Steinhoff, Hans

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Hans Steinhoff
Emil Jannings und der Spielleiter Hans Steinhoff bei den Aufnahmen zum „Ohm-Krüger“-Film der Tobis – ein Schnappschuß aus dem Atelier
Hans Steinhoffs Grab
Steinreich OT Glienig, Gemeindefriedhof
Inschrift des Grabsteins
Absturzstelle des Flugzeugs
Gedenkstein

Hans Steinhoff (Lebensrune.png 10. März 1882 in Marienberg, Sachsen; Todesrune.png 20. April 1945 in Glienig, Brandenburg) war ein deutscher Filmregisseur. Seine Spielleitung zeichnete sich durch äußerste Sorgfalt und Detailgenauigkeit aus. Der Regisseur galt als einer der prominentesten Regisseure seiner Zeit; er war überzeugter Nationalsozialist.

Leben

Jugendjahre

Hans Steinhoff wurde am 10. März 1882 in Marienberg (Sachsen) als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er besuchte in München das Gymnasium und studierte ein Semester Medizin in Leipzig. Anschließend war er als Schauspieler und Sänger in München und an mehreren Privatbühnen tätig. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Oberregisseur am Metropol-Theater in Berlin, ab 1914 an Varieté-Theatern in Wien.

Weimarer Republik

Er sammelte offenbar Erfahrungen als Filmdramaturg, ehe er 1921 bei der Adaption von Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ erstmals selbst Regie führte. Seinen zweiten Film, das Historienspektakel „Der falsche Dimitry“, drehte er in Berlin. Angeblich wegen Zensurschwierigkeiten bei der Zulassung seines Henny-Porten-Films „Inge Larsen“ zog er sich 1923 für kurze Zeit von der Filmregie zurück und konzentrierte sich auf das Schreiben von Drehbüchern („Die Fledermaus“; „Der Mann im Sattel“).

Ab 1924, mit 15 weiteren Inszenierungen, erwies er sich als Routinier für Unterhaltungsfilme der gängigen Genres: Komödie („Schwiegersöhne“; „Familientag im Hause Prellstein“; „Das Spreewaldmädel“), Kriminalfilm („Die Tragödie eines Verlorenen“; „Nachtgestalten“), Melodram („Mensch gegen Mensch“; „Der Herr des Todes“; „Die Sandgräfin“), Operette („Gräfin Mariza“), Zirkusfilm („Ein Mädel und drei Clowns“), Liebesdrama („Ballettmädels“), Literaturadaption („Angst“ nach Stefan Zweig).

Die Verfilmungen populärer Fortsetzungsromane wie „Der Mann, der sich verkauft“ (nach Hans Schulzes Serie in der Berliner Morgenpost) oder „Das Frauenhaus von Rio“ (nach einem komödiantischen Mädchenhändler-Reißer des „Mabuse“-Erfinders Norbert Jacques in der Wiener Allgemeinen Zeitung) belegen die kommerzielle Ausrichtung seiner Arbeiten. Die Kritik lobte seine handwerkliche Sorgfalt und detailgenaue Inszenierung, bemängelte seinen Hang zu epischer Breite.

Mit zwei frühen kurzen Tonfilm-Experimenten, „Gestörtes Ständchen“ und „Maienandacht“, empfahl sich der theatererfahrene Steinhoff schon 1929 als Tonfilmregisseur. Auf seine national-konservative Position verweisen insbesondere drei Dramen-Adaptionen: In dem im preußischen Offiziersmilieu spielenden „Rosenmontag“ führt ein gebrochenes Ehrenwort zum Doppelsuizid; in „Die Insel“ scheidet ein Diplomat freiwillig aus dem Leben, um das Ansehen seines Landes zu schützen; in „Ein Volksfeind“ wird Ibsens Verachtung für die „kompakte Mehrheit“ als Angriff auf den Parlamentarismus der Weimarer Republik instrumentalisiert. Künstlerisch zeichnet sich eine eigene, für den Regisseur charakteristische Handschrift oder eine Vorliebe für ein bestimmtes Genre weiterhin nicht ab.

Drittes Reich

Steinhoffs Aufstieg zum „Starregisseur“ begann mit der Machtübernahme der NSDAP, der er sich ideologisch bereits vor 1933 eng verbunden gefühlt hatte. Im Mai 1933 wurde er als Regisseur der UFA-Herstellungsgruppe Karl Ritter für die Verfilmung von Karl Aloys Schenzingers Roman „Hitlerjunge Quex“ zugeteilt. Steinhoff wurde mit dem goldenen Ehrenzeichen der HJ ausgezeichnet und wurde Hauptreferent der Reichsjugendführung für Film. In dieser Funktion war er bis 1938 an der Herstellung zahlloser Schmalfilme in der parteipolitischen Jugendarbeit beteiligt.

Von den drei 1933 produzierten Spielfilmen über die „Kampfzeit“ der NSDAP ist „Hitlerjunge Quex“ der einzige, der die uneingeschränkte Zustimmung der politischen Führung fand; in der Folge erhielt Steinhoff die Möglichkeit, mit den technischen und künstlerischen Spitzenkräften der deutschen Filmindustrie zusammenzuarbeiten und Filme zu drehen, die zu den teuersten des Dritten Reiches gehörten.

Sein Ende

Shiva und die Galgenblume“, nach einem Kriminalroman von Rudolf Berndorff, Steinhoffs einziger Farbfilm, wurde wegen des Einmarschs der Roten Armee in Prag nicht fertiggestellt.

Er ging nach Berlin, und von dort wollte er am 20. April mit der letzten Lufthansa-Maschine, die aus dem bereits umzingelten Berlin nach Spanien flog, fliehen. Aber das Flugzeug stürzte nach Beschuß nahe Glienig (Brandenburg) ab. Er wurde auf dem Friedhof Glienig (zusammen mit den anderen Opfern des Absturzes) beigesetzt.

Filmographie

Regie
Drehbuch
  • 1921: Kleider machen Leute
  • 1922: Der falsche Dimitry
  • 1923: Die Fledermaus
  • 1923: Inge Larsen
  • 1925: Der Mann, der sich verkauft
  • 1925: Der Mann im Sattel
  • 1926: Frau Sopherl vom Naschmarkt
  • 1926: Schwiegersöhne
  • 1929: Nachtgestalten. Nur ein Gassenmädel
  • 1930: Fundvogel
  • 1937: Ein Volksfeind
  • 1938: Eine Frau kommt in die Tropen
  • 1938: Tanz auf dem Vulkan
  • 1940: Die Geierwally
  • 1942: Rembrandt
  • 1943: Gabriele Dambrone
  • 1944: Melusine
  • 1945: Shiva und die Galgenblume
Herstellungsleitung
  • 1944: Melusine
  • 1945: Shiva und die Galgenblume