Herrmann, Horst

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Horst Herrmann

Horst Herrmann (Lebensrune.png 1. August 1940 in Schruns, Deutsches Reich; Todesrune.png 19. September 2017 in Süddeutschland) war ein deutscher Priester der römisch-katholischen Kirche, Kirchenrechtler und Kirchenkritiker, feministischer Soziologe und ungewöhnlich produktiver Schriftsteller, sowie Entwickler der Mandatssteuer zur Kirchenfinanzierung.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

1964 wurde Herrmann in Stuttgart zum Priester geweiht und 1970 zum Professor für katholisches Kirchenrecht an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster berufen. Nach Auseinandersetzungen um seine Forschung und Lehre wurde ihm 1975 die kirchliche Lehrerlaubnis, die sogenannte „Missio canonica“, entzogen. Dies war seinerzeit der erste Fall dieser Art in der BRD. Er ist keineswegs weniger bedeutsam als die vergleichbaren Fälle Hans Küng und Eugen Drewermann, wurde allerdings – anders als diese spektakulären Skandale – damals nur kirchenöffentlich wahrgenommen.

Nach jahrelangen weiteren Streitigkeiten (das erste und einzige sogenannte „Lehrbeanstandungsverfahren“ der Deutschen Bischofskonferenz) und der kirchenoffiziellen Verurteilung – auch durch die Kurie – wegen Abweichung seiner Anschauungen von der kirchlichen Lehre (vor allem in Sachen „Stiftung der katholischen Kirche durch Jesus von Nazareth“), trat Herrmann 1981 aus der Kirche aus, wechselte als Hochschullehrer in den Fachbereich Sozialwissenschaften und hatte an der Universität Münster bis zu seiner Emeritierung 2005 einen Lehrstuhl für Soziologie inne.

Geschichtliche Einordnung

In der historischen Rückschau kann man fragen, warum die Fälle Küng und Drewermann weithin als Skandale wahrgenommen wurden, der Fall Herrmann jedoch nicht. Immerhin ist es vorstellbar, einer Kirche, die ihre Prediger auf eine Summe von Lehraussagen, Einstellungen und tradierten Ansichten einschwört, auch das Recht einzuräumen, sich von Personen zu trennen, die klar bezeugen und öffentlich dartun, daß sie nicht gewillt sind, diesen geistigen Vorprägungen zu folgen.

Offenbar verhielt es sich in der Geschichte der BRD zu Zeiten der Bonner Republik so, daß noch während der Fall Herrmann sich ereignete, gemeinhin dieses Recht der Kirche konsensual anerkannt wurde, während der schon kurz darauf virulente (und sich dann über Jahre hinziehende) Fall Küng in ein völlig verändertes gesellschaftliches Klima platzte, in welchem nun ihrerseits die Kirche als öffentlich rechenschaftsschuldig angesehen wurde hinsichtlich der Berechtigung ihrer einzelnen Glaubensanschauungen.

Nicht mehr die (gegenüber anderen Institutionen) funktional ausdifferenzierte Institution Kirche entscheidet, gemaß des ihr zukommenden Handlungsfeldes, was sie lehrt, was ihr wichtig ist und wie sie diverse Verweigerungsakte innerhalb ihrer Institution ahndet oder beantwortet. Sondern nunmehr entscheidet eine sich als „politisch aufgeklärt“ fühlende Öffentlichkeit von sich aus – und zwar in Gestalt publizistischer Meinungsführer –, was eine Kirche lehren darf und was eine Kirche verlangen darf von denen, die für sie sprechen.

Diese grundlegend veränderte Situation hält bis heute an. Sie gilt Vielen sogar als Zeichen der Hoffnung — in dem Sinn, daß eine sogenannte „kritische Öffentlichkeit“ den Maßstab abgibt, was innerhalb öffentlich-rechtlicher Körperschaften (wie es die christlichen Großkirchen heute rechtlich sind) gelehrt werden darf und mit welcher Begründung. Problematisch an dieser Haltung ist jedoch die Tatsache, daß die veröffentlichte Meinung oftmals nicht weniger ideologisch verfährt, nicht weniger politisch bevormundet ist und nicht weniger „unaufgeklärt“ redet, als gewisse Kräfte einer frommen Sphäre, die „aufzuklären“ diese nicht selten verhetzte und vielleicht ahnungslose „Öffentlichkeit“ antritt.

Tod

Nach Angaben seiner Frau Barbara ist Herrmann „am Schreibtisch bei der Arbeit plötzlich und überraschend eingeschlafen.“[1]

Literatur

  • Die Kirche und unser Geld. Daten — Tatsachen — Hintergründe. Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-301-X
  • Der Anti-Katechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt (mit Karlheinz Deschner). Rasch und Röhring, Hamburg 1991
  • Kirchenfürsten. Zwischen Hirtenwort und Schäferstündchen. Rasch und Röhring, Hamburg 1992
  • Kirchenaustritt – ja oder nein? Argumente für Unentschlossene. Rasch und Röhring, Hamburg 1992
  • Die Caritas-Legende. Wie die Kirchen die Nächstenliebe vermarkten. Rasch und Röhring, Hamburg 1993
  • Passion der Grausamkeit. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Bertelsmann, München 1994
  • Was ich denke.'’ Goldmann, München 1994
  • Johannes Paul II. beim Wort genommen. Eine kritische Antwort auf den Papst. Goldmann, München 1995
  • Thomas Müntzer heute. Versuch über einen Verdrängten. Klemm und Oelschläger, Ulm 1995, ISBN 3-9802739-7-0
  • Sex und Folter in der Kirche. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Orbis, München 1998
  • Liebesbeziehungen – Lebensentwürfe. Eine Soziologie der Partnerschaft. Telos, Münster 2001, ISBN 3-933060-03-6
  • Begehren, was man verachtet. Männer haben Angst vor Frauen. Telos, Münster 2003, ISBN 3-933060-09-5
  • Kirche, Klerus, Kapital. Hintergründe einer deutschen Allianz. LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6862-1
  • Lexikon der kuriosesten Reliquien. Vom Atem Jesu bis zum Zahn Mohammeds. Rütten & Loening, Berlin 2003, ISBN 3-352-00644-X
  • Die Heiligen Väter. Päpste und ihre Kinder. Aufbau TB, Berlin 2004, ISBN 3-7466-8110-3
  • Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens. Eichborn, Frankfurt 2004, ISBN 3-8218-3951-1
  • Nero. Eine Biographie. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-7466-1777-4
  • Johannes Paul II. Wahrer Mensch und wahrer Papst. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-351-02605-6
  • Benedikt XVI. Der neue Papst aus Deutschland. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-7466-2210-7

Verweise

Fußnoten

  1. Kirchenkritiker und Autor Horst Herrmann gestorben, katholisch.de, 30. September 2017
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