Liedtke, Harry

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Harry Liedtke (1882–1945)
Harry Liedtkes Grab
Friedhof Bad Saarow-Pieskow (Brandenburg)
Inschrift des Grabsteins

Harry Liedtke (Lebensrune.png 12. Oktober 1882 in Königsberg; Todesrune.png 28. April 1945 in Bad Saarow-Pieskow) war ein deutscher Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie

Sein Vater war Großkaufmann und hatte als Reserveoffizier zwei Kriege mitgemacht. Von dem Feldzug 1870/71 brachte er das Eiserne Kreuz mit, jedoch auch ein schweres Herzleiden, an dem er mit 55 Jahren starb.

In der Familie gab es fast nur Kaufleute, Landwirte und Offiziere. Es waren also ernste, würdige Menschen mit strengen Erziehungsmaximen, die Harry Liedtke unbedingt für einen der oben erwähnten Berufe vorbereiten sollten.

Harry hatte sieben Schwestern und einen Bruder, der im Weltkrieg als Leutnant vor Tannenberg fiel. Die Erziehung der Kinder war geradezu spartanisch zu nennen. Bescheidenheit, Gehorsam und vor allem Höflichkeit gegen jedermann, natürlich auch gegen Dienstboten, war oberstes Gesetz. Die erste Frage der Mutter, wenn die Kinder von einer Gesellschaft — zu der sie außer dem Verwandtenkreise nur ganz selten und nur auf schriftliche Einladung gehen durften – kamen, war: „Habt ihr den verheirateten Damen die Hand geküßt?!“ – Wehe, wenn das nicht geschehen war!

Jugend

Die Jugend der Kinder spielte sich in dem eigenen Hause des Vaters, in der Neuen Dammgasse 27, jedoch vor allem in dem dazugehörigen, sehr großen Garten ab. Der Garten hat in Harry wohl für das ganze Leben die Sehnsucht und Liebe für die Natur geweckt.

Harry war der Fünftgeborene, aber auch der Lebhafteste der Geschwister, und er verstand es schon in frühester Kindheit, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Er war ein schönes, aufgewecktes Kind, das von unzähligen Tanten und Onkeln sehr geliebt wurde. Und schon frühzeitig entbrannte ein heißer Streit, als die Berufsfrage für den hoffnungsvollen Harry aufgeworfen wurde. Die Eltern waren natürlich dafür, ihn Kaufmann werden zu lassen, dagegen protestierte ein Onkel, ein alter Militär, der erklärte, daß Harry bereits heute den Marschallstab im Tornister trage und also unbedingt General werden müsse. Dieser Plan fand schärfsten Widerspruch bei der Tante Gutsbesitzerin, die da meinte, daß der Junge sich nur in der frischen, gesunden Luft zu einem herrlichen Menschen und einem vorzüglichen Landwirt entwickeln könne. Nachdem noch die verschiedenen Ärzte, Gelehrten und Vertreter anderer, hochehrenwerter Berufe den Jungen erregt für sich reklamiert hatten und man zu keiner Einigung kommen konnte, beschloß man, Harry selbst zu befragen, denn er war ja ein äußerst aufgewecktes Kind, das sicher schon damals wußte, was es wollte.

Harry blickte um sich. Er sah den Offizier, den Gelehrten, den Arzt, die Landwirtin, die Eltern, denen das Leben so wenig Licht und Sonne gegeben hatte. Er sah also um sich und wußte keine Antwort auf die Gewissensfrage. Vielleicht keimte in dem jungen Herzen schon ein Sehnen, das er aber nicht preisgeben wollte. So wußte er anfänglich keine Antwort und dann kam ihm der rettende Gedanke. Er erinnerte sich, vor einigen Tagen bei einer Kindervorstellung im Königsberger Theater gewesen zu sein, und so sagte er fröhlich und ohne viel Besinnen: „Ich will Schauspieler werden ...!“

Es war ein schweres Gewitter, das nun niederging. Der dröhnende Baß des Generals vermischte sich mit dem hellen Diskant der Landwirtin. Ein lähmendes Entsetzen malte sich auf aller Zügen. Woher hatte der Junge nur diese Idee?! Und er war doch so sorgfältig erzogen worden!!!

Harry war es durchaus nicht ernst gewesen! Er hatte in seiner Antwort den rettenden Ausweg gesehen. Vorher hatte er ja niemals daran gedacht, Schauspieler zu werden, wußte vielleicht nicht einmal genau, was das war. Jedenfalls wunderte er sich äußerst über die Wirkung, die seine unschuldige Antwort erzielte. Seine hellen Augen blickten verständnislos und in seinem Köpfchen war ein Gedanke geboren.

Es muß doch gar nicht so schlecht sein, Schauspieler zu sein, wenn die strenge Familie sich gar so sehr darüber entsetzte! Es ist früher gesagt, daß vielleicht ein Sehnen in dem Kinde aufgeblüht war. Ein Sehnen, das es noch nicht preisgeben wollte. Harry hatte schon seit frühester Kindheit eine große Liebe: die Musik war es, die geholfen hatte, die junge Seele zu entfalten und die bereits für den Knaben Harry tausend schillernde Wunder barg. Wie andere Knaben mit fieberheißen Wangen über einem Indianerbuch sitzen, so konnte er den Klängen eines Klaviers lauschen und er bat so lange, bis man ihm erlaubte, dieses Instrument spielen zu lernen.

Er kam in das Altstädtische Gymnasium in Königsberg und absolvierte dort in nächsten Jahren das Mittelschulstudium.

Der Reiz des Verbotenen ist übermächtig! Das Theater, das ihn früher nicht sonderlich interessiert hatte, wurde nun für ihn ein Quell des Entzückens. Natürlich hatte man ihm den Theaterbesuch strengstens untersagt und natürlich fand er Mittel und Wege, dieses Verbot zu umgehen. Je häufiger er nun in das Theater ging, um so stärker wurde das Verlangen, das einstmals nur eine kindliche Laune gewesen war, selbst auf den Brettern zu wirken und die wunderbaren Gestalten der Weltliteratur verkörpern zu dürfen. Doch er sprach niemals davon.

Die Jahre vergingen. Die Geschwister wurden erwachsen, heirateten und zogen von Königsberg fort. Es wurde einsam im Elternhaus.

Harry sehnte die Beendigung seiner Studien herbei und endlich war es auch so weit.

Noch einmal gab es eine hochnotpeinliche Familiensitzung, in der Harrys Berufsfrage aufgeworfen wurde, und diesmal war es keine Laune und auch kein Ausweg, als er mit eiserner Entschlossenheit seinen Entschluß, Schauspieler zu werden, bekannt gab. Die allgemeine Erregung war diesmal um nichts geringer. Harry war nun endgültig der verlorene Sohn und die Empörung der Familie war ungeheuer.

Harry verteidigte sich nicht allzu lange. Er wartete, bis die Wogen der Erregung sich geglättet hatten und ging schweigend auf sein Zimmer. Dann zog er einen Gehrock an und brannte nach Berlin durch – der Gehrock war unbezahlt.

künstlerische Laufbahn

In Berlin war Harry noch niemals gewesen. Doch er hatte dort eine verheiratete Schwester und zu dieser ging er nun. Natürlich waren Schwester uns Schwager über den Entschluß und über die abenteuerliche Flucht des jungen Mannes nicht sehr erbaut, doch da er nun einmal da war, beschlossen sie, ihm weiterzuhelfen. Es wurde bestimmt, daß Harry eine Schauspielschule in Berlin besuchen solle, aber vorerst seine Eignung zu dem Schauspielerberuf durch eine Prüfung erweisen müsse. Die Prüfung fiel ausgezeichnet aus, und Harry Liedtke wurde in die Schauspielschule aufgenommen. Er lernte mit Feuereifer. Natürlich wollte er die jugendlichen Helden der Weltliteratur spielen und studierte unermüdlich die klassischen Partien dieses Repertoires. Und er hatte Glück: nach verhältnismäßig kurzer Zeit bekam er ein Engagement in Göttingen. Natürlich war er überglücklich. Er hatte in den letzten Monaten in Berlin recht und schlecht gelebt, nur mit dem einem großen Ziel vor Augen, ein Engagement zu finden.

Liedtke ging mit glückerfülltem Herzen und den größten Hoffnungen nach Göttingen. Er durfte jugendliche Bonvivants spielen und hatte die Genugtuung, gleich in seinen Anfängen ausgezeichnete Kritiken zu bekommen.

In den ersten Monaten seines Göttinger Wirkens schrieb der bekannte Theaterkritiker und in letzter Zeit vielgenannte Gelehrte Theodor Lessing eine ungemein wohlwollende Kritik über den jungen Schauspieler. Nach Göttingen war er an einer Berliner Bühne tätig und seine Freude an dem Schauspielerberuf steigerte sich von Tag zu Tag.

Harry Liedtke hatte darüber seine Liebe zur Musik nicht vergessen. Das Klavier bildete sein Vergnügen in seinen freien, stillen Stunden und zu dieser Liebe war nun eine zweite gekommen.

Schon als 12jähriger Bub hatte er Verse geschrieben und jetzt begann er abermals die Schwingungen seiner Seele in Worte zu formen. Sein Gefühlsreichtum drückte sich immer mehr in reinen, zartempfundenen Versen aus. Er liebte seine kleinen Gedichte, denn er verdankte ihnen viele schöne Stunden seines Lebens.

Übersee

Die Arbeit in Berlin befriedigte ihn auf die Dauer nicht mehr. Eine gewisse Unrast war über ihn gekommen. Manchmal sehnte er sich weg, weit weg aus Berlin. Er wollte in die Welt zu neuem Erleben.

Da war es ihm wie ein Wink vom Himmel, als ihm von Seiten des Direktors des Neuyorker deutschen Theaters Baumfeld ein Engagementantrag gemacht wurde.

Kurz entschlossen sagte Harry Liedtke zu und trat im Herbst 1909 die Fahrt nach Amerika an.

Die ersten Eindrücke waren natürlich überwältigend, wie für jeden, der das erste Mal die ungeheure Steinwüste Neuyorks sieht. Auch die künstlerische Tätigkeit war Liedtke zusagend. Das deutsche Theater spielte damals im Kunstleben der Riesenstadt eine gewaltige Rolle und verfügte über ein ungeheures Publikum. Natürlich war das Theater materiell ausgezeichnet fundiert und Direktor Baumfeld konnte es sich erlauben, im größten Stile zu arbeiten. Liedtke spielte an dieser Bühne durchaus erste Rollen und erspielte sich alsbald eine ungemeine Beliebtheit.

Sein Wirken in Amerika brachte ihm schöne Erfolge, er gab sogar einen eigenen Vortragsabend, an dem er unter anderem auch eigene Gedichte zum Vortrag brachte.

Und wieder war es die Ungeduld und die Unrast des jungen Mannes, der sich heiß nach Erleben sehnte, die ihn bestimmte, Neuyork zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. Vielleicht war es auch Heimweh?! Kurz – Harry Liedtke fuhr abermals über das große Wasser und kehrte nach Berlin zurück, wo ihn Max Reinhardt für seine Bühnen verpflichtete. An diesen berühmten Bühnen spielte Liedtke Bonvivantrollen.

Hoftheater

Die damalige Elite der deutschen Schauspielwelt zählte zu seinen Kollegen. Dann kam ein verlockender Antrag, der ihn nach Mannheim an das dortige Hoftheater rief und er leistete Folge. Ein glänzender Vertrag, der auf fünf Jahre lautete, wurde dem Künstler unterbreitet und ihm die künstlerisch bedeutendsten Aufgaben in Aussicht gestellt.

1910 begann er seine Tätigkeit am Mannheimer Hoftheater.

Fünf Jahre also, doch es kam anders. Das Hoftheater in Mannheim unterstand zwar direkt der Hofverwaltung und hatte, wie alle die deutschen Hoftheater, einen Intendanten, der besonders in künstlerischen Fragen das letzte Wort zu sprechen hatte. Einen ganz besonderen Einfluß auf das Theater hatten jedoch auch die hochlöblichen Stadtväter der schönen Stadt Mannheim, und diesten Einfluß benutzten sie, um die Stellung Harry Liedtkes nach einem Jahre zu untergraben. Weiß Gott, was den ehrenwerten Herren an dem Künstler nicht zugesagt hatte – vielleicht seine Nase? Genaueres konnte selbst Liedtke niemals erfahren. Tatsache ist jedoch, daß jener Maulwurfkrieg gegen ihn geführt wurde, der wehrlos macht, da man die Waffen der Gegner und vielleicht diese selbst nicht zu Gesicht bekommt. Liedtke entschloß sich also, bereits nach einem Jahr Mannheim zu verlassen. Anfang 1914 kehrte er nach Berlin zurück, fest entschlossen, der Bühnenkarriere zu entsagen.

Nun, an diesem Entschluß hat er zwar nicht festgehalten, jedoch in den nächsten Jahren kein fixes Theaterengagement mehr angenommen und sich darauf beschränkt, ein paar Monate an diesem und an jenem Theater zu spielen.

Filmarbeiten

Knapp vor Kriegsausbruch kam dann der Film.

Im Jahre 1914 hatte der Film in Deutschland bereits seine Kinderkrankheiten überstanden und wenn die technischen Mittel, deren er sich damals bediente, wie auch die Kunst der Schauspieler von der heutigen Höhe noch sehr weit entfernt waren, so war man doch schon über die Zeit der 200-Meter-Filme und der wilden, unnatürlichen Gesten der Künstler hinaus. Allerdings fehlte damals noch der Regisseur von Format, der Regisseur, der es verstanden hätte, die richtigen Leute auf den richtigen Platz zu stellen. Der Starfilm begann damals in Deutschland, und zwar mit der unangenehmen Begleiterscheinung, daß der Film, seine Handlung und Inszenierung noch ziemlich nebensächlich behandelt wurden und man sich darauf beschränkte, einen Erfolg, den die Diven, wie Asta Nielsen oder Henny Porten, errungen hatten, in unzähligen Variationen abzuwandeln.

Ernst Lubitsch, der einer der ersten Reformatoren der deutschen Filmkunst werden sollte, war damals selbst noch ein kleiner Schauspieler, der in Grotesklustspielen auftrat. Liedtke, der natürlich eine richtige Einstellung zu der Filmkunst hatte, verpflichtete sich einer Privatfilmgesellschaft, die kleine Dramen und Lustspiele drehte. Als erste Rolle spielte er einen jungen Mann, der im Laufe der Filmjahre altert und schließlich von seinem eigenen Sohn ermordet wird. Der Film hieß „Die Rache ist mein“ und ist natürlich längst versunken und vergessen. In seinem nächsten Film – er hieß „Eine Nacht in der Stahlkammer“ – spielte er einen älteren Herrn. Damals war Gertrud Welcker seine Partnerin. Liedtke hat natürlich eine größere Anzahl derartiger Filme gespielt, ohne sich an die Titel oder den Inhalt derselben später noch erinnern zu können.

Neue Filmgesellschaft

Die zweite Periode seines Filmschaffens sieht ihn bereits – allerdings für kurze Zeit – in dem Rollenfach eines Bonvivant. Er verpflichtete sich der damals bedeutendsten Filmgesellschaft, der Firma Meßter, und filmte in Lustspielen, in denen Ossi Oswalda, die damals aus der Masse der Statistinnen von Ernst Lubitsch, der seinen Schauspielerberuf aufgegeben hatte und sich als Regisseur zu betätigen begann, entdeckt wurde, die weibliche Hauptrolle spielte. Der bekannteste Film der damaligen Periode hieß „Die Kleine vom Ballett“. Übrigens sollte das Künstlerpaar einige Zeit später mit dem von Lubitsch inszenierten Lustspiel „Die Austernprinzessin“ den ersten internationalen Erfolg erringen.

Nun kam eine bedeutungsvolle Epoche in Harry Liedtkes Filmschaffen: das Zusammenarbeiten mit Ernst Lubitsch und Pola Negri. Der bekannte deutsche Filmpionier Paul Davidson hatte gemeinsam mit Ernst Lubitsch eine Filmgesellschaft gegründet, die „Europäische Film-Allianz“ (Efa) hieß. Liedtke spielte in dieser Zeit durchwegs jugendliche Helden. Sein erster Film, den er mit Pola Negri zusammen spielte, hieß „Der gelbe Schein“ und ist auch deswegen interessant, weil Emil Jannings damals die ganz kleine Episode eines Negerdieners spielte.

Es ist klar, daß Ernst Lubitsch für das von ihm entdeckte heißblütige Talent Pola Negris entsprechende Rollen suchte und sein künstlerischer Spürsinn ließ ihn bald das Richtige finden. So kam es, daß die beiden Filme, die Ernst Lubitsch und Pola Negri berühmt und weltbekannt gemacht hatten, auch die ersten großen Erfolge des Filmkünstlers Harry Liedtke wurden: „Madame Dubarry“.

Harry Liedtke spielte den Don Jose in der Verfilmung der Merimèeschen Novelle. Jenen haltlosen jungen Grenzsoldaten, der Pflicht und Ehre vergißt in seiner Liebe zu der schönen Zigarettenarbeiterin Carmen.

Der Revolutionär in „Madame Dubarry“ war ebenfalls eine ausgesprochene Heldenrolle. Er verliebt sich in die schöne Madame Dubarry, die Maitresse des letzten französischen Königs. Es ist der gleiche Konflikt zwischen Liebe und Pflicht wie in „Carmen“. Die Liebe zu der schönen Frau siegt und der Revolutionär versucht sie aus dem Gefängnis und vor der Guillotine zu retten. Allerdings vergeblich.

Seine nächste große Rolle als Heldenspieler war der „Ramphis“ in dem letzten Großfilm, den Ernst Lubitsch in Deutschland inszenierte, „Das Weib des Pharao“. Dieser prunkvolle Ausstattungsfilm vereinte die größten deutschen Schauspieler. Jannings, Bassermann, Krauß, Wegener, Liedtke, Servaes spielten die Hauptrollen.

Der bekannteste Film, der dieser Periode folgte, war „Sumurun“, in dem Harry Liedtke den jungen Teppichhändler spielte. Natürlich hatte er noch in vielen anderen Filmen mitgewirkt, die jedoch heute zum Großteil vergessen sind.

Mit Lubitschs Abschied von Deutschland verließ auch Harry Liedtke sein bisheriges Rollenfach und es ist das Verdienst des deutschen Regisseurs Georg Jakoby, die große Eignung des Künstlers für das Fach des Lustspielbonvivants richtig erkannt zu haben. Er übertrug Harry Liedtke den „Peter Voß“ in dem Fortsetzungsfilm „Der Mann ohne Namen“, der sowohl für Jakoby wie auch für Harry Liedtke ein Riesenerfolg wurde.

Als „Der Mann ohne Namen“ jagt er in der ersten, sechsteiligen Verfilmung des Bestsellers „Peter Voß, der Millionendieb“ von Ewald Gerhard Seeliger um den Globus; er versprüht einen Bonvivant-Charme, der zum Markenzeichen wurde. Voll Übermut und Optimismus, verkörpert Liedtke, einer der ersten männlichen Stars des deutschen Films, vitales Draufgängertum, siegreiche Chuzpe.

Weltruhm

Liedtke spielte in diesem Film die Rolle des so ungemein sympathischen Mannes, der, um seinen Chef zu retten, einen Millionendiebstahl vortäuscht und sich über die ganze Welt verfolgen läßt, bis sein Chef so weit ist, den Konkurs seines Unternehmens zu verhindern. Das köstliche Widerspiel des „Verbrechers“ Peter Voß, der den Verfolgungen des etwas unbeholfenen, aber liebenswürdigen Detektivs Bobby Dodd (den Georg Alexander köstlich verkörperte) immer so geschickt zu entgehen versteht und dem armen Detektiv, der in Begleitung der Gattin des vermeintlichen Verbrechers (die Mady Christians spielte) unzählige Unannehmlichkeiten bereitet, löste in der ganzen Welt herzhaftes Lachen aus und machte Harry Liedtke, den Lustspielbonvivant, mit einem Schlage weltbekannt und weltbeliebt. Harry Liedtke war mit diesem Stummfilm einer der berühmtesten deutschen Filmstars geworden. Die Filmgesellschaften „rissen“ sich um den Künstler, der sich keiner Gesellschaft fest verpflichtete. Unter Joe Mays Regie spielte er den „Eisenstein“ in der „Fledermaus" mit Lya de Putti und der Eva May als Partnerinnen. Er spielte unter Murnaus Regie in dem Frank Hellerschen Film „Die Finanzen des Großherzogs", um nur die größten dieser Filme zu nennen.

Seither hat Harry Liedtke in zahlreichen Film gespielt, „Orient“, „Puppenkönigin“ (mit Maria Jakobini), „Ein Traum vom Glück“ (Agnes Esterhazy), „Die Barbarina“, „Der kleine Napoleon“, „Die Frau für 24 Stunden“ (Lotte Neumann), „Gräfin Mariza“ und schließlich „Die Förster-Christl“ mit Lya Mara als Partnerin.

Dieser Film wurde speziell in Wien der größte Erfolg Harry Liedtkes nach „Der Mann ohne Namen“. Er fand hier stärksten Beifall und Liedtke war wieder der unbestrittene Liebling des Wiener Filmpublikums. „Liebe und Trompetenblasen", „Der Schlafwagenkontrollor“ sind ebenfalls bedeutende Erfolge in dieser Stummfilmzeit.

Harry Liedtke hat in dieser Zeit eine große Anzahl von Filmen gedreht und war vielleicht der meistbeschäftigte deutsche Filmschauspieler. Die Filme „Eine anständige Frau“ (mit Liane Haid), „Die Wiskottens“, „Der Mann mit dem Splitter“ sowie der in Wien gedrehte Film „Der Feldherrnhügel“ waren im Herbst des Jahres 1926 schon zu sehen. Unter Zelniks Regie filmte Harry Liedtke in „An der schönen, blauen Donau“ und in „Der Veilchenfresser“ mit Lil Dagover als Partnerin.

Weitere Filme der zu der Zeit sind „Der Soldat der Marie“ (Xenia Desni) und „Madame wünscht keine Kinder“. Harry Liedtke hat ferner an den Film „Der Kreuzzug des Weibes“ mitgewirkt, in dem er zum ersten Mal mit Conrad Veidt zusammen spielt. Dann in einem Lustspiel „Das Mädel auf der Schaukel“ in dem abermals Ossi Oswalda, nach einer längeren Pause seine Partnerin ist.

In „Die Wiskottens“ und „Der Abenteurer“ spielt der Künstler keine ausgesprochenen Bonvivantrollen, sondern ausgezeichnet gesehene Charakterrollen.

Dort ist er der Chef einer großen Firma, dessen Spannkraft erlahmt und dessen Fröhlichkeit entschwindet, als er von seiner Frau und den geliebten Kindern verlassen wird, und in dem Film „Der Abenteurer“ ist er ein großer, berühmter Sänger, der vor der Welt verheimlichen muß, daß er bereits eine erwachsene Tochter besitzt. Beide Filme zeigen ganz hervorragende Leistungen des Künstlers Harry Liedtke.

Tonfilmzeit

Mit dem Tonfilm sank sein Stern; denn „Harry Liedtkes Stimme trübt das Rosenrot seines Lächelns“. Noch einmal durfte er als enttäuschter, misogyner Frauenheld in „Nie wieder Liebe“ die Weltmeere durchpflügen und sich von einer Nixe (Lilian Harvey) in Ketten legen lassen. Der soignierte Baron, den sich „Der Page vom Dalmasse-Hotel“ (Dolly Haas) mit weiblicher List angelt, leitet seinen Wechsel ins Fach der graumelierten Herrn und Väter ein.

Doch erst 1941, mit dem heiteren und abgeklärten Patriarchen in „Sophienlund“, der wegen eines verheimlichten Fehltritts die Katastrophe seiner familiären Idylle gegenwärtigen muß, konnte er als Partner Käte Haacks und deren Tochter Hannelore Schroth unter der Regie Heinz Rühmanns seine Wandlung auch in einer Hauptrolle unter Beweis stellen.

Seine letzte Rolle wurde die Hauptrolle des Professor Heink in „Das Konzert“ (1944) von Paul Verhoeven.

Familie

Liedtke war in erster Ehe mit Hanne Schutt verheiratet, aus dieser Ehe sind zwei Söhne entstanden. Von 1920 bis 1926 war er mit der Schauspielerin Käthe Dorsch verheiratet.

Tod

Gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau, der Reinhardt-Schauspielerin Christa Tordy (= Dr. phil. Annelise Uhlhorn), wurde Harry Liedtke am 28. April1945 von Angehörigen der Roten Armee bei der Besetzung seines Wohnortes Bad Saarow-Pieskow in ihrem gemeinsamen Haus mit Sektflaschen erschlagen. Im Oktober 1948 wurden sie exhumiert und in aller Stille auf dem Friedhof von Pieskow beigesetzt.

Filmographie

Darsteller
  • 1912: Zu spät
  • 1913: Harry Raupach
  • 1913: Schuldig
  • 1913: Eva
  • 1913: Der wankende Glaube
  • 1914: Über alles die Pflicht!
  • 1914: Eine Liebesgabe
  • 1914: Das Vaterland ruft
  • 1915: Der Krieg brachte Frieden
  • 1915: Von sieben die Häßlichste
  • 1915: Sein erstes Kind
  • 1915: Meyer und Meier oder Die Kunststopferin
  • 1915: Er soll dein Herr sein (oder: In der eigenen Schlinge gefangen)
  • 1915: Die Tat von damals
  • 1915: Die Söhne des Grafen Steinfels
  • 1915: Die Austernperle
  • 1916: Wie ich Detektiv wurde
  • 1916: Mausi
  • 1916: Liebe und List
  • 1916: Leutnant auf Befehl
  • 1916: Des Guten zuviel
  • 1916: Die einsame Frau
  • 1916: Die bleiche Renate
  • 1916: Die Verschollene
  • 1916: Der Amateur
  • 1916: Das rätselhafte Inserat
  • 1916: Das Bild der Ahnfrau
  • 1916: Börse und Adel
  • 1916: Arme Eva Maria
  • 1917: Die leere Wasserflasche
  • 1917: Rafaela
  • 1917: Prima vera
  • 1917: Lulu
  • 1917: Eine Nacht in der Stahlkammer
  • 1917: Ehre (1917)
  • 1917: Dornröschen
  • 1917: Die Hochzeit im Excentric-Club
  • 1917: Der Ring der Giuditta Foscari
  • 1917: Das fidele Gefängnis
  • 1917: Das Rätsel von Bangalor
  • 1918: Opfer
  • 1918: Die Augen der Mumie Mâ
  • 1918: Der gelbe Schein
  • 1918: Der Rodelkavalier
  • 1918: Der Flieger von Goerz
  • 1918: Das Mädel vom Ballet
  • 1918: Carmen
  • 1919: Irrungen
  • 1919: Das Karussell des Lebens
  • 1919: Vendetta
  • 1919: Tropenblut
  • 1919: Retter der Menschheit
  • 1919: Rebellenliebe
  • 1919: Moral und Sinnlichkeit. Keimendes Leben. III
  • 1919: Madame Dubarry
  • 1919: Kreuziget sie!
  • 1919: Komtesse Dolly
  • 1919: Im Schatten des Geldes
  • 1919: Die Tochter des Mehemed
  • 1919: Die Austernprinzessin
  • 1919: Der Tempelräuber
  • 1920: Indische Rache
  • 1920: Die Tänzerin Barberina
  • 1920: Das einsame Wrack
  • 1920: Sumurun
  • 1920: So ein Mädel
  • 1920: Mein Leben als Nachtredakteur
  • 1920: Der Schauspieler der Herzogin
  • 1920: Der Gefangene. Sklaven des XX. Jahrhunderts
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 1. Teil: Der Millionendieb
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 2. Teil: Der Kaiser der Sahara
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 3. Teil: Gelbe Bestien
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 4. Teil: Die goldene Flut
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 5. Teil: Der Mann mit den eisernen Nerven
  • 1921: Der Mann ohne Namen. 6. Teil: Der Sprung über den Schatten
  • 1921: Die Sünden der Mutter
  • 1921: Das Weib des Pharao
  • 1922: So sind die Männer
  • 1923: Die Fledermaus
  • 1923: Nanon
  • 1923: Die Liebe einer Königin
  • 1923: Die Finanzen des Großherzogs
  • 1923: Der Seeteufel. 1. Teil
  • 1923: Der Seeteufel. 2. Teil
  • 1923: Der Kaufmann von Venedig
  • 1924: Ein Traum vom Glück
  • 1924: Orient
  • 1924: Muß die Frau Mutter werden?
  • 1924: Die Puppenkönigin
  • 1924: Die Hermannsschlacht
  • 1925: Um Recht und Ehre
  • 1925: Liebe und Trompetenblasen. Eine lustige Begebenheit aus dem heiteren Wien vergangener Tage
  • 1925: Gräfin Mariza
  • 1925: Die Insel der Träume
  • 1925: Die Frau für 24 Stunden
  • 1925: Der Abenteurer
  • 1926: Die Försterchristl
  • 1926: Der Mann ohne Schlaf
  • 1926: Nixchen
  • 1926: Madame wünscht keine Kinder
  • 1926: Kreuzzug des Weibes
  • 1926: Eine tolle Nacht
  • 1926: Die lachende Grille
  • 1926: Die Wiskottens
  • 1926: Die Welt will belogen sein
  • 1926: Der Veilchenfresser
  • 1926: Der Soldat der Marie
  • 1926: Der Feldherrnhügel
  • 1926: Das Mädel auf der Schaukel
  • 1926: An der schönen blauen Donau
  • 1927: Faschingszauber
  • 1927: Wochenendzauber
  • 1927: Regine. Die Tragödie einer Frau
  • 1927: Mein Freund Harry
  • 1927: Ein Mädel aus dem Volke
  • 1927: Die rollende Kugel
  • 1927: Die letzte Nacht
  • 1927: Die Spielerin
  • 1927: Die Geliebte
  • 1927: Der Bettelstudent
  • 1927: Das Schicksal einer Nacht
  • 1927: Das Heiratsnest
  • 1927: Das Fürstenkind (Der Fürst der schwarzen Berge)
  • 1928: Dragonerliebchen (Das Smoking-Girl)
  • 1928: Amor auf Ski
  • 1928: Rund um die Liebe
  • 1928: Robert und Bertram
  • 1928: Ich küsse ihre Hand, Madame
  • 1928: Großstadtjugend
  • 1928: Die Zirkusprinzessin
  • 1928: Der moderne Casanova
  • 1928: Der Herzensphotograph
  • 1928: Der Faschingsprinz
  • 1928: Das Spiel mit der Liebe (Harry und die Hochstaplerin)
  • 1929: Der Held aller Mädchenträume
  • 1929: Vater und Sohn
  • 1929: Die Konkurrenz platzt
  • 1929: Der schwarze Domino
  • 1929: Der lustige Witwer
  • 1929: Der Erzieher meiner Tochter
  • 1930: O Mädchen, mein Mädchen, wie lieb’ ich Dich!
  • 1930: Donauwalzer
  • 1930: Delikatessen
  • 1930: Die große Sehnsucht
  • 1930: Der keusche Josef
  • 1930: Der Korvettenkapitän. (Blaue Jungs von der Marine)
  • 1931: Der Liebesarzt
  • 1931: Nie wieder Liebe
  • 1931: ... und das ist die Hauptsache
  • 1932: Liebe in Uniform
  • 1933: Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt
  • 1933: Der Page vom Dalmasse-Hotel
  • 1934: Zwischen zwei Herzen
  • 1935: Liebesleute
  • 1936: Stadt Anatol
  • 1937: Gefährliches Spiel
  • 1938: Es leuchten die Sterne
  • 1938: Preußische Liebesgeschichte
  • 1941: Quax, der Bruchpilot
  • 1942: Sophienlund
  • 1944: Der Majoratsherr
  • 1944: Das Konzert
Synchronsprecher

Theatrographie (Auswahl) 

  • 1938: Blitze aus heiterem Himmel (Komödie Berlin)[1]

Fußnoten

Meine Werkzeuge