Quelle / Gerstein-Bericht

Aus Metapedia

(Weitergeleitet von Gerstein-Bericht)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Beim Gerstein-Bericht handelt es sich um ein „Geständnis“, das nach dem Krieg von Kurt Gerstein in französischer Haft verfaßt worden sein soll. Von diesem Text sind sechs Fassungen bekannt:[1]

  • T1 – handschriftlicher französischer Text vom 26. April 1945
  • T2 – maschinengeschriebener französischer Text vom 26. April 1945 (1553-PS)
  • T3 – maschinengeschriebener deutscher Text vom 4. Mai 1945
  • T4 – handgeschriebener franzosischer Text vom 6. Mai 1945
  • T5 – maschinengeschriebener französischer Text vom 6. Mai 1945 mit der Überschrift „Bericht des Dr. Gerstein aus Tübingen“. Von T5 gibt es drei Fassungen:
    1. Die Fassung des O.R.C.G.4; sie ist die erste der drei Fassungen von T5a.
    2. Eine weitere Fassung, die auf 1 zurückgeht, aber einige Abweichungen und Übertragungsfehler aufweist. Dieser Text (T5b) wird im „National Archives“ in Washington unter der Bezeichnung 01.0813 aufbewahrt.
    3. Eine englische Übersetzung – auf der ersten Seite findet sich das Wort „Übersetzung“. Sie geht offensichtlich auf T5b zurück. Sie trägt die gleiche Bezeichnung der „National Archives“: 01.0813 (T5c).
  • T6 – maschinengeschriebener deutscher Text vom 6.Mai 1945 (2170-PS).


Quelle
Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.

Anhang A

„Der Gerstein Bericht“

Vorbemerkungen des Übersetzers : Der wahrheitsgemäße Ursprung des "Gerstein-Berichtes" ist ebenso wie der mysteriöse Tod Gersteins in französischer Haft unmittelbar nach Kriegsende bis zum heutigen Tage ein ungelöstes Rätsel geblieben. Nach Paul Rassinier gibt es zwei unterschiedliche französische Fassungen, einmal die von Leon Poliakov in seinem "Brevier des Hasses" 1951 wiedergegebene und zum andern die zumindest mit Lücken behaftete, vom gleichen Poliakov im Jerusalemer Eichmann-Prozeß vorgelegte. Außerdem schließlich legt A. R. Butz einen hier wiedergegebenen englischen Text vor, der vom Übersetzerstab des Nürnberger IMT gefertigt, sehr viel ausführlicher ist. Aus diesen Gründen folgt hier eine neue Übersetzung des englischen Textes. Die - zum Teil nur unter Schwierigkeiten greifbaren - deutschen Fassungen des "Gerstein-Berichtes" sind lückenhaft, tendenziös sowieso, um nicht zu sagen, "bearbeitet". Daher schien es geboten, die vom Verfasser verwendete englische Fassung original zu übernehmen. Was mit welcher Vorlage übereinstimmt oder überhaupt inhaltlich tatsachengerechte Details enthalten könnte, wird solange nicht zu ergründen sein, wie man nicht weiß, unter welchen Voraussetzungen dieser Bericht überhaupt entstanden ist. Nachdem, was man über die Zustände während des IMT in alliierten Haftanstalten gegenüber wehrlosen deutschen Gefangenen erfuhr, waren die dort tätig gewesenen "reeducational subjects" alles andere als professionelle Übersetzer. Die hier vorliegende englische Version zeigt unverkennbar, daß der ursprüngliche Übersetzer noch nicht einmal das Englische als Muttersprache beherrschte.

Der Hauptteil des Berichtes ist das Dokument, das mit der Maschine in französisch geschrieben war und dessen englische Übersetzung, gefertigt vom Nürnberger Übersetzerstab, im folgenden wiedergegeben ist (außer einigen geringfügigen Korrekturen) :

Bergassessor Diplomingenieur
Kurt Gerstein

Rottweil, 26. April 1945

Persönliche Angaben : Gerstein, Kurt, Bergassessor, aus dem Staatsdienst als ein Anti-Nazi 1936 entlassen; Diplomingenieur. Geboren am 11. August 1905 in Münster, Westfalen. Teilhaber der Fabrik De Limon, Fluhme & Co., Automatische Schmierung von Lokomotiven, Bremsen von Westinghouse, Knorr, usw. Düsseldorf, Industriestr. 1-17.

Vater : Ludwig Gerstein, Landgerichtspräsident i. R. in Hagen, Westfalen,

Mutter : Clara Gerstein, geb. Schmemann, gest. 1931.

Verheiratet seit 2. Mai 1937 mit Elfriede, geb. Bensch aus Tübingen, Gartenstraße 24, 3 Kinder : Arnulf, 5 Jahre; Adelheid 3 1/2 Jahre; Olaf, 2 Jahre. Lebenslauf : 1905 bis 1911 in Münster, 1911 bis 1919 in Saarbrücken, 1919 bis 1921 Halberstadt, 1921 bis Neuruppin bei Berlin, 1925 Abitur am Gymnasium - Studium 1925 bis 1931 in Marburg an der Lahn, Aachen, Berlin-Charlottenburg an Universitäten und Technischen Hochschulen. 1931 Ingenieursexamen bestanden. Seit 1925 aktives Mitglied der protestantischen Jugendorganisation des Vereins christlicher Junger Männer, und vor allem der Höheren Christlichen Jugend, genannt "Bibelkreis". Politische Karriere : Anhänger von Stresemann und Brüning, für beide aktiv tätig; seit Juni 1933 von der Gestapo verfolgt wegen christlicher Aktivität gegen den NS-Staat. 2. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP : 2. Oktober 1936 Ausschluß aus der NSDAP wegen Aktivität gegen Partei und Staat. 30. Januar 1935 öffentlicher Protest im Theater der Stadt Hagen in Westfalen gegen das antichristliche Schauspiel "Wittekind". Geschlagen von den Nazis und verletzt. 27. November 1935 Bergassessor-Examen. Dann Staatsbeamter in Saarbrücken. Am 27. September 1936 von der Gestapo verhaftet wegen "Aktivität gegen den Staat", weil ich 8.500 Anti-NS-Flugblätter an hohe Staatsbeamte verschickt hatte. Im Gefängnis bis Ende Oktober 1936, freigelassen und aus dem Beamtendienst entlassen. Von Dezember 1936 bis zum Beginn des Krieges medizinisches Studium am Institut der protestantischen medizinischen Mission in den Tropen in Tübingen. Ein Drittel - ungefähr - meines Einkommens, das heißt ein Drittel von 18.000 Reichsmark im Jahr, spendete ich seit 1931 für meine idealistischen religiösen Ziele. Auf eigene Kosten ließ ich 230.000 religiöse Anti-NS-Schriften drucken und versenden.

14.7. bis 28.8.1938 zweite Verhaftung im KZ Welzheim; nachdem ich von Massenmorden an Idioten und Geisteskranken in Grafeneck, Hadamar usw. gehört hatte, schockiert und tief verletzt war, da ich einen solchen Fall in meiner Familie hatte, hatte ich nur den einen Wunsch, diesen ganzen Apparat zu sehen, Einblick zu gewinnen und das dann in die ganze Welt hinauszuschreien! Mit Hilfe zweier Referenzen, geschrieben von zwei Gestapo-Beamten, die meinen Fall behandelt hatten, war es nicht schwer für mich, in die Waffen-SS einzutreten. 10. März bis 2. Juni 1941 militärische Grundausbildung in Hamburg-Langenhorn, Arnheim und Oranienburg, zusammen mit 40 Ärzten. Wegen meines Doppelstudiums - Technik und Medizin - erhielt ich den Befehl, mich in der medizinisch-technischen Abteilung des SS-Führungshauptamtes zu melden - medizinische Abteilung der Waffen-SS - Amtsgruppe D, Hygiene-Abteilung. In dieser Abteilung wählte ich mir die Aufgabe, sofort Desinfektionsapparate und Filteranlagen für Trinkwasser für die Truppen, die Gefangenenlager und die Konzentrationslager zu konstruieren. Meine genaue Kenntnis der Industrie brachte mir einen schnellen Erfolg, wo meine Vorgänger versagt hatten. So wurde es möglich, die Zahl der Todesfälle unter Gefangenen (Häftlingen) erheblich zu senken. Auf Grund meiner Erfolge wurde ich bald zum Leutnant (Untersturmführer) befördert. Im Dezember 1941 erhielt das Gericht, das meinen Ausschluß aus der NSDAP verfügt hatte, Kenntnis von meinem Eintritt in die Waffen-SS. Erhebliche Anstrengungen wurden unternommen, um mich aus meiner Stellung zu entfernen und mich zu verfolgen. Aber wegen meiner Erfolge wurde ich als aufrecht und unersetzlich erklärt. Im Januar 1942 wurde ich zum Leiter der technischen Desinfektionsabteilung befördert, der auch die Abteilung für starke Giftgase zum Desinfizieren unterstand. Am 8. Juni 1942 kam SS-Sturmbannführer Günther vom Reichssicherheitshauptamt in mein Büro. Er war in Zivil und ich kannte ihn nicht. Er befahl mir, 100kg Blausäure zu besorgen und ihn zu einem Ort zu begleiten, den nur der Fahrer des LKWs kannte. Wir fuhren zur Pottasche-Fabrik in der Nähe von Colling (Prag). Als der LKW vollgeladen war, fuhren wir nach Lublin (Polen). Wir hatten Professor Pfannenstiel, ordentlicher Professor für Hygiene an der Universität Marburg/Lahn mitgenommen, (zu Pfannenstiel siehe Anm. am Schluß dieses Berichts). In Lublin wurden wir von SS-Gruppenführer Globocnik empfangen. Er sagte uns : dieses ist eine der geheimsten Angelegenheiten, die es gibt, sogar die allergeheimste. Wer darüber spricht, wird sofort erschossen. Gestern sind zwei Schwätzer gestorben. Dann erklärte er uns : zur Zeit - 17. August 1942 - gibt es drei Einrichtungen.

  1. Belczek (an der Strecke Lublin-Lemberg) in dem Abschnitt der russischen Demarkationslinie. Maximal 15.000 Personen pro Tag. (Gesehen!)
  2. Sobibor, ich weiß nicht genau, wo das liegt. Nicht gesehen, 20.000 Personen pro Tag.
  3. Treblinka, 120km NNO von Warschau. 25.000 Personen pro Tag. Gesehen!
  4. Maidanek, in der Nähe von Lublin. Im Stadium des Aufbaus gesehen.

Dann sagte Globocnik : sie werden sich mit dem Desinfizieren von gewaltigen Mengen an Kleidungsstücken befassen müssen, 10 oder 20 mal so viel wie das Ergebnis der Spinnstoffsammlung, die nur eingerichtet wurde, um die Herkunft dieser jüdischen, polnischen, tschechischen und anderer Kleidungsstücke zu verheimlichen. Ihre sonstigen Aufgaben werden sein, die Methode unserer Gaskammern zu ändern (die gegenwärtig mit den Auspuffgasen eines alten Dieselmotors arbeiten), wozu giftigeres Material verwendet wird, das schneller wirkt, Blausäure. Aber der Führer und Himmler, die am 15. August hier waren - vorgestern - haben angeordnet, daß ich alle, die die Installationen besichtigen, persönlich begleiten soll. Dann fragte Prof. Pfannenstiel : "Was sagt denn der Führer?" Darauf entgegnete Globocnik, jetzt Chef der Polizei und SS an der Adriaküste bei Triest : "Schneller, schneller, führen Sie das ganze Programm durch!" hat er gesagt. Und dann sagte Dr. Herbert Lindner, Ministerialdirektor im Innenministerium : "Aber wäre es denn nicht besser, die Leichen zu verbrennen anstatt sie zu begraben? Eine kommende Generation könnte über diese Dinge anders denken!" Und darauf antwortete Globocnik : "Aber meine Herren, wenn nach uns jemals eine solche feige und verkommene Generation aufwächst, die unsere so gute und notwendige Arbeit nicht begreift, dann, meine Herren, ist der ganze Nationalsozialismus vergebens gewesen. Im Gegenteil, bronzene Tafeln sollten vergraben werden, mit der Inschrift, daß wir es gewesen sind, die den Mut hatten, diese gigantische Aufgabe zu erfüllen." Und Hitler sagte : "Ja, mein guter Globocnik, das ist ein Wort, das ist auch meine Meinung."

Am folgenden Tag fuhren wir nach Belczek. Eine kleine Sonder-Bahnstation mit zwei Bahnsteigen lehnt sich an einen Hügel aus gelbem Sand, unmittelbar im Norden der Straße und Eisenbahnstrecke Lublin-Lemberg. Im Süden in der Nähe der Straße einige Dienstgebäude mit einer Ortsbezeichnung : "Belczek, Dienstzentrale der Waffen-SS." Globocnik machte mich mit SS-Hauptsturmführer Obermeyer aus Pirmasens bekannt, der mir die Anlagen mit großer Zurückhaltung zeigte. An dem Tage waren keine Toten zu sehen, aber der Geruch in der ganzen Gegend, sogar von der großen Straße aus, war pestilenzartig. Neben dem kleinen Bahnhof war eine große Baracke, gekennzeichnet "Kleiderkammer" und eine Tür mit dem Schild "Wertgegenstände". Der nächste Raum hatte hundert "Friseur"-Stühle. Dann kam ein Gang, 150m lang, nach oben offen und Stacheldraht an beiden Seiten. Da war ein Wegweiser : "zum Bad und zu den Inhalierräumen". Vor uns sahen wir ein Gebäude wie ein Badehaus mit Betonblumenkästen rechts und links mit Geranien oder anderen Blumen. Dann ging es eine kleine Treppe hinauf, die zu drei garagenähnlichen Räumen auf jeder Seite führte, 4x5 Meter groß und 1,90m hoch. Im Hintergrund unsichtbare Holztüren. Auf dem Dach ein Davidstern aus Kupfer. Über dem Eingang zu dem Gebäude die Inschrift : "Heckenholt-Stiftung". Das war alles, was ich an jenem Nachmittag gesehen habe.

Am nächsten Morgen, wenige Minuten nach 7 Uhr wurde ich unterrichtet : In 10 Minuten kommt der erste Zug. Statt dessen kam wenige Minuten darauf der erste Zug aus Lemberg, 45 Waggons mit 6.700 Personen. 1.450 davon waren schon bei der Ankunft tot. Hinter der kleinen - mit Stacheldraht versperrten - Öffnung Kinder, gelb aussehend, halb zu Tode verängstigt, Frauen, Männer. Der Zug rollt ein und hält : 200 Ukrainer, gezwungen, diese Arbeit zu tun, öffnen die Türen und treiben all die Leute mit Lederpeitschen aus den Abteilen. Dann werden durch einen riesigen Lautsprecher Anweisungen gegeben : sich völlig entkleiden, auch falsche Zähne und Brillen abgeben, - manches davon in den Baracken, anderes im Freien, die Schuhe mit einem kleinen Stück Bindfaden zusammenbinden, der von einem vierjährigen jüdischen Jungen verteilt wird, und dann alle Wertsachen und Geld an dem mit "Wertsachen" gekennzeichneten Fenster abgeben ohne Schuldschein, ohne Empfangs Bestätigung. Dann gehen die Frauen und Mädchen zum Friseur, der ihnen mit zwei Schnitten die Haare abtrennt, wonach diese in großen Kartoffelsäcken verschwanden, "um für spezielle U-Boot-Ausrüstungen, Abtretmatten usw. verwendet zu werden", wie der SS-Unterscharführer vom Dienst mir sagte. Dann beginnt der Marsch : Rechts und links Stacheldraht, dahinter zwei Dutzend Ukrainer mit Schußwaffen. Angeführt von einem ungewöhnlich schönen Mädchen kommen sie. Ich stehe mit Polizeihauptmann Wirth direkt vor den Todeskammern. Völlig nackt gehen sie vorbei, Männer, Mädchen, Babies, sogar einbeinige Personen, alle nackt. In einer Ecke sagt ein großer kräftiger SS-Mann den armen Teufeln mit starker tiefer Stimme : "Euch wird nichts geschehen. Ihr braucht nur tief zu atmen, das stärkt die Lungen. Dieses Inhalieren ist eine notwendige Maßnahme gegen ansteckende Krankheiten, es ist ein sehr gutes Desinfektionsmittel!" Gefragt, was denn aus ihnen werden würde, antwortete er : "Nun, die Männer werden selbstverständlich arbeiten, Straßen und Häuser bauen. Aber die Frauen brauchen nicht. Wenn sie es wollen, können sie im Haus oder in der Küche helfen." - Einmal mehr ein wenig Hoffnung für einige dieser armen Menschen, hinreichend, um ohne Widerstand in die Todeskammern zu gehen. Die meisten von ihnen wissen ja doch alles, der Gestank hat ihnen ihr Schicksal klar angedeutet. Und dann steigen sie die kleine Treppe hinauf - und sehen die Wahrheit!

Mütter, Kindermädchen, mit Babies an der Brust, nackt, viele Kinder jeden Alters, auch nackt; sie zögern, betreten aber die Gaskammern, die meisten von ihnen wortlos, geschoben von den anderen hinter ihnen, angetrieben von den Peitschen der SS-Männer. Eine etwa 40jährige Jüdin mit Augen wie Fackeln, ruft Blut ihrer Kinder auf die Häupter ihrer Mörder. Fünf Hiebe mit der Peitsche von Polizeihauptmann Wirth selbst treiben sie in die Gaskammer. Viele von ihnen beten, andere fragen : "Wer wird uns das Wasser für unseren Tod geben?" (jüdischer Ritus?) In den Kammern preßt die SS die Menschen eng zusammen. Hauptmann Wirth hatte befohlen : "Ganz voll machen". Nackte Männer stehen auf den Füßen der anderen. 7-800 zusammengedrängt auf 25 Quadratmetern, in 45 Kubikmetern! Die Türen werden geschlossen. In der Zwischenzeit wartet der Rest des Transports, alle nackt. Jemand sagt zu mir : "Nackt im Winter! Aber sie können doch auf diese Weise sterben!" Die Antwort war : "Tja, gerade darum sind sie ja hier!" Und in dem Moment begriff ich, warum es "Heckenholt-Stiftung" hieß. Heckenholt war der Bediener des Diesel-Motors, dessen Auspuffgase diese armen Teufel töten sollte. SS-Unterscharführer Heckenholt versucht, den Diesel-Motor in Gang zu bringen. Aber er läuft nicht an! Hauptmann Wirth kommt herbei. Es wird deutlich, daß er besorgt ist, weil ich Zeuge dieses Versagens bin. Ja, in der Tat, ich sehe alles und warte. Meine Stoppuhr hält alles fest, 50 Minuten - der Diesel-Motor springt nicht an. Die Menschen warten in ihren Gaskammern vergeblich. Man kann sie schreien hören. "Genau wie in einer Synagoge", sagt SS-Sturmführer Professor Dr. Pfannenstiel, Professor für Gesundheitswesen an der Universität Marburg/Lahn, der sein Ohr dicht an die Holztür hält. Hauptmann Wirth, wütend, versetzt dem Ukrainer, der Heckenholt assistiert, 11 oder 12 Hiebe mit der Peitsche ins Gesicht. Nach 2 Stunden und 49 Minuten, abgestoppt von meiner Uhr, springt der Diesel an. Bis zu dem Augenblick waren die Menschen in den bereits gefüllten Kammern am Leben, 4 mal 750 Menschen in viermal 45 Kubikmetern. Weitere 25 Minuten verstreichen. Viele von ihnen, das ist wahr, sind zu diesem Zeitpunkt tot. Man kann das durch kleine Fenster sehen, durch das die elektrische Lampe das Innere des Raumes für einen Augenblick erhellt. Nach 28 Minuten leben nur noch ein paar. Nach 32 Minuten schließlich sind alle tot! Von der anderen Seite öffnen jüdische Arbeiter die Holztüren. Als Gegenleistung für ihre schreckliche Arbeit hat man ihnen ihre Freilassung und einen kleinen Prozentsatz von den Wertgegenständen und dem Geld, das man fand, versprochen. Wie steinerne Statuen stehen die Toten noch da, sie hatten keinen Platz, umzufallen oder umzubeugen. Obwohl tot, kann man sie als Familien immer noch erkennen, sie klammern sich einander an den Händen. Es ist schwierig, sie voneinander zu lösen, um den Raum für den nächsten Schub zu leeren. Die Leichen werden hinausgeworfen, blau, naß vor Schweiß und Urin, an den Beinen Kot und Menstruationsblut. Überall dazwischen die Leichen von Säuglingen und Kindern. Aber es ist keine Zeit! Zwei Dutzend Arbeiter beschäftigen sich damit, die Münder zu untersuchen, nachdem man die mittels eiserner Haken geöffnet hat : "Gold nach links, ohne Gold nach rechts!" Andere untersuchen den After und die Genitalien, um nach Geld, Brillanten usw. zu suchen. Zahnärzte reißen mit Meißeln die Goldzähne, Brücken oder Kronen heraus. Inmitten des ganzen Hauptmann Wirth. Er ist in seinem Element. Er reicht mir eine große Büchse voller Zähne und sagt : "Schätzen Sie selbst das Gewicht des Goldes. Dies ist nur von gestern und vorgestern! Und sie glauben nicht, was wir hier jeden Tag finden! Dollars, Brillanten, Gold! Aber sehen sie selbst!" Dann führt er mich zu einem Goldschmied, der für all diese Wertgegenstände verantwortlich ist. Danach nahmen sie mich zu einem der Geschäftsführer eines großen Kaufhauses in Berlin (Kaufhaus des Westens, bekannt als Kadewe) und zu einem kleinen Mann, den sie aufforderten Geige zu spielen, beide Chefs des jüdischen Arbeitskommandos. "Er ist ein Hauptmann der K. u. K. Österreichischen Armee, Inhaber des Eisernen Kreuzes Erster Klasse," erzählte mir Hauptsturmführer Obermeyer. Die Leichen wurden sodann in große Gruben geworfen, 100 x 20 x 12m, in der Nähe der Gaskammern gelegen. Nach einigen Tagen schwollen die Leichen an und der ganze Grubeninhalt hob sich um 2-3 Meter wegen der in den Leichen entwickelten Gase. Nach weiteren Tagen gingen die Hebungen zurück und die Leichen fielen zusammen. Am nächsten Tag wurden die Gruben weiter aufgefüllt und dann mit einer 10cm Schicht Sand bedeckt. Etwas später hörte ich, daß sie Roste aus Eisenbahnschienen errichtet hatten und die Leichen darauf mit Dieselöl und Benzin verbrannten, um sie verschwinden zu lassen. In Belczek und Treblinka machte sich niemand die Mühe, etwas auch nur Annäherndes wie eine genaue Rechnung der getöteten Personen aufzustellen. Die von der BBC (British Broadcasting Corporation, brit. Rundfunk) gemeldeten Zahlen sind ungenau. In Wirklichkeit sind etwa 25.000.000 Personen getötet worden, jedoch nicht nur Juden, sondern besonders Polen und Tschechen, die nach Ansicht der Nazis von schlechter Rasse sind. Die meisten starben unbekannt. Kommissionen von sogenannten Ärzten, in Wirklichkeit nichts anderes als junge SS-Männer in weißen Mänteln, fuhren in Limousinen durch die Städte und Dörfer von Polen und der Tschechoslowakei, um die alten, Tuberkulose-Kranken und sonstig kranken Leute aufzugreifen und sie kurz danach in den Gaskammern verschwinden zu lassen. Das waren die Polen und Tschechen der Kategorie III, die es nicht wert waren, zu leben, weil sie arbeitsunfähig waren. Der Polizeihauptmann Wirth ersuchte mich, in Berlin keine andere Art von Gaskammern vorzuschlagen und alles so zu lassen, wie es sei. Ich log - wie ich es die ganze Zeit in jedem einzelnen Fall getan hatte -, daß die Blausäure beim Versenden verdorben sei und sehr gefährlich geworden sei und daß ich darum gezwungen sei, sie zu vergraben. Das wurde sofort getan.

Am nächsten Tag brachte uns Hauptmann Wirths Wagen nach Treblinka, etwa 100km nordnordöstlich von Warschau. Die Anlagen dieses Todeszentrums unterschieden sich kaum von denen in Belczek, doch waren sie noch größer. Dort befanden sich 8 Gaskammern und ganze Berge von Kleidungsstücken und Unterwäsche, ungefähr 35-40 Meter hoch, (ein 6stöckiges Haus mit Altbaumaßen! d.Ü.) Dann wurde uns "zu Ehren" ein Bankett gegeben, an dem alle Mitarbeiter der Einrichtung teilnahmen. Der Obersturmbannführer, Professor Pfannenstiel, Professor für Hygiene an der Universität Marburg/Lahn, hielt eine Rede : "Ihre Aufgabe ist eine große Pflicht, eine Pflicht so nützlich und so notwendig". Zu mir allein sprach er von dieser Institution in Ausdrücken wie "Schönheit der Aufgabe, humaner Prozeß", und zu allen : "Wenn man die Leichen dieser Juden sieht, erfaßt man die Größe Ihres guten Werks!" Das Essen selbst war ziemlich einfach, aber auf Weisung Himmlers erhielten die Mitarbeiter dieser Anlage so viel sie wollten, was Butter, Fleisch, Alkohol usw. anbelangte. Als wir das Lager verließen, wurden uns mehrere Kilogramm Butter und eine große Anzahl Likörflaschen angeboten. Ich versuchte vorzutäuschen, daß ich genug von allem aus unserem eigenen Hof hätte, und da nahm Pfannenstiel auch noch meine Portion.

Wir verließen Warschau mit dem Wagen. Während ich vergebens auf eine leere Schlafkabine wartete, lernte ich Baron von Otter, Mitarbeiter der schwedischen Gesandtschaft kennen. Da alle Betten belegt waren, verbrachten wir die Nacht im Gang des Schlafwagens. Da erzählte ich ihm, die Vorgänge noch frisch im Gedächtnis, alles und ersuchte ihn, es seiner Regierung und allen Alliierten zu berichten. Als er mich nach einer Referenz fragte, gab ich ihm die Adresse des Generalsuperintendenten Dr. Otto Dibelius, Berlin-Lichterfelde-West, Brüderweg 2, eines Freundes von Martin Niemöller und Anführer des protestantischen Widerstands gegen den Nazismus. Einige Wochen später traf ich Baron von Otter zweimal wieder. Er sagte mir, er habe einen Bericht an die schwedische Regierung gesandt, der, wie er sagte, starken Einfluß auf die Beziehungen zwischen Schweden und Deutschland gehabt habe. Nicht so gut gelang mir der Versuch, alles dem Leiter der Botschaft des Vatikans zu berichten. Ich wurde gefragt, ob ich Soldat sei und dann wurde mir eine Unterredung verweigert. Ich sandte dann einen ausführlichen Bericht an Dr. Winter, den Sekretär des Berliner Bischofs, um ihn zu veranlassen, ihn dem Bischof von Berlin zugehen zu lassen und durch diesen der Vatikan-Botschaft. Als ich aus dem Haus der Vatikan-Botschaft in der Rauchstraße in Berlin kam, hatte ich eine sehr gefährliche Begegnung mit einem Polizeiagenten, der mir folgte. Doch nach einigen sehr unbehaglichen Augenblicken gelang es mir, ihm zu entwischen.

Ich muß weiter hinzusetzen, daß mich Anfang 1944 SS-Sturmbannführer Günther vom RSHA um eine sehr große Lieferung von Blausäure für obskure Zwecke ersuchte. Die Säure sollte in seinem Dienstsitz in Berlin, Kurfürstenstraße, abgeliefert werden. Es gelang mir, ihn glauben zu machen, daß dies unmöglich sei, weil zuviel Gefahr damit verbunden sei. Es handelte sich um mehrere Wagenladungen Giftgas, ausreichend, um eine Riesenzahl von Menschen umzubringen, genau genommen Millionen! Er hatte mir gesagt, er wisse nicht genau, ob, wann und für welche Art von Leuten, wie und wo dieses Gift gebraucht würde. Ich weiß nicht genau, was die Absichten des RSHA und des SD waren. Aber später dachte ich an die Worte von Goebbels "die Tür hinter ihnen zuzuschlagen", sollte es dem Nazismus nicht gelingen zum Durchbruch zu kommen. Vielleicht wollten sie einen großen Teil des deutschen Volkes töten, vielleicht die Fremdarbeiter, vielleicht die Kriegsgefangenen - ich weiß es nicht! Jedenfalls veranlaßte ich, daß das Gift zu Desinfektionszwecken verschwand, sobald es hereinkam. Hieraus ergaben sich einige Gefahren für mich, aber wenn ich gefragt worden wäre, wo die giftige Säure sei, hätte ich geantwortet, daß sie sich bereits in einem gefährlichen Zustand der Zersetzung befinde und ich sie deshalb als Desinfizierungsmittel verbrauchen müsse! Ich bin sicher, daß Günther, der Sohn des Rassentheoretikers, seinen eigenen Worten zufolge Befehle hatte, die Säure für die - schließliche - Vernichtung von Millionen menschlicher Wesen bereitzustellen, vielleicht auch in Konzentrationslagern. Ich habe hier Rechnungen über 2.175kg, aber in Wirklichkeit ging es um 8.500 kg; ausreichend, um 8 Millionen Menschen umzubringen. Ich hatte die Rechnungen mir auf meinen Namen ausgestellt schicken lassen; ich sagte, dies sei aus Gründen der Geheimhaltung; doch tat ich es, um einigermaßen frei in meinen Entscheidungen zu sein und eine bessere Möglichkeit zu haben, die giftige Säure verschwinden zu lassen. Ich habe diese Sendungen nie bezahlt, um eine Weiterberechnung zu vermeiden, die den SD an diese Vorräte erinnern können. Der Direktor der DEGESCH, der diese Sendungen veranlaßte, sagte mir, er habe Blausäure in Kapseln zur Tötung von Menschen versandt. Bei einer anderen Gelegenheit fragte mich Günther um Rat über die Möglichkeit, eine große Zahl von Juden im Freien, und zwar in den Festungsgräben von Maria-Theresienstadt zu töten. Um die Durchführung dieses diabolischen Plans zu verhindern, erklärte ich, daß die Methode undurchführbar sei. Einige Zeit später hörte ich, daß der SD die Blausäure sich durch andere Kanäle besorgt habe, um diese unglücklichen Menschen in Theresienstadt zu beseitigen. Oranienburg, Dachau oder Belsen waren nicht die scheußlichsten Lager, sondern Auschwitz (Oswiecim) und Mauthausen-Gusen bei Linz an der Donau. Dieses sind die Orte, in den Millionen von Menschen in Gaskammern oder Gaskammer-ähnlichen Wagen verschwanden. Die Tötungsmethode an Kindern bestand aus einem mit Blausäure getränkten Wattebausch, der ihnen unter die Nase gehalten wurde.

Ich selber sah, wie man Experimente an lebenden Personen in KZ's vornahm, die man fortsetzte, bis das Opfer starb. Auf diese Weise hat SS-Hauptsturmführer Grundlach im KZ für Frauen, Ravensbrück bei Fürstenberg/ Mecklenburg, derartige Experimente unternommen. In meinem Büro habe ich viele Berichte über in Buchenwald gemachte Experimente wie beispielsweise die Anwendung von bis zu 100 Pervitintabletten pro Tag gelesen. Andere medizinische Versuche - jedesmal an etwa 100-200 Personen - wurden mit Serum und Lymphe unternommen, usw. bis der Tod der Person eintrat. Himmler hatte sich selbst vorbehalten, die Erlaubnis zur Durchführung dieser Experimente zu erteilen.

In Oranienburg habe ich gesehen, wie alle die Häftlinge, die dort wegen Homosexualität inhaftiert waren, an einem einzigen Tag verschwunden sind.

Ich vermied häufige Besuche in den KZ's, weil es üblich war, besonders in Mauthausen-Gusen bei Linz/Donau, zu Ehren von Besuchern einen oder zwei Häftlinge aufzuhängen. In Mauthausen pflegte man Juden in einem sehr hohen Steinbruch arbeiten zu lassen. Nach einer Weile pflegte der diensthabende SS-Mann zu sagen : "Passen Sie auf, in zwei Minuten gibt es einen Unfall." Und tatsächlich, eine oder zwei Minuten später wurden einige Juden den Abhang hinuntergestoßen, die uns tot vor die Füße stürzten. "Arbeitsunfall" wurde dann in die Akte des Toten geschrieben. Dr. Fritz Krantz, ein anti-nazistischer SS-Hauptsturmführer, hat mir oft von solchen Vorkommnissen erzählt. Er verurteilte sie schwer und hat vielfach Tatsachen darüber veröffentlicht. Die in Belsen, Oranienburg usw. aufgedeckten Verbrechen sind im Vergleich mit anderen in Auschwitz und Mauthausen nicht erheblich. Ich plane, ein Buch über meine Erlebnisse mit den Nazis zu schreiben. Ich bin bereit, die absolute Wahrheit all meiner Ausführungen zu beschwören.

(handschriftlich) : Kurt Gerstein


Es ist zwar schwer zu glauben, daß irgendjemand vorhatte, diese "Erklärung" als ernstzunehmen hinzustellen. Einige spezifische Punkte werden hier untersucht, aber als ganzes überlasse ich es dem Leser, es zu bestaunen. Der in den NMT-Bänden abgedruckte Teil beginnt mit "nachdem ich von den Massakern gehört hatte..." und endet mit "erfaßt man die Größe Deines guten Werks!" Jedoch ist der Satz über die BBC und die 25 Millionen Gaskammer-Opfer gestrichen. Die im Jerusalemer Eichmann-Prozeß verwendete Version ist sehr viel drastischer redigiert worden.[2]

Beachtlich bei der Originalfassung dieses Berichtes (also der englischen Ausgabe) ist neben vielen anderen Absurditäten auch die Verwechslung der SS-Ränge (einmal erscheint Prof. Pfannenstiel im Rang eines "Sturmführers" = entweder Leutnant oder Oberleutnant - es gab nur Untersturmführer oder Obersturmführer oder Hauptsturmführer, zum anderen erscheint er als "Obersturmbannführer" = Oberstleutnant). Es ist kaum wahrscheinlich, daß Gerstein derartige Fehler gemacht hätte, hätte er diesen "Bericht" gelesen bzw. gar "freiwillig" geschrieben.

Weitere innere Widersprüche ergeben sich dadurch, daß Ereignisse des August als "im Winter" geschehen beschrieben werden, oder daß 700 bis 800 Personen in einem Raum von 20-25qm und 1,90m Höhe gequetscht worden sein sollen. Letzteres wäre nur möglich, wenn man dazu eine Altpapierpresse genommen hätte, doch dann hätte sich das Vergasen erübrigt. Die Erwähnung, Warschau per Auto verlassen zu haben und dann Baron von Otter im Zug zu treffen, ist hier genau so wiedergegeben worden, wie es im Bericht steht. Von keiner schwedischen Quelle sind die Begegnungen zwischen Gerstein und Otter bestätigt worden, natürlich der Inhalt dieserart Gespräche schon gar nicht, jedenfalls habe ich darüber nichts in Erfahrung bringen können.[3]

Rassinier hat es so ausgedrückt : Wenn es nicht wahr ist, daß Hitler je in Lublin war, wenn es nicht wahr ist, daß 700 bis 800 Menschen in eine Gaskammer von 25qm hineinpassen, wenn es nicht wahr ist, daß die Deutschen 25 Millionen Menschen vergast haben, dann, da der Bericht wenig anderes enthält, müssen wir fragen, was steht denn an Wahrem überhaupt darin?

Wir sollten bemerken, was uns bereits wiederholt aufgefallen war : die geheimnisvolle Immunität vor Verfolgung. Pfannenstiel ist niemals angeklagt gewesen, und lebte, so viel ich weiß, auch nach Kriegsende weiterhin ohne Sorgen. Ich unterstelle, daß er nachweisen konnte, niemals an den in dem Gerstein-Bericht behaupteten Ereignissen teilgenommen zu haben.[4]

Was normalerweise als "Gerstein-Bericht" bezeichnet zu werden pflegt, wurde soeben wiedergegeben. Doch dies ist noch nicht alles.

Dem sog. "Dokument 1553-PS" zufolge hat Gerstein im Frühjahr 1945 angeblich noch weitere Erklärungen in verschiedenen Sprachen hinterlegt :

"Kurt Gerstein, Zusätzliche Erklärung.

In meiner Wohnung in Berlin W 35, Bülow-Str 47, 2. Stock lks., hatte ich einen Kreis von Anti-Nazis. Hier folgen einige ihrer Namen :

Major Lutz Reis, jetzt Hamburg, Glasurit-Werke
Dr. Felix Büß, Syndikus bei Telefunken, Berlin SW 11, Hallesches Ufer 30
Direktor Alex Menne, Hamburg, Glasurit-Werke
Pastor Buchholz, Pfarrer des Gefängnisses Plötzensee, der die Offiziere vom 20. Juli 1944 zum Schafott begleitete.

Diese Offiziere wie auch mein guter Freund, Pastor Martin Niemöller, rauchten die Zigaretten und Zigarren, die ich für sie ins Gefängnis schaffte.

Pastor Mochalsky, der Pastor Martin Niemöller an der Annen-Kirche in Berlin-Dahlem nachfolgte
Dorothea Schulz, Sekretärin Pastor Niemöllers
Frau Arndt, Sekretärin Niemöllers in Dachau
Emil Nieuwenhuizen und sein Freund Hendrik, von Phillips-Eindhoven
Deportierte, die ich in der Kirche kennengelernt hatte und die seit langer Zeit zwei- oder dreimal die Woche meine Gäste waren. Sie nahmen Mahlzeiten in meinem Haus ein und hörten Radio.
Direktor Haueisen, Berlin NW 7, Mittelstr., Druckerei Francke
Herbert Scharkowsky, Redakteur, Scherl-Verlag
Hauptmann Nebenthau und seine Frau, jetzt in Kirchentellinsfurth/ Württemberg
Dr. Hermann Ehlers, Kurator der Niemöller'schen Anti-Nazi-Widerstandskirche
Dr. Ebbe Elß, das gleiche wie Dr. Ehlers
Andere Referenzen : Generalsuperintendent Dr. Otto Dibelius, Anführer des Kirchen-Widerstandes gegen den Nazismus
Pastor Rehling, Hagen/Westfalen, aktiv in der westfälischen Kirche der Anti-Nazi-Widerstandsbewegung
Präses Dr. Koch, anti-nazistischer Professor an der Universität Tübingen
Bernhard J. Gödecker, Fabrikant, München, Tizianstr. Anti-Nazi
Direktor Franz Bäuerle, München, Siemensstr. 17, Anti-Nazi
Der katholische Pfarrer Valpertz, Hagen/Westfalen
Pastor Otto Wehr, Saarbrücken
Die Pastoren Schläger und Bittkau, Neuruppin bei Berlin
August Franz und seine ganze Familie, große Anti-Nazis, Saarbrücken, jetzt in Thalheim/Württemberg
Dr. Sträub, Metzingen/Württemberg, und Familie (nicht unterschrieben)"

Ich habe keine Ahnung, welcher Zusammenhang, wenn überhaupt, zwischen Gerstein und diesem Dokument in Wirklichkeit besteht. Vielleicht hat er auf Befehl seiner Häscher bei der Niederschrift mitgeholfen, er mag aber auch nichts damit zu tun gehabt haben.

Eine deutsche Version des "Gerstein-Berichts" mit im wesentlichen gleichem Inhalt, wurde ungefähr ein Jahr nach Gersteins Verschwinden vorgelegt. Angeblich hatte man es unter irgendwelchen Habseligkeiten im Hotel Mohren in Rottweil aufgefunden. Die deutsche Version des "Gerstein-Berichts" ist maschinegeschrieben und ohne Unterschrift, aber es soll eine handschriftliche Nachschrift nicht näher bezeichneten Inhalts geben. Aus nicht erklärten Gründen soll Gerstein der deutschen Version noch 10 Seiten "Erklärungen vom Hörensagen" hinzugefügt haben, die sich unter dem Material befanden, die er ursprünglich angeblich den US-Verhörern aushändigte, bevor er verschwand.

Einige Jahre später hat Otto Dibelius, der evangelisch-lutherische Bischof von Berlin, erklärt, Gerstein und Baron von Otter hätten sich tatsächlich bezüglich dieser Angelegenheiten mit ihm in Verbindung gesetzt. Obwohl Dibelius ein führendes Mitglied der mit der NSDAP liierten Hugenberg'schen DNVP (Deutsch-nationale Volkspartei) vor 1933 gewesen ist, schloß er sich nach 1933 der von Niemöller angeführten Opposition der Kirche gegen die Nationalsozialisten an. Niemöller wurde 1935 verhaftet, aber Dibelius ließ man laufen; er verschwand danach auf einen kleinen Posten in einer kirchlichen Wohlfahrtorganisation und wurde nach 1945 zum Bischof gewählt. Es ist nicht richtig, Dibelius als ein aktives Mitglied des Widerstands im Kriege hinzustellen, wie der "Gerstein-Bericht" und der oben erwähnte Zusatz ihn ausweisen, wodurch seine Bedeutung ziemlich über das hinausgehen würde, was die Tatsachen besagen.[5]

Was die anderen Namen auf der "Gerstein"-Liste von "Anti-Nazis" anbelangt, so ist mir, Niemöller ausgenommen, keiner im Zusammenhang mit bekannten Kriegszeit-Aktivitäten, antinationalsozialistischen oder anderen, bekannt. Nur einen kenne ich in einem Zusammenhang : Dr. Hermann Ehlers, der ein führender CDU-Politiker nach dem Kriege wurde (Bundestagspräsident) und 1954 gestorben ist. Es kann sein, daß die als "Präses Dr. Koch" bezeichnete Person vermutlich der Dr. Karl Koch ist, ein protestantischer Theologe, der zusammen mit Dibelius in den Weimarer Tagen Mitglied der DNVP gewesen und gestorben ist.

In den entsprechenden Berichten von Cesare Orsenigo, des päpstlichen Nuntius in Berlin, die vom Vatikan veröffentlicht wurden, befindet sich natürlich kein Hinweis auf Gerstein. Siehe Anhang E.

Der nächste Teil des Dokuments 1553-PS besteht aus einem sog. Schreiben von der DEGESCH an Gerstein und betrifft die Haltbarkeit des Zyklons B sowie die Möglichkeiten künftiger Sendungen angesichts der Bombenangriffe, die eine Fabrik zerstört hatten. Die handschriftliche Notiz erscheint schon bemerkenswerter :

"Entsprechend den beigefügten Notizen ist die Blausäure auf Weisung des SS-Sturmbannführers Günther vom RSHA, Berlin W 35, Kurfürstendamm angefordert worden. Ich war für diesen besonderen Auftrag verantwortlich und erfüllte meine Pflichten sehr gewissenhaft, so daß, wenn die Säure in Oranienburg und Auschwitz eingetroffen war, ich die Büchsen in die Desinfektionskammern verschwinden lassen konnte. So war es möglich, einen Mißbrauch der Säure zu verhindern. Um zu vermeiden, die Aufmerksamkeit des RSHA auf das Vorhandensein - oder, wie ich besser sagen müßte, das Fehlen - dieser Vorräte zu lenken, habe ich diese Sendungen nie bezahlt, deren Rechnungen an die gleiche Adresse gingen, das heißt, meine eigene. Auf diese Weise war es möglich, die Säure verschwinden zu lassen, sobald sie eingetroffen war. Wenn man das Fehlen der Säure bemerkt hätte, dann hätte ich gesagt : Das ist ein Fehler der örtlichen Desinfektionsstelle, die nicht wußte, oder auch nicht wissen durfte, für welchen Zweck sie wirklich bestimmt war; oder ich hätte gesagt : die Säure ist in Zersetzung übergegangen und es sei unmöglich, sie länger zu verwahren.

(gez.) Gerstein"

Der letzte Teil der Erklärung ist eine Notiz in Englisch :

"Bergassessor a.D.
Kurt Gerstein
Diplomingenieur
ständige Wohnung :
Tübingen/Neckar, Gartenstr. 24
26. April 1945

Mein Bericht ist für den Geheimdienst interessant. Die Dinge, die ich gesehen habe, haben nicht mehr als 4-5 andere gesehen und diese anderen waren Nazis. Viele Verantwortliche für Belsen, Buchenwald, Maidanek, Auschwitz, Mauthausen, Dachau etc. waren Männer meiner Dienststelle, - täglich habe ich sie in meiner Doppelstellung gesehen.

  1. SS-Führungshauptmann D, Gesundheitsdienst und
  2. Reichsarzt-SS und Polizei, Berlin

Ich bin in der Lage, die Namen und Verbrechen der in Wirklichkeit Verantwortlichen für diese Dinge zu nennen und ich bin bereit, das Material für diese Anklage dem Welt-Tribunal zu übergeben. Ich selbst, intimer Freund des Pastors Martin Niemöller und seiner Familie (jetzt in Leoni/Starnberger See, Bayern), war nach zwei Gefängnissen und Konzentrationslagern Agent der "Bekennenden Kirche", SS-Obersturmführer und Abteilungsleiter im SS-Führungshauptamt und des Reichsarztes-SS und Polizei, eine gefährliche Stellung! Die Dinge, die ich gesehen habe, hat niemand gesehen. Im August 1942 habe ich meine Berichte für die Schwedische Gesandtschaft in Berlin gemacht. Ich bin bereit und in der Lage, alle meine Beobachtungen Ihrem Geheimdienst zu sagen.

Der Sekretär der schwedischen Gesandtschaft Berlin, jetzt in Stockholm, Baron von Otter, ist bereit. Zeuge meiner Darstellung von 1942 für alle diese "coneltys" zu sein (ein Wort, das es im Englischen nicht gibt; wenn Gerstein diese Notiz selber geschrieben haben sollte, so könnte er "Kenntnisse" gemeint haben (franz. connaissance); jedenfalls sieht man aus der ganzen Notiz, daß sie aus dürftigen englischen Sprachkenntnissen zusammengestammelt worden ist - d.Ü.)

- Ich schlage vor, diese Informationen von mir zu erfragen. Referenz : Mrs. Niemöller

(Pastor Martin Niemöllers Frau
Leoni/Starnbergersee/München/Bayern)
(gez. :) Gerstein
Anm. Ihre Armee hat nicht gefunden :
Herrn Niemöller,
Herrn Stalin jr.,
Herrn Schuschnigg in Dachau

Sie sind deportiert worden, niemand weiß, wo sie sind. Bitte veröffentlichen Sie meinen Bericht nicht bevor Gewißheit darüber besteht, ob Niemöller befreit oder tot ist.

Gerstein"


Das übrige des Dokumentes 1553-PS bildet eine Sammlung von Zyklon-B-Rechnungen.

Im ganzen "Gerstein-Bericht" habe ich geringfügige Korrekturen vorgenommen, außer im letzten Teil, die Notiz in "Englisch", die im Original wiedergegeben ist. Dies geschah aus klar erkennbaren Gründen : Der Bericht ist deutlich von einer Person verfaßt worden, die einige französische Sprachkenntnisse besaß. "Herr Stalin jr." ist zweifellos ein Hinweis auf Stalins Sohn, der Kriegsgefangener in Deutschland war. Schuschnigg war der österreichische Kanzler zur Zeit des Anschlusses an Deutschland. Er und Niemöller sind für einige Zeit in Dachau inhaftiert gewesen. Rassinier bietet eine interessante Erörterung des Falles Niemöller.[6]


Literatur

Siehe auch

Fußnoten

  1. 96-book.png PDF Henri Roques: Die „Geständnisse“ des Kurt Gerstein – Zur Problematik eines Schlüsseldokuments, Druffel-Verlag 1986, S. 34 f., ISBN 3 8061 1048 4
  2. Rassinier (1965), 116-129
  3. Hilberg, 622; Reitlinger, 171; Poliakov & Wulf (1955), 114
  4. Hilberg, 711
  5. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, April 1953, 178-182; Mosse, 245; N. Y. Times, 1. Febr. 1967, 39
  6. Rassinier (1965), 43-48
Meine Werkzeuge