Henkel, Hans-Olaf

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Hans-Olaf Henkel

Hans-Olaf Henkel (Lebensrune.png 14. März 1940 in Hamburg) ist ein deutscher Industriemanager im Ruhestand, Politiker sowie Mitglied des EU-Parlaments. Er war bis September 2018 Mitglied der AfD-Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), die sich später in Liberal-Konservativen Reformer (LKR) umbenannte.[1][2]

Seit der EU-Wahl 2014 gehört er dem EU-Parlament an und ist dort einer der drei stellvertretenden Vorsitzenden des Industrieausschusses.[3] Nach der Wahl Frauke Petrys zur AfD-Bundesvorsitzenden am 4. Juli 2015 kündigte Henkel – der in der AfD dem liberalen Flügel zugerechnet wurde – seinen Rückzug aus der Partei an.[4]

Werdegang und Leben

Herkunft

Hans-Olaf Henkel wurde am 14. März 1940 in Hamburg geboren. Sein Vater hatte eine Generalvertretung mehrerer Papierfabriken. Als er aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrte, übernahm seine Frau Wilhelmine die Leitung des Büros und hatte deshalb nur wenig Zeit für Hans-Olaf Henkel, seinen Bruder Joachim und seine Schwester Karin. Zeitweilig lebte Henkel auch bei seinen Großeltern in Poppenbüttel.[5]

Ausbildung

Henkel besuchte acht verschiedene Schulen und war in drei Heimen. Nach der Mittleren Reife und einer Lehre als Speditionskaufmann bei Kühne & Nagel kam er über den zweiten Bildungsweg an die Gewerkschaftsschule Hamburger Akademie für Gemeinwirtschaft, der späteren Hochschule für Wirtschaft und Politik. Dort studierte er Volks- und Betriebswirtschaft und Soziologie bei Ralf Dahrendorf, belegte aber auch rechtswissenschaftliche Vorlesungen.[6]

Berufliche Laufbahn

Seine Berufslaufbahn begann Hans-Olaf Henkel 1962 als Mitarbeiter bei IBM Deutschland, einem damals noch relativ kleinen Ableger des weltweit führenden Computerherstellers International Business Machines Corp. (IBM). Nach einem zweijährigen Trainee-Programm war Henkel dort zunächst im Produktionsbereich, später im Vertrieb und Personalbereich tätig. Er hatte verschiedene Vertriebspositionen im asiatisch-pazifischen Raum inne (1966–1969) und arbeitete danach bis 1973 im Münchner Manufacturing Industry Center für internationale Kunden aus der Fertigungsindustrie. Bei der IBM Europa in Paris war er anschließend u. a. für die Einführung der neuen Telefonvermittlungsanlagen verantwortlich. Von 1975 an amtierte Hans-Olaf Henkel als Director of Operations für den Raum Afrika und Mittlerer Osten. Später war er in gleicher Funktion zuständig für die Länder Belgien, Niederlande, Spanien und Schweiz. Als Direktor in der IBM-Zentrale in Armonk, Neu York, erwarb er ab 1978 Erfahrungen im Personalbereich der IBM. 1980 kehrte er nach Paris zurück und wurde General Manager für die Region der IBM EMEA (IBM World Trade Europe/Middle East/Africa Corp.). 1982 übernahm er als Vizepräsident der IBM Europa die Verantwortung für einige Landesgesellschaften der IBM Europa.

1985 kehrte Hans-Olaf Henkel als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung mit erheblichen Kompetenzen zur IBM Deutschland zurück. Zum 1. Januar 1987 übernahm er die Geschäftsführung der IBM Deutschland nach einem relativ schwierigen und unbefriedigenden Geschäftsjahr 1986, in dem der Umsatz der größten IBM-Auslandstochter um 9 %, der Gewinn sogar um über 39 % geschrumpft war. Henkel verordnete dem erfolgsverwöhnten Unternehmen eine „Besinnung auf alte Tugenden“ und leitete „strukturelle Anpassungen“ ein mit einer deutlichen Gewichtsverlagerung von der Rechner-Hardware zur -Software, von der Produktion und Verwaltung zum Vertrieb und zu Kundendienstleistungen. Dazu kam noch eine Erneuerung der Produktpalette und eine Erweiterung des Softwareangebotes. Im Juli 1989 begann das IBM-Werk Böblingen-Hulb als erste Halbleiterfabrik in Europa mit der Serienfertigung des 4-Megabit-Speicherchips und kam damit der japanischen Konkurrenz um einige Monate zuvor. Mit Einführung der Sonntagsarbeit – gegen den Widerstand der Gewerkschaften – hatte Henkel die nötigen Voraussetzungen geschaffen.[6]

Im Juni 1989 wurde Henkel als erster deutscher IBM-Landeschef Vice President der IBM Corporation und rückte damit in die obere Führungsmannschaft der Muttergesellschaft auf. Anfang 1991 wurde ihm auch die Verantwortung für die Vertriebsorganisation der IBM für die meisten osteuropäischen Länder übertragen.

Industrie-Lobbyismus und politische Standpunkte

Im Juni 2011 sah Henkel die EU durch die Euro-Krise ernsthaft gefährdet: „Es wird Zeit, daß sich die Politik mit der wahren Ursache der Misere befaßt: dem sturen Festhalten am Einheitseuro für unterschiedliche Wirtschaftskulturen.“[7]

Henkel sprach sich im September 2011 für eine „Anti-Euro-Partei“ aus: „Viele sind es satt, den Euro mit Europa gleichgesetzt zu sehen, und merken, daß er uns in der jetzigen Form immer mehr schadet.“ Mit Blick auf die immer höhere Verschuldung, die die Europäische Währungsunion mit sich bringe, warnte Henkel zugleich vor den enormen Risiken des Euro. „Der Marsch der deutschen Lemminge in die Transferunion scheint unaufhaltsam“, sagte Henkel in einem Interview mit der Welt am Sonntag.[8]

Alternative für Deutschland

Henkel unterstützt die 2013 neu gegründete konservativ-liberale Partei Alternative für Deutschland und wurde im Januar 2014 auch Mitglied[9] und kandidierte für die EU-Wahl 2014 auf Listenplatz zwei der AfD.[10] Schließlich wurde Henkel Mitglied des EU-Parlaments und einer der drei stellvertretender Vorsitzenden des Industrieausschusses.[3]

Nach einer Volksabstimmung in der Schweiz im Februar 2014, die zugunsten einer Begrenzung des Zuzugs Fremder ausging, ließ Henkel wissen, er selbst hätte bei einer vergleichbaren Abstimmung in der BRD gegen eine Begrenzung des Hereinströmens von Ausländern gestimmt.

Am 23. April 2015 trat Henkel vom Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD mit der Begründung zurück, „Rechtsideologen“ würden versuchen, die Partei zu übernehmen. Anderen Führungspersonen der AfD bescheinigte er „charakterliche Defizite"[11]. Bereits Ende März 2015 hatte Henkel dem sogenannten nationalkonservativen Flügel der Partei vorgeworfen, mit völkischem Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit zu hantieren, als dieser, angeführt von Björn Höcke und André Poggenburg, die „Erfurter Resolution“ initiierte.[12]

Im Richtungsstreit der AfD, der sich Mitte Mai 2015 zuspitzte, forderte Henkel, die Partei von diesen Elementen zu säubern, womit er sich auf Björn Höcke, Frauke Petry und Alexander Gauland bezog, die dem sogenannten nationalkonservativen Flügel der Partei zugezählt werden.[13]

Allianz für Fortschritt und Aufbruch‎ (ALFA)

Henkel zählte innerhalb der AfD zum sogenannten liberalen Parteiflügel. Er gründete mit AfD-Bundesprecher Bernd Lucke (MdEP), Ulrike Trebesius (MdEP) und Bernd Kölmel (MdEP) den Verein „Weckruf 2015“, der Ausgangspunkt für die neugegründete Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch‎ (ALFA) wurde.[14][1] Im Dezember 2015 kündigte Henkel an, sich an der politischen Bekämpfung der AfD zu beteiligen, nachdem er sich in den Monaten seit seinem Austritt aus der Partei den Medien immer wieder als „Kronzeuge“ gegen die angebliche Rechtslastigkeit der AfD zur Verfügung gestellt hatte.[15]

Sonstiges

Henkel schreibt gelegentlich Gastkommentare für die „konservative“ Wochenzeitung Junge Freiheit und stellt sich der Zeitung als Werbeträger zur Verfügung. Des weiteren schrieb er jahrelang eine Kolumne über Jazz für das libertäre Magazin eigentümlich frei (ef), die seit Anfang 2015 nicht mehr erscheint. Über das Ende von Henkels Kolumne wurden seitens der Herausgeber des Magazins keine Angaben gemacht. Die Gründe für das Ende der Zusammenarbeit könnten stark auseinandergehende politische Positionen sein. Henkel hatte in der Vergangenheit mehrfach Anti-Amerikanismus in der AfD beklagt und ist selbst als Verteidiger der Westlichen Wertegemeinschaft bekannt, während ef eine pro-russische Haltung in der Ukraine-Krise einnimmt und Putins bedächtiges Vorgehen gegen Homosexualisierungsbestrebungen in Rußland verteidigt.

Familie

Hans-Olaf Henkel ist in zweiter Ehe mit Bettina Hannover verheiratet. Er hat zwei Töchter und zwei Söhne. Henkel wohnt seit 1999 in Berlin. Er besitzt eine Segeljacht und ein Ferienhaus in Frankreich.

Zitate

von Henkel

  • „Die Gnadenlosigkeit, mit der man früher uneheliche Mütter oder Juden wegen „Rassenschande“ verfolgte, hängt wohl auch damit zusammen, dass sich gegen jene, die man der Schande bezichtigte, mit Vernunftgründen eigentlich gar nichts vorbringen ließ.“[16]

über Henkel

  • „ Hans-Olaf Henkel ist der AfD nicht beigetreten, weil unser Volk eine andere Politik verdient hat, sondern weil er – und nicht nur er – einen politischen Ersatz für die pulverisierte FDP sucht. Wie zu hören ist, bewerben sich auf die Referentenstellen der drei AfD-Landtagsfraktionen eine Menge Leute, die zuvor ihr Brot unter der liberalen Fahne verdient haben und nun einfach ein paar Büros weiter ihren Tisch aufstellen möchten. Das wird ganz im Sinne Henkels sein, der als Gesicht des großangelegten Liberalisierungsversuchs der AfD gelten darf. [...] Henkel ist zynisch wie jeder Liberale: Er redet gut von den Vielen, wenn er sie als Kunden und Käufer ansprechen möchte, schlecht, wenn er in ihnen so etwas wie eine störende, noch nicht geschmierte und eingekaufte Gewerkschaft sieht – und ganz schlecht, wenn er sie für nicht käuflich hält.“Götz Kubitschek[17]
  • „Gut ein Jahr nach dem Parteitag [der AfD] in Aschaffenburg: Aus dem Zeugen der Verteidigung ist längst ein Zeuge der Anklage, wenn nicht der Ankläger selbst geworden. Keine Gelegenheit lässt Henkel aus, um in Antifa-Manier den innerparteilichen Gegnern Aussagen unterzuschieben.“[18]

BRD-Referenzen und Auszeichnungen

  • 1991 Zuerkennung der „Karmarsch-Denkmünze“ der TU Hannover
  • 1992 Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden
  • 1992 Ökomanager des Jahres der Zeitschrift Capital und des Worldwide Fund for Nature (WWF)
  • 1992 Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft der Zeitschrift Wirtschaftswoche
  • 1995 Preisträger des vom Naturschutzbund Deutschland verliehenen Negativpreises „Dinosaurier des Jahres“
  • 1998 Auszeichnung mit dem „Kreuz des Südens“ durch den Präsidenten Brasiliens
  • 1999 Auszeichnung mit dem „Orden des Heiligen Schatzes“ durch den Kaiser von Japan
  • 2000 Aufnahme in die Französische Ehrenlegion als „Commandeur“
  • 2001 Cicero-Rednerpreis („Bester Redner Wirtschaft“)
  • 2002 lehnte Henkel die Annahme des ihm verliehenen Bundesverdienstkreuzes aus Gründen hanseatischer Tradition ab [19]
  • 2003 Internationaler Buchpreis Corine für das Buch „Die Ethik des Erfolgs“
  • 2003 Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik
  • 2006 Deutscher Mittelstandspreis des „markt intern“-Verlages u. a. wegen seines Eintretens gegen die Zwangsmitgliedschaft mittelständischer Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern
  • 2007 Auszeichnung mit der Hayek-Medaille

Mitgliedschaften/Ämter

  • Vorstandsmitglied im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (seit 1989)
  • Mitglied im Außenwirtschaftsbeirat des Bundesministers für Wirtschaft
  • Senator der Max-Planck-Gesellschaft (ab 1990) und der Helmholtz-Gemeinschaft
  • Mitglied bei Amnesty International
  • Präsident des BDI (1995-2000), BDI-Vizepräsident (ab 2001)
  • Präsident der Leibniz-Gemeinschaft (2001–2005)

Aufsichtsratsmitglied u. a. bei Bayer AG, Continental AG, DaimlerChrysler Luft- und Raumfahrt Holding AG, SMS AG, Ringier AG, Zürich, Orange SA, Paris, Brambles, Sydney

Publikationen

  • Jetzt oder nie, Siedler 2001, ISBN 3886806650
  • gem. mit Thomas Brand, Gerdum Enders: Forschung erfolgreich vermarkten, Springer Verlag 2002, ISBN 354044078X
  • Die Macht der Freiheit, Econ Taschenbuch 2002, ISBN 354875077X
  • Die Ethik des Erfolgs, Ullstein Taschenbuch 2004, ISBN 3-430-15515-0
  • Die Kraft des Neubeginns, Droemer/Knaur-Verlag 2004, ISBN 3426273497
  • Kampf um die Mitte. Mein Bekenntnis zum Bürgertum, Droemer-Verlag September 2007, ISBN 342627423X
  • Rettet unser Geld. Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet, Heyne Verlag 2010, ISBN 3453182847
Filmdokumentationen
  • Hans-Olaf Henkel – Weltbürger und Grenzgänger. Deutsche TV-Dokumentation von Evelyn Schels, Bayerischer Rundfunk (BR) 2003, 43 Minuten

Fall Sarrazin: Interview mit Hans-Olaf Henkel

Verweise

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 AfD-Abtrünnige gründen neue Partei ALFA, Handelsblatt vom 19. Juli 2015
  2. LKR-Europaabgeordnete treten wegen Lucke aus Partei aus, Junge Freiheit, 25. September 2018
  3. 3,0 3,1 National-Zeitung, 18. Juli 2014, S. 4
  4. AfD: Weckruf-Anhänger attackieren neuen Bundesvorstand, Junge Freiheit (jungefreiheit.de vom 6. Juli 2015)
  5. Internationales Biographisches Archiv, 04/2005
  6. 6,0 6,1 Munzinger-Archiv GmbH, 2005
  7. ZDF, 12. Juni 2011
  8. WamS: 4. September 2011
  9. Frankfurter Rundschau, 8. Januar 2014
  10. eigentümlich frei, Nr. 140, S. 29
  11. AfD-Vizechef Henkel tritt zurück, FAZ (faz.net 23. April 2015)
  12. Streit in AfD: Henkel warnt vor „völkischem Gedankengut“, Junge Freiheit, 17. März 2015
  13. Henkel zur AfD-Führung: „Wir müssen die Partei von diesen Elementen säubern“, SPIEGEL-Online
  14. AfD-Chef Lucke bereitet Absprung vor, Junge Freiheit (jungefreiheit.de vom 18. Mai 2015)
  15. Henkel will AfD bekämpfen, Junge Freiheit, 16. Dezember 2015
  16. Henkel über seine Facebook-Seite, veröffentlicht auf PI-News: Hans-Olaf Henkel: „Weiter so, Herr Schäuble!“
  17. Götz Kubitschek: Hans-Olaf Henkels AfD, Sezession im Netz, 4. November 2014
  18. Hans-Olaf Antifa, Blu-News, blu-news.org vom 11. Mai 2015
  19. → Hanseaten und Auszeichnungen