Hirsch, Ilse

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BDM-Hauptgruppenführerin Ilse Hirsch (1943/44), blonde Kämpferin eines Werwolf-Kommandos

Ilse Hirsch (Lebensrune.png zwischen 1921 und 1929[1] in Hamm; Todesrune.png ?) war eine deutsche BDM-Hauptgruppenführerin. Sie nahm am 25. März 1945 als einzige Frau eines sechs Mann starken Kommandos der Organisation Werwolf unbewaffnet an der Liquidierung des Kollaborateurs Franz Oppenhoff teil. Ihr Auftrag war die feindbesetzte Stadt Aachen in Zivil auszukundschaften.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen „Karneval“

Franz Oppenhoff, ein Kollaborateur und erster Aachener Oberbürgermeister nach der amerikanischen Besetzung der Stadt, war das erste prominente Opfer eines sechsköpfigen Werwolf-Kommandos bei einem Sondereinsatz hinter feindlichen Linien am 25. März 1945. Das Unternehmen wurde Karneval genannt, weil es schon im Februar zur Karnevalszeit durchgeführt werden sollte. Die Teilnehmer für dieses Unternehmen im Ausbildungszentrum für Werwolf-Agenten auf Schloß Hülchrath das vorbereitet.

„Der Oberbürgermeister von Aachen ist zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung ist durch den Werwolf zu vollziehen.“Heinrich Himmler in einem Schreiben an SS-Obergruppenführer Gutenberger. Das Todesurteil und der Befehl wurden später vom Bundesgerichtshof als juristisch einwandfrei bestätigt.

Eine sechs Mann starke Kommandoeinheit, einschließlich der jugendlichen BDM-Hauptgruppenführerin Ilse Hirsch, sprang mit Fallschirmen über dem vom Feind besetzten Gebiet (Dreiländerpunkt) aus einer erbeuteten Boeing B-17 des Kampfgeschwaders 200 ab. SS-Unterstürmführer Herbert Wenzel und der damalige Ostmärker SS-Scharführer Josef „Sepp“ Leitgeb standen an der Spitze des Kommandounternehmens, die jungen Waffen-SS-Männer und ehemaligen Grenzbeamten im Raum Aachen Karl Heinz Hennemann und Georg Heidorn sollten die ortskundigen Führer sein. Ilse Hirsch war für die Aufklärung zuständig, da sie als junge Frau in Zivil unauffälliger das innerstädtische Terrain auskundschaften konnte. Das galt auch für den 16jährigen HJ-Führer Erich Morgenschweiß, der in Zivil für Verpflegung sorgen sollte.

Nach dem Absprung in Dunkelheit am 19. März 1945 um 23 Uhr hielt sich das Kommando länger als einen Tag im kalten Wald auf. Hier wurden die Teilnehmer am 21. März von niederländischen Grenzbeamnten aufgespürt. Beim Schußwechsel fiel einer der Grenzbeamten – der Niederländer Jost Saive, so Quellen, wurde von Morgenschweiß durch Schüsse in die Brust im Nahkampf tödlich verwundet. Bei der Flucht vor den Grenzern wurde Ilse Hirsch von der Gruppe getrennt. In Nachtmärschen machten sich die anderen in Richtung Aachen auf. Sie errichteten am Rande der Stadt einen eingegrabenen, getarnten Beobachtungsstand (B-Stand), den sie mindestens zweimal wechselten. Ilse Hirsch hatte sich auf verwegene Weise selbst nach Aachen durchgeschlagen, in der Wohnung einer BDM-Kameradin übernachtet und inzwischen erkundet, daß der Hochverräter Oppenhoff als vom Feinde eingesetzter Oberbürgermeister in der Eupener Straße 251 residierte. Während dieser Tätigkeit traf sie zufällig zwei Mitglieder (Leitgeb und Morgenschweiß) des Kommandos, die nun ebenfalls als Spähtrupp unterwegs waren.

Am Abend des 25. März 1945 trafen die drei vorgesehenen Kommandomitglieder (Wenzel, Leitgeb und Hennemann, mit Fliegerkombis der Luftwaffen bekleidet) Franz Oppenhoff, seinen Kollegen Dr. Faust und die Haushälterin Fräulein Gillessen vor der Villa an. Dr. Faust verabschiedete sich, während Oppenhoff auf die abgeschossenen Flieger (so die vorbereitete Legende) einredete, sich den Amerikanern zu stellen. Wenzel zog seine Waffe und zielte mit der Pistole samt Schalldämpfer auf Oppenhoffs Kopf, um das Todesurteil der deutschen Regierung zu vollstrecken, zögerte aber, wobei dann SS-Scharführer Leitgeb ihm die Waffe kühl und entschlossen abnahm und selbst vollstreckte. Wenzel hatte die Nerven verloren, auch vergaß er, das Todesurteil, wie es ihm befohlen worden war, vor dem Schuß zu verkünden. Jetzt galt es zu entkommen, jedoch erschien auch sogleich eine VS-amerikanische Patrouille, die gekommen war, um zu überprüfen, warum das Telefon des Oberbürgermeisters nicht mehr funktionierte, da das Kommando im Vorfeld den Draht durchschnitten hatte. Die „GIs“ eröffneten das Feuer; man konnte aber die Flucht bewerkstelligen und erreichte das Waldversteck, wo die anderen drei warteten.

Unternehmen Karneval, Buch.jpg

Am nächsten Tag wurde der Rückzug fortgesetzt, welcher jedoch auf tragische Weise endete: Josef Leitgeb trat auf eine Mine und war sofort tot, Morgenschweiß erreichte ihn, nahm seine Papiere an sich und deckte „Sepp“ mit Zweigen zu. Hirsch, Morgenschweiß und der an einer Lungenentzündung erkrankte Heidorn wurden später ebenfalls durch Minensplitter verletzt, teilweise schwer. Hirsch konnte nicht gehen und mußte zurückgelassen werden. Sie wurde später von einem Bauern gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Morgenschweiß hielt noch mehrere Stunden durch, konnte aber wegen des Blutverlustes nicht weiter. Heidorn mußte schlußendlich auch ihn zurücklassen. Der junge HJ-Führer wurde später von einer Dorfbewohnerin gefunden; diese Frau Sülz brachte ihn ebenfalls in ein Krankenhaus, vorher hatte sie jedoch seine Waffe vergraben.

Heidorn schaffte es noch zum Gut Hombusch, dem sogenannten „sicheren Haus“ (Waffendepot des Werwolf) in der Nähe von Mechernich in der Nordeifel. Zu seiner Überraschung fand er Wenzel und Hennemann in der Küche vor. Wenzel wollte nicht weiter, da er wohl befürchtete, wegen seines Versagens zur Rechenschaft gezogen zu werden. Er blieb später auf einem Bauernhof in der Umgebung, wo er arbeitete. Im August 1945 wollte er dann seinen „Onkel“ in Halberstadt aufsuchen und wurde nie wieder gesehen. Später sollte sich herausstellen, daß es diesen Onkel nicht gab. Hennemann und Heidorn schwammen über den Rhein und wurden von Amerikanern aufgegriffen, konnten sich aber aus der Lage befreien und machten sich auf den Weg nach Osten, um ihre Ehefrauen zu suchen, die dorthin versandt worden waren, als der alliierte Bombenterror im Westen wütete.

Am 31. März 1945 hieß es im „Völkischen Beobachter“:

„Jetzt muß die amtliche englische Nachrichtenagentur Reuter melden, daß dieser ehrvergessene Söldling des Landesfeindes schon nach kurzer, unrühmlicher Amtstätigkeit von seiner gerechten Strafe ereilt worden ist.“

Werwolf-Prozeß

Im Oktober 1949 fand der „Werwolf-Prozeß“ statt: Neben „Kommando-Karneval“-Mitgliedern wurden auch Ausbilder und direkte Hintermänner angeklagt, darunter SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Karl Gutenberger. Zunächst wurden Haftstrafen zwischen einem und vier Jahren verhängt, zwei Angeklagte wurden freigesprochen. In zwei Nachfolgeverfahren wurden die Haftstrafen abgemildert und schließlich (nach dem Straffreiheitsgesetz von 1954) „wegen Befehlsnotstandes“ durch den Bundesgerichtshof ganz erlassen.

Ilse Hirsch, die ihren Tatbeitrag gestand, wurde freigesprochen, gründete später eine Familie und bekam zwei Söhne (Stand: 1972).

Siehe auch

Literatur

  • Hans Josef Horchem: Kinder im Krieg. Kindheit und Jugend im Dritten Reich,[2] Mittler & Sohn Verlag (2000), ISBN 978-3813207163
  • Wolfgang Trees: Unternehmen Karneval: Der Werwolf-Mord an Aachens Oberburgermeister Oppenhoff, Triangel (1982), ISBN 978-3922974024

Verweise

Fußnoten

  1. Das Alter von Ilse Hirsch ist unbekannt, viele Quellen behaupten, sie sei während des Unternehmens „Karneval“ 16 Jahre alt gewesen, andere behaupten 22 bzw. 23, wiederum andere Quellen geben an, sie sei seit dem 16. Lebensjahr beim BDM und trat 1944 „Werwolf“ mit 23 Jahren bei. Auch der Geburtsort ist unklar, Hamm wird genannt, auch Aachen, aber eher Monschau (Städteregion Aachen), einer Stadt an der Rur in der Eifel. Hier war sie mit Maria Bierganz und dem HJ- und Werwolf-Mitglied Karl-Arno Pünzeler befreundet, der von den Amerikanern zum Tode verurteilt wurde, weil er einem deutschen Stoßtrupp des Unternehmens „Stößer“ mit einem Schwerverwundeten den Weg zurück zu den eigenen Linien gezeigt hatte.
  2. Seite 211: „Die Gruppe brauchte mehrere Tage, bis sie auf Schleichwegen Aachen erreichte hatte. Am Abend des 25. März 1945, dem Palmsonntag, drangen die Männer durch ein Kellerfenster in Oppenhoffs Haus ein. Der HJ-Jugendleiter Erich Morgenschweiß stand Schmiere. Die Eindringlinge gaben sich als deutsche Soldaten auf der Flucht aus. Sie zwangen das Dienstmädchen des Bürgermeisters, Franz Oppenhoff aus dem Nachbarhaus zu holen, in das er zu einem Gespräch gegangen war. Oppenhoff erkundigte sich nach den Wünschen der angeblichen Flüchtlinge, er ließ einige Butterbrote für sie zubereiten. Als er aus dem Hause trat, um wieder zu den Nachbarn zu gehen, sollte Kommandoführer Wenzel ihn erschießen. Das war so geplant. Wenzel zögerte. SS-Unterscharführer Leitgeb entriß ihm daraufhin die Pistole, setzte sie Oppenhoff an die Schläfe und erschoß ihn. Die beiden ehemaligen Grenzpolizisten versuchten, die Mitglieder des Kommandos in zwei getrennten Gruppen heil über die Rur (die Rur ist ein rechter Nebenfluß der Maas in Westeuropa. Sie fließt durch Belgien, Deutschland und die Niederlande) und die Urft und durch die verminten Wälder der Nordeifel bis nach Mechernich zu bringen.“
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