Herero

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Die Herero (auch Ovaherero, hottentottisch Damara, ursprünglich Mbandu genannt) sind ein südwestafrikanisches Bantuvolk mit hamitischer Beimischung, Gesamtzahl etwa 120.000 Köpfe.

Die Herero zählen zu den kräftigsten Bewohnern von Namibia und beschäftigen sich ausschließlich mit Viehzucht (Herero bedeutet ursprünglich Viehbesitzer) und vereinzelt noch mit Kriegführen. Die Kleidung bestand früher fast ganz aus Leder, ihre alten Waffen wie Speere, Lanzen usw. tauschten sie bereits früh mit den Feuerwaffen der Europäer. Die Milch der Rinder spielt eine wesentliche Rolle bei der Ernährung, ungern werden die Tiere zur Gewinnung von Fleischnahrung geschlachtet.

Frühere Völkerkundler berichteten, die Herero seien sehr selbstherrlich und hätten einen Hang zur Grausamkeit. Eigentumsrechte an Grund und Boden besaß nur der gesamte Stamm für die Weideflächen. Ein Grund für den Haß gegen die Europäer war die plötzliche Begrenzung der Weidegebiete.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wohnungen der Herero und Hottentotten.jpg

Mitte des 16. Jahrhunderts wanderten die Herero – vermutlich zusammen mit den Ovambo, mit denen zumindest eine gewisse Sprachverwandschaft nachweisbar ist – aus Zentralafrika in das Betschuanaland (das heutige Botswana) ein. Dort trennten sie sich von den ackerbauenden Ovambo, die ihrerseits weiter nach Westen zum Kunene zogen. Infolge Auseinandersetzungen mit den Betschuanen kam es zur Trennung der Mbandu: ein Teil von ihnen wanderte im 17. und 18. Jahrhundert als Herero in den Norden des heutigen Namibia und siedelte dort zunächst südlich des Kunene, im Kaokoveld. Die im Betschuanaland verbliebenen Mbandu zogen an die äußerste Westgrenze des Landes, die seinerzeit bis an den heutigen Ort Okahandja heranreichte. Dieser Volksteil wird Mbanderu oder auch Ostherero genannt. Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde Okahandja zum Zentrum des Hererovolkes. Hüter des Ahnenfeuers und damit Oberhäuptling aller Herero war Tjamuaha. Infolge einer längeren Dürreperiode um 1830 dehnten die rinderzüchtenden Herero ihre Weidegebiete immer stärker nach Süden aus und verdrängten dabei die dort seit 1700 siedelnden Nama. Diesen kamen mit Beginn des 19. Jahrhunderts die aus der südafrikanischen Kapprovinz nachrückenden Orlam-Stämme, vor allem die Afrikaner unter ihrem Häuptling Jonker Afrikaner, zu Hilfe. Gemeinsam gelang es den Nama und Orlam, die Herero bis etwa auf die Höhe Windhuk zurückzudrängen.

Das 19. Jahrhundert war geprägt durch ständige Auseinandersetzungen und gegenseitige Raubzüge zwischen Herero einerseits und den Nama und Orlam andererseits. In Stammesrivalitäten gelang den Orlam-Afrikanern Mitte des 19. Jahrhunderts die fast völlige Ausrottung der Herero.[1] Erst nach dem Tode des berühmt-berüchtigten Afrikaner-Häuptlings Jonker Afrikaner im Jahre 1861 gelang den Herero unter ihrem Häuptling Maharero im Zusammenwirken mit dem in Otjimbingwe ansässigen schwedischen Unternehmer Andersson und dessen Privatarmee sowie der Roten Nation von Hoachanas (Nama) eine Rückkehr zu alter Stärke und infolgedessen 1870 eine völlige Unterwerfung der Orlam-Afrikaner (10-Jahresfrieden von Okahandja).

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten eine dauerhafte Besiedlung anstrebenden Europäer ins Land. Im Damaraland sowie auch im zentralen Hochland um die Stadt Windhuk herum erwarben deutsche Siedler von den Herero Land für den Aufbau von Farmen. Im Jahre 1883 schloß der Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz einen Vertrag mit einheimischen Stammesältesten, der die Grundlage späterer deutscher Kolonialverwaltung wurde. Südwest-Afrika wurde 1884 – nach Anerkennung durch die englische Krone – Deutsches Schutzgebiet als Deutsch-Südwestafrika.

Trotz des zunächst guten Einvernehmens zwischen der deutschen Kolonialverwaltung und den Herero kam es bald zu Konflikten zwischen den deutschen Kolonialisten und den Herero-Hirten. Dabei ging es häufig um Land- und Wasserrechte (z. B. im Zusammenhang mit dem Bau der Otavi-Bahn), aber auch teilweise um das Auftreten mancher Weißer. Insbesondere das Jahr 1897 wirkte sich besonders verheerend aus: Die von Südafrika kommende Rinderpest und eine große Heuschreckenplage führten dazu, daß fast 70 % des Viehbestandes der Herero verlorengingen. Dies führte zu einer nachhaltigen Verarmung der Herero und zwang diese zu weiteren Landverkäufen sowie zur Lohnarbeit.

Hereroaufstand

Hauptartikel: Hereroaufstand
Der Schutztruppenreiter: Dieses Denkmal war bis 2009 (endgültiger Abbau 25. Dezember 2013) Wahrzeichen Windhuks und ganz Deutsch-Südwestafrikas. Es wurde nach den Aufständen der Herero und Hottentotten (1904–1907) zur Erinnerung an die Gefallenen errichtet und war seit 1912 als „Südwester Reiter“ bekannt.

Die Konflikte mündeten im Januar 1904 in den Hereroaufstand, der unter Führung des Häuptlings Samuel Maharero mit der Plünderung der Stadt Okahandja seinen Anfang nahm. Die Vorplanung erfolgte durch brieflichen Austausch zwischen den Stammesführern, einige der Dokumente sind heute noch erhalten. Der deutsche Distriktchef in Okahandja war damals Ralph Zürn. Zu den anfänglichen Terroraktionen der Herero gegen die Kolonisten gehörte das Niederbrennen aller Farmen und Siedlungen in ihrer Umgebung, wobei ca. 150 deutsche Siedler, zumeist nur die Männer, teilweise grausam ermordet wurden.

Nach dem anfänglichen erfolgreichen Angriff der gut organisierten und mit englischen Schußwaffen ausgerüsteten Terrorbanden gegen die zahlenmäßig weit unterlegene, weil durch einen kleineren Aufstand der Bondelswarte im Süden des Landes gebundene Schutztruppe unter Gouverneur Oberst Theodor Leutwein, entsandte das Deutsche Reich ein Expeditionskorps unter Generalleutnant Lothar von Trotha mit etwa 15.000 Mann, welches die Herero rasch zurückdrängte.

Der von den Deutschen am Waterberg gesuchten Entscheidungsschlacht konnten sich die Herero durch Flucht entziehen, jedoch starb eine große Zahl von ihnen in der von der deutschen Schutztruppe und den mit ihnen verbündeten Orlam-Witbooi abgeriegelten wasserlosen Omaheke-Steppe. Viele Herero – Soldaten, Frauen wie Kinder – wurden von den Brunnen abgeschnitten und verdursteten.

Über die Zahl der umgekommenen Neger gibt es stark abweichende Angaben, es dürften etwa 10.000 gewesen sein, wovon die meisten jedoch nicht durch direkte Kampfeinwirkung ums Leben kamen. 1.749 Deutsche wurden im Verlauf der Kämpfe ermordet. Etwa 1.000 Herero gelang mit ihrem Häuptling Samuel Maharero die Flucht ins Betschuanaland. Einige Reste der Herero kehrten zurück und ergaben sich. Die auf deutscher Seite kämpfenden Witbooi wurden nach Ende der Kämpfe entwaffnet und teilweise nach Deutsch-Ostafrika umgesiedelt. Dieser Umstand gilt als Auslöser des nachfolgenden Nama-Aufstandes. Da die Herero den Befehl ausgegeben hatten, Priester zu schonen, wurden diese fälschlicherweise der Kollaboration beschuldigt und teilweise in Haft genommen.

Im Betschuanaland führten die überlebenden Herero unter Führung von Samuel Maharero ein Minderheitendasein. Eine Rückkehr nach Südwestafrika wurde ihnen nicht gestattet – auch nicht, als Südwestafrika nach dem Ersten Weltkrieg unter südafrikanische Verwaltung kam. Samuel Maherero starb 1923 im Exil, wurde am 23. August 1923 nach Okahandja überführt und dort unter Leitung des neuen Hererohäuptlings Hosea Kutako mit großem Zeremoniell beigesetzt.

Hererotag

Zum Gedenken an die Schlacht am Waterberg und an die in Okahandja bestatteten Herero-Häuptlinge Tjamuaha, Maharero, Samuel Maharero und Hosea Kutako wird alljährlich im August mit Schwerpunkt Okahandja der sogenannte Hererotag begangen. Er ist – entgegen dem äußeren Anschein – keine touristische Veranstaltung, sondern ein vom Stammesbewußtsein der Herero getragenes und in ihrem Ahnenkult begründetes Gedenken.

Dem unbedarften Beobachter bietet sich gleichwohl ein Schauspiel, das die Ernsthaftigkeit der Feierlichkeiten nicht unbedingt zwingend erscheinen läßt; insbesondere die Parade der „Truppenspieler“ mit ihren fast operettenhaft wirkenden, aber auf deutscher Tradition beruhenden Uniformen und mit ihren martialischen Befehlen wecken Zweifel daran.

Zudem ist der farbenprächtige Aufzug der „Green Flags“ und „Red Flags“ (von Hosea Kutako 1920 und 1923 gegründete Hererofrauen-Trachtenvereine; ihr äußeres Kennzeichen ist die stammeseinheitliche Farbe der Tracht: grün für die Gobabis- oder Ost-Herero [„Green Flags“]; rot für die Okahandja- oder Zentral-Herero [„Red Flags“]) ein vor allem Reiz für jeden Fotografen, so daß das Interesse für den historischen Hintergrund eher marginal bleibt. Auch die Herero selbst sorgen mit der von einer Getränkefirma gesponserten Wahl der „Miss Herero“ dafür, daß bei allem Gedenken auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

BRD-Masochismus

Zum 100. Jahrestag gedachte auch die Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit der BRD Heidemarie Wieczorek-Zeul vor Ort der Toten und bekannte sich dabei erstmals zu einer „politischen und moralischen Schuld“ der deutschen Kolonialverwaltung. Diese „Schuld“ nährt sich aus den englischen Propagandalügen über den Ersten Weltkrieg, die bereits in den 1920er Jahren durch die südwestafrikanischen Stammesführer entkräftet wurden. Zeul bat das Volk der Herero um Vergebung für die von Deutschen angeblich begangenen Verbrechen.

Eine solche „entschädigungsrelevante Formulierung“ (Zitat: BRD-Außenminister Joschka Fischer) war von deutschen Regierungsvertretern in der Vergangenheit vermieden worden. Eine gesonderte finanzielle Entschädigung für die Herero, wie von ihrem Häuptling Riruako seit 1995 gefordert und vor amerikanischen (!) Gerichten erfolglos verfolgt,[2] lehnte Zeul, in Übereinstimmung mit der Position der Bundesregierung und der Regierung Namibias, weiterhin ab; statt dessen wolle man im Wege der „Entwicklungszusammenarbeit“ Namibia deutsche Gelder zukommen lassen.

Die geräuschlosen Zahlungen an Adressen in Namibia laufen bis heute. 2012 erklärte die Bundesregierung offiziell: „Deutschland hat keinen Völkermord an Herero und Nama begangen.“[3]

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. vgl. Vedder: Das alte Südwestafrika, S. 369: „Das Hererovolk hat, soweit wir es kennen, aufgehört zu bestehen.“
  2. Claus Nordbruch: Die Wiedergutmachungsklage der Herero gegen Deutschland. Was steckt hinter der Klageschrift ...?, Artikel von 2003 [1]
  3. Bundesregierung: „Deutschland hat keinen Völkermord an Herero und Nama begangen“ Erklärung vom 21. August 2012, abgerufen am 12. Januar 2014
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