Kant, Immanuel

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Immanuel Kant (Todesrune.png 22. April 1724 in Königsberg; Todesrune.png 12. Februar 1804 ebenda) war einer der einflußreichsten deutschen Philosophen. Sein bedeutenstes und maßgebendes Werk „Kritik der reinen Vernunft“ kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Werk „Kritik der praktischen Vernunft“ und in der Ästhetik mit der „Kritik der Urteilskraft“ sowie bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflußt. Die Kantsche Pflichtenlehre ist Teil seiner Ethik des Idealismus.

Immanuel Kant (1724–1804)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Einleitende Betrachtung

Der Drang nach systematischem Forschen und Denken ist eine der hervorstechendsten Eigenschaften des nordischen Menschen. Wo nordisches Blut im Laufe der vergangenen Geschichte hinfloß, erblühte neben einer hohen Allgemeinkultur vor allen Dingen eine hoch stehende Wissenschaft. So war es auch nordisches Blut, das die Grundlage jener berühmten hellenischen Geisteskultur bildete, die in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende der griechischen Kultur ihr Gepräge gab.

Die Systematik des Forschens und Denkens dieser Geisteskultur ist das treffendste Beispiel für diese Eigenart nordischen Geistes. Die großen Denker, wie Plato (427–347 v. d. Z.) und Aristoteles (Lebensrune.png 384 v. d. Z.), sind noch heute lebendige Beispiele für eine Tiefe des Forschens und eine Klarheit des Denkens, die in der gesamten Geistesgeschichte niemals wegzudenken sind.

Noch als das alte Hellas und in den folgenden Jahrhunderten das alte Rom im Sterben lagen, trat das Christentum seinen Siegeszug über das rassisch zerstörte Volkstum an den Ufern des Meeres an. Mit dieser Bewegung traten neue geistige Kräfte im Süden und später auch im Norden in Erscheinung, deren wesentliche Merkmale nicht ein unbezwingbarer Drang nach tiefem Forschen und klarem Denken waren, sondern denen vielmehr der Glaube an eine unbewiesene Stellungswelt und an unnatürliche Wunder eigentümlich ist.

Diese in starkem Maße von jüdischen und asiatischen Rasseelementen getragene Bewegung überdeckte in den folgenden nachchristlichen Jahrhunderten fast die gesamte europäische Geistestätigkeit, und auch im blutsmäßig rein erhaltenen nordischen, germanischen Lebensraum unterdrückte diese Vorstellungswelt mit Zwangsmitteln systematisch jede Regung eines freien denkenden und forschenden Geistes. In jahrhundertelangem Ringen kämpfte auf germanischen Boden eine dogmatische Vorstellungswelt mit dem Streben dieser jungen germanischen Bauernvölker nach geistiger Selbständigkeit.

Immer wieder standen die freidenkenden Geister im nördlichen Italien, im Norden Frankreichs, in England und insbesondere in Deutschland auf, diese Selbständigkeit des Denkens und des Forschens erneut, allen Widerständen zum Trotz, zu begründen und, wenn vorhanden, diese Freiheit zu verteidigen. Von diesem Gesichtspunkt aus sind immer wieder die Persönlichkeiten der deutschen nordischen Geistesgeschichte zu betrachten.

Hat es in der vorreformatorischen Zeit, wie wir wissen, schon nicht an Protesten gefehlt, so haben sich in den nachreformatorischen Jahrhunderten die Geister erhoben, diese Freiheiten fester zu untermauern. Die Tatsache, daß die lutherische Reformation auf den Dogmen einer unbeweisbaren biblischen Vorstellungswelt stehengeblieben war, ließ das religiöse Leben des protestantischen Deutschlands in den nachfolgenden Jahrhunderten von neuem dogmatisch erstarren. Politisch war Deutschland durch den Dreißigjährigen Krieg in den Zustand einer Ohnmacht verfallen, aus dem es sich nur langsam wieder erholen konnte. Aufgrund der zahlenmäßigen Vernichtung seines bisherigen Bevölkerungsbestandes waren auch die Möglichkeiten für das Auftreten neuer großer Geister vorübergehend stark begrenzt, und es ist bezeichnend für die Eigenart nordischen Blutes, daß trotz aller Ausrottungsversuche sich dieser Geist von neuem erhob, um die alte nordische, seit mehr als 15 Jahrhunderten um ihren Bestand ringende Tradition geistiger Selbständigkeit erneut aufzunehmen.

Unter dem Schutz einer allmählich erstarkenden und von den geistigen Einflüssen des Südens unabhängigen politischen Führung wurde im 17. Jahrhundert und besonders im 18. Jahrhundert der germanische Norden von neuem lebendig, und die trotz aller politischen Wirrnisse dennoch gerierte geistige Freiheit trat ihren eigentlichen Siegeszug nach jahrhundertelanger Unterdrückung an; so auch die im 18. Jahrhundert mächtig einsetzende Aufklärung, ungeachtet der Irrtümer, die sich in ihrem Gefolge verbreiteten.

Herkunft und elterliche Einflüsse

Immanuel Kant, am 22. April 1724 in Königsberg geboren, war das vierte Kind des Riemermeisters Johann Georg Kant (1683–1746) und dessen Frau Anna Regina (1697–1737), geb. Reuter; von seinen insgesamt acht Geschwistern erreichten jedoch nur vier das Erwachsenenalter. Immanuel Kant hat selbst einmal ausgesprochen, daß seine Eltern ihn „in Rechtschaffenheit, sittlicher Anständigkeit und Ordnung erzogen hätten.

„Der Vater forderte Arbeit und Ehrlichkeit, besonders Vermeidung jeder Lüge, die Mutter auch Reinheit und Heiligkeit dazu."

So herrschte bereits in seinen Jugendjahren eine fast herrische Strenge der Lebensführung, die auf den blonden und blauäugigen jungen Kant ihre Wirkung bis ins hohe Alter hinein ausübte. Vor allen Dingen herrschte auch ein stark religiöser Einfluß in der Erziehung Kants vor, der dem damals herrschenden Pietismus, dem Willen zu ernster sittlich- religiöser Lebensführung entsprang. Noch im hohen Alter erinnerte sich Kant besonders der erzieherischen Einflüsse seiner Mutter:

„Ich werde meine Mutter nie vergessen, denn sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der Natur, sie weckte und erweiterte meine Begriffe, und ihre Lehren haben einen immerwährenden heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt.“

Weiterbildung

Von einer unbeugsamen Energie beseelt und von einer fast grenzenlosen Bescheidenheit in seiner Lebensführung hat Kant bis zu seinem Tode allein seiner großen Aufgabe gelebt. Die Eltern hatten vor, aus ihm einen Theologen zu machen, und in dieser Absicht bezog Kant im Jahre 1740 die Universität. Allein es ist bezeichnend für ihn, daß ihn das theologische Studium nicht befriedigte und daß sein universaler Geist sich zu systematischer Schulungsarbeit und vorurteilslosem kritischem Denken hingezogen fühlte. Wie den meisten unserer großen Deutschen erging es auch ihm so, daß er seinen Aufstieg ohne große geldliche Hilfsmittel errang. Oft besaß er noch nicht einmal die notwendigsten Kleidungsstücke, die er sich zeitweise leihen mußte, um diese, einiger notwendigen Reparaturen wegen, einmal wechseln zu können. Die Freude an der wissenschaftlichen Arbeit ersetzte ihm manche andere Annehmlichkeit des Lebens, und er hat diese ausführlichen Mängel auch nach seiner Promotion im Jahre 1757 ertragen müssen, bis ihn Friedrich der Große 1770 auf einen Lehrstuhl der Universität Königsberg berief.

Bereits während seiner Studienzeit beschäftigte sich Kant stark mit naturwissenschaftlichen Studien, und der große Forscher Isaac Newton machte auf ihn einen gewaltigen Eindruck. Die ihm innewohnenden Energien sprach er selbst im Jahre 1747 in der Vorrede zu der Schrift „Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte in der Natur“ aus, indem er sagte:

„Ich stehe in der Einbildung, es sei zuweilen nicht unnütze, ein gewisses edles Vertrauen in seine eigenen Kräfte zu setzen. Hierauf gründe ich mich. Ich habe mir die Bahn schon vorgezeichnet, die ich halten will. Ich werde meinen Kampf antreten, und nichts soll mich hindern, ihn fortzusetzen.“

Kant trat am 20. August 1770 sein Amt an der Universität an. Bereits in seiner Antrittsvorlesung („Von den Formen der Prinzipien der Sinne und der Verstandeswelt“) ging eindeutig die Aufgabe hervor, die sich Kant für sein ganzen Leben gestellt hatte; mit ungeheurem Scharfsinn und unerbittlicher logischer Strenge wollte er an die Aufklärung aller vorhandenen weltanschaulichen Probleme der damaligen Zeit herangehen, und sein Ruhm als Philosoph verbreitete sich in kurzer Zeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Lehrstuhl & Forschungsdrang

In den Jahren 17621764 weilte Johann Gottfried von Herder in Königsberg und war ein Schüler und zugleich glühender Verehrer Kants. In einem seiner Briefe schrieb er über ihn:

„Ich habe das Glück genossen, einen Philosophen kennengelernt zu haben, der mein Lehrer war, in seinen blühendsten Jahren hatte er die fröhliche Munterkeit eines Jünglings, die, wie ich glaube, ihn auch in sein Greisenalter begleitet hat, […] er munterte auf und zwang angenehm zum Selbstdenken. Despotismus war seinem Gemüte fremd. Dieser Mann, den ich mit größter Dankbarkeit und Hochachtung nenne, ist Immanuel Kant.“

Kant lebte bis zu seinem Lebensende nur in Königsberg und lehnte jede Berufung an andere Universitäten ab. Kants Lebenswerk enthüllt uns in besonderer Eindringlichkeit jene rastlose Tätigkeit des nordischen Menschen, die Geheimnisse der Natur zu erforschen und diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einem großen organischen, widerspruchslosen Weltbild, zu einer freien Weltanschauung zu formen.

Er begnügte sich nie damit, eine Sache erforscht zu haben und zu kennen, sondern ruhte nicht, sich mit allen Wissengebieten zu beschäftigen und unaufhörlich neue Erfahrungen zu sammeln. Schon aus den Themenbezeichnungen seiner größeren Arbeiten gehen seine wissenschaftlichen Interessen hervor. Im Jahre 1747 erschien seine Schrift „Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte und Beurteilung der Beweise, deren sich Herr von Leibniz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedient haben, nebst einigen vorhergehenden Betrachtungen“, im Jahre 1754 folgte eine „Untersuchung der Frage, ob die Erde in ihrer Umdrehung um die Achse einige Veränderung seit den ersten Zeiten ihres Ursprunges erlitten habe“ sowie eine weitere „Die Frage, ob die Erde veralte, physikalisch erwogen“.

Zu wissenschaftlicher Berühmtheit gelangte Kant jedoch durch seine 1754 erschienene Abhandlung „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“, womit er der Begründer unserer modernen Kosmogonie (Lehre von der Entstehung der Welt) wurde. 40 Jahre später gelangte der französische Physiker Pierre-Simon Laplace zu dem gleichen System, ohne Kants Arbeiten zu kennen; beide Theorien sind heute nach wie vor unter dem Namen der „Kant-Laplaceschen Hypothese“ in der Wissenschaft gebräuchlich. Diesen wissenschaftlichen Arbeiten folgten in den späteren Jahren noch weitere. So bewog ihn die große Erdbebenkatastrophe des Jahres 1755 zu seiner Abhandlung „Über die Ursachen der Erderschütterungen bei Gelegenheit des Unglücks von 1755“, ferner widmete er mehrere seiner Arbeiten dem Rasseproblem: „Von den verschiedenen Rassen der Menschen“, „Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse“, „Der Charakter der Rasse“, „Der Charakter der Gattung“ usw.

Waren die naturwissenschaftlichen Abhandlungen Kants in erster Linie abhängig von den in der damaligen Zeit vorhandenen Erfahrungen einer in den Anfängen stehenden wissenschaftlichen, teilweise primitiven Forschung, wie dies vor allem in seiner Abhandlung über Rassenfragen zum Ausdruck kommt, so zeigt sich sein umfassender Geist in umso strahlenderem Lichte, wo es sich um die Feststellung innerer Erfahrungen im Hinblick auf das Wesen des Menschen selbst handelt.

Kant und die Religion

Insbesondere sind es die Fragen der Religion, die auch in der Folgezeit sein ganzes philosophisches Interesse immer wieder fesseln. Bereits in seiner Arbeit über die Theorie des Himmels geht klar seine Ansicht hervor, welche aber wohl auch unter dem Einfluß der damals noch immer mächtigen Kirche entstand; er versucht hier klarzulegen, daß im Gegensatz zu den Auffassungen verschiedener griechischer Philosophen die im Weltall vorhandenen Kräfte einen unerkennbaren, großen Urheber, eine erste Ursache haben müßten. So bemühte sich Kant auch, das Dasein eines einzelnen Gottes aus der Naturerkenntnis heraus als ersten Urheber zu beweisen. Im Jahre 1763 gab er die Abhandlung „Der einzig mögliche Beweisgrund einer Demonstration des Seins Gottes“ heraus. Auf dem gleichen Gebiete erschien im Jahre 1764 eine „Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und Moral“.

Kant kam es hier weniger auf die Festlegung einer neuen Weltanschauung an, sondern er prüfte vielmehr die Grundlagen und Grenzen des menschlichen Erkennens in der berühmten „Kritik der reinen Vernunft“ (1781), die Grundlagen und Grenzen des sittlichen Handels in der „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) bzw. seiner „Grundlegung zur Metaphysik der eilten“, und des ästhetischen Empfindens in der „Kritik der Urteilskraft“. Es erscheint nur zu natürlich, daß ein denkerisches Genie wie Kant auch vor der unerbittlichen Lösung alter und schwierigster Fragen nicht zurückschreckte. So spielte das Gottesproblem die bedeutendste Rolle in seiner ganzen kritischen Arbeit. Sein Denken brachte ihn zu der Überzeugung, daß ein Gott, ein letzter unbekannter Urheber der Dinge da sein müsse, daß dieser jedoch ewig unerkennbar sei. Der Begriff Gott darf nach seiner Überzeugung nur als Bauzeichnung dieses unbekannten großen Urhebers aller Dinge angewendet werden, da Gott jenseits unserer Erfahrung liege und da sich nichts Positives über ihn mit Hilfe des Verstandes aussagen lasse.

Kant legte in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ die Grenzen des Erkennens klar fest und schied das Wissen klar vom Glauben. In der gleichen Richtung zielen auch die beiden anderen Kritiken; die darin gewonnenen Erfahrungen wendete Kant wieder auf das Wesen der Religion an, um darzulegen, daß sittliches Handeln nicht vom religiösen Leben abzuleiten, sondern selbständig als Befehl zur Pflichterfüllung in der Menschenbrust vorhanden sei. Religion ist nach seiner Überzeugung niemals für das sittliche Handeln notwendig, wohl aber könne sittliches Handeln zur Religion führen.

Kant faßte im Jahre 1793 seine kritischen Untersuchungen im Hinblick auf die Fragen der Religion in seiner bekannten Abhandlung „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ zusammen. Einige wenige Aussprüche mögen das Ergebnis seines Denkens beleuchten:

„Es ist ein Gott, nämlich in der Idee der moralisch praktischen Vernunft,

ist nur eine wahre Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben, Religion ist die Erkenntnis aller unserer Pflichten als göttliche Gebote.“

Im Jahre 1794 erhielt Kant eine königliche Kabinettsorder, die ihn ansagte, seine Philosophie „zur Entstellung und Herabwürdigung mancher Haupt- und Grundlehren heiligen Schrift und des Christentums mißbraucht zu haben“; er sollte sich künftighin nichts dergleichen mehr zuschulden kommen lassen. Kant verpflichtete sich dem König gegenüber zum Schweigen, um vorläufig von äußerem Streit unangefochten seine Lebensaufgabe vollenden zu können. Er wußte, daß auf dem preußischen Thron nicht mehr der Mann saß, der ihn auf seinen Lehrstuhl berufen hatte und in dessen Staate jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden konnte. In seinem Nachlaß fand sich die trotzige Bemerkung:

„Widerruf und Verleugnung seiner eigenen Überzeugung ist niederträchtig, aber Schweigen in einem Falle, wie der gegenwärtige, Untertanenpflicht; und wenn alles, was man sagt, wahr sein muß, so ist darum nicht auch Pflicht, die Wahrheit öffentlich zu sagen.“

Mit dem Tode Friedrich Wilhelm II. sah sich Kant seiner Schweigepflicht enthoben. Erst in hohem Alter ging Kant daran, nach Abschluß seiner kritischen Schriften sein eigentliches philosophisches System aufzubauen, aber sein Alterszustand ließ ihn zu einer großen zusammenhängenden Leistung nicht mehr kommen. So schrieb er 1798:

„Das Los, für Geistesarbeiten bei sonst ziemlich körperlichem Wohlsein wie gelähmt zu sein, den völligen Abschluß meiner Rechnung in Sachen, welche das Ganze der Philosophie betreffen, vor sich liegen und es doch immer nicht vollendet zu sehen: ein tantalischer Schmerz, der indessen doch nicht hoffnungslos ist.“

Über Race und Nation

Schon Kant erklärte:

„Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenschaften ihres Geistes und ihrer Sprache nimmt.“

Kant benutzte schon früh den Begriff der Race (Rasse) zur Einteilung von Menschen. Das Konzept des Race wird in verschiedenen Werken Kants vorrangig zur Kategorisierung von Menschen anhand biologischer, geographischer und kultureller Merkmale verwendet. Ausführlich stellte er es in seiner Vorlesung „Von den verschiedenen Racen der Menschen“ (1775) dar. Die rassifizierenden Elemente dieses Ansatzes übernahm Kant von Johann Friedrich Blumenbach und Buffon.

Alle Races leiten sich nach Kant von einer ursprünglichen Gattung ab. Die einzelnen Racen werden dabei hierarchisch – in ihrer Gemütsfähigkeit, anhand ihrer kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften und nach Talent – gegliedert: In seiner Vorlesung zur Geographie heißt es:

„In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“[1]

1785 formulierte er im „Begriff einer Menschenrace“:

„Der Begriff einer Race ist also: der Classenunterschied der Thiere eines und desselben Stammes, soferne er unausbleiblich erblich ist… Nur das, was in einer Thiergattung anerbt, kann zu einem Classenunterschiede in derselben berechtigen.“[2]

Zwar etablierte Kant dieses Konzept an den deutschen Universitäten, stieß jedoch damit zunächst auf deutlichen Widerspruch Herders, der eine Übertragung dieser Kategorie aus der Tier- und Pflanzenwelt auf Menschen in seinem Werk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ ablehnte. Kant rezensierte das Buch Herders und beantwortete die Kritik:

„Der Einteilung der Menschgattung in Racen ist unser Verfasser nicht günstig, vornehmlich derjenigen nicht, welche sich auf anerbende Farben gründet, vermutlich, weil der Begriff einer Race ihm noch nicht deutlich bestimmt ist.“[3]

Bei seiner Typologisierung der Nationalcharakter der europäischen Völker in „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen“ schrieb Kant, daß seine Betrachtungen nicht als verletzend aufzugreifen seien:

„Um deswillen kann der Tadel, der gelegentlich auf ein Volk fallen möchte, keinen beleidigen, wie er denn von solcher Natur ist, daß ein jeglicher ihn wie einen Ball auf seinen Nachbar schlagen kann. [...] Es ist kaum nöthig, daß ich hier meine vorige Entschuldigung wiederhole.“

Auch in seiner 1796/97 entstandenen, damals am weitesten verbreiteten Spätschrift „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ klassifizierte Kant die Menschen nach Race. Eine Vermischung der Rassen lehnte Kant ab:

„So viel ist wohl mit Wahrscheinlichkeit zu urteilen: daß die Vermischung der Stämme (bei großen Eroberungen), welche nach und nach die Charaktere auslöscht, dem Menschengeschlecht alles vorgeblichen Philanthropismus ungeachtet nicht zuträglich sei.“

Verdienst

Die Fragen, die Martin Luther, teilweise noch auf dem Boden der konfessionellen Dogmatik des Mittelalters stehend, mehr gefühlsmäßig zu lösen erstrebte, löste Kant mit Hilfe seines grundlegenden Denkens. Er zerstörte die geistigen Wurzeln einer mittelalterlichen Magie im Bereich der Religion, er war das flammende Fanal einer neuen Zeit, die sich Freiheit des Forschens und die Freiheit des Glaubens auf ihre Banner geschrieben hatte. Um seine Persönlichkeit und seine denkerische Leistung tobte seither ein Kampf, der nach seinem Tode die besten Geister beschäftigte.

Nicht zuletzt die Kritik von seiten eines Systems, das bis heute die Freiheit des Forschens und Glaubens in Ketten zu legen pflegt, beweist die Größe und die Richtigkeit von Kants Denkarbeit. Man ist geneigt, in einem Zeitalter der Unterdrückung der völkischen Lebensgrundlagen Kant als abstrakten Denker mit gewissen Vorbehalten zu beurteilen, und es läßt sich nicht verneinen, daß seine Kritiken vorwiegend abstrakte Denkarbeit sind. Allein, dabei darf niemals übersehen werden, daß diese Denkarbeit eine Kritik der Grenzen des Erkennens, des Wissens und des Handelns war und notwendigerweise in vielem abstrakt sein mußte. Kant war auch kein Politiker; die Idee des eines einheitlichen deutschen Reiches war in den vorhergehenden Jahrhunderten verblaßt und erstand erst wenige Jahre nach seinem Tode zu neuem Leben.

Kants Grab am Königsberger Dom

Die preußische Staatsidee mit ihrer ehernen Pflichtauffassung auf der einen Seite und ein Zug ins Weltbürgerliche auf der anderen beherrschten das geistige Leben des 18. Jahrhunderts, und bei Kant kamen diese Auffassungen ebenfalls zum Vorschein.

So erscheinen seine Abhandlungen über die „Möglichkeiten zur Herstellung eines ewigen Friedens“ wie auch seine „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ der völkischen Anschauungen überlebt, während sein Bekenntnis zu heroischer Pflichterfüllung (Kantsche Pflichtenlehre) den Notwendigkeiten des Lebens gegenüber auch heute Ehrfurcht gebietet.

Zwar liegt bei Kant noch der Endzweck des Lebens in der sittlichen Persönlichkeit und einem Reiche vernünftiger sittlicher Wesen. Allein diese Zielsetzung auf das blutvolle Volksleben ändert nichts an der tiefen Logik von Kants Denken. Seine größte Bedeutung liegt in der Zertrümmerung einer rationalen Metaphysik, die jahrhundertelang das klare und logische Denken des nordischen Geistes zu überwuchern versuchte. Durch den Nachweis von der Unerkennbarkeit Gottes hat Kant die Dogmengebäude einer überlebten mittelalterlichen Welt restlos zerschlagen und dem Forschen wie dem Glauben die Freiheit für alle Zukunft gesichert. Nach seinem eigenen Ausspruch hat er das „Wissen von Gott“ zerstört. Mit dieser Tat hat sich Kant in die Reihe der größten Deutschen gestellt, mit ihm hat Europa denken gelernt. Kant verstarb am 12. Februar 1804 in Königsberg. Das Grabmal Immanuel Kants befindet sich am Königsberger Dom. An der Außenseite des Domes befindet sich sein Kenotaph.

Zitate von Kant

  • „Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race der Weißen.“[4]

Zitate über Kant

  • „Kant war der gründlichste Atheist, der jemals gewesen. Die Bemühungen aller Philosophie-Profeßoren ihm etwas anzuhaben, oder ihn irgendwie bei Seite zu schieben und zu ignorieren, entspringen allein daraus, daß die Jüdische Mythologie, ihr eigentliches Lehrfach, mit seiner Weisheit unverträglich ist.“Arthur Schopenhauer[5]
  • „Am Ende mußte Kant die Kosten für die Ausflüge in die Exzeßgeschichte tragen. In seiner Naivität hatte er geglaubt, man könne die religiösen Traditionen einfach sortieren – den Wahn ausscheiden und die Moral behalten. Der Meister von Königsberg hatte kein Organ für das Dritte, das sich in den sogenannten Religionen versteckte, den Überwirklichkeits-Elan, den Eros des Unmöglichen. Um mit dieser Dimension in Berührung zu kommen, hätte es für ihn genügt, einmal im Leben in eine Galerie zu gehen, in der die Meister der Renaissance zu sehen waren. Auch ein einziger Besuch in der Oper hätte bei ihm Wunder bewirken können. Kant zog es vor, es mit der wirklichen Kunst gar nicht erst zu versuchen. Er schrieb bedeutend über sie, ohne sie zu kennen.“Peter Sloterdijk[6]

Werke (Auswahl)

  • Immanuel Kant’s Kritik der reinen Vernunft (1868) (PDF-Datei)
  • Immanuel Kant’s Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1870) (PDF-Datei)
  • Immanuel Kant’s Metaphysik der Sitten (1870) (PDF-Datei)
  • Immanuel Kant’s Kritik der Urtheilskraft (1872) (PDF-Datei)
  • Die wissenschaftliche Gesamtausgabe von Kants Schriften umfaßt 29 Bände, gegliedert in vier Abteilungen: Werke (1–9), Briefwechsel (10–13), handschriftlicher Nachlaß (14–23) und Vorlesungen (24–29). Eine öffentlich zugängliche, jedoch nicht als ganzes herunterladbare und auch nicht in Fraktur darstellbare Weltnetzausgabe der Bände 1–23 bietet das Bonner Kant-Korpus.

Literatur

  • Ernst Laas: Kants Stellung in der Geschichte des Conflicts zwischen Glauben und Wissen (1882) (PDF-Datei)
  • Arthur Schopenhauer: Kritik der Kantischen Philosophie. In: Die Welt als Wille und Vorstellung I, Zweiter Teilband, S. 509 (Ausgabe Diogenes 1977 ISBN 3 257 20422 1)
  • Hermann Schwarz: Immanuel Kant – Ein Lebensbild (1907) (PDF-Datei)
  • Friedrich Paulsen: Immanuel Kant; sein Leben und seine Lehre. Mit Bildnis und einem Briefe Kants aus dem Jahre 1792 (1898) (PDF-Datei)
  • Karl August Meißinger: Immanuel Kant, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Zweiter Band, S. 202–217

Siehe auch

Fußnoten

  1. Rudolf Eisler – Kant-Lexikon 1930 Rasse [1]
  2. vgl. [Kant: AA VIII, Bestimmung des Begriffs einer …, Seite 100 http://www.ikp.uni-bonn.de/kant/aa15/673.html] zitiert nach Eugen Lerch. In Der Monat 026/1950 [2]
  3. Eugen Lerch: Der Rassenwahn. Von Gobineau zur UNESCO-Erklärung. In Der Monat 026/1950 [3]
  4. Physische Geographie [1802], AA IX, S. 313 ff.
  5. Senilia, S. 38, Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59645-2
  6. Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage. Notizen 2008–2011. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42342-4, S. 42
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