selbstverständlich hinzukam. Schließlich, im Jahre 1300, kamen auch die Gelände der „Muyde“, der „Ser Raesens Gerechte“ zu Ekkerge, die von Sankt-Maria und des Gastwirtes (auf der anderen Seite des Flüßchens „De Lieve“ – die Liebliche) ergänzten die Stadt. Diese Flächenausdehnung blieb bis ins 19. Jahrhundert bestehen. In der neueren Zeit endlich gaben das Viertel „Meulestee“, und Anfang des 20. Jahrhunderts die Ufer des Terneuzenkanals – durch die Stadt angekauft – der Stadt Gent eine Ausdehnung, die auf den ersten Blick für ihre Bevölkerung zu groß erscheint.

Das Aufblühen der Industrie im 13. Jahrhundert war das Signal zu einer gewaltigen Zusammenziehung von Kapitalien, die sich stets verhängnisvoll für das Gemeinwohl erwiesen hat. Unter der Regierung des Grafen Gwijde von Dampierre (1279–1305) übernahm die sogenannte „Versammlung der Neununddreißig" die Stadtverwaltung, und zwar lediglich zu dem Zweck, die Interessen des Großkapitals zu verteidigen. Um sich gegen den Grafen und die Arbeiterzünfte behaupten zu können, schlossen die Genter Patrizier ein Bündnis mit dem König von Frankreich, Philipp dem Schönen. Aus diesem Grunde nahm nur eine sehr geringe Anzahl Genter unter dem Befehl des Stammhalters einer der ältesten Genter Familien, Jan Borluut, an der Schlacht der goldenen Sporen bei Kortrijk tell, bei der Flandern aus dem Westfrankenreich austrat.

Zünfte und Patriziertum

Nach dem glänzenden Siege zu Kortrijk bekamen die Zunftmänner in Gent die Macht in die Hände. Aber dies dauerte nicht lange. Bereits 1325 waren französisch eingestellte Adelige und reiche Kaufleute wieder Herr und Meister und unterstützten den Grafen in seinem Kampf gegen die Zünfte. Brügge hatte viel für die Freiheit Flanderns geopfert und lag erschöpft und machtlos darnieder. „Brugghe die Scone“ mußte die furchtbaren Folgen seiner Niederlage bei Kassel ertragen. Das harte, starrköpfige Gent nahm Brügges Platz in dem Kampf ein. Es kam zu einer neuen Änderung der politischen Richtung. Das Patriziertum, das erst dem König von Frankreich und später dem Grafen half, suchte jetzt Unterstützung bei den Zunftleuten: bei Webern und Walkern, den zahlreichsten, aber auch ärmsten der Genter Arbeiter. Wie früher die „Neununddreißig“ mit dem König von Frankreich, so schloß Jakob van Artevelde, ein reicher Tuchhändler und leidenschaftlicher Politiker, ein Bündnis mit dem englischen König. Die Forderung der Weber nach Beherrschung der gesamten Gemeindeverwaltung führte den Bürgerkrieg herbei, und Jakob van Artevelde, der „Weise Mann von Gent“, wurde im Jahre 1345 in seinem Haus ermordet. Der Kampf gegen Frankreich ging weiter bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Während sehr kurzer Zeit wußte Philipp van Artevelde, der Sohn Jakobs, erneut ganz Flandern unter die Herrschaft Gents zu bringen. Am 27. November 1382 wurde er zu Roozebeke, wo er inmitten seiner treuen Genter fiel, geschlagen.

Unter westdeutscher, burgundischer Obhut

Die nun folgende burgundische Dynastie brachte Gent eine Periode des Friedens und der Ruhe. Herzog Johann ohne Furcht setzte einen Rat von Flandern ein, der sich bis zur französischen Revolution (1789) bewährte. Gent ertrug nicht lange die Autokratie und den Zentralisationsgeist der Burgunder, und es kam zu einem offenen Konflikt unter Philipp dem Guten. lm Jahre 1453 wurden die Genter in Gavere vernichtend geschlagen, und 1467 wurde ein Aufstandsversuch auf furchtbare Weise von Karl dem Kühnen unterdrückt. Hierbei verlor Gent fast alle seine Freiheiten. Karl der Kühne fiel auf dem Schlachtfeld bei Nanzig; der Kampf ging unter Maria von Burgund und ihrem Gemahl, Maximilian von Österreich, weiter, bis Gent endlich, von ganz Flandern verlassen, im Jahre 1492 das Regierungssystem (→ Burgundischer Reichskreis) annehmen mußte, dem es sich so lange widersetzt hatte.

Langwieriger Hader und blutiger Krieg hatten Gent geschwächt. Der englische Wettbewerb hatte die Tuchindustrie zugrunde gerichtet. Glücklicherweise war eine andere Industrie entstanden, die die Wohlfahrt Gents hochhielt. Seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts wurde Gent das Lagerhaus für das über Leie und Schelde eingeführte Getreide aus Frankreich, so daß Gent im 15. Jahrhundert ein riesiger Stapelplatz für Getreide war. Die Genter Schiffahrt war gewaltig und bedeutend. Überdies verlieh die Teppichweberei den Genter Arbeitern und Händlern eine reiche Einnahmequelle. Während Brügge und Ypern seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in einen immer tieferen Verfall gerieten, behielt Gent seinen Wohlstand, den es unter den Burgundern und ihrem Nachfolger, Karl V., noch erhöhte. Als geborener Genter erfreute dieser sich in seinen ersten Regierungsjahren der Liebe der Genter Bevölkerung. Die immer schwereren Lasten riefen jedoch allmählich einen Widerstand hervor, der sich alsbald zu einem Aufstand entwickelte. Karl nahm die Stadt kampflos ein; Gent wurde schwer bestraft, die Sankt-Baafsabtei wurde abgebrochen, und mit deren Materialien erbaute der Kaiser eine Festung, die in der Erinnerung der Genter als „spanische Burg“ (ndt.: Spaansen Kasteel) weiterlebte, weil die Besatzung aus Spaniern zusammengestellt wurde. Von dieser Burg ist nichts übrig geblieben, aber alljährlich kommen noch immer Tausende von Fremden, um die Überreste der alten Sankt-Baafsabtei zu bewundern. Die Mönche dieser Abtei siedelten in die Sankt-Johanniskirche um, die somit die Kirche des heiligen Bavo, oder in kerniger Genter Mundart „Sint Baafskerke", wurde.

Reformation und Achtzigjähriger Krieg

Unter Kaiser Karls Sohn, Philipp II., wurde es noch schlimmer. Die Lehre Calvins fand in Gent sehr viele Anhänger, und die Bilderstürmer verwüsteten hier unersetzliche Kunstschätze. Philipp II. entsandte den Herzog von Alba gegen die geprüfte Stadt, und Gent unterwarf sich abermals. Es entsprach dem Wesen und Charakter der Genter, für die vom spanischen Joch freigekämpften nordniederländischen Provinzen Partei zu ergreifen. In Gent wurde die berühmte Pazifikation von Gent (1576), die alle Parteien versöhnen sollte, unterzeichnet. Der Streit entbrannte jedoch von neuem; von 1577 bis 1584 war Gent eine Art kalvinistischer Republik. Schließlich mußte sich die starrköpfig-stolze Stadt, bezwungen durch eine große Hungersnot, vor Alexander Farnese beugen.

Dieser Kampf war die letzte Erhebung der ruhmreichen, aber sich selbst vernichtenden Macht Gents. Gent war eine Stadt von großzügiger Anlage. Der Bau des prachtvollen Rathauses wurde in Angriff genommen. Stolz ragte die Spitze des erhabenen Belfrieds zum graublauen flandrischen Himmel empor; in der ganzen Stadt zeugten Schlösser, Kirchen, Gotteshäuser und Patrizierwohnungen von der Größe und der Vergangenheit Gents. Und doch, während die protestantischen Niederlande sich einer außergewöhnlichen Blüte erfreuten und den Kampf gegen das hochmütige Spanien mit Erfolg weiterführten, begann für Gent eine Zeit, in der die Stadt in einen „Dornröschenschlaf“ versank. Die protestantischen Familien wanderten aus; die katholisch gebliebenen flämischen und wallonischen Provinzen wiesen einen immer stärkeren wirtschaftlichen Verfall auf.

Die im Jahre 1585 erfolgte Sperrung der Schelde war eine Katastrophe für Gent. Die stolze Stadt verlor jede Bedeutung. Ihre Einwohnerzahl nahm ab, Industrie und Handel verschwanden, und Gent erlitt das ihm von der Unbeständigkeit des Schlachtenglaks und den diplomatischen Abmachungen aufgezwungene Schicksal. Die Franzosen besetzten die Stadt nacheinander in den Jahren 1678, 1708 und 1745 (→ Französische Nordexpansion). Nur die Anzahl der Klöster und Mönche wuchs. Trotzdem fand man in Gent immer eine Anzahl großer Tuchhändler, die zwar nicht in der Stadt, aber in den ländlichen Gemeinden einer großen Anzahl Weber Arbeit und Brot verschafften und die Gewebe nach Frankreich und Spanien sandten. Inmitten dieser dunklen Zeiten zeugten nur noch großartige Kirchen und luxuriöse Herrenhäuser von der früheren Üppigkeit Gents. Dennoch gedieh immer noch, dank des Reichtums und des Kunstsinns der Genter Großen, die Kunst. Staatlich gehörte die Stadt bis 1713 den Spanischen, ab diesem Jahr den Habsburgischen Niederlanden. Am Ende des 18. Jahrhunderts nahm Gent an der Brabanter Revolution teil, und nach der Schlacht bei Fleurus wurde die Stadt Frankreich einverleibt. Nun geschah das Wunder. Durch elenden Bürger- und Bruderhader, durch Aufstand und Revolutionsgeist, war Gent zu einer schlafenden Stadt geworden. Mit einer anderen Revolution, der französischen von 1789, fing für den alten flämischen Löwenhorst ein neues Leben an, das bis in unsere Tage fortdauert.

Industrialisierung

Im Jahre 1800 gründete Lieven Bauwens hier die erste Baumwollspinnerei. Bereits 1805 wurden die ersten Dampfmaschinen aufgestellt und beherzt gebraucht. In kurzer Zeit wurde Gent wieder zu dem, was es früher war: ein summender Bienenkorb voll fruchtbarer Arbeit, eine Stadt von Spinnern und Webern. Unter der holländischen Hoheit (1814–1830) wuchs die neugeborene Wohlfahrt immer höher. 1817 wurde die Stadt mit einer Universität bereichert; 1828 brachte der vertiefte und verbreiterte Kanal von Terneuzen die Genter Gewässer in direkte Verbindung mit der See. Seit 1830 kannte die Entwicklung der Stadt keine Hemmungen mehr. Baumwoll-, Flachs- und Jutespinnereien, zahlreiche Webereien für Spinngarn, Zuckerfabriken, Maschinenbau, Hof- und Gartenkultur machten Gent zu einem der regsten Zentren im flandrischen Raum.

1911 war die Tonnage des Hafens auf mehr als das zwanzigfache der entsprechenden Zahl im Jahre 1860 angewachsen. Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sind die Zuckerfabriken verschwunden, auch der Maschinenbau und im allgemeinen die Metallindustrie gerieten in Verfall. Demgegenüber verdoppelte die Textilwirtschaft ihre Bedeutung, leider auf Kosten des schwer arbeitenden Volkes. Die Fabrikanten des 19. und 20. Jahrhunderts bildeten dieselbe Oligarchie wie die des 14. und 15. Jahrhunderts; die Absatzgebiete für die Genter Textilwaren wurden auf Kosten der viel zu niedrigen Löhne der Arbeiter erworben. Aufeinanderfolgende Geschlechter eifriger Arbeiter lebten in fortwährendem und unabwendbarem Elend. Und doch wuchs die Einwohnerzahl von Gent immer weiter an, weil die Armut in den Landbezirken noch größer war. Die entwurzelte Landbevölkerung suchte in den düsteren Fabriken ihr Brot, das die schwere Arbeit auf dem Felde sie nicht mehr verdienen ließ. Von 50.963 Einwohnern im Jahre 1784 wuchs die Bevölkerung auf 174.500 im Jahre 1924 an. Infolge der schlechten Wohnungsverhältnisse und auch der drückenden Gemeindelasten nahm diese Zahl zugunsten der Vororte Ledeberg, Gentbrügge und Sankt-Amandsberg ein wenig ab. Wiederum lieferten die Genter Arbeiter denselben schweren, undankbaren Kampf, den sie im Mittelalter gegen ein übermächtiges Patriziertum geführt hatten. Jetzt ging es jedoch ohne Blutvergießen; mächtige Gewerkschaften wurden gegründet und gewannen den Kampf für eine weniger elendvolle Existenz. Leider war die Parteipolitik abermals der Haderstifter.

Ende der Französisierung

Im Jahre 1913 zeigte Gent in einer Weltausstellung, wozu es imstande war. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Gent auf allen Gebieten die Arbeit sofort wieder auf. Durch die aufeinanderfolgenden „Floralien“ (Blumenmessen) erbrachte Gent den Beweis, daß es, abgesehen von seinem fachlichen Können, auch nichts von seinem Geschmack für alles Schöne, für Blumen und Pflanzen verloren hatte. Die letzte, im Jahre 1929 beginnende Wirtschaftskrise bot der weiteren Entfwicklung Einhalt. Es war eine neue Periode wachsender Armut und Entnervung für Arbeiter und Mittelstand. Nur das flämische Kulturleben wies einen Aufschwung auf; langsam, aber sicher schüttelte Gent die Französisierung ab. Die Universität, die schon während des Weltkrieges zum ersten Mal zum Unterricht in der Muttersprache übergegangen war, und andere Einrichtungen wurden flamisiert. Gent wollte wieder die Stadt sein, in der jeder flämische Arbeiter in fruchtbarer Arbeit das flämische Lied erschallen läßt als dankbaren Ausdruck für den Frieden im Herzen und die Wohlfahrt in der Familie.

Bekannte, in Gent geborene Personen

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