Dönitz, Karl

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Karl Dönitz (1891-1980)
Karl Dönitz (1891-1980)

Karl Dönitz (* 16. September 1891 in Grünau bei Berlin; † am 24. Dezember 1980 in Aumühle bei Hamburg) war deutscher Marineoffizier (seit 1943 Großadmiral) und Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg.

Von Hitler testamentarisch dazu ernannt, war er ab dem 30. April 1945 bis zu seiner völkerrechtswidrigen Verhaftung durch englische Besatzungstruppen bislang letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Sein herausragendes staatspolitisches Verdienst ist die de jure-Rettung des Deutschen Reiches.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Anfänge

Am 1. April 1910 trat Dönitz als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Seine Ausbildung durchlief er u. a. auf dem Großen Kreuzer SMS Hertha und in der Marineschule Mürwik. Zum 1. Oktober 1912 wurde er auf den Kleinen Kreuzer SMS Breslau versetzt, der ins Mittelmeer kommandiert wurde. Im Jahr 1913 wurde Dönitz zum Leutnant zur See befördert.

  • 1. April 1910 – 31. März 1911 Grundausbildung u. Großer Kreuzer SMS Hertha
  • 1. April 1911 – 30. September 1912 Marineschule u. Spezialkurse

[bearbeiten] Erster Weltkrieg

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm Dönitz auf dem Kleinen Kreuzer SMS Breslau, der pro forma an das Osmanische Reich verkauft worden war und dort unter dem Namen Midilli Dienst tat, an Gefechten gegen russische Einheiten im Schwarzen Meer teil.

Im Jahr 1916 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert. Als die Breslau/Midilli wegen Reparaturen in die Werft musste, wurde Dönitz zeitweilig als Flugplatzleiter einer Fliegerabteilung an die Dardanellen-Front versetzt.

Von dort aus meldete Dönitz sich freiwillig zu der neuen Waffengattung der U-Boote. Nach einer erforderlichen Ausbildungszeit fuhr er dann bis zum Februar 1918 als Wachoffizier auf U 39. Anschließend war Dönitz erst Kommandant von UC 25 und seit dem 5. September 1918 Kommandant von UB 68. Dieses Boot wurde schließlich bei einem Einsatz im Mittelmeer von englischen Marineeinheiten versenkt, Dönitz und seine Mannschaft bis auf einen wurden gefangen genommen.

Während seiner Zeit als Wachoffizier bzw. Kommandant von U-Booten erkannte er, dass der deutsche U-Boot-Krieg gegen die englische Seemacht am Geleitzugsystem gescheitert war. Er beschäftigte sich nach seiner Entlassung aus englischer Gefangenschaft 1919 daher theoretisch mit den militärischen Möglichkeiten von U-Booten.

  • 1. Oktober 1912 – 11. September 1916 Kleiner Kreuzer Breslau/Midilli
  • 12. September 1916 – Dezember 1916 Fliegerstation San Stefano und Dardanellen
  • Dezember 1916 – 16. Januar 1917 Unterseebootausbildung
  • 17. Januar 1917 – 28. Februar 1918 Unterseeboot U 39, Wachoffizier
  • 1. März 1918 – 4. September 1918 Unterseeboot UC 27, Kommandant
  • 5. September 1918 – 4. Oktober 1918 Unterseeboot UB 68, Kommandant

Dönitz wurde während des Krieges mehrfach ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse und dem Königlichen Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern sowie türkischerseits mit dem Eisernen Halbmond und dem Medjidie-Orden IV. Klasse.

[bearbeiten] Zwischenkriegszeit

Dönitz wurde in die Reichsmarine der Weimarer Republik übernommen und im Juli 1919 zum Stab der Marinestation der Ostsee kommandiert. Seit März 1920 war er dann Kommandant von verschiedenen Torpedobooten. Während dieser Zeit wurde Dönitz am 1. Januar 1921 zum Kapitänleutnant befördert.

Ab Frühjahr 1923 war er Referent und Adjutant der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens. Mit dem 3. November 1924 wurde Dönitz Referent in der Marinewehrabteilung; in dieser Stellung verblieb er etwas mehr als zwei Jahre. Anschließend war er als Navigationsoffizier auf dem Kreuzer Nymphe eingesetzt.

Am 24. September 1928 wurde Dönitz Chef der 4. Torpedobootshalbflottille, und am 1. November 1928 wurde er zum Korvettenkapitän befördert. Zwei Jahre später wurde er 1. Admiralstabsoffizier der Marinestation der Nordsee. In dieser Funktion wurde er am 1. Oktober 1933 zum Fregattenkapitän ernannt.

Als Kommandant des Kreuzers Emden, seit Ende September 1934, machte Dönitz im Jahr 1935 eine mehrmonatige Auslandsreise nach Südost-Asien.

Nach der Rückkehr von dieser Reise wurde Dönitz von dem damaligen Generaladmiral Erich Raeder mit dem Aufbau der neuen deutschen U-Boot-Waffe beauftragt. Der Bau deutscher U-Boote war möglich geworden, nachdem sich Adolf Hitler im selben Jahr über den Versailler Vertrag hinweggesetzt hatte, indem er die deutsche Wehrhoheit erklärte.

Zur Organisation des Aufbaus wurde der überzeugte Nationalsozialist Dönitz am 22. September 1935 Befehlshaber der U-Boot-Flottille Weddigen und wurde am 1. Oktober 1935 zum Kapitän zur See befördert. Im Januar des Jahres hatte er auch das Ehrenkreuz für Frontkämpfer erhalten. Bereits am 1. Januar 1936 wurde Dönitz’ Posten aufgewertet und in Führer der Unterseeboote (F. d. U.) umbenannt. Am 28. Januar 1939 erfolgte die Ernennung zum Kommodore.

[bearbeiten] Zweiter Weltkrieg

Einen Monat nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. Oktober 1939 wurde Dönitz zum Konteradmiral befördert, was auch im Wehrmachtsbericht vermerkt wurde. Am 17. Oktober 1939 wurde sein Dienstposten in Befehlshaber der Unterseeboote (BdU) umbenannt.

Im Bewusstsein der politischen Krisen in den Jahren 1935 bis 1938 musste Dönitz die Möglichkeit einer Gegnerschaft Englands bei der strategischen Ausrichtung der U-Boot-Waffe berücksichtigen. Ein effektiver Handelskrieg setzte laut Dönitz eine Sollstärke der U-Boot-Waffe von rd. 300 Booten voraus. Gemäß der Doktrin der „Drittelparität“ sollten sich ein Drittel der Boote im Fronteinsatz befinden, ein weiteres Drittel im An- bzw. Abmarsch und das letzte Drittel zu Überholung in den Heimathäfen. Im Z-Plan vom 1. März 1939 wurde der Bau von 249 U-Booten beschlossen.

Dönitz ließ die U-Boot-Besatzungen dazu ausbilden, gegen Geleitzüge zu kämpfen. Dönitz wollte einer Massierung an Schiffen eine Massierung an U-Booten entgegensetzen, die so genannte Rudeltaktik.

So begann der Seekrieg im Atlantik zwar mit einer geringen Zahl an U-Booten (57 U-Boote, davon nur 37 für den Atlantik geeignet), aber dennoch mit Erfolgen für die deutsche Seite. Bevor der Russlandfeldzug begann, hoffte Hitler, den Krieg gegen England beenden zu können, indem er England Frieden bringen zu können glaubte. Churchill schlug sein Angebot jedoch aus.

Eine Invasion Englands schien unmöglich, ein Großteil des deutschen General- und Admiralstabes inkl. Dönitz glaubte nicht an ein Gelingen des Unternehmens Seelöwe. Dönitz verfolgte die zweite Taktik, die Churchill nach dem Krieg bestätigen sollte.

Aufgrund der großen Erfolge der U-Boote wurde Dönitz am 1. September 1940 zum Vizeadmiral befördert und am 14. März 1942 zum Admiral ernannt.

Am 31. Januar 1943 wurde Dönitz unter Auslassung des Dienstgrad des Generaladmirals Großadmiral und Nachfolger von Großadmiral Erich Raeder als Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, der auf eigenen Wunsch zurücktrat, weil seine Vorstellungen bezüglich der Überwasser-Taktik nicht mit Hitlers Ansichten in Einklang zu bringen waren.

Auch als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine gab Dönitz den Posten als Befehlshaber der Unterseeboote nicht auf. Unter seinem Kommando wurde das Schwergewicht noch stärker auf den Einsatz von U-Booten verlagert.

Obwohl die Zahl der versenkten U-Boote in der Folgezeit immer weiter anstieg, wurde die Möglichkeit, dass den Alliierten ein systematischer und dauerhafter Einbruch in die deutsche Verschlüsselungstechnik (Enigma) gelungen sein könne, weiterhin ausgeschlossen. Stattdessen wurde vermutet, dass U-Boote und damit auch Enigma-Maschinen und Schlüsselunterlagen in alliierte Hände gefallen seien. Dönitz verbot in seinem Regenbogen-Befehl die Übergabe von U-Booten in Feindeshand – auch wenn ein Boot durch alliierte Schiffe aufgebracht wurde, sollte es unbedingt von der Besatzung selbst versenkt werden.

Trotz der einerseits erdrückenden eigenen Verluste und der gleichzeitig sehr stark abgefallenen Versenkungserfolge konnte sich Dönitz, von einer kurzen Phase Mitte 1943 abgesehen, zu keinem Zeitpunkt dazu entschließen, die Konsequenzen zu ziehen und den U-Boot-Krieg abzubrechen. Er begründete dies mit strategischen Überlegungen. Seiner Auffassung nach hätte ein Abbruch der Atlantikschlacht den Alliierten ermöglicht, große Mengen von Menschen und Material freizumachen, die dann an anderer Stelle gegen Deutschland zum Einsatz gebracht worden wären.
Das Ergebnis dieser Haltung lässt sich auch an den Verlustzahlen ablesen: von den ca. 41.000 deutschen U-Boot-Fahrern des Zweiten Weltkrieges sind bis Kriegsende fast 27.000 im Einsatz umgekommen. Unter den Toten war auch Dönitz’ jüngerer Sohn Peter. Der andere Sohn Klaus wurde auf dem Schnellboot S-141 bei einem Angriff auf Selsey an der englischen Küste getötet.

In dem 68 Monate dauernden Kampf gingen 781 deutsche U-Boote verloren. Von den 632 nachgewiesen von den Alliierten versenkten U-Booten wurden 500 von den englischen oder englisch kontrollierten Streitkräften versenkt. Eine solche Verlustquote hatte keine andere Waffengattung zu verzeichnen, weder auf deutscher noch auf alliierter Seite. Befehligt wurden die U-Boote u. a. vom Hauptquartier Koralle in Bernau bei Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Dönitz unter anderem mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und dem U-Boots-Kriegsabzeichen ausgezeichnet. Mit dem Deutschen Reich verbündete Staaten ehrten ihn mit dem Militärorden von Savoyen (Komturkreuz), mit dem rumänischen Militärorden Michael der Tapfere III. und II. Klasse sowie mit dem Orden der Aufgehenden Sonne I. Klasse des japanischen Kaiserreiches.

1944 erhielt er außerdem das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP. Albert Speer zitiert Dönitz in seinen Erinnerungen angesichts der bei einer Lagebesprechung Anfang Februar 1945 auf Karten offensichtlich gewordenen Lage mit unzähligen Durchbrüchen und Kesselbildungen:

„Ich habe hier nur die Marine zu vertreten. Alles andere ist nicht meine Sache. Der Führer wird wissen, was er tut.“

Am 21. Januar 1945 wurde durch Großadmiral Karl Dönitz die "Rettungsaktion Ostsee", die sogenannte Operation Hannibal eingeleitet, bei der die Evakuierung von etwa zwei Millionen Menschen aus Ostpreußen über die Ostsee, die sich auf der Flucht vor der heranrückenden Roten Armee befanden, mit sämtlichen verfügbaren Schiffen organisiert wurde. Dies war die größte Evakuierungsoperation in der Geschichte der Menschheit.

Hitler ernannte Dönitz testamentarisch zu seinem Nachfolger als Reichspräsident; die rechtliche Basis dafür ist umstritten, u. a. da es nicht mehr zu einer von der Weimarer Reichsverfassung für das Amt des Reichspräsidenten vorgeschriebenen Wahl gekommen ist. Zum Zeitpunkt von Hitlers Suizid am 30. April 1945 befand sich Dönitz in Plön, wo ihn Hitlers Ernennungstelegramm erreichte. Aufgrund der vorrückenden britischen Truppen begab sich Dönitz jedoch am 2. Mai nach Flensburg, wo er in den frühen Morgenstunden des 3. Mai eintraf. Sein Amt als (letzter) Reichspräsident trat er am 1. Mai mit einer Rundfunkansprache über den Reichssender Hamburg an (Auszug):

„Im Bewusstsein der Verantwortung übernehme ich die Führung des deutschen Volkes in dieser schicksalsschweren Stunde. Meine erste Aufgabe ist es, deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrängenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur für dieses Ziel geht der militärische Kampf weiter.“

Entsprechend strebten er und die geschäftsführende Reichsregierung einen Separatfrieden mit den Westalliierten an, um die Rote Armee aus Deutschland zurückzudrängen. Nachdem bereits auf der alliierten Konferenz von Casablanca im Jahr 1943 die Forderung des amerikanischen Präsidenten Roosevelt nach bedingungsloser Kapitulation der Kriegsgegner verabschiedet worden war und Churchill einen Konflikt mit dem russischen Alliierten befürchtete, lehnten die westlichen Alliierten jedoch jede Teilkapitulation ab. Nach dem Krieg begründete Dönitz die Fortsetzung des Krieges auch damit, dass möglichst viele deutsche Soldaten in westalliierte Gefangenschaft gebracht werden sollten, um sie so vor sowjetischer Gefangenschaft zu bewahren.

Am 7. Mai, um 2:41 Uhr morgens, unterzeichnete der Chef des Wehrmachtführungsstabes, Generaloberst Alfred Jodl, von Dönitz bevollmächtigt, die bedingungslose Gesamtkapitulation aller deutschen Streitkräfte im operativen Hauptquartier der SHAEF im französischen Reims. Dieser Schritt resultierte direkt aus der Ablehnung der Westalliierten einer Hinauszögerung der vollständigen Kapitulation. Churchill betrachtete eine Teilkapitulation und eine Weiterführung des Krieges gegen die sowjetischen Truppen als gegen seine Interessen gerichtet. Zur Bekräftigung der Forderung nach sofortiger Kapitulation drohten die Alliierten damit, den Mitte April eingestellten Bombenkrieg gegen deutsche Städte umgehend wiederaufzunehmen.

Der Kapitulationsakt sollte einen Tag später durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine ratifiziert werden. Daher unterzeichneten, diesmal im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai die von Dönitz dazu bevollmächtigten Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generaladmiral von Friedeburg sowie Generaloberst Stumpff eine weitere Kapitulationsurkunde.

[bearbeiten] Nachkriegszeit

Die Regierung Dönitz blieb aber noch einige Tage über die Kapitulation der Wehrmacht hinaus im Amt, hatten allerdings praktisch keinen politischen Einfluß mehr. Am 23. Mai 1945 wurden Dönitz sowie die Mitglieder der Geschäftsführenden Reichsregierung und des Oberkommandos der Wehrmacht im "Sonderbereich Mürwik" / Flensburg, das zur britischen Besatzungszone gehörte, verhaftet.

Die Alliierten erklärten stattdessen am 5. Juni: "Die Machtübernahme ist notwendig, weil es in Deutschland keine zentrale Behörde mehr gibt". ("Berliner Erklärung")

Dazu schrieb Großadmiral Karl Dönitz in Bad Mondorf im Juli 1945:

Der Kommandant des Lagers, in dem ich mich als Kriegsgefangener befinde, verlas am 7. Juli eine aus 3 Paragraphen bestehende Anordnung, die in § 2 u.a. die Feststellung enthielt, der Deutsche Staat habe aufgehört zu bestehen. Der Satz wurde auf meine Einwendung nachträglich dahin berichtigt, daß es heißen sollte, die Deutsche Regierung habe aufgehört zu bestehen.

Um Missverständnissen über meinen Standpunkt vorzubeugen, treffe ich folgende Klarstellung:[1]

  1. Die Kapitulation ist von meinen Beauftragen auf Grund einer schriftlichen Vollmacht geschlossen worden, die ich als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und damit Oberster Befehlshaber der Wehrmacht zugestellt habe, und die in dieser Form von den bevollmächtigten Vertretern der Alliierten Streitkräfte verlangt war und anerkannt wurde. Die Alliierten haben mich dadurch selbst als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches anerkannt.
  2. Durch die mit meiner Vollmacht am 9. Juli 1945 abgeschlossene bedingungslose Kapitulation der drei Deutschen Wehrmachtsteile hat weder das Deutsche Reich aufgehört zu bestehen, noch ist dadurch mein Amt als Staatsoberhaupt beendet worden. Auch die von mir berufene geschäftsführende Regierung ist im Amt geblieben; mit ihr hat die alliierte Überwachungskommission in Flensburg bis zum 23. Mai 1945 im Geschäftsverkehr gestanden.
  3. Die im Abschluß an die Kapitulation erfolgende vollständige Besetzung des Deutschen Reichsgebietes hat an dieser Rechtslage nichts geändert. Sie hat nur mich und meine Regierung tatsächlich behindert, in Deutschland Regierungshandlungen zu vollziehen.
  4. Ebensowenig konnte meine und meiner Regierung Gefangennahme auf die dargelegte Rechtslage Einfluß haben. Sie hatte nur zur Folge, daß jede tatsächliche Amtstätigkeit für mich und meine Regierung vollständig aufhörte.
  5. Mit dieser Auffassung über die Rechtsfolgen der erwähnten militärischen Vorgänge befinde ich mich in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts.

Im Oktober 1945 wurde Dönitz dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zugeführt. Sein Verteidiger Otto Kranzbühler bewirkte, dass der schwerwiegende Vorwurf des „Versenkens von feindlichen Handelsschiffen ohne Vorwarnung“ gegen ihn und Großadmiral Raeder fallengelassen wurde, was die beiden Admirale vor der Todesstrafe bewahrte. Dazu beigetragen hat insbesondere die schriftliche Zeugenaussage des Oberbefehlshabers der US-Pazifikflotte, Admiral Chester W. Nimitz, in der dieser erklärte, dass die Befehle der US-Marine in Fragen der U-Boot-Kriegsführung nicht wesentlich anders gewesen waren als die der deutschen Kriegsmarine. Dies galt auch für den Laconia-Befehl, der auf die amerikanische Bombardierung entmilitarisierter deutscher U-Boote während des Rettung Schiffbrüchiger erfolgt war. Dönitz wurde wegen der Anklagepunkte 2 und 3, Beteiligung an einem Angriffskrieg und Verbrechen gegen das Kriegsrecht, zu 10 Jahren Gefängnis in Spandau verurteilt. Seine Mithäftlinge waren Rudolf Hess, Erich Raeder, Walther Funk, Albert Speer, Baldur von Schirach und Konstantin von Neurath.

Nach Verbüßen der vollen Strafe wurde er 1956 entlassen und lebte alleine in Aumühle bei Hamburg, da seine Frau Ingeborg 1952 verstorben und seine beiden Söhne im Krieg gefallen waren (Lt. z. S. Peter Dönitz 19. Mai 1943 als Wachoffizier auf U 954, sein älterer Sohn OLt. z. S. Klaus Dönitz 13. Mai 1944 auf dem Schnellboot S-141). 1968 veröffentlichte er seine Autobiographie Mein wechselvolles Leben.

Als 1973 bekannt wurde, dass die Enigma-Schlüssel des deutschen U-Boot-Funkcodes schon frühzeitig geknackt worden waren, meinte Dönitz kurz vor seinem Tod, dass er dies schon immer geahnt habe.

Im Jahre 1976 erschien in New York das von den Historikern H. K. Thompson und Henry Strutz herausgegebene Buch Doenitz at Nuremberg, das sich mit der Frage beschäftigt, ob die Verurteilung des deutschen Großadmirals bei den Nürnberger Prozessen gerechtfertigt war.

Der letzte deutsche Offizier im Marschallsrang starb im Alter von 89 Jahren am 24. Dezember 1980, er ist auf dem Waldfriedhof von Aumühle-Wohltorf neben seiner Frau beerdigt worden. Angehörigen der Bundeswehr wurde es von der Bonner Regierung aus jedoch verboten, dem letzten deutschen Reichskanzler die Ehre zu erweisen.

[bearbeiten] Ausländische Sicht

Anders als in Deutschland selbst wurde Dönitz im Ausland deutlich positiver gesehen, einige höherrängige ausländische Offiziere zeigten sich sogar entsetzt darüber, dass man Dönitz vor Gericht als schuldig empfunden habe. So äußerte Walden L. Ainsworth, der Vizeadmiral der US-Kriegsmarine, dass „Dönitz (...) allen Anlass [hatte], stolz darauf zu sein, was die Offiziere unter seinem Kommando geleistet haben“. Uliu L. Amoss, Oberst der US-Luftwaffe und stellvertretender Stabschef der 9. US-Luftflotte im Zweiten Weltkrieg, äußerte sich über Dönitz 1976 folgendermaßen: „Über (...) Admiral Dönitz ist mir nichts bekannt, was seine Berufsehre tatsächlich in Zweifel ziehen könnte. Ich bedauere es und bin beschämt, dass Admiral Dönitz durch einen illegalen Gerichtshof schuldig gesprochen werden konnte“. [2]

Im selben Jahr war auch in New York ein Buch erschienen, das den Titel „Doenitz at Nuremberg. A Re-Appraisal“ trug und von H. K. Thompson und Henry Strutz herausgegeben war. Es enthält die Aussagen von an die 400 Prominente aus allen Nationen der Welt, darunter hauptsächlich Politiker, Historiker sowie Militärs, als einen Ehrenmann, der zu Unrecht verurteilt wurde, bezeichneten. [3]

Ebenso positiv äußerte sich der amerikanische Vertreter des internationalen Veteranenverbandes Sharkhunters auf der Beerdigung Dönitz'.

[bearbeiten] siehe auch

[bearbeiten] Schriften

  • Zs. mit Th. Kraus: Die Kreuzerfahrten der Goeben und Breslau. Berlin: Ullstein, 1932.
  • Die U-Bootswaffe. Berlin 1942, E. S. Mittler & Sohn.
  • Kommentar zur Kapitulation Bad Mondorf, 1945
  • Ich lege Rechnung. München 1953, Quick Ausgabe Nr. 19.
  • Zehn Jahre und Zwanzig Tage. Bonn 1958, Athenäum-Verlag, ISBN B-0000B-HH4-J
  • Mein wechselvolles Leben. Göttingen 1968, Musterschmidt-Verlag, ISBN 3-78811-663-3
  • Deutsche Strategie zur See im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1970, Bernard & Greafe-Verlag, ISBN 3-76375-100-9

[bearbeiten] Literatur

  • Winston Churchill: Der Zweite Weltkrieg. Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre. Frankfurt a. M. 2003, ISBN 3-596-16113-4
  • Walter Frank: Dönitz. Dokumentation zur Zeitgeschichte. Hrsg. v. Deutschen Marinebund, Wilhelmshaven 1981.
  • Wolfgang Frank: Die Wölfe und der Admiral. U-Boote im Kampfeinsatz – Triumph und Tragik. 6. Auflage. Bergisch-Gladbach 1995, ISBN 3-404-65025-5.
  • Ernst Fredmann: Sie kamen übers Meer, Staats- und Wissenschaftl. Gesellschaft, 1981.
  • Paul Herbert Freyer: Der Tod auf allen Meeren. Ein Tatsachenbericht der Geschichte des faschistischen U-Boot-Krieges. 8. Auflage. Berlin (Ost) 1979.
  • Walter Görlitz: Karl Dönitz. Der Großadmiral. Göttingen [u. a.]: Musterschmidt, 1972. ISBN 3-7881-0069-9.
  • Dieter Hartwig: Karl Dönitz – Versuch einer kritischen Würdigung. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv (Zeitschrift des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Bremerhaven) 12/1989, S. 133–152.
  • Dieter Hartwig: Großadmiral Karl Dönitz – die Auseinandersetzung mit einem Repräsentanten des Dritten Reiches. In: Dieter Hartwig – Marinegeschichte und Sicherheitspolitik; Vorträge und Texte aus drei Jahrzehnten; Festschrift zum 60. Geburtstag, hrsg. von Jens Graul und Michael Kämpf (Kleine Schriftenreihe zur Militärgeschichte, Bd. 6), Verlag Dr. Dieter Winkler, Bochum 2003, S. 93–110.
  • Jörg Hillmann: Die ‚Reichsregierung‘ in Flensburg. In: Jörg Hillmann/John Zimmermann (Hrsg.): Kriegsende 1945 in Deutschland. München et al. 2002, S. 35–65, ISBN 3-486-56649-0.
  • Herbert Kraus: Karl Dönitz und das Ende des ‚Dritten Reiches‘. In: Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Ende des Dritten Reiches – Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine perspektivische Rückschau. München 1995, S. 1–23, ISBN 3-492-12056-3.
  • Walter Lüdde-Neurath: Regierung Dönitz. Die letzten Tage des Dritten Reiches. Verlag Musterschmidt, Göttingen 1964; Verlag Siegfried Bublies, Schnellbach 1999 (Lizenzausgabe), ISBN 3-926584-65-3.
  • Peter Padfield: Dönitz – The Last Führer. Portrait of a Nazi War Leader. London 1984, ISBN 0-575-03186-7.
  • Peter Padfield: Dönitz – Des Teufels Admiral. Berlin 1984, ISBN 3-550-07956-7.
  • Peter Padfield: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Berlin 1996, ISBN 3-550-07093-4.
  • Stephen Wentworth Roskill: The War at Sea, 1939–1945. ed. by H.M. Statistical Office, London o.J.
  • Heinrich Schwendemann: ‚Deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den Bolschewismus zu retten‘. Das Programm der Regierung Dönitz und der Beginn einer Legendenbildung. In: Jörg Hillmann/John Zimmermann (Hrsg.): Kriegsende 1945 in Deutschland. München et al. 2002, S. 9–33, ISBN 3-486-56649-0.
  • Marlis G. Steinert: Die 23 Tage der Regierung Dönitz. Die Agonie des Dritten Reiches. München 1978, ISBN 3-453-48038-4.
  • Karl Alman: Großadmiral Karl Dönitz, Vowinckel-Verlag, Berg am Starnberger See 1983.
  • Karl Dönitz: Mein wechselvolles Leben, Musterschmidt-Verlag, Göttingen 1968 (2., verbesserte Auflage 1975).
  • Karl Dönitz: 10 Jahre und 20 Tage, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1991.
  • Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe, Biblio-Verlag, Osnabrück 1988 u. 1989 (2 Bände).
  • Walter-Peer Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939–1945, Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1986.
  • Gerd F. Heuer: Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale, Erich Pabel Verlag, Rastatt 1978.
  • Hans H. Hildebrand / Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945, Biblio-Verlag, Osnabrück 1988, 3 Bände.
  • Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940–1945, Verlag Friedrichshaller Rundblick, 1996.
  • Hans Jürgen Witthöft: Lexikon zur deutschen Marinegeschichte, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1977, 2 Bände.
  • Martin Schmidtke: "Rettungsaktion Ostsee 1944/1945: Zusammenfassende Dokumentation einschließlich Darstellung der beteiligten Schiffe und Boote von Handelsflotte, Kriegsmarine, Luftwaffe und Heer.", ISBN-13: 978-3763762637

[bearbeiten] Auszeichnungen

[bearbeiten] Verweise

[bearbeiten] Filme / Dokumentationen

Dönitz im Kreuzverhör, Original-Tondokumente von Dönitz vor dem Nürnberger Tribunal, Polarfilm, ISBN-13: 978-3939504047

[bearbeiten] Fußnoten

  1. ^ Der Weg zum Reich
  2. ^ Helden der Wehrmacht - Unsterbliche deutsche Soldaten, DSZ-Verlag, München, S.13
  3. ^ http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E6D9676EA3E7A45848E38CC55D93FE95D~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_feuilleton
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