Germanen

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Die Stämme Germaniens während der römischen Kaiserzeit

Germanen ist die Sammelbezeichnung für weitestgehend nordische Stämme und Völker in Europa, die der indogermanischen Sprachfamilie angehörten, sich aber von den benachbarten, ebenfalls indogermanischen Kelten, Skythen etc. durch Kultur, Religion und Sprache unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Im Gegensatz zur althergebrachten Meinung weiß die Forschung seit Ende des 20. Jahrhunderts, daß das Volk Germaniens keine wilden, keulenschwingenden „Barbaren“, sondern als ein Volk von naturhafter Frömmigkeit und höchst entwickeltem Kunstsinn sowie vorbildlichen, wenn auch ungeschriebenen, Gesetzen, welche die Ordnung der Familie, der Sippe und der Gemeinschaft regelten und denjenigen streng bestraften, der diese Ehrengesetze verletzte. Sie waren ihren römischen Nachbarn weder kulturell noch sozialgesellschaftlich unterlegen, allerdings unterschieden sich Werte und Entwicklung erheblich voneinander, und lange Zeit wurden die Errungenschaften des Römischen Reiches aus römischer, später römisch-katholischer und schlußendlich germanophober Sicht heraus bewertet und die rassenreinen und „heidnischen“ Germanen dagegen historisch diffamiert.

Nach den Germanischen Kriegen, der Völkerwanderung und der Eroberung Roms sowie ganz Europas gründeten sie auf dem Gebiet Westroms verschiedene Staaten und legten den Grundstein für das heutige Europa. Die Germanen stellen mehrheitlich die Vorfahren verschiedener heutiger Völker, etwa der Deutschen, Engländer oder Schweden dar. Sie sind die Väter Europas und deren Nachkommen Schöpfer der modernen Welt.

Die Deutschen haben die moderne Welt erfunden und den modernen Menschen erdacht. [...] Musik, Philosophie, Literatur und natürlich die Wissenschaften: Überall führten die Deutschen.“Peter Watson, Historiker

Herkunft der Volksbezeichnung

Das erste Mal fand der Begriff der Germanen bei dem griechischen Historiker Poseidonios aus Apameia (Syrien) Verwendung, in seiner um 80 v. d. Z. erstellten „Historien“ nennt er sie Germanoi.[1] Entscheidend geprägt wurden die Begriffe Germani und Germania jedoch wenige Jahrzehnte später durch Julius Cäsar mittels Erwähnung in seinem Buch „Der gallische Krieg“ (lat. de bello gallico).[2]

Unklar hingegen ist, woher der Begriff genau stammt. Die Diskussion darüber kam erst im Zuge der deutschen Romantik auf. Eine beliebte Annahme seitdem ist, daß sich der Name vom germanischen Wurfspieß „Ger“ ableitet, die Germanen also „Ger-Mannen“ bzw. „Ger-Männer“, also Speerträger sind. Eine Variante davon ist, daß man sich nicht auf das germanische Wort für Mann bzw. Mensch bezieht, sondern sich von lat. manus (Hand) ableitet. Daneben besteht die ebenso verbreitete Theorie, daß der Begriff mit dem lateinischen Wort germanus zusammenhänge und der Stammesname soviel wie die Wahren, Echten oder Verwandten bedeutet könnte (vgl. auch Arier, die Edlen). Daneben besteht eine Vielzahl weiterer Annahmen, die im Laufe der Zeit entstanden, jedoch weniger wahrscheinlich sein dürften. Klarheit bezüglich der Namensherkunft besteht bisher aus diesem Grunde nicht.

Epochen

Germanen auf Wanderschaft, Gemälde von Wilhelm Petersen

Das Zeitalter der Germanen von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis zum Mittelalter ist in Epochen unterteilt, wobei die Wissenschaft sich bezüglich der genauen Zeitabschnitte nicht einig ist:

Allgemeine Geschichte

Karte der germanischen Völkerwanderung vom 2. bis 5. Jahrhundert

Für die ersten Jahrhunderte n. d. Z. lassen sich verschiedene, nach ihren Siedlungsgebieten zu unterteilende Gruppen von germanischen Stämmen festmachen: die Ostsee-Germanen in Südskandinavien; die Weichsel-Germanen, zu denen u. a. die Burgunder (Burgunden) und die Goten zu rechnen sind; die Oder-Warthe-Germanen mit den Wandalen als Hauptstamm; die Elbgermanen bzw. Elbsweben, zu denen u. a. Langobarden, Markomannen und Quaden gehörten; die Nordsee-Germanen mit Friesen und Sachsen; und die Rhein-Weser-Germanen mit u. a. Cheruskern und Chatten. Die bedeutenden Großstämme wie Franken, Alemannen, Sachsen und Goten entstanden erst ab dem 3. Jahrhundert n. d. Z. infolge politischen und sozialen Wandels durch Zusammenschluß mehrerer Kleinstämme.

Die Herausbildung der germanischen Stämme war neueren Forschungsergebnissen zufolge ein äußerst komplexer, im einzelnen nicht mehr nachvollziehbarer Vorgang. Offensichtlich gingen die germanischen Stämme im Raum zwischen Weichsel, Main und Niederrhein aus verschiedenen eisenzeitlichen Bevölkerungsgruppen hervor. Die Kelten, deren Siedlungsgebiet im Westen, Süden und Südosten an das der späteren Germanenstämme angrenzte, beeinflußten ab etwa dem 3. Jahrhundert v. d. Z. mit ihrer materiell und sozial höher entwickelten Kultur regional mehr oder weniger stark diese Bevölkerungsgruppen, die infolge dieses Einflusses zumindest den Randzonen der keltischen La-Tène-Kultur zuzurechnen sind.

Der erste bedeutende Vorstoß germanischer Stämme gegen das Römische Reich fand Ende des 2. Jahrhunderts v. d. Z. statt, als Kimbern und Teutonen nach Süden und Südwesten vordrangen, um 113 v. d. Z. ins Römische Reich eindrangen, in Gallien einfielen und 102/101 v. d. Z. von den Römern geschlagen wurden. Um 70 v. d. Z. wanderten einige swebische Stämme unter Ariovist von der Elbe an den Oberrhein und ließen sich diesseits und jenseits des Rheins nieder; 58 v. d. Z. wurden sie von Julius Cäsar in der Gegend des heutigen Mühlhausen geschlagen und nach Osten über den Rhein zurückgedrängt.

In der Folge drangen verschiedene germanische Stämme wiederholt über den Rhein vor und wurden immer wieder zurückgeschlagen; 16 v. d. Z. jedoch fügten sie den Römern eine vernichtende Niederlage zu. Daraufhin leitete Kaiser Augustus einen Eroberungskrieg gegen die Germanen östlich des Rheins ein mit dem Ziel, das ganze Gebiet bis zu Elbe und March für das Römische Reich zu gewinnen, was den römischen Feldherrn Drusus, Germanicus und Tiberius jedoch nie gelang; nach ihrer vernichtenden Niederlage (→ Hermannsschlacht) durch den Cheruskerfürsten Armin 9 n. d. Z. gaben die Römer ihr Ziel, die Grenze ihres Reiches bis an die Elbe vorzuschieben, auf und zogen sich aus dem Gebiet östlich des Rheins zurück.

Die besetzten germanischen Gebiete wurden ab etwa der Mitte des 1. Jahrhunderts n. d. Z. relativ rasch romanisiert, und zwar durch die Einrichtung der Provinzen Germania Superior und Germania Inferior, durch die Anlage von römischen Bürgerkolonien und Kastellen, durch römisch-germanischen Handelsverkehr und durch die Einbeziehung von Germanen in den römischen Militärdienst; ab dem 5. Jahrhundert konnten Germanen wie z. B. Alarich und Stilicho im römischen Heer sogar in höchste Positionen aufsteigen. Zur Sicherung der Grenze gegenüber dem „freien Germanien“ wurde der obergermanische und rätische Limes errichtet.

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts nahm infolge von Wanderungsbewegungen innerhalb des freien Germaniens der Druck der Germanen auf die römischen Grenzen zu. Langobarden, Markomannen und Quaden fielen ins Römische Reich ein und lösten damit die langwierigen Markomannenkriege Kaiser Marc Aurels aus. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts stießen die Alemannen über den Limes vor, und die Franken fielen vom Niederrhein aus immer wieder in Gallien ein; Mitte des 4. Jahrhunderts konnten die Römer ihre Grenze am Rhein nur mehr mühsam gegen die vordringenden Alemannen und die Franken verteidigen. Die Goten fielen seit 238 in Moesien ein, schlugen die Römer und ließen sich in der Provinz Dakien nieder.

Der Vorstoß der Hunnen nach Südrußland und die Zerschlagung des Ostgotenreiches 375 n. d. Z. verursachte umwälzende Wanderungsbewegungen der germanischen Stämme, die germanische Völkerwanderung, die zum Untergang des Weströmischen Reiches und zur Herausbildung neuer Reiche in Europa führte. Die germanische Völkerwanderung veränderte tiefgreifend das politische Gefüge des spätantiken Europa, vor allem des Römischen Reiches, und legte das Fundament für das mittelalterliche Europa.

Ein großer Teil unseres Wissens über die Germanen stammt aus historischen Berichten von zwei römischen Schriftstellern: aus Julius Cäsars „Commentarii de Bello Gallico“ (51 v. d. Z., Aufzeichnungen über den Gallischen Krieg) und Cornelius TacitusDe origine et situ Germanorum (98 n. d. Z., Über Ursprung und Wohnsitz der Germanen). Ein Vergleich der beiden Geschichtswerke erlaubt vorsichtige Rückschlüsse über die Entwicklung der germanischen Stämme in der dazwischenliegenden Zeit: Zu Cäsars Zeiten war Grundbesitz nicht gleichbedeutend mit Privateigentum. Vielmehr wurden die Felder jährlich unter den Sippen aufgeteilt. Zur Zeit Tacitus' wurde das verfügbare Land dann jedes Jahr an Einzelpersonen je nach ihrem sozialen Status innerhalb des Stammes verteilt.

Die soziale Grundeinheit war die Sippe, die nächst größere Einheit der Gau, die größte war der Stamm. Zu Cäsars Zeiten hatten manche Gaue nur in Kriegszeiten einen Anführer; zur Zeit Tacitus' wählten einige Gaue auch schon für die Friedenszeiten ein Oberhaupt. Die Macht dieser Oberhäupter war nicht unumschränkt, sondern durch einen Rat der „Edlen“ und eine Versammlung der Krieger eingeschränkt. Laut Tacitus setzte sich die germanische Gesellschaft aus Freien und Halbfreien zusammen. Die Freien stellten die Krieger, die in Gefolgschaft durch gegenseitigen Eid zusammengeschlossen waren und unter der Führung eines Fürsten standen; auf der Grundlage dieser Führungsrolle entwickelte sich eine von den Freien abgesonderte Adelsschicht (→ Edelfreie), aus der wiederum das germanische Königtum und später der Deutsche Adel entstand.

Antike Überlieferungen

Über die Geschichte und Gesittung der Germanen während der ersten 500 Jahre n. d. Z. sind nur schriftliche Zeugnisse von griechischen und römischen Verfassern vorhanden. Mit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden diese Quellen zunehmend kritisch betrachtet. Es wurde vorgebracht, daß keiner der antiken Berichterstatter die Sprache der Germanen beherrschte oder unmittelbaren Kontakt mit ihnen in Germanien hatte. Ferner sei bei der Wertung der antiken Nachrichten zu beachten, daß die griechischen und römischen Berichterstatter auf die nichtrömischen Menschen als „Barbaren“ herabsahen. Diese Bewertung ist zum Teil bis heute nicht überwunden.

Zur Rasse

Hauptartikel: Nordische Rasse
Germanische Familie, Gemälde von Wilhelm Petersen

Stets spielen bei der Betrachtung der Germanen die Rassenmerkmale eine bedeutende Rolle. Die südlichen Krieger der Antike waren von der Größe der Germanen sowie deren „scharfen, drohenden blauen Augen“[3] beeindruckt und eingeschüchtert, die Frauen Roms betrachteten helles Haar als „blondes Gold“, die Germanen von Cäsars Leibwache wurden ehrfurchtsvoll als „blonde Löwen“ bezeichnet, und Tacitus schreibt eindrucksvoll in seiner Germania:

„Persönlich trete ich der Ansicht derer bei, die glauben, daß die Germanen ihr Blut nicht durch Heiraten mit Fremden befleckt haben, sondern eine eigenartige und rassenreine Volkseinheit geblieben sind, die sich von jedem anderen Volk unterscheidet. So haben sie denn auch trotz ihrer großen Volkszahl alle das gleiche Aussehen: die blauen Augen mit dem trotzigen Blick, das rötlichblonde Haar und die hochgewachsenen Körper, die allerdings nur im Angriff besonders stark sind.“

Germanische Völkerwanderung

Siedlungsräume germanischer Stämme bereits vor 2000 Jahren und der Verlauf des Limes

Die Wanderungsbewegungen germanischer Stämme aus ihren Ursprungsgebieten nach West- und Südeuropa zwischen dem 2. und dem 6. Jahrhundert wurden ausgelöst durch verschiedene Faktoren, wie z. B. Landnot, klimatische Bedingungen und vor allem durch Druck von außen. Ab etwa der Mitte des 2. Jahrhunderts n. d. Z. zogen die Goten, die von Skandinavien an die untere Weichsel gekommen waren, in den Schwarzmeerraum und lösten damit die erste größere germanische Wanderungsbewegung aus: Sie drängten die Wandalen und die Markomannen nach Süden ab und die Burgunder nach Westen. Ebenfalls ab der Mitte des 2. Jahrhunderts wanderten die Langobarden von der Unterelbe allmählich nach Mähren und Pannonien ab.

Germanische Stämme – zunächst meist noch ohne nachhaltige Wirkung – verletzten immer wieder die Grenzen des Römischen Reiches; so drangen z. B. die Chatten um 160 über den Limes und die Markomannen 166 über die Donau vor; die Goten unternahmen um die Mitte des 3. Jahrhunderts von der unteren Donau aus Raubzüge bis nach Makedonien und Kappadokien, und etwa gleichzeitig fielen die Franken am Niederrhein in Gallien ein und die Alemannen in Norditalien. Während der folgenden 100 Jahre lassen sich keine markanten Völkerverschiebungen beobachten; verschiedene Germanenstämme wurden als Bundesgenossen an den römischen Grenzen angesiedelt, und einige Germanen gelangten in Heer und Verwaltung des Römischen Reiches zu einflußreichen Positionen.

Die zweite (eigentliche) Völkerwanderung wurde ausgelöst durch den Vorstoß der Hunnen nach Europa. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts drangen die Hunnen nach Südrußland vor und verursachten damit Fluchtbewegungen mehrerer germanischer Stämme und Völkerschaften, die sich wellenartig über Süd- und Westeuropa ausbreiteten. Die Hunnen besiegten 375 die Ostgoten und verdrängten die Westgoten. Die Westgoten wichen ins Oströmische Reich aus, fügten Kaiser Valens eine Niederlage zu, fielen Ende des 4. Jahrhunderts unter ihrem König Alarich I. in Italien ein und eroberten 410 Rom. Wenig später errichteten sie im Südwesten Frankreichs das Tolosanische Reich und begannen auch auf die Iberische Halbinsel überzugreifen. Unter Eurich erreichte das Tolosanische Reich um 475 den Höhepunkt seiner Macht und seine größte Ausdehnung. Eurichs Nachfolger Alarich II. wurde 507 von den Franken besiegt und auf die Iberische Halbinsel als Herrschaftsbereich beschränkt; mit dem Sieg der Araber über die Westgoten 711 endete das Westgotenreich in Spanien.

Die Wandalen (auch Vandalen), ursprünglich wahrscheinlich aus Jütland stammend und von den Goten in das Gebiet zwischen oberer Weichsel und Oder abgedrängt, drangen zu Beginn des 5. Jahrhunderts zusammen mit Teilen der Sweben in Gallien ein und erreichten um 409 Spanien; ab 429 wanderten sie, von den Westgoten bedrängt, unter ihrem König Geiserich nach Nordafrika ab, eroberten 439 Karthago und begründeten das Wandalenreich. 455 eroberten die Wandalen Rom und 456 dann Korsika und Sardinien. 534/35 zerschlug der byzantinische Feldherr Belisar das Wandalenreich in Nordafrika.

Unterdessen hatten die Hunnen ihr Reich sukzessive erweitert; Mitte des 5. Jahrhunderts reichte es vom Kaukasus bis zu Donau und Rhein. Unter Attila fielen sie in Gallien ein, wurden 451 von den Westgoten in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern geschlagen und wichen 452 nach Italien aus. Nach Attilas Tod 453 zerfiel das Hunnenreich.

Im 5. Jahrhundert drangen die Franken am Niederrhein nach Gallien ein und besiegten unter ihrem König Chlodwig I. 486 Syagrius und beseitigten damit die Reste römischer Herrschaft in Gallien; 496 besiegten sie die Alemannen, 507 die Westgoten, 532 die Thüringer, und 532 bis 534 brachten sie das Burgunderreich unter ihre Herrschaft.

Die germanische Herrschaft in Europa und Nordafrika zur Zeit Theoderichs des Großen

Die germanischen Jüten, Angeln und Sachsen drangen um 450 in Britannien ein und besetzten große Teile des Landes. 476 setzte der Germane Odoaker den letzten weströmischen Kaiser ab und ließ sich zum König in Italien proklamieren; 477 nahm er den Wandalen Sizilien ab. 489 besiegten die Ostgoten unter Theoderich dem Großen Odoaker und errichteten in Italien das Ostgotenreich. Der Fürst und Heeresführer der Ostgoten Totila nahm Ende 546 Rom ein drittes Mal ein. 552 schlug der byzantinische Feldherr Narses die Ostgoten unter Totila und beendete damit das Ostgotenreich in Italien.

568 fielen die Langobarden von Pannonien aus unter ihrem König Alboin in Norditalien ein und errichteten hier, ohne daß Byzanz es verhindern konnte, das Langobardenreich, das bis zur Eroberung durch Karl den Großen Bestand hatte.

Forschung

Die Germanenforschung versucht derzeit immer mehr, die Germanen als solche zu dekonstruieren, indem es heißt, sie seien eine rein römische Erfindung. Statt „den Germanen“ selbst geht man von einer Reihe sehr verschiedener Völker aus. Zwar mag es richtig sein, daß es keinen einheitlichen germanischen Kult gab und sich skandinavische Bräuche von denen in Süddeutschland unterschieden haben, gibt es folgende Auffälligkeiten:

  • Alle Germanen von Nord bis Süd verwendeten die Runen als Schrift- bzw. Kultzeichen.
  • Die Bildsprache auf germanischen Medaillons ist ebenso sehr einheitlich.
  • Wodan findet sich unabhängig der geographischen Lage als bedeutendste Gottheit der germanischen Stämme.
  • Die Germanen besaßen ein hochzivilisiertes Rechtssystem (→ Germanisches Recht)
  • Volksherrschaft hat auch seine Wiege in Germanien (→ Germanische Demokratie)

Germanische Mythologie

Hauptartikel: Germanische Mythologie

Die Gesamtheit der Mythen aller germanischen Völker waren in vorchristlicher Zeit gleichzeitig Teil der germanischen Religion. Die Frage, inwieweit die germanische Mythologie, wie wir sie heute kennen, allen als Germanen bezeichneten Gesellschaften gemein war, läßt sich nicht endgültig klären. Fest steht, daß die verschiedenen Quellen aus oft weit auseinanderliegenden Regionen, vor allem aus dem Norden Europas, stammen. Die heutige Forschung geht jedoch davon aus, daß der Kult des Götterherrschers Odin (Wotan) von Westgermanien bis nach Skandinavien bekannt war. Lokale Götter, zu denen auch Ull, der Fruchtbarkeitsgott Njörd sowie Heimdall zählten, verloren im Lauf der Zeit an Bedeutung. Ihre Stellung nahm Odin ein. Dieser war ein Kriegsgott, der auch mit Gelehrsamkeit, Weisheit, Dichtkunst und Magie in Verbindung gebracht wurde.

Die frühesten bekannten Fragmente von Mythen finden sich in alten Felsritzungen wie den bronzezeitlichen von Buhlän sowie in Runeninschriften und Bildsteinen (um etwa 2000 v. d. Z.). Erste, von antiken Geschichtsschreibern wie Cäsar, Tacitus und Plutarch erstellte Schriften über Volkstum, Kultur und Glaubensanschauungen (→ Religion) der Germanen sind erhalten. Diese Berichte sind aber ebenso kritisch zu interpretieren wie die mit christlichem Gedankengut durchsetzten mittelalterlichen Aufzeichnungen christlicher Missionare und Historiker. Die meisten Kenntnisse über die germanische Mythologie wurden durch die von christlichen Historikern aufgezeichnete altnordische Literatur (isländische Literatur; norwegische Literatur), die Prosa-Edda, die Lieder-Edda und spätere Sagen gewonnen. Weitere Zeugnisse stellen die Kommentare des dänischen Historikers Saxo Grammaticus und des Chronisten Adam von Bremen dar, der um 1100 lebte. Über die vorchristlichen religiösen Überzeugungen, Einstellungen und Praktiken läßt sich aufgrund dieser Quellenlage mit Bestimmtheit nur sehr wenig aussagen.

Götter und Helden

Ursprünglich waren die Glaubensvorstellungen der Germanen eng mit einem ausgeprägten Ahnen- und Totenkult verbunden. Auch die Verehrung der Naturgewalten war von herausragender Bedeutung im Weltbild dieser Gesellschaften. Die germanische Mythologie kennt Zwerge, Elfen und die Nornen, welche das Schicksal der Sterblichen bestimmten. Ferner gab es persönliche Geister, wie z. B. die Fylgjur und die Hamingja.

Die Germanen glaubten, daß die beiden Göttergeschlechter Asen und Vanen untereinander Krieg geführt und sich dann zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hätten. Odin war ursprünglich der Herrscher der Asen, die sich aus mindestens zwölf Göttern zusammensetzten. Alle Götter lebten zusammen in Asgard. Neben Odin waren die Hauptgottheiten der germanischen Mythologie seine Gemahlin Frigg (Frigga), Göttin des häuslichen Lebens; Thor (Donar), Gott des Donners, welcher die Menschen und die anderen Götter vor den Riesen beschützte und bei den germanischen Kleinbauern besonders beliebt war; Freyr, Gott des Wohlstandes; und Freyja, Schwester des Freyr, Göttin der Fruchtbarkeit. Andere Götter waren Baldr, Hermodt, Tyr, Bragi und Forseti sowie die Göttinnen Idun, Nanna und Sif. Das Prinzip des Bösen unter den Göttern wurde durch Loki verkörpert. Viele dieser Gottheiten scheinen keine speziellen Funktionen innezuhaben. Sie tauchen lediglich als Gestalten in Mythen auf.

Viele Helden galten als Nachkommen der Götter. Es sind u. a. Sigurd (Siegfried) der Drachentöter, Hadding, Starkad und die Walküren. Die Walküren, eine Gruppe jungfräulicher Kriegerinnen, zu denen auch Svava und Brunhild zählten, wählten für Odin die in der Schlacht gefallenen Krieger aus und brachten sie nach Walhalla. Tagsüber übten sich die Krieger im Kampf, abends versammelten sie sich zum gemeinsamen Mahl bis zum Ragnarök. An diesem Tag sollte es zur letzten großen Weltschlacht kommen, welche den Untergang der Götter und die Errichtung einer neuen Herrschaft des Friedens und der Liebe zur Folge haben würde. Gewöhnliche Sterbliche wurden nach ihrem Tod von der Göttin Hel in einer unterirdischen Welt aufgenommen.

Schöpfungsmythos

Die in der Lieder-Edda enthaltene Völuspá (Weissagung der Seherin) beschreibt eine Zeit des Urchaos, dem die Schöpfung der Riesen, der Götter und schließlich der Menschen folgte. Ginnungagap war das gähnende Nichts, Jotunheim die Heimat der Riesen, Niflheim das Reich der Kälte und Muspelheim das Land des Feuers. Der große Weltenbaum (Weltesche) Yggdrasil erstreckte sich über Zeit und Raum, aber die böse Schlange Nidhöggr nagte ständig an seinen Wurzeln. Unter einer der Wurzeln befand sich der Brunnen des Mimir, eine Quelle der verborgenen Weisheit.

Religiöses Ritual

Zuerst erfolgte die Anbetung unter freiem Himmel, insbesondere unter Schutzbäumen (meist Eichen), an heiligen Quellen oder innerhalb geheiligter Orte, die durch Steinblöcke gekennzeichnet waren. Später wurden Gebäude meist aus Holz errichtet und mit geschnitzten Darstellungen von Göttern versehen. Bei den Zeremonien wurden Tiere und Feldfrüchte geopfert. Der wichtigste Tempel befand sich in Altuppsala (Schweden).

Nibelungenlied

Das Nibelungenlied ist ein mittelhochdeutsches Heldenepos von unbekannter Autorenschaft, das um 1200 im Donauraum zwischen Passau und Wien entstand. Das Nibelungenlied besteht aus mehr als 2.000 Strophen, die ihrerseits in 39 Aventiuren gegliedert sind. Eine inhaltliche Zäsur findet sich bei der 19. Aventiure, die die zwei aufeinander aufbauenden Teile verbindet. Die Strophe des Epos setzt sich aus vier sich paarweise reimenden Langzeilen zusammen. Die Anverse weisen vier Hebungen auf, deren letzte zumeist auf eine nebentonige Silbe fällt (Nibelungenstrophe).

Der erste Teil des Nibelungenliedes beginnt mit der formelhaften Eröffnung „Uns ist in alten maeren / wunders viel geseit“. Er erzählt vom Werben Siegfrieds um Kriemhild, die Tochter des burgundischen Königs, schildert beider Vermählung und Siegfrieds Tod durch Hagen. Gleichzeitig wird davon berichtet, wie König Gunther die gleichermaßen schöne wie starke Brünhild gewinnt und ehelicht. Der zweite Teil beschreibt Kriemhilds mit Hilfe des Hunnenkönigs Etzel (Attila) vollzogene Rache für den Tod ihres Mannes, die letztlich zum Untergang des Burgundenreiches führt. Historisch liegt dem zweiten Teil der Sieg der Hunnen über die Burgunden 436 bzw. 437 zugrunde. Auch einige Namen sind urkundlich belegt, so der eines Burgundenkönigs Gundicarius oder Gundeharius (Gunther).

Vom Nibelungenlied liegen neben 23 Fragmenten elf Handschriften vor, die allerdings ebenfalls nicht alle vollständig überliefert sind. Die drei ältesten, die Hohenems-Münchener, die Sankt Gallener und die Donaueschinger Handschrift, gehen auf die Mitte bzw. das Ende des 13. Jahrhunderts zurück. Der beliebte Stoff selbst wurde bis ins 16. Jahrhundert kompiliert. 1755 machte J. H. Obereit neuerlich auf das Nibelungenlied aufmerksam. In der Folge wurde es von Johann Jakob Bodmer (1757) und – erstmals vollständig – von C. H. Myller (1782) veröffentlicht.

Das Nibelungenlied wirkte nachhaltig auf die Heldenepik der Folgezeit. So wurde mit der Figur der Kudrun Mitte des 13. Jahrhunderts eine positive Gegenfigur zur aufbrausenden Kriemhild geschaffen (Kudrun-Dichtung). Auch die Dietrichsage verweist auf das Nibelungenlied. Dramatische Bearbeitungen des Stoffes finden sich bei Hans Sachs („Tragedia“, 1557), Friedrich Baron de la Motte Fouqué („Der Held des Nordens“, 1808–1810), Richard Wagner („Der Ring des Nibelungen“, 1853), Emanuel Geibel („Brunhild“, 1857) sowie bei Friedrich Hebbel („Die Nibelungen“, 1861).

Christianisierung

Die Christianisierung bzw. Missionierung der Germanen muß in drei großen, in Raum und Zeit unterschiedlichen Verläufen gesehen werden:

  1. die Verbreitung des gotischen arianischen Christentums im 4. bis 6. Jahrhundert
  2. die Christianisierung des fränkischen Reiches vom Ende des 5. bis zum frühen 9. Jahrhundert und die der Angelsachsen vom Ende des 6. bis zum 7. Jahrhundert
  3. die Christianisierung des Nordens Europas im 10. und 11. Jahrhundert

Die Goten waren die ersten, die an der unteren Donau und auf der Krim mit dem Christentum in Form des Arianismus in Berührung kamen. Die abwertende Fremdbezeichnung arianisch – nach dem alexandrischen Presbyter Arius (Todesrune.png 336) – bezeichnet eine um 350 entstandene Position, die in den Streitigkeiten um die Trinitätslehre vermitteln sollte und die in der römischen Staatskirche zeitweilig (im Ostteil des Reiches bis 378) offizielle Geltung besaß. So wurde sie einerseits von den reichsansässigen sogenannten Kleingoten Wulfilas, für den allerdings Jesus Christus im Widerspruch zu der Lehre des reinen Arianismus „Gott und Herr“ war, und auch von den Terwingen (Westgoten) aufgenommen. Kurz vor dem Hunneneinfall im Jahre 375 wurde bei den Terwingen noch mit römischer Unterstützung eine rudimentäre kirchliche Organisation aufgebaut. Wulfila wurde einer der ersten Bischöfe der Westgoten.

In einem ähnlichen Kontext ist auch die Wulfilabibel zu sehen. Im Gegensatz zur westlichen Kirche, die den Gottesdienst an die lateinische Sprache band, war die östliche Kirche bereit, die Volkssprache in der Liturgie zu verwenden. Die Übersetzung der Bibel ins Gotische ist nicht gleichzusetzen mit mittelalterlichen Übersetzungen biblischer Texte, die der Erbauung und Unterweisung dienten. Die gotische Bibel war ein liturgisches Buch, dessen Sprache eng mit der Vorlage verbunden blieb. Ein im Westen provokantes Merkmal des östlichen Ursprungs der gotischen arianischen Kirche war die erneute Taufe übertretender nichtarianischer Christen.

Die Verdrängung der heidnischen Religion wurde auch als Bedrohung der sozialen Ordnung gesehen und es kam 350 bzw. 370 zu Christenverfolgungen. Mit der Westwanderung christianisierter Germanen (Goten, Wandalen, Burgunden, Langobarden) und den Reichsgründungen verbreitete sich der Arianismus auch in der – ansonsten katholischen – westlichen Hälfte des römischen Reiches. Jedoch wurden längst nicht alle Germanen christianisiert, so daß mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches auch die Verbreitung des Christentums einen Rückschlag erlitt.

Das Frankenreich wurde von dem kulturellen Überlagerungsbereich zwischen Rhein und Liger aus christianisiert. Bereits Chlodwig I. hatte sich taufen lassen, um sich den Einfluß auf die katholische Kirche zu sichern. Ab dem 7. Jahrhundert griff die Christianisierung auch auf die Randzonen und Nachbarländer des Fränkischen Reiches über und fand ihren Abschluß mit der Eroberung und Eingliederung der Friesen und Sachsen. Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts waren auch angelsächsische Kräfte an der Mission beteiligt. Die Missionierung des angelsächsischen Englands ging mit unterschiedlichen Traditionen vom Kontinent und von Irland aus. Die Christianisierung des Nordens erfolgte durch deutsche und englische Kräfte und hatte entscheidenden Anteil an der Ausbildung der Königsmacht ab dem Ende der Wikingerzeit.

Die Missionierung setzte bei den politischen Führungsspitzen an. Für diese ergaben sich durch die Annahme des Christentums neue Möglichkeiten der religiösen Legitimierung, die sich voll ausgebildet zuerst im Westgotenreich in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Form der Königssalbung zeigen. Die neuartige Verbindung königlicher Kirchenherrschaft führte zur räumlichen Abgrenzung der kirchlichen Bezirke durch politische Herrschaft und trug zur spätrömischen Partikularisierung der westlichen Kirche bei. Diese Entwicklung wurde ab dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts u. a. durch das „Leitbild der romorientierten Partikularkirche“ umgekehrt.

Die Religion der Germanen galt für die christliche Mission wie auch vorher schon die hellenistisch-römischen Religionen als dämonische Verblendung, die die Menschen hinderte, zu ihrer gottgegebenen Bestimmung zu finden. Die Missionierung verfolgte einerseits das Ziel der Integration des ganzen politischen Verbandes in die heilsanstaltliche Kirchorganisation und andererseits die Beseitigung der heidnischen Kulte. Massenhaft vollzogene Taufen ohne ausreichende Vorbereitung dienten der Aufnahme in die Kirche, und die christliche Religion ersetzte als neuer einzuhaltender Kult den alten. In der Karolingerzeit wurde die dem Taufgelöbnis vorangehende Absage an den Teufel um das Abschwören der heidnischen Götter und Kulte erweitert. Im Lex Saxonum Karls des Großen wurden bestimmte heidnische Bräuche mit der Todesstrafe bedroht. Private heidnische Kultausübung wurde mit Geldstrafen belegt. Der Alleingeltungsanspruch wurde zuerst im öffentlichen Raum durchgesetzt und die politisch-sozialen Funktionen der heidnischen Kulte übernommen. Diese funktionale Kontinuität hatte auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums. In der Forschung wird in diesem Zusammenhang von der Germanisierung des Christentums gesprochen.

Isländische Literatur

Den literarisch umfangreichsten Schatz findet man wohl in der isländischen Literatur. Da das Altnordische und Altisländische nahezu identische Sprachen sind, bezeichnet man die mittelalterliche isländische Literatur gelegentlich auch als altnordische Literatur.

Die Saga

Als typischste Zeugnisse mittelalterlicher isländischer Literatur entstanden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert die sogenannten Sagas, Prosaerzählungen über Norwegerkönige und männliche oder weibliche Heldengestalten aus Island oder Skandinavien. Man nimmt an, daß die Sagas von zumeist unbekannten Autoren mündlich weitergegeben wurden, ehe man sie schriftlich fixierte. Von den Originalmanuskripten indes ist keines überliefert. Abschriften und Sammlungen in zum Teil überarbeiteten und ausgeschmückten Fassungen finden sich ab dem 13. Jahrhundert.

Im mittelalterlichen Island wurde eine Vielzahl von Sagas verfaßt. Unterschieden wird zwischen Königssagas (Konunga sögur) wie etwa Snorri Sturlusons „Heimskringla“, die die norwegischen Herrscher seit grauer Vorzeit bis ins Jahr 1177 beschreibt, oder die „Knýtlinga saga“, die die Geschichte der Dänenkönige von Gorm dem Alten bis Knut IV. schildert, den Legenden- oder Lügensagas (Lygisögur), zumeist Rittererzählungen und phantastische Geschichten von recht unterschiedlichem literarischem Niveau, und den Isländersagas (Íslendinga sögur), mehr oder weniger erfundene Berichte über die sogenannte Sagazeit (900–1050). Höhepunkte der letztgenannten Gattung bilden u. a. die „Egills saga“, die das Leben des Dichters und Kriegers Egill Skallagrímsson schildert, die „Laxdaela saga“, eine Liebesgeschichte über ein Dreiecksverhältnis, die „Gísla saga“, die tragische Geschichte eines heldenhaften Geächteten, und die „Njáls saga“, die im allgemeinen als glanzvollstes Beispiel der isländischen Literatur gilt und die sich mit zahllosen menschlichen und gesellschaftlichen Konflikten beschäftigt. Darüber hinaus diente die Saga im 13. Jahrhundert als Mittel zur Darstellung zeitgenössischer geschichtlicher Ereignisse anhand herausragender Persönlichkeiten. Berichte dieser Art sind in der sogenannten „Sturlunga saga“ gesammelt, die in teils blutrünstiger Detailtreue jene gegenseitigen Vernichtungskriege der isländischen Familien schildert, die zum Ende des isländischen Freistaates führten. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür ist die „Íslendinga saga“ von Sturla Thórdarson, einem Neffen Snorri Sturlusons. Weitere mittelalterliche Werke dieses Genres sind das „Íslendingabók“ (Buch von den Isländern) von Ari Thorgilsson und das „Landnámabók“ (Das Landnahmebuch oder auch Islands Besiedlung und älteste Geschichte), das wohl zum Teil ebenfalls von Thorgilsson stammen dürfte.

Edda und Skaldendichtung

Zur frühen isländischen Literatur gehören auch die Eddalieder und die skaldische Dichtung. Die Herkunft des Wortes Edda ist umstritten. Möglicherweise leitet es sich aus dem altnordischen Wort Edda (Urgroßmutter) her. Wahrscheinlicher ist, daß es sich auf Oddi bezieht, ein kulturelles Zentrum in Südisland. Oddi war der Aufenthaltsort von Sæmund Sigfússon, einem Geistlichen, von dem man früher annahm, er habe die Lieder-Edda zusammengestellt, und von Snorri Sturluson, dem Autor der Snorra-Edda. Möglich ist auch, daß der Begriff aus dem altnordischen Wort óthr („Dichtung“) abgeleitet ist. Wie dem auch sein mag, das Wort steht für zwei berühmte Werke der isländischen Literatur. Bei der älteren, der poetischen oder Lieder-Edda (9.–12. Jahrhundert), handelt es sich um eine Sammlung von mehr als 30 Liedern, die sich mit den skandinavischen und germanischen Göttern und menschlichen Helden beschäftigen. Erwähnt sei hier Sigurd, das isländische Gegenstück zur Figur des Siegfried aus dem Nibelungenlied. Einige dieser Lieder sind wohl außerhalb Islands entstanden, wurden aber dort im 12. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben und sind nur in einer einzigen Handschrift („Codex Regius“) erhalten.

Die jüngere, die Prosa- oder Snorra-Edda (13. Jahrhundert), stammt aus der Feder von Snorri Sturluson. Sie beinhaltet Geschichten aus der skandinavischen Mythologie, als deren wichtigste Quelle sie gilt. Des weiteren sind ein Lehrbuch für die dichterischen Ausdrücke und die Vers-Arten Bestandteil dieses Werkes.

Skaldische Dichtungen, die zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert entstanden, priesen entweder die Adelsgeschlechter oder die Liebe in Art der hohen Minne. Andere, allerdings wenige, beschäftigten sich, zum Teil satirisch, mit dem Tagesgeschehen. Im Gegensatz zur eddischen Dichtung finden wir hier streng syllabische (= silbenweise) Formen, wobei das Kenning ein besonderes Stilmerkmal bildet, und zwar zum einen als komplizierte Umschreibung in Form wundervoller Metaphern, zum anderen aber auch als Rätsel. Ihren Namen verdankt die Skaldendichtung den Skalden, höfischen Dichtern des isländischen Mittelalters, die ihre Werke – zumeist mit musikalischer Begleitung – ihren Brotherren vortrugen.

Germanische Sprachen

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Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Arnuld Krause: Die Geschichte der Germanen, 2. Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 70.
  2. Ein frühes Beispiel, daß die Germanen im Verkehr mit den Römern sich selbst Germani nannten, findet sich bei Caes. bell. Gall. I, 36, wo Ariovist bei der Unterhandlung mit Cäsar sein eignes Heer invicti Germani nennt.
  3. Acies oculorum („scharfe Augen“) bei Cäsar, Gallischer Krieg I, 39; truces oculi („drohende Augen“) bei Tacitus, Germania 4
  4. Der Verfasser Dietrich Schuler ordnet die Umerziehung der Germanen im Gefolge der Christianisierung als Urverhängnis Europas und der Deutschen ein.
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