Ideologie

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Der Begriff Ideologie (altgr. ιδεολογία – „Ideenlehre“) bezeichnet eine Gesamtheit von Ideen in logischer Ordnung. Die Ideen als Produkt einer Gesinnung können alle Arten von Erfahrungen, Erkenntnissen und Werturteilen umfassen. Dies gilt aber nur rhetorisch. Denn weder zur Zeit seines Ursprungs (der französischen Revolutionszeit) noch heute wird der Ausdruck Ideologie tatsächlich so allgemein verwendet. Dafür gibt es ja die Wörter „Ansicht“, „Anschauung“, „Haltung“, „Vorliebe“, „Ethos“, „geistiger Horizont“, „Vorstellungswelt“ und viele mehr. Im Sinne einer klaren definitorischen Abgrenzung gilt für die Ideologie, daß sie immer künstlich ist und durch ihre Künstlichkeit zur Gänze determiniert wird. Ideologie ist also kein Abbild einer bestimmten Weltsicht, sondern sie ist stets ein Konstrukt zur Kontrolle und Unterdrückung anderer Sichtweisen.

Inhaltsverzeichnis

Funktion und Absicht ideologischer Sprache

Ideologie schützt sich selber. Deshalb löst auch niemals eine „bessere“ oder „wahrere“ neue Ideologie eine alte Ideologie ab, sondern vielmehr degenerieren Haltungen und Weltanschauungen von unterschiedlicher Qualität zur plumpen, durchschaubaren Ideologie; Haltungen und Weltanschauungen gerinnen gleichsam, wenn ihr erster Impuls nicht mehr verstanden wird, wenn die Wahrnehmungen, auf die sie zurückgehen, sich nicht mehr wiederholen (aber bei allem dennoch ein Anspruch aufrechterhalten wird, zu sagen, was die Dinge und Ereignisse zu bedeuten haben). Ideologie ist eine Vorgabe, die dazu dient, eine persönliche oder soziale Wirklichkeit zu ordnen und zu definieren.

Im allgemeinen enthält eine für politsche Zwecke nutzbare Ideologie eine oder mehrere Grundbegriffe und Grundurteile, die das Fundament des Gedankengebäudes bilden. Ihre Logik ist nicht allein durch eine begrenzte Anzahl ausgesprochener Prämissen beschränkt, sondern vor allem dadurch, daß der Ideologe zwischen zulässigen und unzulässigen Wahrnehmungen streng unterscheidet. Sterbende Ideologien sind gekennzeichnet vom Willen der Ideologen, schroffe und schal gewordene Sprachregelungen gegen jeden Widerstand aufrechtzuerhalten.

Der Begriff Ideologie wird in zwei Bedeutungen verwendet:

  • 1. wertneutral kann tatsächlich jedes System von Ideen gemeint sein,
  • 2. negativ wertend wird damit eine angeblich oder tatsächlich einseitige und/oder beschränkte Weltsicht bezeichnet, die zwar gedanklich geschlossen ist, aber an einem „ideologischen Vorurteil“, einer zweifelhaften Grundannahme oder einer unzulässigen Ausweitung von Grundsätzen krankt bzw. kranken soll.

Ursprung des Ausdrucks

Ideolog und Ideologie waren ursprünglich philosophische Kunstausdrücke, die der französische Philosoph Destutt de Tracy Ende des 18. Jahrhunderts für die von ihm und seinen Freunden vertretene aufklärerisch-materialistische Richtung prägte. Da die Ideologen aber Napoleons politische Gegner waren, verhöhnte Napoleon mit diesem Wort zunächst selber diese Philosophengruppe als unpraktische Träumer und Schwärmer, dann überhaupt alles sogenannte freiheitliche und ideale Streben (Napoleon führte ein striktes Zensurwesen). Aus dem Französischen (idéologue oder idéologiste und idéologie) wurden diese Spottworte in zunächst ähnlich abschätziger Bedeutung, hierbei allerdings vielfach gemildert, auch ins Deutsche übernommen und bürgerten sich seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dauerhaft ein.

Grundidee der Ideologie

Im Mittelpunkt einer Ideologie steht oft ein mehr theoretischer Grundbegriff oder ein Schlagwort (wie z. B. im Demokratismus das „Wahlrecht“, im Liberalismus die „Freiheit“ und im Kommunismus die „Gleichheit“) oder aber ein eher aus der allgemeinen Anschauung gezogener praktisch-moralischer Grundwert (wie z. B. im Nationalsozialismus), von dem aus das System entwickelt wird. Diese im Begrifflichen oder aber in der Anschauung liegende Grundidee bildet häufig den Wortstamm des Ideologiebegriffs, der durch Anfügen der Endsilbe „-ismus“ entsteht.[1] So führt die betonte Wertschätzung der Ratio (lat. ratio ‚Vernunft‘) zum Rationalismus, die der Nation zum Nationalismus, die betonte Demokratie zu Demokratismus, die betonte Kapitalwirtschaft zu Kapitalismus und „Kommune“ zu Kommunismus.

Der Rationalismus ist eine Lehre, welche die Vernunft in den Mittelpunkt stellt und von dieser ausgehend eine möglichst große Anzahl von Erscheinungen zu deuten versucht. Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftliche Ideologie (da keineswegs alle Beobachtungen, die Menschen machen, sogleich einen festen Ort in der Vernunft einnehmen, sondern verstörend, rätselhaft, unannehmbar oder unerträglich sein können). Andere Beispiele im Bereich der Wissenschaften und der Philosophie sind ein verengter Empirismus, Idealismus und Materialismus.

Jede Ideologie beruht auf Grundaussagen (Axiomen), die von ihren Anhängern für unmittelbar einsichtig gehalten werden und daher keiner weiteren Begründung bedürfen. Diese primäre Einschränkung bedeutet, daß nicht die gesamte Wirklichkeit durch eine Idee geordnet werden kann (z. B. kann die Vernunft das Gefühl bis in seine letzten Nuancen nicht erklären) und jeder Versuch der Ausweitung zu einem Zusammenstoß mit anderen Ideengebäuden führt. Dies führt zum Streit über die Geltung und Anwendbarkeit der Ideologien.

Politische Ideologien stehen im Kampf

Während der Begriff Ideologie in den Wissenschaften oft zur neutralen Beschreibung eines Systems von Ideen und Werturteilen verwendet wird, liefern politische Ideologien praktische Handlungsanweisungen und Normen, die sich im politischen Wettstreit miteinander befinden. Sie können in dieser Hinsicht als „mobilisierte Meinungssysteme“ bezeichnet werden.

Die Wahl des Mittelpunktsbegriffs oder -werts beruht auf einer prinzipiellen Entscheidung im Bereich des Politischen. So sieht der Nationalismus in der Selbstbehauptung und dem Gedeihen der Nation den zentralen Bezugspunkt des politischen Lebens, dem sowohl der Einzelne als auch die Obrigkeit zu dienen haben, und ordnet dieser Grundentscheidung andere Werte unter. Der Liberalismus dagegen sieht in der (undefinierten) individuellen „Freiheit des Einzelnen“ den obersten Wert und stellt dabei die Folgen für die Gesamtheit in den Hintergrund. Für den Sozialismus ist die „soziale Gerechtigkeit“ der Mittelpunkt, und er mutet dem Einzelnen dafür Einbußen an Freiheit zu, ermächtigt aber den Staat zu umfassenden Eingriffen. Der Nationalsozialismus hat in erster Linie das Überleben des Deutschen Volkes zum Ziel; dabei wendete er sich ursprünglich vor allem gegen die im Judäo-Bolschewismus verortete Hauptgefahr. Auch Demokratismus, Kapitalismus, Faschismus, Marxismus, Zionismus und Antijudaismus sind politische Ideologien.

Wie hier zu erkennen ist, erfassen die Ideologien die Welt jeweils aus einem anderen Blickwinkel und kommen dabei zu verschiedenen Folgerungen und Forderungen. Ideologien können sich überschneiden, aber auch unvereinbar sein.

Ideologie und Macht

Die Grundbegriffe jeder Ideologie beruhen auf einer Wert-Entscheidung, zu der ihre Anhänger in einem langen Bildungsprozeß gelangen können oder die ihnen durch Tradition und Erziehung vermittelt wird. Ideologien werden oft durch Emotionen und Mythen angereichert und prägen die Vorstellungen von Legitimität und Autorität. Sie werden darum oft aus tiefster Überzeugung vertreten, so daß Ideologie oft als gleichbedeutend mit Überzeugung oder Weltanschauung verstanden wird.

Erfolgreiche Ideologien mobilisieren Massen und sind dann Machtfaktoren erster Ordnung. Die Durchsetzung einer Ideologie ist ein Teil des Kampfes um die Macht. Wer die Macht hat, kann seine Ideologie propagieren. Wer die Macht erlangen will, muß seine Ideologie durchsetzen. Ob die Machtverhältnisse ihre jeweilige Ideologie (als Überbau) produzieren oder ob die Ideen die Machtverhältnisse erzeugen, ist wiederum eine Frage der Weltanschauung. Sicher ist: Beide bestärken sich wechselseitig in einem Wechselspiel von Ideologie und Macht.

Die Frage der Vermeidbarkeit von Ideologie

Jede Art von Urteil oder Wertung setzt ein Begriffs- und Wertesystem voraus. Ideologie ist somit immer in der Nähe, wenn geurteilt und bewertet wird. Wer den Begriff Ideologie zur kritisierenden Kennzeichnung eines falschen Weltbildes benutzt, um Anschauungen Anderer abzuwerten oder als Vorurteil zu entlarven, der wird folgerichtig nach seinen eigenen Grundentscheidungen gefragt.

Ideologien sind mehr oder weniger kompatibel (vereinbar). Da sie Bereiche haben, in denen sie sich überschneiden, kommt es in der argumentativen Auseinandersetzung darauf an, zu prüfen, ob eine gemeinsame Position möglich ist. So schließen Freiheit und Nation als ideologische Zentralbegriffe identische Folgerungen nicht aus. Die Nation kann (im Sinne eines demokratischen Nationalismus) nicht ohne die Freiheit des Einzelnen und die Freiheit des Einzelnen nicht ohne Nation verwirklicht werden. Allerdings kann jeder der beiden Begriffe benutzt werden, die dem anderen zugrundeliegende Realität einzuschränken. Eine Abgrenzung beruht wieder auf Entscheidung.

Gefahren: Dogmatismus und falscher Fanatismus

Die innere Widerspruchsfreiheit wird oft erst durch Ausblendung entgegenstehender Anschauungen und Erfahrungen erreicht. Da Ideologien auf axiomatischen Grundannahmen beruhen, besteht die Gefahr einer dogmatischen Fixierung, die sich von der Wirklichkeit nicht mehr beeindrucken läßt. Eine solche dogmatische Fixierung ist in der Folge zur Aufrechterhaltung von herrschenden Ideologien dann von Bedeutung, wenn diese mit der Wirklichkeit bzw. mit den uns umgebenden Naturgesetzen im Widerspruch stehen: Je stärker dieser Widerspruch ausfällt, desto vehementer muß, zur weiteren Aufrechterhaltung einer entsprechend widersprüchlichen Ideologie, die dogmatische Fixierung ihrer Anhänger ausfallen, wobei diese letztendlich immer den naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten unterliegen werden. Je mehr dagegen eine Ideologie mit den natürlichen Gesetzen im Einklang steht, desto weniger benötigt sie eine dogmatische Fixierung ihrer Anhänger, selbst wenn diese vorhanden sein sollte.

Im Dogmatismus werden widersprechende Realitäten geleugnet oder „passend gemacht“. Fanatische Dogmatiker und dogmatische Fundamentalisten können die Oberhand gewinnen und eine ursprünglich gute Idee in ihr Gegenteil verkehren.

Ideologien bergen somit auch immer die Gefahr der Übertreibung und der Umkehrung des Ideals, und dies umso wahrscheinlicher, je wahrheitswidriger die entsprechende Ideologie ausfällt. So endete der Sozialismus als Ideologie der sozialen Gerechtigkeit in seiner sozialen Selbstauflösung, und der liberalistische Kapitalismus droht an der Freiheit des Finanzkapitals zu scheitern. Ideologische Systeme sind häufig tückisch, und aus einer auf den ersten Blick gut klingenden, jedoch wenig überdachten und bloß schlagwortartig vorgetragenen Idee folgt keineswegs die erfolgreiche Anwendung einer Ideologie.

Zitate

  • „Eine jede Idee tritt als ein fremder Gast in die Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginnt, ist sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden. — Dies ist es, was man Ideologie im guten und bösen Sinne genannt hat, und warum der Ideolog den lebhaft wirkenden praktischen Tagesmenschen so sehr zuwider war.“Johann Wolfgang von Goethe[2]
  • „Nun ist aber der ‚Antiideologismus‘ schon deswegen falsch, weil jeder Mensch seiner Natur nach ideologiebedürftig ist.“Erik von Kuehnelt-Leddihn
  • „Eines der vordringlichsten Ziele einer jeden Ideologie ist es, den Menschen von seinen Bindungen abzutrennen, dazu gehört vor allem auch die Vergangenheit. Denn ohne Bezug zur Vergangenheit, haben die Menschen keine Basis, aufgrund derer sie die Gegenwart beurteilen können. Damit sind sie wie Halme im Wind. Ideologie will totale Kontrolle, nicht nur über unsere Handlungen, auch über unser Denken. Das erreicht sie, wenn sie es uns unmöglich macht, noch eigenständige Werturteile zu treffen. Deshalb zielt sie darauf, uns die Basis dafür zu nehmen. Eine Gesellschaft ohne Bezug zur Vergangenheit ist also wie Wachs in ihren Händen, erfahrungsgemäß ist sie ihr hilflos ausgeliefert.“William Sturgiss Lind

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Bei weitem nicht alle Begriffe auf -ismus sind Ideologien, wie etwa Organismus, Mechanismus, Fanatismus zeigen.
  2. Goethe: Maximen und Reflexionen. Hamburger Ausgabe, 1998, Band 12, S. 439
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