Königsberg (Preußen)
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| | Königsberg befindet sich seit 1945 unter russischer Fremdherrschaft. Die einheimische Bevölkerung wurde völlig vertrieben. |
Einwohner=372.000 (1939)
Königsberg (derzeitiger Name Kaliningrad seit 1946) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Ostpreußens, am Pregel und 7 km von dem Einflusse dessen in das Frische Haff, an der äußersten Südgrenze Samlands.
Die Stadt Königsberg wurde 1255 gegründet und zu Ehren des Königs von Ottokar von Böhmen Königsberg genannt. Sie war 1457-1525 die Residenz des Hochmeisters des Deutschen Ordens und 1525-1618 der preußischen Herzöge.
Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Schloß, ein Viereck von 110 Länge und 70 m Breite bildend, lag auf einer kleinen Anhöhe.
In der Schloßkirche wurden Friedrich I. 1701 und Wilhelm I. 1861 zu preußischen Königen gekrönt. Königsberg wurde von britischen Terrorbombern im August 1944 fast vollständig zerstört.
Der historische Stadtkern, bestehend aus den Stadtteilen Altstadt, Löbenicht und Kneiphof wurde praktisch vollständig zerstört. Darunter der Dom, das Schloß, sämtliche Kirchen der Innenstadt, die alte und die neue Universität sowie das alte Speicherviertel. Etwa 200.000 Königsberger wurden obdachlos.
Die Ende Januar 1945 abgeschnittene und zur Festung erklärte Stadt verteidigte sich drei Monate lang, ehe sie von russisch-bolschewistischen Truppen, trotz heldenhafter Gegenwehr unter General Otto Lasch, erobert wurde. Die deutsche Militärführung der Stadt ergab sich den sowjetischen Einheiten erst am 9. April 1945.
Dann begann wohl das grausamste und schrecklichste Wüten in der Menschheitsgeschichte. Als 1948 die letzten Deutschen aus der nun schon völkerrechtswidrig Kaliningrad genannten deutschen Stadt deportiert wurden, waren von geschätzten 110.000 Menschen am Tag der Kapitulation nur noch knapp 15.000 am Leben. Im Jahre 1939 hatte die Stadt einmal 372.000 deutsche Einwohner gehabt.
Seit der völkerrechtswidrigen Annexion durch Rußland, der damaligen Sowjetunion im Jahre 1945 und der anschließenden restlichen Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus ihrer Heimat befindet sich derzeit diese Ostpreußische Stadt unter russischer Verwaltung.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Geographische Lage
Das Gebiet Königsbergs liegt zu beiden Ufern der Mündung des Flusses Pregel, der dort das Frische Haff erreicht. Dieses wiederum wird durch die schmale Halbinsel der Frischen Nehrung von der Ostsee abgegrenzt. Durch den Königsberger Seekanal zum 50 km entfernten Hafen Pillau besteht eine direkte Verbindung zum Meer. Auf dem Straßen- bzw. Schienenweg ist die Hauptstadt des Reiches Berlin etwa 650 km entfernt.
[bearbeiten] Stadt Königsberg
[bearbeiten] Wappen
Das Stadtwappen zeigt die drei Stadtwappen unter dem preußischen Adler als vereinigendes Siegel. Der Adler trägt die Initialen FRW (Friedrich Wilhelm Rex) auf der Brust, darüber die Königskrone Preussens und auf dem Haupt die Herzogskrone des Landes. In der Mitte steht das Wappen Altstadts: oben in Silber eine rote Krone, unten ein silbernes Kreuz in rotem Feld; links das Wappen der ehemaligen Stadt Löbenicht, zwischen zwei Sternen eine Krone; rechts das der ehemaligen Stadt Kneiphof: in Grün ein aus Wellen aufsteigende Hand mit goldene Krone, jederseits begleitet von einem abgewendeten goldenen Hifthorn. Es wurde 1724 Friedrich Wilhelm I. zur Vereinigung als Siegel gestiftet und wurde 1906 vom Magistrat zum Stadtwappen erklärt.
Das Wahrzeichen der Stadt war bis zu seiner sinnlosen Zerstörung durch englische Terrorbomber und die nachfolgende endgültige Zerstörung durch die Russen das Königsberger Schloß.
[bearbeiten] Geschichte
[bearbeiten] Zeittafel der Stadt Königsberg
- 1255 Der Deutsche Orden erbaut die Burg Königsberg.
- 1262 Belagerung der Burg durch die aufständischen Prußen
- 1286 Gründung der Altstadt
- 1300 Gründung des Löbenicht
- 1327 Gründung des Kneiphofs
- 1457 Königsberg wird Residenz der Hochmeister des deutschen Ordens.
- 1525 Königsberg wird Hauptstadt des Herzogtums Preußen.
- 1544 Herzog Albrecht gründet die Albertina und führt den evangelischen Glauben ein
- 1660 Der Große Kurfürst zerschlägt den Königsberger Aufstand legt die Zwingfeste Friedrichsburg an.
- 1701 Am 18.01 Köningskrönung Friedrichs I.
- 1724 Vereinigung der drei Städte (Altstadt, Kneiphof und Löbenicht) zu Königsberg.
- 1758–1762 Russische Okkupation und Huldigung der Zarin Elisabeth
- 1807 Königsberg von Franzosen besetzt.
- 1808–1809 Preussische Reformen in Königsberg beraten und erlassen.
- 1844 König Friedrich Wilhelm IV. legt den Grundstein für die Neue Universität am Paradeplatz
- 1861 Am 18.08 Krönung König Wilhelms I.
- 1919 Ostpreußen wird vom Reich abgeschnitten (sogenannter Versailler Vertrag).
- 1920–1941 Deutsche Ostmesse in Königsberg
- 1933 Am12.03 erlangt dieNSDAP in der Stadtverordnetenwahl die absolute Stimmenmehrheit.
- 1944 August. Zwei Nachtangriffe 26.08 auf 27.08 und 29.08 auf 30.08 durch englische Terrorbomber zerstören Königsberg schwer.
- 1945 Am 9. April kapituliert der Kommandant Otto Lasch.
- 1947–1948 Vertreibung der letzten 25.000 Deutschen
Um 100 vor Chr. wanderten die Goten in das Gebiet an und östlich der Weichselmündung ein und blieben dort bis ins 2. bis 3. Jh. nach Chr. Ihre materielle Hinterlassenschaft (Wielbark-Kultur) zeigt eine Mischung aus skandinavischen und anderen Elementen. Ansonsten wohnten an der Südostküste der Ostsee damals Balten, von den antiken Autoren Aesti genannt. Im 10. Jahrhundert wird der Stammesname Bruzi (Prußen) erwähnt. Nach vergeblichen Versuchen, die Prußen zu unterwerfen und zu christianisieren, wandte sich der polnische Seniorherzog Konrad von Masowien um Hilfe gegen die Prußen an den Deutschen Orden, der sich von ihm als Vorleistung für die Zurückwerfung das Culmer Land und alle zukünftigen Eroberungen vermachen ließ. 1231 begann der Deutsche Orden mit der Unterwerfung der Prußen. Während diese durch den Eroberungskrieg stark dezimiert wurden, rief der Orden deutsche Siedler ins Land.
[bearbeiten] Deutscher Orden
Das Gebiet der späteren Stadt an der Ostsee war um das Jahr 1000 n. Chr. von den zu den Balten gehörenden heidnischen Prußen bewohnt. Der Deutsche Orden, der seit den 1220er Jahren die Christianierung der Balten betrieb, errichtete 1254 auf Anregung des beim Kreuzzug mitwirkenden böhmischen Königs Ottokar II. anstelle der eroberten und zerstörten prussischen Burg Tvankste oder Tuwangste zum Schutz und Trutz gegen die heidnischen Prußen zunächst eine hölzerne Burg. Diese provisorische Befestigung, Conigsberg genannt, wurde bis 1257 in einen Steinbau umgewandelt.
Im Umfeld der Burg entstanden drei Ordensstädte namens Altstadt, Löbenicht und Kneiphof, die jeweils eine eigene Verwaltung hatten und ihre Befestigung, einen Markt und eine Kirche erhielten. Ihre Bürger waren Deutsche. Allgemein wird das Jahr 1255 als Entstehungsjahr der Gesamtstadt angesehen. Die Altstadt wurde 1256 im Gebiet des späteren Steindammes angelegt und wurde nach der Zerstörung durch die Prußen im Jahre 1263 in dem Tal unterhalb des Schlossbergs wieder aufgebaut. Sie erhielt 1286 das Stadtrecht und wurde 1340 Mitglied der Hanse.
Die Kneiphofinsel war seit 1322 geistlicher Bezirk, für den zwischen 1330 und 1380 der Dom errichtet wurde. Nach dem Verlust der Marienburg 1457 wurde die Burg Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens.
[bearbeiten] Preußen
1701 wurde das Herzogtum Preußen zum Königreich erhoben und Kurfürst Friedrich III. krönte sich am 18. Januar in der Königsberger Schlosskirche als Friedrich I. zum König in Preußen. Friedrich der Große konnte sich 1772 König von Preußen nennen. Mit dem Erwerb des preußischen Königstitels setzte sich für die vom brandenburgischen Kurfürsten bzw. König in Preußen regierten Territorien die Bezeichnung Königlich preußische Staaten, kurz Preußen, durch, so dass 1701 Preußen i. S. des preußischen Gesamtstaates entstand. „Preußen“ ist somit politisch aus dem hohenzollernschen Brandenburg hervorgegangen, verdankt aber seinen Namen dem östlichen Preußen um Königsberg.
1724 wurden am 13. Juni die drei Städte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht zur Stadt Königsberg vereinigt. Im selben Jahr wurde in Königsberg der wohl berühmteste Sohn der Stadt, der Philosoph Immanuel Kant geboren. Kant soll in seinem Leben kaum seine Heimatstadt verlassen haben. Durch ihn wurde die Königsberger Universität zu einem Zentrum der Philosophie.
1730 wurde in Königsberg Johann Georg Hamann geboren, den man den Magus des Nordens nannte. Er war Philosoph und Schriftsteller. Der Schriftsteller, Musiker, Komponist und Jurist E.T.A. Hoffmann wurde 1776 in Königsberg geboren.
Um 1800 zählte Königsberg mit etwa 60.000 Einwohnern zu den größten deutschen Städten.
Auch in den Napoleonischen Kriegen war Ostpreußen mit Königsberg und Memel wichtiger Schauplatz, als Flucht- und Rückzugsgebiet der preußischen Armee und des Königs nach den Niederlagen gegen Napoleon 1807. Nach der Niederlage der Armee Napoleons in Russland begann von Ostpreußen aus die organisierte Befreiungsbewegung gegen Napoleon, als am 30. Dezember 1812 die Militärkonvention von Tauroggen zwischen dem preußischen General Yorck von Wartenburg und dem Befehlshaber in russischen Diensten Hans Karl von Diebitsch unterzeichnet wurde.
1829 wurden die beiden Provinzen Ost- und Westpreußen als „Provinz Preußen“ mit der Hauptstadt Königsberg vereinigt. 1860 wurde der Bau der Preußischen Ostbahn, die Königsberg an Berlin anschloss und die Stadt zu einem wichtigen Knotenpunkt im innereuropäischen Verkehr machte, vollendet.
Wilhelm I. ließ sich am 18. Oktober 1861 in der Schlosskirche wieder in Königsberg zum König krönen. Die eigens für die Zermonie angefertigten Kronkarkassen sind im 2. Weltkrieg verschollen.
[bearbeiten] Weimarer Republik
Durch den sogenannten Versailler Vertrag war Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet abgetrennt worden, was insbesondere zu großen wirtschaftlichen Problemen führte. Diese wurden durch eine gezielte Wirtschaftspolitik (siehe Ostmesse) und andere Maßnahmen (siehe Seedienst Ostpreußen) gemildert.
Im Jahr 1920 eröffnete Reichspräsident Friedrich Ebert im Königsberger Tiergarten die erste Ostmesse, die bis 1941 regelmäßig abgehalten wurde. 1919 wurde der von Hans Hopp entworfene erste zivile Flughafen Deutschlands in Königsberg-Devau in Betrieb genommen. Die Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes am südlichen Stadtrand im Jahre 1929 ermöglichte die Umgestaltung des ehemaligen Bahnhofsgeländes.
[bearbeiten] Großdeutsches Reich
Königsberg war während der Zeit des Nationalsozialismus Sitz der Gauleitung für Ostpreußen unter Gauleiter Erich Koch. Im Zweiten Weltkrieg kam es nach Kriegsbeginn mit der UdSSR zu einigen Bombenangriffen auf Königsberg durch die sowjetische Luftwaffe, die mit dem Vorrücken der deutschen Streitkräfte allerdings bald zum Erliegen kamen. Danach blieb Königsberg aufgrund seiner entfernten Lage im Nordosten des Deutschen Reiches lange Zeit von den Kriegsgeschehnissen verschont, bis es in den Nächten vom 26. zum 27. August 1944 sowie vom 29. zum 30. August 1944 von britischen Bomberverbänden stark zerstört wurde. Weite Teile Königsbergs brannten über mehrere Tage. Der historische Stadtkern, bestehend aus den Stadtteilen Altstadt, Löbenicht und Kneiphof war praktisch vollständig zerstört, darunter der Dom, das Schloß, sämtliche Kirchen der Innenstadt, die alte und die neue Universität sowie das alte Speicherviertel. Etwa 200.000 Königsberger waren obdachlos geworden.
Die Ende Januar 1945 abgeschnittene und zur „Festung“ erklärte Stadt verteidigte sich drei Monate lang heldenhaft, ehe sie von sowjetischen Truppen eingenommen werden konnte. Die Militärführung der Stadt unter General Otto Lasch ergab sich den sowjetischen Einheiten am 9. April 1945. Zu diesem Zeitpunkt standen die sowjetischen Soldaten bereits auf dem Universitätsplatz, unter dem sich der Bunker von Lasch befand. Der vorangegangene Straßen- und Häuserkampf hatte auf beiden Seiten hohe Verluste, auch in der Zivilbevölkerung, gefordert und war von zahlreichen Grausamkeiten und Kriegsverbrechen der vorrückenden russisch-bolschewistischen Truppen begleitet.
[bearbeiten] derzeitige Situation
Auf der Potsdamer Konferenz hatten die Siegermächte beschlossen, das mittlere Ostpreußen vorübergehend unter die Verwaltung der Sowjetunion zu stellen. Am 17. Oktober 1945 gliederte die UdSSR dieses Gebiet der Russischen Sowjetrepublik an. 1946 wurde Königsberg in Kaliningrad umbenannt.
Nach einer Zählung im August 1945 befanden sich noch ca. 100.000 deutsche Zivilisten, meistens Frauen und Kinder in der Stadt. Diese wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht festgehalten, um als Zwangsarbeiter in ihrer eigenen Heimat ausgenutzt zu werden. Als 1948 die Deutschen aus Königsberg endgültig vertrieben wurden, waren von diesen 100.000 Menschen nur noch etwa 20.000 am Leben. Die anderen 80.000 Deutschen waren Seuchen und Hunger zum Opfer gefallen oder ermordet worden.
Im Oktober 1947 wurde damit begonnen, die bis dahin noch in Königsberg und dem umliegenden Gebiet verbliebene deutsche Bevölkerung in Richtung Westen abzutransportieren. Seitdem befindet sich die Stadt im isolierten, russisch verwalteten mittleren Ostpreußen.
Königsberg als Wiege des Preußentums wird sich, unter welcher Besatzung auch immer, niemals von seinen urdeutschen Wurzeln lösen. Auch das deutsche Herz, die Krönungsstadt der preußischen Könige Königsberg, wird eines Tages wieder neu beginnen zu schlagen. Als das, was sie immer war: Eine deutsche Stadt in deutschem Land.
[bearbeiten] Videos
Gespräch mit der Königsbergerin Erika Morgenstern:
[bearbeiten] Literatur
- Ostpreußen-1440 Bilder, Geschichtliche Darstellung von Emil Johannes Guttzeit (Weltbild, ISBN: 978-3-8289-0575-7)
- Manfred Weinhold: Deutschlands Gebietsverluste 1919-1945, Handbuch und Atlas (Arndt-Verlag, ISBN-13: 978-3887411978)
- Martin Schmidtke: Rettungsaktion Ostsee 1944/1945 (Verlag: Bernard & Graefe, ISBN-13: 978-3763762637)
- Heinz Schön: Ostpreußen 1944/45 im Bild: Endkampf-Flucht-Vertreibung (Arndt-Verlag, ISBN-13: 978-3887410896)
[bearbeiten] Dokumentationen / Filme
- Ostpreußen wie es war (Polarfilm, ISBN 3-937163-45-x)
- Ostpreußen, Ermland und Masuren, Reise in ein fremdgewordenes Land (Polarfilm, ISBN 3-939504-39-4)
- Ostpreußen-Reise 1937 (Polarfilm, ISBN 3-937163-30-1)
- Sturm über Ostpreußen, 1. Ostpreußen im Inferno, 2. Ostpreußen im Todeskampf, Dokumentation der Tragödie von Juni 1944 bis Mai 1945 (Polarfilm, ISBN 3-937163-67-0)
[bearbeiten] Verweise
Ansichtsvergleich: Damaliger und derzeitiger Zustand der Stadt
