Seidel, Ina

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Ina Seidel (Lebensrune.png 15. September 1885 in Halle; Todesrune.png 3. Oktober 1974 in Ebenhausen bei München) war eine deutsche Lyrikerin und Romanautorin. Sie war die Ehefrau des gleichfalls schriftstellerisch tätigen Heinrich Wolfgang Seidel, des Sohnes von Heinrich Seidel.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ina Seidel gehörte bis in die 1950er Jahre zu den bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen. Sie stammte aus einer bürgerlichen Familie mit literarischer Tradition. Ihr Vater stammte aus dem Sächsischen und war Arzt, die Mutter war eine geborene Loesewitz aus Riga. Ina Seidel verbrachte ihre Jugend in Marburg und München und lebte in Berlin, Eberswalde und seit 1934 in Starnberg.

1907 heiratete sie ihren Vetter, den Pfarrer und Schriftsteller Heinrich Wolfgang Seidel, mit dem sie nach Berlin zog. Ein Jahr später, erst 23jährig, wurde sie durch die Folgen eines Kindbettfiebers für den Rest ihres Lebens gehbehindert. Eines ihrer Kinder starb vier Wochen nach der Geburt. Von 1914 bis 1933 veröffentlichte sie fünf Lyrikbände. Ihr größter Erfolg wurde der Roman „Das Wunschkind“ (1930). Weitere erfolgreiche Romane sind „Das Labyrinth“ (1922), eine Lebensbeschreibung des Naturforschers Georg Forster, „Die Fürstin reitet“ (1926), „Lennacker“ (1938) und „Das unverwesliche Erbe“ (1954).

Frühe Phase

In ihren ersten Gedichten setzte sie sich auch mit dem Ersten Weltkrieg gegen Deutschland auseinander, den sie im Alter von 30 Jahren miterlebte. Bereits 1914 erschien das Gedicht „Deutsche Jugend“:

Wir wußten nicht, wozu wir blühten
Und Jugend schien uns Fluch und Last
Ein Fest, an dem wir nicht erglühten
Man trank, man ging, ein satter Gast
Und unser Blut schlich dick und träge
Wir hatten allzu blanke Wehr
Wir hatten allzu glatte Wege
Wir hatten keine Lieder mehr
Drum jauchzen wir in diesen Tagen
Drum sind wir trunken ohne Wein
Drum dröhnt's aus der Trommeln Schlagen
O heilig Glück heut jung zu sein!

Neben der Trommel her

In ihrem Gedichtband „Neben der Trommel her“ widmete sie mit ihrem Zyklus „Totenklage“ dem gefallenen Maler und Illustrator Otto Soltau einen Nachruf:

Ina Seidel - Nachruf auf Otto Soltau (Seidel).jpg

Nach dem Ersten Weltkrieg

1930 erschien ihr Roman „Wunschkind“, an dem sie sechzehn Jahre lang gearbeitet hatte. Das umfangreiche Werk – es umfaßt über tausend Seiten – zeichnete vor dem Hintergrund der Ereignisse der Jahre 1792 bis 1813 die Geschichte einer norddeutschen Frau aus protestantischem Adel, die nach Süddeutschland in ein urkatholisches Geschlecht einheiratet. Im Wunschkind-Roman wird das Problem der Familie und Sippe, das bereits im Roman „Labyrinth“ anklingt, zum Leitmotiv, das auch den Roman „Lennacker“ und seine Fortsetzung „Das unverwesliche Erbe“ durchzieht.

Ina Seidel identifizierte sich wie Börries Freiherr von Münchhausen und viele andere Schriftstellerkollegen auch mit der Weltanschauung des Nationalsozialismus. Im Oktober 1933 gehörte sie zu jenen 88 Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben. Ihr Gedicht „Lichtdom“ wurde mit einer Aufnahme in den Sammelband „Dem Führer – Worte deutscher Dichter“ geehrt.[1] 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges gegen Deutschland, entstanden Biographien über Achim von Arnim, Bettina von Arnim und Clemens Brentano, und sie wurde auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“ (Sonderliste) unter den sechs wichtigsten zeitgenössischen deutschen Schriftstellern aufgeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

In der Sowjetischen Besatzungszone wurde das von ihr gemeinsam mit Hans Grosser veröffentlichte Werk „Dienende Herzen, Kriegsbriefe von Nachrichtenhelferinnen des Heeres“ (1943) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt. Am 22. September 1945 starb ihr Mann in Starnberg.

Auch nach dem Krieg wurde sie mit Preisen geehrt und hielt Lesungen; 1955 wurde sie zum zweiten Mal zum Mitglied der Preußischen Akademie gewählt (das erste Mal 1932) und publizierte weiter. 1955 gab sie die Erinnerungen ihrer Mutter unter dem Titel „Unvergeßliches Riga“ heraus.

Im Jahre 1960 schrieb sie über den Tod ihres Förderers Börries Freiherr von Münchhausen, der 1945 starb:

„Der Tod des Dichters Börries, Freiherrn von Münchhausen am 16. März 1945 verlor sich in der Dunkelheit, die in jenem Frühjahr endgültig über Deutschland hereinbrach.“[2]

Ehrungen, Mitgliedschaften

Portraitzeichnung von Heinrich Wolff
  • 1932: Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste (Berlin); Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft
  • 1941: Franz-Grillparzer-Preis der Stadt Wien
  • 1948: Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 1949: Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig
  • 1954: Verdienstkreuz (Steckkreuz) der Bundesrepublik Deutschland
  • 1955: Ordentliches Mitglied der Akademie der Künste Berlin (West)
  • 1958: Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1966: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 1970: Ehrenbürgerwürde der Stadt Starnberg

Gedichte

Sternenglaube

Seltsam wirkt der Sterne Walten
Über unsern dunklen Wegen,
Ihren schweigenden Gewalten
Mußt du still ans Herz dich legen.
Mußt getrost im Schatten wandern,
Wenn dein Glück sich stumm verschleiert
Und die Welt das Fest der andern
Unbekümmert weiter feiert.
Nach dem Takt der ew’gen Runde
Wandelt das Geschick im Tanze.
Unbewußt ist dir die Stunde:
Plötzlich liegt die Welt im Glanze.

Regenballade

Die „Regenballade“ in einer Vertonung von Achim Reichel:


Weitere Gedichte

Werke

Auswahl
  • Deutsche Frauen, Bildnisse und Lebensbeschreibungen - Eingeleitet von Ina Seidel, Berlin/Steiniger, 1939

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Dem Führer – Worte deutscher Dichter
  2. zitiert in: „Ossietzky“ 19/2004, Werner Liersch: „Die von Schatten befreite Dichterin“
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