Karl V. (HRR)

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Kaiser Karl V. im Jahre 1531

Karl V. (Lebensrune.png 24. Februar 1500 in Gent; Todesrune.png 21. September 1558 im Kloster San Jerónimo de Yuste, Extremadura) war von 1516 an König Karl I. von Spanien (span. Carlos I). Mit seiner Wahl im Jahre 1519 wurde er zunächst römisch-deutscher König, er nannte sich aber nach seiner Krönung im Jahre 1520 „erwählter“ Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Im Jahre 1530 wurde er offiziell, als letzter römisch-deutscher Kaiser, durch den Papst zum Kaiser gekrönt. Am 23. August 1556 verzichtete er zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf den spanischen Thron und zugunsten seines Bruders Ferdinand I. auf die Kaiserwürde. Karl V. trat einerseits als durchaus fähiger Reichsverteidiger nach außen auf, besiegelte jedoch durch die von ihm unternommene Gegenreformation innenpolitisch die religiöse Spaltung Deutschlands sowie dessen fortwährende Abhängigkeit vom römischen Papst, welche zum Dreißigjährigen Krieg und zur staatlich-politischen Zersplitterung Deutschlands führten.

Leben

Wappen des römisch-deutschen Kaisers und Königs Karl V. als Brustschild auf dem Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Als 1506 sein Vater starb, erbte Karl im Alter von sechs Jahren die nördlichen Teile des ehemaligen Herzogtums Burgund, d. h. die heutige Picardie, Belgien und die Niederlande. Er wuchs an dem Hof seiner Tante Margarete (der Tochter Maximilians I.) in Brüssel auf, die die Vormundschaft über ihn ausübte. Seine religiöse Erziehung übernahm Adrian von Utrecht, der spätere Papst Hadrian VI.

Der Herrscher

Kaiser Karl V., 1548

Herrschaftsantritt

Nach dem Tod seines spanischen Großvaters im Jahre 1516 wurde Karl König von Aragonien. Wegen der Geisteskrankheit seiner Mutter übernahm er auch schon früh die Verantwortung über Kastilien. Dies durfte allerdings in Spanien nicht offiziell werden. Somit wurde nur im Heiligen Römischen Reich von Karl als spanischem König gesprochen. Zu seinem Herrschaftsbereich gehörten auch die Königreiche Navarra, Granada, Neapel, Sizilien, Sardinien und die spanischen Kolonien in Amerika. Da er erstmals in einer Person die Kronen von Kastilien und Aragonien vereinte, gilt er als erster König von Spanien. Als 1519 sein Großvater Maximilian I. starb, erbte Karl auch die Habsburgischen Lande im Heiligen Römischen Reich (mit dem Kernland Österreich).

Königswahl und Kaiserkrönung

Um Maximilians Nachfolge als römisch-deutscher König und Kaiser bewarben sich neben ihm auch Franz I. von Frankreich, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen sowie Heinrich VIII. von England. Am 28. Juni 1519 wählten die Kurfürsten Karl in Frankfurt am Main zum König (was zur damaligen Zeit Vorstufe zur Erlangung der Kaiserwürde war). Den Wahlkampf hatte hauptsächlich die Kaufmannsfamilie der Fugger finanziert, die dafür weitreichende Privilegien vom Reich erhielt. Die Krönung erfolgte am 23. Oktober 1520 im Kaiserdom zu Aachen durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied. Anschließend ernannte sich Karl zum „Erwählten Kaiser“. Karl V. war der letzte Römische Kaiser, dessen Kaisertum durch die Krönung durch den Papst bestätigt wurde. Dies geschah am 24. Februar 1530 in Bologna durch PapstClemens VII.. Karl trug die offiziellen Titel:

Karl V., von Gottes Gnaden erwählter Römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Spanien, beider Sizilien, Jerusalem, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, der Balearen, der kanarischen und indianischen Inseln sowie des Festlands jenseits des Ozeans König, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Steier, Kärnten, Krain, Luxenburg, Limburg, Athen und Patras, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Pfalzgraf von Burgund, Hennegau, Pfirt, Rousillion, Landgraf im Elsaß, Fürst in Schwaben, Herr in Asien und Afrika.

Sein Wahlspruch lautete: plus Ultra (lat. – immer weiter).

Verhältnis zu Deutschland

Karl verfolgte vor allem spanische Interessen. Zu Deutschland hatte er kein Verhältnis. Dies zeigt sich vor allem in der Heraustrennung der Niederlande, der Unterstützung der Gegenreformation und dem Betrug gegen Deutschland als es darum ging, die neuen Kolonien in Amerika für den spanischen Machtbereich zu sichern. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, Recht zu brechen und Morde in Auftrag zu geben. Wie z. B. die Morde an Philipp von Hutten und Bartholomäus Welser dem Jüngeren, nachdem diese Venezuela bei ihrer vorherigen Erkundung von der Welserkolonie aus auf der Suche nach dem „El Dorado“ rechtmäßig in deutschen Besitz genommen hatten. Für die spätere deutsche Geschichte erwies sich die Regierungszeit dieses gänzlich volksfremden Herrschers als verheerend.

Kriege

Karls V. einzige Konkurrenten um die Vorherrschaft in Europa waren der König von Frankreich und der Sultan des Osmanischen Reichs, was sich auch in der Anzahl der Kriege gegen sie niederschlug. Finanziert wurden diese Kriege mit den Gold- und Silberlieferungen der Konquistadoren aus den neu eroberten Ländern auf dem amerikanischen Kontinent. Ohne die reichen Goldsendungen von Ferdinand Cortes aus Neu-Spanien und Francisco Pizarro aus Peru wären die Kriege des Kaisers so nicht durchführbar gewesen. Durch die neuen Besitzungen in Amerika regierte Karl V. über ein Reich, in dem die Sonne nie unterging.

Krieg gegen Frankreich

Karl führte gegen Frankreich von 1521 bis 1526 Krieg um die Vorherrschaft in Norditalien, darunter um das reiche Mailand, auf das König Franz I. Erbansprüche geltend machte. Der Krieg wurde auch an der spanisch-französischen Grenze und in den Burgundischen Niederlanden ausgetragen.

1525 wurde Franz I. in der Schlacht bei Pavia (24. Februar) gefangengenommen und 1526 zur Unterzeichnung des Vertrags von Madrid gezwungen, in dem Frankreich auf seine Ansprüche in Norditalien verzichtete. Nachdem Franz wieder frei war, widerrief er jedoch den Vertrag, da er ihm in Gefangenschaft aufgezwungen worden war. Der 1529 mit Frankreich unterzeichnete Damenfriede von Cambrai und der Friede von Barcelona (mit dem Papst) bestätigten Karl als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und erlaubten ihm auch, seine Territorien in Italien zu behalten. Frankreich und Spanien verzichteten gegenseitig auf ihren Anspruch, ganz Burgund besitzen zu wollen und bestätigten die burgundische Aufteilung von 1477.

1527 plünderten kaiserliche Truppen die Stadt Rom. Dies geschah mit Duldung Karls, weil ihm die Mittel fehlten, die Landsknechte zu bezahlen, und sich Papst Clemens VII. in der Liga von Cognac gegen ihn beteiligt hatte. Daß sie dabei Clemens in der Engelsburg festsetzten, brachte Karl in Verlegenheit, ermöglichte ihm aber, die Annullierung der Ehe Heinrichs VIII. von England mit seiner Tante Katharina von Aragón durch den Heiligen Stuhl zu verhindern.

1552 bis 1556 versuchte Karl erfolglos, die Städte und Bistümer Metz, Tull, Verden und Kamerich zurückzuerobern, die Frankreich nach dem Vertrag von Chambord militärisch besetzt hatte.

Reformation

Als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs lud Karl 1521 Martin Luther unter Gewährung freien Geleits vor den Reichstag zu Worms. Dieser verhängte gegen Luther und seine wachsende Anhängerschaft die Reichsacht. Jedoch war Karl mit anderen Belangen so stark beschäftigt, daß er nicht in der Lage war, dem Protestantismus Einhalt zu gebieten.

Bauernkrieg

Zwischen 1524 und 1526 wurde das Reich vom deutschen Bauernkrieg erschüttert; etwas später, 1531, entstand auch der Zusammenschluß der führenden protestantischen Stände, der Schmalkaldische Bund. In diesen Jahren übertrug Karl immer mehr Verantwortung für Deutschland auf seinen Bruder Ferdinand, während er sich auf außenpolitische Probleme konzentrierte.

Krieg gegen die Türken

Mehrere Jahre kämpfte Karl gegen das Osmanische Reich (→ Türkenkriege) und dessen Sultan Süleyman den Prächtigen. Vor dem Hintergrund der Türkengefahr schloß er mit den protestantischen Reichsständen 1532 den Nürnberger Religionsfrieden. Die Expeditionen der osmanischen Streitkräfte entlang der Mittelmeerküste bedrohten die Länder Habsburgs und den Frieden in Westeuropa.

1521 eroberten die Türken Belgrad. 1526 siegten sie in der Schlacht von Mohatsch über Ludwig II. von Ungarn und standen 1529 mit einer Armee von 120.000 Mann vor Wien. Karl V. kam seinem Bruder Ferdinand I. jedoch aufgrund seiner Aktivitäten in Italien nicht zu Hilfe. Einen wichtigen Sieg konnte Karl 1535 durch die Eroberung von Tunis im Tunisfeldzug erringen, jedoch verbündete sich Franz I. 1536 mit Süleyman gegen Karl. Während Franz 1538 zum durch Papst Paul III. vermittelten Friedensvertrag von Nizza gedrängt werden konnte, verbündete er sich 1542 wieder mit dem Osmanischen Reich gegen Karl. Ein 1543 mit Heinrich VIII. von England gebildetes Bündnis drängte Franz zum Waffenstillstand 1544 im Frieden von Crépy. Um einen Aufschub für die hohen Kosten ihres Krieges zu erreichen, unterzeichnete Karl später einen demütigenden Vertrag mit den Osmanen.

Unterschrift Karls V. als Kaiser Carol(us). Brief an den Fürstbischof von Würzburg, Brüssel 12. Oktober 1548, mit der Forderung, das Augsburger Interim in seinem Stift lückenlos einzuführen

Rechtsprechung

Im Jahre 1530 erließ Karl auf dem Augsburger Reichstag mit der Constitutio Criminalis Carolina ein einheitliches Straf- und Prozeßrecht für das gesamte Reich. Die Carolina wurde im Jahre 1532 auf dem Reichstag in Regensburg ratifiziert und gilt als das erste allgemeine deutsche Strafgesetzbuch.

Gegenreformation

Mit der Eröffnung des Konzils von Trient 1545 begann die Gegenreformation, und Karl gewann für die katholische Seite einige der Fürsten des Reichs. 1546 griff er den Schmalkaldischen Bund an, besiegte Johann Friedrich von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 und nahm Philipp von Hessen gefangen. Auf dem Reichstag zu Augsburg entwarf er einen Kompromiß, der nach seiner Meinung von Katholiken und Protestanten gleichermaßen angenommen werden konnte (Augsburger Interim).

1548 machte er die siebzehn Provinzen der Niederlande zu einem Gebilde außerhalb des deutschen Reiches. Im Jahre 1552 erlitt er gegen das Heer der protestantischen Fürstenopposition unter Kurfürst Moritz von Sachsen bei Innsbruck in Tirol eine entscheidende Niederlage. Es wird die Behauptung aufgestellt, daß Josel von Rosheim den Kaiser vor dem Angriff gewarnt hat, so daß dieser vorher fliehen konnte.[1] Nur widerwillig stimmte er dem Passauer Vertrag zu. 1555 mußte er den Augsburger Reichs- und Religionsfrieden anerkennen.

Abdankung

1556 dankte Karl V. ab und teilte seinen mannigfaltigen Besitz auf. Sein Sohn Philipp II. von Spanien erhielt Spanien und Burgund, sein Bruder Ferdinand I. wurde Nachfolger als Kaiser im Heiligen Römischen Reich. Seine Abdankungserklärung verfaßte Karl in Latein. Am 12. September 1556 stellte er den Kurfürsten seine förmliche Abdankungsurkunde zu, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches.

Tod

Karl V. zog sich in das Kloster San Jerónimo de Yuste (Extremadura) zurück, wo er am 21. September 1558 an den Folgen der Malaria verstarb.

Zitate

  • „Vor vierzig Jahren, am selben Ort, am Vorabend des Dreikönigstages, hat mich der Kaiser, mein Großvater, für volljährig erklärt. Dann wurde ich König von Spanien, dann selbst Kaiser – Ich habe die Kaiserkrone gesucht, nicht um über noch mehr Reiche zu gebieten, sondern um für das Wohl Deutschlands und der anderen Reiche zu sorgen, der gesamten Christenheit Frieden und Eintracht zu erhalten und zu schaffen und ihre Kräfte gegen die Türken zu wenden. Ich habe darum viel beschwerliche Reisen machen, viele beschwerliche Kriege führen müssen … aber niemals mutwillig, sondern stets sehr gegen meinen Willen als Angegriffener.“
  • „Große Hoffnung hatte ich – nur wenige haben sich erfüllt, und nur wenige bleiben mir: und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht. Ihr wißt alle, wie sehr … Ich habe alle Wirrnisse nach Menschenmöglichkeit bis heute ertragen, damit niemand sagen könnte, ich sei fahnenflüchtig geworden. Aber jetzt wäre es unverantwortlich, die Niederlegung noch länger hinauszuzögern. Glaubt nicht, daß ich mich irgend Mühen und Gefahren entziehen will: Meine Kräfte reichen einfach nicht mehr hin. Vertraut meinem Sohn, wie er euch vertraut, seid einig, übt stets Gerechtigkeit und lasset den Unglauben nicht in eure Reihen.“
  • „Was mich betrifft: ich weiß, daß ich viele Fehler begangen habe, große Fehler, erst wegen meiner Jugend, dann wegen des menschlichen Irrens und wegen meiner Leidenschaften, und schließlich aus Müdigkeit. Aber bewußt habe ich niemandem Unrecht getan, wer es auch sei. Sollte dennoch Unrecht entstanden sein, geschah es ohne mein Wissen und nur aus Unvermögen: ich bedaure es öffentlich und bitte jeden, den ich gekränkt haben könnte, um sein Verzeihen.“

Literatur

  • Peter Rassow: Karl V., in: Hermann Heimpel, Theodor Heuss, Benno Reifenberg (Hrsg.): Die großen Deutschen. Deutsche Biographie. Fünf Bände, Prisma Verlag, Gütersloh 1978, 3.700 Seiten [Nachdruck der überarbeiteten Ausgabe von 1966 des 1956 neu aufgelegten gleichnamigen Werkes von Willy Andreas u. Wilhelm von Scholz aus den Jahren 1935–1937]
  • Robert Rösler: Die Kaiserwahl Karl’s V. (1868) (PDF-Datei)
  • Repertorium der Geschichte und Staatsverfassung von Teutschland: Karl der Fünfte. 1519–1558. Nebst einem Anhange, 1792 (PDF-Datei)

Verweise


Vorgänger Amt Nachfolger
Maximilian I. Deutsch-römischer König Ferdinand I.

Fußnoten