Giese, Harry

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Harry Giese (1903–1991)
Harry Giese als Sprecher der Deutschen Wochenschau, 1941

Harry Giese (Lebensrune.png 2. März 1903 in Magdeburg; Todesrune.png 20. Januar 1991 in Berlin) war Sprecher der Deutschen Wochenschauen und Schauspieler.

Leben

Harry Gieses Vater war der Ingenieur Otto Giese, seine Mutter Margarete Giese, geb. Jaenecke. Nach Abschluß des Real-Gymnasiums begann Harry Giese eine Ausbildung als Schauspieler. Harry Giese begann mit 18 Jahren seine Laufbahn als Theaterschauspieler. Über die Stationen Magdeburg (1923–1925), Aachen (1926–1928) und Hamburg (1928–1933) kam er in den 1930er Jahren nach Berlin. Hier spielte er am Theater am Nollendorfplatz und am Komödienhaus.

Giese wirkte an den ersten, noch sorgfältig ausgearbeiteten Synchronisationen dieser Jahre mit. Er arbeitete u. a. für die Deutsche Fox Film, die Tobis Melo Film, MGM, Paramount oder für Lüdtke, Rohnstein & Co. Er war die deutsche Stimme von John Boles, Franchot Tone, Robert Montgomery, Douglas Fairbanks jr. und John Loder. Bei der Tobis-Wochenschau begründete er in dieser Zeit seine Karriere als Sprecher von Nachrichten- und Kulturfilmen.

Nach Kriegsbeginn wurden die Wochenschauen im Deutschen Reich 1940 zur Deutschen Wochenschau zusammengefaßt. Harry Giese wurde die Stimme der Wochenschau und avancierte dabei zum „Großdeutschen Sprecher“. Daneben lieh Giese seine Stimme auch Kulturfilmen wie „LAH im Einsatz“ (1941) und dem Film „Der ewige Jude“ (1940).

1943 erkrankte Harry Giese an Gelbsucht; er wurde vorübergehend von seinem Kollegen Walter Tappe vertreten. Anfang 1944 – Giese war noch nicht vollständig genesen – übernahm er wieder seine Sprechertätigkeit für die Deutsche Wochenschau. Die Deutsche Wochenschau wurde mit der Nr. 755 im März 1945 eingestellt.

Giese wurde nach dem Krieg nicht mit einem Berufsverbot belegt. Die alliierten Besatzungsmächte stuften ihn bei der „Entnazifizierung“ als Mitläufer ein, da er kein NSDAP-Mitglied war. Ende 1947 arbeitete er wieder als Synchronsprecher in West-Berlin. Bis in die 1950er Jahren war Giese zunächst noch häufiger in Synchronisationen zu hören. In „Die Wendeltreppe“, 1948 synchronisiert, sprach er George Brent, und in „Top Hat – Ich tanz mich in Dein Herz hinein“, 1950 synchronisiert, sprach er Fred Astaire.

Erfolglos bemühte sich Harry Giese, Sprecher der 1950 gestarteten Neuen Deutschen Wochenschau zu werden. Seine Stimme war zu diesem Zeitpunkt noch zu bekannt. Da er für sein Rollenfach des jugendlichen Liebhabers mittlerweile zu alt war, konnte er seine Bühnentätigkeit nicht fortsetzen. Er wirkte noch an einigen Werbefilmen und Dokumentationen mit, wie zum Beispiel „Der goldene Garten“ (von Hans Domnick, 1953) und „Wir sahen mit unseren Augen: Rußland heute“ (von Gerd Nickstadt, 1957). In Alfred Weidenmanns Drama „Canaris“ von 1955 war Giese dann noch einmal als Sprecher der Wochenschau zu hören.

Als die Sprechereinsätze Gieses in den letzten Lebensjahren weniger wurden, geriet er in wirtschaftliche Abhängigkeit zu seiner Ehefrau, die als Oberstudienrätin für das Einkommen der Familie sorgte. Er erwarb in den 1960er Jahren ein Grundstück in Nordtirol, erhielt aber keine Baugenehmigung. Giese zog sich daraufhin immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und verfiel in Depressionen.

Der passionierte Orchideenliebhaber Harry Giese war von 1950 bis 1962 Gruppenleiter einer Orchideengesellschaft in West-Berlin. Er starb Anfang 1991 in seinem Haus in Berlin-Zehlendorf.

Filmographie

Kulturfilme
  • 1940: Der ewige Jude
  • 1940–45: Deutsche Wochenschau
  • 1941: LAH im Einsatz
  • 1941: Sieg im Westen; Einleitung
  • 1948: Malaria ; Teil 1/2
  • 1948: Feind und Freund – Ein Film vom Schimmelpilz
  • 1949: Penizillin
  • 1949: Die Pathogenese der Tuberkulose; Teil 1–3: Ein Fortbildungsfilm für Ärzte
  • 1949: Das Marcus Gunn’sche Phänomen
  • 1949: Congenitalis vitium cordis
  • 1949: Beckenaplasie
  • 1950: Poliomyelitis anterior acuta; Teil 2 und 3
  • 1950: Gefahr im Sommer
  • 1952: Rectum-Carzinom – Einseitiges abdominosacrales Amputationsverfahren
Spielfilme
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