Kassel

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Kassel

Wappen von Kassel
Staat: Deutsches Reich
Gau: Kurhessen
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Provinz: Kurhessen
Einwohner (2011): 191.854
Bevölkerungsdichte: 1.796 Ew. p. km²
Fläche: 106,79 km²
Höhe: 166 m ü. NN
Postleitzahl: 34001–34134
Telefon-Vorwahl: 0561
Kfz-Kennzeichen: KS
Koordinaten: 51° 19′ N, 9° 30′ O
Kassel befindet sich seit 1945 entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Hessen
Bürgermeister: Bertram Hilgen (SPD)

Kassel (bis 1926 amtlich Cassel) ist die einzige Großstadt in Nordhessen und nach Frankfurt am Main und Wiesbaden die drittgrößte Stadt des Landes Hessen.

Kassel ist die historische Hauptstadt Hessens und hatte von 1277 bis 1866 Hauptstadtfunktionen inne. Bis 1945 war die Stadt Hauptstadt des Gaues Kurhessen und ist heute Sitz des Regierungsbezirks Kassel und des Landkreises Kassel. Sie bildet eines der zehn Oberzentren des Landes Hessen.

International bekannt ist Kassel, das zu beiden Ufern der Fulda liegt, vor allem durch den Bergpark Wilhelmshöhe mit den Kasseler Wasserspielen im Habichtswald und die seit 1955 alle 4 bis 5 Jahre stattfindende Kunstausstellung documenta; aus diesem Grund trägt Kassel seit März 1999 offiziell den Beinamen „documenta-Stadt“.

Kassels Einwohnerzahl überschritt um das Jahr 1899 die 100.000-Grenze, wodurch die Stadt zur Großstadt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1885 64.088
1939 218.400
1945 71.209

Geschichte

Luftangriffe auf Kassel

Hauptartikel: Luftangriffe auf Kassel

Kassel gehört neben Dresden, Hamburg, Pforzheim und Darmstadt zu den deutschen Städten mit den höchsten Opferzahlen durch alliierte Luftangriffe. Den schwersten Luftangriff erlebte die Stadt am 22. Oktober 1943 im Rahmen der britischen Area Bombing Directive.

Bedeutung als Angriffsziel

Während des Zweiten Weltkrieges bildete Kassel ein wichtiges Rüstungszentrum, insbesondere für Lastwagen, Lokomotiven und Panzer. Weiterhin wurden in drei Werken am Rande der Stadt Fieseler-Flugzeuge hergestellt. Durch das besonders starke Auftreten von Fachwerkhäusern in den Altstadtbereichen rückte Kassel bereits früh in die Liste brandgefährdeter Städte, für die ein Brandbombenangriff besonders geeignet erschien.

Der Angriff vom 22./23. Oktober 1943

Bei einem ersten Angriff am 21. Oktober 1943 trafen die anfliegenden Bomberverbände auf eine geschlossene Wolkendecke, sodass nur die nördlichen Außenbezirke sowie die Fieseler-Werke getroffen wurden. Die umliegenden Gemeinden Kassels erlitten teils gewaltige Schäden (u. a. Vellmar, Heckershausen).

Am Nachmittag des 22. Oktober starteten erneut Bomber in England und erreichten gegen 20:45 Uhr die Stadt. Aufgrund von Ablenkungsmanövern wie dem Abwurf von Markierungsbomben über Frankfurt oder dem Setzen von sogenannten Christbäumen über Köln wurde in Kassel erst sehr spät Luftalarm ausgelöst.

Wie bereits beim Luftangriff auf Darmstadt kam eine Fächertaktik zum Einsatz. Dabei markierten die Bomberverbände das Zielgebiet in Form eines Viertelkreises um ein präziseres Bombardement zu erreichen und somit die Zerstörungen zu maximieren. Nach diesem Setzen der Leuchtmarkierungen (im Volksmund: „Christbäume“ genannt) begann dann der eigentliche Angriff, dem innerhalb von 22 Minuten die gesamte mittelalterliche Altstadt zum Opfer fallen sollte. Zuerst wurden tausende Sprengbombe sowie hunderte schwerer Luftminen abgeworfen. Durch die Druckwellen der Explosionen wurden Dächer, Fenster und Türen aufgerissen. Danach wurden mehr als 350.000 Stabbrandbomben über dem Stadtgebiet abgeworfen, die nun in die aufgerissen Dachstühle der zumeist aus Fachwerk bestehenden Häuser fielen und diese innerhalb kürzester Zeit in Vollbrand versetzten. Da Kassel etwa 150 Kilometer von der nächstgrößeren Stadt entfernt liegt, waren die auf sich selbst gestellten eigenen Feuerwehren viel zu schwach, um ordentlich löschen zu können und völlig überfordert. Statistiken folgend wurden auf jeden Quadratmeter zwei Brandbomben abgeworfen, was zu einem Feuersturm führte. Erst 45 Minuten nach dem Angriff erreichte dieser seinen Höhepunkt und wurde für viele Bewohner in den Kellern zur tödlichen Falle.

Durch die Zerstörung der Befehlsstelle des Luftwarndienstes konnte keine Entwarnung gegeben werden. Der Nachrichtenverkehr zwischen den Stadtteilen war bereits eine halbe Stunde nach Angriffsbeginn zusammengebrochen. Die Menschen blieben so in ihren Kellerräumen sitzen. Durch die vorsorgliche Schaffung von Verbindungen zwischen allen Kasseler Innenstadtgebäuden mittels Mauerdurchbrüchen verblieben noch letzte Fluchtmöglichkeiten.

Die Folgen

Beim Angriff auf Kassel kamen nach ersten Schätzungen über 10.000 Menschen ums Leben. Während in den äußeren Stadtbezirken 80 Prozent aller Wohnhäuser zerstört waren, wurde die Altstadt mit rund 97-prozentiger Zerstörung geradezu eingeäschert. Auf Luftbildaufnahmen brannte die Stadt nach weiteren sieben Tagen immer noch. Auf jeden Einwohner kamen 48 Kubikmeter Schutt.[1]

Auch die Industrieanlagen hatten schwere Produktionsausfälle zu verzeichnen. So fiel beispielsweise im Fieseler-Flugzeugwerk eine komplette Monatsproduktion an Flugzeugen aus, im Flakmunitionswerk rund ein Drittel der gesamten Produktionsmenge über die nächsten Monate. Die Industrie erreichte erst im März 1944 wieder ihren alten Auslieferungsplan.

Wiederaufbau

Die ersten Pläne zum Wiederaufbau Kassels nach dem Krieg fußten unverständlicherweise auf Plänen zur Umgestaltung Kassels zur nationalsozialistischen Gauhauptstadt Hessen-Nassaus aus den 1930er-Jahren. Die Ausstellung „Kassel baut auf“ führte 1946 zu einem Eklat, nachdem der zur SPD gewechselte Stadtbaurat in der Ausstellung alte Pläne zum Umbau zur Gauhauptstadt präsentierte, wobei der Begriff „Gauhauptstadt“ nur überklebt war.

Im Jahr 1947 wurde ein Wettbewerb „Bebauungsvorschlag zum Wiederaufbau der Stadt Kassel“ durchgeführt. Den ersten Preis erhielt Hans Högg, dessen Plan den weitgehenden Erhalt der bisherigen städtischen Strukturen vorsah.[2] Dazu kam es jedoch nicht, sondern die verbleibenden Reste der historischen Bebauung wurden weitestgehend abgeräumt. Unter dem Schlagwort „Autogerechte Stadt“ sollte Kassel, das einstmals als eine der schönsten Städte Europas beschrieben wurde,[3] zu einer modernen Metropole ausgebaut werden. Es gab kaum Bemühungen, historische Bausubstanz zu konservieren oder zu rekonstruieren. Dies hatte seinen Ursprung auch in den Bestrebungen der Moderne, welche die aus dem Mittelalter stammenden Stadtstrukturen, und damit auch die hygienischen und sozialen Zustände in den Altstädten der Jahrhunderwertwende durch Konzepte wie die Gartenstadt zu überwinden suchten[4]. Die Trümmer der Innenstadt wurden am Rosenhang an der Karlsaue aufgeschüttet, wodurch sich sein Profil deutlich veränderte. Abgesehen von den hölzernen Fachwerkhäusern der Altstadt wurden viele Baudenkmäler erst ein Opfer des Wiederaufbaus und nicht der Kriegshandlungen, die sie beschädigt aber nicht vollständig vernichtet hatten. Dies betrifft vor allem das Staatstheater und das klassizistische Nahl'sche Haus, dessen Wiederaufbau bereits begonnen hatte, dann aber dem Bau der Treppenstraße doch noch weichen mußte.

Personen

Sehenswürdigkeiten (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

  • Werner Dettmar: Die Zerstörung Kassels im Oktober 1943, Hesse, Fuldabrück 1983, ISBN 3-924259-00-3

Verweise

Fußnoten

  1. Barbara Ettinger: Architektur in Kassel, S. 75 in: Kulturstadt Kassel, Thomas Walliczek (Hg.), Phoenix Verlag, Kassel, ISBN 3-980990001
  2. Barbara Ettinger-Brinckmann, am angegebenen Ort, S. 76
  3. Barbara Ettinger-Brinckmann, am angegebenen Ort, S. 74, zitierend aus: „Kassel im 18. Jahrhundert - Residenz und Stadt“
  4. Barbara Ettinger-Brinckmann, am angegebenen Ort, S. 76
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